Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Restaurant Schanz - Piesport/ ** - 8GP

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Restaurant Schanz - Piesport/ ** - 8GP

    Ein freies Wochenende und ein geplantes Treffen mit einem guten Freund verschlug meinen Weg vor wenigen Wochen erneut an die Mosel. Nur 13,2 km von Dreis entfernt liegt direkt an der Mosel der beschauliche Weinort Piesport, bekannt vor allem durch seine herausragenden Weine und Lagen, allen voran dem Piesporter Goldtröpfchen.
    Seit November letzten Jahres beherbergt Piesport allerdings auch einen neuen Sternekoch und macht kulinarisch auf sich aufmerksam – und zwar gewaltig, wie ich finde!
    So möchte ich Ihnen meine (erste) Entdeckung dieses Jahres auch nicht vorenthalten.

    Manch einem von Ihnen mag der Name Thomas Schanz eventuell bekannt vorkommen. Der mittlerweile 32-jährige Newcomer, hat sich in nur wenigen Monaten nach Eröffnung des Restaurants Schanz (August 2011), einen Stern erkocht.
    Seine Kochlehre bei Harald Wohlfahrt in der Traube Tonbach absolviert, führte sein Weg über Klaus Erfort ins Sonnora, wo er 6 Jahre lang als Sous-Chef neben Helmut Thieltges kochen durfte.
    Im abschließenden Gespräch mit ihm, durfte ich einen überaus sympathischen, etwas schüchtern wirkenden jungen Mann kennen lernen, der aber vor Energie nur so strotzt und dem es sichtlich Freude bereitet, sich der Gourmetwelt (endlich) zeigen zu dürfen!
    In der Küche stehen und arbeiten lediglich 4-5! Personen und die 1-Mann-Patisserie besteht aus einem einzigen Konditor, der vor wenigen Monaten noch Kuchen und Torten für die Region hergestellt hat.

    Das Restaurant ist dank einer grossen Fensterfront tagsüber helldurchflutet. Das Interieur ist modern und elegant und zählt für mich zu einem der schönsten Restaurants! Eine genaue Beschreibung der Innenarchitektur bzw. Raumgestaltung ist auf der besonders gut gelungenen Homepage nachzulesen.

    Auf der Speisekarte wird ein 3-6gängiges Menü oder ALC angeboten. Auf der restauranteigenen HP wird darauf hingewiesen, dass nur die besten Produkte verarbeitet werden. Die Küche basiert ganz klar auf der alten französichen Küche und die einzelnen Speisen spiegeln die Wanderjahre des Herrn Schanz wieder, jedoch hat mir besonders gut der kreative und innovative Flair der einzelnen Gerichte gefallen. Hier versucht jemand der französischen Küche neuen Pepp zu verleihen und vielleicht schafft es Herr Schanz gar seine eigene Handschrift zu kreieren.
    Die Weinkarte ist recht übersichtlich gehalten und beschränkt sich hauptsächlich auf tolle regionale deutsche Weine und ein paar Franzosen. Eigentlich ist es gar keine Karte, sondern mehrere in DIN-a4-Format zusammengetackerte weisse Blätter. Dies soll keinesfalls despektierlich gemeint sein, sondern beschreibt eher die lockere und jugendliche Art und Weise, wie hier gearbeitet wird, was mir sehr gefallen hat. Auch der Service spiegelt diese Arbeitsmoral wieder.

    Nun zum Essen:
    Da am Abend noch ein Dinner anstand, fiel die Wahl auf 3 Gänge aus der Karte.

    Vorpeise:
    Lauwarmer schottischer Lachs auf mariniertem Gemüse mit Holunderaroma und mildem Pina Colada-Schaum

    Das erste Highlight direkt zum Anfang. Zum Lachs, der butterzart und wirklich hervorragend gegart auf den Teller kam, gab es kleingeschnittenes Artischockengemüse und knackige ?-Würfel in einer Holundervinaigrette geschwenkt. Der Knaller jedoch war ein milder Pina Colada-Schaum, der über den Lachs gegeben wurde mir schon beim ersten Löffel ein Lächeln auf den Lippen fabrizierte.
    Die Kombination aus mildem Kokusnussgeschmack, einem Hauch Alkohol, dezent süsslichem, teils knackigen Gemüse und dem Lachs – eine Wonne für die Seele!
    Eine 2009er Kestener Paulinshofberger Riesling Auslese trocken vom Weingut Paulinshof an der Mosel konnte wundervoll mithalten und war eine tolle Wahl vom Service.

    Nach diesem Auftakt war ich natürlich auf den von mir gewählten Hauptgang gespannt, der da hieß:

    Tranche vom wilden Steinbutt auf Kaiserschoten-Melonenragout, Zitronenmyrte und mildem Speckschaum

    Ich sollte nicht enttäuscht werden, denn an dieser Kreation gab es kaum etwas zu mäkeln und machte richtig Spass!
    2 großzügige Tranchen perfekt gegarten Steinbutts lagen auf einem Bett von kleingeschnittenen, knackigen Kaiserschoten. Der intensive aber wohldosierte Zitronengeschmack durch das australische Gewürz passte natürlich sehr fein zum Fisch und als geschmacklicher Gegenspieler konnte ein wiederrum köstlich-aromatischer Speckschaum den Geschmack des Steinbutts aufgreifen.
    Alleine die Melonenkomponente erschlug sich mir nicht ganz, da ich diese auf dem Teller auch nicht wiederfand. Sehr wahrscheinlich waren die Kaiserschoten in einer Melonensauce geschwenkt, auf dem Teller war von einer Sauce jedoch nichts zu sehen. Somit kann man auch nicht ganz von einem Ragout, sondern eher von marinierten Kaiserschoten sprechen.
    Zu diesem Gang wählte ich keinen Wein, schließlich musste das Auto noch bewegt werden aber die Auslese vom ersten Gang konnte man hierzu noch ganz gut trinken.

    Der Abschluss sollte dann wieder ein Knaller und würdiger seines Namens sein.

    Karamellisiertes Törtchen von der Tonkabohne mit schwarzen Johannisbeeren und
    Cassis-Veilcheneis


    Was soll ich sagen, für meinen Geschmack einfach himmlisch! Das karamellisierte Törtchen war eigentlich eine Crème brulée auf einem Teig(Kuchen)boden von der Tonkabohne in der Grösse wie das allseits beliebte Dessert normalerweise zubereitet wird. Dazu gesellten sich 2 Kugeln Eis, die beide durch ihren intensiven Eigengeschmack glänzten und ein paar Johannisbeeren am Stiel.
    Einfach aber eine Kombination wo ich einfach dahinschmelze!
    Der Service konnte mich bei diesem Abschluss noch zu einem kleinen Schluck Wein überreden.
    Eine 2010er Riesling Spätlese trocken aus dem Piesporter Domherr vom Weingut Hain konnte ebenfalls überzeugen!


    Fazit:

    Ich bin ganz ehrlich hin und weg von diesem Besuch. In nur sehr kurzer Zeit hat es Thomas Schanz geschafft, auf bewundernswerter Art und Weise auf sich und seine Küche Aufmerksamkeit zu erregen! Die Speisen gelingen ohne viel Schnickschnack aber durch glänzende Geschmackskombinationen zu überzeugen. Hier und da sind sicherlich einzelne Kritikpunkte ersichtlich aber wer will ihm das nach so kurzer Zeit übel nehmen?!
    Hier kocht ein junger Kerl und an seinen Gerichten sieht man, dass er nur so strotzt vor Ideen! Gleichzeitig bringt er die Erfahrung seiner Lehrjahre mit und weiß diese extrem gut einzubringen.
    Hier kocht jemand, von dem wir sicherlich noch sehr viel hören werden. Ich kann jedem
    Forumianer hier nur wirklich wärmstens empfehlen, bei Gelegenheit einen Abstecher nach Piesport zu unternehmen!
    Mein Besuch wird definitv nicht lange auf sich warten lassen! Toll, diese Entdeckung gemacht zu haben!

    MkG
    Schmackofatz



    schanz. restaurant.
    Thomas Schanz
    bahnhofstraße 8a
    54498 piesport

    telefon: +49 (0) 6507 / 92 52 - 0
    telefax: +49 (0) 6507 / 92 52 - 52
    e-mail: [email protected]
    http://www.schanz-restaurant.de/index.htm
    Zuletzt geändert von Schmackofatz; 18.03.2012, 00:32. Grund: Impressum

  • #2
    Werter Schmackofatz,

    vielen Dank für den wunderschönen Bericht, der Lust macht. Bei dem Werdegang kann nur etwas herausragendes heraus kommen.
    Scheint ein "muss" zu sein, wenn es mich mal wieder an die Mosel verschlägt.
    Auch die Internet-Seite macht Lust auf das Schanz-Restaurant.

    Kommentar


    • #3
      Zitat von Schmackofatz Beitrag anzeigen
      Alleine die Melonenkomponente erschlug sich mir nicht ganz, da ich diese auf dem Teller auch nicht wiederfand.
      Gott sei dank, lieber Schmackofatz, war davon nichts auf dem Teller. Ich mein, wer will schon von einer Melonenkomponente erschlagen werden.

      Danke für den Bericht,
      M.

      Kommentar


      • #4
        Werter Schmackofatz, freut mich, dass es Ihnen genauso gut gefallen hat wie uns. Wir hatten Silvester dort verbracht und trotz eines gewissen Chaos in der Veranstaltung war das dargebotene Menue wirklich grosse Klasse. Das er kochen kann, hat er ja jahrelang bei Helmut Thieltges bewiesen. Mutig finde ich vorallem die Entscheidung der Familie, ihm eine nagelneues Restaurant zur Verfügung zu stellen. Denn diese Ecke Deutschlands ist ja nicht gerade arm an Sternegastronomie im Gegensatz zum Wohlstand und der Einwohnerzahl.

        Kommentar


        • #5
          Zitat von wombard Beitrag anzeigen
          Mutig finde ich vorallem die Entscheidung der Familie, ihm eine nagelneues Restaurant zur Verfügung zu stellen. Denn diese Ecke Deutschlands ist ja nicht gerade arm an Sternegastronomie im Gegensatz zum Wohlstand und der Einwohnerzahl.
          Das ist richtig, werter Wombard, die Entscheidung ist überaus mutig, zeigt aber welch ein Vertrauen die Eltern in ihren Sprössling setzen - und das zu recht wie ich finde!
          Wenn ein einziger Besuch bereits so überzeugt wie bei mir und anscheindend auch bei Ihnen, wird alles richtig gemacht. Abends ist das Restaurant - auch unter der Woche - richtig gut ausgelastet, wie mir Herr Schanz mitgeteilt hat.
          Mittags lässt die zahlreiche Frequentierung noch ein wenig auf sich warten - ich war an einem Freitagmittag der einzige Gast - aber die Familie ist glücklich wenn zum Lunch 3-4 Tische besetzt sind und diese Problematik sieht man ja auch bei den ganz Grossen der Riege.
          Ein Grund mehr für jeden Forumianer diese Entscheidung der Eltern und Herrn Schanz mit einem Besuch zu unterstützen!

          Kommentar


          • #6
            Klingt ja toll!
            Vielen Dank für den Bericht.

            Erinnert mich etwas an den jungen Obermarzoner, auch da ging man ein Risiko ein und wurde belohnt. Hoffentlich klappt das auch hier.

            Wie ist denn das Hotel so? Konnten Sie einmal einen Blick hineinwerfen?
            Wie ist die Lage?

            Dankeschön!


            Gruß!

            Kommentar


            • #7
              Zitat von fragolini Beitrag anzeigen

              Wie ist denn das Hotel so? Konnten Sie einmal einen Blick hineinwerfen?
              Wie ist die Lage?

              Gruß!
              Einen Blick hinein habe ich leider nicht gemacht! Von Außen lädt das Haus aber ohne weiteres zu ein paar romantischen Nächten ein. Auf der HP können Sie auf einem Bild das Hotel von der Strasse aus begutachten. Einige Zimmer verfügen über einen Balkon mit seitlichem bzw frontalen Blick auf die Mosel. Hotel und Restaurant liegen in eine Einfahrt rein welche von der einzigen Hauptverkehrstrasse Piesports abgeht, die mal mehr, mal weniger stark befahren ist.

              Gruß!

              Kommentar


              • #8
                Dankeschön!

                Gruß!

                Kommentar


                • #9
                  Uns zog es mal wieder an die Mosel und denierten und übernachteten im Schanz.

                  Auch diesmal konnte uns Thomas Schanz mit seinen Kreationen überzeugen.

                  Es gab 3 kleine Grüsse aus der Küche, u.a. Meerspinnenrogen, die sehr überzeugend waren.


                  I.
                  Degustation von der gänseleber mit nüssen, kirsche und banane
                  Wunderbar schmelzig die Kirschenkreation mit ummantelter Gänseleber, auch wohlschmeckend mit den Nüssen, etwas zu süss dazu die Bananencreme

                  II.
                  Gebratene st. jakobsmuscheln aus der normandie mit asiatischem gemüse

                  Hm einfach nur lecker

                  III.
                  Getrüffelte seezungen "Pochette" auf petersilienrisotto mit pfifferlingen und grünem spargel

                  Sogar das Risotte schmeckte nach Petersilie und die Seezunge war perfekt

                  IV.
                  Walisisches lammcarrée à la métiterranée, cremige parmesanpolenta, wildkräuterjus und pimento

                  oder

                  Eifeler hirschrücken unter der rosinenkruste mit wirsingroulade, mandelpüree und cranberry-pfeffersauce


                  Das Lamm war sicherlich das schwächste Gericht am Abend, hier überzeugte mich nur die Polenta und das Jus, während der Hirschrücken bei dem Rest der Tischgesellschaft hervorragend angekommen ist. Das Fleich war butterzart, die Pfeffersauce überzeugte und harmonierte mit der Rosinenkruste perfekt. Das hat man halt davon, wenn man falsch wählt

                  VI.
                  Warme apfeltarte mit "lilliput bratapfel", toffeeeis und quittenerde

                  Der "krönende" Abschluss mit einen tollen Eis.

                  Zu der Gänseleber gab es eine 2010er Riesling Auslese des Hauses. Ein absoluter Kracher, vorallem für einen Ausserhaus-Preis, der peinlich niedrig ist. Zum Fisch hatten wir von Reinhold Haart einen 2008er Riesling aus dem Kreuzwingert, passte besser zur Seezunge als zur asiatischen Jakobsmuschel, zum Hauptgang blieben wir dann auch in Piesport und hatten einen 2009 Lehnert-Veit Spätburgunder GG gewählt. Treffend dazu der Satz meines Freundes "man sollte dabei bleiben, was man kann".

                  Die Übernachtung war hervorragend, denn die viel gescholtene Hauptstrasse ist z.Zt. weitestgehend w/Bauarbeiten unbefahren. Das Zimmer und Frühstück ok. Gem. dem Senior beabsichtigt man wohl eine Renovierung der Sanitäreinrichtungen Anfangs nächsten Jahrs.

                  Fazit: Wir waren rundum zufrieden und müssen "leider" feststellen, das die Qual der Wahl der Restaurantsauswahl im Sternebereich in der Region Trier nicht einfacher wird.

                  Kommentar


                  • #10
                    Es wird wohl Zeit Thomas Schanz wieder in das Bewusstsein des Forums zu rücken:

                    Einer der ältesten Weinorte an der Mosel soll heute unser Ziel sein: Piesport.
                    Wie immer, wenn an die Geschichte des Weinanbaus erinnert wird, kommen wir um die alten Römer nicht herum, auch wenn sie den Weinanbau nicht erfunden, sondern übernommen haben. Das Entstehungszentrum der Weinrebe liegt vermutlich in Armenien bzw. dem heutigen Georgien sowie zwischen Euphrat und Tigris und das vor mehr als 7000 Jahren. Die weitgereisten römischen Eroberer zeichnete ein untrügliches Gespür für ein vielversprechendes Terroir aus. "Wie die Ränge eines Amphitheaters" rahmen die Weinberge den Ort ein, schreibt Decim(i)us Magnus Ausonius, Staatsbeamter und Dichter, ca. 310 in der Gegend des heutigen Bordeaux geboren, in seiner Reisebeschreibung "Mosella" im Jahr 371.

                    Der Ort lag sehr günstig an einer wichtigen Römerstraße (via romana), die als Aufmarsch- und Nachschubstraße der römischen Legionen von Trier nach Mainz führte. Durch sie hatte Piesport Anschluss an das römische Weltreich. Deshalb konnte sich auch ein blühender Handel entwickeln. Man geht davon aus, dass es an dieser Stelle eine Furt durch die Mosel gab, die man bei niedrigem Wasserstand mit Wagen durchfahren konnte. Die Furt war der lokalen Gottheit Mercurius Bigontius geweiht. Daraus leitete sich mit der Zeit der Name Porto Pigontio ab, aus dem allmählich Piesport wurde.

                    Auf der linken Moselseite erstreckt sich die 66 Hektar große Weinlage des bekannten Piesporter Goldtröpfchens. Auf dem Schieferboden gedeiht ein vortrefflicher Riesling.
                    Rechts von der Mosel bahnen wir uns den Weg zum Hotel und Restaurant Schanz, unserem heutigen Ziel. Im August 2011 erfüllte sich Thomas Schanz den Traum vom eigenen Restaurant mit tatkräftiger Unterstützung seiner Eltern.
                    Schanz absolvierte seine Kochlehre in der legendären Traube in Tonbach. Vom Restaurant Silberberg über die Köhlerstube arbeitete er sich in das Blickfeld von Harald Wohlfahrt und dessen berühmter Kaderschmiede. Es folgten Stationen bei Klaus Erfort in Saarbrücken und bei Helmut Thieltges im Dreiser Sonnora. Dort war er sechs Jahre als Sous-Chef tätig.

                    Allein dieser schlicht dokumentierte Lebenslauf lässt die Restaurantführer bestimmt aufhorchen. Doch die rasche Auszeichnung mit einem Stern des Guide Michelin war erarbeitet und verdient. Der zweite folgte im letzten November.

                    Nun soll keiner auf die Idee kommen, es würde ausreichen, ein paar Jahre bei namhaften Köchen zu jobben um danach selbst zu hohen Ehren zu kommen. Hierzu gehört noch einiges mehr. Thomas Schanz bringt nämlich neben seiner Kreativität und seinem handwerklichen Geschick auch eine stattliche Portion Ehrgeiz mit. Vor allem jedoch ist es seine Leidenschaft und seine Freude an der Arbeit, die ihn mit scheinbarer Leichtigkeit Ziele erreichen lässt, die andere trotz Mühen und Plagen nicht erreichen.

                    Das Menü:
                    Carpaccio von der Gänsestopfleber mit eingedicktem Traubenmost, Sherrygelee und Parmigiano Reggiano

                    In Kardamom gebratene St.Jakobsmuschel aus Dieppe mit wildem Brokkoli, Tomate und Mandarin

                    Tranche vom wilden Steinbutt "Jägerin Art" auf Pak Choi mit Riesling-Vinaigrette und Feldsalates

                    Frikassee vom gegrillten Hummer mit gebrannter Litschi, Madagaskar-Pfefferjus und knusprigem Bündnerfleisch

                    Pochierter Atlantik Seehecht "karibische Art" mit Koriander, kandierter Papaya, geröstetem Reis und Gewürzsud

                    Label Rouge Taubenbrust mit knusprigem Scholes, Creme vom Karottengrün und Myrtenjus

                    "Zwei Äpfel fielen weit vom Stamm" mit Macadamiacreme, Kaffeeessigschaum und Granny Smith Sorbet

                    Weinbergspfirsichsorbet mit Jasminreis-Schaum und Sake

                    FAZIT:
                    Harmonie, Balance und Akkorde, das ist meine Überschrift für diesen Abend.

                    Thomas Schanz kreiert mit detaillierter Warenkenntnis, perfekten Produkten und Ideenreichtum eine Aromenfülle, wie wir sie in Deutschland nur selten erleben. Ob Frucht- oder Säurenoten, Fisch, Fleisch oder Gemüse, immer hat man das Gefühl nur Hauptdarsteller auf dem Teller zu erleben, die als eingespieltes Ensemble auftreten. Nichts ist zuviel, nichts fehlt.

                    Das Menü wird nach einiger Zeit nicht einfach durch eine neue Speisefolge ersetzt, sondern behutsam verändert und weiterentwickelt. Ein überaus kluger Ansatz, wenn auch kein Alleinstellungsmerkmal.

                    Trotz seiner prominenten Kochstationen ist es Thomas Schanz gelungen einen eigenen Stil zu entwickeln und auszubauen. Ein leichter Flirt mit Perfektionismus und eine offensichtliche Liebe zum Detail teilt er allerdings mit seinen früheren Chefs.

                    Den vollständigen und bebilderten Bericht gibt es wie immer auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de

                    Kommentar


                    • #11
                      Pittoresk ist die Fahrt der Mosel entlang, der Fluss hat sich in endlosen Windungen in den Fels gefressen, an den steilen Hängen ein Weinberg nach dem anderen.

                      Enttäuschend das allgemeine kulinarische Angebot in den meisten Mosel-Dorfern: Hier setzt man noch auf Jägerschnitzel und Toast Hawaii, letzterer für den Connaisseur auch überbacken mit Béchamelsauce und verfeinert mit Preiselbeeren. Doch das scheint dem Zuspruch von Kegelvereinen, Bustouristen und Motorradfahrern keinen Abbruch zu tun.

                      Unser Ziel ist jedoch das Restaurant Schanz in Piesport, einem jener Restaurants, deren Bewertung im jüngsten Guide Michelin auf zwei Sterne angehoben woden ist. Der Sohn Thomas Schanz hat vor einigen Jahren das bezaubernde kleine Hotel von seinen Eltern übernommen, einen Restauarant-Trakt daneben gebaut und basierend auf seinen Erfahrungen etwa im Gästehaus Erfort und im Waldhotel Sonnora die Küchenlinie entwickelt.

                      Und diese ist grossartig! Wunderbar harmonisch die Gerichte; mit starkem, klassisch geprägter Basis, doch modern, kreativ und entstaubt.

                      Nach verschiedenen Grüssen, unter anderem einem goldenen Ei mit wunderbar abgeschmecktem Dotter, Sahneschaum und schwarzem Trüffel genossen wir ein Carpaccio von der Gänsestopfleber als ersten Gang. Was schwer klingt, war in Kombination mit Nüssen, Sherrygellee, Traubenmost und Parmesan ein filigranes, präzise abgestimmtes Gericht!

                      Nach Jakobsmuschel mit Brokkoli, Tomate und Manarine dann eine vorzügliche Tranche vom Steinbutt "Jägerin Art"; mit Pilzen, Pak Choi, Riesling-Vinaigrette und Feldsalat-Jus. Das war asiatisch, das war moselanisch, das war international - und in jedem Fall vorzüglich.

                      Beim darauf folgenden Frikassee vom Hummer hat uns die Kombination mit knusprigem Bündnerfleisch gefallen, das gibt Textur und Geschmack. Grossartig dann der aus der a la Carte-Karte in das Menü integrierte Kalbskopf. Er wird mit Flusskrebsen, Kalbsries, Erbsen, Morcheln und Lavendelessig kombiniert.

                      Der süsse Abschluss sind dann "zwei Äpfel, die weit vom Stamm fielen", mit Macadamiacreme, Granny Smith Sorbet und Kaffeeessigschaum.

                      Unser Resümee? Eine '5 - unbedingt wieder'! Hier ist kulinarisch ein toller Ort entstanden, die Gerichte sind nicht plakativ und voller Temeratur- und Texturkontraste, doch filigran und wunderbar rund und fein. Und auch der Service ist mit Begeisterung dabei. Die zwei Sterne sind definitiv verdient!

                      Der volle Bericht mit allen Bildern am Blog: http://kuechenreise.com/2016/05/08/s...sport-mosel-d/


                      Kalbsbries,-kopf und Flusskrebse mit frischen Erbsen, Frühlingsmorcheln und Lavendelessig
                      Angehängte Dateien
                      Zuletzt geändert von kuechenreise; 22.12.2016, 16:14.

                      Kommentar


                      • #12
                        Danke für den letzten Schub, den ich noch brauchte, um kurzfristig zu reservieren!

                        Bei der Gelegenheit: Könnte man den Titel des Threads vielleicht um den errungenen zweiten Stern ergänzen; das hilft doch sehr für den Überblick!

                        Schönen Gruß, Merlan

                        Kommentar


                        • #13
                          Werte Küchenreise, erstmals vielen Dank für den Bericht, der Lust auf einen Besuch macht.

                          Ich schätze ihre Bericht , allerdings stören mich ganz gewaltig die Eingangsworte zu diesem Bericht. Ich frage mich ehrlicherweise, ob das eine Anspielung auf den FAZ Artikel ist oder tatsächlich aus ihrer Feder stammt? Sollte dies der Fall gewesen sein, frage ich mich allerdings auch, wo Sie denn diese "geistreiche" Beschreibung der Esskultur an der Mosel erlebt haben? Ich könnte Ihnen zwischen Koblenz und Perl sicherlich eine Vielzahl von guten bis zu einer der besten Küchen der Welt nennen, womit Schatz nicht gemeint ist. Und daher finde ich den Anfang ihres Berichts wirklich unpassend für eine Region, in der sich auf diesem Gebiet in den letzten Jahren sehr viel entwickelt hat.

                          Kommentar


                          • #14
                            " ... oder tatsächlich aus ihrer Feder stammt?"
                            " ... wo Sie denn diese "geistreiche" Beschreibung der Esskultur an der Mosel erlebt haben?"

                            Haben Sie, werter wombard, gerade ernstere Probleme zu bewältigen? Müssen wir uns um Sie Sorgen machen? Für eine beratende Intervention, natürlich auch via PN, stehe ich gerne zur Verfügung

                            Kommentar


                            • #15
                              Werter Merlan, der verdient erhaltene zweite Stern ist nun auch im Thementitel eingefügt; danke für den Hinweis.

                              Werter Wombard, bitte entschuldigen Sie, wenn die Eingangsworte zu einseitig oder zu ausgefallen sind. Aus der FAZ kenne ich nur den Dollase Artikel zu Schanz, der sich nicht über die allgemeine Esskultur an der Mosel beklagt (nehme an, diesen haben Sie nicht gemeint), daher ist die plakative Zuspitzung mir zuzurechnen.

                              Am Osterwochenende waren viele der kleinen, pittoresken Dörfer an der Mosel noch sehr ruhig; geöffnet war wenn überhaupt nur die eine oder andere schon länger nicht modernisierte Weinstube (das muss nicht schlecht sein) mit 08/15 Karte (das ist schade). In Cochem war dagegen schon die Hölle los, jeder Platz auf den Tischen draussen an der Sonne besetzt. Die Speisekarten schienen mir wie beschrieben sehr einseitig; und selten ist mir eine solche Toast Hawaii & Co - Dichte wie auf den dortigen Karten aufgefallen. Das touristische Publikum schien dies aber keinesfalls zu stören.

                              Doch genug gemeckert - ich vertraue Ihrem Urteil, dass sich an der Mosel viel zum Guten entwickelt hat (nicht nur bei Schanz). Und wäre daher dankbar für Tipps zur Region, um beim nächsten Mal zielsicherer die Perlen auszusuchen! Was könnten sie mir empfehlen? Besten Dank!

                              Kommentar

                              Lädt...
                              X