Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

La belle Epoque, Travemünde

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #46
    Im Sommer ist es einfach herrlich, im Wintergarten des La belle Epoque, vor allem wenn das Wetter so mitspielt, wie an unserem Club-Abend. Bester Sonnenschein, aber noch angenehme Temperaturen, so dass ein ausgedehntes Essen keine Anstrengung darstellte.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01913.jpg
Ansichten: 1
Größe: 81,7 KB
ID: 48406

    Mit dem aktuellen Menü bleibt Kevin Fehling seiner Linie der behutsamen und kontinuierlichen Weiterentwicklung seiner Kreationen treu. Ich hatte bei meinem Besuch im Januar ein wenig den Eindruck, als gebe es die Tendenz, dass Gerichte zwar verändert werden, ohne sich in ihrer Wirkung wirklich zu verändern. Ich will vorweg nehmen, dass das Club-Menü diesem Eindruck nachhaltig entgegen gewirkt hat. Klar, wenn man die alten Berichte zurückblättert, ist klar erkennbar, was die Vorgängerversionen für die jeweiligen Gerichte waren, aber hier handelt es sich durchweg um wirklich neue Versionen und nicht nur um marginale Updates.

    Zu den kleinen Einstimmungen bekamen wir einen 2004er Comtes des Champagne von Tattinger. Direkt im 3er-Pack waren die ersten Happen das schon bekannte Travemünder Shrimpsbrötchen, ein Bauernfrühstück, bei dem ich vor allem Gurke und Rote Bete wahrnahm, sowie ein sehr cremiges Ei und das Hamachi mit grünen Aromen, was mit Frische, Säure und Salzigkeit spielte.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01909.jpg
Ansichten: 1
Größe: 79,2 KB
ID: 48403Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01910.jpg
Ansichten: 1
Größe: 86,2 KB
ID: 48404Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01912.jpg
Ansichten: 1
Größe: 84,9 KB
ID: 48405

    Dann erhielten wir eine Miniaturausführung des Carpaccio vom Kaisergranat „Wiener Art“ . Preiselbeeren, Zitrone, Sardelle, Kapern, Petersilie & Weißbrot, das derzeit auch als regulärer Gang im Menü angeboten wird. Mir war hier die Sardelle ein wenig zu intensiv, was daran liegt, das Sardelle generell nicht besonders gern mag. Markant war für mich der Crunsh-Effekt und die Säure von Zitrone und Preiselbeere. Als Amuse eine schöne leckere und kreative Spielerei.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01914.jpg
Ansichten: 1
Größe: 86,9 KB
ID: 48407


    Als letzte kleine Einstimmung gab es dann Hummer mit Saiblingskaviar & Cognac. Durch die Möhre, die die Hülle um das Hummertartar darstellte, aber auch die Creme ging diese Hummerkombination deutlich in eine süßliche Richtung. Der Hummer war – wenn überhaupt – nur sehr dezent mariniert oder gewürzt und konnte dies mit purem Geschmack gut auffangen, erst recht in Kombination mit den kleine Cognackügelchen die dann die Süße weiter zügelten.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01917.jpg
Ansichten: 1
Größe: 79,2 KB
ID: 48408

    Zuerst kam ein Dreiklang mit der Ungestopften Gänseleber „Johann Strauss II – Frühlingsstimmen” - Waldmeister, Erdbeere, Rhabarber & Mandeln. Die Kombination Erdbeere, Mandel, Rhabarber, Waldmeister hat Kevin Fehling bislang immer im Meeresfrüchten verwendet. Jetzt erscheint sie in neuem Kontext mit der Gänseleber. Der Macaron war vor allem cremig. Schmelzig und zeigte für mich nur einen dezentes Fruchtspiel. Ganz im Gegensatz zu dem großen Teller – dort war die Gänselebercreme vor allem mit Fruchtsäure bzw. Süße in Verbindung gesetzt, ein Kick gaben die kleinen Salzflakes auf der Creme. Den Waldmeister empfand ich hier als recht zurückhaltend. Das war eine interessante Verbindung, die aber für mich nicht so spannend war, wie die gebratene Leber: Sie wurde begleitet von der Waldmeistersauce, die eher eine kräutrige Richtung einschlug und einer kräftigen Säure der Rhabarbermousse vorn. Die ziemlich süße Erdbeercreme am oberen Ende des Tellers konnte dazu Akzente setzen. Dazu passte der 2011er Sauvignon Blanc Auslese edelsüß Drautz Able aus Württemberg ganz hervorragend. Der Wein zeigte typische Sauvignon Blanc-Aromen, natürlich aufgrund der Süße stark intensiviert.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01919.jpg
Ansichten: 1
Größe: 82,7 KB
ID: 48409Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01921.jpg
Ansichten: 1
Größe: 77,6 KB
ID: 48410Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01923.jpg
Ansichten: 1
Größe: 82,1 KB
ID: 48411

    Weiter ging es mit Seezunge & Herzmuscheln im Mikansud mit Kürbis, Passionsfrucht & Miso. Die Hauptharmonie ging hier von der Säure der Passionsfrucht und der Fruchtigkeit des Mikansuds in Verbindung mit der Würze der Muschel aus, dies überstrahlte sogar den Kürbis. Nebendarsteller war damit die Seezunge. Sie pufferte viel ab, um die Intensität der Aromen nicht gar zu groß werden zu lassen. Der 2009er Château Schembs weiß Château Schembs / Rheinhessen passte dazu ganz hervorragend. Der Wein wirkte noch recht jung und ist ein Cuvée aus Riesling, Chardonnay, Weißburgunder und verband alle Vorteile der drei Rebsorten, ohne zu schwerfällig oder dick zu werden, aber trotzdem mit einer immensen Dichte und Intensität. Ob der Wein wirklich die Kraft eines Dauerläufers hat, oder eher ein Muskelprotz ist, wird sicher die Zeit zeigen, das spielt ja für die Kombination mit dem Essen keine Rolle.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01926.jpg
Ansichten: 1
Größe: 77,5 KB
ID: 48412


    Die Auster & Aal-Unagi mit gefrorenem Wasabistaub, Gurke & Granny-Smith war für mich ein ähnliches Highlight wie die Vorgängerversion mit Eisbein und Sauerkraut. Die fleischige Auster mit der intensiven Grill-Aromatik der Unagi-Zubereitung war schon mal die eine zentrale Wirkung, die durch die Frische der Sauce, die Intensität der Koriandercreme gepusht, von der Kühle und Schärfe des Wasabistaubes gebremst wurde. Aromatisch war für mich diese Variante spannender als die Vorgängerversion, aber auch etwas kopflastiger. Außerdem hat mir das Eisbein auch aufgrund der Textur in der Kombination mit der Auster sehr gut gefallen, so dass ich keinen ersten Platz vergeben für mich vergeben möchte. Sehr passend dazu ebenfalls der 2011er Chenin & Sauvignon blanc Spätlese trocken von Stigler aus Baden, der den Gang noch mehr nach vorn brachte.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01928.jpg
Ansichten: 1
Größe: 80,2 KB
ID: 48413


    Bis hierhin waren alle Gänge eher „lean forward“-Kreationen, das heißt ein Teil des Genusses ergibt sich beim Mitdenken, bei der Auseinandersetzung damit. Es folgten nun „lean back“-Gänge, die den Gaumen mehr umschmeicheln und die Gefühlsebene wunderbar ansprechen. Schön wenn man in einem Menü beides hat!

    Nun kam nämlich die Jakobsmuschel mit Kaviar, Mark, Champagner & Yuzu in zwei Tellern zu uns, wobei der große den großen Eindruck machte: eine qualitativ bemerkenswert gute Muschel, natürlich optimal gebraten. Der Kaviar blieb für mich überraschend dezent in der Wirkung. Das Tolle war nämlich die Wirkung der sehr cremigen Champagnersauce mit der Muschel – das bekam Spannung mit dem sehr säuerlichen und etwas salzigen Yuzo-Gel, immer dezent dazu dosiert, ergab sich eine tolle frische und gleichzeitig opulente Wirkung. Hinzu kam ein feine 2008er Pouilly Fusse tradition von Valette aus dem Burgund. Die Reife war schon wahrnehmbar, bei gleichzeitiger hoher Geschmacksdichte.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01933.jpg
Ansichten: 1
Größe: 86,7 KB
ID: 48414


    Zum Hauptgang gab es das Limousin-Lamm mit „Senf, Honig & Dill“ Apfel, Staudensellerie & fermentierten Schalotten. Neben dem Filet bekamen wir Zunge und einen Würfel von der Schulter. Die leicht bittere Wirkung des Staudensellerie und der Senfkörner trug für mich das Gericht, weil es die entsprechende Wirkung der anderen Komponenten betonte, die aber natürlich auch süßliche und scharfe Nuancen einbrachten. Ein bemerkenswert guter Lamm-Gang, der von einem ebenso bemerkenswerten Wein gekrönt wurde: der 2008er Faugeres Valiniere von Leon Barral besteht hauptsächlich aus Mouvedre und etwas Syrah. Ein sehr dichter, kühl wirkender, voller aber gleichzeitig schlanker Wein.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01937.jpg
Ansichten: 1
Größe: 92,4 KB
ID: 48415


    Sonne, Mond & Sterne - Streuselkucheneis mit warmer, weißer Schokolade & Anisgelee hat Kevin Fehling sein erstes Dessert genannt. Hier dominiert für mich jedoch die Mandarine und die Cremigkeit der weißen Schokolade die geschmackliche Wirkung. Der Anis habe ich eher weniger wiedererkannt. Das lag auch daran, dass der 1999er Saarburger Rausch Riesling Auslese von Zilliken von der Saar die Mandarine-Komponenten mit ihrer Bitterkeit wunderbar fruchtig voran trieb.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01942.jpg
Ansichten: 1
Größe: 94,5 KB
ID: 48416


    Zum Abschluss der großen Teller durften wir dann noch ein Japanisches Kirschblütenfest Schokoladen-Ganache mit Kirschblattpaste, Kirschblütengel & Koriander-Körnereis. Es hat ganz toll geschmeckt, aber ich habe nicht so viel Differenziertheit gespürt, wie die Komponentenaufzählung vermuten lässt. Für mich war es vor allem viel (leckeres) Schokoladenaroma mit etwas Kirsche. Wenn hier etwas mehr Differenzierung und Wahrnehmbarkeit der anderen Komponenten gewünscht ist, müsste – meines Erachtens – die Schokolade stärker in der Wirkung eingedämmt werden. Aber das sagt der Kopf, die Gefühlsebene ist auch so zufrieden – auch mit dem 2012er Brachettod´Aqui von Bologna aus dem Piemont ein frisch-fruchtig sprudelnder Abschluss….

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01945.jpg
Ansichten: 1
Größe: 94,7 KB
ID: 48417


    …. Wenn Da nicht noch diese drei Happen gewesen wären. Der hintere ist die Nachempfindung eines Parfums – um die Ergänzung des Namens muss ich bitten, weil ich den Duft nicht kannte und den Namen wieder vergessen habe (ist vermutlich ein großer Klassiker und ich oute mich hier als totaler Parfum-Nichtwisser). Dies hatte jedenfalls für mich eine ziemlich florale Note, die schon außergewöhnlich war. Auch die weiteren beiden Happen kann ich nicht mehr weiter differenziert beschreiben.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: DSC01952.jpg
Ansichten: 1
Größe: 97,1 KB
ID: 48418


    Das Fazit habe ich ja schon zum Teil vorweg genommen: ich war beeindruckt, was Kevin Fehling aus teilweise schon entwickelten Gerichten durch neue Kombinationen nochmal herausgeholt hat. In diversen Interviews hat er sich zum Teil zu den Entwicklungszeiten einzelner Gänge geäußert, die demzufolge manchmal mehrere Monate umfassen. Das schlägt sich in einer hohen Präzision nieder, die mal mehr für den Kopf, mal mehr für die pure Genusslust bietet.
    Den Spaß vollendeten die von David Eitel unverändert sorgfältig ausgewählten und abgestimmten Tropfen der Weinbegleitung.
    Zuletzt geändert von QWERTZ; 10.01.2014, 01:41.

    Kommentar


    • #47
      Vielen Dank werter Qwertz für den umfassenen Bericht.

      Wie mir scheint, vereint Kevin Fehling ungewöhnliche Komponenten (beispielsweise den Waldmeister) mit den weiteren Bestandteilen und zaubert somit kulinarische Highlights.
      Schade, dass ich nicht dabei sein konnte.

      Kommentar


      • #48
        Auch von mir vielen Dank! Ich hatte vor zwei Wochen das Vergnügen und meine mich zu erinnern, daß es sich bei dem zitierten Parfum um "Allure" von Chanel gehandelt hat.

        Kommentar


        • #49
          Vielen Dank auch von mir für den schönen Bericht, lieber QWERTZ. Bei Gelegenheit schreibe ich auch noch ein bisschen was zu diesem wunderbaren Clubabend, aber eigentlich habe ich deinem Bericht kaum etwas Gewinnbringendes hinzuzufügen.

          Das Parfum ist "Daisy" von Marc Jacobs (Bild hier). Da ich das Parfum nicht kenne, konnte ich leider keine Assoziationen hervorrufen, aber demnächst werde ich in der Parfümerie einfach mal dran schnuppern und versuchen, mich zu erinnern.

          Kommentar


          • #50
            Uii, was für eine Ähnlichkeit - auch optisch...

            Kommentar


            • #51
              Hier noch ein paar Gedanken zum Clubabend:

              Die Amuses haben mir alle sehr gut gefallen, vor allem das Bauernfrühstück (da war von Ei über Cornichon, Zwiebel, Kartoffel und Speck aromatisch alles drin, wirklich erstaunlich) und das Hummertatar. Der 2004 Taittinger Comtes de Champagne war dazu ein Höchstgenuss.

              Mit dem Gänselebergang hatte ich persönlich leichte Schwierigkeiten - letztlich wohl wegen des Waldmeisters. Gepasst hat das schon, aber ich glaube, ich persönlich bin bei Gänselebergängen eher für etwas konservativere Kreationen zu haben. Der Gang war definitiv sehr intelligent komponiert und eins A ausgeführt, aber die Kombination empfand ich schon als herausfordernd.

              Die beiden folgenden Gänge musste ich mir ebenso erst mental erarbeiten - die teilweise sehr intensiven Kontraste und Geschmacksbilder finde ich mit "lean forward" gut beschrieben. Mit der Zeit erschloss sich mir Herrn Fehlings Küche zusammen mit den Weinen aber immer mehr und spätestens mit dem grandiosen Jakobsmuschelgang stellte sich volle Entspannung ein, die auch die vorherigen, recht komplexen Gänge plötzlich viel harmonischer erscheinen ließ als zunächst gedacht. Auch in dem Jakobsmuschelgang fand sich mit dem salzigen Yuzu-Gel ein recht krasser Kontrastpunkt zur ansonsten fast schon klassischen Komposition, in deren Mittelpunkt eine Jakobsmuschel in absoluter Referenzqualität stand. Mittlerweile hatte ich aber etwas besser verstanden, wie man diese Kontrastpunkte am besten einsetzt. Der leicht oxidative 2008 Valette Pouilly-Fuissé zur Jakobsmuschel war absolut genial.

              Sensationell war der Lammgang mit seinen intensiven Senfaromen und einer herausragenden Produktqualität. Auch der Wein dazu war ein Highlight, zumal er genau richtig temperiert eingeschenkt wurde. Die hervorragende Behandlung der Weine (Temperierung, etc.) sei an dieser Stelle auch noch einmal hervorgehoben.

              Bei den Desserts hatte ich keinen klaren Favoriten, neige aber zum Japanischen Kirschblütenfest. Vor allem die Trompe l'Oeil Schokokirsche fand ich faszinierend. Trotz des vorherigen Hinweises, dass es sich nicht um eine Kirsche, sondern um Schokolade handelt, war ich von dem Schokoladengeschmack überrascht. Insgesamt fand ich das Dessert auch aromatisch sehr tief, trotzdem fast schon schwebend leicht und auch ein wenig erdig. Große Klasse, genauso wie das an Kindheitserinnerungen appelierende "Sonne, Mond und Sterne" Dessert.

              Ich bin kein Experte der ***-Küche in Deutschland, kann deshalb nicht wirklich vernünftige Vergleiche ziehen. Insgesamt fand ich die Küche aber schon herausfordernd, sensorisch wie intellektuell. Es brauchte einige Zeit, bis bei mir eine gewisse Konzentration der Entspannung wich. Das ist wie ein exzellentes Buch, bei dem man erst einmal im ersten Drittel mit der sprachlichen Ausdrucksform warm werden muss, bis genau diese - zusammen mit einer stimmungsvollen Geschichte - den Reiz ausmacht. Spätestens ab dem Jakobsmuschelgang war ich jedenfalls hellauf begeistert und freue mich schon auf den nächsten Besuch.

              Vielen Dank an Hannes Buchner, die gesamte Tischrunde, das Team vom La Belle Epoque und den Wettergott für einen wunderbaren Abend.

              Kommentar


              • #52
                Das sind interessante Anmerkungen, denn es wir doch deutlich, dass ein Erstbesuch nochmal ein ganz anderen Eindruck entstehen lässt, als wenn man wie ich im Falle des La belle Epoque mehrfacher Wiederholungstäter ist.

                Kommentar


                • #53
                  Danke rocco für diesen interessanten Beitrag.
                  Auch wenn ich das Restaurant nicht kenne, kann ich Ihre Zeilen sehr gut nachvollziehen.

                  Das Beschriebene kann es meiner Meinung nach schwierig machen, solche Restaurants mit unerfahrenen Feinschmeckern (der Sie ja definitiv nicht sind) oder mit Leuten, die im 1*-Bereich sehr glücklich sind, zu besuchen. Da kann es auch zu manch einer Enttäuschung kommen.

                  Jedenfall ein erstklassiger und sehr lesenswerter Beitrag, der wunderbar den schönen Bericht von Qwertz (auch hierfür vielen Dank) ergänzt.


                  Gruß!

                  Kommentar


                  • #54
                    "Ein Spitzenrestaurant muss ein Schlaraffenland sein. Wer mehrere hundert Kilometer für ein Essen fährt, der soll auch etwas geboten kriegen. (Helmut Thieltges)"

                    Getreu dieser Aussage sind wir (meine Gattin und ich) kurz nach Ostern für eine Woche an die Ostsee gefahren, um (wieder einmal) köstlich zu speisen.

                    Vom Strandbahnhof Travemünde sind es nur wenige Schritte zum Columbia Hotel. Es liegt auf der linken Seite, wenn man Richtung Promenade geht. Rechts steht das in meinen Augen scheußliche Hochhaus (117m) von Maritim.
                    Als wir das Haus betraten, mussten wir uns erst einmal orientieren und an der Rezeption nach dem Weg zum Restaurant fragen.
                    Freundlich wurden wir auf den Aufzug oder die Treppe links am Ende des Ganges hingewiesen. In der zweiten Etage befand sich dann „La belle Epoque“. Wir betraten einen geräumigen Vorraum und wurden sogleich zu unserem Platz geführt. Das Restaurant ist ein gläserner Anbau an das Hotel in Art eines Wintergartens mit Blick auf den Strand und den gepflegten Kurpark.
                    Die Tischs stehen weit auseinander und bieten daher optimale Bedingungen für Gespräche und den Service.
                    Bevor die Speisekarte kommt, rollt bereits der Champagner-Wagen an. Mehrere erlesene Marken stehen glasweise zur Auswahl.


                    Der Restaurantleiter und Sommelier David Eitel war sehr freundlich bei der Begrüßung, wirkte aber etwas angespannt (geschäftig, ständig in Bewegung), sein Team strahlte dagegen Gelassenheit aus. Der Service war zu jeder Zeit ausgezeichnet. Herr Eitel lief auch stets zur Höchstform auf, wenn er die Weine vorstellte – und: die Weinbegleitung hat es in sich! Ich glaube, dass ich noch nie interessantere Tropfen bei einem Menü erhielt (aber schon gleichwertige - wie zum Beispiel im Vendome).


                    Nachdem wir uns gegen Champagner als Aperitif entschieden hatten, wurde uns wunschgemäß ein Campari-Soda (10€) serviert. Es folgten schon Grüße aus der Küche.
                    Die Speisekarte wies alle Gerichte aus. Wir entschieden uns für das Degustationsmenü. Die Getränkekarte wurde ebenfalls gereicht und alle Weine der Weinreise genau benannt und mit Preis pro Glas versehen.
                    Diese klare Struktur hat mir sehr gefallen.

                    Ich habe die Gerichte fotografiert (der Service hatte ohne Blitzlicht keine Bedenken dagegen) und mir keine Notizen gemacht. Aber die Freude am Verkosten, Schnuppern und Ansehen wollte ich dafür nicht unterbrechen.

                    Taschenkrebs, Hummer und Kaisergranat bildeten den ersten Gang. Sie waren zu kleinen Zylindern mit verschiedenen Kaviarverzierungen verarbeitet und jeweils auf einem Glasteller angerichtet. Ein köstlicher und abwechslungsreicher Genuss – und dazu der Sancerre Clos de Beaujeu von Boulay (16€) - wunderbar – ein neuer Lieblingswein für mich.

                    Der zweite Gang hieß Gänseleber „Pharao“ und Gänseleber „Bistella“ mit Couscous, Kumquat, Datteln und Aubergine. Er bestand aus zwei Tellern. Die eine Gänseleber war als Pharaonenbüste angerichtet. Das sah schön aus und mundete gut. Es machte Spaß die Komponenten untereinander auszuprobieren und zu genießen.
                    Vouvray Le Haut-Lieu Moelleux (16€) von Huet war dazu große Klasse.

                    Nun folgte Kabeljau (mit Rote Bete, Brauner Butter, Wasabi und Dashi-Vinaigrette). Den „Schnee“ fügte die Servicekraft aus einem Töpfchen eiskalt dazu. Pinot Blanc Reserve von Kuhn (12€) war etwas Besonderes. Ein deutscher Wein im französischen Stil, perfekt in Barrique ausgebaut.

                    Der vierte Gang war die Jakobsmuschel „Message in the Bottle“ mit exotischem Chutney, Joghurt, Naanbrot und Tandoori. Vorweg wurde tatsächliche eine kleine Flaschenpost auf den Tisch gestellt. Sicher ein Gag – aber er gefiel uns! Der Text „Ich war zwei Jahre auf hoher See und eines der prägendsten Länder auf unserem Erdball war Indien. Dieses Gericht ist eine Inspiration und gleichzeitig eine Hommage an dieses außergewöhnliche Land voller Farben, Aromen und Düften. - Kevin Fehling“. Nun waren wir besonders gespannt. Der Koch hatte aber nicht zu viel versprochen: Das Gericht war ein weiterer Höhepunkt. Chardonnay Fass Nr. 19 „Tete a Tete“ von Schemps (15€) war die Begleitung. Auch dieser Wein war etwas Außergewöhnliches.

                    „Die Weiterentwicklung“ Kassler und Auster mit gefrorenem Senf, Weißkrautsalat, Kartoffel und Petersilie bildeten den nächsten Gang. Die Kombination war für uns ungewohnt, hatte aber ihren Reiz. Die Rieslinge von Bürklin-Wolf sind Legende. Sie sind hervorragend im Alter. Hier gab es Ungeheuer G.C. (18€).

                    Beim Hauptgang gibt es zwei Möglichkeiten; wir haben uns „geteilt“ und jeweils für Geflügel bzw. Rind entschieden.
                    Challans Entenbrust „La Belle Epoque“ mit Erdbeere, Rhabarber, Mandel und Waldmeister.
                    Das Waguy Beef - mit Paprikacreme, Mastix – den Tränes des Baumes, Miso und Chanponzujus. Zum Fleisch wurde Faugers Jadis von Barral (16€) gereicht. Die Weine aus dem Languedoc sind in den letzten Jahren stets interessanter geworden. Dieser war wunderbar – mal sehen, wo ich den bestellen kann.

                    Die Süßspeisen begannen mit Geschälter Kaffir-Limette mit Caipirinha-Bon-Bon, Thaibasilikumsorbet, Bergamotte und Limonenblattschaum. Die Begleitung war Durbacher Kochberg Scheurebe Spätese (8€) von Männle.

                    Maiseis beendete das Menü. Wie alle Gerichte sah auch dieses Dessert köstlich aus und schmeckte himmlisch. Lenchen Riesling Auslese (12€) von Kühn war auch das letzte Glas der Weinreise.

                    Den Espresso (5€) mit feiner Begleitung haben wir uns auch nicht nehmen lassen.

                    Am Ende kommt dann wieder das „Auto“ mit den Absackern angefahren (wie am Anfang der Champagner). Doch so schön wie die Spirituosen auch aussahen, man muss aufhören, wenn es am schönsten ist – und am nächsten Tag wollten wir ja auch noch am Strand spazieren gehen (können).

                    Ein wunderschöner Abend ging nach 4:30 Stunden zu Ende. Dieses Vergnügen möchte man gerne wiederholen – fangen wir also mit dem Sparen (so schnell wie möglich) an.


                    Ich mag diese puristische Einrichtung: Großzügiger Platz um den Tisch, einfache aber geschmackvolle Dekoration, herrlicher Blick aufs Meer – am Abend mit viel Licht im Garten.
                    Bei den Speisen wird fast alles in Glas serviert. Daher gibt es auch fast keine Messer, sondern Gabel und Gourmetlöffel. Ich schätze es sehr mit nur zwei Werkzeugen optimal die Gerichte zu in den Mund zu befördern.


                    Perfekte Sauberkeit habe ich in diesem Haus vorausgesetzt und gefunden. Der Weg zur Toilette ist ein paar schritte treppauf in den Zimmerbereich des Hotels gut zu finden. Das WC ist jedoch überraschend klein und eng, es fehlt jedoch an nichts.

                    Das "Vergnügen" hier zu tafeln ist nicht "billig" (aber lieber seltener sehr gut als oft schlecht) aber den Preis "wert".
                    Zuletzt geändert von kgsbus; 27.11.2014, 11:49.

                    Kommentar


                    • #55
                      Wie gut Ihnen die Weinbegleitung gefallen hat, zeigt ja schon die Gewichtung in Ihrem Bericht. Aber das überrascht mich bei David Eitel überhaupt nicht. Ich will unbedingt noch in diesem Jahr wieder nach Travemünde. Auch wenn der Termin noch nicht geplant ist, wächst die Vorfreude! Vielen Dank.

                      Kommentar


                      • #56
                        Mir hat es gut gefallen, dass die Karte mit Preisen für Speisen und Weine ausgestattet ist und ich so in aller Ruhe alles studieren konnte. Zu jedem Wein erzählte Herr Eitel auch eine "Geschichte" - ich liebe so etwas sehr und erfreue mich daran - es war mir an keiner Stelle zu viel.

                        Kommentar


                        • #57
                          Liebe Feinschmecker,

                          ich möchte den Bericht von kgsbus noch mit den Fotos http://www.pixum.de/meine-fotos/album/7049103 und einigen persönlichen Anmerkungen ergänzen.

                          Wir hatten ebenfalls des Degustationsmenue, entschieden uns aber dafür, das „oder“ zwischen den Hauptgerichten auf der stillvollen Karte einfach zu ignorieren. So gab es dann Ente und - neu auf der Karte - Rosa Rehrücken (+ 40€).

                          Hamachi mit grünen Aromen
                          besonders erwähnenswert war das Dill-Sorbet, herrlich frisch mit einer eleganten Dill-Note sowie die Haube aus Limettenschaum,

                          Kalbstatar „Wiener Art“
                          großartig und optimal temperiert wurde jeder Bissen zu etwas Besonderem, weil es mal Kapern, mal süße oder mal saure Beeren waren, die den Geschmack ausmachten,

                          Taschenkrebs, Hummer & Kaisergranat - mit 3erlei Kaviar & Cognac
                          alle 3 waren sehr schmackhaft, die kleinen Kügelchen waren wie ein mildes Cognac-Eis,

                          Kabeljau - mit Kohlrabi, brauner Butter, Wasabi & Dashi-Vinaigrette
                          der Fisch war von einer Konsistenz, wie ich sie bisher noch nicht erleben durfte, der „braue-Butter-Schaum“ war leicht und sehr aromatisch, der gefrorene Wasabi-Staub war geschmacksintensiv und vor allen Dingen ohne die oft übertriebene Schärfe, weshalb er sich mit dem Fisch sehr gut ergänzt,

                          Jakobsmuschel „Message in the Bottle“ - mit exotischem Chutney, Joghurt, Naanbrot, Tandoori
                          schon der Duft lies eine Aromenvielfalt erahnen, die dazu einlud, zu kombinieren und sich nur allzu schnell eine weitere Portion zu wünschen…,

                          „Die Weiterentwicklung“ Kassler & Auster - mit gefrorenem Senf, Weisskrautsalat, Kartoffel & Petersilie
                          darauf hatte ich mich am meisten gefreut und wurde entsprechend ein wenig enttäuscht, weil der „aha-Effekt“ irgendwie ausblieb. Das Kassler war sehr mild und die Auster konnte, obwohl an der Produktfrische nicht gezweifelt wurde, nicht diesen frischen Geschmack (salzig, säuerlich…) bieten, die ich mit dieser Muschel verbinde. Allerdings muss gesagt werden, das gerade hier der Wein mit einer sehr mineralischen Noten genau diesen Salzgeschmack, den ich mit Kassler oder Auster verbinde, hin das Gericht hineinbrachte,

                          Rosa Rehrücken - mit roten Aromen, & geschmorter Schulter mit Rumfrüchte Eintopf
                          Kirschen, Beeren, rote und weiße Beete als Kontrast zu dem Reh waren natürlich sehr schmackhaft. Besonders die Schulter hatte ein sehr intensives Aroma,

                          Challans Entenbrust „La Belle Epoque“ - mit Erdbeere, Rhabarber, Mandel & Waldmeister
                          wie schon bei der Jakobsmuschel lud auch dieses Gericht dazu ein, zu kombinieren. Die kräftige Sauce mit dem feinen Waldmeisteraroma war beeindruckend gut gelungen. Diese in Verbindung mit etwas fruchtiger Erdbeere, ein wenig säuerlichem Rhabarber und Mandelcreme waren eine perfekte Bühne für die Entenbrust.

                          Geschälte Kaffir-Limette - mit Caipirinha-Bon-Bon, Thaibasilikumsorbet, Bergamotte & Limonenblattschaum
                          das Thaibasilikumsorbet war ausgezeichnet, frisch und sehr aromatisch

                          Herr Fehling liebt offensichtlich die Aromenvielfalt und überlässt es dem Gast, sich die letztendliche Kombination selbst zusammenzustellen. Die Weinbegleitung war, wie kgsbus bereits beschrieben hat, sehr spannend. Auf jeden Fall ein Abend, der zum Wiederkommen einlud.

                          Kommentar


                          • #58
                            Vielen Dankt für Bericht und Bilder!

                            Kommentar


                            • #59
                              Das " La belle Epoque" scheint mir in Zeiten von Schließungen und Konzeptänderungen ein Hort der "Sternetempel" zu sein.

                              Ich kann und will nicht Vergleiche ziehen zwischen "Familenbetrieben" und "Hotelkonzernen". Viele "gute" Häuser ändern sich zur Zeit oder schließen ganz.
                              Vielleicht ist auch schon morgen das Ende der Art des La belle Epoque - siehe Buddenbrooks, Wasserturm, Hugenpoet (Jörg Müller) etc.

                              Aber noch gibt es solche Häuser - und das ist gut so.

                              Kommentar


                              • #60
                                Lieber TaxAs, ich habe mir eben nochmal die Bilder angesehen: wie funktionierte die "Message in a bottle"?

                                Kommentar

                                Lädt...
                                X