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L.A. Jordan *, Deidesheim

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  • #46
    Lieber brigante,

    Ihre Aussage zur Hammerschmiede stimmt nicht ganz. Markus Nagy war dort bis vor etwa 10 Jahren lange Jahre erfolgreich und hatte sich dann im Löwen wiederum recht erfolgreich selbstständig gemacht. Danach allerdings ging es in der Küchenleitung der Villa in der Tat "drunter und drüber". Ich habe inzwischen aufgehört, mitzuzählen.

    Krause war zuvor ja in der Oberländer Weinstube, die unlängst leider schloss. Seine Zeit dort war ebenfalls nicht all zu lange, ich denke als Nachfolger von Sören Anders etwa ein gutes Jahr. Ob er dort ging, weil die Weinstube schloss oder die Weinstube zumindest u.a. auch deshalb schloss, weil Krause gehen wollte oder sollte und der sicher auch nicht immer ganz einfache Patron Rindersbacher für die letzten Jahre nicht nochmals auf die Suche nach einem neuen Chef gehen wollte, ist mir leider nicht bekannt.

    KG
    Besseresser
    Zuletzt geändert von besseresser; 21.12.2013, 11:39.

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    • #47
      Werte Frau HM,
      danke für Ihre durchaus interessanten Berichte aus den bayerischen und angrenzenden Landen - da Sie wahrscheinlich über Insiderwissen verfügen, was waren denn die Konflikte konkret vor denen der Schimkowitsch floh?

      Und Herr Spherico: das Essen vom Schimkowitsch war herrlich und schmeckte uns - wir waren auch nicht in Gefahr...
      Herr Sternentor

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      • #48
        Zitat von sternentor Beitrag anzeigen
        Werte Frau HM,
        danke für Ihre durchaus interessanten Berichte aus den bayerischen und angrenzenden Landen - da Sie wahrscheinlich über Insiderwissen verfügen, was waren denn die Konflikte konkret vor denen der Schimkowitsch floh?

        Und Herr Spherico: das Essen vom Schimkowitsch war herrlich und schmeckte uns - wir waren auch nicht in Gefahr...
        Herr Sternentor
        Hier auch ein bescheidenes Wort meinerseits: Soweit man in München aus durchaus verlässlichen Quellen hört, war es bei Schimkowitsch nicht ein einmaliger oder gar 'erster' Konflikt, der zum Verlassen des "Tramin" führte. Auch habe ich seine Küche zumindest in der Endphase seiner Münchner Zeit auf sehr klarem *-Niveau erlebt. Herrn Krause hingegen kenne ich nur aus seiner Zeit in der Oberländer Weinstube, wo ich die 17 GM-Punkte äußerst gutmeindend empfand. Mag zugegeben sein, dass er im Freudstück andere Möglichkeiten hatte... Wünschen wir doch daher beiden Köchen an ihren neuen Wirkungsstätten einfach die Möglichkeit, ihr sicher vorhandenes Potential voll auszuschöpfen.

        Salomonische Grüße
        m.

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        • #49
          Hier im Südwesten, der „Toskana Deutschlands“, will es dieses Jahr ja gar nicht richtig Winter werden. Dafür peitscht heute bei ungemütlichen 6 °C der Regen übers Land und selbst ein Pfälzer Vorzeige-Weindorf wie Deidesheim hat heute Mittag so gar nichts Einladendes an sich. Ich kurve durch die engen Gassen, finde den Parkplatz des Ketschauer Hofs zum Glück auf Anhieb. Schnellen Schritts gelange ich zum Areal des Landhotels, hinter den gelben Sandsteinmauern öffnet sich der weite Innenhof, den ich ebenso schnell überquere um zum Eingang des Restaurants zu kommen. Bei schönem Wetter, wenn die Sonne scheint und alles grün ist, muss es ein wahrhaft idyllischer Platz sein. Heute will ich nur schnell ins Trockene.

          Und dann kommt man an. Wärme empfängt und umhüllt einen, die sehr ansprechend gestalteten Gasträume strahlen mit ihrer klaren Formensprache ein helles, modernes Ambiente aus, das zugleich Wärme und Gastlichkeit signalisiert. Ich fühle mich auf Anhieb wohl, der freundliche Empfang durch den Service tut sein Übriges. Ich bin gespannt auf die Küche Daniel Schimkowitschs. Es ist mein erster Besuch im Freundstück, Vergleiche zu seinen Vorgängern kann ich daher keine ziehen.

          Es beginnt mit einem alkoholfreien Fruchtcocktail (Ananas, Granatapfel, Pfirsich), dazu werden hausgemachte Gemüsechips sowie selbst gebrannte Nüsse gereicht. Eine schöne Idee und ein verheißungsvoller Auftakt. Dann das Amuse, eine recht üppiger „Gruß aus Bayern an die Pfalz“ wie der Service meinte (das Wittelsbacher-Jahr wirkt noch nach, oder Reminiszenz des Kochs an seine vorherige Station…?!): Sauerkrautravioli mit Senf-Espuma und Blutwurst. Der Senf ist recht dominant, aber schärft die Sinne für die nächsten Gänge – ich habe mich für das Vier-Gang-Menü entschieden, begleitet von einer halben Flasche 2011er „Auf der Mauer“. Die große Auswahl an halben Flaschen (und nicht nur restsüße TBA etc.) ist mir bei der insgesamt imposanten Weinkarte (kenntnisreich und international breit aufgestellt, die Pfalz natürlich im Vordergrund, mit mehreren Vertikalen von Großen Gewächsen der VdP-Güter) sehr positiv aufgefallen.

          Dann der erste Gang. Eine Langoustine Royal farbenfroh kombiniert mit Avocado, Ponzu, Cocos, Lardo und Pomelo. Optisch unheimlich schön angerichtet, insgesamt ein Spiel der Grüntöne und der Texturen der Produkte. Eine sehr schöne Idee dabei auch das Curry-Eis, das dem gesamten Gericht einen sehr gelungenen Einschlag ins Asiatische gab und gleichzeitig für Frische sorgte. Ich war von dem Auftakt durchaus beeindruckt.

          Es folgt Skrei in einer Beurre Rouge, mit Senfgurken-Nudeln und Quinoa. Interessant vor allem die Senfgurken zum Fisch. Die Beurre Rouge ist sehr würzig abgeschmeckt, aber auch das Gericht wirkt frisch und harmonisch. Asiatische Anklänge sind unverkennbar, aber dezent eingesetzt. Hier weiß jemand sehr genau was er tut und wie er bestimmt Noten zu setzen hat um die gewünschte Gesamtwirkung zu erzielen, so mein Eindruck.

          Jetzt also der Hauptgang, das „verkohlte Rind“ - die Bezeichnung war verlockend genug um mich für dieses Menü zu entscheiden. Auf den Teller kommt dann in der Tat ein äußerich fast schwarzes Stück Fleich, bedeckt mit gehobelten Périgord-Trüffeln. Es handelt sich, so erklärt der Service bereitwillig, um ein intensiv mariniertes Stück US-Ribeye, das im Sous-vide Bad 14 Stunden bei 74 °C gegart. Es wird ohne Salz und Pfeffer gearbeitet, nur die Fleischaromen und die der Marinade auf Teriyaki-Basis. Ein reiner Fleischgang, der Trüffeljus dazu wird am Tisch direkt aufgegossen. „Nur Fleisch – und trotzdem alles dran“ war mein spontaner Kommentar. Wer allerdings Probleme mit sehr üppigen Fleischportionen hat, sollte vielleicht doch einen anderen Hauptgang wählen – auch wenn man dann wirklich etwas verpasst hätte.

          Eine durchaus willkommene Erfrischung stellt das Pre Dessert dar, eine Kombination aus Sauerrahmeis, Staudensellerie und Granny Smith. Auch wieder ein Spiel in diversen Texturen, optisch wie kulinarisch ein Genuss.

          Als Dessert dann eine Schokokugel, innen noch flüssig mit 85% Schokolade Coeur de Guanaja. Dazu passte vor allem das Passionsfruchteis perfekt. Der Ziegenfrischkäse hatte eher eine optische Wirkung, trat am Gaumen nicht wirklich intensiv in Erscheinung. Insgesamt ein schöner Schlusspunkt, ohne noch einmal einen triumphalen Schlussakkord zu setzen.

          Den Abschluss bildeten drei kleine leckere Petit Fours und einen doppelter Espresso.

          Ich habe mich im Freudstück bestens aufgehoben gefühlt, Ambiente, Service und Küche gaben ein sehr stimmiges Bild ab. Man präsentiert sich ambitioniert ohne abgehoben zu sein, die Kreativität der Küche ist klar erkennbar, das Spiel mit Aromen, Gewürzen und Texturen (recht viel Geeistes in diesem Fall) wird für mein Empfinden von Schimkowitsch exzellent beherrscht. Er setzt nicht auf laute vordergründige Töne sondern auf eine klassische, harmonische Gesamtkonzeption, die aber absolut zeitgemäß präsentiert wird. Ich werde sicher wiederkommen und bin gespannt was sich da noch entwickelt – vor allem hoffe ich, dass Herr Schimkowitsch auch bis zu meinem nächsten Besuch bleibt .

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          • #50
            Schön, dass wir hier so schnell nach dem Küchenchef-Wechsel einen Eindruck von der interessant wirkenden Küche bekommen haben. Vielen Dank!

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            • #51
              Oh, da nich für ... War ja zu meinem eigenen Vergnügen, das aber geteilt noch mehr Freude bereitet.

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              • #52
                Patrik Kimpel hat nach knapp einem Jahr als Geschäftsführer des Ketschauer Hofes das Haus verlassen; wegen unterschiedlicher Auffassungen, heißt es. Wenn man allein bedenkt, dass in der Zeit drei Küchenchefs im Freundstück* gekocht haben, kann man sich vorstellen, wie es da hinter den Kulissen gerumpelt hat.

                Jetzt versucht Christian Siegling als neuer Leiter Ruhe in den Laden zu bekommen; er war vorher im Bareiss und in Lerbach.

                Schönen Gruß, Merlan

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                • #53
                  Interessante News - aber eigentlich auch Schade, dass das Freundstück mal wieder "nur" mit Personalnews hier vertreten ist.

                  Es ist sehr zu hoffen, dass jetzt mehr Ruhe einkehrt und sich das Gesamtkonzept weiterentwickeln kann. Wenn Schimkowitsch und Siegling harmonieren, sollten da noch positive Überraschungen möglich sein. Mir hat es jedenfalls bei meinem ersten Besuch schon sehr gut gefallen, deutlich besser als z.B. bei einem anderen Ein-Sterner in der Nähe von Karlsruhe neulich (Bericht folgt dazu auch noch, irgendwann... genz bestimmt).

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                  • #54
                    Ist schon irgendwie merkwürdig, dieser Verschleiss an Personal. Ob das vielleicht auch etwas mit dem überraschenden Ableben des Patrons der Gruppe , Achim Niederberger, im Sommer vergangenen Jahres zu tun hat?

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                    • #55
                      Das Köchekarussel ging ja erst unte Kimpel los. Erst Fischer weg, dann Krause weg...
                      Ähnlich der Service, der sich (angeblich wegen Krauses Ton und Führungsstil) nach dem ersten Kochwechsel auch zum Teil verabschiedete.
                      Als wir in den ersten Tagen von Schimkowitsch dort waren, stand Kimpel in Kochmontur mit in der Küche.
                      Bei der Veranstaltung "Kochkunst und Freunde" kochte...Kimpel.
                      Ja was denn nun, Koch oder Management ?
                      Der Abgang von Herrn Kimpel ist für mich keine Überraschung, wenn ich dies und die Gründe auch nicht bewerten will.

                      Wünsche allen beteiligten das Beste und Herrn Schimkowitsch endlich mal Ruhe und Erfolg,
                      S.

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                      • #56
                        Ich bin mir bei der "Hardware", die dort vorhanden ist, sicher, dass der Erfolg automatisch kommt, wenn Ruhe und Kontinuität einkehrt.

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                        • #57
                          Es war mein vierter Besuch in fünf Jahren im Freundstück. Mit Daniel Schimkowitsch erlebte ich auch die Arbeit des vierten Küchenchefs dort – sicher eine unrühmliche Besonderheit in der deutschen Sternelandschaft.
                          Während ich bei meinem Pfalz-Aufenthalt in Weinstuben und in Restaurants im Bib-Bereich nur gut bis voll ausgelastete Häuser erlebt habe, war es an dem Mittwoch vor dem 3. Oktober im Freundstück eher ruhig. Vier Tische waren belegt. Der eigentlich schönere, kleine Nebenraum mit Blick auf Hof und Küche war gar nicht geöffnet.
                          Der Hauptraum hat leider eine unangenehme Akustik. Eine Runde aus Herren am anderen des Raums sprach keineswegs laut, aber auch nicht im Flüsterton. Wir konnten an unserem Tisch jedes Wort verfolgen. Bei voll besetztem Restaurant kann das dann schon mal in Krach ausarten, denke ich. Vielleicht sollte man an dieser Stelle nochmal gestalterisch Hand anlegen. Bei den Wassergläsern kommen inzwischen jedenfalls besonders schöne Exemplare zum Einsatz...
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                          Aber kommen wir zu den kulinarischen Aspekten: Das Menü begann vielversprechend mit einer Reihe von Amuses, die von typischen Oktoberfest-Gerichten inspiriert waren. Dazu gehörte ein vorzügliches, dekonstruiertes Backhähnchen mit Traubengelée. Der Hähnchengeschmack war sehr intensiv und wurde von einem fruchtig-säuerlichen Element begleitet.

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                          Etwas purer im Geschmack war der Fisch und auch sehr lecker
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                          Mir fehlte ein Hauch Schärfe bei der Obazda-Creme. Die daneben liegenden Mini-Radieschen waren etwas zu laff
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                          Etwas rätselhaft war für mich die Brotscheibe mit einer dünnen Wagyu-Tranche drauf. Nicht, dass der Geschmack nicht passte. Aber um die Qualität des Rinds spürbar zu machen, war eigentlich das Brot zu dick. Wenn beides bewusst gleichberechtigt wirken sollte, dann war es allerdings gelungen.(Entschuldigung, für die etwas wackeligen Bilder, ich war am Anfang noch nichtganz bei der Sache…)
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                          Dann gab es ein ziemlich markant geröstetes Sauerteigbrot-Stückchen mit einer Art Rahm/Buttercreme. Durchaus schmackhaft und intensiv. Weiteres Brot gab es allerdings während des Menüs nicht. Ich habe es aber auch nicht vermisst.
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                          Es folgte ein weiteres Amuse, und zwar Hamachi mit einer götterspeisegrünen Sauce – die allerdings aus Apfel gewonnen wurde. Die Säure des Apfels kombinierte sich hervorragend mit einer kühlen Würze des Staudensellerieeises. Dies zeigte zunächst den grünlichen-frischen Geschmack, im Abgang dann die Schärfe des Staudenselleries. Ein sehr interessante, durchaus vielschichtige Kombination - damit ein sehr gelungener Menüauftakt.
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                          Unabhängig von den oben genannten kleinen Mäkeleien meinerseits, legten die Amuses die Latte ziemlich hoch. Zwei-Sterne-Anspruch, hätte ich an dieser Stelle gesagt. Leider hat dies sich dann nicht ganz so fortgesetzt:

                          Als ersten Gang hatte ich die Bayerische Goldforelle, kurz gebeizt, Purple Haze, Passionsfrucht und Meerrettich gewählt. Der Fisch und die darauf platzierten Geschmackselemente passten sehr gut und hatten eine leise, dezent würzige Harmonie. Diese wurde ergänzt durch deine feine, sich langsam entfaltende Schärfe der gefrorenen Meerrettich-Kugeln. Diese filigrane Kombination wurde deutlich übertönt durch die laute, fruchtsaure Passionsfruchtsauce. Die Verbindung aus Fisch und Sauce war durchaus gelungen. Aber da die Sauce sehr nah am Fisch angerichtet und zudem noch verhältnismäßig großzügig dimensioniert war, war es eigentlich nicht möglich, zwischen der leisen Harmonie und dem lauten Kontrast zu wechseln. Somit hat meines Erachtens Daniel Schimkowitsch die Vielschichtigkeit dieses Gangs durch die Anrichteweise und Dimensionierung leider selbst beschränkt. Ich persönlich hätte es geschätzt, wenn die Passionfruchtsauce vielleicht etwas weniger flüssig und so angerichtet wäre, das möglich wäre, mal einen Happen mit und mal ohne Sauce zu nehmen, so dass es wirklich zu einer Geschmackssymphonie kommt.
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                          Nun folge der Schwarze Seehecht, Kohlrabi, Schnittlauch, Hühnerhaut und Zitronennage. Der Hecht war gut gegart und ausreichend groß dimensioniert, um die verschiedenen Aromen nicht zu sehr ineinander fließen zu lassen. Die sehr schöne Zitronennage legte sich dennoch, aber mit ausreichend großer Leichtigkeit, über alle anderen Aromen. Sie verband alles besser als die Sauce im Gang zuvor. So war dieser Gang für mich aromatisch etwas einfacher gestrickt als der zuvor, aber das Konzept ging auf.
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                          Die größten Schwierigkeiten hatte ich mit der Island Langustine über Holzkohle gegart, Blaukraut, Ochensenmark, Knoblauch und Schwarzkümmel. Von der Produktqualität würde diese Langustine als unterdurchschnittlich einstufen, jedenfalls war sie wegen der geringeren Größe von der Fleischigkeit kein Vergleich mit den Exemplaren, die ich in den Wochen zuvor im Falco oder im Gästehaus Erfort genießen durfte. Hinzu kam die Garung. Die Langustine auf meinem Teller lies von Holzkohle-Garung nichts spüren. Sie war unterschiedlich intensiv gegart. Ich hatte eher den Eindruck, sie sei gedämpft und nicht gegrillt. So war die Konsistenz nicht knackig außen und glasig innen, sondern durchgängig weich. Ich gehe soweit zu sagen, sie war matschig und schmierig. Das war an sich schon ärgerlich für mich, wirkte sich aber zudem noch negativ auf das Texturenspiel des Gangs aus, dass so eindimensional wurde. Denn natürlich war auch das Ochsenmark in cremiger Konsistenz auf dem Teller. Aromnatisch konnte der Gang dennoch durchaus überzeugen. Es ging etwas ins süßlich würzige, war eher breiter, leicht erdig angelegt und recht harmonisch. Ich meine, der Gang ist aromatisch gut, aber texturell nicht ausgereift.
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                          Das Kalbsbries „Berliner Art“, Lauch, Malz und Calvadosjus war nah an dem aromatischen Original. Dies lag, meines Erachtens, vor allem an den recht süßlichen Apfelscheiben auf dem gut zubereiteten Bries. Etwas vegetabile Frische brachte die grüne Creme, die am Rand lag. Dies war aromatisch ähnlich wie der Seehecht etwas einfacher gestrickt und ging aber ebenso auf, ohne aber große Freudensprünge auszulösen.

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                          Der Höhepunkt des Menüs war für mich das – aus den drei neben dem Menü angebotenen Signiture Dishes von mir gewählte - Verkohlte Rind. Das Fleisch kommt gänzlich ohne Beilagen aus, so wie es joern_ribu schon beschrieben hat. Zunächst mal ist es von unglaublicher Zartheit gekennzeichnet. Offensichtlich durch die Marinierung mit der Teryaki-Sauce teilten sich beim Anschneiden die Fasern des Fleichs, ohne das es trocken wäre. Außerdem gewinnt das Fleisch durch die Behandlung so auch ein intensives Grillaroma. Dieser Grundgeschmack erhält viel Tiefe durch den Sommertrüffel (vermutlich wird es mit Wintertrüffeln noch intensiver) und die gut konzentrierte Trüffelsauce. Ein Hauptgang, der es meines Erachtens so wie er ist, mit vielen Gängen aus 3-Sterne-Restaurants aufnehmen kann: ganz reduziert und einfach erscheint das Gericht auf dem Teller ist aromatisch aber so hochkomplex ohne auch nur einen Moment anstrengend zu sein, wie man es sich von großer Küche erhofft.
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ID: 49208
                          Dann gab es ein schaumiges Predessert…
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                          Als Dessert wählte ich Mandarine & Kerbelwurzel, Original Beans Edelweiß und Sauerrahm. Die Kerbelwurzel, in einer Creme neben dem weißen Schokoeis angerichtet, war mit einer leicht anisartigen Aromatik eine schöne Verbindung zu der leicht bitteren Fruchtigkeit der Mandarine und der Süße der Schokolade. Die Mandarine war in verschiedenen Intensitäten dekliniert. In der Kugel war eine aromatisch leichte Masse, in einer von mir schwer zu beschreibenden, sehr luftigen Konsistenz. In der vorderen runden Anordnung war der Geschmack dann kompakter und kräftiger akzentuiert. Insgesamt eine schöne Kombination, die zum Abschluss mich mehr als zufrieden stellte.

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                          Zum Schluss gab es noch eine Kleinigkeiten, von denen mir die auf den Silberschälchen liegenden Kugeln am besten gefielen, ich weiß aber nicht mehr, was es war.

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                          Als Wein tranken wir einen 2005er Pechstein von Bassermann-Jordan. Der Wein entwickelte sich schön: zunächst mit einer leichten Reifenote in der Nase, zeigte er dann viel mineralische Kraft. Diese flachte dann später etwas ab, wodurch der lange, von der Mineralik geprägte, Abgang mit der typischen Pechstein-Note an Aufmerksamkeit gewann.
                          Für den Wein wurden 90 Euro berechnet. Das Freundstück überzeugt somit weiterhin durch eine Weinauswahl mit einmaliger Jahrgangstiefe und Breite, was die Top-Lagen aus Forst und Deidesheim bei den Bassermann-Jordan-Weine betrifft. Der Preisvorteil, dass zum Gesamtunternehmen auch das Weingut gehört, besteht inzwischen allerdings nicht mehr. Ja, so erscheint mir mittlerweile mancher Wein, der nicht aus der Unternehmensgruppe kommt, inzwischen leicht günstiger kalkuliert zu sein als die Bassermann-Jordan-Weine. Wenn ich mich recht entsinne, kostet ein Rebholz-Kastanienbusch z.B. nur 70 oder 75 EUR. Ich hatte es jedoch auf einen reifen Wein abgesehen, so dass ich bereit war den Aufpreis zu bezahlen. Aber es war mal so, dass das Freundstück durch die Kombination aus verhältnismäßig günstig kalkulierten und gleichzeitig reifen Basserman-Jordan-Gewächsen für mich einen klaren Vorteil gegenüber anderen Restaurants der Umgebung hatte. Das ist nun leider nicht mehr so.

                          Noch ein Wort zum Service: an dem Abend waren drei oder vier Personen im Einsatz. Die beiden Damen, die hauptsächlich am Gast agierten, machten ihre Sache gut und sympathisch.
                          Aber dennoch fehlt nach den vielen Personalwechseln der vergangenen Jahre dem Freundstück derzeit etwas die Seele. Hier wäre nun ein/e überzeugende/r Restaurantleiter/in bzw. Sommelière/Sommelier wichtig, der als klarer Gastgeber auftritt und durch den Abend führt.
                          Die kulinarischen Kreationen von Daniel Schimkowitsch zeigten echte Highlights auf zwei, ja sogar auch drei-Sterne-Niveau, aber für mich eben auch unübersehbare (Detail)schwächen. Ich halte es aber auch für gut möglich, dass im Freundstück nun endlich eine positive Entwicklung nach vorn begonnen hat, die nicht schon wieder nach wenigen Schritten gestoppt wird. Die Möglichkeit, ein rundherum stimmiges Angebot zu Stande zu bringen, ist absolut vorhanden.
                          Zuletzt geändert von QWERTZ; 11.10.2014, 21:55.

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                          • #58
                            Danke für den, gewohnt, schönen und informativen Bericht.
                            Klingt ja sehr spannend.

                            Eine weiche Languste kann auch daran liegen, dass es ein Tier war, das frisch abgelaicht hat. Gute Fischer schmeißen solche Tiere sofort zurück ins Wasser. Da kann man in der Küche nichts mehr retten.
                            Hat man uns in Maine erklärt. Zwar bezugnehmend auf Hummer, aber ob es da einen Unterschied gibt?


                            Gruß!

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                            • #59
                              Interessanter Hinweis, vielen Dank. Es war aber auch so, dass die Langustine ungleichmäßig gegart war. Eine Seite war deutlich glasiger als die andere. Wie dem auch sei, es war nicht optimal

                              Für alle die den Bericht schon ganz gelesen haben. Ich habe die Beschreibung des Amuses nochmal ergänzt, da ich vergessen hatte, das hervorragende Staudensellerieeis zu erwähnen, das es zu dem Hamachi und der Apfelsauce gab. Zunächst wirkte es gemüsig-frisch, im Abgang dann eher scharf. So wurde daraus ein tolles Amuse.

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                              • #60
                                Vielen Dank für den differenzierten Bericht. Bei vielen von Deinen Kritiken spürt man eine Begeisterung, dass man sofort in dieses Restaurant will und auch weiß, dass ein weiterer Besuch geplant ist bzw wird. Bin gespannt, ob beim nächsten Pfalz-Besuch, die weitere Entwicklung des Freundstücks "kontrolliert" wird.
                                Wie war die beschriebene geringe Auslastung im Vergleich zu Deinen vorherigen Besuchen ? Ist die Auslastung zurück gegangen oder nur dem Wochentag geschuldet ?

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