Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Il Gallo d´Oro, Funchal (Madeira), Portugal

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Il Gallo d´Oro, Funchal (Madeira), Portugal

    Nachdem unser Madeira-Urlaub im letzten Jahr aufgrund der Pleite von „Niki“, mit denen wir auf die Insel fliegen wollten, leider kurzfristig geplatzt war, konnten wir unseren Trip dieses Frühjahr, diesmal dankenswerterweise mit „Eurowings“, die ihre Finanzen anscheinend ein wenig besser im Griff haben, nachholen. Im Nachhinein war die Verschiebung um ein Jahr nach hinten sogar ein Segen, hatten wir doch diesmal direkt das Hotel „The Cliff Bay“, welches im Jahr zuvor keine günstigen Angebote im Programm hatte, buchen können, sodass sich der Weg zum „Il Gallo d´Oro“, welches sich im besagten (ansonsten auch sehr zu empfehlenden) Haus befindet, vom Zimmer aus nicht allzu beschwerlich gestaltete.

    Das Restaurant selbst ist relativ förmlich-gediegen (man legt im Übrigen, was dem gegenwärtigen Smart-Casual-Trend dann doch sehr zuwiderläuft, bei den Herren Wert auf Anzug und Krawatte…) und somit vom Ambiente her relativ unspektakulär gehalten, was Frau Grande und mir aber relativ egal war, da wir direkt vor den großen Panorama-Fenstern platziert wurden und so einen grandiosen Blick auf den Hotelgarten und den direkt dahinter liegenden Atlantik genossen.

    Nach Brot, verschiedenen Aufstrichen und mehreren Amuses nahm das Menü folgenden Verlauf:

    Taschenkrebs – Avocado

    "Inspiration" by Benoit Sinthon

    Thunfisch – Passionsfrucht

    Hummer – Gemüse – Hummerbisque

    Zackenbarsch – grüner Spargel – Hollandaise

    Taube geräuchert – Pilze - Walnuss

    Dessert „Exotic Inspiration“

    Insgesamt war dies ein Menü auf einem durchaus respektablen Niveau, was Küchentechniken, Garzeiten, Produktqualität, Komposition der einzelnen Gerichte etc. anging. Insgesamt hatte man aber den Eindruck, dass auf eine relativ spektakuläre Optik bzw. Präsentation der einzelnen Gänge etwas mehr Wert gelegt wurde als auf die anderen (für mich aber eigentlich eher im Vordergrund stehenden) oben genannten Aspekte. So blendete man teilweise mit dem Einsatz von Blattgold, verschiedensten Tellerdesigns und muschelförmigen Terrinen sowie beim Fleischhauptgang mit einer gläsernen Glocke, die über der Taube platziert war und dann angehoben wurde, um die in ihr wabernden Räucherdämpfe spektakulär am Tisch entweichen zu lassen, wobei das Aroma dieser Dämpfe bei weitem aromatischer war als jenes Räucheraroma, was man dann wenig später bei der Taube herausschmecken konnte… Man hatte so teilweise das Gefühl, dass man dem Gast mehr kulinarische Substanz vorgaukeln wollte, als dann (wie z.B. bei der Taube oder auch beim optisch eindruckvollen, aber kompositorisch und geschmacklich relativ eindimensionalen Dessert) tatsächlich vorhanden war. Dem gegenüber gab es aber auch wirklich sehr gelungene Kompositionen wie z.B. die Melange aus Taschenkrebs und Avocado, in der beide Komponenten eine äußerst harmonische Verbindung eingingen, oder auch der fast noch rohe Thunfisch, der perfekt mit der Süße der Passionsfrucht harmonierte.

    Alles in allem standen Frau Grande und ich also wahrlich nicht unzufrieden vom Tisch auf, aber in Anbetracht der hohen Sternewertung des Michelin (zwei Macarons) hätte man vielleicht bei einigen Kreationen neben der ansprechenden Optik noch ausgefeiltere Geschmacksakkorde bzw. noch exzellentere Produktqualitäten erwartet. Dazu kommt, dass Freunde der „Nova Regio-Küche“ dem Restaurant wahrscheinlich vorgeworfen hätten, zu wenig die Produkte Madeiras in den Vordergrund gestellt zu haben und somit keine klare regionale Küchenausrichtung zu erkennen war (wobei mich dies eher weniger gestört hat)!

    Als Fazit würde ich festhalten, dass dieses Restaurant auf Madeira (einer Insel, die aber nun auch wahrlich nicht als Gourmet-Hot-Spot bekannt ist) mit Sicherheit die kulinarische Spitze darstellt, mit zwei Sternen im Michelin meiner Meinung nach aber ein wenig zu hoch eingestuft ist. Ich persönlich würde den „Goldenen Hahn“ zwischen ein bis zwei Sternen einordnen bzw. bei 17 Gault-Millau-Punkten (wenn es diesen Guide denn in Portugal bzw. auf Madeira geben würde…). Man macht also mit Sicherheit nichts falsch, wenn man in Funchal wohnt und sich einmal einen netten kulinarischen Abend gönnen möchte, wobei man aber ein wenig „Kleingeld“ einpacken sollte, denn mit 165 Euro für das Menü sowie 76 Euro für die Weinbegleitung bekommt man das Gesamterlebnis hier nun wahrlich nicht zum Schnäppchenpreis, aber irgendwie muss sich der Hahn sein güldenes Gefieder ja auch leisten können...
    Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 09.07.2019, 18:31.

  • #2
    Danke für den Bericht

    Kommentar

    Lädt...
    X