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Hostellerie Le Fox, De Panne (2 Michelin-Sterne, 16 Punkte im Gault Millau (2013))

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  • Hostellerie Le Fox, De Panne (2 Michelin-Sterne, 16 Punkte im Gault Millau (2013))

    Restaurant besucht am 25.10.2013 (mittags)

    Die "Hostellerie le Fox" liegt im Zentrum des belgischen Nordseebades De Panne. Sie liegt quer zur Seepromenade vergleichsweise ruhig in einer verkehrsberuhigten Seitenstraße. Der Lage verschuldet sind Privatparkplätze Fehlanzeige, jedoch wird ein Valet-Parkservice angeboten, den ich aber nicht in Anspruch genommen habe, da man Ende Oktober problemlos in den angrenzenden Seitenstraßen kostenlos parken konnte. Neben des Gourmetrestaurants stehen zur Übernachtung auch einige Zimmer bereit.

    Der Besuch dieser Lokalität sollte der Höhepunkt meiner Reise durch Westflandern werden. Als ich spontan am Donnerstagmittag vorbei kam wurde ich zunächst bitter enttäuscht: "We're fully booked" informierte mich die sehr freundliche und sehr gut Englisch sprechende Dame von der Hotelrezeption. Der ganze Ort wirkte wie ausgestorben, jedoch das Restaurant war selbst mittags ausgebucht - das kann eigentlich nur für die Qualität der Küche sprechen! Für den nächsten Mittag (also am Freitag) konnte ich aber problemlos einen Tisch reservieren.

    Als ich dann gegen 12:15 Uhr in der Hostellerie ankam wurde ich äußerst freundlich vom Restaurantchef (?) und einem weiteren männlichen Mitarbeiter empfangen. Beide haben dann während des gesamten Aufenthaltes sehr gut auf Deutsch mit mir kommuniziert. Auf einen Apéritiv im gemütlich eingerichteten Barbereich habe ich verzichtet, also wurde ich gleich ins extrem einladende und gemütlich eingerichtete Restaurant geführt. Mir wurde ein schöner Tisch hinten links am Fenster angeboten wo ich sowohl nach draußen schauen konnte als auch den Restaurantraum im Blick hatte. Die Tische stehen extrem weit voneinander entfernt was ein Gefühl von Großzügigkeit und Gemütlichkeit vermittelt. Außer mir saß an diesem Mittag lediglich nur ein weiterer Gast im gesamten Restaurant. Allein gefühlt habe ich mich aber nun gar nicht.

    Neben des hochpreisigen à la carte-Angebotes steht das große Menü im Mittelpunkt der Speisekarte, das ganz simpel "ME" genannt wird. Man kann es in 5 Gängen zu 105 Euro bestellen oder - wie ich es tat - in 4 Gängen ("light versie" genannt) zu 85 Euro ordern. Optional kann man auch noch die "Kar met unieke selectie van Belgische kazen" bestellen, wofür man jedoch ein Supplement von 18 Euro berappen muss. Ohnehin kein großer Käsefan, machte ich von diesem Angebot keinen Gebrauch.

    Nach der Menübestellung werden zunächst 2 Brotsorten auf dem Tisch placiert - eine helle und eine etwas dunklere - die jeweils geviertelt gereicht wurden. Dazu gab es sehr gute leicht gesalzene Butter, eine Art Tapenade (ebenfalls sehr lecker) und einen dunkleren "Brotaufstrich", den ich nicht probiert habe und somit nicht näher definieren kann. Obendrein gab es auf einem speziell hierfür placierten Teller einige Spritzer Olivenöl und noch etwas anderes Flüssiges (beides harmonierte sehr gut zum von mir konsumierten weißen Brot).

    Bevor das eigentliche Menü startete wurden noch jeweils zwei kalte and zwei warme amuse gueules nacheinander aufgetischt. Ich kann mich noch an eine Austernzubereitung und an eine sogenannte "Knackwurst" erinnern, die natürlich beim Beißen nicht knackte, dafür aber ein sehr herzhaftes Aroma aufwies. Alles andere mundete ebenfalls sehr ansprechend, ich weiß aber nicht mehr 100%ig was es genau war.

    Nun begann das eigentliche Menü mit dem ersten Gang (den "Kannibalentoast" (was immer das auch wohl gewesen sein mag) habe ich nicht bestellt):
    "Me and the land: gegrilde beenham en Sint Jacobsnoot / ragout van witloof, pastinaak en rozijnen / sabayon van Belgian pickles"
    Die Sankt Jacobsmuscheln waren lediglich kurz gegrillt und schmeckten aromatisch-intensiv. Der Chicorée harmonierte sehr angenehm mit der Sauce und auch der Knochenschinken passte gut zur Gesamtkomposition. Der Teller war wunderschön angerichtet. Note 1-

    Es folgte der zweite Gang:
    "Me and my passion: zacht gegaarde kabeljauw, kokkels en grijze garnaal / gekonfitje raapjes en schorseneren / jus van hoen met parfum van rode biet"
    Der Kabeljau war für meinen Geschmack arg weich auf dem Teller gelandet, schmeckte aber frisch und aromatisch. Wunderbar gefielen mir dazu die Mini-Krabben ("Garnelen" waren es wohl eher nicht) und die Muscheln, die sich noch in der Schale befanden. Solch exzellent zubereitete Gerichte bekommt man eben wohl nur direkt am Meer. Note 1-

    Das Hauptgericht hieß:
    "Me and my expression: creatie rond wilde fazant en ganzenlever / risotto van aardappel, knolselder en graskaas / salade van boschampignons"
    Während das Fasanfleisch punktgenau gebraten war und wohlschmeckend war, hatte ich mit der dünnen Scheibe Gänseleber so meine Probleme, da sie einfach keinen richtigen Geschmack abgab, also beinahe "geschmacksneutral" war. Risotto und Knollensellerie waren dagegen wieder aromatisch. Eine Augenweide war die Präsentation dieses Gerichts. Note 2

    Nun wurde noch ein Pré-Dessert eingeschoben: Es gab Birnenscheiben mit Birnensorbet, beides erfrischend-fruchtig-aromatisch und Vorfreude auf das Hauptdessert weckend.

    Letzteres hieß dann:
    "Me and my sweetness" semifreddo van hazelnoot"
    Wie auch schon das Hauptgericht glich der Teller einem Kunstwerk. Das Haselnuss-Halbgefrorene besaß einen intensiven Nussgeschmack und wurde noch von weiteren klecksartig auf den Teller drapierten Elementen stimmig begleitet. Es war purer Genuss und somit für mich ein perfektes Dessert. Note 1

    Ich wählte dann noch einen Rote-Früchte-Tee und staunte nicht schlecht als dazu ein großer Wagen mit Süßigkeiten an den Tisch gefahren wurde: Dort tummelten sich lauter große und kleine Naschereien. Ich wählte mir ein Stück Schokoladenkuchen (mittelbraune, sehr geschmacksintensive Schokolade), ein Stück Apfeltarte (eher brav und zurückhaltend) und ein Stück Rosinenkuchen aus, das extrem mächtig daherkam und ich kaum noch schaffen konnte. Der Tee selbst war natürlich ebenfalls voller Fruchtaromen.

    Nach zweidreiviertel Stunden verließ ich dann sehr zufrieden und gut gesättigt das Restaurant. Den Preis habe ich als angemessen empfunden und den Service als schlichtweg perfekt. Ich habe die freundliche, offene, aber auch hochprofessionelle Art sehr zu schätzen gewusst.

    Kurz vor dem Hauptdessert kam dann auch noch der Chefkoch Stephane Buyens an den Tisch und wollte wissen ob ich denn zufrieden gewesen sei. Selbstverständlich habe ich diese Frage bejaht. Ich finde es sehr lobenswert wenn der Chef höchstpersönlich auch mittags Präsenz im Restaurant zeigt, auch wenn gerade einmal zwei Menschen dort Speisen und Getränke aufnehmen.

    Deshalb gebe ich als Gesamtfazit die Note 1-.

    Die 16 Gault Millau-Punkte empfinde ich als zu knauserig, die zwei Michelin-Sterne eventuell als ein klein wenig zu hoch gegriffen. Ich hätte 17 Punkte und 1,5 Sterne gegeben.

    Uneingeschränkt weiterempfehlen kann ich das Gourmetrestaurant aber ohne jede Bedenken.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Gänsestopfleber
    Zuletzt geändert von Gänsestopfleber; 28.10.2013, 00:27.

  • #2
    Schöner, ausführlicher Bericht, werte gsl. Als pädagogisch Tätiger fällt mir auf: der Schnitt Ihrer Bewertungen liegt bei 1,35. Sind da Ihre 1,5 Sterne nicht etwas knapp bemessen?
    Und, gab's auch Getränke?
    MkG
    schlaraffenland

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    • #3
      Hallo Schlaraffenland,

      vielen Dank für die positive Rückmeldung.

      Als ebenfalls pädagogisch Tätiger muss ich Ihnen natürlich Recht geben: Den Noten zufolge müsste ich eher auf zwei Sterne kommen. Auf Grund des etwas schwächeren Hauptgerichtes fände ich diese Bewertung dann aber auch nicht komplett angemessen. Deshalb eher "1,5 Sterne".

      Zu den Getränken:
      Ich habe doch vom Früchtetee berichtet, oder?

      Spaß beiseite - es gab natürlich auch einen halben Liter stilles Mineralwasser der Marke "Spa", worüber ich aber keine "Analyse" oder gar eine Bewertung abgeben könnte. Es schmeckt halt in jedem Restaurant gleich.

      Und falls Sie an Wein gedacht haben sollten: Ich habe in meinem Leben noch nie Alkohol getrunken und habe dies auch nicht vor.
      Der Herr neben mir hatte jedoch das komplette Menü bestellt und auch die dazu korrespondierenden Weine glasweise geordert. Mehr kann ich dazu aber leider nicht sagen.

      MkG
      Gänsestopfleber

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