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Borkonyha - Winekitchen, Budapest

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  • Borkonyha - Winekitchen, Budapest

    Auch wenn der Besuch fast schon „verjährt“ ist, komme ich leider erst jetzt - in der „besinnlichen Weihnachts(ferien)zeit“ - dazu, ein paar Zeilen darüber „zu Papier“ zu bringen.

    Wie immer, wenn ich auf Kursfahrt mit einem meiner Erdkunde-Leistungskurse weile, versuche ich – je nach Zeit (zur freien Verfügung…), die mir sowie meinen Kolleg/innen auf solch einer „Vergnügungsreise“ bleibt, und gastronomischer Auswahl am Kursfahrtsziel, ein nettes Restaurant in die Planung mit einzubauen, um neben der oftmals doch recht – sagen wir mal - „überschaubaren“ Qualität der Hostel-Halbpension wenigstens einmal gastronomisch auf meine Kosten zu kommen…

    Da die Abschlussfahrt mich in diesem Herbst nach Budapest führte, war die Auswahl an höherklassigen Restaurants im Gegensatz zu anderen europäischen Metropolen doch arg begrenzt, sodass im Vorfeld nur zwischen ganzen vier einfach besternten Lokalen ausgewählt werden musste… Meine Wahl fiel schlussendlich auf die „Borkonyha - Winekitchen“, die aufgrund ihres ansprechenden Internetauftritts und der moderaten Preise die anderen drei Etablissements hinter sich ließ. Ich hatte vor der Fahrt für vier Personen reserviert (für einen alten Kommilitonen von mir, der in Budapest an der Uni lehrt und die „Weinküche“ schon länger „auf dem Zettel“ hatte, sowie meine beiden mitfahrenden Kolleg/innen), aber da sich am Tag des Restaurantbesuchs einige unserer Schüler im pittoresken Plattenbau-Hostel einen Fauxpas zuviel geleistet hatten (ich erspare mir und Ihnen, liebe Leser, an dieser Stelle die Details…), blieben die beiden letztgenannten doch lieber zur Aufsicht in der Unterkunft, um die Lage nicht weiter „eskalieren“ zu lassen… Mir als passioniertem Feinschmecker, der sich am meisten auf den Abendschmaus gefreut hatte, gab man generöser Weise für den Abend „frei“, sodass ich mit meinem Bekannten aus Studientagen um 18.00 Uhr nur noch in dann etwas kleinerer Runde den Laden betrat.

    Das Ambiente der „Borkonyha“, die zentral in einer kleinen Seitenstraße in unmittelbarer Nähe der St.-Stephans-Basilika liegt, lässt sich als ungezwungen bezeichnen, Schwellenangst dürfte hier auch bei gourmetgastronomisch Unbeleckten eher weniger aufkommen. Bistrotische dicht an dicht, an den Wänden Weinregale, diffuse Beleuchtung, lockerer, aber dabei kenntnisreicher Service, kurzum, Casual-Fine-Dining in seiner apartesten Form…

    Beide wählten wir drei Gänge à la carte aus, die – mit einem Amuse gueule hielt man sich „casual-like“ nicht lange auf (es gab nur drei selbstgebackene und hervorragende Brotsorten vorweg) – in recht schneller Folge (was aber zum Konzept des ungezwungenen Weinbistros durchaus passte) serviert wurden:

    Entenleber – Kirsche - Karotte

    Lammrücken mit „spicy“ Erdnusskruste

    Schokolade - Orange - Aprikose

    Da der Besuch wie gesagt im Herbst dieses Jahres stattfand (genauer gesagt am 17. Oktober) und somit schon weit über zwei Monate zurückliegt, kann und will ich nicht mehr – wie ich es ansonsten praktiziere – jeden dieser Gänge einzeln durchleuchten bzw. ein allen Einzelheiten beschreiben, aber ich kann als Resümee festhalten, dass ich die „Winekitchen“ sehr zufrieden verließ. Alle verkosteten Gerichte waren jetzt nicht unbedingt kreative Offenbarungen, die einen sprachlos zurück- und einen noch Monate danach die Zunge schnalzen lassen, aber sie waren in ihren doch eher klassischen Zusammenstellungen bei aber gleichzeitig sehr guter Produktqualität und ansprechender Telleroptik durchaus als kulinarischer Gewinn zu betrachten. Auch der rote Ungar, den ich zum Lamm im Glas hatte, eine Sauska Cuvée 7 Villány 2013, machte der weinseligen „Borkonyha“ alle Ehre…

    In Anbetracht dieser gelungenen Gesamtperformance sind der Stern sowie die 15 vom Gault Millau vergebenen Punkte durchaus gerechtfertigt. Die 16 Punkte, die letztes Jahr noch vergeben wurden, sind in der Tat für dieses Bistronomique-Konzept vielleicht doch ein klein wenig zu hoch gegriffen, was der Gault aber anscheinend selbst bemerkt und aktuell etwas nach unten korrigiert hat. Trotzdem kann ich das Lokal allen hier im Forum Versammelten durchaus empfehlen, falls sie demnächst einmal in der Donaumetropole weilen sollten und eine Küche jenseits des Gulasch- und Paprikaeinerleis ansteuern wollen (wobei ich letzteres bei den Forumianern natürlich voraussetze…)!

    Vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis empfand ich für das Gebotene als ganz hervorragend: Umgerechnet ca. 70 Euro für drei Gänge von der Abendkarte, zwei offene Weine sowie Wasser, Capuccino und inkludiertem Trinkgeld, da kann man sich nun wahrlich nicht beschweren, zumal ich – auch wenn der Vergleich vielleicht etwas hinkt – in zwei legendären Budapester Kaffeehäusern, dem „Gerbeaud“ sowie dem „Cafe New York“, jeweils für ein Stück Kuchen mit Kaffee um die 20 Euro berappen musste, was den in der „Borkonyha“ aufgerufenen Obolus in einem noch helleren Licht erstrahlen ließ…

  • #2
    Danke für den Bericht. Können Sie noch ein bisschen was zur Stilistik sagen? Inwiefern kann man sie als von der örtlichen Küche inspiriert bezeichnen, oder ist es eher internationaler Gourmet-Standard?

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    • #3
      Werter QWERTZ,

      ich würde die Küchenline von der Zusammenstellung bzw. den Akkorden her eher als klassisch bezeichnen, wobei ich die Anrichteweise bzw. Telleroptik davon etwas abweichend als eher modern oder sagen wir sehr zeitgemäß wahrgenommen habe.

      Bezüge zur lokalen ungarischen Küche habe ich weniger herausgeschmeckt. Weder waren die Gerichte scharf gewürzt bzw. papikalastig, noch spielten die typischen ungarisch-schweren (schweinefleischbetonten) Schmorgerichte und Mehlspeisen eine größere Rolle auf der Speisekarte. Das einzige Gericht meiner à la Carte-Auswahl, welches in meinen Augen die Region betonte, war die Entenleber zur Vorspeise, da Enten- und Gänselebergerichte in der ungarischen Küche durchaus eine hervorgehobene Rolle spielen. Ansonsten wird aber sowohl auf der Homepage als auch in der Speisekarte hervorgehoben, dass ein Großteil der Zutaten aus Ungarn selbst oder den umliegenden mittel- und osteuropäischen Staaten bezogen wird, was die Küche jetzt vielleicht noch nicht unbedingt als "brutal-lokal" erscheinen lässt, aber immerhin schon einmal Tendenzen in die Richtung erkennen lässt, dass man auf lokale bzw. regionale Erzeuger setzt.

      Am deutlichsten schimmerte für mich aber der ungarische Einfluss bei der Weinauswahl durch, die viele ungarische Winzer berücksichtigt, deren Weine größtenteils auch offen ausgeschenkt werden, sodass man (bei moderaten Preisen pro Glas) recht günstig einen kleinen Streifzug durch das Weinland Ungarn machen kann, das einige Entdeckungen bereithält...

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      • #4
        Vielen Dank für die Erläuterung.
        Dass es in Osteuropa interessanten Wein zu entdecken gibt, kann ich mir gut vorstellen - ich erinnere mich gut an die Weinkarte des Horvath, die den Schwerpunkt, sagen wir so, altes K&K-Gebiet hat und viel mir unbekanntes bot.

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