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Lissabon-kulinarische Wüste

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  • Stardust
    antwortet
    Da hier lange Zeit nichts mehr geschrieben wurde, kann ich ja mal ein grobes Update aus meinem Portugalurlaub geben.

    Minibar
    Wird wie auch das Belcanto von José Avillez betrieben. Wie der Name schon sagt ist es kein klassisches Restaurant, sondern eher eine stylische Bar. Dem Ambiente angemessen gibt auch eine eher kreative Küche und ausgefallene Cocktails. Ich hatte das Epic-Menü bestehend aus 11 Gängen in Amouse Bouche Größe - unter anderem mit Foie Gras Rocherpralinen, einem Miniburger und einer Vanilleschaum gefüllten Limette - was für 55 € wirklich empfehlenswert ist.

    100 Maneiras
    Ist ein Restaurant mit einem bosnischem Koch, das vor allem durch den Einsatz von Gewürzen und die Kreativität besticht. Highlights waren bspw. die Küchengrüße zu Beginn mit Brot, verschiedener Butter, Pasteten usw. (alles was es früher im Dorf des Kochs gab), einem Wrap zum selbst bauen sowie verschiedene Foie Gras Variationen. Ebenfalls hat das Restaurant drei verschiedene Räume: Wintergarten, klassischer Restaurantraum und einen großen Holztisch vor der offenen Küche. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ich hatte dort sehr viel Spaß, von den 13 Gängen waren aber nur 1-2 auf Sterneniveau. Dafür fand ich den Preis von 110 € fast schon etwas zu hoch.

    Belcanto**
    Um das Fazit vorweg zu nehmen: Das Belcanto war von den drei Restaurants wenig überraschend das beste, hatte aber im meinem Menü doch einige Schwächen.
    Positiv die drei Vorspeisen (Aal, Stockfisch und Krebs), die einzeln schon richtig gut waren, hinsichtlich der Geschmacksrichtungen aber super zusammengepasst haben. Ebenso toll Seebarsch mit Avocado und Roter Beete, Eigelb in Bratensoße mit salzigem Brot sowie endlich mal ein tolles Schokoladendessert.
    Warum ich dennoch etwas enttäuscht war: Auf den Krebsgang folgten zwei Hummergänge. Der erste davon war relativ klassisch auf dessen Fleisch fokussiert, allerdings auch eher spannungsarm und dem Krebs sehr ähnlich. Der zweite war eher ein "Showgang", bei dem man das Restfleisch aus dem ganzen Hummerkörper (ohne Kopf) herausziehen sollte. Fand ich persönlich eher widerlich. Der nächste Gang war ein als sehr berühmt angepriesener Krautsalat. Auch unabhängig davon, dass mir dieser einfach nicht geschmeckt hat, hat die reine Produktpräsentation irgendwie nicht so richtig zu den restlichen Gängen gepasst. Enttäuschung Nr. 3 war, dass es keinen echten Fleischhauptgang gab. Stattdessen wurde hier Risotto mit Trüffel und Pilzen serviert. Das war ansich nicht schlecht (wenn auch eindimensional), aber irgendwie hat mir etwas zum beißen gefehlt.
    Insgesamt klingt das jetzt negativer, als es letztlich war. Auf 2-Stern-Niveau habe ich für mich persönlich das Belcanto an diesem Abend auf Grund der Ausrutscher allerdings nicht gesehen. Lag vielleicht aber auch daran, dass ich das angeblich innovativere "Evolution-Menü" und nicht das klassische Tasting Menü hatte.

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  • rocco
    antwortet
    Zitat von malbouffe Beitrag anzeigen
    Danke für den Bericht, du hattest im Belcanto offenbar 1:1 das Menü, das es bei mir vor einem Jahr gab. Sehr spannend zu lesen, wie du es wahrgenommen hast.
    Sofern ich nicht ständig hingehe, stört mich die "Kontinuität" (euphemistisch ausgedrückt) in dem Menü an sich nicht. Ich habe deinen Bericht erst jetzt gelesen und das Gefühl, wir haben die einzelnen Gänge durchaus ähnlich gesehen, nur ein anderes Fazit gezogen. Mir ist übrigens noch das Pre-Dessert eingefallen: das war ein Pudding, der mit Schweinefett gemacht wird. Durchaus schmackhaft. Außerdem kann es sein, dass wir bei dem Eiergang (der wirklich der schwächste war) keine Trüffel hatten, sondern auch nur diese Magic Mushrooms und Trüffelaroma im Sud. Einerlei: ich fand's wirklich toll im Belcanto.

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  • malbouffe
    antwortet
    Danke für den Bericht, du hattest im Belcanto offenbar 1:1 das Menü, das es bei mir vor einem Jahr gab. Sehr spannend zu lesen, wie du es wahrgenommen hast.

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  • rocco
    antwortet
    Die ersten Tage in Lissabon seit 9 Jahren waren stressiger als noch vor 9 Jahren (Bauwahn, infernalischer Lärm überall), aber trotzdem schön. Kulinarisch haben wir Höhen und Tiefen angetroffen. Das größte Problem der (traditionellen) portugiesischen Küche, egal in welcher Region, ist für mich, dass sie nur mit allerbesten Zutaten und frischer Zubereitung funktioniert. Taugen die Grundprodukte nichts oder sind sie nicht frisch zubereitet, kommt gleich ein unterdurchschnittlicher Kantineneffekt auf. Kartoffeln schmecken letztlich nie, Gemüse (sofern überhaupt vorhanden) auch fast nie. Einen Produktfetischismus scheinen Portugiesen nach meiner Wahrnehmung nur für Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte aufbringen zu können, auf Gemüse und Kräuter wird kaum Wert gelegt.

    Hier ein paar kurze Eindrücke:

    La Bota Alta im Bairro Alto, nur wenige Schritte von den tiefsten Touristenabgründen entfernt, war eine Empfehlung unserer Gastgeberin. Das Essen war nicht einmal mittelmäßig. Die gegrillten Tintenfische waren an einem Samstag(!)abend nicht frisch, sondern wurden offenbar vorgegrillt und dann nochmal schnell auf den Grill gelegt. Auch der Rest hat nicht wirklich geschmeckt. Fail.

    Largo in Chiado. Das Restaurant steht unter der "Schirmherrschaft" von Miguel Castro e Silva, einem offenbar bekannten Koch aus Porto. Es ist sehr durchdesigned, aber insgesamt eher warm als kalt. Super sind die Quallen in den überall stehenden Aquarien. Als Vorspeise hatte ich Schwarzfußschweinravioli in einer Erbsensauce mit etwas Wasabi (diese Wasabinüsschen), die ausgezeichnet waren. Frau rocco hatte eine Koriandersuppe mit Tomaten und Ziegenkäse, die mit der Zeit etwas eintönig schmeckte. Als Hauptgericht hatte ich einen Fisch, dessen Namen ich in zwei Wochen Portugal nie wieder auf dem Markt oder in Restaurants gesehen habe, der aber der Fisch des Tages war und ganz hervorragend schmeckte. Der Name des Fisches ist mir leider entfallen. Frau rocco hatte Jakobsmuscheln mit Seezunge ummantelt und einer Lauchsauce. Die Seezunge litt etwas unter der Zubereitung, ansonsten war das Gericht aber auch top. Die Weinkarte ist passabel, wir hatten einen 2014 Alvarinho Muros Antigos von Anselmo Mendes. Insgesamt ist das Largo für mich eine Adresse, die ich wieder ansteuern werde.

    Chimera in Principe Real, etwas ab vom Schuss. Dies ist ein kleines Hipsterrestaurant mit einem spindeldürren Kellner mit gezwirbeltem Bart, der alle 20 Minuten eine neue LP (Chet Baker, Ella Fitzgerald, usw.) auflegt. Hier gehen die Hipstertouristen hin. Das Konzept ist gut - es gibt ca. 15 Gerichte, aus denen man sich drei, fünf oder sieben Teller aussucht (drei Teller: 15 Euro, fünf Teller 22 Euro, sieben Teller 28 Euro). Wir hatten zuerst Gurke mit Ingwer als Amuse und dann verschiedene weitere Teller, die alle gut waren, von denen aber keiner so inspirierend war, dass ich mir das Gericht gemerkt hätte. Gemerkt habe ich mir nur Rind mit Chimichurri und einen Teller mit Bastardmakrele. Die Richtung der Küche hat uns gut gefallen, nur die Umsetzung (Zubereitung, Produktqualität) blieb auf einem bestimmten Niveau stecken. So richtig, richtig gut war eigentlich keiner der gereichten Teller. Zu trinken hatten wir einen Weißwein aus Barcelos (2013 Obidos Branco Reserva Vinhas Velhas von Casa das Gaveas), der ok war.

    Santa Bica im Bairro Alto. Dies ist ein wirklich schönes Restaurant. Man sitzt auf einer lauschigen Terrasse unter Bäumen, es ist brechend voll mit jüngeren Portugiesen. Das Getränk der Wahl ist Sangria. Wir hatten auf Empfehlung des Chefs gegrillten Fisch (Dorade für mich, Wolfsbarsch für Frau rocco), zu dem hier sogar ein Salat gereicht wird und der dank guter und frischer Grundprodukte und einfacher, aber hervorragender Zubereitung (nicht totgegrillt) so schmeckte wie es sein soll. Die Weinkarte ist hier nicht wirklich toll, aber es lässt sich schon etwas finden (wir hatten einen 2014 Alvarinho Deu la Deu von einer Winzergenossenschaft im Minho).

    Belcanto in Chiado: Now we're talking. Vom Belcanto waren wir beide absolut begeistert. Das Ambiente ist großartig, der Empfang herzlich, alle Kellner professionell, immer zur Stelle, witzig und irgendwie frisch im Auftritt. O Chef war auch da, machte aber keine Runde. Nach etwas Beratung entschieden wir uns angesichts "Mengenangst", die in Portugal durchaus angebracht ist, für das kleinste Menü, das auf der Karte zwar nur vier Gänge anzeigt, laut Kellner aber durch diverse kleine Zwischengänge ergänzt wird. Zu trinken gab es dazu von der sehr gut sortierten Weinkarte eine Flasche 2010 Vinho Verde Royal Palmeira Lourerio von Pascal Chatonnet, die unser Essen sehr schön begleitete.

    Los ging es mit ein paar kleinen Snacks, die allesamt eine schöne Einstimmung in die portugiesische Produktwelt darstellten:

    - Sphärige Kugeln mit Olivengeschmack und mit gelben Bohnen und Piri Piri Geschmack. Ok, aber mir wären Oliven und gelbe Bohnen mit Piri Piri in einer nicht-sphärigen Zubereitung lieber gewesen.
    - Eine „Gaspacho mit Kirsche und Frischkäse“ Kugel (fantastisch), ein Foie Gras „Rocher“, das sehr stark nach Erdnuss schmeckte, und ein Chip mit Huhn und Avodado, der auch ausgezeichnet war
    - Eine herausragend schmeckende Sardine

    Dann kam der erste Gang: „The Garden of the Goose that laid the Golden Eggs“: ein etwas albern vergoldetes pochiertes Ei, Trüffel und Röstbrot. Der Gang hat mich als einziger des Menüs nicht wirklich begeistert, Ei und Trüffel habe ich einfach schon besser gegessen.

    Der zweite Gang riss es wieder raus: „Dip in the Sea“, ein ziemlich großes Stück Wolfsbarschfilet in einem Sud aus Meerwasser mit Schwertmuscheln und Algen. Der Fisch war von herausragender Qualität und die Muscheln und Algen und der Sud so dezent, dass man sich ganz auf den Fisch konzentrieren konnte. Sehr puristisch, sehr maritim, einfach köstlich.

    Getoppt wurde das Gericht aber noch von dem Dritten: „Suckling Pig Revisited“, einem Stück Spanferkel mit krosser Haut oben drauf, zu dem zwei (wieder etwas alberne) Chips in essbarer Plastikverpackung gereicht wurden und der von Bitterorangen und einem gegrillten Salatherz begleitet wurde. Die bittere und fruchtige Begleitung war genau richtig, um zwischendurch die Geschmacksnerven zu beruhigen und auf das nächste Stück Spanferkel vorzubereiten, das einfach göttlich war. Große Show.

    Nach einem Pre-Dessert gab es dann noch das Dessert „Mandarin“, das hier schon vorher beschrieben wurde und ebenfalls ganz ausgezeichnet war.

    Insgesamt war die Küche für uns beide ganz vorne mit dabei mit einer Basis in der portugiesischen Tradition und nicht einfach nur mit Showeffekten aufgepeppt (Ausnahmen bestätigen die Regel), sondern gekonnt neu interpretiert und komponiert. Auch die Weinkarte ist spitze, der Service ganz hervorragend und die Stimmung im Restaurant ausgelassen. Da werde ich unbedingt wieder hingehen, wenn ich das nächste Mal in Lissabon bin.

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  • kuechenreise
    antwortet
    Zitat von chess Beitrag anzeigen
    anbei noch ein - etwas unscharfes - Bild der Mandarine!
    [ATTACH=CONFIG]1840[/ATTACH]
    Danke für das Bild mit der Mandarine! Wg. einer Mandarine extra nach Lissabon wäre ja doch vermessen... Aber wenn ich es mal hinschaffe, dann möchte ich diese Mandarine (und sonst noch einiges) probieren...

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  • chess
    antwortet
    Werter malbouffe,

    Sie haben schon recht, das Menü war nicht ohne Fehl und Tadel. Jedoch waren für unser Empfinden auch extreme Highlights dabei, die wir kaum vorher und schon gar nicht in der gerade im Forum diskutierten Parisreise erleben durften.

    KG Chess

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  • malbouffe
    antwortet
    Werter chess,

    danke für Ihre Eindrücke vom Belcanto! Unsere beiden Berichte scheinen ja auf den ersten Blick zwei völlig unterschiedliche Einschätzungen zu beschreiben. Wobei ich meine auch bei Ihnen Dinge zu lesen, die mir von ** etwas entfernt scheinen:

    Zitat von chess Beitrag anzeigen
    Frischkäse mit Kaviar: der Kaviar war erstaunlicherweise nicht schmeckbar, ansonsten handwerklich sehr gut, aber auch etwas langweilig.

    (...)

    Das Aquarium: viel Show und leider zu wenig Geschmack, wie so oft bei optisch brillierenden Gerichten.

    (...)

    Müsli schmeckte wie Müsli …
    Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich Sie hier falsch verstehe.

    Vielleicht als Nachtrag meinerseits auch noch ein Wort zum Brot: Olivenschnecke und Baguette konnte ich leider nicht probieren, dafür empfahl der Service ein Maisbrot, das von der Kruste her extrem fest, im Innenleben dafür beim Aufbrechen sehr bröselig war - eine ziemliche Ferkelei und im Mund dann auch etwas trocken. Die drei Bütterchen fand ich dafür sehr originell präsentiert, wobei die Räucherbutter (ganz rechts im Bild) nicht meinen Geschmack traf.

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  • chess
    antwortet
    anbei noch ein - etwas unscharfes - Bild der Mandarine!
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Name: mandarine.jpg
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Größe: 80,9 KB
ID: 49031

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  • kuechenreise
    antwortet
    Danke für die Berichte, das klingt wirklich spannend!

    Mandarine mit Steinpilz Streusel: Versuche mir gerade die Kombination vorzustellen (hatte noch keinen Nachtisch), klingt wirklich interessant! Würde ich liebend gerne mal probieren!

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  • chess
    antwortet
    Wertes Forum,

    wir haben das Belcanto im Januar 2014 besucht. Es war gleich soooo lecker (im abgewandelten Jürgen 3D Jargon), dass wir an 2 Tagen hintereinander dort gespeist haben. Bereits der erste Abend hat uns „weggehauen“. Der Eindruck manifestierte sich am 2. Tag (Spontanreservierung, da wir gar nicht glauben konnten, was für Geschmacksexplosionen wir auf unseren Tellern wiederfanden). Insofern weicht unsere Einschätzung von der von Malbouffe ab.

    Dies mag auch daran liegen, dass Herr Avillez an unseren Tagen direkt vor Ort war und ganz offensichtlich die Küche zu Höchstleistungen trieb und auch aktiv mitarbeitete! Ein zweiter Aspekt ist wohl, dass wir jeweils das große Menü hatten. Schlußendlich ist es immer wieder interessant zu sehen und zu lesen, wie unterschiedlich und dadurch objektiv das Forum im Vergleich zu NUR-Foodblogs ist, die verständlicherweise in der Regel nur eine subjektive Meinung wiedergeben.
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Name: Chefkoch.jpg
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ID: 49029

    Hier möchte ich auch eine Lanze für die südländische regionale Küche brechen. Diese kann mit ganz anderen – gereiften und wohltuend aromatischen - Produkten (von Fleisch hin zu Fisch über Gemüse und Obst) als die nördliche Küche punkten. So schmeckt Regionalküche – zumindest uns!

    Wir haben das Belcanto auf innovativem ** Niveau erlebt mit einigen Ausreißern in das *** Niveau.

    Im Einzelnen mit ein paar Fotos garniert.

    Molekulare Oliven: perfekt die Essenz herausgearbeitet. Das ist einfach, molekular und regional > besser geht es nicht unseres Erachtens, ein WOW-effekt mit Geschmacksexplosion im Munde- schön so etwas erleben zu dürfen!
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Name: olive.jpg
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ID: 49025
    Gänseleber, Huhn, gebackene Haut vom Stockfisch: eine spannende erfrischende Kombination und mit Meergeschmack pur durch den in Lissabon allerorts verwendeten Stockfisch, wieder mit Regionalbezug und molekularer Zubereitungsweise. Schon sehr nahe an einem *** Gericht!

    Frischkäse mit Kaviar: der Kaviar war erstaunlicherweise nicht schmeckbar, ansonsten handwerklich sehr gut, aber auch etwas langweilig.

    Danach eine sehr geschmacksintensive weisse Bohnensuppe mit Codfisch: wiederum gelingt es dem Küchenchef aus einem klassischen Gericht aus Portugal Sterneküche zu zaubern.

    Krabben Joghurt: ein sehr erfrischender Zwischengang

    Das Aquarium: viel Show und leider zu wenig Geschmack, wie so oft bei optisch brillierenden Gerichten.
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Name: Aquarium.jpg
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ID: 49026
    Makrele: was gibt es besseres, als den Eigengeschmack des Gerichtes hervorzuheben und gleichzeitig diesen nicht durch Beigerichten zu erschlagen, sondern zu akzentuieren. Wiederum perfekt gelöst.

    Ei Säure, Schmelz und alles zusammen eine kleine Offenbarung!
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Name: Ei.jpg
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ID: 49027
    Sea bass: Fisch und Soße einfach nur großartig

    Schwein in Orangensauce, Kopfsalat gut Chips: eine gigantische Produktqualität des Fleisches > in allen Einzelteilen perfekt zubereitet und zusammen gegessen mit einem richtig wohlschmeckenden Mouthfeeling ausgestattet. Dieses Schwein gerne immer und immer wieder!

    Müsli schmeckte wie Müsli …

    Mandellikör Ei: gut, aber nicht so unser Geschmack.

    Mandarine mit Steinpilzen Streusel: ein Signature dish und für uns die Verkörperung des perfekten Nachtisches, nicht zu süß und eine Geschmacksintensität, die ich bei einer Frucht so noch nicht erleben durfte. Hier schließt sich der Kreis zur Olive am Start des Menüs!

    Das Brot von herausragender Qualität (insbesondere die Olivenschnecken). Viel besser als gerade in Paris! Die beste Butter, die wir je gegessen haben: geräucherter Walnussbutter, mildgesäuert und aufgeschlagen. Eine Geschmacksexplosion für die *** vergeben würde, wenn man das für Butter überhaupt kann ;-)
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Name: Haselnussbutter.jpg
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ID: 49028

    KG Chess

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  • QWERTZ
    antwortet
    Vielen Dank für den Bericht, den ich - obwohl Lissabon derzeit nicht auf meinem Reiseplan steht - mit Interesse gelesen habe.

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  • malbouffe
    antwortet
    Belcanto *

    José Avillez war schon mal vor einiger Zeit Thema hier im Forum: Zu dessen „Cantinho“ hatte Frau Wi weiter oben ja bereits einen recht positiven Eindruck geschildert; nun also zum Besuch im inzwischen besternten Schwesterlokal „Belcanto“.

    Avillez bietet drei Menüs + Lunch, alle Gänge sind zudem auch à la carte im Angebot. Obwohl man auch in Lissabon überall die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sieht, scheint man trotz der für Portugal hohen Preise (3 Gänge €75, 4 Gänge € 85, die carte blanche € 135) kein Auslastungsproblem zu haben. Das liegt sicher auch an dem regen Zuspruch ausländischer Gäste, die beim Besuch ca. 50% der Tische belegten. Jene Vielgereisten werden von einem Ambiente-Mix aus Kronenhalle-Behäbigkeit und aufgefrischten Oma-Sesseln begrüßt; aber auch im zweiten Raum des Restaurants beherrscht ein sehr gediegener Rahmen – hier wurde das Originalinterieur von 1958 sehr behutsam den Zeitläufen angepasst, was für eine zart nostalgische Stimmung sorgt.

    Die Küche grüßt dagegen recht progressiv mit einem Stück Holz, in das zwei Mulden für Silberlöffelchen gefräst sind – darauf je eine in Tempura gebackene Olive und eine sehr intensive Olivensphäre. In einem dazugestellten Cocktailglas wiederholt sich die Sphärenfüllung dann nochmal als Bad für eine Martinisphäre. Das ist ein schöner, wenngleich noch nicht herausstechender Auftakt. Auch die folgenden Grüße – Rocher aus Gänseleber und eine Art Minipizza mit Krustentieren wirken erstmal wie ein déjà vu. Beim Brot ist auffällig, dass alle vier Sorten tatsächlich hausgebacken sind – diese Mühe macht sich nicht jeder deutsche Kollege. Drei Sorten Butter (normal, geräuchert, Walnuss), und schon geht es los mit dem eigentlichen Menü (Übersetzung meinerseits, ohne Garantie):

    Der Garten der Gans, die goldene Eier legte –Ei, Röstbrot und Pilze
    Hinter der überfahrtigen Bezeichnung steckt ein butterweich gegartes Gänseei, bedeckt mit einer Goldfolie. Drum herum ein offenbar getrüffelölter Geflügeljus, kleine Shimeji-Pilze und Schwarzbrotkrümel-„Erde“. So recht begeistern konnte ich mich dafür nicht, denn das Brot weichte in der Jus sehr schnell auf, das Trüffelaroma schien mir etwas zu dominant eingesetzt. Die Frage, was für ein ärmlich bestellter Garten nur aus drei Pilzen besteht, lasse ich mal im Raum der Besserwisserei stehen. Gleichwohl ist dieses Gericht ein Klassiker der Küche, der so oder ähnlich bereits seit 2008 serviert wird und offenbar viele Fans hat.

    Eintauchen ins Meer – Wolfsbarsch mit Schalentieren, Algen und Meerwasser
    Ein großzügiges, quadratisch geschnittenes Filet, obenauf Mies- und Entenmuscheln sowie durchgägngig sehr präsente Algenblätter, angegossen von einem als „Meerwasser“ bezeichneten salzigen Sud. Allein probiert ein guter Gang, in sich stimmig, ohne zunächst geschmacklich ein höheres Komplexitätsniveau zu bieten. Dass er mir stark in Erinnerung geblieben ist, liegt wohl an der Weinbegleitung: Sommelier Nuno Oliveira e Silva empfahl einen zunächst sehr fruchtig wirkenden Weißwein, der aber ein außergewöhnliches Spiel mit dem mineralisch-salzigen Sud einging. Dank dieser Verbindung hätte ich persönlich auch mit mehr Meerwasser und weniger Fisch leben können - Geschmackssache.

    Milchferkel „neu gedacht“, Kartoffelchips, Orange und Salat
    Hier nun also der Hauptgang, ein schön krosses Stück Schweinebauch, die Sauce dazu als Töpfchen samt Pinsel – eine gute Idee. Sehr begeistern konnte ich mich für das herrlich herbe Orangenpüree mit gebratenem Kopfsalatstrunk dazu, die Kartoffelchips kamen Adrià-ehrend in einem durchsichtigen Sachet, dass man am Tisch von einem Drahtgestell pflücken und mitessen sollte. Ein Scheibchen schwarzer Knoblauch blieb dekoratives Beiwerk, wie auch überhaupt das effekthaschende ein bisschen zulasten des Gesamteindrucks ging.

    Mandarine 2010
    Nach einem unauffälligen Pré-Dessert gab’s zur süßen Abrundung noch die volle Ladung Zitrusfrucht – eine samtweiche Mousse in einer aus Saft gefrorenen Kugel, dazu Mandarinencrème, -filets und -sorbet. Ein erfrischender, angenehm bitterer Abschluss, der das Mandarinen-Aroma gut einfing und thematisch den Hauptgang wieder aufzugreifen schien.

    Die Pralinen zum Schluss waren guter Durchschnitt, also das, was man auch bei den meisten deutschen Lokalen dieser Klasse bekommt.

    Zur Weinreise: Getrunken haben wir ausschließlich portugiesische Weine, wobei mir die Kombination beim Wolfsbarsch am besten gefallen hat – die Weine davor und danach waren ebenfalls gut, ohne dass sie in meinen Augen den Gerichten eine zusätzliche Nuance gebracht hätten. Interessant finde ich im Ausland zudem stets zu sehen, inwiefern Deutschland auf der Karte vertreten ist: Hier einmal Franken (Castell’sches Domänenamt) und einmal Klaus Schneider aus der Pfalz.

    Der Service schließlich war nett und angesichts meiner sehr begrenzten Portugiesisch-Kenntnisse bemüht, auf Englisch zu erklären, was man als nächstes vorhabe. Insgesamt schien mir der Auftritt (auch an den Tischen der Einheimischen) etwas steifleinern, zumal das timing nicht immer passte: Insbesondere der rechtzeitige Weinservice zu den Gängen schien größere Probleme zu bereiten. Irgendwie blieb bei mir am Ende der Eindruck hängen, dass man es sich in Sachen Zeremoniell schwerer macht als unbedingt nötig. Da ich dies bisher vor allem aus deutschen Restaurants „mit Ambition“ kannte und immer für eine heimische Eigenheit hielt, stelle ich jetzt fest: Portugal kann es auch.

    Fazit: Herr Avillez ist in Lissabon inzwischen Herr über ein ganzes Gastro-Imperium, wozu man ihn beglückwünschen darf. Wie bei einem berühmten deutschen Kollegen scheinen die zahlreichen Verpflichtungen aber auch hier einen gewissen Einfluss auf die Leistung seines „Renommierlokals“ zu haben; was kommt, ist nicht schlecht, wirkt aber, als gebe es niemanden, der das Haus konsequent vorantreibt. Das ist ein bisschen schade, zumal man sich ob des Gesamteindrucks am Ende leicht fragt, ob man anderswo für das ausgegebene Geld eine technisch ebenso gute, stilistisch aber eigenständigere Küche hätte finden können. Gleichwohl scheint die einst beklagte Wüste kulinarisch fruchtbar, wobei die Courico und Sardinhas der Santos Populares schon stimmungsmäßig schwerlich zu schlagen sind.

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  • Mousseauchocolat
    antwortet
    Klein, aber fein

    Soeben von einem mehrtägigen Lissabon-Aufenthalt zurückgekehrt, möchte ich interessierten Forumsmitgliedern einige in diesem Thread noch nicht genannte Adressen empfehlen, wo wir sehr gut gegessen haben:

    1) Restaurante Assinatura: in Laufnähe der Avenida Liberdade gelegen, kleines Restaurant, gute portugiesiche Küche modern interpretiert zu moderaten Preisen, polyglotter, sehr freundlicher, kompetenter Service, schöne Weinkarte zu absolut bezahlbaren Preisen: eine Wohlfühladresse

    2)Restaurante IBO: am Cais do Sodre mit Blick auf den Tejo, die Brücke des 25.April und das Cristo Rei-Denkmal, portugiesisch-mozambikanische Küche, Service ebenfalls sehr freundlich und bemüht, gutes Preis-Leistungsverhältnis

    3)Casa da Comida nähe U-Bahn Station Rato: sehr schöne Restauranträume mit kleiner Terrasse, internationale Küche mit portugiesischen Klassikern, ebenfalls modern interpretiert, wiederum sehr freundliche Bedienung, umfangreiche Weinkarte: ebenfalls eine Adresse zum Wohlfühlen.

    Wir haben Lissabon kulinarisch als alles andere als eine Wüste erlebt. Selten wurden wir so freundlich bedient und haben uns auch im Blick auf die Preisgestaltung absolut wohl gefühlt.

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  • Ericlo
    antwortet
    Lissabon war ich noch nie, überhaupt Portugal nicht, aber dann weiß ich ja schon mal, dass die Suche etwas anstrengender werden könnte :P

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  • bella1975
    antwortet
    Lautasco in der Altstadt.
    Frischen Fisch - ohne Beanstandung. Schlicht und sauber gemacht.
    Fado Musik life.
    Ist nichts für " Gourmetleute"--- aber lecker einfach.
    Gruss Bella

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