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Istanbul / Türkei

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  • Istanbul / Türkei

    Eine Reise nach Istanbul kündigt sich an, ob eines der Forumsmitglieder wohl dort schon kulinarische Erfahrungen gesammelt hat? Was sind die essensmässig aufregendsten, tollsten, interessantesten Restaurants in dieser Stadt?
    Danke für jegliche sachdienliche Hinweise,
    kuechenreise

  • #2
    http://www.imbatrestaurant.com/

    Das angenehmste Abendessen, das wir in Istambul hatten. Reservieren und wenn das Wetter es nach nordeuropäischer Aufassung zulässt, um einen Tisch im freien bitten, auch wenn dort nicht eingedeckt ist.

    Guten Fisch hatten wir im Pescatore etwas weiter oben ab Bosporus. Touristisch (steht im marco polo) aber vielleicht interessant, da Ende August- Anfang September, das alljährliche türkische Fangverbot für die besonders leckeren Fischen endet.


    Und wenn es einfach sein soll, mehr als 5 Minuten vom Basar weg in die Altstadt gehen und sich trauen wo rein zu gehen, wo keine Fremdsprachigen (D/GB/RUS) Karten aushängen. Das ist nie sicher aber auch nie so teuer, dass man es bereut :-))

    Viele Grüße Passepartout

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    • #3
      Werter passepartout,

      Herzigen Dank, im Oktober ist es so weit, wir werden sicher versuchen, dort vorbeizuschauen!

      Viele Grüsse,
      kuechenreise

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      • #4
        Frohes neues Jahr.

        Istanbul ist seit ein paar Jahren in aller Munde als pulsierende Metropole zwischen Asien und Europa. Kulinarisch hört man allerdings nicht allzuviel aus der Stadt am Bosporus. Wir waren jetzt eine Woche da, nicht um zu essen, aber essen muss man ja eh. Glücklicherweise hatte ich sehr gute Tipps von einem Freund aus Ankara bekommen, der seine Quellen in Istanbul angezapft hatte.

        Eines unserer berichtenswerten Abendessen fand im Münferit in Beyoglu statt, das von den Instanbulern als "moderne Meyhane" bezeichnet wird, also eine moderne Variante einer Raki und Meze Kneipe. Das Restaurant mit angeschlossener Bar (oder umgekehrt) wurde von den bekannten Istanbuler Innenarchitekten und Möbeldesigner Autoban designt und strahlt einen durchaus warmen Chic aus. Das Publikum bestand aus ca. 50/50 Locals und Touristen, wobei erstaunlicherweise besonders viel französisch gesprochen wurde. Auf der Karte finden sich verschiedene warme und kalte Meze und ein paar Vorspeisen. Auch eine Weinkarte gibt es, getrunken wird aber von allen Locals Raki, so dass ich diesem Vorbild gefolgt bin. Serviert wird nur eine Raki-Marke, nämlich Beylerbeyi, der in drei verschiedenen Qualitäten erhältlich ist: aus weißen Trauben, aus roten Trauben und die Premium-Variante. Probiert habe ich den aus weißen Trauben und den Premium-Raki, der schon deutlich runder und tiefer war als der andere. Raki wird hier mit Eis und Wasser in hohen Gläsern getrunken (wie ein Pastis).

        Die Stimmung im Münferit war wirklich ausgelassen, gerade später am Abend. An einem Dreiertisch wird schon mal eine ganze Flasche Raki an einem Abend ausgetrunken. Uns hat es sehr gefallen. Das Essen hatte allerdings seine Höhen und Tiefen.

        Zuerst hatten wir drei kalte Meze:

        - roh marinierter Seebarsch mit Avocado-Tomaten-Salsa
        - Rote Bete mit Lor-Käse
        - gegrillte Aubergine mit Tahini


        Der Seebarsch war das beste Gericht, sehr zart in Konsistenz und Geschmack. Auch die Aubergine mit dem Tahini war allerdings köstlich. Der Lor Käse war sehr, sehr mild im Geschmack. Insofern war dieses Gericht am Ende etwas langweilig.

        Die warmen Meze (jedenfalls die, die wir gewählt hatten) konnten mit den kalten nicht mithalten. Wir hatten:

        - Schafskäse mit Steinpilzen und Trüffelöl (eine besondere Empfehlung des Kellners)
        - Lamm-Köfte mit gesalzenem Joghurt
        - Schwarzes Risotto mit Tintentisch


        Die Köfte waren mega-enttäuschend, offensichtlich aufgewärmt, gummiartig von außen und lasch im Geschmack. Die schlechtesten Köfte der Reise (und ich habe fünf Mal Köfte gegessen). Auch der Schafskäse mit den Steinpilzen und dem Trüffelöl war ein Reinfall, das Trüffelöl aufdringlich und unnatürlich im Geruch, die Steinpilze sandig und letztlich ohne Geschmack. Nur der Käse war ok. Recht gut war jedoch das mit Tintenfischtinte gefärbte Bulgurrisotto mit dem gegrillten Tintenfisch, wobei auch dieser aufgewärmt wirkte, nicht knusprig war und recht fad im Geschmack.

        Nur der Raki hielt uns zu diesem Zeitpunkt noch bei Launde.

        Das Dessert, drei Kugeln Eis, riss das Essen aber wieder raus. Wir hatten Tahini-Banane, Sahlep und Salbei, alle drei sehr schön im Geschmack und recht unterschiedlich in der Textur (eine Kugel eher cremig, die andere eher fest, die dritte in der Mitte.

        Insgesamt ist das Münferit aus meiner bescheidenen Sicht zum Essen kein Muss, für die Stimmung und das Feeling einer Raki und Meze Kneipe im modernen Design allerdings sehr lohnenswert. Eine Reservierung ist empfehlenswert, bei unserem Besuch war das Restaurant rappelvoll (wir hatten reserviert).

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        • #5
          Neolokal Karaköy

          Ganz neu eröffnet (seit November 2014) ist in Istanbul Karaköy das Restaurant Neolokal. Untergebracht ist es in dem Gebäude der ehemaligen osmanischen Staatsbank, das ein Museum über die Bank und eine Kunstgalerie (SALT Galata) beherbergt. Hier kocht Maksut Aşkar, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, erstens nur bzw. größtenteils lokale (d.h. türkische) Lebensmittel zu verarbeiten und zweitens alte Lebensmittel und Gerichte vor dem Vergessen zu bewahren.

          Das Restaurant ist nicht ganz leicht zu finden, man muss sich durchfragen und landet irgendwann nach einem kurzen Treppenaufstieg im Stockwerk über dem Galerie-Café in einem sehr schön designten Raum mit einem herrlichen Blick über den Bosporus. Das Publikum bestand an dem Abend unseres Besuchs fast ausschließlich aus Türken, nur ein oder zwei weitere Touristen waren da. Wie auch in anderen Restaurants in Istanbul herrscht hier überhaupt nicht die gediegene, ruhige Atmosphäre deutscher Gourmet-Restaurants mit Zweier- oder Vierertischen, sondern vielmehr eine ausgelassene Stimmung, zu der auch zahlreiche große Gruppen beitragen. Man kann im Neolokal à la carte essen oder ein kleines (5 Gänge) oder großes (7 Gänge) Tasting-Menu essen. Wir entschieden uns für das kleine Tasting Menu (ca. 45 Euro, mit Weinbegleitung ca. 75 Euro).

          Los ging es mit einem kleinen Amuse-Bouche, das roh marinierten Fisch und einen Cracker mit weiteren Zutaten verband. Als erster Gang wurde PALAMUT RILETTE ve taze otlar, rezene turşusu gereicht, eine Rilette aus Bonito mit eingelegtem Fenchel und Kräutern. Das war nicht schlecht, gerade mit dem Fenchel. Die Kräuter in der Rilette hätte ich mir noch etwas dominanter gewünscht. Plötzlich stand übrigens ein junger, deutscher Koch bei uns am Tisch, da ein Kellner offenbar mitbekommen hatte, dass wir Deutsche sind. Cem hat gerade seine Lehre bei Herrn Lumpp im Bareiss beendet und kocht jetzt im Neolokal. Wenn das Neolokal noch mehr so gut ausgebildeter Köche beschäftigt, kann da eigentlich nichts schief gehen. Nach dem ersten, eher verhalten spannenden Gang, ging die Küche auch in die Vollen.

          Die zweite Vorspeise war PASTIRMA, kuru et, incir sirkesi kreması, rakı & incir reçel, dünne Scheiben getrockneten Rindfleischs mit einer Feigen-Essig-Crème und einer Feigen-Raki-Marmelade. Dieser Gang war wunderbar, (wie so vieles in der Türkei) sehr subtil gewürzt, so dass man die Details rausschmeckt, und gerade mit der Feigen-Marmelade ein Gedicht.

          Auch der dritte Gang war toll. Er hieß auf türkisch TEREYAĞINDA SARIMSAKLI KARİDES, kuzu kulağı ve limon kreması und bestand aus einer in Butter gebratenen Garnele mit Sauerampfer und Zitronencrème. Gebutterte Shrimps sind offenbar ein Meze-Klassiker und wurden hier von der säuerlich-süßen Kombination aus Sauerampfer und Zitrone sehr schön begleitet.

          Mein absoluter Favorit war der Hauptgang KATMERLİ DANA TİRİT, tarhanalı yoğurt kreması, tarhana kurusu, ein neu interpretiertes Gericht aus Anatolien. Katmer ist ein knuspriges Brot, das offenbar ursprünglich eher aus der mongolischen bzw. kasachischen Küche kommt und ein wenig an Pide-Brot erinnert. Tirit ist an sich ein Gericht auf Brot-Basis, das ebenfalls aus der zentralasiatischen Steppe kommt. In der Türkei existieren zig Varianten, die eines gemeinsam haben: eine lange Kochzeit. Im Neolokal wurde für das Tirit Rindfleisch stundenlang in Entenfonds gekocht, bis es komplett zerfallen ist. Serviert wurde das Tirit zwischen zwei Scheiben Katmer Brot und neben einer Joghurt-Sauce und einem Tarhana, was laut Wikipedia eine Speise auf der Basis vergorenen Joghurts mit Getreide und Gemüse ist. In Erinnerung geblieben ist mir der intensiv fleischige Geschmack des Tirit, das durch die Frische des Joghurts und der Tarhana nicht zu intensiv wirkte. Dieses Gericht fand ich so gut, dass ich am liebsten die Tage danach nur für das Gericht nochmal ins Neolokal gegangen wäre.

          Das Hauptgericht von Frau rocco war übrigens auch extraklasse, ein "Umbra", ein laut Kellner nur in der Ägäis vorhandener Fisch aus der Barschfamilie, der unglaublich zart und fein im Geschmack war und mit Zucchini

          Dann war schon Zeit fürs Dessert. Für mich gab es PEPEÇURA ve zerde keki, fıstıklı beze. Zwei Puddinge, einer auf Reisbasis mit Safran und einer auf Traubenmostbasis, beide köstlich und fein akzentuiert mit Pistazien. Für Frau rocco gab es ein noch besseres Dessert, nämlich ÇITIR KABAK TATLISI, pekmez parfe, helva mousse, susam krokan, ein Dessert auf Kürbisbasis mit einer sehr üppigen und süßen Helva-Crème und einem köstlichen Tahini-Parfait.

          Die Weine zum Essen waren alle ganz gut, gemerkt habe ich mir die Namen allerdings nicht. Insgesamt waren wir beide in höchstem Maße begeistert vom Neolokal, tolle Stimmung, grandioser Ausblick, feines Innendesign, hervorragendes Essen, ein sehr urbaner und zugleich nicht übermäßig moderner Gesamteindruck. Wer in nächster Zeit nach Istanbul fährt, sollte sich das Neolokal auf keinen Fall entgehen lassen.

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          • #6
            Vielen Dank, lieber Rocco, es ist immer interessant gerade über solche Destinationen zu lesen, die zwar für allgemein gutes Essen bekannt sind, aber doch (noch) nicht als Gourmet-Tempel verschrien sind.
            Mein Wunsch nach Istanbul zu reisen wird somit nur mehr bekräftigt.

            VG
            wi

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            • #7
              Zitat von wi090365 Beitrag anzeigen
              Vielen Dank, lieber Rocco, es ist immer interessant gerade über solche Destinationen zu lesen, die zwar für allgemein gutes Essen bekannt sind, aber doch (noch) nicht als Gourmet-Tempel verschrien sind.
              Mein Wunsch nach Istanbul zu reisen wird somit nur mehr bekräftigt.
              Es lohnt sich. Ich möchte aber empfehlen, nicht im Winter hinzufahren. Wir hatten von 7 Tagen 6 Tage Dauerregen und -sturm und beide den Eindruck, dass sich die Stadt bei gutem Wetter einfach um Längen besser präsentiert (London z.B. ist für mich eine Stadt, die auch bei Regen Spaß macht). Laut unseren Hotel-Concierges ist so ein Wetter im Winter völlig normal. Die haben es überhaupt nicht verstanden, wenn wir auf ihre Frage, wie der Tag war, vorsichtig anmerkten, das Wetter hätte besser sein können.

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              • #8
                Werter rocco,

                haben Sie denn während Ihres Aufenthalts auch einen Abstecher ins "Mikla" über den Dächern der osmanischen Metropole gemacht? Über den dort wirkenden Mehmet Gürs werden ja teilweise wahre Wunderdinge berichtet, was die Revolutionierung der türkischen Küche anbelangt!

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                • #9
                  Zitat von El Grande Gourmet Beitrag anzeigen
                  Werter rocco,

                  haben Sie denn während Ihres Aufenthalts auch einen Abstecher ins "Mikla" über den Dächern der osmanischen Metropole gemacht? Über den dort wirkenden Mehmet Gürs werden ja teilweise wahre Wunderdinge berichtet, was die Revolutionierung der türkischen Küche anbelangt!
                  Ja, da waren wir an Silvester. Ich werde noch was drüber schreiben. Vorab: das war wirklich toll und besser als ich erwartet hatte.

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                  • #10
                    Zum erwähnten deutschen Koch (Seren Dal) aus dem Neolokal ein Bericht und Bilder einiger Speisen aus der Blogwelt: http://www.anonymekoeche.net/?p=5517

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                    • #11
                      Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen
                      Zum erwähnten deutschen Koch (Seren Dal) aus dem Neolokal ein Bericht und Bilder einiger Speisen aus der Blogwelt: http://www.anonymekoeche.net/?p=5517
                      Super, danke für den Link. Der Blogpost gibt den Enthusiasmus des deutschen Kochs (Cem, Seren Dal ist der Blogger), des Restaurants und vielleicht auch der Restaurantszene in Istanbul sehr schön wieder. Auch einige der Gerichte werden sehr schön beschrieben. Ich denke, dieses Restaurant wird noch so einige Besucher anziehen.

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                      • #12
                        Dritte Station: Yeni Lokanta

                        An einem weiteren Abend steuerten wir die Yeni Lokanta in Beyoglu an (wieder im stürmenden Regen). Das Restaurant ist ebenfalls einigermaßen neu, hat vor ca. einem Jahr eröffnet. Die Lokanta ist sehr gemütlich eingerichtet mit Holztischen und schön bemalten Kacheln an den Wänden. Das "Herz" der Lokanta ist ein Steinofen, aus dem laufend Brot, Köfte und andere Köstlichkeiten kommen.

                        Auch im Yeni werden Meze gegessen, getrunken wird aber kein Raki, sondern Wein und Cocktails. Es gibt für sensationell günstige ca. 45 Euro ein zehn- oder elfgängiges Tasting-Menu, bei dem man sich einmal durch die Karte essen kann. Das war uns aber zuviel. Deshalb gab es erst drei Meze von der einzeln wählbaren Meze-Karte und dann noch mal ein Dreier-Meze-Set, von denen es zwei zur Auswahl gibt. Los ging es mit:

                        - Gegrillter gefüllter Paprika
                        - "Antep" Wurst mit Walnüssen und Bohnenpüree
                        und
                        - Hummus mit Roter Bete und Granatapfel

                        Alle drei Meze waren hervorragend. Die Paprika war hauchdünn, intensiv im Geschmack und gefüllt mit einem köstlichen Potpourri aus Reis, Trauben, Pinienkernen und Kräutern. Genau so habe ich mir die türkische Küche immer erträumt. Auch der Hummus war hervorragend, sehr sesamig im Geschmack und cremig in der Textur, schön frisch durch die oben aufliegenden Granatapfelkerne und die rote Bete. Der Star des ersten Meze-Aufschlags war die Wurst, eine Sucuk-Variante, die die Lokanta in Gaziantep (Südostanatolien) nach ihrem Rezept herstellen lässt. Wikipedia gibt zur Antep-Wurst folgendes her: "Für diese Spezialität fädelt man Walnusskerne auf eine Schnur und taucht sie mehrfach in eine Mischung aus Weintraubensirup, Stärke und Zucker, die dann trocknet und zu einer gummiartigen Masse aushärtet." Anders als die meisten Sucuk-Würste wird die Antep-Wurst in der Yeni-Lokanta aus Lammfleisch hergestellt und ist im Stile einer Merguez scharf gewürzt. Mit dem roten Bohnenpüree und den Walnüssen war dies eines der schönsten Gericht auf unserer Reise.

                        Zu trinken hatten wir dazu einen Cavus von Corvus Cellars und einen Sauvignon Blanc / Sauvignon Gris von Arcadia, beide ok, aber nicht der Rede wert.

                        Das darauf folgende Meze-Set bot die folgenden drei Gerichte:

                        - Köfte mit Halloumi und im Ofen gegrilltem Gemüse
                        - Frittierte Zucchiniblüte mit Shrimps
                        und
                        - Manti mit Aubergine und Antiochian Joghurt

                        Die mit Halloumi versetzten Lamm-Köfte kamen frisch gegrillt aus dem Ofen mit gegrillten Paprika, Auberginen und Zucchini. Sie waren saftig, knusprig, mit feinem Grill-Aroma ausgestattet. So wie Köfte für mich schmecken sollen. Die Zucchiniblüte war mit einem Schrimps-Tatar gefüllt, was sehr gut passte. Hervorragend waren auch die Manti, die mit einem getrockneten Auberginen-Mus statt wie sonst Lammhack gefüllt waren und mit der traditionellen Joghurt-Sauce und einem leicht scharfen Öl serviert wurden. Auch diese drei Meze waren herausragend.

                        Zu trinken hatten wir dann noch mal den Sauvignon Blanc / Sauvignon Gris und einen Öküzgözü "Vintage" von Kayra Wines, der mich ein wenig an einen Madiran erinnerte.

                        Zwei Desserts mussten es nach dieser Vorstellung natürlich auch noch sein. Wir wählten:

                        - Mit Kadaif frittierte Pudding-Bällchen mit Wasserbüffelmilcheis
                        - Salzkaramellpudding


                        Kadaif ist eine Art Nudel. Die frittierten Bällchen waren recht süß wie so viele Desserts in der Türkei. Durch das weniger süße Milcheis wurde die Süße aber gut ausgeglichen. Mein Favorit war von den Desserts eher der schön salzige Pudding, der mit einer an Honig, aber auch an eine Frucht (vielleicht getrocknete Aprikosen?) erinnernden Sauce serviert wurde.

                        Nach einem türkischen Kaffee war es das dann leider schon. Gerne hätte ich alles von der Karte probiert, aber merkwürdigerweise hatten Frau rocco und ich auf der ganzen Reise kaum Hunger (Mittagessen fiel jeden Tag mangels Hunger aus). Beim nächsten Mal muss ich aber unbedingt wieder ins Yeni. Das ist ein Lokal ganz nach meinem Geschmack.

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                        • #13
                          Last Stop: Mikla

                          Für Silvester hatten wir uns im Mikla im 18. Stock eines Hotels nahe des Taksim-Platzes eingebucht. Die Hoffnung auf einen tollen Blick und ein Feuerwerk von oben erfüllte sich leider nur zum Teil. Für weite Teile des Dinners kamen wir uns wie in der Autowaschanlage vor (peitschender Regen gegen die Fensterscheibe). Egal, das Restaurant ist elegant, aber nicht zu formell eingerichtet, die Kellner wirken erfahren, "sporten" stattliche Schnauzbärte und sind extrem freundlich und suchen die Unterhaltung. Im Mikla kocht Mehmet Gürs, der laut deutschen Reisführern als "Tim Mälzer der türkischen Küche" und laut englischen Reiseführern als "Jamie Oliver der türkischen Küche" bezeichnet wird, offenbar, weil er in mehreren TV-Kochshows mitwirkte und einige Kochbücher geschrieben hat. Er steht für die "Neue Anatolische Küche". Ich muss zugeben, dass ich mich zu wenig mit der anatolischen Küche beschäftigt habe, um nachvollziehen zu können, welche Entwicklung sie in den letzten 15 Jahren genommen hat.

                          Mit einem Glas Moet & Chandon Brut Impérial (erstaunlich köstlich) und ein paar Crackern ging das Dinner los. Weitere Amuses waren roher Zackenbarsch in einer salzig-meerigen Flüssigkeit und sehr gutes Brot mit sehr gutem Olivenöl.

                          Der offizielle Teil des Menus begann mit "Salted and Dried Beef Tenderloin, Antep ‘Birdshit’ Paste, Green Lentil Humus, Tomato “Ezme”, Pomegranate, Walnut, “İsot” Flakes", einer wirklich tollen Kombination aus getrockneten Stücken sehr zarten Rinderfilets mit Pistaziencrème ("Antep Birdshit Paste", weil sie wie Vogelscheiße aussieht), einem wunderbar cremigen Hummus aus grünen Linsen und diversen weiteren Elementen. Was sich kompliziert anhört, griff wirklich schön ineinander und war ganz und gar zugänglich. Auch der dazu aus Magnums servierte Wein, ein 2012 NODUS Shiraz, passte gut und war von den vorher probierten türkischen Weinen deutlich einer der besseren. Beim Wein hatten die Kellner übrigens offenbar den Plan, die Gäste abzufüllen. Ich habe es bislang noch nie erlebt, dass so konsequent nachgegossen wurde ("ach kommen sie, die Flasche muss jetzt leer werden").

                          Der nächste Gang war North Aegean Lobster, Cauliflower, Arugula, ein sehr einfaches, aber sehr wirkungsvolles Gericht. Mir war nicht klar, dass in der Ägäis auch Hummer rumschwimmen und dann auch noch solche Prachtexemplare. Drei dicke Scheiben deuteten auf einen wahrlich großen Hummer hin. Dieser wurde mit einer warmen Blumenkohlsauce übergossen, die sich mit Rucolacrème vermischte. Einfach und köstlich. Auch sehr gut war der dazu servierte CÔTES D’AVANOS 2013 Sauvignon Blanc aus Kappadokien.

                          Darauf folgte ein auf mich etwas überladen wirkender Gang: Slow Cooked Grouper, Sunchokes, Green Lentil, Whole Wheat Erişte, Halhali Olives, Chive-Fig Vinaigrette. Der Zackenbarsch an sich war perfekt gegart und gut im Geschmack. Aber mit den Oliven, dem Topinambur, den grünen Linsen, kleinen türkischen Nudeln (Eriste) wirkte dieses Gericht sowohl etwas rustikal als auch etwas konfus. Auch der Wein war in diesem Fall nicht so berauschend, ein SARAFİN 2012 Chardonnay aus Thrakien.

                          Der Hauptgang machte den Fischgang wieder wett. “Trakya Kıvırcık” Lamb Shank, Smoked “Firik” Bulghur Pilaf, Eggplant “Beğendi”, Muğla Morel Mushroom, Cornelian Cherry Paste, Salted Yoghurt bestach für mich vor allem mit drei Komponenten: dem langsam im Ofen gegarten Lammschenkel, dem gesalzenen Joghurt und der Sauerkirschpaste. Nahm man diese drei Komponenten in den Mund, ergab sich ein wirklich schönes Geschmackserlebnis. Eher als Fremdkörper wirkten die Morcheln daneben. Wirklich hervorragend war der dazu servierte SIGNIUM 2011, eine Cuvée aus Shiraz, Öküzgözü, Cabernet Sauvignon und Merlot, der nicht nur kräftig, sondern auch einigermaßen fein war.

                          Nun zum Käse, der für mich neue Horizonte eröffnet hat, denen ich aber zukünftig nicht zwingend nachjagen muss. Auf einem Teller lagen neben etwas Honig vier Stücke stark gereifte Rohmilch-Käse aus Anatolien, die ich so bisher nicht gegessen habe. Sie sahen erstens neuartig aus und schmeckten auch sehr ungewohnt. Mit den Käsen, die ich sonst in der Türkei gegessen habe, hatte das nichts zu tun. Auch in Deutschland habe ich bei türkischen Händlern solche Käse bislang nicht gesehen. File under interesting experience.

                          Jetzt war es schon weit nach Mitternacht, aber für das Dessert war noch Platz. Candied Crispy Phyllo, Pistachio Cream, Wood Roasted Walnut Ice Cream, Burnt Butter hieß es und beeindruckte durch eine Konstruktion aus dünnem mit Honig gesüßtem Filoteig, die an Frank O. Gehry Architektur erinnerte, dazu die omnipräsente Pistazie und ein sehr schön rauchig schmeckendes Walnusseis. Einen Wein gab es dazu auch, nämlich einen ok schmeckenden LATE HARVEST 2009, Bornova Misket aus İzmir, der an einen edelsüßen Muscat im Stile eines Muscat de Rivesaltes erinnerte.

                          Das Menu hat uns beiden ausnehmend gut gefallen, die Küche wirkt geerdet, die Zutaten waren alle allererste Qualität, die Zubereitung auf den Punkt, die Kreationen kreativ. Nächstes Mal wünsche ich mir aber besseres Wetter für einen Ausblick, den man in Istanbul so sicher nicht mal auf dem Galata-Turm bekommt.

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                          • #14
                            Vielen Dank, daß Sie Sich mit Ihren hochinteressanten Berichten so viel Mühe machen. Mit dem Wetter hatten Sie ja leider Pech, denn es gibt wohl kaum einen schöneren Blick auf eine Stadt, als den, den man im Sonnenschein im Boot von der asiatischen Seite aus kommend Richtung Galata-Brücke aufnimmt. Wir waren zweimal zwischen den Jahren dort, das letzte Mal allerdings schon wieder vor über zehn Jahren, und hatten immer wolkenfreien Wintersmoghimmel bei 12 bis 20 Grad. Dafür war kulinarisch kaum etwas geboten. Wir mußten uns im ersten Stock des Gewürzbasars noch ordentlich abgrätschen lassen; und dann gab es noch eine übervolle Fischkneipe, in der eine Flasche Raki meist sogar nur für zwei Gäste reichte. (der Feinschmecker hatte diesem Lokal ein Doppel-F verpasst, wahrscheinlich Raki-bedingt)
                            Gruß
                            s.

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                            • #15
                              Istanbul ist bei mir auch schon ewig auf der Liste... und jetzt wirbt auch noch Turkish Airlines andauernd mit Stopover Angeboten...

                              Wie ist es denn da preislich so?

                              Was ich mir dafür auch schon öfter angeschaut habe ist diese Seite http://www.culinarybackstreets.com
                              Nicht so sehr wegen der geführten Touren (obwohl man das vielleicht auch mal machen sollte in der einen oder anderen Stadt), sondern wegen der Empfehlungen für Läden in denen die Einheimischen verkehren, gerade in Städten wo diese attraktiver erscheinen als Haute Cuisine bzw für die es insgesamt nicht so viele kulinarische Infos gibt (neben Istanbul Athen, Rio, Mexico City, Shanghai...).

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