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Berens am Kai*, Düsseldorf

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  • Berens am Kai*, Düsseldorf

    Nachdem das „Im Schiffchen“** bis auf weiteres geschlossen hat, ist in den Restaurant-Ranglisten das „Berens am Kai“ die Nummer 1 in Düsseldorf. Grund genug, dort endlich einmal einzukehren, wo Holger Berens doch nun schon seit über 20 Jahren sein Restaurant am Düsseldorfer Medienhafen betreibt.

    Es ist ganz merkwürdig, aber wenn ich mich an unseren Abend im „Berens“ erinnere, denke ich eher an die atmosphärische Kälte, die uns umgeben hat, als an das Menü, das ohne jeden Zweifel Sterneniveau hatte. Man mag die kühle Beton-Glas-Architektur ja vielleicht modern oder stylisch nennen, aber dann könnte doch vielleicht das eine oder andere Accessoire für einen gewissen Charme sorgen. Das schafft ein kleines, unscheinbares Blümchen auf dem Tisch kaum, zumal die weiße Tischdecke deutliche Gebrauchspuren aufweist und die nicht reservierten Tische uneingedeckt bleiben. Es hängen weder Bilder an den Wänden noch sind andere Details zu entdecken, die irgendeinen Liebreiz ausstrahlen. Das hat alles schon einen gewissen Kantinencharakter und scheint auch schon ein bisschen in die Jahre gekommen.

    Diese kühle Atmosphäre wird leider auch nicht durch den weiblichen Service des Restaurants aufgefangen, der allzu routiniert seine Aufgaben abspult, kaum ein Lächeln für den Gast übrig hat und bei Nachfragen eher uninformiert ist („…da muss ich in der Küche mal nachfragen.“). Es wirkt alles recht lieblos und uninspiriert. So wird wortlos eingedeckt und wenn der Gast sich bemüßigt fühlt, unaufgefordert etwas Positives zum Essen zu sagen, wird dies eher geschäftsmäßig zur Kenntnis genommen.

    Vielleicht empfinden andere Gäste das ja alles als ganz „cool“ und wir sind hier nur ein Stück übersensibel. Wir sind es halt von vergleichbaren Häusern anders gewöhnt und halten es eigentlich für selbstverständlich, dass der Service bei aller Konzentration auf das Wesentliche dem Gast zumindest interessiert zugewandt bleibt.

    Aber wir sind ja wegen der Küche von Holger Berens gekommen, und auf die kann man sich mangels etwaiger Ablenkungen eigentlich voll konzentrieren.

    Unser Menü:

    Matjes / eingelegte Gurke / Kartoffelcreme
    ------------------------------------------------------------
    Gänseleber / Artischocke / Zwiebel-Crunch

    Carabineros / Kopfsalat-Gazpacho / Olivenöl-Kugeln / geräuchertes Kartoffeleis / Lardo

    Gebratener Kabeljau und Brandade / gegrillte Wassermelone / Passepierre-Vinaigrette

    Lammrücken / Kichererbse / gefüllter Mangold / getrocknete Tomate / Aubergine

    Apfel / Getreide


    Liest sich spannend und kreativ. Und das ist es auch! In kleinen, sehr kleinen Portionen serviert Holger Berens fein austarierte Gänge, kombiniert durchaus überraschend, aber stimmig, und lässt keinerlei Zweifel aufkommen, dass hier ein Meister seines Fachs am Werke ist, der seine ganze Erfahrung ausspielt und sich keinerlei Fehlgriff erlaubt. Einzig das Dessert mit Apfeleis und Haferflocken fällt aus dem Rahmen und beendet das sonst gute Menü mit einer schlichten Müsli-Anmutung, die der ambitionierten Küche von Holger Berens eigentlich nicht gerecht wird.

    Fazit:
    Im Berens am Kai wird im sicheren Sternebereich ambitioniert gekocht. Wer ein ultra-puristisches Ambiente mag, ist in diesem Restaurant wohl ganz gut aufgehoben. Der Service könnte diesem kühlen Stil deutlich mehr Ausstrahlung entgegensetzen, die vom Gast wenigstens als etwas Wärme empfunden wird und die die guten Kreationen von Holger Berens mit einem zusätzlichen Wohlfühlfaktor versehen könnte.

    Schönen Gruß, Merlan

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