Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Zur Tant */16GM - Köln

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • thomashaj
    antwortet
    Es ist noch Köln, aber es fühlt sich nicht mehr so an, so weit draußen hier. Mit der Bahn bis zur Endstation, dann noch mit dem Bus etliche Stationen und dann noch ein paar hundert Meter vorbei an adretten Einfamilienhäusern, viel Wiese und wenig Verkehr.

    Und auf einmal steht man am Rhein und betritt das „Zur Tant“ in Porz. Hier im Ortsteil Langel, quasi auf halber Strecke zwischen Köln und Bonn, macht es einen ziemlich ländlichen Eindruck. Auch von außen sieht es sehr gediegen aus. Dies setzt sich im Inneren fort. Der große Speisesaal versprüht mit seinem Teppichboden und dem etwas altbacken wirkenden Mobiliar ein wenig den Charme der Achtziger. Dafür sind die Tische großzügig platziert und bieten auch für zwei Personen reichlich Platz. Wenn man, wie wir, zeitig kommt, hat man auch das Glück, einen der Fensterplätze mit Rheinblick zu ergattern.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_417.jpeg
Ansichten: 315
Größe: 3,06 MB
ID: 64987Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_41a.jpeg
Ansichten: 251
Größe: 2,17 MB
ID: 64983
    Außenansicht & Interieur

    Schon unter den Vorbesitzern, der Familie Hütter, hielt das Haus lange einen Michelin-Stern, der aber 2010 verloren ging. Seit 2014 zeichnet nun Thomas Lösche in der Küche verantwortlich und er konnte 2017 den Stern wieder zurück holen. Über dem Zweitrestaurant „Piccolo“ prangt zudem der „Bib Gourmand“.

    Dass in diesem Ambiente und in dieser sehr bürgerlichen Umgebung kaum Avantgarde-Exaltiertheiten zu erwarten ist, wissen wir natürlich vorab. Die Karte listet jeweils vier Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts sowie eine Suppe auf, zudem ein Menü in vier bis sechs Gängen (75-95 Euro), das sich aus den à la Carte-Gerichten zusammen setzt. Wir entscheiden uns für das große Menü.

    Zum ganz ausgezeichneten Welschriesling-Sekt vom burgenländischen Weingut Szigeti werden zweierlei selbstgebackenes Brot und zwei eher unauffällige Aufstriche gereicht.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_41c.jpeg
Ansichten: 284
Größe: 2,46 MB
ID: 64985
    Brot & Aufstrich

    Auf eine üppige Parade von Apéros verzichtet man im „Zur Tant“ und begnügt sich auch mit einem relativ einfach konzipierten Amuse Bouche. Zu einem Tatar von Roter Bete und knackigen Scheiben davon gesellt sich ein Stück recht weichen, marinierten Lachses. Gutes Öl ist üppig portioniert und puffert den erdigen Grundton etwas ab.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_41d.jpeg
Ansichten: 250
Größe: 2,07 MB
ID: 64979
    Amuse Bouche: Rote Bete Tatar & Lachs

    Ohne weitere Umschweife geht es dann auch mit dem ersten Gang los. Und der präsentiert auf einem Bett von marinierten, längs halbierten Bohnen eine Scheibe Foie Gras, wie man sie heute in dieser Form auch nicht mehr häufig antrifft. Ganz traditionell als Terrine von zart schmelzender Konsistenz und ansonsten nur von Gelee aus Holunderblüten begleitet, ist das makelloses Handwerk. Dass es dazu separat eine Scheibe leicht getoastetes Brioche gibt, versteht sich da quasi von selbst.
    Das kleine Kraut auf dem Gelee lässt mich aufmerken, denn es mutet fast ein wenig wie Waldmeister an, was natürlich angesichts der Jahreszeit nicht sein kann. Es entpuppt sich als Weinraute, mir bis dahin unbekannt, und setzt einen kleinen, feinen bitter-fruchtigen Akzent.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_422.jpeg
Ansichten: 252
Größe: 1,45 MB
ID: 64977
    Foie gras I Holunderblüte I Bohnen I Brioche

    Die folgende Jakobsmuschel ist von ausgezeichneter Qualität. Sie wurde confiert und dann scharf angebraten, so dass leichte Röstnoten mitspielen. Schön auch, dass der Corail seinen Platz im Gericht hat. Der Muschelrahm ist nicht sonderlich prägnant. Dafür gefallen mir der Kohlrabi als Scheibe auf dem Boden und als dünne Spaghetti sowie die feinen Kapern als Begleitung. Das ist sehr harmonisch und wohlschmeckend.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_423.jpeg
Ansichten: 252
Größe: 2,09 MB
ID: 64980
    Getauchte Jakobsmuschel I Muschelrahm I Kohlrabi I Kapuzinerkresse

    Gleiches trifft auch auf den Steinbutt zu. Kleine geröstete Blumenkohlröschen, ein kapitales Stück Steinpilz sowie ein Kalbskopfravioli fügen sich hier ebenso stimmig ein wie das confierte Eigelb und die dezente Mandelsauce. Alles wirkt unterstützend, nichts will kontrastieren. Durchaus ein Gericht aus der Abteilung Wohlfühlküche.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_424.jpeg
Ansichten: 247
Größe: 2,52 MB
ID: 64986
    Steinbutt I Blumenkohl I Steinpilze I Ei I Kalbskopf-Ravioli

    Ausgesprochen klassisch geht es auch weiter mit dem perfekt rosa gebratenen Onglet. Dieses schön marmorierte Fleisch, auch bekannt als Nierenzapfen und eigentlich der Stützmuskel des Zwerchfells ist ausgesprochen geschmacksintensiv. Dazu gesellt sich pulled Beef in Form eines Würfels, im Schweinenetz, das sich aber aromatisch trotz der langen Schmorzeit kaum vom Onglet abhebt, was wiederum für die Qualität des Hauptstücks spricht.
    Wilder Brokkoli, Wurzelgemüse in Form von Petersilienwurzel und Karotte sind vielleicht nicht hyperkreativ, aber sorgfältig gegart und eine sichere Bank als Beilage, ebenso wie die in Variation verarbeitete Kartoffel. Akkurat aufdressiertes Püree, Chips und eine Art Curly Fries passen und sorgen auch für texturelle Abwechslung. Keine Frage, dass auch die Rotweinsauce bestes Handwerk ist, perfekten Glanz aufweist und fast schon am Mund kleben bleibt.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_425.jpeg
Ansichten: 252
Größe: 2,50 MB
ID: 64984
    Onglet I Rotweinsauce I Wilder Brokkoli I Wurzelgemüse I Kartoffel

    Käse kommt vom Meister aller Maître Fromagers, von Bernard Antony und ist damit qualitativ sowieso über jeden Zweifel erhaben. Der Service stellt uns einige Sorten zusammen. Als Käsepurist brauche ich weder Brot noch Senf oder Chutneys. Allerdings ist das selbstgebackene Knäckebrot von herausragender Qualität und auch die karamellisierten Kürbiskerne zum Knabbern gefallen mir dazu sehr gut.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_426.jpeg
Ansichten: 247
Größe: 2,20 MB
ID: 64982
    Käse von Maître fromager Affineur Antony

    Das Dessert reiht sich im Prinzip nahtlos an die vorherigen Gänge und kommt ohne besonderen Schnickschnack aus. Ein Schokoladenriegel, gefüllt mit luftiger Mousse und einem Biskuit, wird von Heidelbeerkompott begleitet. Passionsfrucht, als cremiges Eis und als Sauce, liefert fast schon verstörend deutliche Säurespitzen und sorgt dafür, dass das Dessert doch nicht ins allzu Gefällige abrutscht.
    Aber auch trotz der sehr säuerlichen Note bleibt dies ein sehr klassisches Dessert und handwerklich sehr akkurat gearbeitet. Dass hier neumodisch mit Kräutern oder Gemüse experimentiert wird, muss sowieso niemand befürchten.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_428.jpeg
Ansichten: 250
Größe: 1,63 MB
ID: 64978
    Schokolade I Passionsfrucht I Heidelbeeren

    Auch die abschließenden Petits Fours wissen durchgehend zu überzeugen und bedienen vor allem das Grundbedürfnis nach Süßem.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: fullsizeoutput_429.jpeg
Ansichten: 247
Größe: 2,19 MB
ID: 64981
    Petits Fours

    Dass es hier klassisch zugeht, wussten wir bereits. Aber wenn es so makellos und mit hervorragenden Zutaten gemacht ist wie hier, ist es zur Abwechslung mal eine wirkliche Freude. Wir sind ja viel unterwegs und für alle möglichen Küchenstile zu haben. Ob es dem Alter zuzuschreiben ist oder dem zeitweisen Wunsch nach etwas Vertrautem und Gewohnten, kann ich nicht sagen, aber unterschätze mir keiner die Klassik. Hier findet sich noch Handwerk und Harmonie ohne störende Dissonanzen.

    Und genau das erwartet auch das Publikum hier. An diesem Sonntag Mittag finden sich scheinbar zahlreiche Stammgäste, viele von ihnen schon etwas betagter. Der Service von Sommelier Mario Fitz und Thomas Löschers Lebensgefährtin Marlen Mager geht hier vorbildlich auf die Gäste ein. Ist auf der Karte des Gourmet-Restaurants nichts Passendes zu finden, bringt man gerne auch die des „Picccolo“. Die meisten Gäste kennt man eh mit Namen und weiß um Geschmacksvorlieben und stellt sich darauf ein.

    Die Weinkarte hat einen deutlichen Schwerpunkt in Österreich, was der Tatsache geschuldet ist, dass die österreichischen Vorbesitzer noch einen Weinhandel betreiben und die meisten Bouteillen der Karte auch verkauft werden.

    Wir sind mit Grünem Veltliner und Blaufränkisch jedenfalls sehr zufrieden und, um diese erfreuliche Mittagsmahlzeit auch richtig abzuschließen, lassen auch die Brände von Gölles aus der Steiermark nicht aus.
    Nach guten dreieinhalb Stunden allerdings ist der ausgiebige Spaziergang am Rheinufer nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch dringend angeraten.


    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/zur-tant-koeln/

    Einen Kommentar schreiben:


  • merlan
    antwortet
    @hartmanns: Es freut mich sehr, wie aufmerksam Sie meine Beiträge lesen.

    Einen Kommentar schreiben:


  • hartmanns
    antwortet
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    Da fragt man sich doch, woher die „Tant“ an einem Montag den frischen Fisch herbekommt.
    Haben Sie das mal nachgefragt oder wissen es gar, werter glauer?

    Schönen Gruß, Merlan
    Sie sind manchmal schon recht lustig Wenn es ihnen selber am Tisch vom Maitre erklärt worden wäre, woher der frische Fisch kommt, dann ist das ihnen zu viel Gelaber. Das hindert Sie dann aber nicht daran, von anderen Gästen eine Erklärung zu fordern, warum der Fisch jetzt frisch war. Denken Sie mal da bitte drüber nach

    Einen Kommentar schreiben:


  • glauer
    antwortet
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    Da fragt man sich doch, woher die „Tant“ an einem Montag den frischen Fisch herbekommt.
    Haben Sie das mal nachgefragt oder wissen es gar, werter glauer?

    Schönen Gruß, Merlan
    Wir hatten über den Steinbutt gesprochen, weil bei dem der Name und Verwandtschaftsgrad des Fischers vermerkt war. Ich meine mich zu erinnern der Lieferant käme regelmäßig direkt von der (niederländischen?) Küste angefahren.

    Einen Kommentar schreiben:


  • merlan
    antwortet
    Zitat von glauer Beitrag anzeigen

    Hier aber war die Rotbarbe sensationell frisch und die Küche hatte zurecht keinerlei Bedenken die rohe Fischleber in das Gericht einzubauen. Ebenso grossartig und perfekt gegart die dicke Steinbutttranche, die offensichtlich nicht von einem labbrigen Zuchtexemplar stammte.
    Da fragt man sich doch, woher die „Tant“ an einem Montag den frischen Fisch herbekommt.
    Haben Sie das mal nachgefragt oder wissen es gar, werter glauer?

    Schönen Gruß, Merlan

    Einen Kommentar schreiben:


  • glauer
    antwortet
    Zitat von Frab Beitrag anzeigen
    Inwiefern unterscheidet sich dieses Restaurant von den anderen 249 Einsternern in Deutschland? Steinbutt, Ente, steirisches Kürbiskern-Öl gibt es ja sehr oft in "gut" - es hat bei Ihnen nur noch Foie Gras gefehlt und das Klischee wäre komplett.
    Das gleiche habe ich mich auch gefragt, als vor kurzem Montag abends ausser dem Zur Tat auch wirklich gar nichts im Umkreis offen haben wollte. Ich habe mich dann unter Murren gefügt, Gottseidank muss man sagen. Allerdings sollte man nicht wegen des Ambiente kommen. Es ist innen etwas angegraut und auch draussen sass man bei der Hitze zwar angenehm, aber weder besonders komfortabel noch war die Rheinsicht in irgendeiner Weise postkartenverdächtig. Dafür war alles andere aber ganz formidabel.

    Wir hatten auch zuerst die Kalbszunge mit Kernöl und Bries. Hier zeigte sich schon, dass hier mit viel Geschmackssicherheit, erstklassiger Technik und wunderbaren Produkten gearbeitet wird. War die Zunge schon ausgezeichnet, so war das Kalbsbries in allerhöchsten Sphären. Lange habe ich kein so perfekt gebratenes und so dickes Stück Bries gehabt, aussen ganz zart knusprig und innen fein cremig, ohne aber zu weich zu sein.

    Besonders nervös hatten mich die beiden nächsten Gänge gemacht, zuerst Rotbarbe, dann Steinbutt. Im * Bereich habe ich da selten grosse Produktqualität erlebt, auch wenn Menüs deutlich mehr als die hier aufgerufenen 95 Euro kosten. Hier aber war die Rotbarbe sensationell frisch und die Küche hatte zurecht keinerlei Bedenken die rohe Fischleber in das Gericht einzubauen. Ebenso grossartig und perfekt gegart die dicke Steinbutttranche, die offensichtlich nicht von einem labbrigen Zuchtexemplar stammte. Dass dann auch der Käse noch von Antony kommt hat schon nicht mehr verwundert.

    Lange hat mich ein Restaurant nicht mehr so positiv überrascht. Hier wird zwar nicht versucht das Rad neu zu erfinden. Aber hier kann man kochen, hat Geschmack und versteht Balance, und scheint keinerlei Kompromisse beim Einkauf zu machen. Der Service ist leger, angenehm und kenntnisreich, besonders auch in Bezug auf die verlockende und freundlich kalkulierte Weinkarte. Die Tante mit ihrem sympathischen Team verdient ein volleres Haus.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Verstanden, lieber kgsbus! Eine schöne Website haben Sie im Übrigen, ich habe gestern noch etwas darin geschmökert.

    Wenn ich Sie richtig verstehe - ich versuche das so objektiv und neutral darzustellen wie mir möglich - ist Ihnen beim Essen nicht immer ein Alleinstellungsmerkmal wichtig sondern einfach eine schöne Zeit mit einem klaren Erwartungswert zu haben - wenn das gegeben ist, kommen Sie gerne regelmäßig wieder (Post in Odenthal, Vendome, Sonnora) und kreativ "toben Sie sich" via YouDinner-Veranstaltungen aus. Das kann ich sehr gut verstehen und ist finde ich einfach eine Typfrage, an die ich vor meiner Frage gar nicht gedacht hatte!

    Einen Kommentar schreiben:


  • kgsbus
    antwortet
    Geschätzter Frab!

    Danke für Ihre Rückmeldung.

    Kurz zu meiner Situation: Am liebsten esse ich am späten Mittag (Start 13 bis 14 Uhr), da gibt es in meiner Gegend gar nicht so viele Möglichkeiten – aber sie reichen mir schon mehr als aus. Zusätzlich reise ich (wenn mich keiner im Auto mitnimmt) mit Bus und Bahn – das war hier schon alles passend.

    Trotzdem steht natürlich das Essen im Mittelpunkt.

    Vielleicht unterscheidet sich die „Tant“ nicht so sehr vom Klischee.

    Ich bin eben ein Gefühlsmensch: Neben den Gerichten müssen mich auch das Lokal und die Menschen ansprechen. Und für mich war alles stimmig.
    Wenn die Tische nicht zu eng stehen, ist das für mich auch schon ein weiterer Pluspunkt (im Moissonnier zum Beispiel ist es mir das alles zu nah und zu wenig Platz; aber wenn es um Wein geht, ist Herr Moissonnier einfach großartig und ein unvergleichlicher Geschichtenerzähler).

    Handwerk und gute Zutaten überzeugen mich auch stets (daher sind mir Vendome oder Sonnora so ans Herz gewachsen).
    Den Service wünsche ich mir einfach locker, aber etwas „altmodisch“ darf es trotzdem sein (Frau Thieltges oder Herr Franzelin als Beispiele).

    Mein ideales Lokal im Sternebereich ist für mich die Post in Odenthal: Haltestelle fast vor der Türe, empathische Menschen, Gerichte, die klassische Elemente haben und trotzdem kleine Überraschungen haben.

    Als ich das obige Menü der Tant im Internet vor dem Besuch durchgelesen habe, fand ich das solide und erfreulich unspektakulär.

    Und so kam es dann auch daher: einfach gut; zusätzlich habe ich mich wohl gefühlt und als Gast ernst genommen.

    http://kgsbus.beepworld.de/:)

    Einen Kommentar schreiben:


  • Frab
    antwortet
    Werter kgsbus, das liest sich ohne Frage alles sehr positiv aber erlauben Sie mir bitte eine kritische Frage die sich zumindest mir beim Lesen gestellt hat: Inwiefern unterscheidet sich dieses Restaurant von den anderen 249 Einsternern in Deutschland? Steinbutt, Ente, steirisches Kürbiskern-Öl gibt es ja sehr oft in "gut" - es hat bei Ihnen nur noch Foie Gras gefehlt und das Klischee wäre komplett.

    Von diesem Einwurf abgesehen: Ich glaube bei der Kalbszunge hat Sie Ihr Wissen worum es sich eigentlich handelt beeinflusst. Mir ganz persönlich fällt es bei einer gut zubereiteten Zunge recht schwer diese von einem anderen Schnitt zu unterscheiden. Meine erste Zunge habe ich damals in Japan unbewusst am Spieß gegessen und es zuerst fälschlicherweise für Filet gehalten. Ich kann dies ausblenden und zähle beim Rind oder Kalb die Backe, Zunge oder Bries gar nicht mehr zu den Innereien. Gehirn, Herz, Magen, Leber (von Stopfleber abgesehen) oder Nieren sind für mich dann schon nochmal etwas anderes und fordern mich noch einmal ganz anders.

    Einen Kommentar schreiben:


  • kgsbus
    antwortet
    Der Stern ist zurecht zurück

    Wir waren in Köln noch nicht in „Zur Tant“ gewesen. Da bot sich ein Besuch geradezu an; denn es öffnet auch mittags und Ruhetage sind Mittwoch und Donnerstag.

    In Porz-Langel, einem idyllischen früher selbständigen Rheinort mit über 1000 Jahren Geschichte, liegt das Restaurant – sehr weit ab von der Innenstadt Kölns und auch noch auf der Schäl Sick gelegen, aber ganz nah am Rheinufer.

    Zu seinem Namen kam das schon 1849 urkundlich erwähnte Gasthaus, weil es von einer alleinstehenden Dame geführt wurde und im Dorfe hieß es deshalb: „Wir gehen zur Tant".

    Die Bezeichnung blieb auch erhalten als 1976 Familie Hütter das Haus übernahm und Zug um Zug zu einem Treffpunkt für Feinschmecker machte. Es handelte sich um eine eher klassische französische Küche mit merklichem österreichischem Einschlag.

    Das Lokal holte unter Franz Hütter (* 1955 in Feldbach in der Steiermark) über lange Jahre die Michelin-Auszeichnung. Der Stern ging aber 2010 verloren (doch von 2011 bis 2013 kam der BIP ins Haus).
    Kritiker warfen der Küche damals oftmals vor, dass es keine Weiterentwicklung gegeben hätte und die Karte über Jahre gleich geblieben sei. Die Stammgäste störte das aber nicht.

    2014 übergab der alte Betreiber das Unternehmen in die Hände des langjährigen Mitarbeiters Thomas Lösche.
    Unter der neuen Führung sollte unbedingt an alte Erfolge angeknüpft werden.
    Im Herbst 2016 konnte Thomas Lösche tatsächlich die Rückkehr feiern und den Stern auch für 2018 halten.

    Ambiente

    Am Mittag wird im kleineren Raum serviert – also dem Piccolo (Bistro). Dieser Bereich ist relativ einfach eingerichtet. Die Abstände zu anderen Tischen waren aber großzügig bemessen.
    Das Besteck war ein schnörkelloses Edelstahl-Produkt von WMF. Das Wasserglas war ebenfalls recht einfach. Für den Wein wurde jeweils das Gabriel-Glas verwendet. Ich mag dieses Glas recht gerne, weil fast alle Weine darin gut zur Geltung kommen und es gut in der Hand liegt.

    Service

    Zwei Männer und eine Frau waren für die Gäste tätig. Die beiden Kellner (einer davon der Restaurantleiter und Sommelier Mario Fitz) waren recht locker drauf bzw. gesprächig und zu Auskünften jederzeit bereit. Die junge Frau war fachlich auch voll auf der Höhe – aber etwas sachlicher bzw. ruhiger im Auftreten doch ebenfalls freundlich.

    Über die Vor- und Nachteile von Riedel-Gläsern und dem Einsatz des Gabriel Glases haben wir uns zwischendurch kurz mit Mario Fitz unterhalten.

    Am Ende des Menüs kam auch Thomas Lösche (Chefkoch und Geschäftsführer) zu uns an den Tisch und wir hatten ein erfreuliches und ausführliches Gespräch. Selten hat ein Chefkoch so offen und interessiert mit uns gesprochen und unsere Meinung erfragt.

    Wir merkten dabei, dass er seine Arbeit liebt und seine Augen glänzten, wenn er darüber sprach.
    Hochwertige Zutaten mit Herz zubereitet und mit Freude serviert, war sein Credo.
    Die Speisen orientieren sich an der jungen, frischen, kreativen, deutschen Küche. Die Weine haben weiterhin eine österreichische Ausrichtung.

    Die Karte(n)

    Man kann A la carte wählen oder das Menü von vier bis sechs Gängen bestellen.

    Wir entschieden uns für das 6–Gang Menü € 95,00 pro Person - 20 % = € 76,00 (Das Angebot für einen Preisnachlass gilt für das Menü exklusive Getränke am Montag & Dienstag.)

    Brot und zwei Aufstriche wurden gleich gereicht.

    Dann kam ein Gruß aus der Küche. Den Namen habe ich vergessen, aber ich habe noch im Ohr, dass der Keller erkläre, dass es eine Art „Obazda“ ohne Camembert auf Apfelbasis sei.
    Das Gericht war erfrischend und hatte ansprechende süße und säuerliche Noten in den Apfelscheiben und eine Cremigkeit in der hellen Paste darunter.

    Menü

    Kalbszunge I Kalbsbries I Wurzelgemüse I Kürbiskernöl I Croutons
    * Neumeister / Steiermark / Österreich Gemischter Satz / 2015 / QbA / trocken / Glas 0,125 € 7,00 €

    Die Kalbszunge war in dünne runde Scheiben geschnitten und wie ein Carpaccio großzügig auf dem ganzen Teller verteilt. In der Mitte war wie ein Ring das Gemüse aufgeschichtet und darauf thronte das Briesstück. Öl und Croutons waren reichlich auf dem Teller vorhanden.
    Meinem Kollegen sagte der eigenwillige Geschmack der Zunge nicht zu. Auch ich habe noch nicht oft dieses Grundaroma verkostet; es war leicht fremdlich für meine Zunge. Es wird wohl nicht zu meinen „Lieblingsfleisch“ werden. Aber Inneren sind eben so eine Sache. Das Bries zum Beispiel gehört nämlich zu meinen Top-Produkten. Und diese Innerei hatte die Küche auch tatsächlich etwas anders zubereitet als für mich üblich: sie wirkte etwas „roher“ als sonst, was wohl den Eigengeschmack noch stärker zum Ausdruck bringt.

    Der frische fruchtige Wein passte gut dazu, durch seine Zusammensetzung inklusive Traminer kommt leichte Kraft und sanfte Reife dazu.

    ○●○

    Steinbutt I Meeräsche-Rogen I Meerrettichsauce I Rote Bete
    * Georg Seiler / Burgenland / Österreich Riegelband / Chardonnay / 2015 / QbA / trocken / Glas 0,125 l € 7,60 €

    Auf dem Teller war zuunterst eine Schicht Rote-Bete-Creme. Darauf war die Rogenmasse aufgetragen und zuoberst war das Steinbuttfilet. Ein Stück Rote Bete lag ebenfalls auf dem Teller. Kräuterblättchen und kleine Körner befanden sich um dieses Zentrum herum verteilt. Dann wurde vorsichtig die Meerrettichsauce vom Service in drehenden Bewegungen aufgetragen. Das machte der Keller perfekt, aber niemand konnte es so locker wie Miguel Calero im Vendome (manche sagen, dass er diese Tätigkeit beim Gast in deutschland zumindest eingeführt hat).
    Gebratener Steinbutt gehört für mich zu den Top-Produkten. Das Fleisch ist relativ fest und herrlich nussig. Er war perfekt zubereitet. Den Rogen habe ich überwiegend mit den anderen Komponenten zusammen verkostet; also mit Bete oder Meerrettich. Das passte gut.

    Der im großen Fass gereifte Chardonnay war ein guter Begleiter zu allen Zutaten.

    ○●○

    Kürbissuppe I Steirisches Kürbiskern-Öl I Kürbiskerne I Speck
    * Weingut Kolkmann / Wagram / Niederösterreich / 2014 / Roter Veltliner Scheiben Reserve / Glas 0,125 l € 10,80 €

    Auch hier wurde der Teller angegossen. Hier „fehlte“ also die Suppe. Der feine krosse Speck lag auf dem Boden. Die gerösteten Kerne und das grün-dunkle Öl dazwischen. Das sah schon lecker aus und hätte auch pur sicher geschmeckt. Aber erst mit der Kürbissuppe war der Teller komplett. Sie war vorher stark aufgeschäumt worden und die Luftbläschen machen den Anblick recht appetitlich.

    Eigentlich braucht eine Suppe keinen Wein. Aber der Sommelier meinte, er hätte schon einen schönen Tropfen dazu. – Was soll der Geiz! Ich habe ein Glas genommen – und es auch nicht bereut. Der Rote Veltliner ist trotz des Namens ein Weißwein. Mir gefielen besonders die Noten von Feuerstein im Geschmack, den ich auch zum Beispiel bei Chablis, Pouilly-Fumé oder Sancerre schätze.

    ○●○

    Oldenburger Ente I Portweinsauce I Maronen I Schwarzwurzel I Birne I Grammel-Knödel
    * Georg Seiler / Burgenland / Österreich Cabernet / 2011 / Cabernet –Franc & Cabernet Sauvignon / QbA / trocken Glas 0,125 l € 10,80 €

    Der Hauptgang war also Ente. Da ich Entenbrust auch selber koche, habe ich mir die Haut genau angesehen. Sie war gut gebraten, aber nicht besonders kross. Das tat dem Geschmack aber keinen Abbruch.
    Das Fleisch war von erlesener Qualität (auf dem Markt bei meinem Händler bin ich gute Ware gewöhnt, diese war aber deutlich besser). Das Fleisch war zart und hatte eine großartige Aromatik.
    Das Maronenpüree war in einer Pastete untergebracht. Die Schwarzwurzelstücke (der Winter-Spargel) waren noch knackig im Biss.
    Die Birne war in der Küche leicht angeräuchert worden und gab dadurch diese Noten auch leicht an die Ente ab.
    Zusammen schmeckte mir das sehr gut.

    Aber der Knödel war für mich die Überraschung: Dieser Speckknödel war sicher der beste Knödel, den ich bisher verkosten konnte. Auch hier kommt der Geschmack durch die Zutaten. Beim Gespräch mit dem Koch verwies er darauf, dass seine Schweine-Fleisch-Produkte von Hofgut Silva kommen. Die Besitzer setzen auf extreme Freilandhaltung ( http://www.hofgut-silva.de ).

    Die Portweinsauce wurde natürlich auch am Tisch zugefügt. Sie verlieh dem Entenfleisch eine angenehme Süße.

    Der Rotwein – wieder aus Österreich – schmeckte mir pur und zusammen mit den Gerichten ausgezeichnet. Der Wein hatte feine Vanilletöne, sanfte Tannine und viel dunkle Frucht im Vordergrund.

    ●○●

    Käse von Maître fromager Affineur Antony

    Was ist ein „Maître fromager affineur“? Immerhin wird dieser Titel der Käser-Gilde nur einigen Mitgliedern zuteil, auch wenn es keine offizielle Bezeichnung ist. Es sind weltweit keine hundert Firmen. Der „Maître“ muss also warten können und ein Gespür besitzen, wann ein Käse „perfekt" ist. Sie kommen frisch und jung aus der Käserei und reifen beim „Veredler“ dann bis zum Höhepunkt. Und Bernard Antony aus dem Elsass gilt dabei als einer der besten weltweit (in Deutschland zählt wohl Volker Waltmann aus Erlangen zur Spitze).

    * PORT LBV Quinta do Tedo / 2011 Glas 5cl € 8,00

    Vier Stücke Käse lagen sinnvollerweise ohne Dressing oder Sauce pur auf dem Teller. Guter Käse braucht keine Unterstützung (für mich). Von sanft nach eigenwillig habe ich sie verkostet. Der Roquefort (als letzter in der Runde) hat mir am besten zugesagt. Er hatte kaum noch Schärfe, sondern war sehr ausgewogen. Davor war der Munster. Wir werden wohl auch keine Freunde; denn er hat mir eigentlich noch nie besonders zugesagt. Ich weiß nicht woran das liegt; denn Epoisses, der ja nicht gerade lecker aussieht und auch seinen Duft nicht für sich behalten kann, ist mein absoluter Lieblingsweichkäse.
    Die beiden sanften zu Beginn der Runde haben mir geschmeckt, aber ich habe mir die Namen nicht gemerkt; aber der zweite hat mir auch sehr zugesagt.

    Ach ja, die gerösteten Kürbiskerne am Rand habe ich am Ende auch aufgegessen. Ich mag Kürbis eben.

    Käse und Port sind Freunde und haben daher gut zusammen gespielt.

    ○●○

    Schokolade I Passionsfrucht I Blaubeeren
    * Georg Seiler / Burgenland / Österreich Traminer Beerenauslese/ 2014/ Prädikatswein / süß Glas 5cl € 8,50

    Der „Schokoladen-Riegel“ war innen in verschiedenen Schichten durchzogen, die ich jetzt nicht näher untersucht habe, sondern einfach Stück für Stück verzehrt und mich an den Aromen erfreut. Das cremige Eis passte gut als Kontrast dazu. Passionsfrucht und Blaubeeren rundeten den Teller ab.

    Da ich Süßweine zu Käse und Dessert sehr schätze, passte die Beerenauslese für mich perfekt. Ein Wein darf für mich beim Nachtisch nicht mit Cremigkeit und Süße geizen. Ich weiß, dass es andere gibt, die einen Champagner an dieser Stelle bevorzugen.

    Zum Ende haben wir noch Kaffee getrunken und dazu auch Petit fours erhalten. Da ich Haselnuss und Mandeln nicht vertrage blieb schon beim Dessert das „Nusssegel“ auf meinem Teller weg. Und auch der erste Teller mit süßen Kleinigkeiten hatte überwiegend Teile von Nougat und Marzipan. Aber der Pâtissier bemerkte das und legte einen zweiten Teller nach.

    So hatten wir wirklich einen großartigen Nachmittag mit köstlichen Speisen und passenden Getränken.

    Getränke

    Wasser – 6,60 €

    Weinbegleitung (siehe oben)

    Kaffee – 2,50 €

    Preis-Leistungs-Verhältnis

    Das Menü war für 76 € ein Schnäppchen; aber mit dem Wein und der entsprechenden Kalkulation (zum Beispiel kostet eine Flasche vom ersten Wein im Internet etwa 10 Euro und das Glas hier 7 Euro – es wird aber großzügig eingeschenkt) relativierte sich das am Ende doch etwas. Aber das nur am Rande; denn das machen ja alle Restaurants heute so (oder nicht?).

    Fazit

    5 – unbedingt wieder – Besonders im Sommer könnte man das mit einem Spaziergang am Rhein verbinden. Auf jeden Fall ist in unseren Augen das Konzept gute Zutaten und gute Stimmung voll aufgegangen.

    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

    Datum des Besuchs: 21.11.2017 – mittags – zwei Personen

    Einen Kommentar schreiben:


  • QWERTZ
    antwortet
    @schlaraffe, jetzt ist es mir Ihr Ansinnen klarer und ich stimme voll zu

    Einen Kommentar schreiben:


  • kgsbus
    antwortet
    Ich möchte auf gar keinen Fall "Gerüchte" entstehen lassen und habe den Text geändert.

    Nun hoffe, dass meine Absicht, von Forumsmitgliedern Informationen und Einschätzungen aus persönlichen Erfahrungen zuerhalten, klar wird.

    Selber habe ich keine Eindrücke.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Schlaraffenland
    antwortet
    "Nur wenn kgsbus das wünscht"

    Ja, lieber qwertz, so hab' ich's doch auch geschrieben.
    Aber gerne bemühe will ich mich bemühgen, eindeutiger zu formulieren. Also: Sätze wie: über den und den soll man zur Zeit ja auch nichts gutes hören, die sind so schnell gesagt, und der nächste sagt's dann weiter, und dann wieder der nächste. Gegen solche Argumente kann man sich als Wirt auch nicht wehren. Stimmungsmachende Gerüchte via Hörensagen sind unseriös und zeugen nicht von respektvollem Umgang.

    Einen Kommentar schreiben:


  • QWERTZ
    antwortet
    Nur wenn kgsbus das wünscht.
    Klar wissen wir alle, dass auf Bewertungsportalen viel Humbug steht. Aber wenn nach einem personellen Wechel z.B. der Tenor der dortigen Meinungen sich ändert, ist doch die Nachfrage, ob dies ein vertrauenswürdiger Forumianer bestätigen kann, nicht unberechtigt.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Schlaraffenland
    antwortet
    "Einige Kritiken im Internet haben zuletzt die Speisen stark getadelt."

    Aber da wir doch alle wissen, daß sich in diesen "Kritik"-Foren so ziemlich alles tummelt, vom knitzigen Kleingeist bis zum ausgemachten Arschloch, hat dieser Satz - übrigens im Gegensatz zu Ihren kulinarischen Berichten, werter kgsbus - keine Aussagekraft.
    Vielleicht könnten Sie ihn ja streichen und einer der Mods verfährt mit meinen Zeilen ebenso?
    MkG
    s.

    Einen Kommentar schreiben:

Lädt...
X