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Pottkind, Köln

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  • Pottkind, Köln

    Die Kölner Südstadt, ohnehin reich gesegnet an gastronomischen Angeboten, hat im Juli vergangenen Jahres Zuwachs bekommen, der seitdem auch über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgt. Schon vor längerer Zeit raunte mir eine Kollegin zu, dass ich da unbedingt mal hinmüsse, ich sowieso, erst recht und überhaupt und dass es da ganz toll sei. Tatsächlich hatten wir es dann einige Male versucht, aber mussten uns der ausgebuchten Situation geschlagen geben. Schlecht schien es also tatsächlich nicht zu laufen für die Betreiber Lukas Winkelmann und Enrico Sablotny. Letzeren haben wir noch aus diversen Besuchen im „Acht“ in guter Erinnerung. Und spätestens, seit das „Pottkind“ sowohl im „Feinschmecker“ als auch der „B*EAT“ gefeatured wurde, ist klar, dass man den Status des Insider-Tipps längst abgelegt hat.

    Heute also unser erster Besuch in diesem Souterrain-Restaurant. Man kann sich entscheiden, ob man an einem der regulären Tische oder am Tresen, der hier lässig Chefstheke genannt wird, sitzen möchte. Wir haben uns vorab dafür entschieden und ich kann das auch nur empfehlen, denn zum einen ist es immer wieder spannend, dem konzentrierten Arbeiten von Köchen zuzusehen und zum anderen bewahrheitet sich auch hier wieder die alte Kneipenweisheit, dass der beste Platz ohnehin an der Theke ist. Talk mit Nachbarn und Köchen inklusive.

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    Chefstheke

    Im „Pottkind“, dessen Name der Herkunft der beiden Inhaber geschuldet ist, beschränkt man sich auf ein sehr reduziertes Angebot. À la carte gibt es lediglich eine Vorspeise (15€), zwei Hauptgerichte (30€), ein Dessert (10€) und Käse (15€), zusätzlich noch ein Überraschungsmenü in 3, 4 oder 5 Gängen (45€, 60€, 70€), das aus anderen Gerichten besteht. Manchem mag diese Auswahl zu klein erscheinen. Ich komme damit gut klar und angesichts der räumlichen und personellen Möglichkeiten ist diese Beschränkung, nicht zuletzt auch aus wirtschaftlicher Sicht, für einen jungen Betrieb sicher mehr als sinnvoll. Wir lassen uns, wie sollte es auch anders sein, mit dem vollen Programm überraschen.
    Zum Start gibt es Brot, Fenchelcräcker, aufgeschlagene Butter, eine köstlich intensive Sauce Rouille als Espuma und einige Stückchen marinierter gelber Bete.

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    Brot & Apéros

    Und dann geht es auch schon los mit, so wird es annonciert, „Enricos Interpretation einer Caprese“. In dem kreisförmig angerichteten Arrangement finden sich Schafskäse aus dem Bergischen, in relativ purer Form und als leichte Mousse verarbeitet, Hirsesalat, eine sehr luftige Mayonnaise aus fermentiertem schwarzem Knoblauch, getrocknete Tomate und ein pikanter Tomatensud, der für ein prägnantes Säurespiel sorgt. Das hat zwar nur entfernt mit der klassischen Caprese zu tun, gefällt mir aber deswegen nicht weniger. Überraschend ist für mich der milde, aber prägnante Schafskäse, den ich in dieser Qualität nicht aus der Region erwartet hätte. Auch ansonsten ist dies nicht nur ein schön anzusehender Teller, sondern auch einer, der mit seinen Möglichkeiten, die einzelnen Komponenten in unterschiedlichen Kombinationen hin- und her zu probieren einfach Spaß macht.

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    Schafskäse mit Hirse und Tomate

    Mit zwei formidablen Stücken vom Saibling geht es weiter. Der Fisch ist lauwarm, minimal geräuchert und von ganz ausgezeichneter Qualität. Ein Salat von Nordseekrabben und ein Gurkenrelish (das mir aber eher wie ein recht milder Salat erscheint) sowie einige Kräuter komplettieren das frische Gericht, das trotzdem auch eine angenehme Fülligkeit vermittelt. Aber ganz eindeutig ist hier der Saibling der unbestrittene Star auf dem Teller.

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    Saibling mit Krabbensalat und Gurkenrelish

    Es gibt viele Zutaten, mit denen man mich glücklich machen kann. Aber im Frühling sind die frischen, jungen Erbsen für mich unschlagbar. Umso mehr freue ich mich über das nächste Gericht, in dem sie in opulenter Menge präsent sind, sowohl als Püree, als auch in purer Form und gefriergetrocknet. Letzteres finde ich entbehrlich, weil es geschmacklich keinen wirklichen Mehrwert für mich erkennen lässt. Aber es liefert zumindest eine weitere Grünnuance – 50 shades of green sozusagen. Das Sot-l'y-laisse, also das Pfaffenstück vom Geflügel, ist nach meinem Geschmack etwas zu durch gebraten. Dafür ist der mit einer fluffigen Goudamousse gefüllte und ausgebackene Krapfen eine überraschende, wenn auch sättigende, Ergänzung in diesem ansonsten süffigen Gang.

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    Sot-l'y-laisse mit Erbsen und Gouda

    Nicht minder üppig gestaltet sich der Hauptgang mit einem exzellent gebratenen Stück von der Eifeler Lammhüfte. Dazu gibt es eine Scheibe von der geschmorten Lammschulter sowie Topinambur in Variation, als Püree, dünn gehobelt und als Schnitte, ähnlich einem Gratin. Heraus stechend ist neben diesen schon sehr sorgfältig zubereiteten Komponenten aber vor allem die intensive Sauce, die ihren Kick durch Ingwer, Salzzitrone und Sesam erhält.

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    Lamm mit Spargel und Topinambur

    Ganz regional bleibt die Küche auch beim Dessert, das der Jahreszeit angepasst ein klassisches Erdbeer-Rhabarber-Kompott bietet, das hier auch noch so heißen darf und nicht als Ragout oder Interpretation von Irgendwas tituliert ist. Weisen die Früchte noch schönen Biss auf, wird die Aufmerksamkeit aber schnell auf das sehr gute Sonnenblumeneis und noch mehr auf den hausgemachten Blätterteig gelenkt. Der ist unglaublich köstlich und bei jedem Bissen ruft er mir zu „Butter! Butter! Butter!“. Die kleinen Lakritz-Baiser-Plättchen sind so dezent aromatisiert, das sie auch mir Spaß machen und dem Gericht eine charmante Note zufügen. Ein sehr schönes Dessert, das nun aber endgültig dazu beiträgt, dass der Sättigungsgrad-Pegel am Anschlag angekommen ist.

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    Erdbeer-Rhabarber-Kompott mit Sonnenblumenkerneis und Blätterteig

    Aber wie so oft gebietet es die Chronistenpflicht, auch hier mal wieder über die eigenen Grenzen zu gehen und so kommen wir auch an den abschließenden Naschereien nicht vorbei, die im „Pottkind“ etwas ungewöhnlicher ausfallen. In Anlehnung an die ersten herzhaften Grüße, gibt es auch hier wieder Cräcker, allerdings in der süßen Ausführung. Was anfangs gelbe Bete war und auch jetzt ähnlich aussieht, entpuppt sich als Gelee von Aprikose und Sanddorn und zum Ausschlecken gut ist die Crème Patissière.

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    Petits Fours

    Mit dem „Pottkind“ hat Köln eine weitere empfehlenswerte Adresse erhalten, die sich im Bistronomie-Segment erfolgreich platziert. Hier wird Küche mit Anspruch, aber ohne Attitüde praktiziert. Regionalität spielt hier eine entscheidende Rolle, aber es findet so selbstverständlich statt, dass es fern von bedeutungsschwerem Dogma daher kommt. Tatsächlich ist die Bezeichnung Heimatküche für den Küchenstil hier gar nicht so abwegig, wenn auch in deutlich zeitgemäßerem Gewand.

    Und spätestens, wenn man den Köchen beim Zubereiten und Anrichten eines Tatars zusieht und versteht, wie viele Komponenten und Handgriffe hierfür erforderlich sind, bekommt man vielleicht ein Gefühl dafür, warum die Gerichte eben das kosten, was sie kosten und damit häufig trotzdem immer noch zu günstig sind. Das ist eben solides Handwerk. Und das trifft hier auf lässiges Ambiente und charmanten Service.

    Den bekommt man natürlich auch an einem der Tische im kleinen Gastraum. Für mich ist aber klar, dass mein Platz beim nächsten Mal wieder am Tresen ist. Dort werden die schönsten Geschichten erzählt.


    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/pottkind-koeln/
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