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Ron Gastrobar*, Amsterdam (vormals Ron Blaauw)

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  • #16
    Zu einem Amsterdam-Besuch gehört bei uns immer auch eine Reservierung in „Ron Gastrobar“. Das Konzept, kreative Gerichte zu erschwinglichem Kurs in lebendigem, lockerem Ambiente anzubieten, hat auch nach mehreren Jahren nichts von seinem Reiz verloren.
    Und es ist auch weiterhin offenbar sehr erfolgreich. Ron Blauuw, ehemals mit zwei Sternen dekorierter Spitzenkoch, hat nach der Neuausrichtung ein ständig volles Haus und mittlerweile noch Gastrobar-Dependancen mit den Themen „Oriental“, „Indonesia“ und „Paris“.

    Uns zieht es aber weiterhin ins Original, das auch vom Michelin mit einem Stern ausgezeichnet wird. Die Gerichte kosten immer noch fast durchgehend einheitlich 15 Euro, die Desserts 9 Euro. Einige Gerichte und Steaks für zwei Personen stehen ebenso auf der Karte wie neuerdings ein Best of 6 Gang-Menü zu schlanken 62,50 Euro.

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    Interieur & Fleischreifeschrank

    Tradition hat hier das köstlich knusprige Brot in der Tüte und eingelegte, gepickelte Zwiebeln zum Beginn. Dazu gibt es aufgeschlagene braune Butter, die mit Grammeln einen zusätzlichen Pfiff bekommt.
    Etwas ungewohnt ist die rumpelige Hektik, die der Service an den Tag legt. Im Laufe des Abends wird sich das zum Glück legen.

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    Brot, aufgeschlagene Butter, gepickelte Ziebeln

    Die Creme von der Foie Gras im Cocktailglas ist fein abgestimmt, muss sich aber gegen recht dominante Rote Bete behaupten. Kirschsauce und in Madeira eingelegte Rosinen runden die dennoch passende und stimmige Kombination ab.

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    Foie Gras mit Rote Bete vom BBQ und Kirsch-Vinaigrette

    Völlig unerwartet das Erscheinungsbild des geschnittenen Steak Tartar mit Tapioca-Perlen von lokalem, gepickeltem Gemüse und Knochenmark. Das Tartar ist in eine Zwiebel gefüllt und mit einer würzigen Vinaigrette versehen. Das ist eine schöne Idee und die Präsentation macht auch Sinn, denn Zwiebeln sind als Ergänzung zum Tartar ja eine durchaus klassische Beigabe. Selbst die Tapioca-Perlen, die sich oft eher durch Geschmacksneutralität auszeichnen, steuern hier eine deutlich erkennbare säuerliche Note bei.

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    Steak Tartare mit Tapioca von Amsterdam Pickles und Knochenmark

    Der Graved Lachs erhält mit Gurke, Buttermilch und Dill eine sehr säuerliche Einfassung, die dem Fisch aber gut steht und das Ganze sehr frisch gestaltet.

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    Graved Lachs mit süß-saurer Gurke und Vinaigrette von Buttermilch und Dill

    Neugierig war ich auf den nächsten Gang, den Flan von Jakobsmuscheln. Und in der Tat weist der warme Flan einen sehr eindeutigen und typischen Geschmack auf. Mit etwas Tomatenconcassée, Blutorangen und Fenchel bleibt die Küche hier auf sicherem Terrain und entscheidet sich für einen klassischen Aromenakkord. Der Schaum von Beurre Blanc macht da keine Ausnahme, ebenso wenig wie der milde Forellenkaviar, mit dem das Ganze getoppt ist. Wenn auf dieses Gericht eine Beschreibung zutrifft, dann wohl die der süffigen Harmonie. Mild und rund würden auch noch passen, Comfort Food ebenso. Oder auch einfach nur gut.

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    Flan von Jakobsmuschel mit Fenchel, Blutorange und Beurre Blanc

    Zu Ron Blauuws Klassikern in der Gastrobar gehören seit jeher die unfassbar zart geschmorten, knochenlosen Spare Ribs mit der hausgemachten Sambalsauce. Neu ist für uns das Sauerkraut, das hier in knuspriger Form, ähnlich wie Röstzwiebeln, das Fleisch begleitet. Auch die wiederholte Bestellung bestätigt: Diese Spare Ribs können gut und gerne als Referenz dienen.

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    Spare Ribs mit Sauerkraut und hausgemachtem Sambal

    Ich mache mit Fisch weiter und bin erneut von der überraschenden Präsentation angetan. Die Seezunge ist als Rolle in Kataifi-Fäden gearbeitet und frittiert worden. Etwas Sauerampfercreme kann als Tupfen nur sehr dezente Akzente setzen. Dafür ist die Rotweinbuttersauce sehr intensiv und fast schon zu dominant. Aber eben nur fast und das zeichnet die Küche hier aus. Sie ist beherzt beim Würzen, aber genauso auch mit einem feinen Händchen dafür ausgestattet.

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    Knusprige Seezunge mit Kataifi, Sauerampfer und Beurre Rouge

    Bei den Desserts hätte man den verwegenen Weg gehen und sich Schokoladenganache mit Karamell von geräuchertem Speck wählen können. Wir bleiben aber auf der eher klassischen Linie und ordern ein Millefeuille von Schokoladenmousse und Tonkabohne mit einem Bananeneis mit Rum. Letzterer ist, wenn überhaupt, nur homöpathisch wahrnehmbar. Alles andere ist aber sehr ordentlich gemacht.

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    Millefeuille von Schokoladenmousse und Tonkabohne mit Bananeneis und Rum

    Erheblich spannender klingt, zumindest nach der Speisekarte, die Kombination aus Kokosnuss, Schaum von weißer Schokolade und Kaviar. Beim Lesen ist mir eigentlich schon klar, dass es hier mehr um den optischen Effekt geht und mich vermutlich eine Weiß-Schwarz-Spielerei erwarten würde. Da aber auch für alle anderen Gerichte die Option besteht, sie mit 2g Black Pearl Kaviar für 10 Euro zu pimpen, ist auch klar, dass ich hier jetzt keine üppige Nocke Kaviar zu erwarten habe, sondern lediglich ein paar Kügelchen. Das Dessert ist mit 15 Euro zwar etwas teurer als die regulären Gerichte, aber große Sprünge sind auch damit nicht auszurichten.

    Und in der Tat werden meine Erwartungen ziemlich genau erfüllt. In die Innenseite einer Kokosnuss ist ein schmackhaftes Kokoseis gearbeitet, die Schokoladencreme ist relativ leicht, der Schaum ziemlich neutral und der Kaviar tatsächlich zu knapp portioniert, um wirklich Wirkung entfalten zu können. So bleibt eine hübsche Idee ohne nennenswerten Erinnerungswert.

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    Kokosnuss mit Black Pearl Kaviar und Schaum von weißer Schokolade

    Nach dem etwas holprigen Service-Start, der sicherlich dem voll besetzten Haus zuzuschreiben ist, wird es im Laufe des Abends alles deutlich flüssiger. Der Service, der alleine in unserem Bereich etwa 30 Plätze nahezu alleine bedienen muss, wird entspannter, die Abstände zwischen den Gängen stimmen und zum Ende hin ist auch ein Smalltalk drin.

    Zum Wesen der Gastrobars gehört, dass den Gästen hier alle Freiheiten gelassen werden. Ob man anstelle eines Desserts noch mal die Foie Gras bestellt, wie wir es an einem anderen Tisch beobachten, oder sich sonst wie aus der Karte bedient, ist hier alles kein Problem.

    Die Stimmung ist ausgelassen, angesichts der Qualität auf dem Teller sieht man nur zufriedene Gesichter und auch wir haben unseren Spaß an den kreativen Schlenkern und der durchweg guten Umsetzung – auch wenn nicht immer jedes Detail 100% ins Schwarze trifft. Angesichts der mehr als moderaten Preise, die geradezu animieren, sich einmal quer durch die Karte zu probieren, ist das allemal zu verschmerzen. So bleibt „Ron Gastrobar“ auch weiterhin eine sichere Bank für uns.


    Bericht auch auf meinem Blog unter http://tischnotizen.de/ron-gastrobar-amsterdam/

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    • #17
      Werter thomashaj, vielen Dank für den animierenden Bericht! Ich habe die Gastrobar schon länger auf dem Zettel, es bis dato aber nie geschafft, sie zu besuchen.

      Im letzten Jahr, als ich mit meiner Schulklasse einen Tagesauflug zum Anne-Frank-Haus nach Amsterdam unternommen habe, habe ich kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt, die drei Stunden zwischen Museumsbesuch und Busrückfahrt für einen spontanen Kurzbesuch bei Ron zu nutzen. Da die Führung durch das franksche Hinterhaus aber länger als geplant dauerte und - dies kam noch erschwerend hinzu - der Busfahrer auf eine frühere Rückfahrt drängte, musste ich diesen ausgeklügelten Plan leider schnell zu den Akten legen, aber so weit ist Amsterdam ja von meiner westfälischen Heimat nicht entfernt, sodass ich, angestachelt von Ihrem Bericht über dieses lockere und unkomplizierte Gastrokonzept, das in dieser Form in Deutschland ja leider noch immer nicht allzu oft zu finden ist, demnächst noch einmal einen neuen Versuch in diese Richtung starten werde.

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