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Wine Vault, Rovinj (Kroatien)

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  • Wine Vault, Rovinj (Kroatien)

    Nachdem unser Istrienurlaub nun vor knapp einer Woche zu Ende gegangen ist, komme ich endlich dazu, einige Zeilen über das gastronomisch erlebte zu Papier zu bringen.

    Meine Frau und ich hatten uns von Tag zu Tag punktuell langsam gesteigert: Nachdem wir am Montagabend im Restaurant „Mediterraneo“ (13 GoMi-Punkte) unseres Hotels „Monte Mulini“ (das übrigens sehr zu empfehlen ist: tolle Lage an einer Bucht nahe Rovinj, excellenter Service, schöne Zimmer mit großen Bädern, exklusiver Spa-Bereich und, und, und…) gute, wenn auch nicht gerade preiswerte mediterrane Küche erlebt hatten, speisten wir am Mittwoch im 14-Punkte-Laden „La Grisa“ im von Rovinj nicht weit entfernten Bale, welcher uns aber weniger begeisterte: unendlich lange Wartezeiten zwischen den Gängen (und das mit einem Dreijährigen im Gepäck), trockenes Boskarin-Rind, wenig geschmacksintensive Trüffel, sich wiederholende Gemüsebeilagen etc.…

    Am Freitagabend schließlich sollte dann dramaturgisch der Höhepunkt folgen, ein Essen in der hoteleigenen Gourmet-Enklave „Wine Vault“, welche im gerade erschienenen Gault Millau ihre 16 Punkte aus dem Vorjahr bestätigt hat. Da unser Sohn wundersamerweise um 19.30 Uhr im Hotelzimmer eingeschlafen war, erschienen wir bewaffnet mit unserem Babyphone pünktlich zu der von uns reservierten Zeit im Souterrain des Hotels, wo uns die dienstbaren Geister des „Weingewölbes“ freundlich in Empfang nahmen. Wie sich schnell herausstellte, waren wir die einzigen Gäste im Lokal, die Maschinisten der Fahrzeuge aus Zuffenhausen und Untertürkheim (Zitat Schlaraffe), die sich auch in diesem Herbst wieder zahlreich im „Monte Mulini“ versammelt hatten, schienen an gehobener Ess-Klasse (ha, ha...) wenig interessiert zu sein… Da also keine anderen illustren Gäste an den Nachbartischen zu bestaunen waren, ließen wir den Blick über das Ambiente schweifen, dem eine gewisse Gemütlichkeit nicht abzusprechen war, dessen neobarocke Pracht, ergänzt durch die künstlichen Gewölbe, aber durchaus nicht alle Geschmäcker befriedigen dürfte… Von Vorteil war, dass wir die nächsten zwei Stunden (um 21.30 Uhr tauchte doch glatt noch ein zweites Pärchen auf) den Service, an diesem Abend bestehend aus einer weiblichen Servicekraft sowie einem sehr charmanten Maitre und Sommelier in Personalunion, gänzlich für uns hatten und man sich viel Zeit für uns nahm, was sich in anregenden Gesprächen über kroatische Winzer, istrische Olivenöle etc. niederschlug. Aufgrund der Empfehlung des Maitres entschieden wir uns schnell für das angebotene fünfgängige Fisch-Menü (umgerechnet knapp 75 Euro) nebst Weinbegleitung (knapp 35 Euro), welches nach zwei Amuses (eines davon bestehend aus einer hervorragenden kleinen Gänselebervariation auf Schokoladenerde) folgenden Verlauf nahm:

    Wolfsbarsch-Escabeche/eingelegte Schalotten/dehydrierte Orange/Mikro-Salat/Honig-Limonen-Ingwer-Emulsion: Nach kurzzeitiger Befürchtung im Vorfeld, ob all diese doch recht unterschiedlichen Geschmäcker und Zutaten zusammengehen würden, konnte schnell Entwarnung gegeben werden: Die herben Noten der Escabeche und der Schalotten wurden von der leicht süßlichen Emulsion und den Orangenaromen gut eingefangen bzw. gezähmt, sodass der Wolfsbarsch sich in dieser Umgebung einfach wohl fühlte und gut zur Geltung kam (*); Wein: Bolfan Riesling 2013

    Geröstete Jakobsmuschel/Trüffel-Creme/Bisque/grüne Bohnen/Milchschaum: Eine auf den ersten Blick recht abenteuerlich klingende Kombination, die aber hervorragend aufging: Die Bisque aus Krebsen und die sehr mild gehaltene Trüffel-Creme ließen der Jakobsmuschel viel Raum zur Geschmacksentfaltung, der Milchschaum steuerte noch eine milchig-süßliche Note bei, welche die Kreation in einer erstaunlichen Harmonie aufgehen ließ (*-**); Wein: Krauthaker Rose Cuvee 2012

    Meeresfrüchte-Veloute/Seeteufel/Garnele/Karotte/Amaranth-Popcorn: Die relativ leicht gehaltene Veloute umspielte elegant die rohen Meeresfrüchte sowie den ganz leicht angedünsteten Seeteufel und überdeckte damit nicht den Eigengeschmack des topfrischen Meeresgetiers. Die Beigaben aus Karotte und vor allem Amaranth-Popcorn, letzteres vor allem ein Gimmick, den es wirklich nicht gebraucht hätte, störte leider ein wenig die Harmonie der anderen Komponenten auf dem Teller (*); Wein: Krajancic Posip 2011

    Geröstetes Wolfsbarschfilet/Spinat mit Mandel-Kartoffel-Creme/schwarzes Tintenfischragout mit Curry und Granny-Smith-Apfel: Noch ein Potpourri aus Zutaten, bei dem man vermuten würde, dass es nie und nimmer in einem Gericht gemeinsam geschmacksfördernd verarbeitet werden könnte. Aber auch hier wieder weit gefehlt: Man konnte bei einem Bissen das recht kräftige Ragout mit dem Wolfsbarsch kombinieren, bei der nächsten Gabel den Fisch mit der Curry-Apfel-Nage genießen und dann wieder den Mandel-Kartoffel-Spinat mit dem Wolfsbarsch zusammen essen. Jedes mal traten neue, spannende Geschmacksnuancen zu Tage, die dieses Gericht äußerst vielschichtig erscheinen ließen. Der beste Teller des Menüs, vollendete High-End-Fischküche mit mediterraner Note (**); Wein: Krauthaker Pinot crni 2011

    Weiße Schokoladenkugel/Erdbeerschaum/warme Schokoladensauce: Ein Dessert zum Schwelgen: Während der Service die äußerst gehaltvolle Schokoladensauce über die weiße Schokoladenkugel goss, schmolzen einige Stellen der Kugel auf und der rote Erdbeerschaum im Inneren der Kugel wurde sichtbar. Geschmacklich harmonierte das Ganze hervorragend (und sättigte auch ungemein), nur wurde mir hier etwas zuviel Bohei beim Servieren veranstaltet, um den oben erwähnten Showeffekt zu erzielen. Erschwerend hinzu kam die Tatsache, dass die Schokokugel von einer in meinen Augen lächerlichen Blattgoldhaube geziert wurde, was es aus Gründen des geschmacklichen Mehrwerts nun wirklich nicht gebraucht hätte. Deswegen ein kleiner Abzug in der B-Note (*-**); Wein: Korlat Merlot Boutique 2011

    Insgesamt war dies eine starke gastronomische Gesamtleistung in allen Bereichen, und zwar angefangen vom zugewandten und persönlichen Service über die spannende und hochwertige (ausschließlich von kroatischen Winzern stammende) Weinbegleitung bis hin zur innovativen Küchenperformance, die ein hohes technisches Niveau demonstrierte. Die Benotung durch den Gault Millau mit 16 Punkten finde ich – legt man das Essen an diesem Abend zu Grunde – fast noch zu tief gegriffen, ich hätte durchaus die „17“ gezückt. Wäre der Michelin in Kroatien aktiv, wäre hier ein satter, hell leuchtender Stern drin gewesen! Ich kann mir kaum vorstellen, dass es mir im großen Konkurrenten vor Ort, dem „Monte“, welches derzeit mit 17 Punkten bewertet ist, besser geschmeckt hätte (was ich aber schlussendlich nicht überprüfen konnte, da dieses Lokal leider schon im wohlverdienten Winterurlaub weilte).

    Erstaunlich, dass diese Leistung anscheinend nicht gebührend gewürdigt wird und an einem Freitagabend nur zwei Zweiertische belegt waren, denn dieses Lokal hätte eindeutig mehr Resonanz verdient. Stünde es in der Toskana oder auf Mallorca, man würde ihm wahrscheinlich die Bude einrennen…
    Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 21.10.2016, 14:02.
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