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L.A. Jordan (früher: Freundstück)*, Deidesheim

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  • #76
    Lieber Qwertz

    Danke für den Bericht. Auf den ersten Bildern dachte ich zuerst an Tim Raue. Gerade beim Kaisergranat kam mir gleich die Ähnlichkeit in den Sinn.

    Schön dass man sich dort mit der asiatisch angehauchten Küche etwas abhebt. Nicht jeder Tourist will den Lokalkolorit auch noch auf dem Teller. Nichts gegen Saumagen natürlich.


    Wart ihr auch im Ketschauer Hof über Nacht? Lohnt es sich?

    M

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    • #77
      Nein, wir haben wesentlich preiswerter genächtigt. Da für mich der Tag in der Pfalz aus Weinproben und Wanderungen besteht, brauche ich dort keinen besonderen Komfort.

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      • #78
        Danke qwertz, für´s update.
        Ich werde aber den Eindruck nicht los, daß sich mancher denkt, bei Raue und Bau läufts am besten, da spring ich mal auf den Japan-/China-Zug auf...ich täusche mich hoffentlich (wäre gern vorbeigekommen).
        Sonst werden Straßen, Waldspaziergänge usw. nur durch Umeboshi & Co ersetzt.
        (abgesehen vom nun trendigen Waldmeister)

        MkG, S.

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        • #79
          Zitat von Sphérico Beitrag anzeigen
          Danke qwertz, für´s update.
          Ich werde aber den Eindruck nicht los, daß sich mancher denkt, bei Raue und Bau läufts am besten, da spring ich mal auf den Japan-/China-Zug auf...ich täusche mich hoffentlich (wäre gern vorbeigekommen).
          Ich war ein paar mal in München bei DS. Im „Tramin“ hat er sehr in der Rolle des Underdogs gewirkt, der aus begrenzten Ressourcen das Maximale herausholte - das war quasi sein “Thema“. Sicher sah man in solchen Bedingungen eher nach, wenn einem mitunter Gerichte aus Blogs und Zeitschriften sehr bekannt vorkamen.

          Nun, wo die Voraussetzungen etwas andere sind, würde ich mir eine stärkere „eigene Handschrift“ wünschen. In den Berichten des Forum und der Homepage des LA Jordans sehr ich bislang keine Entwicklung, die mich spontan nach Deidesheim locken würde.

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          • #80
            Nur, weil ich mich zweier Namen bedient habe, um mein Empfinden der Stilistik zu beschreiben, heißt das aus meiner Sicht nicht, dass es an Eigenständigkeit fehlen würde. Klar, gibt es Ähnlichkeiten zu bekannten Küchen. Aber wenn man in der Region unterwegs ist, ist es derzeit doch das einzige Restaurant dieser Klasse, dass sich klar von der Klassik abhebt. Insofern hat das L.A. Jordan zumindest an der Weinstraße eine gewisses Alleinstellungsmerkmal.

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            • #81
              Einmal mehr ein toller Bericht, werter QWERTZ! In puncto Bildästhetik und sprachlicher Präzision macht Ihnen hier so schnell keiner was vor!

              KG

              Tobler

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              • #82
                Ich versuche im Training zu bleiben ;-)

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                • #83
                  Auch von mir, wie immer absolut hervorragend lieber QWERTZ. Der Bericht macht richtig Lust, dort einmal einen Stopp einzuplanen.

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                  • #84
                    Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                    Aber wenn man in der Region unterwegs ist, ist es derzeit doch das einzige Restaurant dieser Klasse, dass sich klar von der Klassik abhebt. Insofern hat das L.A. Jordan zumindest an der Weinstraße eine gewisses Alleinstellungsmerkmal.
                    Aber auch erst, seit der hochtalentierte Benjamin Peiffer aus dem Urgestein weg ist, das war eine echte eigene Handschrift. Wir sind gespannt, wo genau (in der Pfalz) er wieder auftaucht (Restaurantname wohl "Intense").

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                    • #85
                      Genauso war es gemeint.

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                      • #87
                        Zwei Tage lang legte sich eine brütende Hitze über die Pfalz. Temperaturen über 30 Grad zügeln den Appetit und geben dem Wein ausreichend Möglichkeit, seine Wirkung voll und zügig zu entfalten. Am dritten Tag gesellt sich eine drückende Feuchtigkeit zur Hitze. Es ist der Tag, den wir uns für unseren Gourmetabschluss ausgesucht haben. Perfekte Voraussetzungen...
                        Zum Glück entlädt sich der Himmel am Nachmittag mit einem gepflegten Wolkenbruch, die Temperaturen sinken etwas und meine Lust auf ein ausgiebiges Abendmahl steigt beträchtlich.

                        Das verstärkt sich noch, als wir das Restaurant im Ketschauer Hof betreten und ausgesprochen freundlich begrüßt werden. Der moderne und stylishe Speiseraum im Wintergarten ist angenehm klimatisiert, die Tische sind ausreichend großzügig gestellt. Sascha Schlömer und sein junges Team sorgen mit ihrer guten Laune von Anfang an für eine sehr entspannte Atmosphäre. Ich fühle mich wohl und bin neugierig auf die Küche von Daniel Schimkowitsch, die ich bisher nur aus Besprechungen kenne.

                        Zum Apéritif schickt die Küche zunächst ein Apfelröllchen mit Ingwer und Koriander, das neben einem säuerlich-frischen Ton eine prägnante Schärfe mitbringt. Als Muntermacher eine nette Petitesse.


                        Apéro: Apfelröllchen mit Ingwer und Koriander

                        Es folgt ein milderer, aber intensiver Kartoffelcracker mit Bärlauchcreme und gebeiztem Lachs.


                        Apéro: Kartoffelcracker mit Bärlauchcreme und gebeizter Lachs

                        Mit dem abschließenden Amuse Bouche geht es aromatisch schon in die Vollen. Zu buttrigem Eigelb, das man sich in der Konsistenz knapp schnittfest, aber eben nicht hart vorstellen muss und Pfifferlingen gesellt sich eine intensive Räucherfischessenz mit knackigen Brunoises. Das ist dicht und füllig, aber aufgrund der Kühle genau richtig angesichts der Außentemperaturen.


                        Amuse Bouche: Buttriges Eigelb, Pfifferlinge, Räucherfischessenz

                        Schon mit dem ersten Gang des Menüs wird die Küchenlinie etwas deutlicher. Thunfisch, in dünnen Scheiben zu einer Kugel geformt, mit gerösteter Edamame auf Kombualgen in einer grünen Gazpacho erscheint relativ minimalistisch in der Präsentation, erweist sich in Kombination aber als elegante und abwechslungsreiche Kreation, die einen dezenten asiatischen Einschlag nicht verhehlen kann.


                        Balfego Thunfisch, Kombualge, geröstete Edamame und grüne Gazpacho

                        Etwas kräftiger wird es mit „Bock drauf“. Auf Maibock-Rücken findet sich eine dünne Scheibe Gänseleber, der vor allem fermentierter Pfeffer den entscheidenden aromatischen Kick gibt. Gepuffter Reis steuert etwas Crisp bei, die rote Vinaigrette etwas erdiges.


                        "Bock drauf" / Gänseleber, fermentierter Pfeffer,´und Vinaigrette Rouge

                        Einen weiteren Gang legt die Küche mit dem Bayerischen Saibling zu, der nur als süß – sauer – scharf beschrieben ist. Tatsächlich ist dies eine relativ komplexe Kombination, in der der butterweich gegarte Saibling sich in einem Spannungsfeld aus Jalapenocreme, Melone und Kohlrabi behaupten muss. Der Sud ist von Hühnerfett dominiert, der dem ganzen eine mollige Reichhaltigkeit als verbindendes Element gibt. Ein ganz fabelhaftes, weil exakt austariertes Gericht.


                        Bayerischer Saibling / süß - sauer- scharf

                        Zwar nicht aromatisch kräftiger, aber insgesamt etwas fülliger wird es mit der Langoustine, die von LUMA-Bauch bedeckt ist. Dahinter verbirgt sich die Kreuzung aus einem spanischen Iberico und einer alten deutschen Hausschweinrasse, die anschließend einem besonderen Reifeprozess ausgesetzt ist. In der Tat ist die Kombination aus süßlichem, festen Kaisergranat und zartem Schweinebauch überaus reizvoll. Wasabi liefert eine dezente Schärfe und schlägt wieder einen kleinen Bogen nach Asien. Insgesamt ist aber auch dies wieder ein sehr harmonischer und stimmiger Gang.


                        Langoustine, LUMA-Bauch, Spinat und Wasabi

                        Mit der Felsenmeerbarbe bewegt sich die Küche in mediterrane Gefilde. Sie ist nach Escabeche-Art zubereitet und erhält eine Auflage aus Sobrassada und Savora-Senf. Der Fisch hat eine fabelhafte, feste Konsistenz und sehr viel konzentrierter kann man den Süden kaum auf den Teller bringen. Fabelhaft!


                        Felsenmeerbarbe / Savora Senf, Sobrassada, Escabeche

                        Im Hauptgang fusioniert Daniel Schimkowitsch Bayern mit Asien. Das Poltinger Lamm als Rücken und geschmortes Stück kombiniert er mit Palmherz und Pürree vom Thai-Basilikum. Die Jus vom Grünen Curry ist von sehr klassischer Art und ausgesprochen elegant.


                        Poltinger Lamm / Palmherz und Thai-Basilikum und Green Curryjus

                        Als Pré-Dessert folgt Passionsfruchtgranité mit Pandanschaum und Kokosnuss. Das ist an dieser Stelle in erster Linie erfrischend, aber eben auch nicht besonders komplex oder filigran.

                        Im abschließenden Dessert wird es noch einmal verhältnismäßig klassisch. 75% Original Beans als Mousse und Baby-Banane sind zusammen relativ mächtig. Das Mandelmilchsorbet liefert zwar einen erfrischenden Gegenpol, aber auch wenn alle Einzelkomponenten durchaus miteinander harmonieren und auch schmecken, hätte ich mir eher ein leichteres, vielleicht fruchtbetonteres Dessert und ein wenig mehr Raffinesse gewünscht.

                        Die Petits Fours zum Kaffee hingegen sind nicht nur ausgesprochen schön, sondern auch ebenso köstlich.

                        Daniel Schimkowitsch hat uns an diesem Abend eine sehr solide und überzeugende Vorstellung geboten. Er versteht es, Gerichte zu kreieren, die mit sehr prägnanten Aromen punkten. Häufig, aber eben nicht nur, sind dies asiatische Einflüsse. Besonders stark fand ich das Amuse Bouche mit der großartigen Räucherfischessenz, den Saibling und die Meerbarbe. Und das waren überwiegend ganz andere Aromenwelten. Hatte ich im Vorfeld von einer asiatisch beeinflussten Küche gelesen, konnten wir ein deutlich weiteres Spektrum erleben. Und dennoch wirkte im Rahmen der sehr geschickt konzipierten Menüdramaturgie dieser Abwechslungsreichtum nicht beliebig, sondern durchaus stimmig. Etwas Spielraum nach oben sehe ich hingegen noch bei den Desserts, die in der geschmacklichen Komplexität ein wenig gegenüber den übrigen Gängen abfielen.

                        Dass man in einem zur Niederberger-Gruppe gehörenden Haus natürlich alle Weine von Bassermann-Jordan, Reichsrat von Buhl und von Winning in all ihrer Jahrgangstiefe bekommen kann, versteht sich fast von sebst. Aber Sascha Schlömer kann sich auch sonst aus einem beeindruckenden Keller bedienen und der Gast profitiert davon in Form von erfreulich moderaten Preisen.
                        Uns begleiteten die ersten Gänge zunächst mit einem Sauvignon Blanc Fumé von Bassermann-Jordan, der sehr gut mit den starken Aromen klar kam. Später schwenkten wir auf offene Weine um und waren mit einem 2014 Jurancon „La Canopée“ von der Domaine Cauhapé sowie zum Lamm mit dem wunderbar kräftigen 2011 Ikarus von Hensel bestens bedient.

                        In Deidesheim hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan. Mit dem Ketschauer Hof und dem Kaisergarten haben sich anspruchsvolle Häuser etabliert und mit ihnen ebensolche Gastronomie. Das L.A.Jordan hält seit langem die Pole Position und Daniel Schimkowitsch macht nicht den Eindruck, als wolle er die so schnell wieder hergeben.


                        Bericht und sämtliche Bilder auch auf meinem Blog unter: http://tischnotizen.de/l-a-jordan-deidesheim/
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                        Zuletzt geändert von QWERTZ; 05.08.2017, 13:18.

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                        • #88
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                          Zeit, mal den Rückstand an Berichten aufzuarbeiten, der während der Schließzeit des Forums aufgelaufen ist. Bevor ist das Intense besucht hatte, war ich auch – in Begleitung eines Gourmet-Club-Freundes - im L.A. Jordan.
                          Das Menü beginnt mit Amuses, die inzwischen Klassiker bei Daniel Schimkowitsch sind und die Richtung ins Asiatische und das Spiel mit kräftiger Schärfe weisen.
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                          LANGOUSTINE, gelbe Tomate, Num Prik und Bisque machen den Anfang, der eine gekonnte Mischung aus europäischer Klassik und asiatischer Schärfe zeigt. Die Bisque ist sehr vollmundig und einfach lecker, die Langoustine hat hervorragende Qualität. Hier passt die markante Schärfe sich gut ein, da es einerseits viel Fleisch und andererseits viel Cremigkeit gibt, um sie einzufassen.
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                          GÄNSELEBER & AAL, Blaukraut, Olive und Shiso ist eine ungewöhnliche, etwas ins herb-vegetabile gehende Kombination. Lecker ist der Gang und subtiler als die anderen des Menüs, aber auch gleichzeitig wieder vollmundig. Dazu bekommen wir einen schönen restsüßen 2014er Riesling aus der Deidesheimer Lage Leinhöhle von Reichsrat von Buhl.
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                          BAYERISCHE LACHS-FORELLE, Aubergine, eigener Kaviar, Seeigelnage folgt im Grund des Bau-Prinzip des ersten Gang: ein einigermaßen umfangreiches Grundprodukt, eine Brücke zur Sauce und Schärfe. Mit dem Kaviar ergibt sich eine schöne Brücke und ein salziger Gegenpunkt zur kräftigen Sauce. Zudem sind die dünnen Scheiben, wohl die Aubergine, die auf dem Fisch liegt, etwas schwer mit dem Messer zu zerteilen und damit zur portionieren. Geschmacklich hat der Gang aber wiedern ein sehr gutes Niveau.
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                          Ähnlich geht es weiter mit: LIEU JAUNE, Fingerlinmes, Spitzpaprika und BBQ-Fond. Der Fisch hat wieder tolle Qualität Aber hier ist mir die Sauce mir zu kräftig für den feinen Fisch. Meines Erachtens wird hier das Zusammenspiel aus Sauce und Paprika voll ausgereizt, statt vom Fisch ausgehend Feinheit und Schärfe zu verbinden. Der Fisch neutralisiert, kann aber aufgrund seines feinen Geschmacks dem Kräftespiel der beiden starken Aromen zu wenig entgegensetzen.

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                          KALBSBRIES „SHANGHAI“, Brunnenkresse, Steinpilze und Hoisin gefällt mir wieder deutlich besser. Das Kalbsbries ist vorzüglich zubereitet, die Schärfe wird hier besser aufgenommen, als beim den feineren Fischen. Die Sauce hat mehr Spiel. Sehr gelungen!
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                          GAMS AUS DER STEIERMARK, Sellerie, Umeboshi, Kirschblütenjus – das Gericht steht regulär nicht im Menü, sondern war als Tagesgericht angeboten. Die Gams ist gut zubereitet, aber das Fleisch bringt natürlich von sich aus nicht zu viel Fett mit. Das wäre aber gut gewesen, um gegen den intensiven Jus bestehen zu können. Nachteilig wirkt, dass die Umeboshi praktisch als zusätzliche Würze, bzw als Salz eingesetzt. Mit der Zeit entwickelt sich im Mund überkonzentrierter Saucengeschmack, wobei ich nicht ganz trennen kann, ob dies an der einer überkonzentrierten Sauce oder der Verbindung aus Sauce und Umeboshi liegt, die den Eindruck der Überkonzentration auf der Zunge entstehen lässt. Hier fehlt die für mich notwendige Feinjustierung der Aromen, um ein besonderes Produkt herauszustellen.
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                          Das Predessert:
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ID: 61113


                          PURE PERU Original Beans Piura Malingas 75%, Mandelmilch und Baby-Banane ist ein schönes, entspannendes Dessert, nach so viel Schärfe und Aromendruck.
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ID: 61114

                          Auf meinem Wunsch nach einem schönen reifen Riesling aus den örtlichen Lagen hat Sascha Schömel für uns einen 2002er Kalkofen von Basserman-Joran ausgewählt. Der Wein präsentiert sich sehr gut, zeigt Reife und noch ein wenig Spannung und kann mit dem Druck der Gerichte gut mithalten. Zum Hauptgang geht er auch wegen der Luft etwas in die Breite und verliert an Struktur, aber das war dann auch schon das letzte Glas – insofern wieder mal ein wunderbares Erlebnis von Riesling-Reife!
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ID: 61115

                          Ich war mit dem Menü von Daniel Schimkowitsch durchaus zufrieden. Die Qualität der Grundprodukte war großartig, alle Fisch- und Fleischstücke waren perfekt zubereitet. Aber stilistisch wirkte manches mal die Schärfe für mich überzeichnet. Ich weiß nicht, ob an diesem Abend vielleicht die ein oder andere Sauce etwas zu stark reduziert war, aber gerade die feinen Produkte, Steinbutt und Gams, konnten sich gegen ihre Saucen nicht gut genug behaupten.
                          Zudem fällt es beim Genuss des kompletten Menüs schon auf, dass im Grund außer dem Dessert und der Gänseleber alle Gänge dem gleichen Konstruktionsprinzip folgen: ein großes Stück eines Hauptprodukts, etwas Gemüse und eine kräftige Sauce, nebst Integration asiatischer Aromen. Bei vier oder fünf Gängen ist das ok, bei sieben wäre es schön, wenn die Konstruktionsweise etwas vielfältiger wäre. Analog zu den stark konzentrierten Saucen würde ich sagen, auch Stilistik kann man überfokussieren.
                          Es fehlte mit etwas das Spiel von Gang zu Gang, mal mehr, mal weniger Druck, mal feiner mal kräftiger. Jeder einzelne Gang hatte für mich Zwei-Sterne-Niveau, das Menü als Ganzes lässte es aber für mich nachvollziehbar erscheinen, warum der Michelin hier auch dieses Mal auf eine Heraufstufung verzichtet hat. Aber näher dran am zweiten Stern als Daniel Schimkowitsch kann man wohl kaum sein.
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                          Zuletzt geändert von QWERTZ; 22.07.2018, 18:09.

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                          • #89
                            Einmal im Jahr bin ich in der Pfalz zum Weineinkauf mit meinen Eltern unterwegs. Eigentlich wollten wir gerne wieder ins Intense, aber zumindest an den Tagen, an denen wir dies gut einbinden konnten, war das Intense schon ausgebucht – ich k konnten inzwischen den Besuch nun im Zusammenhang mit unserem Gourmet-Club-Besuch des Opus V in Mannheim im November nachholen.
                            So war das L.A. Jordan eine mehr als adäquate Alternative. Im vergangenen Jahr hatte ich das Menü dafür kritisiert, dass Daniel Schimkowitsch seine kulinarische Linie zu überbetont hat und die Gerichte sich für meinen Geschmack zu sehr ähnelten. Im Laufe des Jahres hatte er sich bei mir mal gemeldet und sich ausdrücklich für die Kritik bedankt, das schmeichelt mir natürlich. Interessanterweise hat ihn nun der Gusto dafür kritisiert, dass er seinen Stil nicht mehr mit dem Nachdruck verfolge, wie im vergangenen Jahr und vermeintlich Mehrheitsfähiger werde. Interessant, wie unterschiedlich die Eindrücke sein können. Ich persönlich würde die Gestaltung eines sinnvollen Bogens in einem Menü nicht unbedingt mit der Mehrheitsfähigkeit und geringerer Komplexität einzelner Gerichte gleichsetzen, wie es der Gusto getan hat. Aber schauen wir mal auf unser Menü:

                            Als Amuse gibt es weiter den scharfen Klassiker, die Rolle mit Granny Smith und Ingwer, das zieht wirklich gut durch, macht die Sinne frei.

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09561.jpg Ansichten: 1 Größe: 65,4 KB ID: 62224Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09564.jpg Ansichten: 1 Größe: 64,7 KB ID: 62225
                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09565.jpg Ansichten: 1 Größe: 71,7 KB ID: 62226Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09563.jpg Ansichten: 2 Größe: 62,4 KB ID: 62227

                            BALFEGO BLUE FIN TUNA, Gurke, Frischkäse, Avocado und Green-Zebra-Tomate – da ist sie wieder, die knallig-gründe Sauce im ersten Gang… Aber unabhängig davon ist das ein sehr reizvoller Gang. Frisch, dank des Frischkäses hat er bereits eine gewisse Fülle, die richtig scharf Avocadocreme gut aufzunehmen weiß. Man diese gut dosieren und so bekommt der Gang mehrere Facetten: der pure, kühle Geschmack aus der Sauce, Gurke usw, die das Thunfischtatar gut einbindet und eben der betont scharf Geschmack mit der Creme als zweite Facette.
                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09570.jpg Ansichten: 1 Größe: 46,1 KB ID: 62228

                            „BOCK AUF BOCUSE“, Gänseleber, fermentierter Pfeffer und Vinaigrette Rouge ist ein optisch gelungener Gag, denn das Gericht sieht so richtig schön 80er-mäßig aus, soll ja auch an den große Pauk Bocuse erinnern. Das macht schon beim Hinschauen Spaß und ist wirklich mal was anderes in der mehr oder minder gleichförmigen modernen Telleroptik. Aber hier ist es nur ein optisches Zitat. Geschmacklich gibt es dann das genaue Gegenteil: ein richtig modernes Gänselebergericht. Denn die Leber ist zwar schmeckbar, aber überhaupt nicht dominant, wie in einem klassischen Gericht. Sie ist eher im Hintergrund mit ihrem Geschmack und ihrer Cremigkeit wahrnehmbar. In der Hauptsache ist das Gericht von Pfeffer-Aromatik und der Säure der Vinaigrette geprägt. Das ist echt mal was anderes, optisch und geschmacklich. Warum nicht mal etwas optisch klassisch präsentieren, aber mit neuer Aromatik, statt wie so oft moderne Optik mit klassischem Geschmack?
                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09573.jpg Ansichten: 1 Größe: 49,5 KB ID: 62229Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09574.jpg Ansichten: 1 Größe: 47,3 KB ID: 62230

                            „DER ERSTE SEINER ART“, Eigelb, Erbse, Haselnuss und Galgant bezieht sich auf den über das Gericht geriebenen, ersten Alba-Trüffel der Saison. Der Geschmack ist noch sehr dezent, der Geruch aber gut wahrnehmbar. Die Sauce ist mit Kokosmilch und einer deutlichen, thailändischen Schärfe sehr präsent und übertönt schnell den Trüffelgeschmack. Aber mit dem Ei und dem fischen Geschmack der Erbsen ergibt sich ein vollmundiges Gericht, dass den Trüffel aber nicht allzu sehr in den Mittelpunkt stellt. Interessant ist die Haselnuss, die das Gericht um eine feine, interessante Bitternote ergänzt.
                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09576.jpg Ansichten: 1 Größe: 66,2 KB ID: 62231

                            SEESAIBLING, Umbeboshi, Lauch und Reisessigvelouté wird geprägt von der markanten Säure des Reisessig, der sich mit jedem Bissen deutlicher zeigt. Der glasige Fisch ist das Gegenstück dazu. Mit dem Lauch gibt es noch einen weiteren schönen Gegenspieler. Ein schöner Gang, der aber nicht ganz so viele Reize hat, wie die vorherigen, was aber an dieser Stelle des Menüs gut passt.
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                            „SPICY GAMBA“, Tamarinde, Krustentiermayonnaise und Thaibasilikum zeigt wie der vorherige am ehesten das „Strickmuster“ des Menüs aus dem vorherigen Jahr: ein prägnantes Hauptprodukt, einige Ergänzungen und vor allem viel Schärfe und/oder Säure. Hier ist es die Tamarinde und das prägnante Thaibasilikum. Am dünnen Ende der Garnele dominieren mir die Gewürze zu sehr, am Kopfende aber ergibt sich ein zwar aromenstarker, aber doch gut balancierter Gang.
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                            PERLHUHN „CHAPON BRESSAN“, Brokkoli, Pfeffer-Bernaise und Jus „de Vieux Rivesaltes“ zeigt eine wunderbar saftige Perlhuhnbrust mit zwei sehr schönen Saucen, die ich dann auch noch gut nachlöffeln kann. Dies ist sehr gut gekocht. Hier gibt es keinen Schärfe- oder Säure-Kick. Einfach nur ein gutes Stück Fleisch, schöne Saucen und Harmonie. Vielleicht ist es ein solcher Gang, den der Gusto als zu mehrheitsfähig meinte. Ich finde ihn aber im Laufe dieses Menüs als beruhigendes Element vor dem eigentlichen Hauptgang passend.
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                            LUMA SWISS PORK BELLY, Scharfe Himbeeren und Balinesische Sauce zeigt einen bestens zubereiteten Schweinebauch. Dieser ist nicht wahrnehmbar gewürzt und somit das beruhigende Element zwischen einer wärmend-scharfen Sauce und den kühl-sauren Himbeeren. Somit kann man hier wieder den Schärfegrad und die Abfolge von scharfen oder weniger scharfen Bissen gut selbst gestalten. Ein gelungener Hauptgang, wobei ich mir von der Haut des Schweinebauchs vielleicht etwas mehr Knack- und Fett-Effekt versprochen hätte.
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                            Das Predesssrt
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                            BUCHECKER“, Dulce de Leche, Holunder und Original Beans Piura Porcelana 75% ist ein recht süßes und durchaus üppiges, eher klassisch angelegtes Dessert. Spannend sind die nussigen, leicht bitteren Bucheckern, die hier als Eis eine leicht herbe Note in die Kombination einbringen.
                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09596.jpg Ansichten: 1 Größe: 49,3 KB ID: 62236
                            Daniel Schimkowitsch kocht aus meiner Sicht nicht grundsätzlich besser oder anders, als im vergangenen Jahr. Aber die Gerichte zeigen eine größere handwerkliche und geschmackliche Bandbreite. Das macht das Menü für mich wesentlich reizvoller und somit besser. Klar, asiatische Schärfe bleibt das wichtigste Erkennungsmerkmal der Küche, aber allein schon, dass es zu Beginn zwei Gänge gibt, die ihr Hauptprodukt nicht so sehr in den Mittelpunkt stellen, wie es später mit dem Saibling und der Garnele der Fall ist, wird es einfach facettenreicher. Mir gefällt das deutlich besser, auch wenn die grundsätzliche Qualität der Küche unverändert hoch geblieben ist.

                            Zum Menü trinken wir einen ´09er Hohenmorgen. Ein reizvoller Riesling, mit noch frischer Säure. Aber nicht ganz so reizvoller Struktur wenn ich ihn solo trinken würde. Zum Menü aber eine gute Wahl.
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                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC09601.jpg Ansichten: 1 Größe: 68,5 KB ID: 62239




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                            • #90
                              Mein Mann und ich besuchten zum vierten Mal das Restaurant. Dieses Jahr nahm ich im Vorfeld Kontakt mit dem Restaurant auf, da ich z.Zt. noch nicht alle Nahrungsmittel essen darf und ich vorher klären wollte, ob dies ein Problem darstellt. Das war zum Glück nicht der Fall!
                              ​​​​​​Am L.A.Jordan gefällt mir immer besonders, dass alle Gänge ein gleichbleibend hohes Niveau haben, ich denke jedes Jahr, dass es einen zweiten Stern verdient hat

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