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Driving Home for Christmas - Julia Komps Pop up in Köln

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    So ganz verschwunden war Julia Komp auch während ihrer Weltreise nicht, mit großer Konstanz hielt sie ihre Follower praktisch täglich mit Instagram Posts über die Aufenthalte vor allem im asiatischen Raum auf dem Laufenden. Was sie dort erlebt hat, hat sie uns auch schon in einer Podcast-Folge verraten. Aber was ist kulinarisch daraus geworden? Bevor sie dies in ihrem ersten eigenen Restaurant präsentieren wird, das im Herbst 2020 öffnen hat, hat sie im November und Dezember an insgesamt sechs Terminen ein Pop-up im Lindgens Lokschuppen, ganz in der Nähe ihres künftigen Restaurants veranstaltet. An einem der letzten Termine war ich dort zu einem Besuch eingeladen und konnte die kulinarische Weltreise erleben.

    Korea: Sjö Matjes - Rose / Rettich / Kefir / Sakura ist das Amuse: Der Matjes hat eine gute, fein-fettige Konsistenz und wird mit der leichten Säure und Schärfe aus Rettich und Kefir so kombiniert. Für mich wirkt das Gericht ein wenig wie ein dekonstruiertes Sushi. Ein gelungener Start.
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    China: Garnele - Ananas / Salat / Chili. Die Garnele wird mit exotischen und kraftvollen Noten kombiniert, die schon markanter sind als der Eigengeschmack der Garnele, diesen aber noch angenehm zur Geltung kommen lässt. Vor allem die Ananas mit einer gewissen süß-säuerlichen Note und die Schärfe der Chili wirken stimmig. Dazu gibt es eine 2016er Zeltinger Sonnenuhr Spätlese von Markus Molitor. Der Wein gefällt mir solo und er passt auch gut zu er Aromatik des Gerichts, für die Garnele ist er mir eine Spur zu kräftig.
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    Indien: Open Blue Cobia - Tandoori / Linse / Rambutan: Dieser Teller spart wahrlich nicht mit Aromen. Da ist zunächst die warme gut gewürzte Linsencreme, die den geschichteten Cobia leicht erwärmt. Der Fisch, der geschmacklich mit Hamachi vergleichbar ist, hat eine sehr gute Konsistenz und einen festen Biss. Durch die Rambutan, eine frische, minzige Creme, Cous Cous, sind so ziemlich allen Richtungen des Aromenspektrums auf dem Teller vertreten. Trotzdem verliert sich das Gericht nicht in den Einzelheiten, sondern gut abgestimmt und komplex.
    Der 2016er Barhenau Vigna S. Michele Weißburgunder von J. Hofstätter ist ein komplexer Weißburgunder. Er hat eine gewisse Cremigkeit und ist gut strukturiert, wie es nicht jedes Große Gewächs deutscher Winzer erreicht.
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    Marokko: französische Maispoularde - Salzzitrone / Olive / Tomate: Meine Maispoularde ist wunderbar saftig. Die Aromen erinnern in der Tat an die Geschmackswelt der Maghreb-Staaten, wobei die Salzzitrone am dezentesten bleibt. Eine runde Sache.
    Der 2018er Kloof Street Chenin Blanc von Mulineux & Leew Family Weine hat noch eine gewisse Frische und wirkt recht straff, was hier zu dem Gericht gut ansteht.
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    Iran: Walisisches Lamm - Spitzkohl / Kürbis / Persische Limonen / Reis: Obwohl das Lammfleisch sehr mager ist, hat es einen tollen Lammgeschmack. Der Gang ist deutlich reduzierter als die beiden vorherigen. Der Spitzkohl und die exotischen Aromen ergeben einen schönen Kontrast. Für mich persönlich der beste der salzigen Gänge, da er besonders fokussiert wirkt.
    Der 2014er Lindes Remelluri Labastida hat passende Aromen zu der Gewürzwelt des Gerichts.

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    Japan: Hirschkalbrücken - Yam Wurzel / Kirsche / Japanische Kirschblüte tut sich bei mir etwas schwerer – vielleicht auch weil mein Sättigungsgefühl nun einsetzt. Die Kirsche mit etwas Kompott hat eine merkliche Intensität. Dazu gibt es in einem kleinen Glas eine Pistazien-Creme mit roter Bete, die für mich nicht so recht zu dem kartoffelaritgen Aroma der Yam Wurzel passen möchte.
    Der 2012er Château Barde Haut Grand Cru Classe ist ein gut angereifter, merklich Merlot-betonter Bordeaux, der vor allem zum Fleisch und der Kirsche gut passt.
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    Das Prédessert ist besonders gut gelungen: Brasilien: Acai - Kokos / Banane / Erdnuss, es ist leicht und gleichzeitig aromenintensiv. Kokos und Banane sind gut schmeckbar, auch Säure ist wahrnehmbar. Alles verschmilzt zu einem gut abgestimmten, harmonisch-extoischen Dessert.
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    Oman: Karak - Mandel / Tee / Safran ist aromatisch sehr schön, die Gewürze kommen gut zur Geltung. Aber mir ist die Portion der teeigen Creme etwa zu groß..
    Der 2013er Rivesaltes von Puig Parahy passt gut zu der komplexen gewürzig-teeigen Wirkung des Gerichts.
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    Zweifelsohne ist dieses Menü im Rahmen eines Pop up nicht mit einem aus einem normalen Restaurant-Betrieb vergleichbar. Zudem muss man berücksichtigen, dass Julia Komp die Events mit wechselnden Teams bestritten hat. Insofern ist die Leistung – gerade auch im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen dieser Art – als bemerkenswert einzustufen. Die Hauptprodukte kommen optimal gegart auf den Tisch. Julia Komp hat ja auf ihrer Weltreise auch viele ähnliche Events bestritten, eine Erfahrung, die sich offenbar in diesem Rahmen nun auszahlt.
    Für ihre Kreationen bedient sie sich nicht – wie man bei der Betitelung der Gerichte mit verschiedenen Ländern denken könnte – an der Landesküche, sondern bei typischen Zutaten für diese Länder. Sie integriert diese Zutaten in ihren Stil, so wie er aus Schloss Loersfeld beschrieben wurden, nämlich mit einem Einschlag aus der orientalischen bzw. maghrebinischen Küche. Wie es dieser Küche zu eigen ist, sind die Würzungen opulent, aber – und das finde ich bemerkenswert – nie zu kräfitg. Auch hat das Hauptprodukt immer noch genügend Raum, zur Geltung zu kommen. Da kann man also mehr als gespannt sein, wie sich dies unter den optimalen Arbeitsbedingungen mit einem festen Team im eigenen Restaurant entwickelt.
    Der Serviceablauf an dem Abend war übrigens auch bemerkenswert gut. Die Gänge zwar in einem Tempo, dass es für einige Gäste merklich spät wurde, aber in gutem, gleichmäßigen Tempo, so dass es nicht hektisch, sondern gut strukturiert wirkte.

    Zuletzt geändert von QWERTZ; 23.12.2019, 11:18.
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