Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Landgasthöfe in Sachsen

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Landgasthöfe in Sachsen

    Ostsachsen außerhalb von Dresden ist nicht gerade als Gourmet-Mekka bekannt. Im Restaurant Sendig in Bad-Schandau war ich noch nicht, kann deshalb nicht beurteilen, ob davon Impulse ausgehen können.

    Mein Eindruck ist, dass vor allem in der sächsischen Schweiz und in der Oberlausitz immer mehr kleine bäuerliche Betriebe entstehen und auch entdeckt werden, die hervorragende Produkte erzeugen. Dass hier viel passiert, zeigt sich u.a. auch daran, dass das Convivium Lausitz von Slowfood gleich mit 50 Mitgliedern starten konnte. Man darf nicht vergessen, dass wir hier nicht von einer besonders dicht besiedelten Gegend sprechen.

    Sehr viele Landgasthöfe bilden leider immer noch die traurige Wirklichkeit irgendwo zwischen frittierten Schnitzeln, tiefgefrorenen und aufgetauten Beilagen und Riesenportionen ab. Lichtblicke zeigen sich aber immer häufiger.

    Nachdem ich schon lange nicht mehr da war, ging es nun zum Mittagessen in den Landgasthof Schwarzbachtal nach Hohnstein, Ortsteil Lohsdorf. Zufällig vorbei kommt man hier eher nicht. Sehr schön ist es im Schwarzbachtal aber. Das Schwarzbachtal geht in das Sebnitztal über, ist nicht weit weg vom Polenztal, vom Kirnitzschtal, usw. Es erwartet einen eine wildromantische und ziemlich verlassene Gegend mit einer sehr vielfältigen Flora und Fauna und vielen Nachweisen über eine ehemals durchaus prosperierende Gegend. Und alleine das je nach Entfernung zwischen laut und leise wechselnde Rauschen des Schwarzbachs ist einen Besuch wert.

    Der Landgasthof Schwarzbachtal verfolgt den Slowfood-Gedanken einer Küche auf Basis möglichst regionaler und folglich auch saisonaler Zutaten. Bei der Mehrzahl der Zutaten liegt der Ort der Herkunft kaum 20 km von Lohsdorf entfernt. Um in den Genuss des wirklich guten Essens zu kommen, muss man allerdings über viele andere Dinge großzügig hinwegsehen. Bei unserem Besuch hatte der Service seinen ersten Tag, deshalb muss man nachsichtig sein. Trotzdem waren die Wartezeiten beim Abräumen, für eine Karte, etc. etwas arg lang, und vom Service geduzt werden, möchte man eigentlich auch nicht.

    Die Patronin und Köchin, Dr. Barbara Siebert, ist übrigens (wie der Beschreibung im Feinschmecker zu entnehmen) aus dem Markgräflerland und hat sich erst nach der Wende gen tiefen Osten aufgemacht, um das Restaurant zu eröffnen.

    Zum Essen:

    Es sind drei verschiedene Menus im Angebot (das Hauptmenu, ein regionales Menu und ein vegetarisches Menu). Dazu gibt es noch ein paar weitere à la carte Gerichte, die sich teilweise vor allem an die Hauptkundschaft der Wanderer wenden dürften. Wir wählten das regionale Menu.

    Los ging es mit einem Amuse Bouche, einem Petersilienwurzelsüppchen mit Kichererbsen-Chili-Puree. Der Petersilienwurzelgeschmack wurde dabei sehr gut herausgearbeitet.

    Der erste Gang war erneut ein Süppchen, dieses Mal eines aus Cunnersdorfer Frischkäse mit Meerrettich, Roter Bete und Regenbogenforellenstreifen aus Langburkersdorf. Ich bin kein Fan von Käsesuppen, da sie im Geschmack oft zu intensiv sind und gerne etwas ausflocken. Geschmacklich war auch das Cunnersdorfer Frischkäsesüppchen sehr intensiv, die Rote Bete und v.a. die sensationell elegant schmeckende Forelle brachten aber ausreichend Milde.

    Das Hauptgericht brachte Licht und Schatten. Ein Rumpsteak von einem Erzeuger aus dem nahen Lohmen war wiederum geschmacklich ein echter Augenöffner, jedoch nicht gut gegart. Es schien, als hätte das Essen zu schnell rausgemusst. Hier hätte man sich ausnahmsweise mal mehr Zeit nehmen sollen. Begleitet wurde das Rumpsteak von Rote Bete, Kürbis- und Petersilienspätzle und einer wiederum sehr guten winterlichen Gemüsevariation, bestehend aus Karotten mit Ingwer, Schwarzwurzeln mit Ziegenfrischkäse und Senffrüchten, leicht säuerlich angemachtem Lauch, Grünkohl und Roter Bete. Der Teller war hierdurch sehr überladen. Die Begeisterung der Küche für die Vielfalt der auch im März verfügbaren lokalen Gemüse wurde aber transportiert.

    Beim Dessert bekamen wir leider das falsche serviert, konnten uns aber damit ohne Probleme abfinden. Das Mango-Limetten-Törtchen mit Ingwer-Parfait und Orangen-Crème war mit viel Liebe angerichtet, jedoch ausnahmsweise nicht aus regionalen Zutaten hergestellt. Hier hätte man auch noch etwas kräftiger die einzelnen Zutaten pointieren können, z.B. die Schärfe des Ingwer.

    Die Weinkarte ist übrigens für ein Restaurant dieses Zuschnitts erstaunlich gut bestückt mit einem guten Querschnitt durch das Anbaugebiet Sachsen, einigen tschechischen Weinen und auch ein paar schönen Weinen aus Baden, von der Mosel (Willi Schaefer!) und aus Frankreich und Italien.

    Aus meiner Sicht ist der Landgasthof Schwarzbachtal ein echtes Kleinod. Wenn man nicht - angesichts der naheliegenden Kundschaft - auch den etwas deftigeren Geschmack bedienen müsste, würde ich dem Restaurant echte Hochtleistungen zutrauen. So hat man einen sehr guten Mittelweg gefunden, denn auch die Preise sind sehr fair kalkuliert (Regionalmenu: 30 Euro, Flasche Wasser: 3,30 Euro). Zum Schluss muss ich nochmal etwas Werbung für das schöne Sachsen machen . Ein Ausflug oder sogar ein Kurzurlaub in die Sächsische Schweiz auch abseits der offensichtlichen Besuchermagneten wie Bastei, Rathen oder Bad Schandau lohnt sich. Es würde mich jedenfalls freuen, wenn möglichst viele Leute auch von außerhalb die Gegend besuchten. Denn nur so werden auch kulinarisch größere Schritte möglich. Vielleicht verirrt sich ja auch mal ein Tester des Guide Michelin oder des Gault Millau dort hin. Über die Verleihung eines Bib Gourmand oder 13 GM-Punkten könnte man durchaus nachdenken.

  • #2
    Hallo Rocco,

    vielen Dank für Ihren Bericht abseits der Sternegastronomie; kann Ihre positiven Eindrücke vom Landgasthof Schwarzbachtal voll und ganz bestätigen. Ich bin durch den aktuellen Gusto auf das Haus aufmerksam geworden und war, da ich einige Tage beruflich in der Sächsischen Schweiz zu tun hatte, erst unlängst dort. Im Gusto hat die Küche wegen mangelnder Präzision (noch?) keine Auszeichnung bekommen, wird aber völlig zurecht positiv besprochen und für das sehr gute Preisleistungsverhältnis gelobt. Den Service empfand ich übrigens, genau wie Sie, etwas zu salopp, aber irgendwie trotzdem noch sympathisch. Die Küche macht Spaß und bietet mehr, als man erwartet. Wenn ich wieder in der Gegend bin, werde ich auf alle Fälle zum Wiederholungstäter.

    Rouget

    Kommentar


    • #3
      Werter rocco,

      schön das Sie eine Lanze für die Landgasthöfe in Sachsen brechen.
      Der Landgasthof Schwarzbachtal ist mir auch in sehr positiver Erinnerung geblieben. Kleine Fehler verzeiht man der sympathischen Chefin gern. Dieser Gasthof ist ein Beispiel dafür dass es auch anders gehen kann- frische regionale Produkte. Nicht dieses ewige auf sogenannte „sächsische Tradition“ fokussierte Einerlei von Schwammebrie und Sauerbraten.

      Es gibt für uns einige wenige gute Adressen in Sachsen und die sind deshalb gut weil der Chef meist selbst am Herd steht und sich engagiert. Wenn man dann vom FS, GM und Michelin hochbewerteten Restaurants der Nobelhotels aufsucht, stellt man eben auch schnell fest, dass das gleich bleibende Niveau einfach nicht realisiert wird. Auch in dieser Kategorie gibt es ein paar rühmliche Ausnahmen, aber wir beschäftigen uns ja mit den Landgasthöfen.

      Ich habe mich oft genug geärgert über dilettantisches Handwerk, abgestandene offene Weine und schlechten Service. Für mich ist völlig unverständlich das die jungen Köche, die nach Lehr- und Wanderjahren im Westen, in Österreich, der Schweiz und wo auch immer in der Welt wieder in ihre Heimat zurückkehren, nichts vom erlernten anwenden. Innerhalb kürzester Zeit besteht die Speisekarte aus den üblichen Standards die sich prima auftauen und warm halten lassen. Was im Badischen jeder ordentliche Gasthof auf einer saisonalen Karte an frischen Produkten bietet ist bei uns leider die Ausnahme.

      Ein Beispiel wie man sich auch trotz akzeptabler Küchenleistung um seine Gäste bringen kann erlebte ich erst kürzlich. Wir besuchten am Wochenende Radebeul unmittelbar bei Dresden. Ein wunderschöner Ort mit Weingütern und einem strahlenden Ensemble an Architektur mehrerer Jahrhunderte.

      Wo geht man dort etwas essen, geniest die sächsische Weinkultur?
      Villa Sorgenfrei Winterpause bis Ende März.
      Neuer Versuch http://www.hofloessnitz.de/Restaurant.html wirbt mit dem Slogan Weinkultur seit 1401 auf seiner Seite. Macht von Außen ebenfalls einen geschlossenen Eindruck. Bei näherer Betrachtung, doch geöffnet. Innen eine heimelige Weinstube, geschmackvoll eingerichtet. Ein schöner Kachelofen, leider nicht geheizt.
      Die Begrüßung O Ton:“ Wir haben leider nur noch den einen sächsischen Weißwein. Ich könnte ihnen sonst noch einen Italiener anbieten. Für den Hirsch kann ich Kassler anbieten“
      Zur Erläuterung Hoflößnitz ist im Zentrum des sächsischen Weinbaus. Hier residiert das Weinbaumuseum, das hofeigene Weingut bewirtschaftet über 8 Hektar. Mir fällt zu soviel Unvermögen eigentlich nichts mehr ein.

      Positive Erfahrung Landhaus Lockwitzgrund. http://www.landhaus-lockwitzgrund.de/ Solide Küche mit guten Produkten. Von dieser Sorte würde ich mir in Sachsen mehr wünschen.

      Freue mich auf weitere Anregungen.

      alex

      Kommentar


      • #4
        Hallo Alex,
        hallo Rouget,
        wunderbar, dass es noch andere Leute gibt, die sich für die sächsische Regionalküche interessieren.

        Alex, für den nächsten Besuch in Radebeul möchte ich Ihnen kein Restaurant empfehlen, sondern ein Café, nämlich "Das Kaffee" in Altkötzschenbroda. Hier werden mit sehr viel Enthusiasmus und Liebe grandiose Kuchen zubereitet und serviert.

        Zahlreiche durchaus ordentlich aussehende Landgasthöfe habe ich noch nicht ausprobiert, habe mir aber einige für dieses Jahr vorgenommen:

        - den Landgasthof Bärwalde bei Moritzburg (soll gut sein)
        - das von Ihnen empfohlene Landhaus Lockwitzgrund
        - einen erneuten Besuch im Kleinen Vorwerk in Sayda. Hier war ich schon ziemlich lange nicht mehr.

        Ich freue mich ebenfalls über weitere Tipps (positiv wie negativ).
        Beste Grüße,
        rocco

        Kommentar


        • #5
          Neulich wollte ich im Landgasthof Bärwalde reservieren, bekam aber die etwas nebulöse Aussage, dass das Restaurant bis November für ein Uniprojekt nur an wenigen, bestimmten Tagen geöffnet sein wird. Jetzt habe ich herausgefunden, warum. Herr Seidel nimmt an dem von der TU Dresden intiierten Forschungsprojekt "Ernährungsgeschichte in Sachsen" teil und serviert bis November periodisch 4-Gang-Menus mit Speisen aus der Rezeptsammlung von Ernst Max Pötzsch, die er in den Jahren 1898/1899 in der Küche des Prinzen Friedrich August dokumentiert hat. Alle weiteren Informationen finden sich hier: http://www.slowfood-sachsen.de/index...task=3&cid=150

          Das klingt so ähnlich wie das neue Heston Blumenthal Restaurant „Dinner“ in London, in dem ebenfalls historische Rezepte nachgekocht werden. Ich bin gespannt, kann aber jedenfalls die Märztermine leider nicht wahrnehmen.
          Zuletzt geändert von rocco; 09.03.2012, 11:55. Grund: Gordon Ramsay Restaurant „Supper“ geändert in "Heston Blumenthal Restaurant "Dinner"

          Kommentar


          • #6
            Es klingt auf jeden Fall spannend, ein wenig erinnert es auch an Blumernthals "Dinner" und an den verschollenen Mario Pattis, wobei hier jeweils eine Modernisierung der Speisen Teil des Konzepts waren, während Herr Seidel ja scheinbar eine 1:1-Wiedergabe anstrebt.

            Kommentar


            • #7
              Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
              Es klingt auf jeden Fall spannend, ein wenig erinnert es auch an Blumenthals "Dinner"
              Ups, ja das meinte ich. Gordon Ramsay "Supper" gibt es gar nicht.

              Kommentar


              • #8
                Wertes Forum,

                dank des Tips von rocco haben wir während unseres Urlaubs in Sachsen auch das Landgasthaus zum Schwarzbachtal besucht.



                Als Amuse Gueule gab es Kräuterquark mit Tomaten und etwas Kopfsalat, Zucchini und Karotte. Sehr lecker.

                Sommerliche Suppenvariation
                Gurkensuppe mit Dill und geräucherter Forelle
                Paprikasuppe mit Paprikapolenta
                Tomatensuppe mit Basilikumraviolo




                Vom Service wurde uns empfohlen die Suppen in einer bestimmten Reihenfolge zu essen. Den Anfang machte die Gurkensuppe mit Dill und geräucherter Forelle. Auch wenn die Farbe nicht besonders ansprechend war, sie war recht pikant abgeschmeckt und das Raucharoma der Forelle passte gut dazu, sehr lecker.
                Mit der Paprikasuppe steigerte sich die Schärfe noch etwas, sie war sehr pikant. Die Paprikapolenta war schon ein bischen dunkel geraten, ganz lecker.
                Die Tomatensuppe hatte ein feines Aroma, nicht zu säuerlich. Sie war ebenfalls recht pikant. Dazu gab es noch ein Basilikumravioli als Einlage, sehr lecker. Ich esse gerne scharf aber für einen Einstieg in ein Menü fand ich die Schärfe deutlich übertrieben.

                Kotelett vom Hausschwein mit Rechenberger Biersauce, dazu Gemüsevariation und Bratkartoffeln



                Das Kotelett hatte ein feines Aroma, kein Fleisch aus der Massentierhaltung. Es hätte aber ruhig etwas zarter sein können. Als Beilage gab es verschiedene Gemüsevariationen, Erbsen mit Minze, Karotten mit Ingwer (dezent), Kohlrabi mit Senfsaat und Kurkuma, Wirsing mit Curry (leicht pikant), Bohnen mit Tomate und Bratkartoffeln. Die Sauce wurde mit Rechenberger Bier zubereitet und war schon recht salzig. Insgesamt aber sehr lecker.

                Löwenzahnblütenmousse mit Tannenspitzeneis und Holunderblüten-Himbeer-Törtchen



                Das Löwenzahnmousse war zart und hatte ein feines Aroma, das Tannenspitzeneis war ebenfalls gut gemacht mit feinem, nicht zu dominantem Aroma. Die Holunderblüten- und Himbeercreme des Törtchens war schön aromatisch aber hatte eine recht feste Konsistenz, etwas weniger Gelantine hätte auch gereicht. Sehr lecker, auch wenn mir ein verbindendes Element zwischen den einzelnen Komponenten fehlte.

                Ein Besuch der sich jedenfalls gelohnt hat. Sonst waren unsere kulinarischen Erlebnisse recht durchwachsen, wenn man mal von den bekannten Adressen (Dresden, Leipzig) absieht. Unser geplantes Essen im Sendig war ja leider ins Wasser gefallen.
                Positiv zu erwähnen ist das Waldhäus'l im Kirnitzschtal, ein familiengeführter Betrieb mit böhmischen Spezialitäten. Dort hatte ich ein sehr gutes Szegediner Gulasch mit böhmischen Knödeln.
                Und der Gasthof Lichtenhainer Wasserfall , ebenfalls im Kirnitzschtal, Spezialität des Hauses ist eine frische Wacholder-heißgeräucherte Forelle .
                Negativer Höhepunkt war ein Spargelmenü in einem Hotelrestaurant, ich hätte nie gedacht das ich mal eine Portion Stangenspargel als ungenießbar zurückgehen lassen.

                Sonst war es ein schöner Urlaub in der sächsische Schweiz, eine tolle Landschaft, ich war Wandern und habe auch mal Klettern ausprobieren.

                Gruß
                Jürgen

                Kommentar


                • #9
                  Vielen Dank, werter Jürgen, für den Report aus der Sächsischen Schweiz. War im Kirnitzschtal noch viel von der Flut zu sehen? Bei Hochwasser entwickeln sich die netten Bäche wie die Kirnitzsch leider häufig zu reißenden Flüssen.

                  Kommentar

                  Lädt...
                  X