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Zur Tant */16GM - Köln

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  • #16
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    Da fragt man sich doch, woher die „Tant“ an einem Montag den frischen Fisch herbekommt.
    Haben Sie das mal nachgefragt oder wissen es gar, werter glauer?

    Schönen Gruß, Merlan
    Wir hatten über den Steinbutt gesprochen, weil bei dem der Name und Verwandtschaftsgrad des Fischers vermerkt war. Ich meine mich zu erinnern der Lieferant käme regelmäßig direkt von der (niederländischen?) Küste angefahren.

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    • #17
      Zitat von merlan Beitrag anzeigen
      Da fragt man sich doch, woher die „Tant“ an einem Montag den frischen Fisch herbekommt.
      Haben Sie das mal nachgefragt oder wissen es gar, werter glauer?

      Schönen Gruß, Merlan
      Sie sind manchmal schon recht lustig Wenn es ihnen selber am Tisch vom Maitre erklärt worden wäre, woher der frische Fisch kommt, dann ist das ihnen zu viel Gelaber. Das hindert Sie dann aber nicht daran, von anderen Gästen eine Erklärung zu fordern, warum der Fisch jetzt frisch war. Denken Sie mal da bitte drüber nach

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      • #18
        @hartmanns: Es freut mich sehr, wie aufmerksam Sie meine Beiträge lesen.

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        • #19
          Es ist noch Köln, aber es fühlt sich nicht mehr so an, so weit draußen hier. Mit der Bahn bis zur Endstation, dann noch mit dem Bus etliche Stationen und dann noch ein paar hundert Meter vorbei an adretten Einfamilienhäusern, viel Wiese und wenig Verkehr.

          Und auf einmal steht man am Rhein und betritt das „Zur Tant“ in Porz. Hier im Ortsteil Langel, quasi auf halber Strecke zwischen Köln und Bonn, macht es einen ziemlich ländlichen Eindruck. Auch von außen sieht es sehr gediegen aus. Dies setzt sich im Inneren fort. Der große Speisesaal versprüht mit seinem Teppichboden und dem etwas altbacken wirkenden Mobiliar ein wenig den Charme der Achtziger. Dafür sind die Tische großzügig platziert und bieten auch für zwei Personen reichlich Platz. Wenn man, wie wir, zeitig kommt, hat man auch das Glück, einen der Fensterplätze mit Rheinblick zu ergattern.

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          Außenansicht & Interieur

          Schon unter den Vorbesitzern, der Familie Hütter, hielt das Haus lange einen Michelin-Stern, der aber 2010 verloren ging. Seit 2014 zeichnet nun Thomas Lösche in der Küche verantwortlich und er konnte 2017 den Stern wieder zurück holen. Über dem Zweitrestaurant „Piccolo“ prangt zudem der „Bib Gourmand“.

          Dass in diesem Ambiente und in dieser sehr bürgerlichen Umgebung kaum Avantgarde-Exaltiertheiten zu erwarten ist, wissen wir natürlich vorab. Die Karte listet jeweils vier Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts sowie eine Suppe auf, zudem ein Menü in vier bis sechs Gängen (75-95 Euro), das sich aus den à la Carte-Gerichten zusammen setzt. Wir entscheiden uns für das große Menü.

          Zum ganz ausgezeichneten Welschriesling-Sekt vom burgenländischen Weingut Szigeti werden zweierlei selbstgebackenes Brot und zwei eher unauffällige Aufstriche gereicht.

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          Brot & Aufstrich

          Auf eine üppige Parade von Apéros verzichtet man im „Zur Tant“ und begnügt sich auch mit einem relativ einfach konzipierten Amuse Bouche. Zu einem Tatar von Roter Bete und knackigen Scheiben davon gesellt sich ein Stück recht weichen, marinierten Lachses. Gutes Öl ist üppig portioniert und puffert den erdigen Grundton etwas ab.

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          Amuse Bouche: Rote Bete Tatar & Lachs

          Ohne weitere Umschweife geht es dann auch mit dem ersten Gang los. Und der präsentiert auf einem Bett von marinierten, längs halbierten Bohnen eine Scheibe Foie Gras, wie man sie heute in dieser Form auch nicht mehr häufig antrifft. Ganz traditionell als Terrine von zart schmelzender Konsistenz und ansonsten nur von Gelee aus Holunderblüten begleitet, ist das makelloses Handwerk. Dass es dazu separat eine Scheibe leicht getoastetes Brioche gibt, versteht sich da quasi von selbst.
          Das kleine Kraut auf dem Gelee lässt mich aufmerken, denn es mutet fast ein wenig wie Waldmeister an, was natürlich angesichts der Jahreszeit nicht sein kann. Es entpuppt sich als Weinraute, mir bis dahin unbekannt, und setzt einen kleinen, feinen bitter-fruchtigen Akzent.

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          Foie gras I Holunderblüte I Bohnen I Brioche

          Die folgende Jakobsmuschel ist von ausgezeichneter Qualität. Sie wurde confiert und dann scharf angebraten, so dass leichte Röstnoten mitspielen. Schön auch, dass der Corail seinen Platz im Gericht hat. Der Muschelrahm ist nicht sonderlich prägnant. Dafür gefallen mir der Kohlrabi als Scheibe auf dem Boden und als dünne Spaghetti sowie die feinen Kapern als Begleitung. Das ist sehr harmonisch und wohlschmeckend.

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          Getauchte Jakobsmuschel I Muschelrahm I Kohlrabi I Kapuzinerkresse

          Gleiches trifft auch auf den Steinbutt zu. Kleine geröstete Blumenkohlröschen, ein kapitales Stück Steinpilz sowie ein Kalbskopfravioli fügen sich hier ebenso stimmig ein wie das confierte Eigelb und die dezente Mandelsauce. Alles wirkt unterstützend, nichts will kontrastieren. Durchaus ein Gericht aus der Abteilung Wohlfühlküche.

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          Steinbutt I Blumenkohl I Steinpilze I Ei I Kalbskopf-Ravioli

          Ausgesprochen klassisch geht es auch weiter mit dem perfekt rosa gebratenen Onglet. Dieses schön marmorierte Fleisch, auch bekannt als Nierenzapfen und eigentlich der Stützmuskel des Zwerchfells ist ausgesprochen geschmacksintensiv. Dazu gesellt sich pulled Beef in Form eines Würfels, im Schweinenetz, das sich aber aromatisch trotz der langen Schmorzeit kaum vom Onglet abhebt, was wiederum für die Qualität des Hauptstücks spricht.
          Wilder Brokkoli, Wurzelgemüse in Form von Petersilienwurzel und Karotte sind vielleicht nicht hyperkreativ, aber sorgfältig gegart und eine sichere Bank als Beilage, ebenso wie die in Variation verarbeitete Kartoffel. Akkurat aufdressiertes Püree, Chips und eine Art Curly Fries passen und sorgen auch für texturelle Abwechslung. Keine Frage, dass auch die Rotweinsauce bestes Handwerk ist, perfekten Glanz aufweist und fast schon am Mund kleben bleibt.

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ID: 64984
          Onglet I Rotweinsauce I Wilder Brokkoli I Wurzelgemüse I Kartoffel

          Käse kommt vom Meister aller Maître Fromagers, von Bernard Antony und ist damit qualitativ sowieso über jeden Zweifel erhaben. Der Service stellt uns einige Sorten zusammen. Als Käsepurist brauche ich weder Brot noch Senf oder Chutneys. Allerdings ist das selbstgebackene Knäckebrot von herausragender Qualität und auch die karamellisierten Kürbiskerne zum Knabbern gefallen mir dazu sehr gut.

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          Käse von Maître fromager Affineur Antony

          Das Dessert reiht sich im Prinzip nahtlos an die vorherigen Gänge und kommt ohne besonderen Schnickschnack aus. Ein Schokoladenriegel, gefüllt mit luftiger Mousse und einem Biskuit, wird von Heidelbeerkompott begleitet. Passionsfrucht, als cremiges Eis und als Sauce, liefert fast schon verstörend deutliche Säurespitzen und sorgt dafür, dass das Dessert doch nicht ins allzu Gefällige abrutscht.
          Aber auch trotz der sehr säuerlichen Note bleibt dies ein sehr klassisches Dessert und handwerklich sehr akkurat gearbeitet. Dass hier neumodisch mit Kräutern oder Gemüse experimentiert wird, muss sowieso niemand befürchten.

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ID: 64978
          Schokolade I Passionsfrucht I Heidelbeeren

          Auch die abschließenden Petits Fours wissen durchgehend zu überzeugen und bedienen vor allem das Grundbedürfnis nach Süßem.

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          Petits Fours

          Dass es hier klassisch zugeht, wussten wir bereits. Aber wenn es so makellos und mit hervorragenden Zutaten gemacht ist wie hier, ist es zur Abwechslung mal eine wirkliche Freude. Wir sind ja viel unterwegs und für alle möglichen Küchenstile zu haben. Ob es dem Alter zuzuschreiben ist oder dem zeitweisen Wunsch nach etwas Vertrautem und Gewohnten, kann ich nicht sagen, aber unterschätze mir keiner die Klassik. Hier findet sich noch Handwerk und Harmonie ohne störende Dissonanzen.

          Und genau das erwartet auch das Publikum hier. An diesem Sonntag Mittag finden sich scheinbar zahlreiche Stammgäste, viele von ihnen schon etwas betagter. Der Service von Sommelier Mario Fitz und Thomas Löschers Lebensgefährtin Marlen Mager geht hier vorbildlich auf die Gäste ein. Ist auf der Karte des Gourmet-Restaurants nichts Passendes zu finden, bringt man gerne auch die des „Picccolo“. Die meisten Gäste kennt man eh mit Namen und weiß um Geschmacksvorlieben und stellt sich darauf ein.

          Die Weinkarte hat einen deutlichen Schwerpunkt in Österreich, was der Tatsache geschuldet ist, dass die österreichischen Vorbesitzer noch einen Weinhandel betreiben und die meisten Bouteillen der Karte auch verkauft werden.

          Wir sind mit Grünem Veltliner und Blaufränkisch jedenfalls sehr zufrieden und, um diese erfreuliche Mittagsmahlzeit auch richtig abzuschließen, lassen auch die Brände von Gölles aus der Steiermark nicht aus.
          Nach guten dreieinhalb Stunden allerdings ist der ausgiebige Spaziergang am Rheinufer nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch dringend angeraten.


          Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/zur-tant-koeln/

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