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astrein – Eric Werner, Köln

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  • astrein – Eric Werner, Köln

    Aus der „Residence“ in Essen (**) als Küchenchef kommend, übernahm er die Küche in der luftigen Höhe des Hotels im Wasserturm in Köln, wo ein Michelin-Stern das (vorläufige?) Ergebnis seiner Arbeit war. Nun ist er den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen und hat Anfang August das Restaurant „astrein“ in Köln eröffnet.

    Es wird bei unserem Besuch sehr schnell deutlich, dass der Anspruch, auf dem bisherigen Niveau weiterzuarbeiten, absolut da ist. Ich gehe also davon aus, dass Eric Werner die Zeit bis zum Erscheinen der Guides nutzen wird und auch der Stern dürfte demnächst hier nach meiner Einschätzung wieder leuchten.

    Bequeme Stühle, die sich drehen lassen, hochwertiges Besteck und Porzellan, alles auf einem Niveau – nicht Stil, das ist alles durchaus modern -, das fast ein bisschen aus der Zeit gefallen wirkt, für eine Neueröffnung eines jungen Koches im Jahre 2019. Hat aber etwas.

    Auch die Gerichte bieten beste Produktqualitäten und sorgfältige Zubereitungen. Kein Gang an diesem Abend war wirklich kritikwürdig, Details kann man anmerken.

    Es gibt abends ein vegetarisches Menü und eins mit Fleisch und Fisch, wir haben fünf der möglichen sieben Gänge aus dem nicht-vegetarischen Menü gewählt:
    1. Zweierlei von der Gillardeau-Auster, roh und geliert mit Passepierre, roten Algen, Meeretich-Kartoffelcreme und Imperial-Kaviar – ein kleiner, aber ganz wunderbarer Gang, der über das Gel von der Auster wirkt.

    2. Duett von Kabeljau und Taschenkrebs mit Kokos-Melonen-Kaltschale und Eis von Koriander und Granny Smith – der Taschenkrebs verschwindet etwas zwischen Melone und Kabeljau, dennoch ein schöner Gang, der durch das Koriander-Eis eine tolle Note erhält.

    3. Federstück vom Iberico-Schwein mit gegrilltem Römersalat, schwarzen Nüssen, Soße von Spitzpaprika, Pinienkernen, Salzzitronen und Mojo Verde – ein schönes Fleischstück, saftig gegart, die Salzzitrone und die Mojo Verde sind eher dezent eingesetzt.

    4. Zweierlei vom Münster Weiderind, Rücken und geschmorter Bug mit Involtini von Chicoree und Pistazie und Purple-Curry-Soße – der Rücken wunderbar, der geschmorte Bug war sehr weich geraten.
    5. Zitronen-Tartelette mit Joghurtbaisier und weißes Schokoladeneis – ein schönes Dessert ohne Überraschungen.

    Fünf Gänge kosten 89 Euro, die glasweise Weinbegleitung dazu 44 Euro. Die Weine haben uns gut gefallen, der Service ist freundlich, manchmal etwas überschwänglich, manchmal etwas zurückhaltend, je nachdem, wer gerade am Tisch ist.

    Fazit: Es fehlte mir bei aller Qualität ein bisschen die Handschrift. Ich hätte Mühe, den Küchenstil zu beschreiben und den Spannungsbogen des Menüs darüber nachzuvollziehen. Die Zukunft wird vielleicht genau das bringen. Ich werde das jedenfalls gerne weiter verfolgen und finde, dass das „astrein“ eine schöne Ergänzung der gerade gar nicht langweiligen Gastroszene in Köln werden könnte.

  • #2
    Danke für den Bericht und den ersten Eindruck.

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    • #3
      Auch mittags einen Besuch wert


      Nach dem gelungenen Opening-Besuch am Abend im „astrein“ wollte ich nun mit meinem Genießer-Kollegen (Unser Club hat zwei Mitglieder) zusammen mittags hier einkehren. Wir treffen uns alle paar Monate, um bei gutem Essen und kühlen Getränken über Gott und die Welt zu sprechen. Das halten wir seit Jahren so. Glücklicherweise gibt es in Köln und Umgebung genug Lokalitäten, die uns mit ihren Angeboten anlocken.

      Ambiente

      Das Lokal war schon gut besucht – gut, dass wir reserviert hatten. Beim ersten Besuch hatten wir an einer langen Tafel gesessen. Nun waren die Plätze über die beiden kleinen Räume verteilt worden. Die Zweiertische waren zwar eng gestellt, aber die Drehstühle davor konnten noch gut „bedient“ werden.


      Für ein Treffen mit Freunden und Bekannten ist das völlig in Ordnung. Am Abend für ein lauschiges Menü vielleicht auch noch so gerade. Meine Frau hat auf jeden Fall lieber mehr Platz um sich herum. Wir wollen uns dann ruhig unterhalten und nicht die Gespräche vom ganzen Haus mithören.

      Service

      Drei Kräfte waren als Kellner*innen tätig: Thomas Minderop, ein Kollege und eine weibliche Bedienung
      (Neele Heß). Sie kam mir bekannt vor und ich erfuhr, dass sie bis jetzt im Spatzenhof in Wermelskirchen tätig war. Dort habe ich früher bei Philipp Wolter (heute: Dreischeibenhaus in Düsseldorf) gerne gespeist.

      Auf jeden Fall sind alle freundlich und unkompliziert.

      Die Karte(n)

      Mittags gibt es vier Gerichte aus der Abendkarte als Menü oder Einzelgericht und das täglich wechselnde Lunch-Angebot.


      Wir haben uns die Gänge vom Mittag erklären lassen. Alle vier Teile werden gleichzeitig serviert, damit der schnelle Gast sich selber seine Zeit einteilen kann. Vom Zuhören waren alle Teller überwiegend pflanzlich gestaltet: eine Suppe, ein Salat, Nudeln als Hauptgang (warm) und ein Nachtisch. Das kostet zusammen 25,00 €. Wenn beim Hauptgang zur Pasta noch Fisch oder Fleisch gewünscht wird, kostet dies 11,00 € zusätzlich (heute war zum Beispiel gebratener Kabeljau dafür vorgesehen).

      Nachdem wir das Menü für 75,00 € überflogen hatten, wählten wir trotz der Neugier auf das Mittagsmenü lieber das größere Angebot. Wir hatten ja auch keine Eile und wollten auch etwas Wein probieren.

      Die verkosteten Speisen

      Brot und zwei Aufstriche: Butter und Parmesan-Creme


      Gruß aus der Küche: Eine kleine Möhrenkreation als Finger-Food.

      Die Happen waren aromatisch und angenehm im Mund. Das Brot war frisch und ordentlich.

      Auf einen Cocktail verzichteten wir und bestellten sofort Sprudel und eine Flasche Weißwein aus der schon recht umfangreichen Karte.


      1: Gebeizter Heilbutt mit Grünen-Früchte-Gemüse, Ingwerschaum, Gillardeau Auster und Bronze-Fenchel


      Der Fisch war ausgewogen gewürzt und hatte eine feste Struktur. Um das Filet herum war die feingeschnittenen Gemüse angerichtet. Etwas Dill, eine Blüte und winzige Zucchini-Stücke, sowie der Fenchel komplettierten die Beilage. Ein Gemüsesud und Ingwerschaum gaben die Würze ab. Die Auster lag auf dem Fischfleisch und passte harmonisch dazu.

      Weil ich diese Vorspeise beim ersten Besuch schon auf dem Teller hatte, bot mir Eric Werner eine Variante an. Das fand ich aufmerksam und freute mich darauf.

      Es gab drei leicht marinierte Gillardeau-Austern mit einer Kaviar-Haube auf einer kräftigen Majonäse und einem würzigen roten Sud. Die Salznoten überwogen etwas, aber die übrigen Gewürze waren angenehm im Geschmack.

      Ein ansprechender Teller, vielleicht sagte mir aber der Heilbutt aus dem Gedächtnis mehr zu.


      2: Hermanns Kaltschale von roten Früchten und Gemüsen, Haferflocken


      Die „Suppenkreation“ hat uns beide überrascht, aber angenehm überrascht. Die Grundlage war wohl ein Rote-Bete-Saft. Die Würze war fein herb und kaum süß, eher kräftig fruchtig. Wir haben Kirschen, Brombeeren und Johannisbeeren geschmeckt. Die krossen dünnen Chips-Bruchstücke obenauf gaben weitere Aromen ab. Etwas Blattgold diente als Dekoration. Die Haferflocken waren in Gestalt einer länglichen Nocke als etwas Festeres in der Komposition verarbeitet.

      Bei der sommerlichen Wärme eine köstliche Alternative zu einer heißen Suppe oder einer klassischen kühlen Gazpacho .


      3: Zweierlei vom Münster Weiderind, Rücken und geschmorter Bug mit roter Zwiebelmarmelade, glasiertem Chicorée und Ribisel-Balsamico Jus

      Das geschmorte Stück hat mir wiederum sehr zugesagt. Kräftig gewürzt und herrlich weich war der Bug. Ein Rückensteak hat da wesentlich mehr Biss. Das Fieisch war rosa gebraten und kernig im Geschmack. Der Chicorée war weich und hatte keine Bitternoten mehr. Das Püree war angenehm zu der Sauce. Die kräftige Johannisbeer-Balsamico-Jus waren fruchtig und wenig süß. Sie hat mir prächtig zugesagt

      4: Savarin in Orangenblüten Sirup getränkt, Dickmilch Mousse mit Zitronenthymian und Himbeer-Champagner Eis

      Ein Savarin ist ein ringförmiges Hefegebäck aus Frankreich. Es wird zusätzlich mit Sirup oder alkoholhaltigen Flüssigkeiten getränkt.

      Dieser kräftige, saftige kleine Kuchen bildete die untere Etage der Nachspeise. Darüber war die leicht säuerliche Mousse eine weitere Köstlichkeit. Ein krosser dünner Chip lieferte knusprige Noten. Obenauf schwebte die cremige Eis-Nocke.

      Auch für Nachspeisen hat Eric Werner wohl ein Händchen; denn nicht jeder Koch liebt diesen Teil eines Menüs. Für uns war der Teller genau richtig: Einfach fruchtig und ausgewogen süß. Die neue Welle mit Gemüse und anderen ungewöhnlichen Zutaten finde ich manchmal interessant, aber wenn es zum Schwure kommt, ist mir klassisches immer lieber.

      Petit fours

      Zum Espresso gab es drei ansprechende kleine Pralinen.

      Getränke

      Taunusquelle – 0,75 l – 7,50 €



      Domaine de la Villaudière (Jean-Marie Reverdy & Fils) Sauvignon Blanc 2018 (Loire, Frankreich) – 0,75 l – 29,00 € (0,15 l – 7,50 €)

      Vinifizierung in temperierten Edelstahltanks und danach 3-4 Monate Reifung auf der durch Gärung erzeugten Feinhefe. Klärung, Stabilisierung und Abfüllung finden auf der Domaine abschließend statt.
      Angenehme blumige Noten in der Nase – frisch und fruchtig im Geschmack.



      Château Pesquié Terrasses Rouge Ventoux AOC 2016 (Rhone, Frankreich) – 0,15 l – 8,50 € (Flasche – 35,00 €)

      Cuvee aus 60% Grenache und 40% Syrah – Ausbau: 30% der Lese reifen in gebrauchten Barriques.

      Der Wein zeigte eine ausgewogene Frische und runde Tannine mit spürbaren Aromen von roten Früchten, Gewürzen und floralen Noten.


      Ordentliche Speisenbegleiter, die uns gut gekühlt, durchaus erfreut haben.


      Espresso – 3,00 €

      Fazit

      4 – gerne wieder. Es hat uns gut gemundet: Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt. Der Service war angenehm und stressfrei. Was will man mehr?

      (1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

      Datum des Besuchs: 07.08.2019 – mittags – zwei Personen



      Meine Genießer-Erlebnisse stehen auch bei http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm

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      • #4
        Die Krefelder Straße in Kölns Neustadt gehört nicht unbedingt zu den Vorzeigegegenden in der Domstadt. Spielsalons reihen sich an Dönerbuden und Kioske – der übliche Multikulti-Branchenmix halt. Und dennoch ist diese Straße schon lange Anziehungspunkt für Gourmets von weit her, denn mit dem „Le Moissonnier“ beherbergt es seit vielen Jahrzehnten eines der aufregendsten und ungewöhnlichsten Restaurants des Landes.
        Nur wenige Häuser weiter und damit quasi in direkter Nachbarschaft hat Eric Werner mit dem „astrein“ den Sprung in die Selbständigkeit gewagt.

        Der Wahlkölner hat lange Jahre in der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten „Résidence“ in Essen gearbeitet. Zusammen mit Erik Arnecke, der heute im „Philip Soldan“ in Frankenberg einen Stern hält, ab 2015 dann als alleiniger Küchenchef wurden die zwei Sterne erfolgreich gehalten.
        2017 dann der Wechsel nach Köln, wo er im Hotel „Im Wasserturm“ mit dem „Himmel un Äd“ ebenfalls mit einem Stern ausgezeichnet wurde, bis sich die Betreiber, nicht zum ersten Mal, entschlossen, sich dann doch wieder von der Gourmetküche in ihrer Bel-Étage zu verabschieden.

        Nun also die Krefelder Straße. Im mit bunten Motivtapeten und bequemen Drehsesseln ausgestatteten Restaurant mit offener Küche, fällt als erstes auf, dass hier alle Köche klassische Kochmützen tragen, wie man sie nur noch selten sieht. Auf den ersten Blick ein ungewohnter Anblick, der aber Sinn macht, wenn man im Laufe des Abends das Menü verfolgt.

        Es werden zwei Menüs angeboten, davon eines vegetarisch, in 5 -7 Gängen (89,-- - 109,--€), wobei die Gänge auch à la Carte und teilweise auch in Zwischengang-Portionen bestellt werden können.
        Wir wählen das Fisch- und Fleisch-Menü, wobei ich den Hauptgang gegen einen Gang aus dem vegetarischen Angebot tausche.

        Los geht es mit dreierlei Apéros, die von Eric Werner persönlich serviert werden.
        Ein Hörnchen mit Waldorfsalat, ein Kartoffelkissen mit nussiger Linsencreme sowie ein Baiser mit mariniertem Rettich und Creme von grünem Rettich machen Spaß und sind schön gearbeitet.

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        Apéros

        Der erste Gang kreist um die Gillardeau-Auster, die es hier einmal in roher und in gelierter Form gibt. Eine Meerrettich-Kartoffelcreme, Algen, Chips und Kaviar sorgen für einen angenehm jodigen Ton und texturelle Abwechslung. Das ist elegant und sehr differenziert abgestimmt.

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        Zweierlei von der Gillardeau Auster No. 0, roh und geliert mit Passepierre, roten Algen, Meerrettich-Kartoffelcreme und Imperial Kaviar

        Es folgen verschiedene Sorten sehr guten Brotes, Butter und eine Kräutercreme.

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        Brot, Butter, Kräutercreme

        Mit einem ausgeprägten Texturspiel und Temperaturunterschieden kann auch der folgende Gang überzeugen. Kabeljau und cremiger Taschenkrebs finden sich in einer Kaltschale aus Melone und Kokos, die gar nicht so kalt, sondern tatsächlich eher lauwarm ist. Dies ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass heißer Fisch in kaltem Sud wohl doch wenig Sinn machen und den Fisch zu schnell abkühlen würde. Die Kaltschale aus Melone und Kokos wirkt in ihrer Exotik auf mich zunächst etwas ungewohnt, fast wie leicht parfümiert, fügt sich aber letztlich gut ein. Kartoffel für den Knusper und ein Eis von Apfel und Koriander setzen markante Akzente und sorgen für ein abwechslungsreiches Gericht. Trotz aller unterschiedlicher Komponenten passt das aber erstaunlich gut.

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        Duett von Kabeljau und Taschenkrebs mit Kokos-Melonen-Kaltschale und Eis von Koriander und Granny Smith

        Die bretonische Scholle ist mutig gebraten und wirkt optisch wie fast verbrannt, ist es aber nicht. Der ordentliche Röstton gibt mächtigen Wumms. Ansonsten ist der Fisch alles andere als trocken. Im Gegensatz zu dem rustikalen Protagonisten geben sich das Ragout von fein geschnittenen breiten Bohnen und die Kartoffelspaghetti erstaunlich elegant. Dafür bleibt der Steinpilz seltsam blass. Aber in Summe ist auch dies eine fein abgestimmte Angelegenheit.

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        Bretonische Scholle mit Rotlingen, Kartoffelspaghetti und Ragout von breiten Bohnen

        Makelloses klassisches Handwerk begegnet uns mit dem Strudel von Taube, Poularde als Farce und Leber. Was für eine Überraschung und Wohltat, bei all den wilden Kombinationen und Avantgarde-Menüs auch mal wieder ein derart traditionelles Gericht serviert zu bekommen, das fast wie aus der Zeit gefallen wirkt, weil sich viele Köche diese Arbeit halt nicht mehr machen. Wenn die hohen Kochmützen zu einem Gang passen, dann ganz sicherlich zu diesem.
        Auch die hochkonzentrierte Sauce unterstreicht den klassischen Charakter perfekt. Schön auch das Püree von Herbsttrompeten, weniger orientalisch als angekündigt hingegen die Aubergine. Nichtsdestotrotz ein wunderbarer Gang.

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        Strudel von Bresse Geflügel, Taube, Poularde und Leber mit Aubergine orientalisch kandiert und Püree von Herbsttrompeten

        Für meinen Mann geht es beim Hauptgang im Menü weiter mit Odenwälder Wildschwein. Mutmaßlich sous vide gegart ist es sehr zart und deftig eingefasst von einem Ragout aus den Bäckchen, dem Speck noch einen zusätzlich kräftigen Schub mitgibt.
        Die Sauce ist erneut intensiv, die Fichtennadeln sind nicht explizit herauszuschmecken. Sehr gut.

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        Crepinette vom Odenwälder Wildschwein und Bäckchen, geschmorten Zwetschgen, Walnüssen und Fichtensprossen an Rosa-Pfeffer-Sauce

        Ich habe mich für die vegetarische Alternative entschieden, weil mich von Anfang an die Krause Glucke angelacht hat. Wie oft hat man schon Gelegenheit, diesen ungewöhnlichen Pilz auf einer Karte zu finden? Hier kommt er gebraten auf einer Creme von Piemontaiser Haselnüssen, die auch dünn gehobelt für Crunch sorgen. Ansonsten gibt es noch Würfel von diversen Gemüsen, die akkurat gegart sind. Das ist zwar aufgrund seiner überwiegend cremig, weichen Textur ziemlich eindimensional, aber ohne Frage lecker.

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        Gebratene Krause Glucke mit Creme von Piemonteser Haselnuss

        Uns ist an diesem Abend nicht nach zwei Desserts und so wählen wir jeder eines der beiden vorgesehenen.
        Die Mirabelle im ersten Dessert ist zum einen als Sauce und als Geleeschicht in dem Quader aus Topfen-Vanille-Mousse, der mit insgesamt vier Schichten überzeugt. Das Kerbeleis präsentiert sich alles andere als kräutrig plakativ, sondern sehr fein und als frischer Gegenpart.

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        Mirabellen aus Brühl mit Topfen-Vanille-Mousse, karamellisierter Macadamianuss und Kerbeleis

        Gleichermaßen klassisch auch der mit Orangensirup getränkte Savarin mit Dickmilch-Mousse und einem Himbeer-Sauerrahm-Eis. In einer früheren Version gab es dieses Eis auch mit Champagner. Darauf hätte ich mich natürlich besonders gefreut, aber auch diese Version ist frisch, füllig und sehr gut.

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        Savarin in Orangenblüten Sirup getränkt Dickmilch Mousse mit Zitronenthymian und marmoriertes Himbeer-Sauerrahm Eis

        Mit vier feinen Mignardises schließt das Menü.

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        Petits Fours

        Im Gegensatz zu den mit den Toques recht formell wirkenden Köchinnen und Köchen agiert der überaus freundliche und flotte Service mitunter etwas überdreht. Das „Prösterchen“ ist aber durchaus von Herzen gemeint.
        Und dass man sich an der noch ausbaufähigen Weinkarte schadlos halten kann, ist auch der fairen Kalkulation zu verdanken.

        Eric Werner ist mit dem „astrein“ ein blitzsauberer Start gelungen. Das Restaurant ist gut besucht, das Mittagsangebot wurde bei immer noch günstigem Preis mittlerweile wohl etwas besser den Kundenwünschen angepasst. Aber vor allem mit den Abendmenüs lässt sich sein Stil am besten erfahren. Und der geht mit einer recht klassischen Ausrichtung durchaus gegen viele Trends. Oder ist es gar der neue Trend? Wilde, sperrige Kombinationen sind Werners Sache nicht, Regionalität ist kein Dogma und traditionelle Zubereitungen wie Crepinettes und Strudel dürfen hier ein willkommenes Comeback feiern. Harmonie und leichte Zugänglichkeit sind ihm wichtiger. Und damit hat er auch unseren Nerv getroffen.

        Eines allerdings würde ich mir dennoch wünschen. Wir kamen an einem warmen September Abend ins „astrein“. So bequem die Sessel auch sind, so sehr machte uns die zusätzlich schweißtreibende Temperatur im Inneren zu schaffen. Auch die offene Küche könnte durchaus eine bessere Lüftung vertragen. Ich gehe davon aus, dass es nicht nur unserem küchennahen Platz geschuldet war, dass die Begleitumstände eher anstrengend waren. Eine Klimaanlage steht daher ganz oben auf meiner Wunschliste und dann komme ich auch gerne wieder. Denn das Essen hat es allemal verdient.


        Bericht wie immer auch auf meinem Blog: tischnotizen.de/astrein-koeln/

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        • #5
          3 Gänge „to go“ - wirklich „astrein“

          Angesichts der coronabedingten Restaurantschließung bietet Eric Werner sein Mittagsmenü (3 Gänge für 35 Euro) derzeit als „Bausatz“ zum Mitnehmen an. Wir haben es ausprobiert und waren begeistert.

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ID: 65669Die Zutaten für zwei zubereitete Gänge und ein Dessert befinden sich in nummerierten Beuteln, die mit einer „Bauanleitung“ (O-Ton) geliefert werden. Damit zaubert man zu Hause mit wenigen Handgriffen ein bib-Gourmand-würdiges Essen in drei Gängen.

          Wir hatten:
          Salat von weißem Spargel, marinierter grüner Apfel und Fenchel, getoppt mit Radieschenscheiben und Kräutern (der Salat besteht aus drei vorbereiteten Komponenten, die zu Hause zusammengefügt werden)

          Blanquette Münster Weide Kalb mit Wiesenchampignons, Staudensellerie und kleinen Kartoffelklößchen (die werden schon mit Butter geliefert, so dass sie nur noch angebraten werden müssen, für das Blanquette gibt es zunächst eine Portion Gemüse, die anzubraten ist, dann wird das Kalbsragout samt Soße dazugefügt, zum Abrunden gibt es eine Nuss-Ziwebelmischung).

          Rhabarber Tartlette mit Topfenmousse und Madacascarvanille, dazu Baiser von Rosa Pfeffer (das Törtchen ist fertig und die Baisiers werden separat geliefert.)

          Wir fanden das Ergebnis rundherum überzeugend. Jeder Gang hatte einen kleinen Twist, der einen Touch Sterneküche mitbringt, damit wurden unsere Erwartungen, betrachtet man die Zubereitungsweise und den Preis deutlich übertroffen.

          Machen wir wieder.

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          • #6
            Ein sehr schönes Beispiel, wie inzwischen zahlreiche Gastronomen versuchen, aus dieser Krise für Ihre Betriebe, aber auch für ihre Gäste das Beste zu machen.
            Wir sollten diese Angebote nutzen!

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            • #7
              Für dieses Feiertagswochenende haben wir uns entschieden, vor allem auf die Kochkünste von Profis zu setzen. Und da wir nicht in ihre Restaurants können, holen wir uns ihr Essen eben nach Hause.

              Den Anfang an Karfreitag macht ein Menü, das wir gestern aus Köln aus dem frisch besternten „astrein“ von Eric Werner nach Hannover mitgenommen haben. Da nahezu alles vakuumiert war, war es auch am Tag darauf ohne spürbare Qualitätseinbußen nach der einfachen Bauanleitung zuzubereiten.

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ID: 65702
              Das Menü vor der Fertigstellung

              Den Start macht ein Spargelsalat mit mariniertem Lachs. Der Spargel hat einen schönen Biss und ist mit einem auf Spargelfond basierenden Dressing elegant angemacht. Der Lachs dazu in dicken Tranchen geschnitten von ausgezeichneter Qualität und mild gebeizt. Das Ganze wird angerichtet auf einem Mürbeteigtartelette mit einer Royale von Erbsen. Tarte von Kullererbsen, wie im Menü angekündigt, klingt zwar origineller, aber am farbenfrohen Erscheinungsbild und guten Geschmack ändert es ja nichts. Nicht angekündigt, aber auch dabei ein Wildkräutersalat mit einem fein-säuerlichen Dressing. Eine sehr feine Vorspeise.

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ID: 65700
              Tarte von Kullererbsen mit Wacholder, gebeizter Lachs, Salat von weißem Spargel und Kräutersalz, Wildkräutersalat

              Auch die Samtsuppe von der Brühler Kartoffel steht dem nicht nach. Als Einlage dient in kleine Stücke vorgeschnittener grüner Spargel sowie Kaiserbein, das noch kurz in der Pfanne mit etwas Thymian nachgebraten wird. Kaiserbein ist auch als Pfaffenschnittchen oder Sot-l’y-laisse bekannt und bezeichnet ein kleines filetartiges Geflügelstück am Rücken, das besonders saftig bleibt.

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ID: 65698
              Samtsuppe von der Brühler Kartoffel mit glasiertem Kaiserbein und grünem Spargel

              Im Hauptgang, es ist ja das Ostermenü, gibt es Lamm. Eric Werner mariniert die Lammkeule mit Salz-Zitronen-Joghurt und schmort es dann butterweich. Dazu gibt es cremige Parmesanpolenta und eine Gemüse-Kapern-Gremolata. Fleisch und Polenta werden im Topf erwärmt, das Relish wird kalt dazu gegeben. Ein wenig mehr Sauce hätte es zwar sein dürfen, aber ansonsten gab es an diesem Gericht nichts auszusetzen.

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ID: 65699
              In Salz-Zitronen-Joghurt marinierte Lammkeule mit Lorbeer, Parmesanpolenta und Gemüse-Kapern-Relish

              Das Dessert hätten wir auch direkt aus dem vorbereiteten Becher essen können, aber wenn wir uns schon die Mühe geben, alles auf Tellern so ordentlich wie möglich anzurichten, soll dies auch für das süße Ende gelten. Hier allerdings gibt es einen Ton, der mich massiv irritierte. Die Panna Cotta von der Kokosnuss ist es nicht. Die schmeckt sehr typisch und fein aromatisch. Im Rhabarberragout allerdings sind kleine Kräuterpartikel auszumachen, die, wenn ich nicht falsch liege, von Lavendel herrühren. Und jeder weiß, dass eine Überdosierung hier schnell fatal enden kann. Für meinen Göttergatten war es noch in Ordnung, mir war es schon zu viel. Trotzdem bleibt dies mit den Bröseln und der guten Panna Cotta immer noch ein ordentliches Dessert.

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ID: 65701
              Panna Cotta von der jungen Kokosnuss mit Rhabarber und Himbeersauce

              Wenn ich nicht schon mehr als gut gesättigt gewesen wäre, hätte ich mich noch dem kleinen Riegel mit Schokoladenganache-Füllung widmen können. Aber der muss auf späteren Genuss warten.

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              Petit Fours

              Überhaupt sind die Portionen auch hier wieder mehr als großzügig bemessen gewesen. Sowohl vom Spargel- und Wildkräutersalat als auch vom Hauptgang war ein guter Nachschlag möglich.

              Der Preis von 55 Euro für dieses Menü ist für mein Empfinden mehr als fair. Üblicherweise bietet Eric Werner zur Zeit ein Dreigang-Menü als Take-Away an, das mit 35 Euro deutlich günstiger bepreist ist. Wenn es sich auf ähnlichem Niveau bewegt, woran ich keinen Zweifel habe, gilt auch hierfür die unbedingte Kaufempfehlung.
              #supportyourlocalrestaurant

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              • #8
                Wenn ich das von Ihnen präsentierte Menü (für Ostern) mit einigen der online präsentierten Menüs für zu Hause vergleiche, dann bietet Eric Werner ein wirklich sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis an. Danke für den Bericht und frohe Ostern.

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