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Mini Bar, Lissabon

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  • Mini Bar, Lissabon

    José Avillez gehört zu den bekanntesten Köchen in Portugal. Das liegt nicht nur an seinem Flagschiff, dem „Belcanto“ in Lissabon, das mit zwei Michelin-Sternen ohnehin zu den besten Restaurants des Landes gehört, sondern spätestens mit dem Auftauchen auf der „World's 50 Best“-Liste auch in den internationalen Fokus der Food-Szene geriet. Nein, Avillez ist auch als ungemein umtriebiger Unternehmer bekannt, der auch mit anderen Gastronomie-Konzepten erfolgreich ist. Derzeit umfasst sein Imperium 10 Restaurants vor allem in Lissabon und Porto. Selbst in der Gourmet-Etage des „El Corte Inglés“ ist er mit drei Lokalen vertreten und seit 2019 auch in Dubai präsent.

    Eine Reservierung für das „Belcanto“ zu ergattern, ist nicht einfach und so wählen wir den einfacheren Weg und entscheiden uns für das nur einen Steinwurf entfernte „Mini Bar“. An sieben Tagen in der Woche werden hier bis um Mitternacht Reservierungen angenommen und Gerichte in Snack- und Tapas-Größe serviert. Zwei Menüs (45,- / 55,-- Euro) bieten darüber hinaus einen ausgewählten Querschnitt. Wir entscheiden uns für das größere „Epic“-Menü.

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    Außenansicht

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    Innenansicht

    Das Menü wird hier in verschiedenen Akten zelebriert. Der erste Akt besteht hierbei aus einigen repräsentativen Snacks, die scheinbar bereits Signature-Charakter haben.
    Cocktails werden in essbarer Form serviert, bei uns ein „Green Apple“ Margarita. Das ist letztlich ein Schnitz grüner Apfel mit Salz und Pfeffer gewürzt, der bei mir nur entfernt eine Assoziation zum Cocktail auslöst.

    Ein Klassiker der Molekularküche dafür und vermutlich Reminiszenz an Avillez' Zeit bei Ferran Adria die im „El Bulli“ berühmt gewordene Olivensphäre, die sich ja auch heute noch immer als Apéro in allen möglichen Restaurants wieder findet.

    Aus dem Repertoire des „Belcanto“ stammt das falsche „Ferrero Rocher“, das mit Schokolade und Haselnüssen originalgetreu daher kommt, jedoch mit cremiger Foie Gras gefüllt ist. Dieser Snack ist für mich der mit Abstand überzeugendste und dürfte sich gleich hinter Joachim Wisslers „ToffiVee“ einreihen.

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    Essbarer Margarita / El Bulli Olive2005 / "Ferrero Rocher" Belcanto 2011

    Mit zwei weiteren Fingerhappen geht es weiter. Die Shrimps von der Algarve sind in Ceviche-Art mariniert und weisen ein typisches Säure-/Schärfespiel auf. Etwas Crunch, den wir nicht genauer zuordnen können, ist auch noch dabei.
    Auf hauchdünner Hühnerhaut kommt die als „Roasted Chicken“ betitelte Petitesse daher, drappiert mit Cremes von Avocado und Hüttenkäse. Hier überrascht eine unerwartete Räuchernote.

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    Algarve Garnelen Ceviche
    "Roasted chicken"

    Es folgen zweierlei Tatar im Cornet. Die sind als relativ dünne Hülle gearbeitet, aber erstaunlich stabil, um die gar nicht so kleine Menge an Füllung zu halten. Zum einen kommt ein recht klassisch gewürztes Rindertatar mit deutlicher Senfnote. Das Fleisch ist meines Erachtens von Hand geschnitten, was ihm eine schöne Textur gibt. Es ist gut, aber nicht dominant gewürzt.

    Der Service empfiehlt, auch hiermit anzufangen, was sich als sinnvoll erweist, denn das asiatisch angemachte Thunfisch-Tatar mit dünnen Streifen von der Nori-Alge ist von einer markanten, aber gut austarierten Schärfe durchzogen. So gut beide Hörnchen sind, der Thunfisch macht bei uns beiden eindeutig das Rennen.

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    Thunfisch Tatar Temaki & Rinder Tatar

    Mit den beiden Cornets befinden wir uns mittlerweile im dritten Akt der Inszenierung, was sich auch in der üppigeren Portionsgröße wider spiegelt. Dazu gesellt sich jetzt ein „LT Egg“, wobei die Abkürzung lediglich für „Low Temperature“ steht. Das Ei weist dadurch, wie beim Onsen Ei eine schöne Cremigkeit auf und mit Parmesan, knusprigen Bröseln und Trüffel, ob als Öl oder als Sud verarbeitet können wir nicht ausmachen, haben wir es hier mit einem typischen Gericht aus der Kategorie Soulfood zu tun. Das ist erwartungsgemäß süffig und wohlschmeckend. Meinem Mann fehlt etwas Salz, mir ausnahmsweise nicht, weil der Käse mir genug davon beisteuert.

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    "LT" Ei mit Parmesan

    Den vierten Akt, also quasi die Hauptgänge, leiten wir ein mit Jakobsmuscheln „Thai Style“. Hier spielt eine Sauce auf Basis von Kokosnuss, Ingwer und Chili die Hauptrolle. Die Jakobsmuscheln weisen keine ausgeprägten Röstaromen auf, so dass dieser Gang eher mild ausfällt, wenn nicht vor allem die Chili nachhallen würde.

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    Jakobsmuscheln mit Thai Aromen

    Für den Fleischgang wird es dafür eher rustikal mit einem Mini-Burger, begleitet von köstlichen, lockeren Kartoffelkroketten. Diese sind mit einer würzig, scharfen Sauce drappiert. Das Fleisch, PDO Beef, kommt aus herkunftsgeschützter Abstammung und ist tadellos rosa gebraten. Ansonsten ist es ein anständiger Burger, der keine nennenswerten Besonderheiten aufweist. Ordentlich halt.

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    Mini-Burger mit Kartoffelkroketten

    Den abschließenden Akt bildet das Dessert, in diesem Fall der „Lemon and Lime Globe“. Auf einer Limettencreme ist eine geeiste Limettenkugel platziert, die mit einem Yuzu-Schaum gefüllt ist. Das ist in erster Linie recht säuerlich und erfrischend, aber auch nicht weiter komplex. Dass die knallgrüne Kugel trotzdem bei dem ein oder anderen Gast Eindruck machen dürfte, ist klar. Ich finde das nett. Nicht mehr, nicht weniger.

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    Lemon-lime globe

    Mit einem Passionsfruchtmarshmellow mit Kokos und Basilikum sowie einer geeisten Erdnuss in weißer Schokolade schließt sich der Reigen der Kleinigkeiten.

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    Petits Fours

    José Avillez lässt es in der „Mini Bar“ recht verspielt zugehen. Die Kleinigkeiten, die mitunter gar nicht so klein sind, werden auf unterhaltsame Art präsentiert, ohne dabei die seriöse Zubereitung zu überdecken. Natürlich wirkt dennoch manches aufregender als es sich dann tatsächlich ausmacht, aber wer einen munteren Ritt durch diverse Weltregionen unternehmen will, ohne gleich kulinarische Offenbarungen zu erwarten, wird seinen Spaß haben.

    Der Service ist perfekt auf das überwiegend internationale Publikum eingestellt und versteht es, die Gäste mit gutem Timing und herzlicher Freundlichkeit ebenso zu unterhalten. „Mini Bar“ ist tatsächlich so etwas wie eine gut funktionierende Inszenierung, ob als kleines Intermezzo oder als vollständiges Stück. Und letztlich zeigt sich hier, dass Gastronomie tatsächlich auch nur eine Form von Theater ist.


    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/mini-bar-lissabon/
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