Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Villa Leonhart - Königswinter *

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Villa Leonhart - Königswinter *

    Damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde immer nur kritisieren (was natürlich nicht stimmt) sitze ich für die kommende Woche an einem Bericht über einen Besuch in der Villa Leonhart in Königswinter (nahe Köln/Bonn).

    Der Besuch dort war sehr überzeugend, so dass man diese Neuentdeckung (seit diesem Jahr *) getrost zu den Top10 in NRW zählen darf. Es war so gut, dass man am Essen kaum Kritik üben kann und ein weiterer Stern nicht unrealistisch erscheint. Das hätte ich vorher nicht ansatzweise so erwartet und umso erfreuter war ich über die Küchenleistung.


    Auf Facebook gibt es schon einmal ein paar Impressionen

  • #2
    Wenn man durch die Hauptstraße von Königswinter unterhalb des Siebengebirges schlendert und an Dönerbuden, Asia-Snacks und Pizza-Imbissen vorbeikommt, kann man sich überhaupt nicht vorstellen, dass in dem arg touristisch geprägten Stadtbild irgendwann (Hausnummer 330!) eine zurückliegende weiße Villa in einem Park auftaucht, die auch noch ein Sternerestaurant beherbergt. Kein Schild außen, dass sich dort eine kulinarische Oase inmitten der rechtsrheinischen Diaspora befindet; keine Karte, die einen neugierig machen könnte; lediglich drei Fahnen mit der Beschriftung „Villa Leonhart“, die auch keinen Hinweis auf irgendeine Form von Restauration geben.

    Man muss sie also kennen, die Villa Leonhart, sie gezielt ansteuern und sich dann erklären lassen, dass dieses Haus einmal die Botschaft von Pakistan beherbergt hat. Hat man in dem puristisch ausgestatteten Saal, der etwas schwach beleuchtet ist, Platz genommen, mag man sich gerne den Kreationen des jungen Martin Tetzner hingeben, der vor seinem Engagement in Königswinter im Leipziger Falco gearbeitet und hier am Rhein sofort einen Stern erobert hat.

    Die Karte ist klein, eigentlich zu klein, d.h. es stehen lediglich 8 Gerichte darauf, die man ALC bestellen oder zu einem 3-8gängigen Menü zusammenstellen kann. Ein Fischgang, ein Dessert, da fühlt man sich in seiner Wahl doch etwas eingeschränkt. Wir haben uns für 4 Gänge ohne Dessert entschieden (69 €!) und kamen mit 2 Amuses gut über die Runden.

    Der Service ist locker, freundlich und kompetent. Man spürt die Freude, die Kreationen von Tetzner annoncieren zu dürfen, und gibt bereitwillig und fachkundig Auskunft zu diesem und jenem.

    Auch wenn der Küchenchef mit Schnurr gearbeitet hat, bekommt man in der Villa keinen Abklatsch der Falco-Küche. Das wäre auch zu hoch gegriffen. Tetzner versucht seinen eigenen Weg zu gehen, begibt sich dabei jedoch auf den einen oder anderen unnötigen Umweg. So packt er noch zu viele Komponenten in einen Gang statt das Hauptprodukt herauszuarbeiten und durch zwei, drei Facetten zu pointieren. Handwerklich ist das alles gut gemacht und von großem Wohlgeschmack, doch will sich einem der Liebreiz der einen oder anderen Kombination nicht so recht erschließen. Weniger und Konzentration auf das Wesentliche wären hier sicherlich mehr!

    Genug der Vorrede! Was lag, stand, thronte auf den feinen Tellern?

    Das erste Amuse Bouche bestand aus einer Kokos-Wasabi-Mousse mit Fliegenfischkaviar sowie Lachs mit Krabbenbrotbröseln. Man schmeckte Wasabi und Lachs; die Brösel machten das Ganze ein bisschen knackig. Nett.

    Danach gab es eine Mini-Roulade sowie eine Mousse (sic!) vom Schwarzfederhuhn auf Kohlrabibutter. Ganz originell und schmackhaft die Rouladenscheibe. Die Mousse hätte nicht sein müssen.

    Bachsaibling, Kartoffel, Saure Sahne
    Was sich so einfach anhört, war in Wirklichkeit ein üppiges Konstrukt: Auf einer Kartoffelcreme lagen dünne, grüne Spargelstangen, darauf der marinierte Saibling, der von einer Nocke Saure-Sahne-Eis und einer Scheibe knusprigen Tiroler Specks flankiert war. Was macht der Speck an dieser Stelle? Er stört! Und auch die saure Sahne wird nicht sinnhafter, wenn sie geeist ist. Ach ja, und dann war da auch noch der Spargel! Der Wohlgeschmack dieses Ganges rührte einzig und allein von wunderbar marinierten Saibling und der Kartoffelcreme. OK, ein Klecks saure Sahne; mehr hätte es nicht bedurft!

    Foie Gras, Granny Smith, Pumpernickel
    Gut gebratene Stücke von der Gänsestopfleber, die schön mit dem Granny-Mus harmonierten; dazu vom Pumpernickel ein Cracker und eine Mousse (sic!). Als Zugabe gesellte sich noch eine Zwiebelmarmelade dazu. Warum eigentlich?

    Hummer, Kalbskopf, Romanesco
    Ein sehr guter Gang, genau richtig. Die Hummerstücke lagen auf einer Romanescocreme, die Röschen auf Kalbskopfwürfelchen und dazu eine frittierte Praline, die ebenfalls mit Kalbskopf gefüllt war.

    Loup de mer, junger Spinat, Wachtelei
    Der Fisch einmal anders, nämlich in der Folie sanft gegart und mit brauner Butter überzogen; dazu ein Spinat-Kartoffelstampf, in dem marinierte Spinatblätter steckten. Sehr gut! Als Zugabe zwei Wachteleier, das eine pochiert, das andere frittiert.

    Mangels einer Alternative zu dem einzig angebotenen Dessert "Ananas, Erdnuss, Nougat" verzichteten wir und bekamen feine Nettigkeiten zum Espresso.

    Fazit: Martin Tetzner ist ein sehr guter Koch, der zu Recht schon in seinem ersten Jahr einen Stern bekommen hat. Wenn er noch lernt, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen und Komponenten in seinen Gängen zusammenzubringen, die eine intensivere Beziehung zueinander eingehen oder gar einen Spannungsbogen bilden statt sich zufällig zu begegnen, dann kann sich seine Küche auch noch zu mehr entwickeln.

    Ist man einmal am Mittelrhein unterwegs, dann ist ein Halt in Königswinter jetzt durchaus eine Alternative.

    Beste Grüße, Merlan

    Kommentar


    • #3
      Danke für diesen schönen Bericht, werter merlan!

      Es war wie immer ein Genuss, Ihre Zeilen zu lesen. Toll, vor allem auch wieder einen Bericht über ein eher ( zumindest dieses Forum betreffend ) weniger frequentiertes Restaurant zu lesen.

      Was machen Sie denn am Mittelrhein, mein Lieber ? Dürfen wir uns da wohl schon über den ein oder anderen weiteren Bericht freuen oder bleibt es bei diesem einen Überfall Ihrerseits ?


      Viele Grüße, Schmackofatz

      Kommentar


      • #4
        Vielen Dank für diesen - mal wieder - interessanten Bericht. Es ist wirklich bemerkenswert, auch für ein Sternerestaurant, mit einer so reduzierten Karte aufzutreten. Aber dies scheint ja kein Nachteil zu sein

        Kommentar


        • #5
          Gab es, werter Merlan, zu Ihrem Menü - übrigens kennt mein Robert dictionnaire de la langue francaise den Ausdruck "Amuse Bouche" nicht - auch Getränke?
          Und dann hab' ich noch ein Anliegen: Sie schreiben, die Karte sei klein, eigentlich zu klein. Das scheint jedoch zum sicherlich wohldurchdachten Gesamtkonzept des Herrn Tetzner zu gehören. Wir waren vor kurzem in einem Lokal, da gab es genau sechs Gerichte; wir haben uns darauf eingelassen und es wurde ein grandioses Erlebnis. ( ich werd' noch davon erzählen)
          MkG
          schlaraffenland

          Kommentar


          • #6
            auch von mir ein herzliches Dankeschön! Können sie auch etwas zur Weinkarte, bzw. den offerierten Weinen schreiben, oder warten Sie damit konsequent bis Ostern?

            Gruß
            T.

            edit: da waren Sie schneller wertes s. ...
            Zuletzt geändert von Tofu; 25.03.2011, 14:30.

            Kommentar


            • #7
              lieber merlan,

              danke für den schönen bericht aus königswinter. wär jetzt spannend zu erfahren, wann sie denn genau in der villa leonhart waren, und ob ihr loorbeer wirklich noch dem herrn tetzner gebührt, oder schon seinem nachfolger (siehe gusto-homepage www.gusto-online.de). wann genau der chefwechsel war, steht da aber leider auch nicht.

              grüße, feinfisch

              Kommentar


              • #8
                Die Meldung ist relativ frisch. Auf der eigentlichen Homepage wird Herr Tetzner noch als Küchenchef genannt. Auf der Startseite steht lediglich ein Verweis auf diese Pressemitteilung http://villaleonhart.de/fileadmin/us...e_regional.pdf, derzufolge ist Herr Tetzner seit Anfang des Monats nicht mehr Küchenchef, sondern Küchendirektor.
                Zuletzt geändert von QWERTZ; 25.03.2011, 15:56.

                Kommentar


                • #9
                  Zitat von Schmackofatz Beitrag anzeigen
                  Was machen Sie denn am Mittelrhein, mein Lieber ?
                  Hart arbeiten, lieber Schmackofatz, ganz hart arbeiten! Vun nix kütt nix (rheinisch)!

                  Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                  Gab es, werter Merlan, zu Ihrem Menü - übrigens kennt mein Robert dictionnaire de la langue francaise den Ausdruck "Amuse Bouche" nicht - auch Getränke?
                  Oui, oui! Der freundliche Sommelier bietet auf Nachfrage auch eine Weinbegleitung an; das haben wir jedenfalls am Nebentisch beobachtet. Da wir das nicht so mögen, haben wir einen Chardonnay aus dem Burgund durchgetrunken.

                  Übrigens: Mein Larousse kennt nicht einmal das Wort "amuse"!

                  Zitat von Tofu Beitrag anzeigen
                  Können sie auch etwas zur Weinkarte, bzw. den offerierten Weinen schreiben, oder warten Sie damit konsequent bis Ostern?
                  Die Weinkarte würde ich als "im Aufbau" bezeichnen. Die gängigen Sachen sind vertreten, aber es fehlt noch ein wenig der eine oder andere Geheimtipp.

                  Ach ja, von Aschermittwoch bis Ostern ist mir einfach zu lang, um Verzicht zu üben! :cheers: Ist auch bestimmt nicht gesund, dem Körper fast sieben Wochen lang so wertvolle Stoffe vorzuenthalten!

                  Zitat von feinfisch Beitrag anzeigen
                  ... wär jetzt spannend zu erfahren, wann sie denn genau in der villa leonhart waren, und ob ihr loorbeer wirklich noch dem herrn tetzner gebührt, oder schon seinem nachfolger (siehe gusto-homepage www.gusto-online.de). wann genau der chefwechsel war, steht da aber leider auch nicht.
                  Dann müssen wir vor ein paar Tagen wohl vom neuen Küchenchef bekocht worden sein. Es rührt nur merkwürdig an, dass der Service dies nicht offenbart hat, haben wir ihn doch konkret auf den bisheigen Chefkoch angesprochen.

                  Wenn wir aber nun beim bisherigen Souschef gegessen haben, dann erklärt sich so vielleicht auch die Diskrepanz zur Eingangseinschätzung von MaxVanderveer, der den zweiten Stern für Tetzner als nicht unrealistisch sah. Hiervon ist der neue Küchenchef deutlich entfernt.

                  Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                  Die Meldung ist relativ frisch...derzufolge ist Herr Tetzner seit Anfang des Monats nicht mehr Küchenchef, sondern Küchendirektor.
                  Na, dann weht doch wenigstens noch der Geist von Herrn Tetzner über der Villa! Man kann gespannt sein, wie es weitergeht.

                  Beste Grüße, Merlan

                  Kommentar


                  • #10
                    Werte Vorredner,

                    lassen Sie die Wörterbücher einfach im Schrank und schauen Sie hier:

                    http://dict.leo.org/frde?lp=frde&lan...=&search=amuse

                    Beste Grüße
                    Daurade

                    Kommentar


                    • #11
                      Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                      [...]Ist auch bestimmt nicht gesund, dem Körper fast sieben Wochen lang so wertvolle Stoffe vorzuenthalten! [...]
                      Dies kann ich, auch im Namen der anderen Legastheniker, nur so bestätigen!

                      Kommentar


                      • #12
                        Wie ich aus der elterlichen Heimat vernehme hat Martin Tetzner das Blumraths verlassen und ist in neuer Funktion in das alte Umfeld zurückgekehrt: http://www.general-anzeiger-bonn.de/...le1036126.html

                        Kommentar


                        • #13
                          Mit der "elterlichen Heimat" höre ich gerne, lieber QWERTZ, bin ich doch genau gegenüber auf der anderen Rheinseite geboren.

                          Der Artikel im General Anzeiger ist wohl so zu interpretieren, dass die Macher in Zukunft ein breiteres Publikum ansprechen wollen und sich damit wohl eher aus der Sterne-Gastronomie verabschieden. Schade für die nicht gerade mit Spitzenküchen gesegnete Region.

                          Rheinische Grüße, Merlan

                          Kommentar


                          • #14
                            Meine elterliche Heimat ist allerdings rheinabwärts, unweit des Blumraths, also am Niederrhein.

                            Kommentar


                            • #15
                              @QWERTZ: Ob Bonn oder Moers, Hauptsache Rheinland!

                              Schönen Gruß, Merlan

                              Kommentar

                              Lädt...
                              X