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ION - The Harbour, Valletta (Malta)

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  • ION - The Harbour, Valletta (Malta)

    Geneigte Gourmetgemeinde,

    in den diesjährigen Herbstferien zog es Familie Grande nach Malta, um dem tristen und grauen Corona-Herbst in den hiesigen Gefilden zu entkommen…

    Von unserem äußerst günstig fast direkt vor der Stadtmauer Vallettas gelegenen Hotel „The Phoenicia“ (welches vor vier Jahren komplett durchrenoviert wurde und somit wieder an alte, glanzvolle Grandhotelzeiten anknüpft) konnte man eigentlich alle im roten Guide gelisteten Restaurants (der Michelin ist seit 2020 auf der Insel aktiv) der flächenmäßig recht überschaubaren Landeshauptstadt in kurzer Zeit fußläufig erreichen. Aufgrund dieser perfekten Erreichbarkeit ließ es sich Familie Grande natürlich nicht nehmen, jeden Abend eine andere Michelin-Empfehlung unter die Lupe zu nehmen, sodass wir am Ende des Urlaubs fast alle für Valletta aufgeführten Lokale, nämlich das spektakulär innerhalb der Stadtbastionen gelegene „Rampila“, das von einem maltesischen Fernsehkoch geführte „Aaron´s Kitchen“, den „Harbour Club“ mit großartigem Blick auf den Grand Harbour, das „Guzé-Bistro“ in einem pittoresken Kellergewölbe und last, but not least das etwas weiter vom Hotel entfernte und sich in St. Julian´s befindliche „Susurrus“, aus dessen Glaspavillon man auf die über dem Mittelmeer untergehende Sonne schaute…), „durchgetestet“ hatten. Atmosphärisch konnten uns all diese Restaurants vollends überzeugen, küchentechnisch stachen vor allem „Aarons´s Kitchen“, das „Guzé-Bistro“ sowie das „Susurrus“ heraus, welche alle eine mehr als anständige Küchenleistung zu einem wohlfeilen Preis-Leistungs-Verhältnis boten!

    Eines Abends verlangte es Frau Grande und mich aber nach einer etwas gehobeneren Küchenperformance und so beehrten wir (der wenig gourmetaffine Schwiegervater passte derzeit im Hotel auf den ebenfalls der Gourmandise nicht unbedingt zugeneigten Filius auf ) das mit einem Michelin-Stern prämierte Lokal „ION – The Harbour“, welches sich in der obersten Etage des noch recht neuen Boutique-Hotels „Iniala Harbour House“ am Grand Harbour befindet. Da es leider just an jenem Abend wolkenbruchartig gewitterte (ansonsten hatten wir eigentlich durchgehend angenehmes Urlaubswetter) , konnten wir nicht auf der herrlichen Dachterrasse platz-, sondern mussten mit einem Tisch im Innenbereich des Restaurants vorliebnehmen, was aber durchaus zu verschmerzen war, denn das Ambiente kann man aufgrund der geschmackvoll-modernen Einrichtung und dem gedämpften Licht nur als äußerst genussfördernd bezeichnen! Nach einem Gin Tonic zum Aperitif, der es alkoholtechnisch durchaus in sich hatte (Frau Grande schwenkte danach umgehend auf eine alkoholfreie Getränkebegleitung um ) und einigen überzeugenden Amuses wurde uns im Folgenden das große Degustationsmenü (das mit 189 Euro auf Malta wahrscheinlich an der Spitze des kulinarischen Preisgefüges stehen dürfte) aufgetragen:

    N25-Kaviar: Sizilianische rote Garnele – Ingwer – Creme Crue

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    Gillardeau-Auster: Bayerische Creme – Austernvinaigrette

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    Gänsestopfleber: Sherryessig

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    Red Snapper: Coco-Bohne – Muscheln – Chorizo

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    „Hunter Chicken“: Sauce Albufera

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    Comté: Vin Jaune - Buchweizen

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    Bergamotte: Weiße Schokolade – Joghurt

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    Araguani-Schokolade von Valrhona: Sauerteig – gozitanisches Meersalz – Karamell

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    Da ich die anderen vier maltesischen Sternelokale nicht kenne, kann ich natürlich keine tragfähigen Quervergleiche anstellen, aber ich wage es zu bezweifeln, dass man in diesem Inselstaat im gehobenen Segment anspruchsvoller speisen kann als hier! Auch kann ich nicht beurteilen, auf welchem Niveau hier sonst gekocht wird, denn zum Zeitpunkt unseres Besuches stand der englische Spitzenkoch Alex Dilling am Herd, dessen 2-Sterne-Restaurant „Greenhouse“ in London im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie Insolvenz anmelden musste und der deswegen im „ION“ angeheuert hat. Dieses Gastspiel sollte eigentlich nur von Juni bis September 2021 dauern, doch während unserer Besuches Mitte Oktober stand Mister Dilling (zu unserer großen Freude ) immer noch am Pass, was darauf schließen lässt, dass Restaurant und Gastkoch anscheinend gefallen aneinander gefunden haben und man vielleicht ein dauerhaftes Engagement anstrebt.

    Die Küchenleistung, die wir hier erleben durften, würde ich (wenn es den Gault denn auf Malta geben würde…) bei 17 Punkten sowie zwischen einem und zwei Sternen einordnen. Was alle Gänge auszeichnete, war eine hochstehende technische Ausführung nahe der Perfektion, was aber – auch wenn es vielleicht ein wenig paradox klingt – gleichzeitig auch die Achillesferse der Küche war, denn viele Gerichte kamen „aalglatt“ bzw. „ohne Ecken und Kanten“ herüber, sodass man sich manchmal noch ein wenig mehr „Wumms“ bezüglich der Würzung bzw. insgesamt ein wenig mehr Eigenständigkeit und aussagekräftige Aromen statt durchgehender technischer Perfektion gewünscht hätte. Auch die – aber das kann man ja bezüglich der aktuellen weltweiten Spitzengastronomie vielen Etablissements vorwerfen – sich wiederholende Parade immergleicher Spitzenprodukte (N25-Kaviar, Gillardeau-Austern, Gänsestopfleber, Valrhona-Schokolade…) wirkt irgendwann ein wenig ermüdend, aber wenn die Behandlung dieser Produkte so perfekt ausfällt wie hier, lässt man sich dies natürlich dennoch gefallen . Trotz des durchgehend relativ gleichbleibend hohen Niveaus gab es aber kleine Ausreißer nach oben und unten: Während vor allem Alex Dillings Signature Dish, das „Hunter Chicken“, sowie auch der Kaviargang und das Schokoladendessert durch eine hervorragende Produktqualität und von ihrer Gesamtkomposition her voll überzeugen konnten, gerieten der Red Snapper, bei dem die Chorizo Fisch und Muscheln geschmacklich doch recht stark überlagerte, sowie das Predessert, bei dem die Bergamotte mit ihren ätherischen Noten der weißen Schokolade und dem Joghurt wenig Chancen ließ, nicht ganz so rund und harmonisch.

    All dies ist aber – wie gesagt – klagen auf hohem Niveau, und wenn man das tolle Ambiente, die spektakuläre Lage des Restaurants über den Dächern Vallettas mit Blick auf den Grand Harbour, den meist zugwandten (selten aber auch etwas distanziert agierenden) Service, den herzlichen Sommelier sowie die kongeniale und hochklassige Weinbegleitung mit einbezieht, ist dies ein Restaurant, welches auf Malta seinesgleichen suchen dürfte! Falls Alex Dilling diesem Lokal – was zu hoffen ist – noch weiter erhalten bleiben sollte und es schafft, seinen technisch sowie optisch makellosen Kreationen noch ein wenig mehr „Seele“ einzuhauchen, würde es mich nicht wundern, wenn hier demnächst zum ersten Mal zwei Sterne über Valletta funkeln und sich deren Glanz des Nachts im Wasser des Grand Harbours spiegelt….
    Zuletzt geändert von El Grande Gourmet; 28.11.2021, 10:25.
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