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Bayleaf, Köln

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  • Bayleaf, Köln

    Köln hat den Dom – möglicherweise die meistfotografierte Sehenswürdigkeit Deutschlands. Und seit einigen Jahren hat Köln die Kranhäuser, drei architektonisch spektakuläre, in L-Form konzipierte Bauten direkt am Rhein, von denen zwei als Bürohäuser genutzt werden und eines mit Eigentumswohnungen (zu selbstverständlich atemberaubend hohen qm²-Preisen) versehen wurde. Kaum eine Fernsehaufnahme oder Touristenfotos, die mittlerweile ohne dieses Motiv im Hintergrund auskommen.

    Wer also nun mit seinem Restaurant in eines dieser Vorzeigeobjekte zieht, geht mutmaßlich nicht nur ein finanzielles Risiko ein, sondern muss sich seiner Sache auch sonst sehr sicher sein. Denn wenn die Angestellten ihre Büros verlassen haben, reduziert sich auch der Publikumsverkehr merklich. So gesehen ist Daniel Gottschlich ein mutiger Mann, als er sich entschloss, mit seinem Michelin-besternten Restaurant „Ox & Klee“ ins mittlere der Kranhäuser zu ziehen. Die Sterneküche spielt sich im ersten Stock ab, im Erdgeschoss – und das ist heute mein Ziel – hat er mit dem „Bayleaf“ eine Bar etabliert, die neben einigen Kleinigkeiten auch ein komplettes Viergang-Menü zu 39 Euro anbietet, wahlweise mit einem Cocktailpairing zu jedem Gang, das mit 20 Euro zu Buche schlägt. Und genau das soll heute mein Programm sein. Die Temperaturen sind noch akzeptabel genug, um den Abend auf der Außenterrasse zu verbringen.

    Zum Glas Wein als Apéritif gibt es bereits leckere selbst geröstete, würzige Erdnüsse sowie kurz darauf sehr gutes Brot und einen Kräuteraufstrich.

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    Wein im Ox & Klee-Glas

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    Brot & Kräuteraufstrich

    Als erster Gang kommt Kalbstatar, originell in einem Knochen serviert. Es ist etwas grob geschnitten, aber würzig mariniert und mit Avocadocreme, Gurkenelementen und Schaum von grünem Apfel harmonisch begleitet. Eine ganz wunderbare Ergänzung ist das separat servierte Knäckebrot mit einer fabelhaften Sardellenbutter. Exzellenter Auftakt!

    Der dazu servierte Cocktail ist eine Variation des „Negroni“, der üblicherweise mit Gin, Wermut und Campari gemixt wird, hier jedoch mit Gin, Lillet und einem sehr markanten Enzianlikör zubereitet wird. Das hat ordentlich Wumms und ist fast zu viel des Guten gegen das feine Tatar.

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    Kalbstatar / Avocado / Gurke / grüner Apfel
    ...à part Knäckebrot & Sardellenbutter

    Weiter geht es mit einer auf dem Teller ziemlich wild anmutenden Kombination aus Kartoffel-Räucherfisch-Brandade, Fenchelsalat, Kopfsalat in gebratener und roher Form, perfekte Minicroutons, Krabben und etwas Dill. Das Ganze versehen mit einer auf Ayran basierten Sauce. So durcheinander der Teller aussieht, so süffig und harmonisch schmeckt das alles. Die Brandade ist herrlich würzig, alle weiteren Elemente steuern wahlweise Frische, Knusper, Bitternoten, Jodigkeit und Säure bei.

    Beim Cocktail bekommen Whiskey und Jägermeister, den ich normalerweise im Leben nicht trinken würde, durch Ingwer und Zitrone eine fruchtig, scharfe Note. Dies ist auch der vorherrschende Ton, der den Jägermeister nicht primär herausschmecken lässt. Gefällt mir ausgezeichnet.

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    Kartoffel & Rauchfisch / Kopfsalat / Fenchel / Ayran

    Im Hauptgang gibt es eine unglaublich saftige Brust vom Bio-Huhn mit Cremetupfen von der Kirchererbse, Spitzkohl in gedünsteter und frittierter Form, dazu Shiitake-Pilze, die Haut vom Huhn separat gebraten und das alles mit einem Tom Ka Gai-Schaum versehen, der das Gericht in eine dezent asiatische Richtung schiebt.

    Der „Rosalee“ benannte Cocktail nimmt genau dieses Geschmacksbild auf, indem Wodka und Grapefruit durch Rosmarin und vor allem durch Zitronengras einen entsprechenden Einschlag bekommt.

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    Biohuhn / Kirchererbse / Spitzkohl / Tom Ka Gai Schaum

    Die Portionen waren bis hierher bereits mehr als großzügig bemessen, so dass der Sättigungsgrad schon erreicht ist. Aber Dessert geht immer und es wäre ein Jammer gewesen, dieses hier auszuschlagen. Erdbeere als Sorbet und pur, Schokoladencrumble, Quarktupfen und am Boden eine Rührkuchencreme, die tatsächlich Erinnerungen wach werden lassen, als man als Kind die Rührbesen vom Mixer ablecken durfte. Geht man mit dem Löffel einmal quer durch alle Komponenten, ist das nur eins: lecker. Optisch sehr schön angerichtet, abwechslungsreich und einfach nur gut. Dass so ein Gang à la Carte nur mit 6 Euro berechnet würde, ist eigentlich lachhaft.

    Der abschließende Cocktail ist ebenfalls wieder auf der fruchtigen Seite und kombiniert Rum mit Rhabarber und Limette mit einem Schuss Schokoladenbitter. Auch dies wieder sehr passend.

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    Erdbeersorbet / Rührkuchencreme / Schokocrumble / Quark

    Um es kurz zu machen: Was Daniel Gottschlich von seinen Köchen im „Bayleaf“ servieren lässt, ist zu diesem Preis nicht weniger als sensationell. Die Gerichte sind originell konzipiert und tragen qualitativ eindeutig die Handschrift einer Sterneküche. Das Konzept der begleitenden Cocktails gefällt mir ebenfalls ausnehmend gut, auch wenn mir der Enzianlastige zu Beginn ein wenig zu forciert wirkte. Aber dafür passten alle übrigen wie die Faust aufs Auge. Und wer es nicht so sehr mit dem Hochprozentigen hat, kann sich ja auch aus der Weinkarte des „Ox & Klee“ etwas Passendes aussuchen.

    Womit wir beim weiteren positiven Nebeneffekt wären. Wer die Küche des „Ox & Klee“ noch nicht kennt, kommt mit diesem Menü auf den Appetit, auch mal das Hauptprogramm in der Bel Étage auszuprobieren. Für alle anderen gilt: Besseres Barfood als das hier dürfte schwerlich zu finden sein.


    Bericht auch unter: http://tischnotizen.de/bayleaf-koeln/

  • #2
    Bayleaf - Köstliche Tapas und noch mehr in einer außergewöhnlichen Bar

    Daniel Gottschlich und sein Restaurant waren ein Geheimtipp in Köln. Aber nicht lange; denn schon 2015 erhielt er den Anruf vom Michelin: Sein Restaurant Ox&Klee, damals noch mitten in der Innenstadt gelegen, erhielt den Michelin-Stern.

    2016 fand dann der Umzug in das mittlere Kranenhaus im Rheinauhafen statt.
    Dort befindet sich nun nicht nur sein Ox&Klee, sondern zusätzlich noch das Bayleaf Cologne, eine kulinarische Bar.

    Im Bayleaf setzt der Küchen-Chef auf sein neues Food-Pairing-Konzept: die Verbindung von Fine-Dining-Gerichten mit besonderen Cocktails.

    Über Daniel Gottschlichs Werdegang erfährt man nur wenig: Geboren am 16.11.1982 in Troisdorf. Vor der Ausbildung als Koch hat er bereits eine Lehre als Energieanlagen-Elektroniker absolviert.
    Seine kulinarische Ausbildung hat er im Steigenberger Grandhotel Petersberg, Königswinter/Bonn gemacht. Danach war er Souschef im Brauhaus Früh in Köln. Also keine Stationen in besternten Häusern.
    Aber er hatte wohl stets den Wunsch selbständig zu werden.
    Seit 2010 ist er das, als Inhaber und Küchenchef im Restaurant Ox&Klee.

    Mein Besuch im Sternerestaurant Ende 2016 ist mir noch in bester Erinnerung und der geschätzte Kollege tischnotizen fand zum neuen Bayleaf schon sehr lobende Worte.

    Ambiente

    Wie es sich gehört ist die Theke im Mittelpunkt des Raumes. Für unsere Veranstaltung waren alle Tische und Stühle zu einer langen Tafel zusammengestellt worden. Sonst stehen sie sicher in Gruppen. Die Barhocker waren ebenfalls weggeräumt. Einige Hochplätze waren an der Fensterfront aufgestellt. Durch eine Glastüre kann man auch zu einem Außenbereich gelangen. Die Architektur der Kranenhäuser ist in meinen Augen grundsätzlich nüchtern, sachlich, im Industrie-Design gehalten und spiegelt sich auch in den Räumen wieder. Dafür ist das Innere der Bar heute jedoch recht angenehm und gemütlich hergerichtet.

    Sanitär

    Ebenerdig um die Ecke – klein aber ordentlich eingerichtet und es wird regelmäßig kontrolliert (Liste an der Wand).

    Service

    Der Service war heute – vielleicht abweichend vom regulären Barbetrieb; denn wir waren eine geschlossene Gesellschaft – recht intensiv. Drei Kräfte sorgen ständig dafür, das die Gläser stets mit gut gekühlten Getränken (Wasser und oder Wein) gefüllt waren. Zum Auftragen der Speisen kamen noch weitere Helfer hinzu. Der Chefkoch erläuterte persönlich alle Gänge und beantwortete Fragen. Auch die Küche und das Restaurant wurden kurz mit einem Rundgang vorgestellt. Der Barchef stellte seinen Drink zum Dessert ebenfalls vor. Wir wurden also perfekt umsorgt und hatten trotzdem genug Raum für Gespräche untereinander.

    Die verkosteten Speisen

    1. APERITIF & AUSTER HOCH3

    a) Gurke | Ponzu | Sesam
    b) Pumpernickel | Kopfsalat | Speck
    c) Geräucherte Paprika mit Rosmarin | gepuffter Safranreis | Salicornes

    Die Austern waren schöne große Exemplare. Mein Favorit war die Richtung mit Paprika. Aber auch die beiden anderen Zubereitungen haben mir gemundet. Ich mag es durchaus, wenn kleine Zutaten dazu kommen.

    2. BAYLEAF SEAFOOD-TAPAS

    a) Thunfischtatar vom Yellowfin mit Bergamotte

    Unscheinbar in einer Dose serviert, schmeckte es köstlich und erfrischend. Die feinen Stücke waren durch die süß-bitteren Gewürznoten gut unterstützt. Der Thun-Geschmack wurde erhalten und durch Bergamotte nur veredelt.

    b) Steamed Buns (gedämpfte Brötchen) mit Crustanova Garnele (oder Bayrische Garnele: Oft werden Garnelen tiefgekühlt und stammen aus Zuchtstationen in ferner Ländern. Das wollten diese Züchter ändern und errichteten bei München eine Farm, in der Salzwassergarnelen artgerecht aufgezogen und frisch geliefert werden)

    Solch ein Garnelen-Brötchen hatte ich so noch nie gegessen. Der Teig war nicht gebacken. Es erinnerte mich an Hefeklöße oder Dampfnudeln, aber ohne knusprige Anteile. Darin war eine große Garnele eingepackt – ebenfalls nicht gebraten, sondern erwärmt. Die Kombination von eigentlich zwei weichen Komponenten hat mir neue Seiten der Garnele gezeigt. Der Geschmack war äußerst intensiv und gleichzeitig ungewohnt für mich. Eigentlich mag ich lieber Speisen, die knusprig und etwas fest sind. Aber heute hat mich, geschmeidig und mürbe schon überzeugt.

    c) Lauwarme Brandade (Püreespeise aus Fisch und weiteren Zutaten) vom Kabeljau mit Keta Kaviar (Lachsart), Joghurt, Bottarga (gesalzener Rogen von der Meeräsche)

    Besonders appetitlich sah das Gericht für mich wahrlich nicht aus. Aber die inneren Werte überzeugten mich schnell. Wenn getrockneter Kabeljau wieder eingeweicht und verarbeitet wird, sieht das eben so oder ähnlich aus. In einem portugiesischen habe ich so etwas Ähnliches schon probieren können. Hier war aber noch Kaviar und Rogen mit angerichtet worden. Mit etwas Brot zusammen habe ich es gerne verkostet.

    d) Lauwarmes Miesmuscheltatar auf Knoblauch-Röstbrot

    Das war für mich das beste von den wirklich guten vier Tapas. Das klein geschnittene Muschelfleisch war äußerst zart und raffiniert abgeschmeckt. Das knusprige dunkle Brot passte harmonisch dazu.

    e) Brot und Olivenöl, Salz

    In der italienischen Fassung von Rotkäppchen hat das Mädchen Focaccia und Wein für die Großmutter im Körbchen. Daran musste ich denken, als ich im Behälter knuspriges und weiches Brot fand. Die Focaccia hat mich dabei besonders angesprochen. Sie war locker im Teig und saftig in der Konsistenz. So muss es für mich sein: das gute Olivenöl soll in den Fingern zu spüren sein.

    3. PULLED LOBSTER IM SCHWARZEN BUN MIT LIMETTENMAYO, FLEISCHTOMATE UND PAK CHOI
    Lauch, Süßkartoffel aus dem Ofen, Estragon-Crème

    Der aromatische Bun war mit Sepia gefärbt und mit geräuchertem schwarzem Knoblauch verfeinert worden. Zufällig habe ich vor Kurzem im Gewürzladen meines Vertrauens dieses Gewürz gefunden und es mit Nudeln und Pilzen ausprobiert – es war köstlich. Und auch hier war es eine Bereicherung. Die Tomatenscheibe und das Pak-Choi-Blatt zusammen mit der Zitrus-Creme begleiteten die Hauptzutat Hummerstücke. Und ich muss sagen, dass dieser Burger ab sofort zu meinen Lieblingen zählt.
    Das Lauchstückchen war in Ordnung. Die Süßkartoffel angenehm im Aroma. Aber hier stört mich schon die weiche Konsistenz – ich weiß, dass das so gewollt ist, aber alle Arten von „Breilein“ sind mir grundsätzlich suspekt. Doch ich habe es brav gegessen, denn der Geschmack ist ja nicht übel.
    Die Estagoncreme war wieder etwas für mich. Die Menge ist klein und wirkt nicht weichlich und die kräftige Kräuterwürze habe ich gerne.

    4. YUZU, WEIßE SCHOKOLADE UND LAKRITZ
    Bayleaf Dessert-Cocktailpairing

    Die Limette-Mandarine-Note, das leicht Bitte und die kräftige Aromatik der Zitrusfrucht in Verbindung mit feiner weißer Schokolade passte mir gut. Das Gemisch kam auf zwei Arten auf den Teller: Als lockere sahnige Espuma und als cremige festere Mousse.

    Eine Sphäre als Lakritze-Ball mit feste Hülle bzw. Haut und dem flüssigen Inneren hatte einen hammermäßigen Lakritz-Geschmack– der Chefkoch warnte uns davor das Teil komplett in den Mund zu nehmen, sondern lieber in kleinen Dosen zum Dessert mischen. Ein guter Hinweis. Ich mag Lakritz, aber zu stark muss es nicht sein. Die beiden dünnen Hippen bzw. karamellisierten Taler hatten schon eine kräftige Süßholz-Note aufgewiesen. Etwas kleiner Streusel, Crumble oder Humus gab noch eine knusprige Abrundung.

    Dazu gab es vom Barmann frisch zubereitet einen passenden kleinen Cocktail.

    Eine ähnliche Begleitung zu allen Speisen in der Bar kann ich mir gut vorstellen.

    Getränke

    Selters Mineralwasser

    Crémant de Bourgogne - Germain Pere et Fils – Burgund
    Pinot Noir – 12%

    2016 Albariño Igrexario de Saiar - Benito Santos – Rias Baixas
    Albariño – 13%

    Dessert-Cocktail
    Michael Elter, der Barchef, erläuterte seine Kreation. Er hatte Rum und Orangenschnaps gemixt und mit der dünnen Schale von der Orange parfümiert. Etwas Rosmarin und ein großer Eisquader kamen noch ins Glas. Es gehört zum Stil des Hauses einen „kleinen“ Cocktail zum Gericht zu servieren – etwa ein Gläschen mit 2 cl (damit die Wirkung nicht zu stark wird - siehe oben Food-Pairing: vier Gänge mit vier passenden Cocktails)

    Espresso

    Fazit

    Gerne wieder

    Datum des Besuchs: 23.09.2017 - am Nachmittag - eine Person (von ca. 30 Teilnehmer*innen)

    Bilder bei -> http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm

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