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Gourmetrestaurant Lerbach (geschlossen)

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  • #16
    Nach einschlägigen Erfahrungen im 1-Sterne-Bereich wagten wir uns erstmals in die erlesenen Gefilde der 3-Sterne-Kategorie. Ausschlaggebend für die Wahl des Restaurants war die Nähe zu den Schwiegereltern zwecks Betreuung unserer drei Monate alten Tochter. Also ab zu Nils Henkel.

    Der Empfang durch den distinguierten Maitre, dessen französischer Akzent ein klein wenig eitel wirkte, war eher formell als freundlich. Erste Ängste kamen auf. Sind wir den Anforderungen der Hochküche gewachsen? Werden wir bereits am Eingang als unwürdige Anfänger enttarnt und sogleich des Hauses verwiesen? Glücklicherweise wurden wir dann doch an unseren Tisch begleitet und kamen den Rest des Abends kaum noch mit dem ehrfurcht-einflößenden Herrn Thomann in Berührung. Stattdessen bediente uns ein junges Serviceteam ganz ohne Affektiertheit und Dünkel.
    Es folgte die unweigerliche Frage, ob‘s ein Glas Champagner sein darf, worauf ich regelmäßig die Gegenfrage nach einem Winzersekt stelle, der auch selbstverständlich serviert wurde und sehr gut war. Dermaßen eingestimmt ließen wir den Blick schweifen. Hier wurde behutsam modernisiert, viele Brauntöne, riesige Lampenschirme an der Decke, grüne Ledersessel - alles ganz schick, wenn da nicht dieses lästige Notausgangsschild wäre, das sich den ganzen Abend über immer wieder penetrant in meinen Blick warf. Aber Sicherheit muss ja sein.

    Dann der erste Gruß aus der Küche. Ein Croustillant von der Meeresspinne und eine Art Minisandwich vom Tobinambur. Sah erstklassig aus und schmeckte auch so. Jawoll, dachte ich, das ist Drei-Sterne-Küche. Ausgewogene Aromen und ein souveränes Spiel der Texturen, Präzision und Detailverliebtheit sowohl beim Anrichten als auch bei der handwerklichen Ausführung, phantasievolles Zusammenstellen außergewöhnlicher und hochwertiger Ausgangsprodukte, das alles traf auf diese kleinenGaumenschmeichler zu. Der Abend verhieß groß zu werden.
    Auch der zweite Gruß wunderbar. Drei Varianten des Estragon, mal mit Fisch, mal mit Bries - köstlich.

    Wir entschieden uns für die Degustation Pure Nature (wird das eigentlich englisch oder französisch ausgesprochen) in 6 Gängen. Dem Wunsch meiner Frau, die Gänseleber gegen die Wildgarnele zu tauschen wurde gerne entsprochen, was darüberhinaus noch dazu führte, daß sie zu ihrer großen Freude auch von anderen Innereien verschont blieb (z.B. dem Bries im Amuse), bzw. Alternativen angeboten bekam.
    Der junge, freundliche Sommelier ging souverän auf meine Bitte ein, jeweils einen Weiß- und einen Rotwein auszusuchen, da ich noch fahren musste.
    Die erste Schwäche zeigte sich dann in der Qualität der Brotauswahl. Es gab fluffiges, brötchenartiges Gebäck in verschiedenen Geschmacksrichtungen, deren Inhalt mehr Luft als Teig war. Das kennen wir selbst aus unbesternten Häusern besser.

    Dann der erste Gang: Flusskrebse/Gurke/Kräuteremulsion/Johannisbeeren/Dickmilch
    Bemerkenswert die vertikale Anordnung auf dem Teller, wohl ein Einfluss der skandinavischen Gourmetküche. Sieht toll aus, ist aber äußerst unpraktisch. Da man die, in hauchdünne Gurkenscheiben eingewickelten Teile nun mal nicht vertikal in den Mund bekommt, fummelt man so lange auf dem Teller rum, bis alles flach und unansehnlich darniederliegt. Am Ende bleibt ein deutlicher Geschmack nach....naja, Gurke halt, die zusammen mit den Kräutern und den Flusskrebsen immerhin einen frischen Start ins Menu bildeten. Eben Pure Nature.

    Der zweite Gang Seeteufel/Puro de Bellota Schinken/Palbohnen im Bohnenkrautsud
    war dann optisch das genaue Gegenteil. Ein schönes, perfekt gegartes Stück Seeteufel auf einem Soßenspiegel, belegt mit zwei Scheiben Schinken und ein paar Bohnen an der Seite. Einfach, klassisch, fast ein bißchen langweilig. Da wird wohl der Geschmack umwerfend sein, dachte ich noch und versuchte den Schinken zu zerteilen - allein, der wehrte sich, entpuppte sich dessen Konsistenz doch als merkwürdig gummiartig, so als hätte man vergessen, das Cellophan vom Schinken zu nehmen (was natürlich nicht der Fall war). Um ihn zu zerteilen, musste man ihn vom Seeteufel herunternehmen, auf den Telleboden legen und dann durchschneiden. Nachdem das geklappt hat, freute ich mich auf das kommende Geschmackserlebnis und wurde wieder enttäuscht. Eine irgendwie seifige, laugige Note belegte meine Zunge und wollte auch erstmal nicht so schnell weichen, so daß der tolle Fisch geschmacklich leider etwas unterging.
    Gut, dachte ich, vielleicht ist dieser Bellota-Schinken einfach nichts für mich, kann ja passieren.

    Aber auch im dritten Gang Felchenfilet/Holunderkapern-Vinaigrette/Petersilie/Felchenkaviar zeigte sich ein Missverhältnis der Aromen. Im Gegensatz zum winzigen Filet waren einfach zu viele Holunderkapern auf dem Teller, was dazu führte, daß der Fisch nur wenig Chance hatte, zu beeindrucken. Texturell durch die knusprigen Kapern eine feine Sache, aber leider nicht ganz ausgewogen. (Da ist meine Frau übrigens anderer Meinung - sie fand den Gang ausgezeichnet, aber vielleicht hatte sie auch nicht so viele Kapern?)

    Dann mein Lieblingsgang Gebratene Gänseleber/Zuckermais/Junge Erbsen/Vanilleessig. Herrlich. Großartig. Konnte ich nicht genug von bekommen. Fulminant die Verbindung der zarten, prallen Leber mit dem süßsauren Vanilleessig. Ein großer Genuss.
    Der Alternativgang meiner Frau, die Wildgarnele, kam auch sehr gut an, mit dem kleinen Schönheitsfehler, daß die Garnele von einem Schaum gekrönt wurde, der wohl der reinen Optik diente und nach nichts schmeckte und insofern eine moderne Variante der altehrwürdigen, handgeschnitztenKarottenrose darstellet, die so manchen Teller meiner Jugend zierte. Auf diese „Airs“, die auch später die Desserts krönten, kann ich gut und gerne verzichten.

    Der Hauptgang: Rehrücken mit Pfeffer/Kümmeljus/Rote Bete/Waldpilze/Rehbeuscherl
    Ein herrliches Stück Fleisch, saftig und zart, auf den Punkt gegart und wunderbar im Geschmack. Allerdings war ich nicht darauf vorbereitet, was mich im Töpchen neben dem Teller erwartete. Als ich mit der Gabel durch die Soße stieß, wehte mir ein beißender Essiggeruch entgegen, der mir den weiteren Genuss stark eintrübte. Da ich noch nie zuvor Beuscherl, also ein Ragout aus Innereien, gegessen habe, bin ich auch nicht in der Lage zu vergleichen - aber diese extreme Essignote, die wohl noch durch den Kümmeljus verstärkt wurde, hat mich davon abgehalten, das ansonsten tadellose Gericht aufzuessen. (Da habe ich wohl jetzt was mit Zeitblom gemeinsam).

    Das Dessert stimmte mich dann wieder versöhnlich: Zwetschgen und Mirabellen/Maceschokolade/Marzipan/Zimtblüte/Eberraute
    Sowohl optisch (mal abgesehen vom „Air“) als auch geschmacklich zauberhaft und genau so ausgewogen im Zusammenspiel der Aromen und Texturen, wie ich es mir von allen anderen Gerichten ebenfalls gewünscht hätte.
    Köstliche Pralinen und ein eher schwacher koffeinfreier Espresso, zu dem auch kein Zucker gereicht wurde - so endete ein zwiespältiger Abend mit einem ebensolchen Ausklang.

    Zurück bleiben einige Fragen, die ich jetzt einfach mal in den Raum stelle.
    Sind wir noch nicht reif für die Drei-Sterne-Küche?
    Können wir die Kreationen von Nils Henkel nicht goutieren, weil uns die Erfahrung mit außergewöhnlichen Zutaten fehlt?
    Ist das Konzept der Rückbesinnung auf die Natur stimmig oder hat es Schwachstellen?
    Oder ist das derzeitige Menü von Nils Henkel einfach nicht unser Fall und wir hatten einfach Pech?
    Fest steht für uns, daß wir uns nicht entmutigen lassen und weiterhin Ausflüge in die Sterne machen werden. Fest steht aber auch, daß die Wahl in absehbarer Zeit wohl nicht auf Nils Henkel fallen wird, zumal der Preis von 160 Euro für sechs Gänge nicht gerade gering ist.
    Wir bleiben dran und werden berichten!
    Gruß, spumante.

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    • #17
      Lieber Spumante,

      schade, daß Ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. Und hier liegt vielleicht schon das erste Problem. Gerade wenn man als Genießer zum ersten Mal bewußt drei Sterne besucht, erwartet man vielleicht doch das bislang beste Menue seines Lebens und kann nur mehr oder weniger enttäuscht werden. Aber andererseits werden Sie beim nächsten Mal, und ich bin mir sicher auch wenns wieder Nils Henkel wäre, begeistert sein. Jetzt haben Sie eine individuelle Referenz für diese Kategorie und werden unweigerlich, wie man auf Neudeutsch sagt, benchmarken.
      Eine sichere Referenzmarke wäre im Übrigen so zur Planung Helmut Thieltges oder Harald Wohlfahrt oder Klaus Erfort. Um dann zu entschweben bei Bau, Amador, Wissler... (und, pardon müllerin, Sven)
      :cheers:

      P.S. Bellota kann in Kontakt mit Essig leicht seifig wirken. Aber probiern´se mal meinen Steinbutt mit Bellota und Erbsencréme oder Rotbarbe mit Bellotasud und gebratenen Artischocken, nix Seife Nur daß ich keinen anderen Schinken mehr mag

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      • #18
        @spumante: Herzlichen Dank für den Bericht. Verzeihen Sie die Frage, aber was stört Sie am französischen Akzent des Maitres? Wenn ich beruflich im Ausland bin, hört auch jeder meinen deutschen Akzent - Kommentare darüber fände ich dann aber doch recht unpassend.

        Zitat von spumante Beitrag anzeigen
        Zurück bleiben einige Fragen, die ich jetzt einfach mal in den Raum stelle.
        Sind wir noch nicht reif für die Drei-Sterne-Küche?
        Können wir die Kreationen von Nils Henkel nicht goutieren, weil uns die Erfahrung mit außergewöhnlichen Zutaten fehlt?
        Im Zweifelsfall können Sie sich ja auch einfach die Wertung z.B. des Gusto anschauen, nach der das von Ihnen besuchte Lokal gerade keine ***-Küche liefert

        Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
        schade, daß Ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. Und hier liegt vielleicht schon das erste Problem. Gerade wenn man als Genießer zum ersten Mal bewußt drei Sterne besucht, erwartet man vielleicht doch das bislang beste Menue seines Lebens und kann nur mehr oder weniger enttäuscht werden. Aber andererseits werden Sie beim nächsten Mal, und ich bin mir sicher auch wenns wieder Nils Henkel wäre, begeistert sein.
        Das würde ich Ihnen gerne glauben. Allerdings müsste es erst zwei, drei _neuere_ begeisterte Berichte über dieses Restaurant hier im Forum geben, bevor ich es (ohne deutlich gesenkte Preise) wieder besuchen würde.

        Zitat von Zeitblom Beitrag anzeigen
        Bei meinem Besuch gab es sicher ***-Gänge, aber trotzdem war ich von dem Menue (und dem Preis-Leistungs-Verhältnis) enttäuscht.

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        • #19
          Lieber Zeitblom,
          da habe ich mich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt. Mich hat nicht der französische Akzent an sich gestört - was ja auch blöd wäre, da Herr Thomann nun mal Franzose ist - mir kam es nur so vor, als kultiviere er ihn mit Absicht, was auf mich halt ein wenig eitel bzw. selbstverliebt wirkte. Ich meine, er hätte sogar "Madame" o.ä. gesagt und ich sag im Ausland ja auch nicht "gnädige Frau".
          Gruß, spumante.

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          • #20
            Er hat "Madame" gesagt!
            www.youtube.com/watch?v=R_hlMK7tCks
            Gruß s.

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            • #21
              Zitat von spumante Beitrag anzeigen
              Ich meine, er hätte sogar "Madame" o.ä. gesagt und ich sag im Ausland ja auch nicht "gnädige Frau".
              Letzteres ist nachvollziehbar. Allerdings sage ich dies auch nicht in Deutschland.

              Mir gefällt die höfliche französische Anrede "Madame/Monsieur", die in Frankreich sowohl beim Bäcker als auch im guten Restaurant nicht unüblich ist. Solange es eine Sprache gibt, in der ich mich in einem Restaurant in Deutschland einer Bedienung verständlich machen kann, darf sie mich von mir aus auch gerne mit den italienischen/spanischen usw. Varianten davon ansprechen ...

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              • #22
                Ich glaube, ich verstehe ganz gut, was spumante zum Ausdruck bringen will. Und bitte, die Herren S. & Z., es ist ja nun weissgott nicht so, dass besagter Monsieur nicht durchaus schon umstritten gewesen wäre (sei es früher im Forum oder in einzelnen Guides).

                Ich selbst erinnere mich, dass er bei meinem ersten Besuch in 2005 (auch der 1. ***-Besuch damals) ebenfalls etwas Ehrfurcht einflößendes hatte. Ein Eindruck allerdings, auch das muss ich anmerken, der sich später als unbegründet erwies.

                Davon abgesehen finde ich spumantes anderen Kritikpunkte und Fragen wesentlich interessanter als diese beiläufige Anmerkung.

                Und um spumante ebenfalls einen Tipp zu geben: gehen Sie als nächstes zu Bau oder Elverfeld.

                Grüße
                b.
                brigante
                Leidenschaftlicher Gourmet mit Profession
                Zuletzt geändert von brigante; 13.09.2010, 20:12.

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                • #23
                  Zitat von brigante Beitrag anzeigen
                  gehen Sie als nächstes zu Bau oder Elverfeld.
                  Bei letzterem würde klar, dass das Ehrfurchteinflösende des Maitre nichts mit seinem Akzent zu tun hat.:cheers:

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                  • #24
                    Daß es mir nicht nur um den kleinen Jehova-Gag (obwohl der schon ganz gut ist) ging, Signore brigante, ahnen Sie ja sicher. Aber die ganze Ouverture zu dem spumante'schen Mahl lief ja suboptimal. Anstatt sich auf das herzlichste willkommen zu fühlen, kommen gewisse Ängste auf, ist man der Situation gewachsen, ist man würdig genug? Diese Champagner-Frage ( was wird das dort wohl kosten? 30, eher 40 oder 50 € ?), lassen Sie mich, werter spumante, ein bißchen phantasieren, wird noch elegant umschifft , wiewohl mir die sich allmählich durchsetzende Forumsversion - könnten wir einen Blick in die Apéro-Karte werfen, was, sie haben so was nicht, das wird aber Monsieur Merlan nicht gerne hören, dann nennen sie uns doch bitte die Empfehlungen mit Preisangabe - noch besser gefallen hätte. Jetzt stört einen dann tatsächlich das Notausgangsschild.
                    Meine neurophysiologischen Theorien über den geglückten Restaurantbesuch kann ja inzwischen keiner mehr hören, aber hier wurden an jenem Abend einige Gehirnareale auf die Probe gestellt, die nachts für den Bereich Alptraum zuständig sind.
                    Lag diese erste Dysharmonie nun am zu strengen Maitre oder lag sie am womöglich übersensiblen spumante, ich kann und will das nicht beurteilen.

                    Ich hätte für beide Seiten Tipps: Dem Service muß es gelingen, dem Gast klarzumachen, daß es eine besondere Freude ist, ihm den Abend so angenehm wie möglich zu gestalten, schließlich habe man ja nur dies eine Ziel, daß er, der geneigte Gast, seiner Zufriedenheit durch einen baldigen Zweitbesuch Ausdruck verleiht.
                    Und für den Gast: locker bleiben, der ganze Mitarbeiterstab will mir nur Gutes, ich soll doch wiederkommen.
                    Gruß s.

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                    • #25
                      Das sind wahre Worte, werter Schlaraffenland. Aber komischerweise sind es auch immer die Notausgangschilder u.ä. "Nebensächlichkeiten" die hier reihenweise Kommentare nach sich ziehen, die Beschreibungen/Kritiken einzelner Gänge werden meist ohne weitere Nachfrage geschluckt.

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                      • #26
                        Hallo Forum,

                        jetzt möchte ich von unserem ersten Essen unseres Moselurlaubs berichten. Auf der Fahrt sollte man ja auch Mittags eine Kleinigkeit essen und so fiel meine Wahl auf das Gourmetrestaurant Lerbach. Bergisch Gladbach liegt ja auch irgendwie auf dem Weg von Hamburg zur Mosel.

                        Ich hatte mich für das 19 Gänge Amuse Bouche Menü (125 €) entschieden, während meine Frau das Lunchmenü nahm. Sehr nett das die Küche eine Ausnahme machte und zwei so unterschiedliche Menüs an einem Tisch servierte.

                        Vor dem Menü wurden noch einige Amuse Bouche, Brot und Butter gereicht.

                        Amuse Bouche


                        Es gab eine Aalcreme mit Apfel auf einem Stück Mürbeteig, feine Textur und intensives Aalaroma, sowie eine Tofucreme mit Birnengelee auf einem mit Gewürzen aromatisierten Keks. Sehr lecker.

                        Die einzelnen Gänge wurden in Gruppen zusammengefasst und auf einem Teller serviert.

                        Leber
                        Gebratene Gänseleber – Essigjus – Junger Mais – Maisschaum
                        Gebrannte Gänselebercreme – Praline mit Pumpernickel
                        Entenleberschnitte – grüner Apfel – Joghurt – Sonnenblumenkerne



                        Die gebratene Gänseleber war auf einer Maiscreme mit einem Maisschaum angerichtet. Zusammen mit dem leicht säuerlichen Jus sehr lecker. Dekoriert war das Gericht noch mit einem Popcorn.

                        Die Creme Brulee von der Gänseleber hatte einen feinen Schmelz und ein intensives Aroma. Als Beilage gab es eine Praline mit Pumpernickel. Sehr lecker.

                        Die Entenlebercreme wurde mit einem leicht säuerliche Apfelgelee und einer Joghurtcreme kombiniert. Ein Stück Karamell mit einer sehr zarten spröden Konsistenz ergänzte die Entenleber mit einer süßlichen Note. Dekoriert war das Gericht mit ein paar Sonnenblumenkernen. Ebenfalls sehr lecker.
                        Dazu wurde ein Stück Brioche gereicht.

                        Fisch
                        Mild geräucherter Saibling – Holunderkapernvinaigrette – Kressepüree
                        Warme Pulposülze – Salbeicrumble – Calamarettisalat – Caldeiradagel
                        Loup de Meer – Schnittlauchsauce - Blumenkohlpüree



                        Der leicht geräucherte Saibling war sehr zart aber auch etwas salzig, das Kressepüree brachte eine leicht bittere Note dazu. Zusammen mit der Holunder-Kapern-Vinaigrette sehr lecker. Dekoriert war das Gericht noch mit etwas Kaviar.

                        Zur Pulposülze gab es einen Calamarettisalat mit Bohnen, etwas Salbei-Crumble und ein Caldeiradagel (das ist mir aber nicht aufgefallen).

                        Der Loup de mer auf Blumenkohlpüree mit einer Schnittlauchsauce war sehr lecker, große Klasse. Dazu gab es noch dünne Scheiben kross gebratenen Blumenkohl, der Loup de mer war ausserdem mit einer dünnen Scheibe Gelee bedeckt.


                        Suppen
                        Erbsen-Minzsuppe – Sot l´Y Laisse vom Perlhuhn
                        Geeistes Melonensüppchen – Hummer
                        Wachtelbouillon – Morcheln – Sauerrahm



                        Das Erbsensüppchen bekam durch die Minze eine frische Note, sehr lecker. Als Einlage gab es ein Sot l´y laisse vom Perlhuhn.

                        Das Melonensüppchen war betont süß, für meinen Geschmack etwas zu süß. Durch die Kälte wirkte es aber trotzdem erfrischend. Als Einlage gab es etwas Hummer und ein Hummereis.

                        Die Bouillon von der Wachtel mit den Morcheln war sehr kräftig und konzentriert, aber auch etwas zu salzig.


                        Fleisch
                        Maibock – Zweigeltessigjus – Liebstöckelkarotten – Ochsenmark
                        Confierter Schweinebauch – Bohnenkrautjus – grüne Bohnen – Birnenconfit
                        Rehbock aus der Eifel – Wermutjus – Speckerbsen – Rhabarber – Mousseronpilze



                        Der Maibock war zwar aromatisch, die Konsistenz war aber ziemlich fest, mit dem Messer mußte man schon etwas Kraft aufwenden. Als Beilage gab es Variationen von der Karotte, als ganze Karotte, in dünnen Streifen und als Karottenpüree mit Liebstöckel. Sehr lecker.

                        Der Schweinebauch vom Märkischen Landschwein war sehr zart und aromatisch. Er wurde 36 h bei niedriger Temperatur (Sous Vide) gegart. Als Beilage gab es grüne und weiße Bohnen sowie eine Saubohne mit kleinen Würfeln Birnenkompott, große Klasse.

                        Der Rehrücken aus der Eifel war unglaublich zart und aromatisch. Für mich ein großer Unterschied zum Maibock, dazu noch ein paar Anmerkungen am Schluß. Als Beilage gab es Speck-Erbsen, Rhabarber und Mousseron Pilze. Mit dem Wermutjus und der säuerlichen Note vom Rhabarber sehr lecker, große Klasse.


                        Desserts
                        Mousse von Litschi und Rose
                        Creme Brulee von Vanille
                        Geliertes Holundersüppchen – Champagnercremesorbet
                        Soufflierte Creme von Mango & Passionsfrucht
                        Fondant von Vollmilch-Guanajaschokolade – Macadamia
                        Schokoladenspitz – Tamarillo
                        Eistrilogie (Sorbet von exotischen Früchten, Walderdbeersorbet, Muscovado-Kokoseis



                        Die Desserts waren allesamt lecker, besonders das Mousse von Litschi und Rose und das
                        Holundersüppchen mit Erdbeeren. Das Sorbet von der Moltebeere war sehr lecker, das Sorbet von der Walderdbeere war dagegen wenig aromatisch.

                        Nach dem Dessert wurden noch Süßspeisen und Pralinen gereicht.



                        Eine Heidelbeercreme mit einem Schokoladenbiskuit, einer Mascarponecreme und Anisstreusel. Und ein paar Pralinen (ein Gelee, eine Trüffel (leicht salzig), ein Macaron und Gianduja).

                        Der Service war sehr nett und zuvorkommend. Alles war perfekt, für die Taschen wurden kleine Beistelltischchen bereit gestellt, Besteck wurde nur mit Handschuhen angefasst und Servietten wurden zwischendurch ausgetauscht wenn man den Tisch verlassen hatte. Trotzden war das Personal sehr locker und wir haben uns ausgesprochen wohl gefühlt.
                        Zum Schluß kam noch Herr Henkel an den Tisch und wir konnten ein nettes Gespräch führen. Dabei kam auch eine Frage zur Spache, die ich schon dem Service gestellt hatte. Was ist der Unterschied zwischen Maibock und Rehbock? Es liegt nahe, dass das gleiche Tier gemeint ist. Herr Henkel vertrat die Meinung, das beide Gänge sogar vom gleichen Fleischstück stammen. Wegen der deutlich unterschiedlichen Konsistenz mag ich das nicht glauben. Die zum Schluß überreichte Menükarte machte die Verwirrung komplett, dieser Gang stand dort als Simmerthaler Rinderfilet.

                        Das Amuse Bouche Menü bietet vielfältige Geschmackseindrücke mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis. Es gab wenig auszusetzten, lediglich einige Speisen waren mir etwas zu salzig.

                        Gruß
                        Jürgen
                        Jürgen3D
                        Gourmet aus Leidenschaft
                        Zuletzt geändert von Jürgen3D; 13.07.2011, 20:03.

                        Kommentar


                        • #27
                          Danke für die interessanten Eindrücke. lieber Jürgen.

                          Wie empfanden Sie denn die Qualität absolut?
                          Für mich war dieses Amuse Bouche Menü ganz klar keine 3*.
                          Nicht, dass es schlecht war. Ganz im Gegenteil. Der Aufwand ist enorm und der Preis "günstig" (das darf man wohl nur hier schreiben), aber mit einer Gourmet Küche an der obersten Spitze hat das wohl ehr weniger zu tun.
                          Herzlichen Dank für Ihre Einschätzung.


                          Gruß!

                          Kommentar


                          • #28
                            Zitat von bsteinmann
                            Jetzt kann man die Größenverhältnisse nicht genau ausmachen, aber ich zweifle, ob es nicht einen besseren Weg gibt, die Gänge einzeln zu präsentieren. Oder will man dem Personal die vielen Wege ersparen?
                            Ich kannte diese Anordnung schon von Dieter Müller. Diese Darreichungsform hat natürlich einige Nachteile. Ich versuche in meinen Kritiken immer alles exakt wiederzugeben, da ich ein schlechtes Gedächtnis habe kann ich mir Ansagen für 3 Gänge nicht vernünftig merken.
                            Wenn man sich bei den warmen Gängen etwas Zeit läßt ist der letzte Gang schon fast kalt. So muss ich Ihnen Recht geben, die Gänge einzeln zu servieren hat sicher Vorteile. Ich kann mir allerdings auch vorstellen das 19 separat servierte Gänge viele Leute abschreckt.

                            Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
                            Wie empfanden Sie denn die Qualität absolut?
                            Das ist eine schwierige Frage. Ich empfand das Menü nicht unbedingt schlechter wie die regulären Menüs bei anderen 3 Sternern. Anders ausgedrückt, etwas zu meckern gab es überall.

                            Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
                            Für mich war dieses Amuse Bouche Menü ganz klar keine 3*.
                            Nicht, dass es schlecht war. Ganz im Gegenteil. Der Aufwand ist enorm und der Preis "günstig" (das darf man wohl nur hier schreiben), aber mit einer Gourmet Küche an der obersten Spitze hat das wohl eher weniger zu tun.
                            Wenn ich mir einige Gänge auf einem großen Teller in einem regulären Menü vorstelle, sehe ich da kein Grund warum das nicht 3 Sterne haben sollte.
                            Z.B. Loup de Meer – Schnittlauchsauce – Blumenkohlpüree, Confierter Schweinebauch – Bohnenkrautjus – grüne Bohnen – Birnenconfit oder Rehbock aus der Eifel – Wermutjus – Speckerbsen – Rhabarber – Mousseronpilze

                            Das Foto von den Desserts hatte ich Ihnen vorenthalten, das habe ich jetzt korrigiert. Auch wenn die verschiedenen Desserts alle sehr lecker waren, in diesem Fall muß ich Ihnen Recht geben, das erinnert mehr an eine Auswahl an Petit Fours als an ein 3 Sterne Dessert wie z.B. bei Bau.

                            Gruß
                            Jürgen

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                            • #29
                              Lieber Jürgen,

                              bitte, und das ist mir wichtig, sehen Sie mein Post nicht als Kritik. Sondern eher als Rückfrage.

                              Sie bezeichnen Gänge gern als "lecker", und das find ich auch nicht verkehrt. Aber irgendwie gibt es in meiner Wahrnehmung einen Unterschied zwischen "lecker" bei einem *-Restaurant und "lecker" bei einem ***-Restaurant. Und genau diesen Unterschied find ich bei Ihren Berichten nicht. Mag auch an mir liegen.

                              Aber deshalb konnte ich auch die Frage von fragolini gut verstehen. Auch bei mir schwirrt im Kopf: Wie genau "lecker" war es denn?

                              Ihnen einen schönen Abend,
                              Morchel

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                              • #30
                                mir gefällt die Amuse-Bouche-Idee

                                Ich hatte vor Kurzem das Vergnügen – und es war ein solches -, das Amuse-Bouche von Nils Henkel in einem kleinen Ausschnitt zu genießen. Zum Sommer-Loch bietet man eine Kurzversion in drei Gängen mal drei „Gerichtchen“ für 85 Euro inkl. Champagner, Wasser und Espresso an (allerdings nur bis 15.07., wenn ich richtig informiert bin).
                                Mir gefällt als erstes gut, dass Nils Henkel das alte Müller-Fomat mit eigenen Gerichten fortführt. Die Amuse-Bouche-Variante erlaubt es, mit einem Mittagessen einen Querschnitt des Schaffens von Nils Henkel zu schmecken. Das ist sehr interessant. Und ich sehe keinen Unterschied zur sonstigen Qualität, also lt. Michelin 3*. Ob man das im Detail teilt, ist vom einzelnen Gericht und individuellen Vorlieben abhängig. Ich sehe da das ganze Spektrum von * -***. Das einzelne Gericht kann hier natürlich nicht so wirken, wie in einem regulären Menü.
                                Mir hat übrigens besonders die Melonen-Kaltschale mit Hummer und Hummer-Eis gefallen. Und die Tatsache, dass Nils Henkel nach dem Service kurz vorbei kommt und auch gerne die Entstehung des Hummer-Eis erläutert, macht Spaß.
                                Ich werde in angemessenem zeitlichem Abstand wieder mittags in Lerbach einkehren und mit dem Amuse-Bouche-Menü sehen, was Nils Henkel gerade so kocht.

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