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Bon-Bon, Brüssel

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  • Bon-Bon, Brüssel

    Ohne Frage ist Christophe Hardiquest einer der Shootingstars in Belgien. Dem 18-Punkte-Aufstieg letztes Jahr ging dabei aber auch eine räumliche Veränderung voran, die noch nicht jeder empfehlende Reiseführer realisiert hat: Umzug in einen edlen Vorort, wo die Häuser konservativ-nobel wirken und das bisher eher bistroartige Bon-Bon seit April letzten Jahres in einem der ältesten Häuser von Woluwe-Saint-Pierre residiert. Innen geht's jetzt auch etwas eleganter zu als früher in Uccle: Das Louis-Irgendwas des vorherigen Betreibers wurde komplett ersetzt, große schwarze Glasflächen, edles Gestühl und moderne Kunst lassen keinen Zweifel daran, dass man den Umzug auch als gestalterischen Aufstieg begreift. Die Küche ist dagegen weiterhin offen gehalten, wer mag, mag an der Bar mit direktem Postenblick essen. Das offene Konzept (zumindest zwei Tische sind *sehr* dicht am Pass platziert) gefällt dabei nicht jedem Gast, wie man mitunter recht deutlich beobachten kann. Vielleicht lag das erlebte Unbehagen des betroffenen Tisches aber auch weniger an der Küchennähe als am Service, der trotz guter Besetzung bisweilen hektisch um die Tische eilte und damit unnötige Unruhe verbreitete. Wohl also dem, der nicht in der Einflugschneise zum Pass sitzt, sondern das Treiben aus einer der Ecken beobachten kann.

    Hardiquest bietet drei Carte-blanche-Menüs von drei bis sieben Gängen (€ 72-145) an, zudem gibt es auf der Rückseite der Holzkarte noch ein paar à la carte-Gerichte. Stilistisch zeigt er dabei eine recht breite Varianz von europäisierten Asiatika und französisch-mediterranen Elementen. Das vierfache Amuse illustrierte das schon recht passend: Ein saftiges Garnelen-Croustillant mit Curry (Spieß), eine leicht scharfe Karottensuppe mit Inwerschaum (Schnapsglas), ein recht langweiliges Futo-Maki unbestimmter Füllung (liegend) und kleine, geschmorte Perlzwiebeln mit Erdmandelcrème (Petrischale). Einen dramaturgischen Bogen konnte ich in der Zusammenstellung nicht erkennen, der Eindruck war insgesamt eher "Kann man mal machen" in etwas Aufmerksamkeit heischender Anrichte.
    Ganz anders die Langoustino-Mosaik- und -kroketten mit Nori und Eisenkraut danach. Angesichts der Produktwiederholung hätte einem eigentlich erstmal der Mund offen stehen dürfen, aber ich gebe zu, es hatte andere Gründe. Erster Eindruck: Hauchdünne Scheiben Kaisergranat-marbré, die auf der Zunge schmolzen; die von Kartaifiteig umsponnenen Kaisergranat-Stücke dazu bekamen durch eingearbeitete Eisenkraut eine sehr schöne, kräutrig-frische Note, dazu noch etwas Rosmarin-Krustentierschaum - sehr fein und gut ausbalanciert.
    Folgend Hirschrücken mit Pfeffer und Roter Bete - ein schöner, kräftiger Gang, dekoriert mit Tapiokamehlgebäck (Gruß an Hans Haas), der zeigte, dass die Küche ihr beschwingt rotierendes Aromenkarussell (süß-scharf-erdig-fruchtig) gut im Griff hat.
    Gelungen fand ich auch die "Deklination vom Apfel" - die Beignets wieder (wie das Garnele-Gekrustel im Amuse) saftig, ein tiefer Eindruck aber vor allem das Apfel-Estragon-Sorbet mit Kradomom-Schaum im zweiten Service.
    Zum Kaffee rollte noch ein klassischer Mignardise-Doppelstöcker vor, dessen Erläuterung allerdings den zuvor servierten Kaffee kalt werden ließen - lecker war es trotzdem.

    Ein Wort noch zum Wein: Die Karte ist klar auf Frankreich ausgerichtet, die Kalkulation liegt dabei zumindest im mittleren Bereich etwa 10% über den deutschen Durchschnittspreisen. Etwas enttäuschend fand ich die zum Menü angepriesene Begleitung aus einem nichtssagenden Chenin blanc, einem zunächst blassen, dann aber gut passenden Roten von der Rhône und einem cidre artisanal zum Dessert.
    Zuletzt geändert von malbouffe; 20.11.2012, 13:31.

  • #2
    Ergänzung: Dem Nachfolger in den alten Räumlichkeiten, va | doux | vent , sei hiermit herzlich zum Stern gratuliert.

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