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Robert Stolz - Eat.Share.Live in Plön (vorher Restaurant Stolz *)

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  • Robert Stolz - Eat.Share.Live in Plön (vorher Restaurant Stolz *)

    Seit einigen Jahren betreibt das Ehepaar Stolz in Plön ein kleines Hotel Restaurant. Seit diesem Jahr hat das Haus einen Michelinstern.

    Die Anfahrt in das idyllische Plön, gestaltet sich in der Regel problemlos, das Haus liegt direkt am Marktplatz vis a vis der Kirche. Es handelt sich um das alte Plöner Pastorat. Das Haus ist liebevoll saniert worden und hat einen typisch norddeutschen Charme.
    Zuerst gelangt man in einen praktischen Flur mit Treppenhaus . Eine Tür führt in die Küche die andere in drei in einander übergehende Gasträume.
    Bei schönem Wetter genießt man auf der Terrasse mit Blick auf den großen Plöner See. Im Haus befinden sich fünf Doppelzimmer, einige mit Blick auf den See.

    Der Empfang durch Frau Stolz und Ihre Mitarbeiterin ist sehr herzlich.

    Ein Wort vorweg, Robert Stolz kocht seit Jahren konsequent mit regionalen Zutaten, ist einer der ersten Köche in der Feinheimisch Bewegung, Slowfood Mitglied und pflegt einen intensiven Austausch mit den Skandinaviern, unter anderem gibt es einen Mitarbeiteraustausch in den Norden.

    Da wir zwei Tage vor Ort waren konnten wir sowohl a la Carte als auch das Menu wählen.

    Vorweg gibt es Kleinigkeiten vom Hausschlachter, Brotchips und Gemüsecremes alles sehr lecker.
    Das Brot ist selbst entwickelt, früher war es auch selbst gebacken, wie es heute ist haben wir vergessen zu fragen.

    Menu
    Vorweg ein gekräutertes Lachstatar

    Vorspeisen
    Rosa Kalbsrolle mit Haselnüssen und Frühlingskräutern
    Ca.20 Kräuter und eine leckere Haselnußcreme mit Roastbeef?scheiben vom Kalb- sehr lecker

    Nordseekrabben mit Sud
    Die Krabben waren sehr gut mit leider zu wenig Matjesschmand und einer großen extra gereichten Portion Krebssuppe

    Zwischengang
    Kabeljau mit Spargel, wildem Kerbel und Gewürzbrot
    Das Gewürzbrot gefiel uns in diesem Zusammenhang nicht, es war uns zu weihnachtlich, der Rest schmeckte nach Frühling und mehr.

    Hauptgang
    Müritzlamm mit Wildkräuter Spinat und Graupen
    An einem Abend gab es Ochsenwade statt des Lammfleisches, ansonsten blieb der Gang in meiner Erinnerung gleich (Ich hatte aber auch nur die Wade, das Lamm war für meine Frau).
    Die Wade war leider etwas trocken gegart und faserig, es wurde sofort eine extra Portion Soße gereicht,
    das Lamm war hervorragend.

    Dessert
    Walnussauflauf mit Birne und Sauerampfersorbet
    So einfach lässt sich in der regionalen Küche der Übergang in den Saisons herstellen, Walnüsse aus dem Herbst mit Sauerampfer aus dem Frühjahr. Dazu eingelegte Birnen.

    Zum Menü hatten wir einen schönen Riesling von Klaus Keller, vorweg einen Winzersekt.

    Da wir zwei Abende vor Ort waren konnten wir den zweiten Abend noch die A la Carte – Gerichte genießen, was sich als wahrer Glücksfall herausstellte. Robert Stolz ist hier noch einmal deutlich stärker, als beim schon sehr guten Menu.

    Dodauer Landhuhn mit grünem Spargel, wilder Brunnenkresse und Holunderkarpern
    Marinierte Jakobsmuscheln mit Radieschen, Meerrettich
    Ostseelachs mit weißem Spargel, Äpfel, Algen und Kartoffelsalat

    Ich habe alle drei Gänge probiert – schlicht und einfach großartige Küchenkunst, das Produkt und zwar jedes ist der Star.

    Wir hatten uns für einen Grauburgunder von Christmann entschieden, der dies (und das Lamm) gut begleitete.

    Es gibt immer eine regionale Käseauswahl, auf bestem Schleswig-holsteiner Niveau.

    Die Preise sind mit 73€ für das fünf Gang Menü, 19€ für die Vorspeisen und 24€für die Hauptgerichte sehr moderat für ein Sterne
    Restaurant. Beide Weine kosteten 36€. Die Weinkarte umfaßt eine Auswahl von etwa 16 offenen Weinen.

    Viele Gänge werden von den Köchen serviert, eine sehr schöne Idee. Insbesondere der Chef hat dann immer wieder ein freundliches Wort für die Gäste.

    Ehepaar Stolz sagt, das die Widererlangung des Sternes sie nicht von Ihrem Weg abbringt und Sie weiterhin auf Ihre Stammgäste setzen werden.
    Mein Gefühl war, das Robert Stolz in diesem Jahr noch souveräner kocht, als er das sowie so schon getan hat.

    Schnecke

  • #2
    Danke für den Bericht über dieses von mir bisher nicht genauer beachtete Restaurant.

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    • #3
      Liebe Schnecke,

      auch von mir ein Dankeschön für diesen schönen Bericht über ein, mir bisher unbekanntes Haus.

      LG
      Tofu

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      • #4
        Auch von mir ein herzliches Dankeschön für den tollen Bericht über eine der "stillen" Adressen!

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        • #5
          Klingt so als würde es einfach Spaß machen dort einzukehren.
          Danke!


          Gruß!

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          • #6
            Zitat von schnecke Beitrag anzeigen
            Robert Stolz ist einer der ersten Köche in der Feinheimisch Bewegung
            Besten Dank, werter Schnecke, für einen informativen Bericht , der mich auf die Existenz dieses Vereins aufmerksam macht:

            http://www.feinheimisch.de/

            Mohnkalb

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            • #7
              Im Anschluss an meinen Ausflug nach Flensburg habe ich einen Schlenker über Plön gemacht, da mich der Bericht von Schnecke vor einiger Zeit auf das Restaurant Stolz aufmerksam gemacht hatte. Ich hoffte auf eine spezielle, einzigartige Küche und war gespannt darauf, wie sie qualitativ zu bewerten ist.
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ID: 48898

              Das Menü begann mit einem Amuse aus einer Terrine mit Rapsblüten. Diese hatten einen Geschmack, der mich an intensiveren grünen Spargel erinnerte. Die Terrine war hingegen relativ dezent dagegen, so dass der Geschmack des Raps dominierte.
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              Als zweiter Gruß gab es ein kleines Stückchen Brot mit einem Käse und abgehangenen Quark mit etwas Kräuteröl. Letzteres hatte einen sehr schönen, feinen und frisch-käsigen Geschmack.

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              Das Menü begann mit Kalbstatar mit einigen Kräutern und Radieschen. Die Radieschen waren in unterschiedlich große Stücke geschnitten und ziemlich „naturbelassen“. Die großen waren für mich dann doch etwas zu simpel. Auch das Tatar zeigte einen unverfälschten Fleischgeschmack, der durch die Brösel etwas knusprige und getreidige Anmutung bekam. Eine Creme (Meerrettich, wenn ich es richtig in Erinnerung habe) gab eine leichte Schärfe und verband die Aromen einigermaßen. Um es wirklich zusammenzubringen, hätte etwas mehr davon auf dem Teller sein können.

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ID: 48901


              Als zweiten Gang gab es verschiedene Karotten aus der Gärtnerei „Wilde Kost“ mit karamellisierter Dickmilch. Die Dickmilch hatte einen süßlichen Geschmack, der etwas an Crêpe und Biskuit erinnerte. Die Möhren waren in teils kalt, teils warm. Am interessantesten war der Salat aus den geriebenen roten Möhren, der sich gut mit der Dickmilch verband. Schön dazu der Brennnesselsud, der die Aromen noch näher zusammenführt, vor allem bei den rohen Bestandteilen des Gerichts. Sehr gut gelungen!

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              Nun gab es Edelmaräne mit Maronencreme und –Scheiben und noch einer weiteren Komponente, ich glaube, es war Birne. Ein eher herbstliches Gericht, die Maronen lagerte Herr Stolz – wie er sagte – seit dem Herbst in seinem Kühlhaus. Ich persönlich sammle sehr gerne im Herbst Maronen und mag sie sehr gerne. Hier waren sie natürlich nicht mehr ganz so knackig, wie man sie kennt, wenn man sie frisch gelesen hat. Auch waren sie in der rohen Form weniger süß, sondern zeigten eine leicht mürbe süßlich-bittere Note. Die Creme war dann etwas süßlicher. Dazu der Fisch mit schön kross gebratener Haut, die aber auch sehr intensiv war und das Spiel aus Birne und Marone etwas stoppte. Aber ohne die Haut war auch dies ein gut abgestimmter Gang.

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              Dann gab es Tintenfisch mit Roter Bete, Rosinen und Sellerie, sowie reichlich Dill. Da ich kein großer Dill-Fan bin, war mir hier das Kräuteraroma etwas zu stark. Die Rosinen weicht Herr Stolz in Bier ein, was ihnen die penetrante Süße nimmt und einen schönen ausgewogenen Geschmack gibt. Dieser passte wunderbar zu der leicht erdigen Süße des Sellerie und sich auch mit der Roten Bete verband er sich sehr gut. Der Tintenfisch bleib relativ neutral.

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ID: 48904


              Im Hauptgang gab es Lamm mit Zwiebeln, Spargel, Hopfen und Kartoffeln. Die Zwiebeln waren nur relativ leicht gegart und ziemlich grob geschnitten, so dass sie eher knackig als süßlich war. Das war mir an der Stelle zu simpel und etwas grob, zumal ein süßliches Element nicht gestört hätte. Der Spargel wird im Sud von entsafteten Spargelabschnitten gegart. Dadurch bleibt ihm seine bittere Note erhalten, die zunehmend noch durch den Hopfen unterstützt wurde. Die Kartoffeln waren in Bier gegart und dadurch auch mit leichter Bitternote, der aber auch den Eigengeschmack der Kartoffel stark betonte. Allerdings trocknete dieser Geschmack das Gericht auch etwas aus, so dass es – trotz der Saucen – auch einen trockenen Eindruck hatte.

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              Dann folgten drei Käse mit verschiedenen Aromen. In Ermangelung vertiefter Käse-Kenntnisse enthalte ich mich eines Urteils, aber ich war zufrieden.

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              Das erste Dessert war eher auf der herben Seite: Malzeiscreme mit einem Gläschen Nordisch Bitter Likör und süßem Roggenkräcker. In der Tat war der Kräcker das einzige süßliche ausschließlich süße Element und somit war die verhältnismäßig große Größe für mich passend. Das Eis wirkte etwas dezenter verband sich aber bestens mit den Beeren und vor allem mit dem süßlich-bitteren Likör. Ein schönes Dessert.

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              Den Abschluss bildete dann ein Sauerampfersorbet mit Apfel, Gewürzbot und Waldmeistereiscreme, wobei das Brot noch auch etwas weichem, fruchtigen lag. Frische mit würziger Intensität verband sich hier auf eine harmonisch-intensive Art und Weise zu einem einfach gelungenen Dessert, das frisch-fruchtig und kräutrig-würizg wirkte.

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              Insgesamt hat mir einiges an dem Menü gefallen, anderes aber auch nicht: Kritisieren möchte ich, dass einige Gänge – vor allem wenn sie mit Bitterstoffen arbeiten – zu wenig flüssige Elemente wie Saucen oder Sude enthalten. Durch die trockene Wirkung die Bitterstoffe im Mund haben, wäre es für mich gut gewesen, wenn es, vor allem beim Tintenfisch etwas nicht allzu intensives, aber flüssiges dazu zu gegeben hätte. Und auch beim Fisch war für mich die Proportionierung zwischen der Creme und der Maronenmenge nicht optimal. Selbst beim Hauptgang – der ja Fleisch und Spargelsauce hatte – „saugten“ die Bitterstoffe von Spargel und vor allem die Kartoffel dies wieder auf, so dass der Gang irgendwie trocken wirkte. Andererseits ist es natürlich wunderbar, einmal ein Menü zu haben, dass intensiv mit Bitterstoffen arbeitet, diese nicht kaschiert, sondern gezielt einsetzt.

              Der zweite Kritikpunkt ist aus meiner Sicht, dass mehrfach die Einzelkomponenten nicht optimal ineinander griffen. Das lag meines Erachtens an Details. Zum Bespiel das große Radieschen beim Tatar - wenn es kleiner gewesen wäre, vielleicht leicht mariniert, wäre es sicher viel integrierter in die Wirkung des Gerichts gewesen. Oder beim Tintenfisch überlagerte der Dill die - meiner Meinung nach - beste aromatische Wirkung aus Sellerie, Roter Bete und Rosinen. Darüber hinaus gelang aber genau dies, was ich eben kritisierte an mehreren Stellen, etwa - neben der genannten Kombination beim Tintenfisch - auch in den Desserts.
              Auf der anderen Seite war es wiederum ein großes Vergnügen, die einzelnen Komponenten zu probieren. Wie hier der Eigengeschmack herausgearbeitet war, in einer wahrhaft puren Form, ist schon bemerkenswert und außergewöhnlich. Das ist sicher DAS Markenzeichen der Küche, woraus sie ihre Kraft und Spannung bezieht. Dabei ist sie manchmal dabei, die Grenze des Purismus zu überschreiten und etwas simpel zu wirken, etwa die nahezu unbearbeitete Zwiebel im Hauptgang, oder das große unbearbeitete Radieschen im Tatar, was dann unnötigerweise Feinheit vermissen lässt.

              Und so liegt das Geschmackserlebnis hier darin, pures und unverfälschtes (wieder)zu erleben. Kann man sich darauf einlassen, dann sind die von mir empfundenen Kritikpunkte halb so wild.

              Etwas zu trinken gab es übrigens natürlich auch: Peter Jakob Kühn 2011er St. Nikolaus. Auch mit viel Luft und etwas Temperatur blieb er noch verhältnismäßig verschlossen. Aber bei dem Preis wollte ich von 46 EUR war es für mich definitiv der interessanteste Wein auf der Karte und ich weiß, dass ich meine Flaschen im Keller noch beruhigt liegen lassen kann.

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              Zuletzt geändert von QWERTZ; 09.05.2014, 00:32.

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              • #8
                Vielen Dank, lieber Qwertz, für Deinen interessanten Bericht.
                Es ist nicht einfach, an zwei hintereinander liegenden Tagen derart verschieden stilistische Restaurants zu besuchen und zu werten. Interessant fand ich die mehrfache Verwendung von Bier. In Bier-Regionen könnte man hier sicherlich auch eine Alternative zur Wein-Begleitung schaffen.
                Wie ist das Ambiente und der Service einzuschätzen ?

                Gruß Schink

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                • #9
                  Das Ambiente ist sehr nett, wie es Schnecke schon beschrieben hat. Den Service von Frau Stolz und ihrer Mitarbeiterin habe ich als sehr aufgeweckt und locker erlebt. Letztendlich ist dies alles mehr für mich mehr ein Gasthaus modernen Typs, als das was man sich unter einem Sternerestaurant typischerweise vorstellt. Der Eindruck ist, dass alles authentisch vom Herzen kommt und aus Überzeugung eine eigene Linie verfolgt wird, so wie man es sich viel häufiger wünscht.

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                  • #10
                    Danke für den schönen Bericht.
                    Ich finde sehr schön, dass Ihre Berichte in letzter immer wohlwollend kritisch sind, aber dabei nie mit erhobenem Zeigefinger daher kommen.
                    Mir sind Gerichte mit Ecken und Kanten lieber wie Gerichte, die einfach jedermann gut schmecken, weil sie so glattgebügelt sind.
                    Schön hier auch mal wieder was gastronomisches zu lesen.


                    Gruß!

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                    • #11
                      Vielen Dank, das geht natürlich runter wie Öl, aber wie wohlwollen kritisch oder unkritsch ich schreibe, hängt natürlich auch ein bisschen vom Menü ab....
                      In der Tat dürfte ein Menü, wie ich es im Restaurant Stolz gegessen habe, niemanden unberührt lassen - so oder so.
                      Zuletzt geändert von QWERTZ; 09.05.2014, 09:16.

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                      • #12
                        Lieber Qwertz,
                        schön das du die Gelegenheit genutzt hast, dein Fazit ist wohl auch die Philosophie von Familie Stolz.

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                        • #15
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ID: 61907

                          Wenn Köche von ihrem Traumrestaurant sprechen, dann hört man immer mal die Aussage: am liebsten ein Tisch, ein Menü und eine überschaubare Gästezahl, ganz so als wären sie privat zu Gast. Manche Köche integrieren dann Elemente dieser Vorstellung in ihr Restaurantkonzept. Nicht so Robert Stolz. Nachdem er vor drei Jahren sein Sternerestaurant in Plön geschlossen hat und ins Vier Jahreszeiten nach Hamburg gegangen war, hat er nun seine alte Wirkungsstätte umgebaut und dieses Konzept ohne Abstriche umgesetzt.

                          Einst gab es in dem Haus auch ein kleines Hotel. Das ist Vergangenheit. Die Zimmer wurden zu Wohnungen umgebaut. Die alte Restaurantküche ist einer offenen Küche gewichen, die eher nach einer gewöhnlichen Haushaltsküche aussieht. Sie ist auch die private Küche von Robert Stolz. Der Esstisch, an dem zwölf Personen Platz finden ist auch sein privates Esszimmer und hinter einer Glasschiebetür ist sein privates Wohnzimmer. Mit anderen Worten: Wer eine Karte für einen Abend kauft (ja auch hier werden Tickets vorab verkauft), ist wirklich bei Robert Stolz zu Gast und nicht im Restaurant Robert Stolz. Das ist eine Nähe, die Robert Stolz will – ich füge hinzu: auch als Gast muss man das wollen. So sehr ich eine persönliche Atmosphäre im Restaurant schätze, ist eine derart private Atmosphäre doch etwas anderes – das muss man auch selbst zulassen wollen, um Spaß an dem Abend zu haben. Ein Rückzug in eine eher distanzierte Neutralität wird den Erlebniswert sicher mindern.

                          Das neue Angebot heißt demzufolge auch are.live. An drei Tagen in der Woche gibt es ein Menü, außerdem veranstaltet Robert Stolz künftig Kochkurse und er will einmal im Monat eine kulturelle Veranstaltung in seinem Haus anbieten. In den vergangenen Tagen hat Robert Stolz einige Pre-Opening Dinner abgehalten, zu denen ich für Restaurant-Ranglisten eingeladen war. Das Menü aus sechs Kleinigkeiten und sechs Gängen wird regulär für 80 Euro inklusive Wasser, zzgl. einer Gebühr des Ticketdienstleisters angeboten.

                          Die Kleinigkeiten zu Beginn des Menüs:
                          Kartoffelchip mit Sauerrahm: Der Chip ist crisp, recht salzig und schmeckt schön kartoffelig. Mit der säuerlichen Creme eine schöne Knabberei zum Start.
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ID: 61908

                          Danach folgt eine dehydrierte Möhre, die mit Lakritzpulver bestreut ist und von einem Klecks Apfelessig-Sahne begleitet wird. Die Möhre schmeckt zunächst süßlich, eher fruchtig, vielleicht nach Backpflaume. Erst nach etwas Kauen kommt die erdige Süße klarer zum Vorschein. Das dickere Ende ist auch vom Biss her angenehmer. Die Sahne und das Lakritzpulver bleiben in ihren Aromen dezent ergänzend. Ein sehr interessantes, puristisches aber aromatisch komplexer Snack.
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ID: 61910

                          Ein Raps-Salat mit Radieschen und Senfblüten folgt. Am Boden ist eine leichte Creme aus emulgierten Rapsöl und geschrotetem Raps, die obwohl sie nicht geröstet sind, einen dunklen an Röstaromen erinnernden Geschmack ins Gericht bringen. Damit kann man die Blätter, die Radieschen und die Senfblüten schon kombinieren. Es entsteht ein Geschmacksbild, das ich als einen komplexeren Salat beschreiben möchte.
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ID: 61912

                          Dann folgt ein Dreierlei: Sanddorn und Möhre, was mich texturell und aromatisch weniger überzeugt, da es etwas wabbelig und für mich geschmacklich eindimensional auf der Zunge wirkt; eine sehr fleischig schmeckende Zungenwurst mit Blumenkohl-Senfhülle und ein kleines, feines Käsebrot.
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ID: 61911

                          Der erste große Gang zeigt Fördemuscheln mit Petersilie und Merretticheis. Die großen Muscheln und eine Art Tatar von Miesmuschel in einem Mantel auf Milchbaiss haben einen klaren, feinen Muschelgeschmack. Dieser verbindet sich mit der tiefen Kräutersauce sehr gut. Das Meerretticheis ist ziemlich mild, nur punktuell kommen ein Schärfeblitze dazu, die ziemlich punktgenau zur Kräutersauce und der Muschel passen. Ein schöner klarer erster Gang, dessen Aromen exakt zusammenpassen.
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ID: 61909

                          Der zweite „Gang“ ist ein Gläschen Röstzwiebelsuppe mit Tannenöl. Bei den ersten Schlucken habe ich vielleicht zur Hälfte Öl und Suppe im Mund. Das Aromenspiel ist perfekt: Die Suppe hat Tiefe und eine leichte Süße. Das Öl, für das dunkelgrüne Tannenadeln und nicht nur junge Triebe verwendet wurden, bringt eine interessante, leicht herbe Note dazu, die ein guter Kontrast zum süßlichen Zwiebelgeschmack der Suppe darstellt. Dieser verliert sich jedoch leider, je höher der Anteil der Suppe im Mund ist, weil die höhere Temperatur der Suppe das Tannenaroma in seiner Entfaltung dämpft. Aus meiner Sicht wäre es spannender für das Aromenspiel, wenn die Suppe ein paar Grad kälter serviert würde.
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ID: 61913

                          Es folgt ein Brotgang mit Sauerampferbutter und warmer Rosmarinsauce. Das Sauerteigbrot ist fluffig und eine angenehme, nicht zu schwere Struktur. Dazu gibt es ein leichtes Knäcke, das ich aber für nebensächlich habe. Das Spiel des Brots mit der geschmacklich intensiven Butter und der funktioniert hervorragend. Dies ist wahrlich ein eigenständiger Gang, zumindest kulinarisch. Etwas unklug ist aus meiner Sicht die Kombination mit dem folgenden Gang, wodurch man doch in kurzer Zeit praktisch die komplette Kohlenhydrat-Menge des Menüs zu sich nimmt. Das wirkt dann sättigender, als es bei einer anderen Reihenfolge sein müsste.
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ID: 61915

                          Birnen-Speck-Auflauf mit Roter und Gelber Bete – hier hat Robert Stolz ein Familienrezept verwendet. Der Teig des Auflaufs schmeckt klar nach Birne und wirkt zunächst eher wie ein Kuchen, erst mit der Salzigkeit des Specks wird er vollmundiger. Die Bete sind in Bier und Essig eingelegt worden. Sie sind angenehm erfrischend bitter und geben dem Gericht zusätzliche Tiefe. Die aufgeschäumte Sauce auf Hühnerfondbasis nimmt dank ihrer buttrigen Üppigkeit wiederum den Bitternoten die Strenge. Ein für sich sehr gelungener Teller, der trotz einer gewissen Rustikalität sehr gut austariert ist.
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ID: 61917

                          Landhuhn vom Bamberger Hörnchen, Gremolata, pochiertem Ei, Lauch und Kartoffelschaum ist ein ziemlich voller Teller, der aber trotzdem harmonisch schmeckt. Die Brust ist saftig. Aus meiner Sicht gibt es allerdings Premium-Hühner mit aromatischerem Fleisch als dieses vom Bauckhof. Das Keulenfleisch ist etwas kräftiger gewürzt und somit interessanter als die Brust. Was mir hier sehr gut gefällt ist das Zusammenspiel aus Ei und der Gremolata mit ihren Zitrusaromen. Das weiche Eigelb ist ersetzt die Sauce in dem Gericht. Der Lauch bleibt etwas blass. Auch die Kartoffeln sind angenehm im Geschmack aber eher Nebendarsteller. Die Kernkombination aus Fleisch, Gremolata und Ei passt gut, das Gericht könnte etwas fokussierter sein, schmeckt aber richtig gut.
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ID: 61914

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                          Schon im alten Restaurant stand Robert Stolz für das, was man Nova Regio-Küche nimmt. Neben der Villa Merton von Matthias Schmidt war sein Restaurant sicher eines der Vorreiter dieser Entwicklung in Deutschland. In der Zeit seines alten Restaurants konnte sich Robert Stolz ein Netzwerk von Produzenten aufbauen, auf das er sich auch jetzt stützen kann.
                          Das Menü beginnt mit etwas reduzierteren und geschmacklich fokussierten Gerichten. Diese gefallen mir etwas besser. Den Hauptgang finde ich zwar lecker, aber auch etwas überladen. Das geht dann mehr in Richtung Nova Regio-Soul Food – eine Kategorie, dieser Küchenrichtung vielleicht noch fehlt. Insgesamt kocht Robert Stolz nicht ganz so reduziert, wie es manche Berliner Vertreter dieser Richtung, so dass seine Gerichte auch nicht Hipstern und „Einsteigern“ in Bezug auf diesen Küchen-Stil gefallen dürften.
                          Robert Stolz ist, und das ist bei diesem Konzept nicht unwichtig, ein ruhiger sympathischer Gastgeber, der, auf Nachfrage, Einblicke in seine Gedankenwelt offenbart, aber den Gast damit nicht zutextet. Das ist eine gute Voraussetzung, um die Idee der wirklichen Wohnzimmeratmosphäre als Restaurant entstehen zu lassen.
                          Für 80 Euro inklusive Wasser gibt es ein Menü, dass diesen Preis mehr als wert ist.

                          Zu dem Menü gibt es eine alkoholische Begleitung mit passenden und durchaus interessanten Weinen und Bier. Als einziges wirkliches Pairing empfand ich das Lieblingssaison Bier von Höppner. Die übrigen Weine passten und gaben einen eher weiteren Rahmen für die Gerichte: Guteldel vom Weingut Wasenhaus zur Muschel, Lemberger von Hailde zum Auflauf, Silvaner vom Weingut Freitag zum Huhn und ein Scheurebensekt ‚trocken‘ von Nüssle zum Dessert.

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