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Gästehaus Erfort

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  • Ja, lieber merlan, ich verstehe was sie meinen. Darauf bezieht sich ja auch meine Anmerkung im Fazit, dass bei den portionsmäßig größeren Gerichten für mich ein Tick mehr ging. Der Steinbutt war exzellent gemacht und für mich aufgrund der kräftigerne Aromen so auch sitmmig, gerade als sommerliches Gericht. Aber beim Carabinero oder dem Reh hätten halt die begleitenden Aromen einen merklichen Tick kräftiger oder spannender sein können, ohne das die Gefahr bestanden hätte, die Erfort-Linie von Purismus und Filigranität zu verlieren.

    Ich finde auch, die Küche bietet deutlich mehr als "nur" eine perfekte Zubereitung. Sie ist eben reduzierter und minimalistischer als die der anderen Drei-Sterner. Minimalismus hat bekanntlich auch seinen Reiz, aber man sagt nicht "Wow", sondern erfreut sich an der Klarheit und der Direktheit.

    Ich denke es ist auch eine Frage, mit welchem anderen Drei-Sterner man das Gästehaus vergleicht. Wir haben in unserer Rangliste das Gästehaus ja in die Kategorie "Innovativ" eingordnet, so wie Bau, Wissler, Elverfeld, Hartwig oder Fehling. Verglichen damit würde ich sagen, nein, die Reise lohnt sich nicht und ich würde jedes dieser Drei-Sternerestaurants vorziehen. (Jürgens übergehe ich her mangels aktueller Eindrücke mal).
    Vergleiche ich es mit den Klassikern, also Sonnora, Schwarzwaldstube und Bareiss würde ich schon sagen, dass sich die Reise lohnt. Und ich finde auch, dass im Vergleich zu diesen Restaurants (Bareiss mangels aktueller Erfahrungen ausgenommen) die paar Punkte mehr für das GästeGaus in der Rangliste gerechtfertigt sind.

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    • Lieber merlan, obwohl ich (auch) keine Ahnung habe, will ich meine 5ct dazu beisteuern.

      Sie haben mit dem Steinbutt den Gang aus dem Menü herausgegriffen, der der „what you see is what you get“-Logik, wie QWERTZ es nannte, am ehesten entspricht. Alle anderen Gänge waren meiner Meinung nach komplexer. Wenn das Menü nur aus Gängen auf dem „Niveau Steinbutt“ bestanden hätte, wäre meine Einschätzung des Abends wahrscheinlich eine andere gewesen. Aber zu sagen, das bekäme jeder Koch mit den gleichen Zutaten schon hin, finde ich gewagt. Ich fand den Gang in dem Menü sehr gut.

      Ich glaube, es geht um Erwartungshaltungen und stilistische Unterschiede, die der Guide Michelin nicht abbildet. Die amtierenden ***-Restaurants (*-Köche gibt’s ja angeblich nicht) haben sehr unterschiedliche Stilistiken, die unterschiedliche Vorlieben bedienen, das bildet der Guide aber nicht ab. Von daher finde ich Ihre Aussage „typisch Erfort“ passend und würde es positiv sehen, dass das so einzuordnen ist.

      Gedankenspiel: Würde man den ***-ern in D die Zutaten von Klaus Erforts Steinbutt-Gang geben und 20-30 Gourmets (= hat schon mehr als ein ***-Restaurant besucht) die entstehenden unterschiedlichen Gerichte probieren und bewerten lassen, bin ich sicher, dass Klaus Erfort in der oberen Hälfte des Rankings erscheinen würde. Nicht weil er besser kocht, als 3-6 andere in der Klasse, sondern weil die Gäste das nach ihren Vorlieben so unterschiedlich bewerten. Und ich find’s gut: Der Michelin (und andere Gastro-Führer) weist die Richtung und wir müssen die genaue Adresse finden, die uns zusagt.

      P.S.: "innovativ" wäre nicht meine Kategorie gewesen

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      • Und promot ist das GästeHaus der Stilrichtung "Modernisierte Klassik" zugeordnet.

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        • Ich kann mit Ihren Anmerkungen sehr gut leben, lieber QWERTZ, lieber bernard, zeigen sie doch Aspekte auf, die eine andere Sicht der Dinge ermöglichen.

          Um eine noch andere Auffassung in die Diskussion einzubringen, möchte ich den Blogger Julien Walther von "Trois Etoiles" mit einigen Sätzen aus seiner "Opus V"- Kritik zitieren, wo dieser weit gereiste Esser die pure Einfachheit auf höchstem Niveau propagiert:

          "...Probleme, die mir bereits länger in vielen deutschen Spitzenküchen auffallen. Dabei stellen die Gerichte nicht jeweils ein Produkt von hervorragender Güte in den Mittelpunkt, sondern irgendein möglichst komplexes, mitunter diffuses Geschmacksbild. Die verschiedenen Aromen und Geschmäcker appliziert man dabei in unterschiedlichen Texturen und Darreichungsformen auf den Teller, was in Form von Cremes, Gels und angedickten Flüssigkeiten am besten gelingt (und sich praktischerweise auch am einfachsten vorbereiten lässt)"

          ".…meine Passion für natürliche Zutaten, die so großartig schmecken, dass man immer wieder ans sie denken muss, meine Begeisterung für Einfachheit auf höchstem Niveau."

          "....Sieht man sich in den wahren internationalen Spitzenküchen um, kann man feststellen, dass all das ein nahezu ausschließlich deutsches Phänomen ist, welches international auch nicht viele Freunde hat."


          Ich teile die recht harsche Kritik von Julien Walther nicht, wenngleich ich den einen oder anderen Gedanken durchaus nachvollziehen kann.

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          • Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
            Und promot ist das GästeHaus der Stilrichtung "Modernisierte Klassik" zugeordnet.
            Sehr gut, das passt deutlich besser. Gut, dass wir darüber gesprochen haben ;-)

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            • Bei dieser Diskussion sieht man doch wieder einmal, wie unterschiedlich auch in dieser Restaurantkategorie die Bewertungen von Lokalen ausfallen und dass persönliche Vorlieben bzw. subjektive Eindrücke oftmals eine bedeutende Rolle bei der Einschätzung eines Restaurants bzw. eines Essens spielen, und das ist meiner Meinung nach auch gut so!

              Ich zum Beispiel würde das Menü, welches ich vor zwei Jahren bei Erfort genossen habe (siehe in diesem Thread) als herausragend bezeichnen, da Produktqualitäten, unverfälschte Geschmacksbilder, perfekt abgestimmte Saucen, keine überflüssigen bzw. entbehrlichen schmückenden Beiwerke auf dem Teller, die den Gesamtakkord stören könnten etc., ein so harmonisches Gesamtbild ergaben, dass ich mir nur schwer vorstellen könnte, noch wesentlich befriedigter von einem Restauranttisch aufzustehen (und ich war schon in einigen Drei-Sternern, sowohl in welchen, die eher die avantgardistische, als auch in welchen, die eher die klassische Linie verfolgen).

              Dass man mein damaliges Menü aber auch sicherlich unter anderen Vorzeichen bewerten könnte, weil man vielleicht andere Aspekte in den Vordergrund rückt oder andere Vorlieben in Bezug auf Küchentechniken etc. hat, ist mir natürlich trotzdem klar, und das ist ja auch das spannende an diesem Forum, dass es diese Multiperspektivität gut abbildet. Deswegen sind die meisten Berichte hier im Forum für mich auch eine große Bereicherung und Hilfestellung bei der Planung von Restaurantbesuchen, weil man anhand der Texte und Fotos oftmals sehr schnell herausfiltern kann, ob die Küchenlinie eines Restaurants einem zusagt oder eben nicht, weil man sich ein differenziertes Bild von ihr machen kann.

              Das ist wie gesagt für mich eines der herausragenden Merkmale bzw. eine der großen Stärken dieses Forums (auch wenn es leider immer weniger aktive Verfasser von Berichten gibt...) und deswegen schätze ich diesen Austausch hier auch so sehr!!
              Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 24.07.2019, 23:00.

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              • Bin zu 100% bei Ihnen, lieber El Grande!
                Und auch hier: Gut, dass wir darüber gesprochen haben!

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