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Zur Post - * / 17GM - Odenthal

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  • Tobler
    antwortet
    Werter kgsbus,

    in Ihrem erfreulich detaillierten und erfrischend formulierten Bericht wollen Sie in die "Rächeraromen", die Sie der Brandteigfüllung attestieren, vielleicht noch ein "u" einfügen, obwohl ich diese Wortneuschöpfung eigentlich sehr schön finde...

    KG

    Tobler

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  • kgsbus
    antwortet
    Das Fischmenü ist für uns ein Muss (für mich)

    2018 fielen „Aschermittwoch“ und „Valentinstag“ auf das gleiche Datum. Gibt das ein Problem oder ein Gewissenskonflikt (für mich)? Traditionelles Fischessen oder ein romantisches Valentinstags-Dinner bei Kerzenschein?

    Nein! Für mich ist das keine Frage. Feste wie Halloween oder Valentinstag sind mir schnuppe (sorry America).

    In diesem Jahre blieb ich sogar am Mittwoch ganz zu Hause, aber buchte den Freitag für das Fischmenü – in der Post in Odenthal. Mir wäre auch der Aschermittwoch recht gewesen, aber terminlich passte es nicht so gut für die beiden anderen Teilnehmerinnen aus der Familie.

    Genau zum Freitag passt ein Fischmenü (für einen Katholiken) sogar (fast) immer: Das Kirchenrecht bestimmt in den Canones 1250–1253 des CIC, dass alle Freitage, die nicht auf ein Hochfest (und der Valentinstag gehört keinesfalls dazu) fallen, für die Gläubigen als Bußtage gelten.

    Dies bedeutet allgemein die Abstinenz von Fleischspeisen. Aber es gibt auch eine Menge Möglichkeiten das Gebot zu umgehen (insbesondere zu Fastenzeiten). Mönche im Mittelalter zum Beispiel waren darin besonders erfinderisch. Fisch als „Fleischersatz“ war ja erlaubt. Viele Stifte und Abteien legten sich daher Teiche an, um stets versorgt zu sein. - Soweit so gut.

    Aber die „Naturbetrachtungen“ der frommen Klostermenschen führte auch dazu, dass auch neue „Fisch-Spezies“ entdeckt wurden: Zum Beispiel der Biber. Mönche erklärten ihn einfach zu einem fischähnlichen Wassertier und schon war er ein „erlaubter Leckerbissen" auf dem vorösterlichen Speiseplan.

    In der „Post“ werden wir sicher keine solchen „Überraschungen“ auf den Teller bekommen.

    Nach dem Motto „Was flüssig ist, bricht kein Fasten“, brauchen wir uns bei den Getränken auch keine Sorgen machen.

    So machten wir uns frohgemut zu dritt auf den Weg ins Gourmetrestaurant.

    Die verkosteten Speisen

    Fischmenü an Aschermittwoch, Donnerstag und Freitag, den 16. Februar 2018 –
    Sieben Gänge und mehrere Grüße aus der Küche

    Wir bekamen gleich einen kleinen Windbeutel gereicht, der mit Forellenkaviar und geräucherter Lachsforelle angereichert war.
    Auf dem Löffel sah das kleine Backwerk sehr einladend aus.
    Der Brandteig außen war zwar leicht trocken aber die Füllung war schmackhaft und die Rächeraromen angenehm im Mund.

    In einem Holzkasten wurden danach viererlei Brotscheiben mit zweierlei Aufstrichen (Kräuter- bzw. Salzbutter) serviert.
    Es handelte sich um verschiedene helle und dunkle Arten sowie von locker bis knackig.

    Weitere Grüße aus der Küche bestanden aus einer Auster und einer Fischsuppe.

    Die Auster war gratiniert und auf Blattspinat angerichtet. Sie mundete uns ausgezeichnet. Und die Fischessenz im Reagenzgläschen war so kräftig und aromatisch, dass wir davon gerne mehr probiert hätten.

    ***
    Red King Salmon| Rote Bete | Quinoa

    Der herrlich frische “König der Lachse” hatte absolute Sashimi-Qualität und hatte tollen Schmelz. Zusammen mit den diversen Rote-Bete-Zubereitungen (mariniert, Chip, Saft etc. – von herb bis süß) ein köstlicher Genuss – da musste der kleine Quinoa-Salat den dritten Platz belegen – aber er war auch gut gemacht.

    Zu unserer großen Freude kam nun ein weiterer Gruß: ein Störgericht.

    Der Zuchtstör kommt aus dem oberbergischen Wipperfürth (und hat uns schon bei früheren Besuchen erfreut). Er war kross gebraten und von Möhrenschaum und Sellerie-Püree begleitet. Aber oben hatte der Fisch auch noch eine kleine Haube von Kaviar aus St. Augustin.
    Das Gericht hat uns sehr angesprochen.

    ***
    Seeteufel gebraten | Meeresfrüchteragout | Kopfsalataufguss

    Nach dem Stör-Gruß fiel das Niveau in keiner Weise ab. Der Seeteufel war perfekt gewürzt und gebraten. Ein krosser Chip lag obenauf und darauf befand sich noch ein kleiner Ast vom Meeresspargel. Unter dem Filet war aus Muscheln ein schmackhaftes Ragout angerichtet. Der Aufguss war feinporig aufgeschäumt. Ich mag diese luftigen Saucen.

    ***
    Jakobsmuschel | Cerealien | Joghurt

    Wir lieben Jakobsmuscheln – und in der Post werden sie stets außen kross und innen glasig zubereitet. Aber heute war die Muschel für uns nicht der Hauptdarsteller auf dem Teller; denn das „Buttermilchsorbet“ war für uns der große Knaller. Auch die Stückchen von „Apfelkuchen“ gaben eine feine Süße als Kontrast zum herberen Sorbet ab. Die „Frühstücksflöckchen“ wussten uns auch zu überzeugen. Eine Art Joghurt-Dressing rundete das Gericht ab.

    Für uns war gerade dieser Gang überraschend und eine neue Facette in der Post-Küche.

    ***
    Skrei von den Lofoten | Senfsauce | Pak Choi

    Winterkabeljau braten wir uns auch oft zu Hause. Der Skrei überzeugt mit kräftigen Grundaromen. Er besticht durch seine Lockerheit, seine Lamellen lösen sich direkt nach dem Anschnitt. Damit unterscheidet er sich von den festen Sorten wie Stör oder Seeteufel. Der Kabeljau war auch eher konfiert oder gedünstet worden und nicht kross gebraten; so kommt der Eigengeschmack besonders gut zur Geltung.
    Der köstliche Fisch war oben noch mit einer großzügigen Portion Perigord-Trüffel behobelt worden. Eine erfreuliche Ergänzung. Etwas Kartoffelpüree befand sich noch auf dem Teller. Eine Senfsauce verband die einzelnen Komponenten harmonisch. Ein Stück Pak Choi setzte einen farblichen Kontrast dar. Das Gemüse war leicht blanchiert – es wird sonst in Windeseile weich oder sogar matschig.

    ***
    Kalamansi – Zitronengranitée

    Das kleine Glas mit Granitée erfüllte seine Aufgabe: Das gestoßene Eis war erfrischend und hatte feine bittere Noten. Die Kreuzung von Kumquat und Mandarine ist weder ausgesprochen süß noch sauer, aber eben etwas bitter.

    ***
    Atlantik Steinbutt mit Champagnerschaum | Pommes Dauphine | Cima di rapa

    Der Fisch wurde wiederum kross gebraten. Auch wenn Kaviar schon einmal im Spiel war, gefiel mir der erneute Einsatz. Die Kombination überzeugte mich. Der Kaviar hatte für mich keine spürbaren salzigen Noten, sondern war sehr ausgewogen. Das Fischfilet war aber auch pur sehr schmackhaft, die feinen nussigen Noten mag ich besonders gerne.
    Das Gemüse (der Stängelkohl) erinnerte mich geschmacklich an Spinat bzw. Brokkoli. Die Schaumsauce passte sowohl zum Fisch als auch zum Gemüse. Die Kroketten-Birnen waren außen kross und innen cremig. Die rot-braunen Halbkugeln im Außenbereich des Tellers brachten durch ihre Tomatennoten herb-süße Aromen zum Gericht.

    Ein würdiges Hauptgericht.

    ***
    Warmes Mohntörtchen| Marillensorbet | Schokoladenerde

    Das Gebäck war locker und leicht zubereitet. Die Mohntöne waren dezent im Geschmack und der reichlich eingearbeitete Mohn war nicht feucht, wie bei einigen Kreationen in Konditoreien, sondern eher trocken. Damit war für mich das Küchlein nur Begleiter der beiden herrlichen Eiskreationen: das kräftige Aprikosen-Eis und das dezente cremige Joghurt-Eis. Dazu die Schokoladen-Erde, die weniger Kakaoanteile enthielt als eine dunkle Sorte und so ebenfalls nicht markant, sondern zurückhaltend wirkte. Ein großer Krokantchip in Form eines zweidimensionalen Eishörnchens brachte Süße noten.

    Zusätzlich bekamen wir noch ein Glas, das oben eine üppige Zuckerwatte und unten einen kräftigen, weichen Karamell enthielt.

    ***

    Zum Abschluss orderten wir noch zwei Espresso und einen Tee aus frischer Minze. Dazu wurden diverse Pralinen in verschiedenen Geschmacksnoten als Petit fours angeboten. Dabei gibt es helle und dunkle Ausrichtungen.
    Die gewählten Exemplare wurden in kleine Porzellanschüsselchen befördert. Die Schleckereien werden zugekauft und nicht im Hause hergestellt. Wahrscheinlich sind es belgische Exemplare. Sie schmecken durchaus gut.

    Weinbegleitung

    * Gewürztraminer Classic AOC 2015 - Hugel & Fils Alsace / France
    * Grauburgunder trocken 2016er - Fischer Kaiserstuhl / Baden
    * Alvarinho trocken 2016 – Künstler Rheingau
    * Sancerre AC Cuvée "Genèse" 2015 (Sauvignon Blanc) - Jean-Max Roger Loire / France
    * Birkweiler Rosenberg Chardonnay Erste Lage 2014 - Weingut Dr. Wehrheim Pfalz
    * Kracher Cuvée Beerenauslese edelsüß (Rebsorten: 60% Welschriesling | 40%
    Chardonnay) – Burgenland / Österreich

    Die glasweise Weinbegleitung passte recht gut zu den Fischgerichten bzw. dem Dessert. Die Sorten waren abwechslungsreich gewählt; insbesondere die portugiesische Rebe Alvarinho hatte ich bisher nicht im Anbau aus dem Rheingau kennen gelernt (laut Wikipedia heißt Albariño übersetzt „die kleine Weiße vom Rhein“ – aber wohl nicht mit dem Riesling verwandt – wird in Portugal überwiegend für Vinho Verde eingesetzt)

    Alkoholfreie Getränkebegleitung

    * Markus Molitor Haus Klosterberg Traubensaft Rivaner
    * Basilikum-Limomade
    * Gurken-Limonade mit Ingwer Aromen
    * Ginger Ale mit Dillöl-Zusatz
    * Kräuterlimonade mit aufgeschlagenem Basilikum
    * Rosenlimonade

    Die sehr abwechslungsreichen Aromen dieser Getränke stellen durchaus eine Alternative zum Wein dar. Besonders die Gurken- bzw. Dillöl-Limo fand ich bemerkenswert.

    Fazit

    5 – unbedingt wieder - in der „Post“ in Odenthal schmeckt es uns; ebenso sind für uns Ambiente und Service stimmig.

    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

    Datum des Besuchs: 16.02.2018 – abends – drei Personen


    Bilder: http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm

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  • Muck
    antwortet
    Lieber kgsbus,

    Danke für den Bericht! Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Es gibt kaum etwas schöneres, als einen kulinarischen Ort zu haben, der stabil ist, ohne sich auf den Lorbeeren auszuruhen, den man kennt, wo man sich wohl fühlt. Bei den von Ihnen beschriebenen Gerichten könnte mir das bei der Post auch passieren.

    M

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  • kgsbus
    antwortet
    Das Aschermittwoch-Menü lockt uns immer wieder an

    Es ist wohl kaum zu verhehlen, dass ich die Post - * Michelin /17 GM – besonders schätze. Trotzdem ist jeder Besuch natürlich anders, aber ich komme schon ziemlich entspannt dort an.
    Die Räume sind vertraut, das Personal überwiegend bekannt.
    Aber die Karte hat neben Klassikern auch stets neue Kreationen parat. Und ich bestelle sicher nie: „Wie immer“; dafür bin ich viel zu neugierig.

    Für uns hat es schon eine gewisse Tradition, das Fasten-Menü nicht zu verpassen.


    Die verkosteten Speisen

    Grüße aus der Küche vorweg:

    Sashimi vom Thunfisch | Wakame Salat

    Der Thunfisch hatte einen zarten Rand durch Säuerung denke ich erhalten und war im Übrigen fein gemasert und roh. Die Wakame war teilweise kross frittiert bzw. roh und mariniert.
    Eine feine Eröffnung, die ich mir gerne auf der Zunge zergehen ließ.

    Brot | Salzbutter | Kalamansi-Butter

    Mehrere Sorten und Scheiben von Brot wurden gereicht. Dazu gab es eine aromatische Salzbutter sowie eine Zitrus-Butter – ein Geschmack nach Orange und Zitrone.

    Hokaidokürbiscreme | Sellerieschaum mit roter Paprika | Räucherforellenmousse

    Die drei Töpfchen bzw. Gefäße waren jeweils mit einer Komposition gefüllt.

    Das Sellerie-Gericht befand sich in einer goldenen Eierschale zum auslöffeln. Der Schaum war luftig und aromatisch. Die kräftigen erdigen Noten kamen perfekt zum Vorschein. Die kleinen Paprikastückchen passten gut dazu – aber der Sellerie war eindeutig die Hauptgeschmacksrichtung.

    Das Forellengericht bestand aus drei Komponenten: einem Stückchen Filet, der kräftigen Mousse und etwas Grün. Das harmonierte gut und ich mag gerne einen Hauch Dill.

    Das Hokaido-Stück aus einem längeren Streifen war zu einer kleinen Rolle geformt und steckte in der Creme. Daneben ragte noch ein länglicher krosser Chip hervor. Umgeben war das Ganze von einer aromatischen Sauce – wahrscheinlich auf Soja-Basis.

    Alle drei Grüße waren für mich sehr schmackhaft und ich möchte daher keine Rangfolge aufstellen, weil jedes Gericht für sich stimmig war.

    Zu diesen Gerichten habe ich einen Cocktail auf Gin-Basis getrunken.

    ***

    Marinierte Rotgarnele und gebratene Jakobsmuschel | Kichererbse | Shii-Take | Sesamvinaigrette | Krustentier-Jus

    Die Jus wurde in einem Reagenzglas separat gereicht. Ich liebe die Aromatik solcher Meerestier-Süppchen äußerst.
    Die Garnele war für mich der Star auf dem Teller. Sie war perfekt in der Konsistenz. Ich habe sie pur und in Verbindung mit den Beilagezutaten verkostet. Eine grüne und eine bräunliche luftige Masse, die für mich wie kleine Schwämmchen aussahen, schmeckte gut. Dann gab es außen einen Ring mit einer Art Püree. Dazuwischen waren noch die Pilze, die etwas Röstaromen aufwiesen und innen noch saftig waren.
    Da konnte für mich die Jakobsmuschel nicht ganz mithalten. Ich mag sanft geröstete Muscheln grundsätzlich sehr gerne, aber heute fand ich sie einfach nur gut, aber nicht mehr und vielleicht war für mein Empfinden etwas Salz zuviel obenauf – aber meine Tochter und meine Frau waren anderer Meinung. Überstimmt!

    2013 GEWÜRZTRAMINER ,,CLASSIC“, A.C. Domaine Hugel & Fils, Elsass

    Fruchtig und etwas süß zeigte sich der Wein und passte ausgezeichnet zu diesen pikanten Teil-Gerichten.

    ***

    Bachsaibling von der Fischzucht Hahn in Wipperfürth | Imperial Auslese Kaviar | Sauce Bernaise | Kohlrabi | Walnuss | Brunnenkresse

    In der Post gehört der Saibling stets zu meinen Favoriten. Gelegentlich habe ich ihn als Filet auf der Haut gebraten hier verzehrt. Diesmal war er gerollt und eher sanft gegart. Das schmeckte aber auch ausgezeichnet – besonders zusammen mit dem Kaviar und einem Stückchen Orangenfilet daneben. Aus Brunnenkresse war ein grüner Weg gemacht worden. Der kleine runde feste helle See bestand aus dem Kohlrabi-Gemüse. Bei mir ohne Nüsse. Die cremige Sauce mit einem gehörigen Estragon-Anteil rundete das Gericht ab. Diesen Klassiker habe ich schon länger nicht mehr als Beigabe in einem Restaurant erhalten. In der Vergangenheit habe ich sie stets mit Rindfleisch verkostet; aber sie passt auch zu gedünstetem Fisch.

    2015 STEINMAUER Q.b.A., trocken , Grauburgunder, Weißburgunder & Chardonnay, Weingut Korrell Johanneshof, Bad Kreuznach, Nahe

    Diese Cuvee aus burgundischen weißen Rebsorten ergab eine angenehme Begleitung.

    ***

    Schwarzer Périgord-Trüffel (Tuber Melanosporum) | Parmesanraviolo | Spinat | Eigelb

    Mit dem Trüffel wurde Gott sei Dank nicht gespart. So konnte die drei Verbindungen mit Dotter, Parmesan und Spinat ausprobieren. Da auch viele andere Gäste diesen Gang verkosteten, war wirklich der Duft im ganzen Raum vorhanden. - Eine schöne Erfahrung; denn mit einigen Spänen dieses Pilzes auf einen Teller kann man – meine ich jedenfalls – nicht eine Marke setzen. Hier war das aber anders. Mit dem frischen nur leicht in der Pfanne geschwenkten Spinat passte es sehr gut. Mit dem Raviolo war es aber nicht schlechter. Der Dotter konnte da – für mich – jedoch nur den Bronze-Platz erreichen; aber damit steht man ja auch auf dem Treppchen. Silber möchte ich nicht vergeben, sondern zweimal Gold für Gemüse und Käse.

    2010 MERCUREY A.C., Domaine Vincent Dureuil-Janthial, Côte Chalonnaise

    Der sanfte Pinot noir mit seinen angenehmen Himbeer-Aromen war sehr erfreulich zu diesem Gang. Dieses Randgebiet von Burgund hat sich damit für mich wieder vorteilhaft in Erinnerung gerufen.

    ***
    Hagebuttensorbet | Himbeer-Tapioka | Himbeerbaiserplatte

    Das Fruchteis machte den Gaumen bereit für den Hauptgang. Die Kügelchen erinnerten an Kaviar. Sie waren aber nicht auf Art der Molekularküche angedickt worden, sondern aus aromatisierten Tapioka-Pillen gewonnen. Das Baiser war so etwas wie ein Duett der Himbeere dazu.

    ***

    Atlantik Steinbutt mit Champagnerschaum | Artischocke | Kerbelwurzel | fermentierte Radieschen | Fenchel-Kartoffel-Stampf

    Den Steinbutt konnte ich auf den ersten Blick nicht sofort erkennen, denn er war mit gerösteten Artischockenstreifen fast völlig bedeckt. Auf dem Grund war wie ein Fundamt der Stampf verteilt. Er war aromatisch und relativ fest; was ich sehr begrüße (die Zeit der weichen Breichen scheint abgelaufen). Auch der Champagnerschaum erzeugte keine weichen Stellen – im Gegenteil er frischte das Püree auf und passte auch zur Artischocke. Die feinen Streifen vom Radieschen hatten eine angenehme säuerliche Note. Die alte Technik durch Fermentieren Gemüse haltbar zu machen und diesen eigenartigen Geschmack zu erreichen, finde ich gut.
    Auch der Steinbutt, als Hauptkomponente, war perfekt zubereitet. Fische mit festerem Fleisch sind bei mir besonders beliebt. Und dieser Fisch mit seinen nussigen Aromen ist stets eine Freude (wenn der Koch es nicht vermasselt – aber dafür muss man sich schon sehr anstrengen – bei Seeteufel habe ich wirklich einmal erlebt). In der Post sind aber alle Fische gut aufgehoben.

    2014 BRAUNEBERGER JUFFER SONNENUHR, Riesling, Großes Gewächs, trocken, Weingut Fritz Haag, Brauneberg, Mosel

    Der kräftige Riesling war problemlos in der Lage bei der Vielzahl an Aromen auf dem Teller mitzuhalten und Freude zu bereiten.

    ***

    Warmer Schokoladenauflauf | Vanilleeis | Salat von Zitrusfrüchten

    Creme Brulee | Cassis-Sorbet |Haferflocken-Hippe

    Das Schokoküchlein hatte einen herrlichen flüssigen Kern. Aber es werden in der Post bei diesem Rezept ein paar Nüsse mit verarbeitet. Daher bekam ich eine Alternative. Die Brulee war sehr cremig, fast noch einen Hauch flüssig. Vanillenoten waren gut zu spüren. Die Karamelldecke war kross und knackig. Das Sorbet hatte einen herrlich kräftig saftigen Johannisbeerengeschmack. Dazu passte der Salat aus Zitrusfrüchten wie Grapefruit oder Orange sehr gut. Die Haferflocken-Hippe brachte noch eine rustikale Note dazu.

    2005 Domaine de Baillaury Banyuls Grand Cru, 75% Grenache schwarz, 25% Grenache grau

    Zur Schokolade sicher sehr gut passend; aber auch mit den herben Aromen kam der Dessertwein gut klar. Sicher trugen 16 Prozent Alkohol und der oxidative Ausbau dazu bei.

    ***

    Kaffee und Buttermilch-Mousse mit Erdbeermark

    Zum Espresso bekamen wir anstelle der nusshaltigen Pralinen eine schmackhafte helle Mousse mit einem fruchtig roten Abschluss obenauf. Es war mehr als ein Ersatz.

    Glücklich und zufrieden traten wir die Heimreise an.

    Getränke

    Taunusquelle medium 0,75l
    Hauscocktail: Fever Tree Mediterran Tonic, Monkey 47, Safran Likör von Miasa. Garnitur mit Zitrone und Basilikum.
    Hausaperitif: Rieslingsekt 2014 vom Weingut Grans Fassian an der Mosel sowie Sake mit Yuzusaft.
    Monin Soda
    Espresso
    Weinbegleitung

    Fazit

    5 – unbedingt wieder. Viele neue Geschmacksrichtungen und einige bekannte Komponente: Es hat einfach Freude bereitet. Wir sind daher weiterhin dem Hause äußerst verbunden.

    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

    Datum des Besuchs: 01.03.2017 – abends – drei Personen

    Bilder: http://kgsbus.beepworld.de/ und https://www.facebook.com/kgsbus/

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  • QWERTZ
    antwortet
    Lieber thomas, danke für den Bericht - die Beobachtung bzgl. der Karte habe ich bisweilen auch schon gemacht - zumal, wenn man nicht die Weinbegleitung wählt, kann dann beim Verzehr der ersten Snacks ein gewisser "Stress" aufkommen.

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  • thomashaj
    antwortet
    Das Wetter ist usselig. Es regnet, es ist windig. Herbst halt und so ist es praktisch, dass der Bus genau gegenüber vom Restaurant hält. Wie zuvorkommend, wenn einem dann schon die Tür geöffnet wird, noch bevor man die Schwelle erreicht hat.
    Betritt man das schmucke Schieferhaus zum ersten Mal, so wie wir heute, ist man doch überrascht über den unaufdringlich modernen Stil, der sich auch in den Gasträumen fortsetzt. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl, wozu auch der herzliche Service beiträgt, der zügig den Apéritif und erste Snacks serviert - ein luftiger Rote Bete Schaum und ein würziges Rillette.

    Und dann erleben wir ein kleines Déjà-vu. Wie bereits zwei Tage vorher im holländischen Dreisterner warten wir - erst auf die Speisekarten, später dann noch mal ähnlich lange auf die Weinkarte. Das ist ja alles nicht so mega-tragisch, weil man sich vorab im Internet sowieso schon über das Menü kundig gemacht hat und die Wahl eigentlich feststeht. Aber es bringt den Ablauf gleich zu Beginn unnötig zum Stocken. Und wenn die Karten denn endlich alle da sind, kommen auch die nächsten Grüße und man ist dann an mehreren Fronten gleichzeitig zugange, weiß nicht, ob man erst essen, dann lesen oder doch beides gleichzeitig tun soll, weil man ja auch die Bestellung nun nicht noch weiter hinauszögern will. Und wenn dann die Weinkarte noch überproportionale Ausmaße hat, wird es ganz kriminell, weil man nicht mal weiß, wo man die schadlos ablegen soll.

    Das ist jetzt übrigens keine spezifische Kritik an der Post, wo die Weinkarte völlig normales Format hat, sondern eine generelle Beobachtung, die ich ab und zu mache, wenn die Küche schneller ist als der Service.Vielleicht ist es mir auch nur besonders aufgefallen, weil es halt zweimal in kurzer Zeit passierte.
    Aber davon abgesehen, haben die drei Grüße (eine schöne Kürbissuppe, eine erdige Kürbiscreme und ein frischer Kräuterschaum mit Lachskaviar) den jeweiligen Eigengeschmack sehr klar herausgearbeitet.

    Das Menü startet asiatisch mit einem Sashimi und Tatar vom Thunfisch, etwas Ingwergel, luftiger Miso-Mayonnaise, Quinoasalat und sehr würzigem Sojasud. Angegrillte Wassermelone gibt einen schönen fruchtigen Akzent. Das erlaubt alles viele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten, die sehr gut aufgehen. Lediglich das Türmchen aus Tapiokaperlen ist mir persönlich zu kompakt und steuert ein etwas klebriges Mundgefühl bei. Das hätte ich nicht unbedingt gebraucht.
    Passend dazu der 2014 Schiefer Riesling von Van Volxem.

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ID: 51015

    Mit dem Meeresfrüchteragout mit Muschelschaum folgt ein weiterer, durchaus opulenter Gruß aus der Küche, der sehr süffig zu löffeln ist und eine etwas vordergründige Tomatennote hat.

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ID: 51016

    Ganz vorzüglich dann der Bergische Bachsaibling, der von Speck, Gurken, Jakobsmuscheltatar, Buttermilchsud sowohl herzhaft als auch säuerlich elegant eingefasst ist. Etwas Dillöl liefert einen dezenten kräutrigen Ton bei und zur Krönung gibt noch etwas Imperial-Kaviar für die jodigen Töne. Das macht großen Spaß, auch im Zusammenspiel mit dem fülligen Silvaner von der Ersten Lage Hohnart des Fürstlich Castell'schen Weinguts.

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ID: 51017

    Über den nächsten Gang scheiden sich am Tisch die Geister. Die Ceviche vom Offiziersbarsch ist umgeben von zahlreichen Komponenten, die für sich genommen, gut und prägnant waren. In Summe passierte mir hier aber einfach zu viel auf dem Teller. Der Fisch hatte Mühe, sich gegen Süßkartoffel, Kokosnuss, Mango und Kalamansi zu behaupten. Mehr noch aber war mir der Koriander in Gelform viel zu konzentriert und zu präsent. Nicht schlüssig fand ich zudem, an dieser Stelle des Menüs noch einmal ein kaltes Fischgericht zu servieren. Persönlich hätte ich mir, vielleicht auch angesichts des herbstlichen Wetters draußen, noch einen süffigen, warmen Fischgang gewünscht. Aber wie gesagt: die Meinungen am Tisch waren geteilt. All das, womit ich nicht recht warm wurde, genoss mein Mann voll und ganz. Es lebe der unterschiedliche Geschmack!
    Unstrittig hingegen die Zustimmung zum dazu servierten 2014 Menetou-Salon von Jean-Max Roger.

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ID: 51018

    Und mein Wunsch nach etwas Süffigem, jahreszeitlich Angepassten wurde mit dem nächsten Gang auch prompt erfüllt. Ein noch leicht weiches Ei wird von Steckrübe, Maronen, Meerrettich und reichlich Herbsttrüffeln sehr harmonisch begleitet. Ist aber auch eine Kombination, mit der man nicht viel falsch machen kann und die eine Garantie für glückliche Gesichter ist.
    Interessant dazu der 2014 Chardonnay vom Weingut Lis Neris aus dem Friaul. Komplett im Stahl ausgebaut, aber lange auf der Feinhefe gelagert, bringt er eine große Fülle und Kraft mit, die gegen Ei und Trüffel standhält.

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ID: 51019

    Vor dem Hauptgang gibt es als Erfrischung noch eine Variation von Himbeeren in diversen Texturen. Schön anzusehen und sehr klar im Geschmack, um nicht zu sagen: pur.

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ID: 51020

    Sehr abwechlungsreich dann der Bergische Rehrücken mit Steinpilzen, Kürblikuchen und Salzmelone als dezent fruchtigem Akzent. Der Holunderjus ist stark reduziert und bildet mit dem angerösteten Schmorgemüse eine gute Ergänzung zum eleganten, wohl sous-vide gegarten Fleisch.
    Im Glas dazu ein kraftvoller 2008 Tempranillo von Monte Real aus dem Rioja.

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ID: 51021

    In der Post wird der Käsegang traditionell als Abschluss des Menüs nach dem Dessert serviert. Wir haben es lieber andersherum und so folgt jetzt der vorbereitete Teller mit 5 klassischen, aber gut gereiften Sorten aus dem Tölzer Kasladen, dazu Früchtebrot und Feigensenf.
    In der Weinbegleitung dazu ist jetzt ein Sherry im Glas vom Weingut Valdespino. Der Pedro Ximenez ist für sich alleine sehr komplex und schmeckbar hochwertig. Bei einer Auswahl von Hart- bis Weichkäse vermutlich auch kein schlechter Kompromiss, aber ich persönlich mag es an dieser Stelle etwas weniger süß.

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ID: 51022

    Was leider auch für den Banyuls zum abschließenden Dessert gilt, das für mein Empfinden eher eine Riesling Auslese, einen Rieslaner oder ähnliches vertragen hätte. Gebackene Zwetschgen und ein hervorragendes Vanilleeis sind eine klassische Kombination, die immer gut funktioniert. Schwierig zu essen und insgesamt etwas zu viel allerdings die drei relativ harten Mürbeteigbröckchen. Im Glas separat dazu eine schöne Tonkabohnencrème mit Zwetschgenmousse und Butterbröseln. Dies gibt dem etwas rustikalen Teller wiederum eine feine Ergänzung.

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ID: 51024

    Nach diesem insgesamt sehr üppigen Menü folgt noch ein Marshmallow zum Abschluss. Und mehr braucht es auch nicht, denn der Sättigungsgrad ist mehr als gut erreicht.

    Die Küche von Alejandro und Christopher Wilbrand findet eine gute Balance zwischen bergischer Rustikalität und weltläufiger Offenheit. Bei manchen Gerichten stimmten für mich die Proportionen einiger Komponenten nicht hundertprozentig, wie beim Ceviche oder bei der Vorspeise. Stark hingegen, weil für mich klarer fokussiert und stimmig konzipiert der Saibling, das Reh und der Trüffelgang. In Summe aber war dies ein Essen auf hohem Niveau, dem der große Aufwand jederzeit anzumerken war.

    Für das Wohlbefinden sorgt auch der gut aufgelegte Service unter Christoph Clemens, der uns eine hochwertige Weinbegleitung servierte, auch wenn die letzten beiden Weine nicht mehr ganz meinen persönlichen Geschmack trafen. Aber das ist verschmerzbar und schmälert nicht den positiven Gesamteindruck, den die sympathische Post hinterlässt.

    Bericht und sämtliche Bilder auch unter: http://tischnotizen.de/zur-post-odenthal/ oder https://www.facebook.com/thomas.west...0705773&type=3
    Zuletzt geändert von thomashaj; 02.02.2017, 09:35.

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  • Muck
    antwortet
    Lieber kgsbus,

    das klingt nach einer tollen Feier!Der Champagner fällt im Vergleich zu den anderen Weinen etwas ab, aber der Rest an Wein und Speisen klingt nach einem gemütlichen Mittag. Danke für die umfassenden Eindrücke.

    M

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  • kgsbus
    antwortet
    Sicher ist es nicht zu verbergen, dass ich die Post schätze.
    Ich mag das Haus und die Küche. Die Wilbrands haben ihren Stil und arbeiten saisonal und regional.
    Vielleicht ist das machen Forianern zu einfach oder zu normal.
    Für mich ist es gerade richtig.

    Die Post – was sonst?

    Zu einem Familienfest darf es auch etwas nach meinem Geschmack sein. Und daher hatte ich im Vorfeld mein Wunsch-Menü auch mit Christopher Wilbrand abgesprochen und mit dem Sommelier Christoph Clemens die Getränke abgestimmt.

    Herr Clemens und seine Brigade hatten alle Hände voll zu tun, wenn ein neuer Gang zum Auftragen anstand, da wir Allergien (Nüsse, Gluten, Laktose) und auch vegetarisch im Programm hatten.

    Die verkosteten Speisen

    Wunsch-Menü (95.00 Euro) in fünf Gängen

    Grüße aus der Küche:

    Hokkaidokürbissuppe, Muscovado-Kürbispüree mit geschmorten Kürbis, Kräutermousse mit Forellenkaviar

    Die Grüße waren durchaus herbstlich gehalten. Die Kürbissuppe im Reagenzglas war kräftig abgeschmeckt. Das Püree mit den angebratenen Röllchen war anders gewürzt und mundete mir noch besser. Die grünen Kräuter obenauf mit feinen Fischperlen und Dill verziert ergaben dazu einen angenehmen Kontrast.
    Natürlich standen auch frisches Brot, zweierlei Butter und Olivenöl bereit.
    Alles zusammen genau das richtige, um die Zeit bis zum ersten Gang zu überbrücken. Etwas Champagner nippeln und sich mit seinen Nachbarn über das Wetter, das Menü und die Getränke unterhalten.
    Nur nicht zu viel Brot essen, auch wenn es knusprig ist, damit man auch bis zum Nachtisch Platz behält.

    ***

    Kalbherzbries | Kräutersalate | Kartoffelcreme | Herbstrüffel

    Bries ist mir immer eine Freude. Diese Innerei mag ich einfach, bei anderen zögere ich teilweise etwas. Sie war zart und fein gebraten. Versteckt unter den Kräutersalaten und den Trüffelspänen befanden sich die Stücke in der Mitte. Darunter befand sich das kräftige Kartoffelgericht. Zusammen mit der Creme und dem einen oder anderen Salatblättchen ergaben sich abwechslungsreiche Aromen im Mund. Der gereifte Riesling tat ein Übriges zum Wohlgeschmack.

    ***

    Suppenapotheke:

    Hummer | Consommé | Steinpilz | Tomate
    Jede dieser kleinen Süppchen hatte besondere Stärken. Hummercreme ist für mich immer eine Freude. Steinpilzaromen sind für mich zusammen mit Morcheln die liebsten Pilze und können sogar Trüffel ausstechen. Auch die stark reduzierte Tomate brauchte sich in diesem Feld nicht verstecken. Mein kleiner Favorit war vielleicht die konzentrierte Rinderbrühe; diese Essenz aus Fleisch, Gemüse und Knochen hat stets eine große Aromenbreite.
    Eigentlich bedarf es dazu keinen Wein. Aber ein fruchtiger Chablis schadet auch nicht.

    ***

    Atlantik-Steinbutt | Mango-Limettenchutney | Korianderaufguss | Nussbutterschaum

    Das feste Fleisch des Butt passt in seinem Geschmack ausgezeichnet zu Nussbutter. Schon so schmeckte der Fisch großartig. Aber das Mango-Limetten-Gemüse mit Süße und Säure machte das Gericht erst richtig außergewöhnlich. Der exotische Geschmack wurde durch die Korianderaromen perfekt ergänzt. Dieser Fischgang wird mir noch länger in Erinnerung bleiben.
    Auch hier war die Empfehlung des Sommelier goldrichtig. Der Wein brachte weitere fruchtige Facetten ein.

    ***

    Bergischer Rehrücken & Rehsauerbraten | Kürbis | Petersiliengnocchi | Steinpilz | Holunderjus | Birne

    Wildgerichte gehören für mich ohne wenn und aber zu den bevorzugten Hauptgängen. Wenn es dann etwas Kurzgebratenes und etwas Geschmortes auf dem Teller gibt, erfreut mich das noch mehr. Mit geschmorter Melone und Kürbis, gebratenem Pilz und gedünsteter Birne können die Fleischbissen herrlich kombiniert werden. Die Gnocchi und die Jus passten ebenso.
    Der gereifte Bordeaux war ein angemessener Partner.

    ***

    Dessertvariation ,,Zur Post‘‘:

    Schokophysalis, Creme brülée, Champagnermousse, Passionsfruchttörtchen,
    Tonkabohnen Panna Cotta, Sorbet vom Blutpfirsich

    Über die Pâtisserie in der Post kann ich nur sagen, dass ich mich immer auf sie freue. Die Variationen bedeuten sechs Mal Abwechslung. Die Panna Cotta wurde in einem separaten Töpfchen angerichtet und die Mousse befand sich angemessen in einem Champagnerglas. Die übrigen Gerichte teilten sich gemeinsam einen Teller. Jede dieser Köstlichkeiten forderte noch einmal die Aufmerksamkeit des Gaumens und der Zunge heraus – zu Recht.

    Noch etwas Kaffee und ein paar Pralinchen und etwas Marshmallow – dann ist der Besuch auch zu Ende.
    Wir waren von 12:30 bis gegen 17.00 Uhr vor Ort.

    Getränke

    Champagne Moet & Chandon Imperial Brut 0.75l - 87.00 Euro
    Der Klassiker des 1743 von Claude Moët gegründeten Hauses, mit feiner Frucht, frischer Säure und einer geschmeidigen Textur.
    20% Chardonnay, 20% Pinot Meunier, 60% Pinot Noir
    Beim Schaumwein lasse ich mich gerne beraten. Der Sommelier meinte, dass dieser Champagner zur Begrüßung und den Grüßen recht gut passt.

    Nur hin und wieder habe ich diese Edel-Sekte ernsthaft verkostet. Ich erinnere mich nur an eine Probe von Deutz-Produkten im Bayer-Weinkeller in Leverkusen und einen Vergleich von Ferrari Brut Trentodoc in Köln.

    2007 ABTSBERG RIESLING SUPERIOR - Weingut Maximin Grünhaus C. von Schubert, Mertesdorf 0.75l - 59.00 Euro
    Das Weingut Maximin Grünhaus liegt auf der linken Seite der Ruwer, etwa 2 km von deren Mündung in die Mosel. Der Abtsberg umfasst rund 14 ha Rebfläche. Sein Untergrund besteht aus blauem Devonschiefer, die runde Kuppe dreht von Südost bis Südwest und er erreicht eine Hangneigung von bis zu 70 %. Die Weine dieser Lage sind fein strukturiert, zeigen eine ausgeprägte Mineralität mit angenehmer Säure, viel Frucht und Körper. Sie gehören zu den langlebigsten Rieslingweinen des Anbaugebietes. Daher zeigte er auch wunderbare Reifungsnoten und gab dem Bries eine perfekte Abrundung.

    2012 CHABLIS « Grand Régnard » A.C. - Domaine Régnard 0.75l - 78.00 Euro
    Chardonnay aus dem Chablis kann großartig sein. Der „Grand Regnard“, eine Cuvée aus Premier und Grand Cru Lagen der traditionsreichen Domaine Régnard, erfüllt alle Wünsche. Er zeigt einen mineralisch-blumigen Duft aus Zitrusfrüchte, Quitten, Pfirsich. Am Gaumen wird die Harmonie aus erfrischender Säure und der Chablis-Aromatik deutlich. Der Grand Regnard wird in Edelstahl vinifiziert, also kein Ausbau in Holzfässern.

    2014 KALLFELZ Riesling Großes Gewächs Merler Königslay-Terrassen Trocken 0.75l - 55.00 Euro
    Die Rieslinge von Kallfelz fallen häufig sehr fruchtig aus. Der Merler Königslay-Terrassen Großes Gewächs hat eine voll-gelbe Farbe im Glas. Der Duft ist intensiv-fruchtig. Auch geschmacklich zeigt sich die Kraft der langen Reife. Die Säure kommt hier weniger in den Vordergrund. Seine ausgeprägte mineralische Fruchtstruktur entwickelt am Gaumen beerige und exotische Aromen. Zum Fischgang passte er daher prächtig.

    2002 CHATEAU LYNCH BAGES A.C. - 5. Cru Classé 0.75l - 172.00 Euro
    Das Weingut liegt in der Appellation Pauillac bei Bordeaux in Frankreich. Das Château wurde in die offizielle Bordeaux-Klassifikation von 1855 aufgenommen. Viele Weinkritiker sind der Meinung, dass Chateau Lynch-Bages aktuell auf dem Niveau von Deuxième Crus steht, obwohl damals nur eine Klassifikation als Cinquième Cru vorgenommen wurde. Die malolaktische Fermentation findet in großen Edelstahl-Tanks statt, anschließend verbleibt er etwa 15 Monate in Barriques, die zu 50-60 % neu sind, bevor er auf Flaschen gezogen wird. Rund 75% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, ein kleiner Anteil Cabernet Franc und etwas Petit Verdot machen die Cuvee aus.

    1990 Trittenheimer-Apotheke Auslese *** edelsüß Riesling - Weingut Grans-Fassian, Leiwen, Mosel 0.75l - 179.00 Euro
    Selective Handlese Ende Oktober des Jahres, nur sehr reife Trauben; kontrollierte Gärung bei 12° - 15° C über acht Wochen in Edelstahlfässern; drei Monate Lagerung auf der Feinhefe, späte Abfüllung.
    Es gibt ja Menschen, die Süßweine nicht mögen – aber dazu gehöre ich nicht. Zu Käse, Gänseleber oder eben vielen Nachtischen sind sie großartig. Und die deutschen Rieslinge dieser Art gehören hier auch weltweit zur Spitze und haben daher auch ihren Preis.

    Fazit

    5 – unbedingt wieder

    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

    Datum des Besuchs: 01.10.2016 – 12 Personen - Lunch

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    Zuletzt geändert von kgsbus; 06.10.2016, 23:26.

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  • kgsbus
    antwortet
    Schon wieder ist ein Jahr vergangen - Zur Post im Februar 2016

    „Mer sin wirklich offe,
    mer schwaade nit drömröm,
    uns Hätze schlage allsamp
    im Rhythmus vun ner Tromm
    Mer drieße jet op Morje,
    denn hück do han mer Lauf,
    e schläch Jewisse un Sorje,
    dat nemme mer in Kauf.

    Su lang mer noch am lääve sin,
    am laache, kriesche, danze sin,
    su lang mer noch am lääve sin.“

    Brings (https://www.youtube.com/watch?v=SRCNzRKUXpE)

    Für uns ist es schon fast eine Tradition, das „Fastenmenü“ hier zu genießen. Wie die Vorfreude schon ausdrückt, ist das für uns keine Entbehrung, sondern ein Vergnügen.

    Wir halten uns dabei an das Buch Prediger (mein Lieblingstext) aus der Bibel (Vers 9,7-9a) „Also: Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein; denn das, was du tust, hat Gott schon längst gefallen. Trag jederzeit frische Kleider und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt. Mit deiner Frau, die du liebst, genieße das Leben alle Tage deines Lebens, die er dir unter der Sonne geschenkt hat.“

    Leider hat die Post in der Woche mittags nur noch das Bistro (Postschänke) geöffnet. Wir mögen aber das Gourmetrestaurant lieber.
    Daher sind wir nicht mehr so oft wie früher (mal schnell mit dem Bus zum Lunch) in diesem Hause. Aber wir verfolgen im Internet die Entwicklung aus der Ferne mit großem Interesse.
    Doch nur lesen, macht zwar Appetit - allerdings nicht satt.

    Service und Küche

    Wir wurden freundlich begrüßt. Die Garderobe wurde umgehend versorgt. Dann wurden wir zu unserm Tisch geführt. Von unserem Platz aus konnten wir in die Küche blicken und die Köche beobachten. Was uns auffiel und beeindruckte, war die Konzentration und Präzision bei gleichzeitiger Ruhe und Gelassenheit. So sehen Menschen aus, die ihr Handwerk verstehen und genau wissen, was zu tun ist.
    Beide Chefköche (Alejandro und Christopher Wilbrand) waren anwesend und koordinierten die Abläufe.

    Dem stand der Service in nichts nach. Der Restaurantleiter (Thomas Wilbrand) und sein Team agierten ebenso aufmerksam. Jede Frage wurde gerne beantwortet und auch kleine Gespräche zu Getränken und Zutaten wurden gerne geführt.

    Köche sollen sich in meinen Augen im Laufe der Zeit von aktuellen Richtungen beeinflussen lassen, wenn sie dabei nicht ihre eigenen Erfahrungen und Traditionen aus den Augen verlieren.
    Ich denke da an eine kleine Geschichte von Berthold Brecht:
    Herr K. trifft einen Bekannten, den er lange Zeit nicht mehr gesehen hat und dieser ruft aus: “Sie haben sich gar nicht verändert.” - “Oh”, sagte Herr K. und erbleicht.

    So bin ich von den Wilbrand-Brüdern sehr angetan: Sie verwenden gerne Produkte aus der Region, greifen aber auch auf klassische Zutaten zurück. Sie verfolgen ihren Stil, den sie über lange Jahre entwickelt haben, sind aber auch für aktuelle Zutaten offen.

    Das empfinde ich, wenn sie Schnecken oder Hummer verwenden, aber auch Quinoa oder Rote Bete einbauen. Ich denke, dass sie dabei nicht irgendwelchen Trends hinterher laufen, sondern aus Freude am Kochen, das eine oder andere Element einfließen lassen.

    Wenn Christopher Wilbrand zum Beispiel über seine Wanderungen spricht und dabei auf die Pilze eingeht, die er dabei gefunden, geerntet und später verarbeitet hat, leuchten seine Augen auf.
    Oder Thomas Wilbrand über gereifte Weine aus Österreich oder Deutschland erzählt und sie dabei mit Gerichten aus der Karte in Verbindung bringt.


    Die verkosteten Speisen

    Fischmenü an Aschermittwoch (aber am Donnerstag, 11. Februar 2016 verkostet) – 79,00 Euro

    Kleiner Gruß aus der Küche

    Wir hatten bei der Reservierung schon unsere Wünsche besprochen und so konnte der Abend seinen prächtigen Verlauf nehmen. Die Getränke wurden gebracht und dann folgte in optimaler Zeitfolge das Menü:

    Zuerst kam auf einem Porzellanlöffel angerichtet ein Rote-Bete-Espuma (spanisch für „Schaum“) und dazu gab es ein kleines Parmesan-Kissen.

    Der Bete-Schaum schmeckte erfrischend und wurde durch das Parmesangebäck fein abgerundet.

    Gleich darauf wurden vier Brotsorten, die in Scheibchen geschnitten waren, mit Butter und Currypaste serviert.

    Ein Teller mit geräuchertem festem Fisch (Cobia), begleitet von einer Creme, die mit Lachskaviar gekrönt war und zwei Türmchen aus geschichtetem Schaum, folgte. Dazu gab es noch ein Kräutersüppchen mit einer frittierten Muschel (Miesmuschel).

    Die einzelnen Komponenten ergaben alleine oder in Kombination untereinander eine Vielzahl von Geschmackserlebnissen im Mund.

    ***

    Trilogie vom bergischen Bachsaibling und dreimal Gurke

    Der Bachsaibling stammt ursprünglich aus Nordamerika und gehört zu den Lachsfischen. Er wir oft in Aqua-Kulturen gezüchtet. In der „Post“ kam der Fisch aus Teichen in Lindlar.

    Schon von früheren Besuchen her wissen wir, dass bei den Wilbrands der Bachsaibling
    stets eine Köstlichkeit für uns darstellt.
    Heute war der Fisch ohne Pfanne zubereitet: Tartar, gebeizt und gedämpft. Die Unterschiede waren für mich gut schmeckbar aber schwer in Worte zu fassen. Am besten hat mir der Tartar gefallen.
    Bei den Gurkenvariationen fällt es mir ebenfalls schwer die Art treffend zu beschreiben. Es war wohl Essiggurke - als Mousse, Schaum und mariniert.

    ***

    Zu unserer Freude kam nun noch ein Küchengruß zum Thema „Schnecke“. Er bestand aus zwei Tellern. Auf dem einen waren Quinoa-Chips oder –Plätzchen (sehr kross gebraten bzw. sie hatten leichte Röstaromen) neben einer Knoblauchpaste sowie einer frittierten Schnecke in der Mitte dazwischen. Auf dem anderen befand sich eine Einlage (unter anderem Möhren) für eine Suppe – eine Schneckensuppe. Die Flüssigkeit dazu wurde am Tisch aus einer Kanne angegossen.
    Diese Überraschung hat uns sehr gemundet. Uns wurde berichtet, dass in der Gemeinde Much eine Schneckenzucht besteht, von der die Exemplare bezogen werden.

    ***

    Filet vom Skrei | Apfel-Aalragout | Kopfsalataufguss | Limette

    Der Skrei ist im Prinzip ein Kabeljau aus Norwegen und wird dort im Winter gefangen. Sein Fleisch ist besonders fest und aromatisch und schmeckt sowohl gebraten als auch pochiert vorzüglich.
    Aus kleinen Stücken von Aal wird das Ragout geschmort.
    Der Aufguss wird durch ein Übergießen des Salats mit heißer Flüssigkeit gewonnen.

    Auf dem Teller befand sich in der Mitte das Filet. Sein weißes und festes Fleisch war herrlich gegart. Obenauf befanden sich eine kleine Grilltomate und daneben ein Limettenfiletstückchen. Umgeben war das Ganze mit dem Salataufguss in dem die Apfel- und Aalstückchen wunderbare Süße bzw. Räucheraromen abgaben.

    ***

    Atlantik Hummer als Cocktail

    Der Hummer gehört zu den Krebsen und wird in eine amerikanische und europäische Art unterteilt. Beim Cocktail werden Teile des Fleisches verarbeitet.
    Der Hummer heute stammt aus einer Zucht, wird im Handel bezogen und dann im Hause frisch zubereitet.

    Verwendet wurden pure Fleischteile und kleine Stücke, die zusammen mit Ananas zu einer Art Küchlein verarbeitet waren. Obenauf lag eine Schicht, die mich an ein belegtes Knäckebrot erinnerte. Nichts gegen die Stücke, aber hier war das Törtchen unser Favorit. Der Hummer war schmackhaft und in Kombination mit Ananasschaum einfach prächtig.

    ***

    Zitrusfruchtgranitée

    Das Granitée ist eine klassische Eisspeise. Verwandt ist es mit dem Sorbet. Es wird (in Italien auch Granita genannt) ausschließlich aus Fruchtsaft und Zuckersirup zubereitet und dann unter mehrmaligem Rühren nach und nach gefroren. Die körnige Eismasse wird dann kurz vor dem Anrichten „gecrusht“.
    Das Eis erfrischte unsere Gaumen. Neben den Zitrusaromen schmeckten wir auch einen Alkoholanteil.

    ***

    Atlantik Steinbutt mit Périgord Trüffel | Blattspinat | Winterspargel |Tomatengnocchi

    Der Steinbutt ist ein Plattfisch und gehört zu den Edelfischen. Er ist wegen seines festen, saftigen Fleisches mit dem nussigen Geschmack sehr begehrt. Der Fisch eignet sich zum Braten, Grillen oder Pochieren und wird bei uns fast ausschließlich als Wildfang angeboten. Hier wurde der Fisch aus Oostende geliefert.
    Das Filet war kross gebraten und unheimlich saftig.
    Auf dem Fisch lagen Späne von Tuber Melanosporum, dem echten schwarzen Trüffel. Unsere Freude kannte kaum noch Grenzen, als der Chef Christopher die Teller selber servierte und noch weißen Alba-Trüffel als Zugabe auf den Teller hobelte.
    Das war schon großes Kino.
    Aber auch der Spinat war köstlich saftig. Der Winterspargel, der auch Schwarzwurzel genannt wir, rundete den Geschmack ab.
    Ein weiterer Glücksfall waren die Tomatengnocchi, die ausgezeichnet mit dem Trüffel eine perfekte Geschmackskombination bildeten.

    ***

    Dessertbüffet „Zur Post“ am Tisch serviert

    Die Dessert-Variationen sind der Klassiker im Haus. Oft sind die kleinen Köstlichkeiten auf einem großen Teller wie die Ziffern einer Uhr rund herum angeordnet.

    Heute wurden die Süßspeisen auf einem Tablett, das sich auf einem Metallgestell befand, welches auf den Tisch gestellt wurde, präsentiert.

    Wir fanden acht Gerichte für jeden von uns. Dabei waren Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern, Creme brulee, Kokospraline, Zuckerwatte, Mangocreme und andere Leckereien. Wir lieben diese Nachspeisen immer wieder: locker, leicht, abwechslungsreich.

    ***

    Zum Kaffee bzw. heißer Schokolade wurden uns noch einige Pralinen zur Auswahl gereicht.

    Damit schließt das Menü ab. Und wir waren glücklich und zufrieden.

    Getränke

    Taunusquelle 0,75l – 8,00
    Rieslingsekt 0,1l – 8,50
    Alkoholfreier Campari (Monin) 0,2l – 6,00
    Heiße Schokolade – 3,50
    Doppelter Espresso – 4,50
    Tequila 1800 2cl – 6,50

    Weinbegleitung – 50,00
    - Maximin Grünhaus Herrenberg Riesling 2009
    - Bernhard Huber Weißburgunder&Grauburgunder trocken 2012
    - Dr. Heger Winklerberg Grauburgunder GG 2013
    - Beringer Napa Valley Chardonnay 2012
    - Joh. Jos. Prüm Bernkasteler Badstube Auslese 2009

    Zu Fisch und Meer passen in aller Regel am besten Weißweine. Die vorgeschlagenen Tropfen wurden vorgestellt und ein Probeschluck gereicht. Ich war mit der Begleitung sehr zufrieden.


    Fazit

    Ich besuche ein Restaurant nie, um es zu testen. Ich besuche ein Restaurant in der Hoffnung und Erwartung, genüsslich essen und trinken zu können. Ich möchte erleben, wie Gerichte in Perfektion zubereitet und angerichtet werden, wie sie duften und wie sie schmecken und mit welchen Getränken sie harmonieren.

    Das war heute voll der Fall; daher:
    5- unbedingt wieder

    Unser Dank geht an Küche und Service gleichermaßen.

    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

    Datum des Besuchs: 11.02.2016 – drei Personen – abends

    Bilder http://kgsbus.beepworld.de
    Zuletzt geändert von kgsbus; 14.02.2016, 07:37. Grund: Präzisierung von Begriffen

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  • kuechenreise
    antwortet
    Danke, werter kgsbus, für den tollen Bericht und für die Ode an das Geniessen! Die Post macht mich jetzt sehr neugierig!

    Einzig Fastenzeit - und keine Vögel: Sind nicht am Wasser lebende Vögel (wie Enten, Gänse, Schwäne) quasi Vögel wie auch die Hühner, da sie am gleichen Tag wie die Fische erschaffen wurden? Oder so.. ;-)

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  • Gast-Avatar
    Ein Gast antwortete
    Schöner Bericht.
    Den Ziest haben Sie nicht weiter erwähnt, haben Sie daran noch eine Erinnerung?

    "Der Duft von Trüffeln wird mich vielleicht nie begeistern"
    Beim Alba ließe sich das noch in gewisser Weise verstehen, aber beim Périgord? Mon Dieu, daran könnt' ich mich zu Tode schnüffeln. (jaja, wie verschieden doch Gerücher sind). Und der Picpoul zu diesem aromenstrotzenden Gang, konnte der da mithalten? (Wir Schwaben lieben dieses Getränk ja besonders: ein wunderbarer leichter und spritziger Wein mit schönen Zitrusaromen, toller Austern-und Muschelalliierter, und das noch im Ek ~ 5 € !)

    MkG
    s.

    PS:
    "Etwas Schönes hat die Fastenzeit ..."
    Das sag' ich auch immer; während ich große Bissen (paniertes - unser Herrgott muß ja nicht alles gleich erkennen) Hummerscherenfleisch mit noch größeren Schlucken Condrieu wegputze

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  • kgsbus
    antwortet
    Mein Lieblingslokal im Bergischen Land

    Etwas Schönes hat die Fastenzeit: Die „Post“ bietet wieder ihr „Wassergetier-Spezial“ an. Ich liebe diese Zusammenstellung von Gerichten ohne Fleisch (Verzicht auf Säugetiere und Vögel, aber viele wechselwarme Tiere sind dabei auf der Karte – oder umgekehrt nach Europarecht: Fleisch sind alle genießbaren Teile (einschließlich Blut) von Huftieren (Haustiere der Gattungen Rind, Schwein, Schaf und Ziege sowie als Haustiere gehaltene Einhufer), Geflügel, Hasentiere und frei lebendem Wild. -> http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/...55:0205:DE:PDF). Eine schöne Tradition der Post.

    Doch das neue Jahr brachte auch Änderungen im Hause: Neue Öffnungszeiten. Das Gourmetrestaurant macht in der Woche nicht mehr mittags auf (die Postschänke aber weiterhin) und dienstags ist ein weiterer Ruhetag dazugekommen.

    Wirtschaftliche Zwänge wie Mindestlohn für den Arbeitgeber und der Verlust an Zeit für Genießen bei den Gästen führen wohl hauptsächlich dazu, dass gerade Sternehäuser ihre Öffnungszeiten einschränken (müssen).

    Immer mehr Menschen interessieren sich (scheinbar) grundsätzlich für Essen und Trinken (Kochsendungen im Fernsehen, Foren im Internet etc. belegen dies und nehmen noch zu), haben aber keine Zeit oder Geld oder beides, um selber mit „Kultur“ zu speisen. Lieber Selbstbedienung (Vapiano zum Beispiel oder Büffet beim Chinesen) in Kauf nehmen oder sogar Vorgefertigtes schnell runter schlingen (Hauptsache viel und schnell – und auch billig). Keine gemeinsamen Esszeiten mit Artgenossen – jeder für sich. - Das Auto oder Handy werden meist besser behandelt als der eigene Körper und die Seele!

    Doch kein Grund zur Resignation für mich: Denn ich kann die Welt nicht abhalten, das Genießen zu verlernen. Ich kann nur selber meinen Weg gehen: Weiterhin in Lokalen mit Bedienung und saisonalen Angeboten einkehren und selber mit hochwertigen Produkten zu Hause arbeiten („Was tue ich mit mir, wenn die Welt nicht so ist, wie sie mir gefällt?“ – frei nach Ruth Cohn: Beobachten, verarbeiten, gewichten und handeln).

    Und dann der Schreck am Telefon: Der Aschermittwoch ist ausgebucht – aber dann die Entspannung: Wir können das Menü auch einen Tag später noch bekommen und haben sogar noch die Platzauswahl im Restaurant.

    Kein Problem für uns – vielleicht geht es sogar etwas entspannter an diesem Donnerstagabend zu. Das Haus ist jedoch auch heute gut besucht. Wir haben den Tisch vor der Küche erhalten. Dort haben wir bisher noch nie gesessen. Wir empfinden das als eine Ehre und so können wir die Arbeit des Teams gut durch die geöffnete Jalousie beobachten. Die Tätigkeiten in der Küche gehen erstaunlich ruhig und konzentriert den ganzen Abend von Statten. Die Zettel am Bord werden systematisch Stück für Stück abgearbeitet. Wir sehen, wie auch unsere Speisen angerichtet werden und vom Service abgeholt und zu den Gästen gebracht werden.

    Ambiente

    Die Gebrüder Wilbrand wissen, dass ein altes Fachwerkhaus gepflegt werden muss und haben immer wieder die Gasträume „frisch“ gehalten – zuletzt wurde der große Saal (http://www.der-festsaal.de) komplett renoviert und ist jetzt ein Ort für viele Gelegenheiten; sogar eine Showküche ist darin enthalten.

    Uns sagen die Dekoration und die Anordnung der Tische im Restaurant voll zu. Klassisch, dezent, nicht überladen, hell und dunkel in gutem Zusammenspiel.


    Service

    Die Übersicht der Gastgeber hat mich stets überzeugt; egal ob es die Herren Thomas Wilbrand, Andre Naujoks oder Stefan Krüger waren. Heute war Herr Wilbrand bei der Arbeit. Seine Kenntnisse vom Wein erfreuen mich und wir unterhalten uns über die Gewächse in der Weinbegleitung angeregt. - Aber auch die Damen sind bestens ausgebildet und gerne zu kleinen Gesprächen und Bemerkungen bereit. Das Personal fühlt sich wohl auch wohl, denn viele arbeiten hier schon über einen längeren Zeitraum. Und das ist im Gastgewerbe nicht der Regelfall.

    Die Karten

    Menü und a-la-carte-Gerichte stehen übersichtlich in der Speisekarte. Die Getränkekarte umfasst ein großes Angebot an offenen Weinen und auch an besonderen Flaschen. Durch ein Glasfenster im Boden kann man den Weinkeller teilweise einsehen. In einem Klimaschrank sind auch Flaschen im Lokal ausgestellt. Aber auch ein Kölsch (Gaffel vom Fass) oder andere Biere werden gerne gereicht.

    Die verkosteten Speisen

    Fischmenü am Aschermittwoch (jedoch am Donnerstag, 19. Februar 2015) im Gourmetrestaurant.

    Kleiner Gruß aus der Küche

    Wir erhalten Brot und Aufstriche (Butter und eine köstliche rote Paste mit intensiven Tomatenaromen), kleine Häppchen (zum Beispiel eine Gänseleberpraline) und zwei Gerichte. Besonders der letzte Teller ist mir in Erinnerung geblieben: Moerser Schnecken (sie kommen aus der Stadt am Niederrhein und werden dort gezüchtet), Knoblauchschaum, Möhrenspaghetti und grüner Räucheraal als Mousse verarbeitet (die speckigen Geschmacksmomente waren köstlich).

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    ***

    Marinierter Hummer | Maiscreme | Bisque

    Hummer habe ich in der Post bereits früher serviert bekommen. Daher bin ich auf die Darbietung gespannt. Bisque ist eine dicke, geschmacksintensive und reichhaltige Suppe aus Hummer und Krebsen gekocht – ein Klassiker der französischen Küche. Der Mais war als Schaum, Popcorn und Kolben ein feines Erlebnis. Die würzige elegante Suppe befand sich in einem Reagenzglas. Der Hummer war zart und geschmeidig im Mund.

    Malvira Roero Arneis 2013 – frische Noten - im Stahltank vergoren

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    ***

    Gebratene Jakobsmuscheln | Schnittlauchbaumkuchen | Knollenzist |gelbe Bete

    Jakobsmuscheln habe ich schon auf viele Arten zubereitet bekommen und es ist für mich ein Lieblingsgericht. Auch der orangerote Rogen (Corail) war zu einer kleinen Nocke verarbeitet. Das hat mir zugesagt. Gelbe Bete habe ich bisher nur als frittierte Chips selber hergestellt und war vom Ergebnis sehr angetan. Hier gab es ein „Segel“ und kleine Stücke und Creme davon. Rote Bete sind etwas erdiger im Geschmack – die Gelben scheinen mir etwas eleganter im Aroma.

    Krück Selection Sauvignon Blanc trocken

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    ***

    Seezungenfilet | Perigord Trüffel | Topinambur | (Kichenerbsencrouque) - Kaisergranat | Champagnerschaum

    Trüffel gelten als Inbegriff einer Delikatesse. Gute Exemplare haben deshalb einen hohen Preis. Aber nicht alle Pilze dieser Familie haben einen guten Ruf. Der weiße Albatrüffel ist besonders wertvoll. Aber der schwarze Perigordtrüffel gilt ebenso als schmackhaft – leider ist der minderwertige chinesische Trüffel ihm im Aussehen sehr ähnlich. Bisher habe ich in einem Restaurant noch keinen Trüffel gereicht bekommen, der mich vom Hocker gerissen hätte. Vielleicht waren die Sorten nicht hochwertig gewesen. Daher war ich besonders gespannt auf diesen Gang.

    Crouque ist die französische Variante des englischen Sandwich – ich bin gespannt, wie das aus Kichererbsen schmeckt. Aber dieser Teil war heute durch Kaisergranat ersetzt; der gut zubereitet war.

    Ich habe mit Herrn Wilbrand über diese Kreation gesprochen. Er schätzt seine Wintertrüffel und will in der Kombination mit der Wurzelknolle mit deren erdigen Noten eine innige Verbindung herstellen. Ebenso können Eigelb und Parmesan den Trüffel zur Vollendung führen.

    Der Duft von Trüffeln wird mich vielleicht nie begeistern, aber der Geschmack hat mich beim ersten Zusammentreffen mit Zunge und Gaumen schlagartig überzeugt. Hoch lebe das Perigord und seine Pilze. Ich hätte am liebsten eine kleine Knolle erworben, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Leider war es nicht möglich, da sie in der Karte auch in den nächsten Tagen Verwendung finden.

    Domaine des Lauriers Prestige Picpoul de Pinet 2013 – autochtone weiße Rebsorte aus dem Languedoc mit feinen mineralischen Aromen

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    Williamsbirnensorbet

    Das halbgefrorene Eis gilt als Pflicht in der französischen Küche, um den Gaumen für den Hauptgang vorzubereiten.



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    Filet vom Skrei | Fondue aus Kartoffel und Artischocke | Tomatenwürzsud |Oliven und Kapern

    Der Winterkabeljau aus Norwegen ist großartig – selbst wenn ich ihn zu Hause eigenhändig verarbeite, hat mich das Aroma begeistert. Die Haut ist kross gebraten und mit Kräutern bedeckt. Der Tomatensud hatte einen angenehm-kräftigen Geschmack, war aber nicht zu dominant. Die anderen Beilagen ordneten sich unter bzw. passten sich an die Komposition an.


    Wieninger Chardonnay Select 2012 – kräftiger Wein mit 14,5 Umdrehungen

    ***

    Dessertvariation „ZUR POST“

    Hier erwarte ich eine Ansammlung von mehreren Tellerchen mit kleinen verschiedenen Süßspeisen, die durchaus ein Wiedersehen mit bekannten Gerichten bedeuten:
    Creme brulee, Schokotörtchen mit flüssigem Kern, Zuckerwatte, Lolli, Himbeerbällchen … an die zehn verschiedenen Teile umfasst das Arrangement. In der Post ist auch die Nachspeisenfolge stets ein würdiger Abschluss. Die Wilbrand-Brüder ergänzen sich halt in jeder Weise kongenial in ihrer Küche.

    Sankt Urbans Hof Riesling "Piesporter Goldtröpfchen" Auslese 2011

    Getränke

    Gerne vertraue ich in diesem Haus den Empfehlungen des Service.
    Picpoul de Pinet, Wieninger Chardonnay und den edelsüßen Urbans Hof Riesling möchte ich auf jeden Fall zu Hause nachverkosten. Das schöne an einer guten Weinbegleitung sind eben die Neuentdeckungen. Das lässt dann die Hotelpreise für den Rebensaft leichter verschmerzen (ein Glas kostet eben fast so viel wie die Flasche im Geschäft – aber das weiß ich ja vorher).


    Preis-Leistungs-Verhältnis

    Ein Sechs-Gang-Menü mit mehreren Grüßen aus der Küche für 79 Euro halte ich für bei diesen edlen Zutaten für absolut preiswert.

    Fazit

    5 – unbedingt wieder. Die Post war für uns eine der Einstiege in die Sterneküche und begeistert uns seither immer wieder. Die Vielfalt der saisonalen Angebote überrascht uns auch nach vielen Besuchen.

    Zwischenzeitlich sind für mich die Wilbrand-Brüder auch wieder „französischer“ geworden. Und das gefällt mir sehr. Die Anklänge an Klassiker sind aber stets gepaart mit eigenständiger Handschrift und selbstsicher Umsetzung. Die Teller gefallen mir über alle Maßen. Ich möchte die Entwicklungsphasen, die ich bisher erleben konnte keinesfalls missen, doch genau die Gegenwart gefällt mir vorzüglich!
    Die Speisen haben mich heute mit Kreativität und Geschmacklichkeit beeindruckt, die Zutaten sind hervorragend gewählt, die Umsetzung ist technisch perfekt ausgeführt.
    Was fehlt noch für einen gelungenen Abend? Nichts – denn auch der Service ist großartig!

    (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
    Zuletzt geändert von QWERTZ; 21.02.2015, 11:13.

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  • Schmackofatz
    antwortet
    schöner Bericht, kgsbus!

    Meine Eindrücke liegen jetzt zwar schon ein knappes Jahr zurück aber auch ich kann die Post sehr empfehlen. Eine gute Adresse vor allem um erste Erfahrungen mit der Sterneküche zu machen. Von mir hier aus diesem Grund damals bewusst ausgesucht für meine Begleitung.
    Mademoiselle Schmackofatz war doch ganz entzückt und der Impfprozess schritt erfolgreich voran

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  • kuechenreise
    antwortet
    Danke, werter kgsbus, für die Eindrücke aus der Post, welche mir das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen :-) Und wenn Sie als Resümee "unbedingt wieder" sagen, hoffe ich, dass ich es auch mal hinschaffe!

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  • QWERTZ
    antwortet
    Urlaubsbedingt komme ich erst jetzt dazu, den Bericht zu lesen. Vielen Dank für die Schilderung dieses angenehm erscheinenden Menüs!

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