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Lissabon-kulinarische Wüste

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  • Lissabon-kulinarische Wüste

    Liebe Forumianer,

    ich bereite gerade eine kurze Reise nach Lissabon. Hat jemand Tipps?! Es scheint aus kulinarischer Sicht ein Niemandsland zu sein...

    LG
    wi

  • #2
    Bei meinem einzigen Besuch, mit meinen Eltern vor bald 30 Jahren, war es in der Tat ein problematisches Pflaster. Heute soll es, so zumindest die NYT, auf dem Weg ins goldene kulinarische Zeitalter sein.

    http://travel.nytimes.com/2011/03/13...aurants&st=cse

    http://travel.nytimes.com/2011/01/30...aurants&st=cse

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    • #3
      Vielen Dank! Von Alma habe ich auch von einer anderen Stelle gehört... Klingt interessant.

      LG
      wi

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      • #4
        Hallo wi,

        ich war vor ca. vier Jahren das letzte Mal in Lissabon und war - wie eigentlich überall in Portugal - etwas ernüchtert über die kulinarische Qualität. Wir haben aber auch eher nach einfachen Restaurants gesucht. In Lissabon fand ich nicht schlecht das Restaurant Sinal Vermelho im Barrio Alto (Rua das Gáveas 89. Encarnação, Bairro Alto. 1200-206 Lisbon, Tel.: 213461252, Metro: Rossio).

        Es gibt noch das Restaurant Eleven (Joachim Koerper), wo wir aber damals nicht hingegangen sind. Insgesamt ist mir positiv die Produktqualität bei Fisch und Fleisch aufgefallen. Negativ ist mir die Produktqualität des Beilagengemüses aufgefallen (grobstrünkiger Broccoli wird gerne gereicht) und eine doch recht starke Uniformität der Zubereitung.

        Überhaupt nicht verstanden habe ich die Obsession für Desserts auf Eigelb-Basis. Jeder Ort wirbt mit seinem lokalen Dessert, was dann aber sehr häufig nur eine Variation der stark gezuckerten Eigelbcrème ist (mal mit Mandeln, mal mit Orangenblütensirup, usw.).

        Vielleicht haben wir aber damals nur nicht richtig gesucht oder es hat sich in den letzten Jahren erheblich etwas getan.

        P.S.: nicht auf die Gourmetküche fokussiert, gibt es ganz gute Tipps (zu Weinhandlungen, etc.) auf diesem Blog: http://chezmatze.wordpress.com/
        Zuletzt geändert von rocco; 10.07.2011, 12:18.

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        • #5
          Vielen Dank, lieber rocco,

          von eleven habe ich gehört, dass es dort sehr überheblich zu geht und das Essenqualität stark nachgelassen hat. Deswegen werden wir wohl auch nicht hingehen...

          LG
          wi

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          • #6
            Liebe wi,

            ein guter, kulinarisch verlässlicher Freund von mir war unlängst (März) in Lissabon bei Joachim Körper, gleichfalls mangels Alternative. Er berichtete mir von einem sehr schönen Abend mit einem freundlichen Service und einer soliden, handwerklich sehr guten, wenngleich nicht atemberaubenden Küchenleistung im Bereich +/- *. Sollte man moderne Architektur mögen, dürfte das Eleven auch atmosphärisch gefallen können.

            Das Schokonussküchlein des Eleven, welches er mir noch in derselben Nacht nach seiner Rückkehr nach Deutschland vorbeibrachte, war jedenfalls herrlich.

            KG
            Besseresser

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            • #7
              Mein Tipp: Restaurant Eleven
              Dort kocht Joachim Koerper, er war 2009 Gastkoch im Hangar 7 in Salzburg

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              • #8
                Vielen Dank! Es scheint, um eleven streiten sich die Geister! In einem solchen Fall ist das Beste selber hingehen, und eigene Meinung bilden... Wenn es nicht so wenig Zeit in Spiel wäre... Außerdem, in Portugal würde ich gerne etwas von einem portugisischen Koch probieren wollen.

                Ich werde berichten, wenn es etwas zu berichten geben wird.

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                • #9
                  Ich habe einen portugiesischen Freund gefragt, und er hat Bocca empfohlen (http://bocca.pt/). Dort kocht ein Portugiese, und es sieht ganz interessant aus, v.a. die übersichtlich einsehbare Weinkarte. Selber dort war ich aber auch nicht.

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                  • #10
                    Sind Sie denn, liebe Frau wi, inzwischen in Lissabon gewesen? Wenn ja, dann lassen Sie mich mal vermuten, daß Sie Ihre kulinarischen Erlebnisse lieber in einen gnädigen Mantel des Schweigens hüllen wollen.
                    Lissabon scheint ja nun auch andere Sorgen zu haben, als an der Verfeinerung der Kochkunst zu feilen; ganze Straßenzüge mit ursprünglich prächtig errichteten Häusern verwahrlosen, abseits der touristischen Highlights ist überall ratlose oder auch zynische Melancholie anzutreffen.
                    Dennoch hier kurz und ungnädig meine Eindrücke zu den Michelinempfehlungen - es gibt drei Bib Gourmand-Lokale:
                    - D'Avis, tatsächlich landestypische Gerichte, kräftige, auch kräftig geräucherte Würste, teilweise mit Blut, Frittiertes vom Schwein, durchaus fett, Oliven, der Fisch in knallheißer Keramik mit Gräte serviert, der Chef kümmert sich engagiert um uns, ein interessanter Abend.
                    - Solar dos Nunes, hier schmeckt es uns am besten, sehr zarter Oktopus, und, nachdem wir bei der Rechnung einige Korrekturen vorgenommen hatten, tatsächlich preiswert.
                    - das dritte Lokal will ich insofern erwähnen, da sich die Ober, nachdem wir einige Kritik geäußert hatten, in schon fast rührender Weise um Wiedergutmachung bemühten. Der "Vintage" (ein Tawny) zum sehr guten, fast schon scharfen Käse wurde fleißig nachgeschenkt und der ginge natürlich auf's Haus

                    Ach ja, beinahe hätt' ich's vergessen -lieber Herr S., würde jetzt V., meine Lieblingspsychiaterin, sagen, das nennen wir nicht: vergessen! - ein * - Lokal gibt's ja auch noch. Für 300 € bekamen wir schließlich einen guten Madeira vorneweg, auch der Weiße aus der Region hat uns gut gefallen.

                    Überragend die Qualität der Portweine; wir wurden in einer Weinhandlung gut beraten, es gab mehrere Vintage auch in halben Flaschen; und so fanden die kulinarischen Hochfeste in unserem Zimmer bei Käse oder auch Schokolade statt.
                    Gruß
                    s.

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                    • #11
                      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                      Überragend die Qualität der Portweine; wir wurden in einer Weinhandlung gut beraten, es gab mehrere Vintage auch in halben Flaschen; und so fanden die kulinarischen Hochfeste in unserem Zimmer bei Käse oder auch Schokolade statt.
                      Mein lieber S., das erinnert mich an meine Jugend, eine der österlichen Studienreisen mit den Eltern, in einer dieser doch sehr schulmeisterlich geprägten Gruppen von Studiosus (oder wars Karawane?), führte uns nach Portugal. Da sassen wir dann regelmäßig auf der hinteren Bank des Buses und liessen die Portweinflasche kreisen. War zur Verdauung der in der Tat auesserst rustikalen Küche auch dringend nötig.

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                      • #12
                        Lieber Schlaraffenland,

                        Lissabon müssten wir auf Januar verschieben, und verweilten uns statt dessen 10 Tage in Positano. Die kurze Schilderung kommt noch...

                        Deswegen nehme ich dankend Ihre Tipps an, und werde entsprechend zu nutzen wissen.

                        LG
                        wi

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                        • #13
                          Lieber wi,

                          ich hoffe ich bin mit meinen Empfehlungen nicht zu spät dran. In diesem hier waren wir sehr zufrieden, ein schönes Menü das wir uns selbst zusammengestellt haben (der Rochen war z.B. hervorragend, aber auch das Federvieh, von dem wir bis heute nicht wissen was es war, waren vorzüglich:

                          A Travessa
                          Travessa do Convento das Bernardas 12 P - 1200-638 Lisboa

                          Das Restaurant ist in einer Hintergasse etwas schwer zu finden, aber das Ambiente, ein alter Klosterhof, ist dafür sehr schön.


                          Ein absoltues Muss in meinen Augen ist das Chafariz do Vinho in der Rua da Mãe de Água Lisboa. Eine Enothek in einer stillgelegten Zisterne. Das Degustationsmenü war sehr schön abgestimmt. Die Weine hochwertig und perfekt zum Essen. Preis/Leistung passte da auch.


                          Wenn es frischer Fisch oder anderes Meeresgetier sein soll, kann die meisten Restaurants an den Docas in Lissabon empfehlen. Am besten sind die mit den Frischfischauslagen hinter der Eingangstür. An den Namen des Restaurants das wir besuchten kann ich mich nicht mehr erinnern (leider).


                          Viele Grüße & einen schönen Urlaub
                          JoergP.

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                          • #14
                            Lissabon hat uns überrascht und beeindruckt, und das nicht nur im kulinarischen Sinne. Die Stadt kommt zuerst als eine zerbrechliche müde Schönheit daher, dann entpuppt sie sich als moderne und trendige Metropole. Wir haben Lissabon ins Herz geschlossen, die Leute sind unglaublich freundlich, die Weine sind hervorragend und kulinarisch, auch wenn noch nicht auf dem Punkt angekommen, ist diese Stadt auf dem richtigen Weg.

                            Cantinho do Avillez

                            Jose Avillez gilt als ein aufsteigender Stern auf Lissabons kulinarische Himmel. Obwohl noch sehr jung, hat er bereits bei Ferran Adria, Alain Ducasse und Eric Frechon gekocht. Letztes Jahr erkochte er im Restaurant Tavares, einer der ältesten Restaurants in Lissabon, ein Michelin-Stern. Kurz darauf verließ er Tavares um sein Cantinho zu eröffnen. Nach seine eigene Wörter, wollte er einen Platz schaffen, wo man in einer relaxten und gemütlichen Atmosphäre einfache, aber auch raffinierte Küche genießen kann.
                            Das Restaurant ist relativ klein und erinnerte uns vom Stil an die französischen Bistros, wenn auch nicht so eng. Die Bedienung sehr freundlich und äußerst effizient. Die Karte klein, jeweils 10 Vorspeisen und 10 Hauptgerichte. Zuerst gab es eine Auswahl vom Brot, definitiv selbst gebacken, eine wunderbare Guakamole und Oliven, mit Orangen mariniert. Einfach, aber doch sehr schmackhaft und etwas besonders. Wir bestellten:
                            • Gekühlte Krabbensuppe mit gekochtem Ei und Gewürzgurkentoast. Schon die erste Vorspeise lässt erahnen, was der Chef alles kann. Die Suppe hat einen wunderbar vollmundigen Krabbengeschmack, die Gurken bilden eine gewisse Balance und Ei neutralisiert. Wunderbar.
                            • Thunfisch nach Hausrezept mariniert mit Ingwer und Limettenmayonnaise. Ein sehr schönes Gericht, der natürlich durch die Produktqualität lebt.
                            • Kabeljau mit Brotkrümeln, Niedrigtemperatur-Ei und „explodierende“ Oliven. Ein portugiesisches Traditionsgericht, welches durch ein paar Spielereien etwas aufgewertet wurde. Sehr schön und schmackhaft
                            • Cantinho Steak. So zu sagen, Signature Dish, etwa die Hälfte der Gäste haben Steak bestellt. Steak wird aus portugiesischem Rindfleisch zubereitet, das war für mich ein Grund genug, es zu probieren. Wunderbar zart, dazu gab es feine Soße und gebratene Pilze und selbstgemachte Kartoffelchips.
                            • Orangen und Vanille Crème brûlée . Auch sehr fein und nicht zu üppig.
                            Dazu gab es Pasmados, Jose Maria do Fonseca, Syrah

                            Unser Fazit: eine interessante und preiswerte Küche auf einem relativ hohen Niveau.

                            Feitoria in Altis Belem Hotel

                            Feitoria ist so zu sagen ein einziges besterntes Restaurant Lissabons. (Tavares hat auch noch ein *, allerdings ist Jose Avillez nicht mehr da, und wir hörten, das Restaurant hat ziemlich Probleme). Der Chef Jose Cordeiro, in Angola geboren, hat in London und Tokyo gekocht, und versucht die afrikanischen und internationalen Einflüsse in seiner Interpretation der portugiesischen Küche umzusetzen.

                            Das Hotel Altis Belem und das Restaurant sind sehr stilisch, ohne jedoch unterkühlt zu wirken. Das Team sehr professionell und freundlich. Wir haben uns von Anfang an sehr willkommen gefühlt.
                            • Erster Gruß aus der Küche: Babygarnelen mit Algensalat und selbstgemachten Gemüsechips.
                            Sehr schöne Präsentation auf dem Schifferbrettchen mit einem Stein und den bunten Chips in einem Glas. Geschmacklich hat uns nur der Algensalat beeindruckt.
                            • Zweiter Gruß aus der Küche: Gaspacho als Martini serviert. Weiße Gaspacho wurde in einem Martiniglas serviert mit einer falschen Olive, die im Mund explodierte.
                            • Pochierte Austern auf einem Granny-Smith-Püree mit Limettenschaum und Tonic-Creme. Das Gericht wurde sehr schön umgesetzt, alle Aromen fein auf einander abgestimmt und sehr vollmundig
                            • Gebratene Jakobsmuscheln auf Erbsenpüree mit Chorizo und Bekonschaum . An sich vielleicht nicht sehr spektakuläres Gericht, jedoch wieder perfekt umgesetzt.
                            • Blaumaul gebraten mit grünen und weißem Spargel. Mein Fischgericht war nicht so aufregend, ich fand es ziemlich Aroma arm und der Fisch war für mein Geschmack zu lang gebraten
                            • Schweinefilet auf Bohnen-Kartoffelpüree mit Bohnengemüse. Mein Mann meinte, es war das beste Schweinefilet seines Lebens. In der Tat, der Fleisch war sehr saftig und schmälzte auf der Zunge.
                            • Als Pre-Dessert zwei wunderbare lauwarme Pasteis de Belem mit Zimt
                            • Moscatel Panna Cotta mit Basilikum-Eis. Ein wunderbares Dessert, schön präsentiert, leicht und Locker
                            • Lauwarmes Kürbis-Kuchen mit Crema-Katalana-Zimt-Eis. Ein Gedicht !
                            Zu trinken gab es: 2 Gläser Champagner

                            1 Flasche Maritavora Reserva Branca (portugiesische Traubensorten Códega do Larinho (30%), Rabigato (30%)and Viosinho (20%))

                            Rozes White Reserva Portwein zum Dessert

                            Brandy aus Portugal Palacio Brejoeira

                            Unser Fazit: ein sehr schönen Abend, ausgezeichnetes Essen und Service, schönes Ambiente. Ein Stern absolut verdient.

                            Chafariz do Vinho

                            Vielen Dank an JörgP. für diesen Tipp, welcher wir gerne weiter geben. Die Enoteca ist ein Muss für Weinliebhaber. Allerdings muss man schon ein bisschen vorbereitet sein, um nicht von der Weinkarte erschlagen zu werden. Die Bedienung gibt eine sehr qualifizierte Beratung. Essen ist einfach, aber sehr lecker, Ambiente sehr interessant. Großes Vorteil: spätere Öffnungszeiten, hat auch sonntags auf.
                            Besonders geschmeckt hat uns: portugiesischer Ziegenkäse, lauwarm serviert mit getrockneten Tomaten

                            Solar dos Pressuntas

                            Dieses Restaurant ist eine Institution in Lissabon, so etwas wie ein portugiesischer „Borchardt“. Soll von Politiker und Schauspieler sehr beliebt zu sein. Wir sind hier eher zufällig gelandet, einfach in der Mittagszeit in der Nähe gewesen. Kulinarisch, wenn auch ein sehr gutes Niveau, muss man das Lokal nicht besucht haben. Es bittet jedoch ziemlich hohen Unterhaltungswert. Hier scheint jeder jeden zu kennen, es ist wie eine große Familie. Traditionelle portugiesischer Küche. Die Preise sind relativ hoch.

                            Noch ein Tipp von uns: nach oder vor dem Abendessen einen Glas Wein auf die Terrasse im 6.Stock des Hotels Bairro Alto zu trinken. Der Ausblick ist fantastisch! Aber Achtung: der Bar macht bereits um 22:00 Uhr zu.

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                            • #15
                              Ein sehr schöner Bericht, liebe Wi! Insbesondere Cantinho do Avillez und Feitoria hören sich interessant an. Aber hat man bei letzterem tatsächlich das Bohnen-Kartoffelpüree noch mit einem Bohnengemüse ergänzt? Klingt ja nach einer Überdosis. Zum Austerngang: Ich bin zwar kein großer Fan dieser Leckerei, finde aber die Verbindung mit säuerlichem Apfel nahezu genial! Noch eine Frage: Klar, Port muss in Portugal sein, doch gab es den weißen Port auch schon zum ersten, eher leicht klingenden Dessert (Panna Cotta + Basilikumeis)? Und wie hat das funktioniert?

                              Grüße, Mohnkalb

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