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Restaurant Falco**/Leipzig

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  • #91
    Ich glaube, lieber merlan, Sie kennen das Falco gut geng, dass sie selber wissen, dass die Gefahr, dass die Optik ein zu beherrschendes Thema wird,gering ist. Eigentlich waren es zuletzt immer ein oder zwei Gänge, die irgendwie optisch aus dem Rahmen fielen. Denken Sie an Streetfood (mit der zertretenen Dose), oder die Musik aus dem iPod zum Dessert. Auch ein Gang zu Beginn, der auf dem Holzkasten mit Glasdeckel angerichtet ist und mit Sand darunter angerichtet ist, gab es schon. Es waren halt jetzt nur zwei Umsetzungen, die optisch etwas provokanter waren.

    zur "neuen Lockerheit" - es ist ja nicht so, dass es vorher in nur irgendeinem Aspekt steif im Falco zugegangen wäre. Aber ich nehme an, ihnen geht es mehr um die Tischdecken als um die Krawatten. Sie werden sehen, die neuen Tische komm gut ohne aus. Wie gesagt, im Moment ist das neue optische Ensemble ja noch nicht komplett.

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    • #92
      In meinem Bericht vom Sommer habe ich schon die ersten Vorboten des neuen Falco-Innendesigns vorgestellt. Nun ist alles fertig.

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      • #93
        Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
        In meinem Bericht vom Sommer habe ich schon die ersten Vorboten des neuen Falco-Innendesigns vorgestellt. Nun ist alles fertig.
        Schade, dass die Stühle bleiben durften.

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        • #94
          Wie hier kürzlich gemeldet, geht das Falco mit einem neuen Design ins zweite Jahrzehnt seines Bestehens. Die runden Tische hatte ich bei meinem vorherigen Bericht schon beschrieben. Inzwischen ist auch der neue Teppich verlegt, einfarbig in einem rost-rot, erscheint das Restaurant etwas klarer und ruhiger in der Optik.

          Das Menü begann mit einer neuen Variante des Trust-Me-Kennzeichens. Dieses Mal war es gestockter Kefir mit einigen grünen Aromen zum Löffeln.
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          Der schmackhafte Lolly und der dieses Mal ziemlich fruchtige Salat (Himbeere) wurden mit der inzwischen zum Standard gewordenen Joghurt-Creme mit Birne und Jalapeno ergänzt, die unverändert großartig schmeckte.
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          Das "große" Amuse war Humus mit Räucheraal. Letzerer war meines Erachtens recht intesiv mit Rauch in Berührung gekommen, was hier geschmacklich sehr gut passte. Mein Humus war recht kühl. Dadurch stoppte er das Raucharoma des Aal ab. Ob das so gewollt war? Oder hätte der Humus eigentlich etwas wärmer serviert werden sollen, um mit dem Aal eine stärkere Verbindung einzugehen? Ich weiß es nicht, aber geschmeckt hat auch diese Ausführung gut.

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          Die Optik von R E H O R D I N Ä R, Tatar von der Keule, heißer Knuspersalat : Cumberland, Haselnuß Yoghurt : gebeiztes Eigelb assozierte ich mit einer Kinderzeichnung einer lachenden Sonne: oben links war die größte Ansammlung von Tatar und einigen der weiteren Aromen und davon ausgehend erstreckten sich die cremigen Strahlen über den Teller. Aromatisch war hier die Preiselbeere der klassisch-fruchtige Begleiter zum relativ neutralen Rehfleisch. Hinzu kamen aber eine recht präsente Noten der Orange(nschale). Sommelier Christian Wilhelm wählte dazu als einen 1999er Dorsheimer Pittermännchen Riesling Kabinett, Schlossgut Diel von der Nahe aus. Der Wein hatte eine angenehme Restsüße und schöne Reife. Aromtisch nahm vor allem die orangenschaligen Aromen bestens auf und verstärkte sie.
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          Den nächsten Gang hatte Oliver Kraft uns als Highlight schon empfohlen, den wir auf jeden Fall essen sollten: FEUERTOPF B R U C E L E E zum Schlürfen, Hamachi roh Citronnelle, süßes Schwein : Düfte Saigon’s. Dieses Versprechen erfüllt diese Komposition gleich in mehrfacher Hinsicht. Zunächst war der Hamachi von wunderbarer Qualität. Die Kombination mit dem ziemlich dünnen und nur ganz dezent eingesetzten Schweinebauch verlieh ihm noch mehr Fleischigkeit. Ansonsten war der Schweinebauch durch die krosse Haut auch noch für die Textur wichtig. Recht markant kam die Säure der kleinen Kleckse zum Vorschein, da diese warm waren. Dadurch verbreiteten sei eine intensive Säure-Wirkung und ließen die Kombination recht filigran erscheinen. Das aromatische Gegengewicht auf dem Teller war die Creme aus Aubergine, die einen gewissen erdigen Geschmack hatte und somit die Kraft der Komposition erhöhte. Schon so war dies ein ausgereiftes Gericht. Aber es war ja nur der eine Teller. In einem kleinen gusseisernen Töpfchen wurde eine asiatische Suppe serviert. Der heiße Topf stand auf Blättern einer Zitrusfrucht (Kaffir-Limette glaube ich). Dadurch verbreitete sich der Zitrusduft gerade zu Beginn ziemlich wahrnehmbar, der passte optimal zu dem Gel auf dem Teller, aber in der Suppe war dieses Aroma gar nicht enthalten. Dieser Duft verband die Suppe und die Fischkombination sehr gut – ein schöner Effekt. Die Suppe war stark umami-geprägt und changierte leicht ins Bittere. Dadurch ergaben sich tolle Kontraste und Verbindungen mit der Hamachi-Verbindung. Der
          2010er Königlicher Pillnitzer Weinberg Riesling "R", Weingut Klaus Zimmerling aus Sachsen nahm dieses alles gut auf und passte zu allen Phasen und Kombinationsmöglichkeiten des Gerichts.
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          Nun folgte ein für PMS-Verhältnisse ziemlich subtiler Gang: S E E Z U N G E milde im Vakuum gegart, Spinat EKC Estragon : Kerbel : Coriander Haut Chips, Chorizo Mayo : Ashanti Nuß. Highlight war der "Spinat", der eigentlich so schmeckte, wie üblicherweise Spinat schmeckt, nur viel konzentrierter. Dies wurde dadurch erreicht, dass der Spinat mit den genannten Kräutern und – wenn ich es richtig in Erinnerung habe – Petersilienwurzel aufgepimpt. Die Kräuter waren knapp über meiner individuellen Wahrnehmbarkeitsschwelle erkennbar, aber insgesamt schmeckte es eben herrlich nach Spinat. Die Sauce war recht fruchtig. Die Chorizo und die Nussigkeit bildeten eher ein Hintergrundaroma. Der Wein, ein 2011er Quarz Sauvignon, Cantina Terlano aus Südtirol wirkte zunächst für mich ein bisschen mainstreamig-fruchtig, zeigte aber vor allem im Abgang seine Substanz, auch durch den leichten Holzeinfluss.
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          Nach einer kleinen Erfrischung…
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          ging es fleischig weiter: A C H T U N G B L U T I G!, U.S. Rind, Top Blade Roast : Schaufelstück Flat Iron, Gelbrübe à la Vichy : grüne Zitronenmarmelade, japanische Petersilie : fermentierter Knofl.
          Top Fleisch, Gemüse und vor allem die Kombination aus dem Zitrusaroma und dem Fond war hochinteressant. Für Schur’sche Verhältnisse war dies eine fast einfache Kombination – aber warum nicht, wenn es so lecker ist, wie hier. Zum Trinken gab es hier einen portugiesischen Bical: 2013er Nossa Calcário Branco, Filipa Pato, Bairrada. Der passte sehr gut, aber vielleicht zeigte er in Kombination mit dem Essen nicht unbedingt seine Vielschichtigkeit.
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ID: 49464

          Der Hauptgang, L A M M H Ü F T E magnifique, Knollensellerie à la Bouillabaisse, heißes aigre-doux Gemüse Blumenkohl : Artischocke : rote Zwiebel, Jalapeños : Cräcker Marseille, Sauce Périgord war eine Kombination klassischer französischer Gerichte in einem. Bouillabaisse und Trüffelsauce können ganz hervorragend zusammen passen, wie dieses Gericht beweist. Etwas Schärfe kam durch die rote Paprika-Nocke in die Kombination. Insgesamt war das ein sehr aromenstarker Gang, der nicht – wie der vorherige – so stark dem puren Fleischgeschmack herausstrich sondern hier waren es Gemüse, Trüffel, die leichte Schärfe und der durch gefrorene Foie Gras-Späne ebenso präsente und schmelzige Cräcker, die viel Abwechslung brachten, aber auch ein sehr kompakten Gesamtgeschmacksbild entwickelten. Der 2004er Orphée vom Château Chambert aus dem Cahors bestand zu 100 Prozent aus Malbec. Ich habe vor allem eine gewisse Würze und Erdigkeit in Erinnerung, der die Kraft des Gerichts schön ergänzte.

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          Als Prédessert gab es eine herausragende Kombination, die ein wenig wie ein süßes und Caprese schmeckte. Sehr interessant.

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          Das erste richtige Dessert, T E E Z U M E S S E N Jade Grüntee, kalte Milch vereist belgische Endivie, Buddha’s Hand : Mangostanen gefiel mir durch frische grüne Aromen und die Frucht, die durch das sehr milchige Eis eine schöne runde Sache war. Die fruchtigen Bestandteile bekamen mehr Kraft durch einen außergewöhnlichen Süßwein: ein 2012er Sauvignon blanc Auslese von Drautz Abele aus Württemberg.
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ID: 49467

          Das zweite Dessert war noch besser: G O L D aus Venezuela, D O M O R I Hazienda San José, Nougat : 2 mal Apfel : Meerrettich, Kefir : Entenstopfleber Öl, Sansho Pfeffer : Calvados. Die Kombination überzeugte durch die Aromen eines sehr reifen roten Apfels, die leichte Fleischigkeit, vor allem aber die Mundfülle des Entenstopflebersöls und die Cremigkeit von ziemlich milchigen Schokoladen. Die leichte Schärfe verhinderte, dass es zu (milchschokoladig) wurde. Vor allem die reifen Apfelnoten erhielten so eine markante Unterstützung, die durch den Calvados 2011er Givre, Domaine Dupont, Normandie noch vergrößert wurde.
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ID: 49468

          Dieses Menü erschien mir bis zum Hauptgang etwas gezähmter als im vergangenen August. Die Kombinationen waren weniger wild und markant, sondern etwas filigraner und zurückhaltender, aber auch entspannter und weniger forciert. Die Desserts waren für mich klarer und präziser. All das bestätigt meine Falco-Meinung zum wiederholten Mal: eine der interessantesten Küchen des Landes, die immer wieder neues zu bieten hat und seit einigen Jahren – trotz stetig neuer Gerichte – dieses Top-Niveau immer wieder bestätigt.

          Zum zehnten Geburstag gibt es übrigens im Falco von Anfang Juni bis zur Sommerpause Mitte Juli zum 5-Gang-Menü die Getränke (incl. Wasser, Weinbegleitung; Kaffe und Digistif) praktisch geschenkt – Wer will jetzt noch warten, nach Leipzig zu reisen? Die Stadt wird übrigens in diesem Jahr 100 Mal so alt, wie das Falco. Es dürfte also ein lohnender Städtetrip sein.

          Zum Abschied gab es dann noch die schönen Boccia-Kugeln im Pliz-Nuss-Sand. Ich freue mich schon heute auf den nächsten Besuch.

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ID: 49469
          Zuletzt geändert von QWERTZ; 15.03.2015, 19:02.

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          • #95
            Muss ich nicht unbedingt in Leipzig mal wieder nach dem Rechten sehen?

            Und abends braucht man ja schließlich ein Häppchen zu essen?!

            Danke, lieber QWERTZ! Was täten wir nur, wenn wir Sie nicht für die regelmäßigen Falco-Updates hätten?

            Schönen Gruß, Merlan

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            • #96
              Inspiriert durch ihren mundwässernden Bericht, werter QWERTZ, habe ich mir soeben die Homepage des Lokals zu Gemüte geführt und bin dort auf den Flyer zum 10-jährigen Jubiläum gestoßen. Das Duo Kraft/Schnurr läßt es, wenn man sich dort die Übersicht der Events einmal genauer anschaut, dieses Jahr vor allem im November so richtig krachen, denn dann geht es für Liebhaber der edlen Knolle mit den beiden Falco-Granden für ein Wochenende per Privatjet von Leipzig nach Mailand und von dort mit sechs Ferraris (sic!!) weiter zur Trüffelsuche in das Piemont. Kostenpunkt: schlappe 10.000 Euro pro Person. Meine Herrn, das ist doch mal ne Ansage.... Erinnert in seiner Dekadenz ein wenig an eine postkoloniale Großwildjagd in Afrika a la Hemingway, nur dass keine Elefanten, sondern Trüffel und keine Geländewagen, sondern edle Sportflitzer italienischer Provinienz durch die Poebene "gejagt" werden...
              Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 15.03.2015, 22:14.

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              • #97
                So ist eben für jeden was dabei: von der Dekadenz bis hin zum Angebot für den Sparfuchs.

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                • #98
                  Lieber qwertz,

                  mal wieder ein grandioser Bericht von Ihrem Lieblingsfastdreisterner, Danke dafür !
                  Wenn ich mir Ihre wunderbaren Bilder und die Namensgebung der Gänge ansehe, wirkt es alles für mich -ungeachtet des offenbar hervorragenden Geschmacks- ein bißchen zu gewollt. Ein bißchen too much. Aber das sei mein ganz persönlicher Eindruck. Vielleicht werde ich aber nur zu alt für manchen Firlefanz um gutes Essen.

                  Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
                  Erinnert in seiner Dekadenz ein wenig an eine postkoloniale Großwildjagd in Afrika a la Hemingway, nur dass keine Elefanten, sondern Trüffel und keine Geländewagen, sondern edle Sportflitzer italienischer Provinienz durch die Poebene "gejagt" werden...
                  Mit den Herrschaften, die hier wohl mitmachen, möchte ich nichtmal eingeladen mitfahren. (Neid des Besitzlosen !)
                  Mich düngt aber, daß der, der 10TEU dafür übrig hätte, das Cavallino eh in der Garage hat und solche Ausflüge eher meidet ?
                  Aber vielleicht doch auch eine gute Geschäftsidee, lieber Hannes, fürs Forum ?

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                  • #99
                    Unsere Gourmettouren sind ja ein erster Schritt in diese Richtung, lieber Spérico.

                    Vielen Dank auch für das Lob. Ja, man kann manches an der Inszenierung von PMS als egozentrisch oder auch exzentrisch, meinetwegen auch plakativ empfinden. Aber er versteht sich aus expliziter als viele andere Köche als Künstler. Es ist dadurch einfach ein zugespitztes und an vielen Stellen kompromissloses Genusserlebnis, das eben weil es nicht jedem gefallen will seine Qualität erreicht. Da gehört eben auch diese spezielle Schreibweise in der Karte dazu.
                    Zum Glück muss man das ja nicht essen, sondern das wirklich hervorragende, was auf dem Teller ist.

                    Ich war ja in diesem Jahr schon im La belle Epoque, Aqua und beim Club-Abend im Vendôme. Vor keinem dieser 3-Sterner müsste sich im Falco irgendwas verstecken. Service und Weinauswahl zum Menü übrigens auch nicht.

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                    • Schon seit einiger Zeit gibt es bei Youtube dieses Interview mit PMS anlässlich des 10jähigen Bestehen des Falcos, aber wie die erst 95 Aufrufe zeigen, es hatte noch zu wenig Zuschauer: "Immer Kickdown, immer Vollfeuer", sagt er und nicht anders habe ich es dort in den vergangenen Jahren erlebt.https://youtu.be/Ffn9Vg3-6ro
                      Zuletzt geändert von QWERTZ; 29.05.2015, 00:01.

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                      • Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                        Schon seit einiger Zeit gibt es bei Youtube dieses Interview mit PMS anlässlich des 10jähigen Bestehen des Falcos...
                        PMS? Seriously?!

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                        • Dieser Bericht liegt leider schon seit einiger Zeit auf meinem Rechner, nun ist das Sonderangebot zum 10jährigen Bestehen des Falco leider praktisch vorbei und das Team geht Ende der Woche in die wohlverdiente Sommerpause. Unmittelbar vor Beginn der Veranstaltungsreihe des Falco zum zehnten Geburtstag, Ende Mai, war ich mal wieder in der Stadt und habe meinen August-Besuch vorgezogen. Die Karte war etwa noch zur Hälfte identisch mit der, die bei meinem Besuch im Februar angeboten wurde. Aber Maitre Oliver Kraft hatte mir schon ein Menü zusammengestellt, dass die neuen Gerichte, bzw. die, die ich bei meinem vorherigen Besuch noch nicht gegessen hatte, enthielt.

                          Die Amuse-Zusammenstellung hat sich gegenüber dem vorherigen Besuch etwas verändert: es wird nun ein dreiteiliges Start-Set kleiner Häppchen serviert, einer mehr als bislang, dafür entfällt das größere Amuse. Die Zusammenstellung war fein und gelungen.
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                          Nun begann das Menü. Den Auftakt machte O Y S T E R B E N E D I C T Gillardeau M4, 14 Minuten Ei : Austern Meerwasser Mayo, Fleischtomate. Eigentlich hatte das Gericht eine sehr anspruchsvolle Konstruktionsidee, die sich meines Erachtens aber nicht zur voll zur Geltung kam. Zumindest die Hälfte des Spaßes, den dieses Gericht für mich ausmachte, basierte auf dem Spiel des warmen flüssigen Eises mit den weiteren, im Gericht verarbeiteten Fetttexturen, wie dem Lardo und der Mayo, die kalt waren. Leider verlor, naturgegeben, das Eigelb aber recht schnell an Temperatur, so dass dieser tolle Effekt nicht allzu lang anhielt. Den geschmacklichen Kontrapunkt mit Frische bzw. Iodigkeit setzten logischerweise die Austern und die Tomate, was aufgrund der Säure der Tomate auch wieder ein spannendes Spiel mit der Auster auf der Zunge auslöste. Mit warmen Ei fand ich den Gang spitzenmäßig, komplex und filigran zugleich. Mit dann abgekühltem Ei war für mich das Gericht "nur" sehr gut. Also, vom typischen Jammern auf hohem Niveau kann ich da gar nicht mehr sprechen, weil schon das Wort Jammern schon eine zu hartes Wort wäre. Zu diesem Gang hatte Christian Wilhelm einen schönen, recht kräftigen Champagner ausgewählt, Jahrgang 2005, wenn ich mich recht entsinne. Das Haus, aus dem er kam, habe ich aber leider vergessen und in der freundlicherweise nachgesandten Liste der getrunkenen Weine, waren nur die ohne Perlen aufgeführt…

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                          Als Extra bekam ich zusätzlich den zweiten Ersten Gang des anderen der damaligen Menüs zusätzlich serviert: die Foie de Canard Entenstopfleber, Ananas Chicorée : Champignon de Paris, Bachkresse : Basilikum. Zunächst fiel mir hier auf, dass der vollkommen unbehandelte Champignon und die gekühlten Leberspäne einen stumpfen Eindruck auf meiner Zunge entfalteten. Dies war der fruchtbare Boden für zwei tolle, intensive Kontraste: das sehr frische und fruchtig-intensive Ananas-Relish und das nicht minder kräftige Kräuter-Pesto. Dieses bekam durch die Leberspäne die zusätzliche Intensität - Wundervoll. Wundervoll dazu der 2012er Trittenheimer Apotheke Riesling Auslese aus dem Weingut Josef Rosch. Ein Moselwein, der sowohl mit Frucht, als auch kräutigen Aromen hatte und so dem Spiel von Ananas und Bachkresse seine Schieferkraft zusätzlich verlängerte.

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                          J A K O B S M U S C H E L N roh & geflämmt, Himbeere : Arganöl : grüne Olive, Speck Bouillon : Minarettkohl war sehr komplex: zunächst ist die Kombination aus Jakobmischel, Himbeere und Blumenkohl nicht so ungewöhnlich, jedenfalls hatte ich vor Jahren schon mal in einem Magazin ein entsprechendes Rezept gelesen und ich habe es zu Hause probiert und war mittelmäßig begeistert. Aber hier war es allein schon dadurch, dass neben der Muschel auch der Kohl geflämmt war, deutlich differenzierter. Tatsächlich spannend war die rohe Himbeere, die mit viel Säure und nur etwas Frucht die Kombination angenehm dominierte. Etwas schwieriger fand ich die Himbeercreme, die doch sehr intensiv fruchtig war. Sie überdeckte den Kohl und passte nicht so gut zur Musche. Aber wie immer ist es eine Frage der Dosis: in minimaler Menge ergänzte sich alles wieder wunderbar, vor allem wenn ich die Oliven-Creme dazu nahm. Eine Klasse für sich in diesem Bühnenstück war, ohne der Star zu sein, die Bouillon. Sie verlieh der Kombination etwas Opulenz und Intensität und zähmte die Himbeere. So zeigte sich diese Kreation enorm vielschichtig, risikoreich, weil, für den Fall, dass man die Wirkungen mit der eigenen Zunge nicht sofort erkennt, man auch viel Disharmonie fühlen könnte. Daher wäre mein Verbesserungsvorschlag, die Creme in kleineren Tupfen auf dem Teller zu verteilen, so dass gar nicht die Gefahr besteht, dass davon zu viel auf die Gabel kommen könnte.
                          Dazu gab es – zum Glück – einen nicht allzu lauten, aber sehr gut passenden 2012er Chablis Grand Regnard von der Domaine Regnard, Burgund.
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                          Ähnlich komplex war meines Erachtens R O C H E N F L Ü G E L gegrillt, Salatstrünke : Minze : Eierstich, Distelgemüse. Hier verbanden sich alle Bestandteile zu einer ziemlich grünlich-kräutrig schmeckenden Verbindung, die sehr intensiv war. Hier galt es mit dem Rochen etwas "gegenzuarbeiten", um so ein schönes, rundes vegetabiles Aromenspiel auf der Zunge zu erhalten, was aber problemlos möglich war, auch weil das Rochenstück sehr fleischig war. Gewöhnungsbedürftig fand ich den 2012er Le Blanc des Junquets von der Domaine Du Mas Blanc, Roussillon. Aber ich hatte mich schnell an ihn gewöhnt und dann passte er sich vor allem der kräutrigen Kombination des Gerichts wunderbar an.
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ID: 49776


                          Toll war auch das Zwischenspiel zwischen Fisch- und Fleischgängen, leider weiß ich nicht mehr, was es genau war.

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                          E I C H E L S C H W E I N SECRETO Garimori Danke Provence!, Paprika : Tomate : Bohne : Zucchetti : Olive : Fenchel : weißer Bauchspeck, Seeigel Tapenade war deutlich weniger einfacher zu verstehen, als die beiden Fischgänge zuvor. Dafür war er aber enorm geschmacksintensiv. Die volle Aromenkraft steckte in der stark nach Paprika schmeckenden roten Creme. Alle anderen Aromen gruppierten sich um den Hauptzusammenhang Parprika-Fleisch. Ein schönes Gericht, um sich zurückzulehnen – zur rechten Zeit nach den fordernden Fisch-Gängen. Dazu gab es einen 2010er Artigas, Bodegas Mas Alta aus dem Priorat.

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ID: 49778

                          Das P E R L H U H N Jean Claude Miéral, Sauce thailandaise Inspiration @ Hollandaise verbrannter Frühjahrsporee : Miso Pilz Crème, Keulenfleisch Ragout ging ähnlich intensiv zur Sache, was vor allem am Hühnerfond lag. Dahinter stand die Feinheit der Hollandaise, die mit asiatischen Aromen umgesetzt wurde, etwas zurück. Dies fand ich schade, da diese mir praktisch als Highlight von Christian Wilhelm angekündigt wurde. Nicht, dass es geschmacklich nicht gepasst hätte, nach der ausführlichen Information über die Zusammenstellung hätte ich sie mir einfach etwas präsenter auf dem Teller vorgestellt. Egal, schauen wir wieder auf den Geschmack: das Huhn sehr schön, saftig mit geschmackvoller Haut, die Leichtigkeit des Gerichts unterstützte der Lauch. Dadurch kamen für mich die asiatischen Anleihen des Gerichts stärker zur Geltung, als durch die Hollandaise.Toll, wie der Wein, ein 2001er Chambolle –Musigny von der Domaine Barthod, Burgund den Fuß vom Gas nahm, in dem Sinne, in dem er erst einmal für sich schon sehr gut war, aber in der Kombination mit allen Bestandteilen, diesen einfach mehr Spiel gab, da der intensive Fonds etwas abgerundet wurde.

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                          Der süße Reigen begann mit einem wunderbaren Predessert, was es konkret war, weiß ich leider nicht (mehr).

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                          Nun ging es zu den Desserts: P A I N K I L L E R weiße Schokolade : Himbeere : Jalapennos, grüne Pimento : Kiwi war ein großartiges Dessert, denn hier gaben die verschiedenen unter dem roten Deckel verborgenen Früchte mit ihren unterschiedlichen Säuren klar den Ton an, vor allem die Kiwi wirkte durch die leichten Schärfeelemente schön durch. Ein wirklicher Erfrischer, der dank es cremigen Eises trotzdem Dessertfreunden gefällt. Der 2014er Cabernet Sauvignon Rosé Beerenauslese vom Weingut Frey, Pfalz war ein entsprechend guter Begleiter.

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                          ...aus der (kalten) Lamäng, Aprikose : glatte Petersilie : Nußbutter, Cocusnuß gefiel mir durch das Spiel der Kokosaromen mit der Aprikose und den kräutrigen Einflüssen. Der Kokosgeschmack harmonisierte hier und entwickelte, obwohl nicht allzu stark, eine schöne Präsenz. Dazu gab es einen bemerkenswert schönen Süßwein: der 2005er Riesling -BA- vom Weingut Klaus Zimmerling, Sachsen.

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                          Zum Schluss gab es noch die inzwischen Klassiker avancierten"Boccia-Kugeln"
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                          Mich haben das Menü und der ganze Abend jedenfalls sehr glücklich gemacht. Das Falco ist unverändert für mich eines der interessantesten Restaurants Deutschlands und es verliert nicht an Attraktivität, da sich niemand hier Stillstand gönnt, ohne gehetzt zu wirken (wie vielleicht noch vor einigen Jahren). Nach der Renovierung des Gastraums arbeitet das Team mehr denn je an einer für Leipzig und das Hotel passenden Neuinterpretation, wie ein Gourmetrestaurant im Jahr 2015 aussehen kann. Während andere noch Fragen stellen und darauf warten, welche Idee als nächstes kopiert werden kann, hat das Falco-Team schon einige Antworten gefunden, ohne sich an einen großen Trend anzuhängen.
                          Zuletzt geändert von QWERTZ; 15.07.2015, 01:12.

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                          • Danke lieber Qwertz für den tollen Bericht - das Warten hat sich gelohnt.

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                            • Werter QWERTZ,

                              vielen Dank für den interessanten Bericht.

                              Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                              Toll war auch das Zwischenspiel zwischen Fisch- und Fleischgängen, leider weiß ich nicht mehr, was es genau war.
                              Da kann ich weiterhelfen, bei mir war es ein Ananas Shiso-Kresse Sorbet mit Spitzkohl- und Gurkensaft und etwas Limonen-Olivenöl. Ein interessantes aber ungewöhnliches Geschmacksbild.

                              Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
                              Der süße Reigen begann mit einem wunderbaren Predessert, was es konkret war, weiß ich leider nicht (mehr).
                              Das war griechischer Joghurt mit Äpfeln, Brombeeren und etwas Ziegenkäse

                              Gruß
                              Jürgen

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                              • Lieber Jürgen,
                                danke für die Erinnerungshilfe. Jetzt habe ich auch wieder den Geschmack der Predessert auf der Zunge. Es war nämlich eine schöne Mischung aus leicht süßlich und cremig-käsig. Praktisch Käsegang und Desserteinstimmung im einem. Ich hoffe, Du lässt uns im Forum noch an einigen deiner Eindrücke von deiner Exkursion durch Sachsen und Bayern teilhaben.
                                Zuletzt geändert von QWERTZ; 18.07.2015, 12:10.

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