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Victors Fine Dining by Christian Bau***, Perl (vorm. Victors Gourmet...)

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  • Ja, die Diskussion hatten wir ja schon hin und her geführt, als die kleinen Schildchen auf die Tische gestellt wurden.

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    • Würde eher vermuten, man versucht einerseits, die Medien mit professionellen Bildern zu "fluten", andererseits die nicht so professionellen Selbstfotografierer ein wenig einzuschränken. Führt zu weniger privat gemachten Bildern, diese dann halt auch von durchgängig schlechter Handy-Qualität. Ob das noch zeitgemäss ist oder die gewünschte Wirkung zeigt, ist eine andere Frage. (P.S. Um jedem Verdacht zuvorzukommen - ich fotografiere niemals mit Stativ oder Blitz, sondern schnell mit einer unauffälligen "Kompaktkamera")

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      • Zitat von Tobler Beitrag anzeigen
        Wie ist es Ihnen eigentlich gelungen, bei Christian Bau doch Fotos machen zu dürfen, lieber thomashaj?

        KG

        Tobler
        Wie schon von anderen angemerkt, ist es bei Christian Bau nicht verboten, Bilder zu machen. Man weist nur auf dem kleinen Schildchen darauf hin, diese nicht mit Blitz zu machen und so, dass es andere Gäste nicht stört. Handy ist daher akzeptiert und es wird an vielen Tischen davon Gebrauch gemacht.

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        • Immer klarer wird mir, dass mich Gerichte aus der Hochküche faszinieren und/oder berühren, um damit auch zwei grundsätzliche Kategorien zu eröffnen. Faszinierend finde ich in der Regel handwerkliche Perfektion und ästhetische Vollkommenheit, wohingegen ich mich berühren lasse, wenn Kindheitsassoziationen im Spiel sind, die viel zitierten Umami-Momente entstehen oder ich glaube, einen „Urgeschmack“ im Mund zu haben. Idealerweise kommt all das zusammen. Immerhin: Unser Besuch bei Christian Bau, ein Tagesausflug zum Mittagessen, war von beidem geprägt.

          Der Raum war eher untertemperiert und mutet wohnzimmerartig an; viele von Ihnen kennen ihn ja längst. Wir nahmen also Platz, deutlich und ganz bewusst vor 13 Uhr, staunten darüber, dass außer unserem Tisch nur ein weiterer besetzt war – und mussten dann zu unserer Betrübnis erfahren, dass die gewünschten sechs Gänge des Menüs „Paris – Tokio“ am Mittag doch auf fünf reduziert werden mussten, da unsere Bestellung eben erst um 13.20 Uhr erfragt wurde. Der Service entschuldigte sich, aber schade war es doch. In „Victor’s Fine Dining“ geht es tatsächlich zeitlich streng getaktet zu, weil die Küchen-Crew offenbar entsprechend generalstabsmäßig arbeitet, was aber auch solche Einschränkungen zur Folge hat. Hm.

          Auf Grund der hier schon trefflich beschriebenen Amuses muss man dennoch nicht hungern. Der so genannte "Prolog" gehört sicher zum Feinsten, was man in einem deutschen Dreisterner serviert bekommen kann (leider ohne Abbildung – das war der anfänglichen Unterzuckerung des Fotografen geschuldet):

          Fjord-Shrimps mit rosa Grapefruit & Tapioka
          Bio-Ox mit Räucherfischcrème
          Entenleber mit Apfel & Räucheraal


          auf einer Schieferplatte gereicht, bot in dieser Reihenfolge eine schöne sich steigernde Geschmacksintensität, also schon im Zarten und Kleinen eine genau austarierte Dramaturgie, die Großes ankündigte.

          Je länger ich auf diese Amuses zurückblicke, desto mehr komme ich ins Schwärmen, wie in diesem Thread ja auch schon mancher vor mir.

          Makellose Produktqualität sowie eine ausgesprochen feine Zubereitung faszinierte am kleinen Wunderwerk



          Schottischer Lachs mit Daikon & Shiso

          Hochkunstvolle Pinzettenküche at its best!

          Einen besonders sinnlichen Genuss bereitete uns dann



          Getrüffelte Geflügellebercrème mit Portwein & Parmesan

          Der Parmesanschaum verdeckte dabei zunächst ganz unscheinbar die Köstlichkeit der aromenstarken Geflügellebercrème, die dann als Löffelschatz zu bergen war und sich mit dem Schaum aufs Wunderbarste vermählte. Berührend!

          Ein unglaublich „karottiges“ Ur-Aroma erfreute uns mit

          Karotte, Calpico & Madrascurry
          (Abbildung siehe unten, rechte Bildhälfte)

          Letzterer hob diesen Geschmack nur noch prägnanter hervor, und das ist ja tatsächlich eine Eigenschaft von Curry. Christian Bau setzte ihn also vorbildlich ein. Und auch hier sage ich: berührend!

          Dieser letzte Teil des „Prologs“ wurde zusammen mit



          Langoustine mit Jalapeño & Gurke
          (linke Bildhälfte)

          gereicht. Noch so ein schlonziger Löffelspaß, der als Zusammenspiel mit der Karotte durchaus Potenzial für einen „großen Gang“ aufwies. Groß überhaupt die Amuse bouche-Parade! Wir waren aufs Erfreulichste eingestimmt.

          Mit Spannung hatten wir



          Japanische Bernsteinmakrele
          Gartengurke | Buttermilch | Yuzu-Koshu


          erwartet, denn dieses Gericht ist nicht nur ausgesprochen aufwändig gearbeitet, sondern gehört schon seit Längerem zu Baus Lieblingskreationen. Man versteht hier vielleicht, warum die Küche auf zeitgenaues Arbeiten so großen Wert legt. Auch hier steht die Produktqualität im Vordergrund, vor allem die des Edelfisches, und unterstützt die unglaubliche Frische und Leichtigkeit, die diesen Gang prägte. Ansonsten hat der gute thomashaj in seinem Bericht alles dazu gesagt.

          Eine nicht minder betörende Schönheit dann



          Roter Gamberoni
          Thai-Aromen | Yamwurzel | „falsches“ Sushi


          dessen kräftig abgeschmeckte Sauce einen belebenden Kontrapunkt setzte, bevor man sich von Wohlgeschmack und Ästhetik zu sehr einlullen ließ. Allemal faszinierend!

          Zwischenbemerkung: Christian Baus Gerichte haben optisch wie in der Aromengebung etwas sehr Konzentriertes, beinahe Heiliges (ich vermag es kaum anders zu beschreiben), sodass man sich manchmal fast etwas Überraschendes bis Schräges zwischendurch wünscht...

          ... oder eine Grandiosität wie den



          Atlantik - Steinbutt
          Erdfrüchte | Öl von jungem Zwiebellauch | Lardo


          Diesen Fisch hätte man in „Steinbutter“ umtaufen müssen, so unfassbar zart und perfekt gegart wurde er gereicht. Die Trüffelspäne waren uns ausgesprochen willkommen, das gemüsige Beiwerk sorgte für das Leitmotiv der Frische. Mein klarer Favorit in diesem Menü – faszinierend und berührend!



          Black-Angus Beef
          Kürbis | japanische Aubergine | schwarzer Knoblauch


          war qualitativ natürlich ohne Fehl und Tadel (= Faszination), besonders die noch erneut nachgegossene Sauce war eine Wucht, doch es ging uns hier ansonsten ein wenig zu püriert zu. Wir hätten uns mal einen weniger gefälligen Hauptgang gewünscht, also eher einen, an den man sich auf Grund besonderer Kreativität auch in den Beilagen erinnern mag. Doch wir klagen auf allerhöchstem Niveau und wissen auch: Hauptgänge haben es generell schwer zu punkten, vielleicht auch auf Grund einer gewissen Ermüdung des Gaumens, der zuvor ja schon Wunderbares genießen durfte.

          Thomashajs sehr treffender Beschreibung des ausgeklügelten, sehr fein gearbeiteten



          bau.stein.
          Piña Colada | Kokos-Yuzu | exotische Früchte


          – ich zitiere: „Feine knusprige Schichten und cremige Füllung auf einem mürben Boden ergeben ein mustergültiges Stück klassischster Patissierkunst.“ – wäre nichts hinzuzufügen.

          Auch von mir ein Wort zu Nina Mann, die wir noch aus Stuttgarter Zeiten kannten, über die sie manche Anekdote zum Besten gab: sie war eine feinsinnige und doch meinungsstarke Gastgeberin, die uns fürsorglich und ausgiebig betreute und sich im „Victor’s Fine Dining“ als Sommelière nun voll zu entfalten scheint. Ihre Identifikation mit dem Haus und Christian Baus kulinarischen Überzeugungen scheint, obwohl noch gar nicht lange da, schon jetzt unverbrüchlich. Auch ihre Weinauswahl, die mir in der „Zirbelstube“ seinerzeit noch etwas zu eigenwillig war, erschloss sich mir diesmal komplett. Angenehm, dass wir z.T. auch die Wahl zwischen zwei Weinen hatten, sie ihr Angebot also durchaus den Vorlieben des Gastes öffnete.

          Schön, dass sie mit dem

          „Silver“ Junmai Ginjo, Enter Sake, Japan

          auch einen Sake „einbaute“.

          Herausragend der

          2014 Bourgogne Blanc, Etienne Sauzet, Burgund

          zum Gamberoni, aber auch der

          2011 Kanzem Hörecker Riesling G. G., Weingut von Hövel, Saar

          zum Steinbutt – eine göttliche Verbindung!

          Ich darf ein letztes Mal auf den werten thomashaj Bezug nehmen und ins Schwärmen vom Bau’schen Himbeer-Cheesecake zu den





          Petit fours

          einstimmen. Ein herrlich frischer, sämiger und sündiger Abschluss!

          Dazu wurden wir allerdings in einen Nebenraum komplementiert und erfuhren ein letztes Mal die Strenge der zeitlichen Taktung von Küche und Service. Ein seliges Verweilen am Tisch bis in den späteren Nachmittag hinein, wie wir das sonst schätzen, geht hier leider nicht. Das muss man mögen. Schön wiederum die herzliche Verabschiedung des Serviceteams, für die sich auch Herr Bau noch einmal kurz Zeit nahm. Dann wanderten wir hinab ins Tal.

          Was bleibt, was überwiegt nach diesem Besuch bei einem Großmeister? Bei mir eher Faszination, etwa für die Ästhetik der Bau’schen Kreationen, als Berührung wie jeweils eingangs beschrieben, doch Letztere durchaus auch, etwa bei den Amuses sowie beim Hochgenuss des Steinbutt-Gangs. Und vielleicht die Erkenntnis: um sich eines völlig entspannten Erlebnisses sicher zu sein und vielleicht auch noch eine größere Menü-Bandbreite genießen zu können, kommen wir beim nächsten Mal zum Abendessen wieder.
          Angehängte Dateien
          Zuletzt geändert von QWERTZ; 19.02.2017, 12:35.

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          • Lieber Tobler,

            vielen Dank für den berührenden Bericht. Vielleicht keine wirkliche Überraschung, dass ich in vielen Beschreibungen die Begeisterung förmlich auf der Zunge nachschmecken konnte.
            Eine Anmerkung vielleicht zu den etwas strikten Servicezeiten. Wenn ich die Politik in Christian Baus Restaurant richtig verstehe, hält man sich hier sehr genau an die strenger gewordenen Arbeitszeitregelungen, die vor allem in der Gastronomie ein Problem sind. Ich habe es auch schon anderswo erlebt, dass am Abend nach einer gewissen Zeit der halbe Service nicht mehr da war, weil er deswegen in den Feierabend geschickt werden musste. Grundsätzlich also nichts dagegen einzuwenden.
            Wir waren bei unserem Lunch um 12 Uhr im Restaurant und hatten daher das Vergnügen, das komplette Mittagsangebot genießen zu dürfen.
            Ansonsten war es auch bei uns leider so, dass nur wenige Tische mittags besetzt waren - eine Schande angesichts dessen, was man hier erleben kann.
            Und es freut mich, dass Sie nicht nur fasziniert, sondern auch teilweise berührt waren. Ich finde, dann hat ein Restaurantbesuch seinen Sinn schon mehr als erfüllt.

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            • Lieber thomashaj,

              da haben Sie wohl Recht: die neuen Arbeitszeitregelungen scheinen hier eine Rolle gespielt zu haben, doch andernorts haben sie diesen Einfluss offenbar nicht. Das "selige Verweilen" ist in Restaurants wie etwa der "Schwarzwaldstube" oder dem "Bareiss" problemlos möglich, ohne sich zum Aufbruch oder Umzug in andere Räumlichkeiten gedrängt fühlen zu müssen. Fragt sich, was hier Priorität hat. Ich bin da selbst gespalten.

              Rätselhaft bleibt die von uns beiden als dünn erlebte Tischbesetzung am Mittag. Wie sich das wohl wirtschaftlich auswirkt?

              Ansonsten vielen Dank für Ihr geneigtes "Nachschmecken"!

              KG

              Tobler
              Zuletzt geändert von Tobler; 17.02.2017, 09:55.

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              • Weder Herr Tobler,

                danke für die Bilder. Habe ich das nun richtig verstanden: Sie haben zu zweit je ein unterschiedliches Menü von 5 Gängen verspeist und wollten eigentlich 6? Oder haben Sie die 10 Gänge allein gegessen?

                Herr Sternentor

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                • Die 10 Gänge alleine hätte ich mir auch zugetraut... Aber im Ernst: Wir waren zu dritt, einer von uns wollte nur vier Gänge, wir beiden anderen hätten gerne die mittägliche Höchstzahl von jeweils sechs bestellt, bekamen aber jeweils nur fünf wegen Bestellung nach 13 Uhr – und hatten in diesen Variationen alle das Menü "Paris – Tokio".

                  KG

                  Tobler

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                  • Vielleicht hat ja jemand Zeit & Lust, kurzfristig bei Christian Bau einzukehren. Heute wurde seitens des Restaurants bei Facebook gepostet:
                    Liebe Freunde des guten Geschmacks,aufgrund familiärer Umstände wurde soeben
                    für diesen Samstagabend (25.Februar) kurzfristig
                    ein größerer Tisch storniert - somit hätten wir für
                    'Kurzentschlossene' und spontane Genießer wieder
                    Tisch & Bett frei....
                    Meldet Euch einfach via email an:

                    [email protected] oder telefonisch
                    +49.(0)6866.79.118


                    Frau März freut sich auf Euere Reservierung

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                    • Zusammen mit Schnecke, Junggaumen und Much habe ich am Vorabend unseres Club-Menüs bei Schanz das Victor’sFine Dining besucht. Nachdem wir an unseren Tisch geleitet wurden, begann erstmal der reguläre Prolog:

                      Entenleber mit Räucheraal & Apfel, Tapiokachip mit Fjord-Shrimps & Rosa Grapefruit und Crealienkräcker mit Pilzen & Chorizo sowie der Krustentier-Salpicon mit Gurkencrème & Pimentos de Padròn wurden auf einen Rutsch serviert. Während die Entenleber und der Shrimp eher kühlend und frisch wirken, hat der Kräcker eine schöne Erdigkeit und eine salzige Note.
                      Noch mehr an die Salzigkeitsgrenze geht für mich die Gurkencreme, dennoch ist der Gurkengeschmack nicht überlagert, sondern nur enorm intensiviert. Das kann schon durchaus als aneckend empfunden werden – aber es weckt es die Zunge ziemlich auf.


                      Geräucherte Sardine mit Green-Zebra-Tomate & Miso zeigt zunächst einen Tomatengeschmack in verschiedenen Varianten. Das Tomateneis hat erinnert mich an eine fruchtige reife Tomate, die Sauce von der Green Zebra Tomate ist erneut recht salzig (bzw. intensiv umamiumamigeprägt) und bringt den Säureteil des Tomatengeschmacks stärker zur Geltung. Trotz der Intensität sind das Tomateneis und der Sud elegant. Als Erdung scheint die geflämmten Sardinenstücke mit ihrem etwas groberen Aroma. Dieses und der Fett des Fisches kontern sehr gut die salzig-säuerliche Wirkung der Tomatenkomponenten.
                      Wirklich bemerkenswert, dass der Menüanfang in der Würze bzw. Salzigkeit so kräftig ausfällt und die Intensitätsgrenze antestet, diese aber nie überschreitet. Von nun an ging es sachter, filigraner und eleganter weiter.


                      Nun kommt die Frage der Menüauswahl – die uns Christian Bau aber mit einem Überraschungsmenü abnehmen möchte, wie uns Frau Bau offeriert. Das Angebot nehmen wir gerne an – und holen im „Gegenzug“ eine Sondergenehmigung ein, für die Dokumentation des Abends unsere geräuschlosen Kameras verwenden zu dürfen. Danke dafür!

                      Da der Aperitif (Markus-Molitor-Sekt mit einem kleinen Schuss Yuzo-Saft) geleert ist, setzt Frau Mann den zweiten Teil des Prologs mit einem Kabinett von Nik Weis nach.

                      Gänseleber mit Haselnuss, Sauerkirsche & Café Arabica ist dann das erste Extra für uns, eine verkleinerte Version des Upgrades, das regulär zum Menü angeboten wird. Die Kirsche ist dezent fruchtig, eher etwas säuerlich. Vor allem prägen die Bitternoten des Café prägen die Kreation. Die Gänseleber empfinde ich so regelrecht als leicht – großartig!


                      Schottischer Lachs „Label Rouge“ mit Daikon, Avocado & Zitrus ist verhältnismäßig reduziert in der Aromenfülle. Der Lachs dominiert hier und die weiteren Komponenten umspielen seinen Geschmack mit einem leichten, frischen Geschmack, den die Avocado punktuell etwas „anfettet“.


                      Lauwarmes Wachteleigelb mit Rahmspinat & Jabugo Bellota ist einfach: Löffel rein, großer Genuss!


                      Brot gibt es natürlich auch, ich halte mich wohlweislich zurück...


                      ‚Japanisches Meer‘, Gelbflossenmakrele ‚Sashimi‘ | Grüne Aromen & Algen | Ponzu verschweigt die eigentlich prägende Zutat unter der Bezeichnung „Grüne Aromen“ – es ist ein Gurkengeschmack, der die iodige Wirkung der Auster ebenso unterstreicht, wie die cremige der Makrele. Dadurch ergibt sich ein unfassbar vielschichtiger Gang, der gleichzeitig üppig ist, aber auch leicht scheint.
                      Die grünlichen Aromen unterstützt übrigens der Dreamy Clouds Tokubetsu Junmai Sake von Rihaku. Dieser Geschmack kommt, wie uns Frau Mann erklärt, dadurch zu Stande, dass dieser Sake „naturtrüb“ ist.


                      Blue Fin Tuna Torro [Der Bauch] Palmherz | Perigortrüffel | Dashi ist ein Highlight allein aufgrund der Qualität des Thunfischbauches, der einerseits im Mund zergeht, andererseits aber – da er leicht angebraten ist – auch eine gewisse Festigkeit hat. Trotzdem ist der Fisch kühler als der Dashi. Dadurch hat der Gang ein phänomenales Temperaturspiel, das Fleisch und Dashi gleichberechtigt nebeneinander stehen. Aufgrund des Trüffels hat der Dashi eine dezent erdige Note, die perfekt passt und zu dem Fisch einen interessanten Kontrast bietet. Das Palmherz wirkt minimal süßlich. In der Kombination funktioniert es ähnlich wie der Thunfischbauch als Kontrast zum Dashi. Ich bin geflashed.
                      Dazu ein passt der leicht gereifte , sehr elegante 2011er Kanzemer Hörecker GG von von Hövel von der Saar ganz genau.


                      Grüner Spargel von ‚Mon. Robert Blanc‘, Roter Sumak | Yuzu [-Confité] | Miso ist für mich besonders interessant: der grüne Spargel hat keine der für dieses Gemüse typischen Bitterstoffe. Es zeigen sich eher die süßlichen Aromen, die zudem noch mit dem Yuzo-Confite verstärkt werden. Der Kontrast dazu ist die sensationelle Hollandaise. Sie scheint regelrecht leicht und hat eine ganz dezente bittere Note. Ich assoziiere die Aromen des weißen Spargels, doch Frau Bau erklärt, dass das vom Soja kommt. Aromatisch empfinde ich das Gericht als „umgekehrten Spargel“ – das Gemüse selbst eher säuerlich-süßlich und die Hollandaise eher leicht bitter-erdig, wie normalerweise der Spargel. Ganz großartig!
                      Dazu gibt es 2009er Erdener Treppchen Spätlese trocken von Markus Molitor – eine dezente, passende Kombination.


                      Langoustine4, gegrillt, roh, gedämpft & Jus | Thai-Aromen | Yamswurzel | Zitrone aus Menton legt in der Aromenfülle kräftig zu. Die Thai-Aromen dominieren diesen Gang, der durch die zitrischen Noten aber noch eine gewisse Frische hat. Durch die Größe der Langoustine kommt weitere Balance in die Aromenkonstruktion. Ich finde den Gang nicht ganz so fein, wie den vorherigen, was einerseits an der zunehmenden Aromenkraft liegt, andererseits aber auch daran, dass ich kein großer Fan des typischen Thai-Geschmacksbildes bin.
                      Der 2002er Domaine de la Trufferie von Jean-Marc Boillot auf dem Languedoc, der hier etwas kühler ins Glas. Dadurch und mit seiner Struktur kontert er die große Kraft der Aromen auf dem Teller mit seiner Struktur.


                      Atlantik Steinbutt, Erbsen in Shiso | Spitzmorcheln | Vin Jaune ist der erste eher von europäischen Aromen geprägte Gang. Die Erbsen haben ein frisches Aroma, dies dürfte durch den Vin Jaune zusätzlich gestützt sein. Dies passt natürliche optimal zum Morchel-Geschmack, die den Geschmack bestimmen, aber nicht zu penetrant alles andere übertünchen. Somit ist der Gang zwar intensiv in der Aromatik, wirkt auf mich aber weiter filigran. Dass die Tranche vom Steinbutt von einem ziemlich großen Tier stammt und entsprechend toll in der Konsistenz und im Geschmack ist, muss ich nicht erwähnen, das Bild spricht für sich.
                      Der 1995er Bernkastel-Kuser Weisenstein Auslese vom Weingut Sybille Kuntz ist aufgrund der Reife gut ausgewogen und wirkt eher trocken als Auslesetypisch, Die Intensität passt optimal zur Morchel, die Mineralik dem Gericht, weiter an Balance zu gewinnen.


                      Taube von ‚Theo Kieffer‘, ‚Sandwich‘ aus den Innereien | Taubenjus mit Essig & Purple Curry fällt dezenter aus als die meisten vorherigen Gänge. Das Taubenfleisch ist selbstredend perfekt zubereitet. Es weist einen tollen Biss, auf die Haut ist extrem knusprig, was noch besser bei der Taubenkeule zur Geltung kommt. Das hat für mich Referenzqualität! Der Jus ist nicht allzu kräftig, so dass der Gang nicht allzu schwer. Vom Innereiensandwich esse ich angesichts der herannahenden Sättigungsgrenze nur einen Bissen. Er ist etwas metallisch, wirkt also auch frisch. Dennoch macht das Sandwich den Gang auch etwas deftiger.
                      Die Leichtigkeit des Gangs nimmt der 2005er Reserva der Bodegas Ontanon aus dem Rioja nicht ganz auf. Wenn dies der Hauptgang gewesen wäre (was der Gang ja auch in einem normalen Menü wäre), passt der Wein genau, ich hätte an der Stelle nichts gegen einen etwas dezenteren Wein gehabt.


                      US-Wagyu-Beef, kurze Rippe & Tatar | [geräucherte] Aubergine mit Miso | Paprika | Schwarzer Knoblauch kombiniert etwas herbere Gemüse-Aromen und die herb-süßliche Schärfe des schwarzen Knoblauch mit dem Fett und der Fleischigkeit des Wagyu. Auf dem Haupttleller gelingt dies aromatisch perfekt. Das Fleisch ist sensationell! Auf dem Nebenteller zeigt das Tatar noch mehr den Fett-Aspekt des Wagyu. An dieser Stelle belasse ich es erneut sättigungsbedingt bei einem Probierlöffel.
                      Sehr gut dazu ist der 1982er Chateau Fourcas Dupré aus dem Haut Medoc, da die Aromen von Paprika, Aubergine und Miso aufnimmt. Seine inzwischen reife Tanninstruktur ist das schöne Gegenstück zum Fleisch.


                      ‚Frühlingserwachen‘, Rhabarber in Textur | Himbeere | Buttermilch ist in den Aromen eher puristisch. Trotz aller Bearbeitung wirkt der Rhabarber eher grünlich und zeigt seine typische Säure. Diese mildert die Himbeere schon etwas und erst recht die Buttermilch. Doch das Dessert ist geschmacklich für mich weniger komplex, als es die Optik vermuten lässt. Aber es ist sehr erfrischend und das habe ich gebraucht


                      ‚Souvenir aus Asien‘, Pandan | Nashi-Birne | Ingwer verbindet die frische Schärfe des Ingwer mit etwas Würze und der Fruchtigkeit der Birne. Vor allem ist es aber ein schönes, cremiges Dessert, dass dennoch durch die Ingewerschärfe nicht mehr beschwert.
                      Zu den Desserts trinken wir einen 2003er Saarbuger Rausch Spätlese von Gelt-Zilliken (den Wein hat, wie wir am nächsten Morgen feststellen, das Weingut aktuell auch im Verkauf. Er kann beide Gänge begleiten, vor allem aber mit dem Ingewereis harmoniert die klare Mineralik und die präzise Frucht optimal.


                      Mit einer Phalanx schöner Petit Fours endet das Menü.


                      Was für ein großzügiges Menü (nicht nur durch die Integration der Supplements). Ich war einfach wunschlos glücklich nach diesem Feuerwerk an wunderbaren Gerichten, besten Produkten und der großen Gastlichkeit. Hier werden einfach Gourmet-Träume wahr. Die Gerichte sind komplex, definiert und durchdacht, aber auch so genussvoll, vollkommen selbsterklärend – da will man nicht mehr denken, sondern nur noch sinnieren. Ich kann einfach nur sagen: Danke für diesen großartigen Abend! Wer hier nicht glücklich wird, dem ist nicht zu helfen.

                      Übernachtet haben wir übrigens m Hotel Traube unten im Ort übrigens gut übernachtet. Auch die (günstigeren) Zimmer im alten Trakt sind modernisiert und für eine Nacht vollkommen ausreichend, allein das Bett zumindest im meinem Zimmer war für größere Menschen etwas knapp bemessen. Und das Frühstück war für den Übernachtungspreis vorbildlich. Und den Spaziergang konnten wir nach dem Menü am Abend wirklich gut gebrauchen.
                      Angehängte Dateien
                      Zuletzt geändert von QWERTZ; 20.05.2017, 23:46.

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                      • Christian Bau ist ja auf meiner To Do-Liste (die in diesem Fall eher eine Wunscherfüllungsliste ist) für dieses Jahr sowieso gesetzt, aber nach diesem Bericht und den großartigen Fotos möchte ich lieber heute als morgen dorthin. Ich hätte das erst nach dem Abendessen lesen sollen. Wenn ich jetzt wieder an den Herd gehe, fühle ich mich auf einmal sehr, sehr klein. Danke, lieber QWERTZ!

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                        • werter QWERTZ,

                          du bringst das mal wieder großartig auf den Punkt. Es lässt sich nur ergänzen das sowohl das Tartar als auch der Innereien Sandwich jeweils die frische Note zum Gericht gaben.
                          Wie bei den Mitstreitern bekannt ist für mich eine Aromen starke Moselweinbegleitung wie Sie hier geboten wird einfach nicht frisch genug und für mich auch zu wenig begleitend eher zu eigenständig.
                          Was ich aber nie verstehen werde wie ich einer Sommeliere oder einem Sommelier jemals bei bringen soll, dass ich wenn ich von trockenen Weinen spreche ich keine Spätlesen, Auslesen, Große Gewächse (für mich nichts anderes als meist sehr gute Spätlesen) trinken möchte. Da Kabinett ja wieder hipp werden glaube ich aber an eine herausragende Weinbegleitung in der Zukunft. :cheers:

                          Eines möchte ich noch einmal herausstellen, den wirklich großartigen Service der bei uns zum Menü gleichwertig war. Meine Frage woher den zur Zeit Tomaten in der Qualität der Green Zebras kommen würde, führte zu einem sehr schönen Austausch über viele Teile des Menüs uns wurde wirklich viel erklärt und ganz nebenbei hatten wir immer wieder einen netten Small Talk mit Frau Bau.

                          @Thomas das kann kaum ein koch nachkochen geschweige den ein Laie, wie zum Beispiel ich es bin, dafür kann ich vielleicht anderes besser.

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                          • Wahnsinnig guter Bericht zu einem wahnsinnig guten Abend. (War auch schon am tippen und wollten morgen posten ;-)) Dieser Abend setzt in so viele Belangen Masstsäbe. Welch unendlicher Aufwand hier für jedes Gericht getrieben wird, dabei aber nie verkopft, immer mit dem Geschmack im Fokus - das ist wirklich eine meisterhafte Balance. Kongenial dazu auch wie der herzliche Service unter der außerordentlichen symphathischen Frau Bau der so unnahbar perfekten Küche von Herrn Bau wieder etwas nahbares verleiht. Mehr drei Sterne geht nicht.

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                            • Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
                              Christian Bau ist ja auf meiner To Do-Liste (die in diesem Fall eher eine Wunscherfüllungsliste ist) für dieses Jahr sowieso gesetzt, aber nach diesem Bericht und den großartigen Fotos möchte ich lieber heute als morgen dorthin. Ich hätte das erst nach dem Abendessen lesen sollen. Wenn ich jetzt wieder an den Herd gehe, fühle ich mich auf einmal sehr, sehr klein. Danke, lieber QWERTZ!
                              Bei mir ist es eher die Do-it-again-and-again-Liste und ja, dieser Bericht und dieses Menü verlangen nach einem weiteren Besuch noch in diesem Jahr. Danke für den Bericht, QWERTZ, mal wieder sehr gut! (Und Christian Bau dürfte seine Fotografier-Erlaubnis nicht bereut haben.)

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                              • Zitat von Junggaumen Beitrag anzeigen
                                War auch schon am tippen und wollten morgen posten ;-))
                                Ich hoffe, Du stellst das Tippen nicht ein und ergänzt noch ein bisschen was.

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