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Steinheuer; Bad Neuenahr-Heppingen

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  • Steinheuer; Bad Neuenahr-Heppingen

    Lagomaggiore hatte über sein Weihnachtsmenü bei Steinheuer berichtet :http://forum.restaurant-ranglisten.d...read.php?t=198

    wir waren rund eine Woche vorher dort und hier ist der Bericht (wie immer zu lang):

    Es stand mal wieder der alljährliche Besuch in großer Familienbesetzung im Hause Steinheuer an. Eine lieb gewordene Tradition, auf die man sich immer wieder freut.

    Nach freundlichem Empfang wurden wir zu unseren Sitzen geleitet. Sonderwünsche, die wir bei der Tischreservierung geäußert hatten, waren berücksichtigt, was bisher auch nicht unbedingt jedes Jahr der Fall war, also insofern positiv anzumerken.

    Die Aperitif-Bestellung wurde aufgenommen. Eine Aperitif-Karte wurde nicht gereicht.

    Als Einstimmung kamen dann ein paar kleine Appetizer. Auf einem rechteckigen Teller wurde serviert:
    • Ein lackiertes Spanferkel mit fermentiertem Knoblauch und Süßkartoffel-Püree. Das waren einerseits natürlich interessante Aromen, aber auch der Mund kam auf seine Kosten; dieses cremige Püree mit dem krossen, aber auch gleichzeitig weichen Ferkel und der fermentierte Knoblauch, das passte alles wunderbar zusammen.
    • In der Mitte ein Shooter - Gänseklein "weiß-sauer" mit Leber-Crostini. Das war ein schönes winterliches Gericht, welches man nur als Seelenwärmer und Gaumenschmeichler bezeichnen kann.
    • Als Drittes im Bunde ein gefüllter Mini-Kohlrabi mit Felchenkaviar aus dem Laacher See und dazu ein Sauerteig-Chip. Hier wieder cremige und auch krosse Elemente und etwas leichtere Aromen. Besonders schön, dass dieser Chip aus Sauerteig hergestellt war.

    Die Speisekarte führt zwei Menüs auf. Einmal das "klassische Menü" und das Menü "saisonale Innovation". Das Wort "Innovation" ist mittlerweile neu hinzugenommen, letztes Jahr nannte sich der Spaß noch das "saisonale Menü".

    Während alle am Tisch sich auf die "saisonale Innovation" stürzten, musste ich dann notgedrungen das "Klassiker-Menü" nehmen, weil, wir wollen ja auch was zu berichten haben.

    Derweil wurde das Amuse bouche präsentiert. Es war eine Auster auf Eisenkraut und ein Shooter, die Auster wurde in Form eines gelierten Algenwassers mit Austerntatar und Austern-Luft gereicht. Austern führen bei mir generell nicht zu wahren Begeisterungsstürmen und so war das alles ganz nett und lebte von der guten Produktqualität. Man hatte natürlich den Geschmack des Meeres im Mund. Aber über etwas anderes hätte ich mich auch gefreut. Letztes Jahr gab es eine Variation von Kabeljau und Kartoffel. Das blieb doch mehr in Erinnerung und traf etwas mehr den persönlichen Geschmack. Aber schlecht gemacht war das mit Sicherheit nicht.
    Ach ja, wir hätten durchaus die Möglichkeit zum Eingreifen gehabt, da – sehr lobenswert – auch eine separate Karte auf den Tisch gestellt wurde, in der Appetizer und Amuse bouche aufgeführt waren. Da siegte mal wieder die Neugier, vielleicht ist ja diesmal das ultimative Austerngericht dabei – und wirklich bereut habe ich das ja nun auch nicht.

    Starten wir also in das Menü:
    Ich nenne immer erst den Gang aus der "Saisonalen Innovation" und dann aus dem "Klassiker-Menü".

    In der "Saisonalen Innovation" gab es Jakobsmuschel mit Taschenkrebstatar, Krabben und Herzmuscheln im Kräuter-Muschelsud. Das war eine leichte beschwingte Eröffnung des Menüs, kräuterige Aromen, eine perfekt gebratene Jakobsmuschel, ein geschmacksstarkes Taschenkrebstatar. So kann es weitergehen.
    Auf der anderen Seite Gänseleberterrine mit Quitten und Wildentenbrust aus dem Sternanissud mit Akazienhonig-Jus.
    Wunderbar die Gänseleberterrine, die geschichtet war mit einer Quittenmousse. Das war alles sehr schmelzig und seidig, dazu die kräftigen Aromen der Wildentenbrust. Sehr feines Quittenbrot als Beilage. Ich hätte mir als Gänsestopfleberfan (na ja, aber nur wenn sie wirklich gut ist, was ja leider nicht immer der Fall ist) natürlich noch ein Stück gebratene Gänsestopfleber gewünscht. Sonst ist man ja doch eher gewöhnt, eine - ansatzweise - Variation von der Gänseleber zu bekommen. Hier war es wirklich nur die Terrine. Sehr lecker, aber der Wunsch nach mehr war irgendwie schon vorhanden. Allerdings ist es natürlich auch perfekt abgestimmt, wenn man das ganze 7-Gänge-Menü verspeisen will. Um es vorweg zu nehmen: Ich bin zwar gesättigt aufgestanden vom Tisch, aber nicht mit einem Völlegefühl und das bedingt natürlich auch, dass man gerade bei Gänseleber vielleicht dann doch etwas zurücknehmen muss. Insofern akzeptiert, aber irgendwie wäre es schon schön gewesen, ein Stück gebratene, karamellisierte Gänsestopfleber zu bekommen, zumal wir wissen, dass Herr Steinheuer sie sehr gut zubereiten kann.
    Oh Gott, hoffentlich versteht jemand den Sinn hinter diesem Gestammel

    Weiter ging es mit Täubchen mit Bratapfel, Maronenpüree, Rotkohl-Essigzwiebeln und Molejus. Die Rotkohl-Essigzwiebeln waren einfach der Hammer. Ein unglaublicher Geschmack nach Rotkohl und Zwiebeln, eigentlich deftig, aber in der gereichten Form dann doch sehr fein, abgerundet durch die Säure des Essigs. Nichts stach hervor, alles ergänzte sich und es war ganz harmonisch, als wenn es genau so sein müsste – dabei schmeckte es überhaupt nicht langweilig. Die Täubchen waren gut, obwohl wir die schon einmal zarter serviert bekommen hatten. Aber auch wenn sie perfekt gewesen wären, so bleiben die Rotkohl-Essig-zwiebeln doch das Highlight des Ganges.
    Auf der anderen Seite Kalbsbries mit einem offenen Ravioli mit pochiertem Wachtelei und Petersilienwurzelpüree darunter. Das Ganze wurde abgerundet mit frisch darüber geriebenen Alba Trüffeln. Was soll man sagen: Zu Recht auf der Seite "Klassiker" untergebracht. Das ist einfach genial. Klassik kann auch wunderbar schmecken. Diese fantastischen Aromen. Ja, perfekt, besser kann man es nicht machen (sag ich jetzt einfach mal so).

    Nun denn: Wolfsbarsch auf der Haut gebraten mit Chicorée und geröstetem Pulpo. Auch hier, wofür Steinheuer bekannt ist, starke Aromen, die sich aber irgendwie nicht gegenseitig aufdrängen, sondern einfach nur auf eine feine Art ergänzen. nämlich hier die Röstaromen des Pulpo, der wunderbar zart war, aber auch kross, dazu das Bittere des Chicorée und der feine Wolfsbarsch. Einfach herrlich.
    Demgegenüber stand Steinbuttfilet mit Lorbeerkarotte und Orange in Meursaultbutter. Neben dem perfekt gegarten Steinbutt, was nebenbei auf alle Gänge zutraf, die Garpunkte waren alle perfekt getroffen, überzeugten vor allem die Lorbeerkarotten, die ganz klassisch mit der Orange und dem schönen Geschmack der Meursault-Butter harmonierten.

    Und noch ein Fisch. Hecht aus dem Laacher See mit gratinierten Schwarzwurzeln und roter Butter. Da kam dann auch wieder der regionale Touch durch, nämlich mit dem Hecht aus dem nahegelegenem Laacher See. Er wurde einerseits als Filet gebraten gereicht und als wunderbar fluffige leichte Hechtklößchen. Sehr gelungen.
    Die Klassik wurde bedient mit Kabeljaublättern auf rote Bete-Graupen und Stockfischcreme. Ausgekleidet war der "Suppenteller" mit einem rote Bete-Gelee, auf dem die Graupen ihren Platz fanden nebst der Stockfischcreme. Ich bin überhaupt kein Fan von roter Bete, aber das hier hat mir wirklich sehr, sehr gut geschmeckt. Wobei man aber auch sagen muss, dass die rote Bete in ihrer ursprünglichen Form gar nicht auftauchten, sondern nur als konzentrierter Saft im Gelee und in den Graupen, die in rote Bete-Sud gekocht waren. Das war die Vermählung von Erde (erdige Aromen der rote Bete) und Meer (ein perfekt gegarter Kabeljau).

    Leider fehlte in dem Menü eine Suppe. Ich gebe zu, wenn jemand das Saucen- und Suppenhandwerk so gut beherrscht wie Steinheuer, dann esse ich gerne auch eine Suppe; es kann da oft eine tolle Geschmacksaromen und –vielfalt entstehen. Aber, es gab keine, also ging es direkt nahtlos zum Hauptgang über.

    Da hatten wir Ochsenfilet mit einer grünen Meerrettichkruste, Kalbsschwanz, Sellerie und Mark-Cotta. Das Ochsenfilet war - ja - muss man es überhaupt erwähnen, perfekt vom Gargrad und Produktqualität. Der Sellerie wurde gereicht als falsche Klößchen vom Sellerie. Da war irgendetwas von Molekularküche mit im Spiel, irgendwelche Zauberchemie. Es schmeckte aber (wieso „aber“?, moderne Techniken sollen ja nur den Geschmack voranbringen – also, das „aber“ streichen) sehr lecker und es war eigentlich sehr organisch und hätte man es auf der Seite "Klassiker-Menü" serviert bekommen, wäre es auch nicht weiter aufgefallen, weil einfach der Geschmack, und das ist letztendlich das Entscheidende, doch sehr gelungen war.
    Im "Klassiker-Menü" ging es weiter mit Hirschrücken mit Pimentjus und Herbstfrüchten, das waren einerseits Rübchen und Herbsttrompeten. Auch etwas aufwändiger dargereicht und wir attestieren, dass sich Steinheuer weiterentwickelt hat. Waren die letzten zwei Jahre doch geprägt durch eher belanglose, ansatzweise langweilige Hauptgerichte, muss man sagen, dass jetzt doch die Hauptgerichte zu überzeugen wussten. Irgendwie hatte das was, da war so ein Aha-Effekt dabei.

    Im Menü "Saisonale Innovation" gab es dann einen vorbestimmten Käsegang: Vacherin Mont d'Or mit geschmortem Kürbis und warmer Belena (das ist eine Kartoffelsorte). Das war mit Sicherheit der schwächste Gang im gesamten Menü. Die Kartoffel, zwar wohlschmeckend, überbacken, gratiniert mit dem Vacherin Mont d'Or, der natürlich von erster Güte war. Aber irgendwie dann doch recht langweilig. Es erinnerte so ein bisschen an das Raclette zu Hause. Dazu der geschmorte Kürbis, der fein ausgearbeitet in den Aromen rüberkam. Aber der angebliche Star auf dem Teller, der Vacherin Mont d'Or, na ja, also mit Sicherheit nicht zwei Sterne wert. Ganz nett zu essen, aber absolut entbehrlich.
    Wohl dem, der dann doch auf den Rohmilchkäse vom Wagen zurückgegriffen hatte, der eh Bestandteil des "Klassiker-Menüs" war. Aber natürlich konnte man den Käsegang als solchen auch gegen den Rohmilchkäse vom Wagen tauschen und ja, hier konnte man wieder schwelgen in den diversen gereiften Rohmilch-Käsen. Die Auswahl ist riesig, die Erklärung war sehr gut.

    Als Prédessert gab es eine Punschpraline mit Clementinen und Kardamoncrème. Der Service empfahl uns die Punschpraline wie ein Frühstücksei zu köpfen und mit dem Löffel zu zerstören. Der Inhalt würde sich dann über das Ganze ergießen. So geschah es dann auch und ich muss sagen, wäre das schon dies das Hauptdessert gewesen, wir hätten uns nicht beschwert. Die Bitternis der Clementinen, der kräftige Punsch aus der Praline mit der feinen Kardamoncrème, einfach herrlich. Zu bemängeln gab es höchstens die Hülle dieser Punschpraline, die nicht so wahnsinnig spannend war, aber sei es drum. Ein sehr gelungenes Prédessert. Da wurde wirklich mit Sinn und Verstand gearbeitet, das war schon ein kleines, vollwertiges Dessert und keine Pflichtübung. Wunderbar.

    Das Hauptdessert war dann Ananas und Kokos mit Madagaskar-Vanille, Passionsfrucht und Granatapfel. Obwohl unter dem Titel "Innovation" doch mittlerweile fast relativ klassisch mit so Dingen wie Carpaccio, Cannelloni und Sorbet bzw. Eis. Alles sehr, sehr lecker und wunderbar aufeinander abgestimmt. Wirklich hervorragend.
    Im "Klassiker-Menü" gab es einen Campari-Schokoladenzylinder gefüllt mit Zimtcrème und Gewürzkirscheis. Das sah sehr, sehr schön aus. Es war nämlich ein roter Samt-Schokozylinder, den man aufklopfen musste, um an die diversen Crèmes und Eisvarianten zu kommen. Auf dem Teller selber war sonst eigentlich nicht viel los. Es gab noch zwei oder drei Amarenakirschen und ein paar kunstvoll angebrachte Klecks von Kirschjus. Das war sehr lecker. Es sah auch optisch toll aus. Eine Frage stellte sich uns allerdings, ob es einen Grund zu bemängeln gäbe und der Grund wäre eventuell, dass dieser Nachtisch absolut identisch, aber auch wirklich absolut identisch, sowohl von Füllung als auch Darreichungsform, letzes Jahr im "Saisonalen Menü" auftauchte und da ist natürlich die Frage, kann(darf) sich ein Koch so etwas leisten, ist Stillstand Rückschritt? Das möge jeder selber für sich bewerten. Geschmeckt hat es auf jeden Fall sehr, sehr gut und es ist ja vielleicht auch eine Leistung, innerhalb eines Jahres aus der "Saisonalen Innovation" einen "Klassiker" zu machen.

    Sodann zogen wir um in die Raucher-Lounge. Das ist die ehemalige Kegelbahn und sie ist einfach fantastisch umgebaut. Es sind zwar bei uns hauptsächlich Nichtraucher unterwegs, aber diese Lounge kann man sich einfach nicht entgehen lassen. Man kann wunderbar in den Garten blicken. Teilweise ist dieser lange Schlauch der Kegelbahn zum Garten hin verglast worden und wir konnten aus den behaglichen Sesseln hinaus in den verschneiten Garten schauen – ja sowas rundet das Gesamterlebnis ab.
    Auf der Frontseite eine riesige Bibliothek mit allen möglichen Kochbüchern. Natürlich den ganzen berühmten großen Sachen, die man vielleicht so haben muss und die auch recht teuren Bildbänder, sei es El Bulli oder Ducasse, dann aber auch ein Tim-Mälzer-Kochbuch oder ein Kochbuch von Max Inzinger, also wirklich alles, was das Herz begehrt. Jede Menge Bände, vermutlich alle, der wunderbaren Zeitschrift - sagt man dazu noch Zeitschrift ? - Gourmet. Wir waren zum Mittag gekommen und in dieser Bibliothek könnte man auch wirklich noch den ganzen Abend verbringen und erst dann seinen Platz räumen, wenn die Abendgäste für ihre Zigarre oder Degistif aus dem Hauptrestaurant dann auch die Lounge für sich beanspruchen. Eine sehr, sehr gelungene Raucher-Lounge und die zudem hervorragend entlüftet oder belüftet ist. Obwohl sowohl Zigarre als auch Pfeife geraucht wurde, waren Gerüche in unserer Kleidung nicht feststellbar. Das war wirklich sehr angenehm und nicht tragisch. Nicht vergleichbar mit einem Kneipenbesuch oder was man aus den „guten, alten Zeiten“ noch kennt. Frau Steinheuer berichtete uns allerdings von Beschwerden seitens einiger Nichtraucher die ernsthaft diesen aufwändigen Umbau bemängelten („nur für die Raucher….“) – versteh einer die Welt. Meine Empfehlung: mittags essen gehen und auch als Nichtraucher in die Lounge wechseln sobald sich die Gelegenheit bietet.

    Zu Zigarre und Pfeife gab es noch Petit Fours. Auf einem rechteckigen Teller gereicht, und zwar unter dem Titel "Cognac, Brandy, Whisky". Da gab es diverse Kleinigkeiten, die das Thema entsprechend aufnahmen und entsprechend abrundeten. Mit Sicherheit auch eine gute Gelegenheit, sich aus der Digestif-Karte zu bedienen und da vielleicht die ein oder andere Geschmacksübereinstimmung zu erschmecken.

    Kommen wir zum Thema "Was gab es zu trinken?": Die letzten beiden Jahre war ich mit den ausgewählten Weinen bei der Weinbegleitung nicht wirklich zufrieden. Das war zwar alles trinkbar, passte aber mehr so la, la und war ohne besondere Aha-Effekte; die ich hier durchaus auch schon mal erlebt hatte. Insofern war ich vor diesem Besuch durchaus am überlegen, ob ich vielleicht mittlerweile zu versnobt bin, zu eigenwillig und vielleicht doch einmal auf Flaschenweine gehe und mich durch die Karte stöbere, die ja auch frisch ausgezeichnet ist. In Gesprächen mit meiner Frau empfahl sie, dem Sommelier noch eine letzte Chance zu geben und dieses Jahr vielleicht doch noch einmal die Weinbegleitung zu nehmen. Gut, als folgsamer Ehemann: gesagt, getan. Nein: gehört, getan. Und ich muss sagen, gut, dass ich auf meine Frau gehört habe. Es war diesmal wirklich lohnenswert, wobei ich nicht weiß, ob vielleicht sogar der Sommelier im Hause Steinheuer gewechselt hat, weil nicht - wie üblich - Herr Ritter im schwarzen Anzug herumsprang, sondern ein neuer, junger Mitarbeiter, der die Weine kredenzte, erklärte und sie auch sehr, sehr gut ausgesucht hatte. Ich möchte jetzt auf keine großen Einzelheiten eingehen, aber das passte oft perfekt und ergab wirklich oft auch neue Geschmackserlebnisse im Zusammenspiel Wein und Essen.

    Dann natürlich noch das obligatorische Wort zum Service: Auch hier würde ich sagen, eine Steigerung gegenüber den letzten zwei Jahren. Sehr freundlich, aufmerksam, aber auch mit der nötigen Lockerheit versehen, nie aufdringlich. Wir waren zwar die einzigen Gäste im Lokal, aber dass wir die einzigen oder einige von wenigen Gästen sind, ist für uns nicht so ungewöhnlich und gerade, wenn weniger Gäste im Lokal sind, ist der Service manchmal etwas weniger konzentriert, als bei vollem Hause. Also insofern uneingeschränktes Lob, vorbildlich, sehr gut.

    Als Fazit bleibt zu ziehen, dass es ein sehr gelungener ausgedehnter Mittag war. Wir registrierten durchweg eine Steigerung gegenüber dem letzten Jahr, es gab vielleicht den einen oder anderen kleinen Miniausreißer nach unten; was der Käsegang zum Beispiel sollte, erschließt sich mir bis heute nicht wirklich. Die Bewertung in Form von Sternen und Punkten überlasse ich gerne anderen, da fehlen wir sowohl Frequenz als auch Breite.
    Aus unserer Sicht auf jeden Fall einen Besuch wert, wir haben es nicht bereut.

    Gruß
    fluenz

  • #2
    Ein extrem ausführlicher Bericht, aber prima zu lesen. Dankeschön.

    Gefallen hat mir der Satz:
    Das ist einfach genial. Klassik kann auch wunderbar schmecken.
    Das ist auch meine Meinung.
    Denn Klassik hat nichts mit Langweile zu tun.
    Innovation macht mir dann keinen Spaß mehr, wenn ich mit Bedienungsanleitung essen muss und wenn ich mir wie im Spielezimmer vorkomme.

    Wobei ich beide Menüs klar als ehr klassisch im besten Sinne einstufen würde.


    Gruß!

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    • #3
      Dankeschön für den Bericht, zwar etwas lang, aber für jeden Fan der Topgastronomie ein must have read. Kann mich nicht erinnern, zu Steinheuer schon mal so intensiv gelesen zu haben. Dies macht Lust auf einen zweiten Besuch, nachdem unser erster Besuch in 2008 uns nicht so sehr überzeugte.

      KG
      Chess

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      • #4
        @ fluenz ,
        auch von mir vielen dank für ihren bericht,da sehr interessant geschrieben .
        ich war selbst noch nicht dort,weil ich bisher andere vorgezogen habe .aber ich werde wohl dieses jahr mal hinfahren.
        sehr schön mal ein bericht über diese haus zu lesen was bisher im forum nicht so häufig besprochen wurde.
        kg knurrhahn

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        • #5
          Vielen Dank für Ihren Bericht (wobei mich noch interessiert hätte, welche Weine Ihnen serviert wurden). Steinheuer gehört für mich zu den echten "Wohlfühl-Adressen" und, nebenbei bemerkt, auch zu den wirklich geschmackvoll eingerichteten Häusern. Seine Küche hat für mich stets eine, bei allem klassischen Eindruck, besondere Raffinesse, die sich oft erst auf den zweiten Blick, den zweiten Biss erschließt. Und ich glaube auch, dass kaum jemand so aufwändig kocht wie Steinheuer.
          Jedoch: Obwohl ich davon ausgehe, dass die Raucherlounge sehr überzeugend gestaltet wurde, käme ich in der Tat nicht auf die Idee, mich dort niederzulassen, gute Be- und Entlüftung hin oder her.

          Beste Grüße,
          Q.

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          • #6
            Guten Morgen!

            Ohne inhaltlich etwas zu Steinheuer beitragen zu können, da wir bislang nicht dort waren, finde ich es interessant, wie sehr die Kommentare hier von den "Urteilen" in den "Gästekritiken" (Punkten) abweichen. Das wirft für mich schon ein paar Fragen auf, die man wohl nur beantworten kann, wenn man selbst dort gewesen ist.

            Eigentlich wäre ein neuer Thread fällig. "Gästekritiken - eine Zwischenbilanz". Aber ich glaube, ich mag ihn gerade nicht aufmachen.

            Schönen Gruß
            Morchel

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            • #7
              Ich kann nur Gutes über meinen eigenen Besuch im Steinheuers Restaurant berichten, der aber schon über ein Jahr her ist.

              In Erinnerung geblieben sind:

              - der Mut, auch Zutaten zu verwenden, die nicht "Everybody's Darling" sind. So gab es z.B. ein Entenherz als Teil eines Amuse Bouche (köstlich) und jede Menge verschiedener Schweine-Innereien als Teil eines Gerichts, dass sich meiner Erinnerung nach "Schweinerei" oder "Ferkelei" oder so ähnlich nannte. Im Gesamtkontext des Tellers, der noch mit etwas geschmorter Schweineschulter und einem Mini-Filet-Stück sowie köstlichem Kürbis und anderem Herbstgemüse gefüllt war, fällt so ein Gericht für mich in die Kategorie "Autoren-Küche".

              - eine tolle Abwandlung des Witzigmann-Klassikers "Ei, Spinat, Trüffel", hier als Spinat-Savarin mit rohem Babyspinat, Eigelb und Alba-Trüffel. Grandios!

              - die Erkenntnis, dass Rebhühner in der Jugend rote Füße haben

              - ein sensationeller Eifeler Ziegenkäse, dessen Name ich als "Ziegenkrotzer" in Erinnerung habe, der aber mglw. anders heißt

              - eine tolle Weinbegleitung mit u.a. einem extrem kräftigen 2000 Spätburgunder SJ von Johner und einem sehr viel eleganteren 2006 B 52 vom Weingut Nelles

              - ein makelloser und extrem professioneller, wenn auch hier und da etwas steifer Service und

              - die unbedingte Lust, noch einmal hinzugehen.

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              • #8
                Um nicht im ersten Überschwang der Gefühle (positiv oder negativ) über das Ziel hinauszuschießen, schreibe ich Berichte gerne immer mit etwas Abstand. Für mich ist es gegenüber mir selber ehrlicher, etwas zu warten – was bleibt wirklich von einem Besuch. Leider raffe ich mich dann oft nicht mehr auf etwas zu schreiben

                Normalerweise ist Steinheuer in eine Familien-Veranstaltung im Winter.
                Aber ein Freund lag mir schon länger in den Ohren, er wolle da mal unbedingt hin.
                Nun gut, ich habe ein weiches Herz – und wer weiß, evtl. bekomme ich ja die Stunden auf meine Zeit im Fegefeuer angerechnet.
                Meine Bedingungen zur Einwilligung waren: im Sommer und mittags.
                Und so kam es, dass wir an einem sehr warmen August-Mittag (ja, gab es in 2011) ein paar sehr schöne Stunden verbringen durften (damit wohl keine Anrechnung aufs Fegefeuer)

                Die Speisekarte war aktuell im Internet hinterlegt ( http://www.steinheuers.de/speisekarte_restaurant.php ), was ich als sehr positiv empfinde (und außerdem mir etwas die Schreibarbeit erleichtert – so konnte ich die Gerichte in diesen Bericht reinkopieren).


                Kleine Appetizer zum Apéritif:
                Bigorneaux (Schnecken) mit Anis-Karottenpürée (sehr schöne Kombi und der eindeutige Sieger unter den Appetizern)
                Geeistes Austernsüppchen mit grünem Apfel und Austernblatt (werde wohl in diesem Leben kein großer Austernfreund mehr – hat durchaus geschmeckt, war auch gut gemacht, aber ich scheine Austern wohl nicht zu brauchen)
                Stubenkükenroulade mit Curry-Quinoa (fiel in die Kategorie „nett, aber entbehrlich“)

                Hier muss jetzt der Einschub zum Sommelier kommen. Wir einigten uns auf einen Einstieg mit einer Flasche trockenem Riesling und umschwenken auf glasweise Weinbegleitung, wann immer angezeigt. Da wir offen beim Riesling-Stil waren, empfahl er uns einen 2010’er Forster Ungeheuer/von Winning mit den Worten: „Jung, aber leider lecker“ – so war es. Er (der Wein) trug uns hervorragend durch die ersten Gänge.

                Amuse gueule:Saibling mit Blumenkohl, Wildkräutern, Pumpernickel und Ei
                Es gab 3 Variationen, die uns sehr gut gefallen haben. Besonders hervorzuheben: der gebratene Blumenkohl und eine Art Sandwich mit einer Blumenkohl-Ei-Mousse und hauchdünnen (wirklich hauchdünn) knusprigen Scheiben vom Pumpernickel. Etwas zwiespältig für mich, die Zugabe von gepoppten und vergoldetem Amaranth. Klar entsteht auf diese Art ein Knuspereffekt, aber irgendwie auch der Eindruck „ich habe es nicht geschafft es ins Gericht einzubauen, daher extra“. Hört sich jetzt vielleicht etwas übertrieben negativ an und es war ja auch das Amuse gueule.
                ***
                Gänseleber in gelierter Consommée mit tasmanischem Pfeffer und mariniertem Sellerie
                Ein Paukenschlag gleich zum Beginn. In einer kleinen Pasta-Bowl lag ein Zylinder Gänseleber bedeckt mit zwei kleinen Pilzen(die ich jetzt leider nicht mehr benennen kann), diese wurde aufgegossen mit einer leicht gelierten Färsen-Consommée. Auf einem separaten Teller 4 Tupfen Gänselebermouse, zwei davon unterlegt mit einem Selleriewürfel, ein paar Pilze und als Verbindung die Consommée als Spaghetti. Die obligatorische Brioche kam in einer leicht anstößigen Form hinzu.
                Ein ganz „einfacher“ Gang, der von der Kombi aus Salz und Schmelz lebte und doch so viel Geschmack bot, explodierend aber auch leise. Perfekt wurde der Genuss durch den dazu gereichten trockenen Amontillado Sherry der Bodegas Lustau. Dieses Gericht (incl Sherry – wichtig) hat mich tief berührt, ich werde es vor meinem geistigem Auge mühelos auch noch in 5 Jahren auferstehen lassen können.
                Steinheuer gilt ja als Vertreter der eher klassischen Küche (was man direkt merkt, wenn man das Lokal betritt, denn es heißt Steinheuers und nicht Steinheuer’s), aber das ist Klassik in modernem Gewand.
                *
                Rotbarbe mit Schuppen auf Tomaten und Poweraden
                Die Rotbarbe war so gebraten, dass sich die Schuppen aufstellten, sehr kross, der Fisch aber durchaus noch glasig war. Angegossen ein schmackhafter Tomatensud und angelegt Tomatenfleisch (mit Kernen), also das Innenleben der Tomate. Ein herrlich frischer Gang und irgendwie so gar nicht wirklich klassisch.

                Steinbutt mit Kohlrabi, Pfifferlingen und Barolo Essig
                Konnte ich kurz bei meinem Mitesser probieren, für mich am besten die Kohlrabi (am Stück und als Püree), schöner Gesamtakkord aus Erde und Frische.
                Ich selber hatte aus dem zweiten Menü eingetauscht
                St. Pierre auf geschmortem Kopfsalat mit Pulpo und Kapern
                Ein lebendiger Gang, der von einer besonderen Sauce zusammengehalten wurde. Der Kochsud des Pulpo wurde reduziert und unter Zugabe von Ei zu einer Hollandaise aufgeschlagen (ohne Butter). Toller Akkord aus Bitternis und Süße.

                Kalbsbries mit Krebsen, Erbsenschoten und Koriander-Cotta
                Ein Klassiker, modern angerichtet, also weit über den Teller verstreut, kleinteilig aufbereitet. Im Geschmack aber die klassische tolle Kombi aus Kalbsbries, Erbsen und Krebsen – aufgefrischt mit Koriander. Hierzu musste ein opulenterer Wein her, der Schieferterrassen 2009 von Heymann-Löwenstein – tolle Paarung.
                *
                Eifler Rehbockrücken mit Gewürz-Brioche, Spitzkohl und Preiselbeergelée
                Kurz anprobiert, der Spitzkohl sehr aufwendig als mille feuille geschichtet. Wie heißt das Buch von Steinheuer: Harmonie der Aromen, hier auf dem Teller zu erleben
                Ich ging fremd mit einer Vorspeise aus dem anderen Menü
                Bellota Schweineschulter auf Holzkohle gegart mit BBQ-Aromen
                Perfektes Fleisch, dazu Gemüse und Kartoffelpüree mit Raucharomen. Nicht gefallen hat mir die BBQ-Sauce, klar sie war schon gut, aber sie erinnerte mich doch zu stark an fertige Saucen aus der Plastikflasche. Nicht falsch verstehen, die Sauce war schon selbst hergestellt, aber für mich zu nahe am „Original“. Insgesamt war mir der Gang zu einseitig in Richtung BBQ, als Vorspeise durchaus o.k., aber der Eintausch als Hauptgang war nicht die richtige Entscheidung.
                Die Weine, 2006 Spätburgunder B52 (Magnum), Weingut Nelles/Ahr zum Reh und 2005 Ardosino, Quinta de Cavalhosa/Portugal zur Schweineschulter, konnten uns nicht so recht überzeugen, vor allem der Spätburgunder - da habe ich aus 2006 von der Ahr doch schon erheblich spannendere Sachen getrunken (auch aktuell). Die Magnum war ziemlich am Boden angekommen (das letzte Glas), vielleicht dies ein Grund und ich tue dem Wein Unrecht. Der nachgereichte 2005 Bricco dell’Ucellon, G. Bolagna/Piemont gefiel uns besser – auch zu beiden Essen.
                *
                Rohmilchkäse vom Wagen
                Irgendwann werde ich es mal machen: einfach nur zum Käse essen einkehren, eigentlich zu schade, so zwischen Hauptgang und Nachtisch.
                Besonders genial die Weinbegleitung (leider ohne Namen): zum Schimmelkäse ein süßer Sherry und zu den Hartkäsen ein knochentrockener, absolut fruchtfreier Chardonnay aus Frankreich (wie sagte der Sommelier so schön: ist nichts für auf’s Sofa).
                *
                Pré-Dessert: Limetten-Champagner Cocktail

                War genau so erfrischend wie es sich anhört – auf peta zeta in einer Schicht hätte ich gut verzichten können. Auf so billige Taschenspielertricks könnte man meiner Meinung nach generell gut verzichten (zumindest im Sternebereich).
                *
                Pfirsich auf Grué de Cacao gegart mit geliertem Muscovado, Jiavara Schokolade und gesalzenem Erdnusseis
                Jetzt rd. 3 Monate später ist davon nur noch das salzige Erdnusseis übrig – aber das so richtig. Ich weiß noch, dass ich auch am Tag selber so richtig begeistert nicht war, weil sich für mich keine Verbindung zwischen den einzelnen (schon wohlschmeckenden) Elementen aufbauen wollte.
                Es gab einen Moscato d’Asti dazu – gute Ergänzung.
                ***
                Pâtisserie: Schwarzwälder Kirsch mit Financier und Bonbon
                Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon in die Raucherlounge gewechselt (ohne zu Rauchen) und genossen unseren Kaffee, hielten noch ein Schwätzchen mit dem Sommelier, ließen den Mittag Revue passieren und schenkten daher vielleicht nicht mehr ganz die nötige Aufmerksamkeit den dargebotenen Kleinigkeiten.
                Fazit:
                Steinheuer im Sommer ist belebend und erfrischend und auf keinen Fall „zu“ klassisch. Der Sommelier hatte perfekte Kombis im Angebot und hat uns sehr charmant durch den Tag begleitet. Bin gespannt auf das obligatorische Winteressen und hoffe auf ähnlich bleibende Eindrücke.

                Gruß
                fluenz

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                • #9
                  Allerbesten Dank für Ihren - nun ja doch noch erfolgten - Bericht, werter fluenz! Die Schilderungen machen mir zudem einigen Appetit. Und auch Ihre Kritik an der BBQ-Sauce als zu nah an der Fertigversion leuchtet mir ein: was man im Restaurant schmeckt, hängt ja nicht zuletzt davon ab, welche Assoziationen man schon mitbringt... gilt übrigens auch für:

                  Zitat von fluenz Beitrag anzeigen
                  Die obligatorische Brioche kam in einer leicht anstößigen Form hinzu.


                  Grüße, Mohnkalb

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                  • #10
                    Vielen Dank für den sehr interessanten und lesenswerten Bericht. Auch mir machen die Schilderungen Appetit. Könnten Sie noch kurz etwas zur Preisgestaltung bei Steinheuer schreiben?

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                    • #11
                      Die Preise bzgl. Essen finden Sie beim Menü unter http://www.steinheuers.de/speisekarte_restaurant.php
                      Die Weinbegleitung beläuft sich auf 10 Euro pro Glas.

                      Gruß
                      fluenz

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                      • #12
                        Einleitung
                        Vor kurzem besuchten wir Steinheuers „Zur Post“ in Bad Neuenahr. Das Restaurant ist in einem klassisch zeitlosen Stil eingerichtet, besitzt aber eine recht niedrige Decke, die am Ende des Abends besonders auf meine Begleitung ein wenig bedrückend wirkte. Der Service unter Frau Steinheuer agierte diskret und freundlich, war aber in Bezug auf unseren Tisch gelegentlich ein wenig unaufmerksam. Bei der Weinauswahl vertrauten wir uns dem Sommelier an, der uns sehr freundlich beriet und einen „2010 Riesling Forster Ungeheuer/von Winning“ empfahl, welcher unseren Geschmack gut traf.

                        Preislich lag das Menü mit 6 Gängen bei 149 € . Der Winzersekt zum Aperitif wurde mit 13 € berechnet, die Flasche Wasser mit 8,50 € und die Tasse Kaffee mit 4 € . Die Flasche Riesling kostete 49 € , das Glas Rotwein zum Hauptgang 18 € .

                        Das Menü
                        Wir entschieden uns für das saisonale Menü in 6 Gängen. Zusätzlich wurde eine sehr leckere Brotauswahl mit gesalzener Butter aus der Normandie gereicht.

                        Kleine Appetizer zum Aperitif

                        Hier präsentierte die Küche mit Sot l‘y laisse auf Maisbramata mit Krusteln, Maldon Austern mit Sellerie und Perlen und Kaninchenfilet mit Traubensenf drei sehr leckere Einstimmungen auf das Menü. Besonders gefiel uns die Kombination von Kaninchen und Traubensenf.

                        Räucheraal und Hecht vom Laacher See mit eingelegten Feldfrüchten (Gruß aus der Küche)

                        Der Hecht war dünn aufgeschnitten und hatte einen sehr feinen Geschmack. Auf dem Fisch waren dann verschiedene Gemüse angerichtet, die dem ganzen eine süßliche Komponente gaben.

                        Kalbskopf mit mariniertem Filet und geliertem Röstzwiebelsud

                        Der Kalbskopf, der hier zusätzlich auch als Tartar präsentiert wurde, hatte einen würzigen, cremigen Geschmack und wurde durch das knackige Gemüse und den Röstzwiebelsud passend ergänzt. Wunderbar, was die Küche hier aus einem Produkt wie Kalbskopf gezaubert hat.

                        Jakobsmuschel auf mariniertem Thunfisch mit glacierten Wintersalaten


                        Die Kombination aus Jacobsmuscheln, Thunfisch und Pulpo gefiel uns prinzipiell sehr gut. Auch die Sauce war gut abgeschmeckt. Leider war der Thunfisch durchgebraten und der Pulpo ein wenig zäh, was dafür sorgte, dass uns dieser Gang nicht vollends überzeugen wollte.

                        Wolfsbarsch mit Sesamgnocchi, Misosud, Buchenpilzen und Tapioka

                        Der Fisch war wunderbar glasig gebraten und passte wunderbar zu den Sesamaromen und dem hervorragend abgeschmeckten Misosud.

                        Carabiniero mit Alge, Curry und Seeigel

                        Die Garnele war perfekt gebraten und wurde durch die aromatische Sauce und die eher salzigen Algen harmonisch ergänzt. Durch die Currynudel bekam das Gericht zusätzlich noch ein knuspriges Element.

                        Entenbrust mit knuspriger Keule, Portweinkraut, Rosenkohl und Maronenknödel

                        Die Ente wurde einmal rosa gebraten und an der Keule geschmort serviert. Hervorragend schmeckte auch der Maronenknödel. Insgesamt war dieser Hauptgang geschmacklich wirklich gut, war aber natürlich sehr klassisch in der Komposition.

                        Quittenmeringue mit Schmorapfelsorbet und Muscovadostreusel (Pré-Dessert)


                        Das Vordessert war wirklich hervorragend. Die Kombination aus cremiger Meringue mit flüssiger Füllung, erfrischendem Sorbet und knusprigen Streuseln erzeugte ein perfekt rundes Geschmacksbild.

                        Schokoladenomelette mit Gewürzstollenparfait und Zimtblütenbirne

                        Das Omelette hatte eine luftige Konsistenz und besaß einen kräftigen Schokoladengeschmack. Ergänzt wurde das Gericht durch das cremige Parfait und den fruchtigen Geschmack der Birnenscheiben.

                        Griottines, Ginger, Angelika (Petits-fours)


                        Die Pralinen waren allesamt sehr lecker. Einzig der kandierte Ingwer traf unseren Geschmack nicht.

                        Fazit
                        Wir verlebten in Heppingen einen wunderbaren Abend mit einer klassischen Küche auf hohem Niveau. Alle Gänge waren qualitativ sehr gut und boten bis auf den Thunfisch keinen Anlass für konkrete Kritik. Subjektiv erschien uns die Küche an diesem Abend teilweise aber etwas weniger raffiniert und ausgefeilt, als man dies vielleicht von manch anderem Spitzenrestaurant in Deutschland gewohnt ist. Wir können einen Besuch bei Herrn Steinheuer auf jeden Fall empfehlen. Die zwei Sterne sind sicherlich gerechtfertigt und das Restaurant ist auf jeden Fall einen Umweg wert.
                        Zuletzt geändert von MichaelStromberg; 09.02.2012, 11:32. Grund: Finster Ungeheuer entzaubert

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                        • #13
                          Vielen Dank für Fotos und Text - und das kleine Amusement, dass sich aufgrund des Vertippers

                          Zitat von MichaelStromberg Beitrag anzeigen
                          Finster Ungeheuer
                          ergibt. Weiter so!

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                          • #14
                            Auch von meiner Seite vielen Dank. Aufgrund der Bilder wirkt das Ganze auf mich sehr "soßig", die Ente braucht ja schon beinahe Schwimmflügel.

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                            • #15
                              .
                              Zitat von Morchel Beitrag anzeigen
                              Schwimmflügel.
                              Wieso denn das? Sie thront doch auf einem Schlauchboot aus Portweinkraut. :hungry:

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