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Bij Lam en Yin, Antwerpen*

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  • Bij Lam en Yin, Antwerpen*

    Ein asiatisches Restaurant mit Michelin-Stern und 15 Punkten im Gault Millau? Das weckt meine Neugierde, zumal die Speisekarte mit jeweils 5 Vorspeisen und Hauptgerichten sowie 2 Desserts extrem reduziert gehalten ist.
    Das minimalistisch eingerichtete kleine Lokal ist begehrt, die Tische werden in zwei Sitzungen vergeben.

    Die Beschreibungen der Gerichte sind ebenso kurz, so dass sich nur schwer erahnen lässt, was einen letztlich auf dem Teller erwarten wird. Die Kritiken im Netz sind jedoch überschwänglich, so dass ich mir wenig Sorgen mache. Dass der Anspruch in diesem Haus jedoch etwas größer ist als bei einem gewöhnlichen Chinesen macht die Tatsache deutlich, dass einige Gerichte mit Kaviar als Supplement ergänzt werden können. Ob das Sinn macht oder nur einem eigenwilligen Luxusbedürfnis geschuldet ist, lassen wir mal dahin gestellt sein. Ich kann darauf verzichten und möchte die kantonesische Küche, wie sie von Lam Yee Lap praktiziert wird, pur genießen.

    Für den Service sorgt seine Frau Yin Pang. Anfang etwas reserviert, taut sie jedoch zügig auf und ist dann ausgesprochen herzlich. Die Weinkarte, auf einem iPad detailreich und übersichtlich zusammengestellt, ist umfangreich und nach Weinstilen (leicht, mittel-komplex, voll und rund) sortiert. Wir entscheiden uns für eine Cuvée von Claus Preisinger, den „Kalk und Kiesel“ (Weißburgunder, Grüner Veltliner, Chardonnay), der früher mal als „Heideboden“ angeboten wurde. Mittlerweile kommt dieser Wein ungeschwefelt und unfiltriert auf die Flasche und macht sich durchaus spannend zur asiatischen Küche, wie wir im Laufe des Abends feststellen werden.

    Als Gruß schickt die Küche auf einem Löffel etwas feingehacktes Entenfleisch mit etwas Austernsauce. Das ist bereits erstaunlich prägnant und lässt aufhorchen.

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    Ich wähle als ersten Gang Wok gerührten Tintenfisch mit Koriander. Auf dem Teller nur begleitet von etwas rettichartigem, kalten Gemüse offenbart sich hier ein ganzes Spektrum von ganz fein abgestimmten Aromen. Der Koriander ist zwar optisch sehr präsent, aber so subtil eingesetzt, wie ich das selten erlebt habe. Dazu angenehme Röstnoten und trotzdem wunderbar zart. Ein beeindruckender Start.

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    Auf der anderen Seite des Tisches kommen in Eiweiß gedämpfte Jakobsmuscheln. Diese sind noch in der Schale und außer, dass der Corail bereits entfernt wurde, nicht ausgelöst. Die Muscheln sind von schöner Größe, perfekt gegart und bekommen einen tollen Kick durch die sehr sparsam, aber gerade richtig dosierte Sojasauce, die sich ähnlich wie alter Balsamico meilenweit von gängigen Qualitäten abhebt.

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    Zum Teilen bestellen wir uns dann eine Portion der Wo tip Dumplings, recht große und kompakt gefüllte Exemplare. Woraus die Füllung genau besteht, lässt sich schwer herausschmecken. Könnte eine Mischung aus Huhn und Garnelen gewesen sein, hatte aber durchaus auch etwas herzhafte Noten, die wiederum für Ente oder Rind sprachen. Ist aber letztlich unerheblich, denn auch hier war die Würzung wieder sehr elegant und die leichten Röstnoten gerade richtig. Dazu ein wenig eingelegter Ingwer – voilà! Mehr braucht es nicht.

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    Bei den Hauptgerichten wird wiederum der Wok gerührt. Ich wähle Taube mit Cashewnüssen und erhalte fein geschnittenes Fleisch, das unfassbar zart ist. Die Keulen sind im ganzen belassen und können mit den Fingern gegessen werden. Das ist in der Gesamtaromatik mild, aber erneut subtil und elegant.

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    Die Lammhaxe kommt ebenfalls in feinen Streifen in Szechuan-Sauce, für die vorab der Schärfegrad abgefragt wird. Die Küche trifft die Medium-Schärfe genau, denn erst hinten heraus macht sie sich bemerkbar, ohne dominierend zu wirken. Beide Gerichte werden von Senfkohl begleitet, der mit knackiger Frische und strahlend leuchtender Farbe begeistert.

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    Bei den Desserts gibt es lediglich die Auswahl zwischen frisch und fruchtig in Form von exotischen Früchten und Kokosnuss und einem schokoladigen Nachtisch. Und hier wird es erneut überraschend, denn in beiden Fällen kommen die Gerichte ausgesprochen unasiatisch daher. Sowohl von der Präsentation als auch von der Technik stünden beide Desserts auch jedem anderen anspruchsvollen Restaurant gut zu Gesicht.

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    Dass zum Nachtisch statt der bestellten Riesling Auslese von Wittmann zunächst eine trockene Rieslingversion ins Glas kommt, irritiert eine Weile. Aber der Service merkt den Fehler selbst und bietet, obwohl das Dessert bereits verspeist ist, den korrekten Wein noch mal aufs Haus an. Wenn kleine Patzer so schnell ausgebügelt werden, trüben sie den Gesamteindruck in keinster Weise.

    Ob auch ein chinesisches Restaurant mit Wokgerichten ein Sternerestaurant sein kann, ist am Ende dieses vergnüglichen Abends keine Frage mehr. Wenn die Gerichte so fein, subtil und präzise abgeschmeckt sind und die Produktqualitäten so ausnahmslos gut, ist der Stern mehr als berechtigt. Für den nächsten Antwerpen-Aufenthalt ist das Lam & Yin jedenfalls bereits wieder gesetzt.

    Bericht und alle Bilder auch unter: http://tischnotizen.de/bij-lam-en-yin-antwerpen/
    Zuletzt geändert von thomashaj; 01.02.2017, 01:00.

  • #2
    Werter thomashaj,

    vielen Dank für Ihren Bericht. Ich bin ein großer Fan chinesischer Küche und sowas wünsche ich mir auch in Hamburg bzw. Deutschland. Sonst bekommt man ja meistens nur eingedeutschte Gerichte mittelmäßiger Qualität.
    Die Restaurants, die authentische chinesische Küche anbieten, sind selten und bieten meist „Hausmannkost“ an. Diese „Hausmannkost“ ist mit europäischen Gaumen manchmal nicht kompatibel (Knochensplitter, Fleischkonsistenz).
    Da fragt man sich schon manchmal ob es auch feiner geht. In Antwerpen scheint das der Fall zu sein.

    Gruß
    Jürgen

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    • #3
      Ich habe zwar keine Vergleichsmöglichkeit, was authentische chinesische bzw. kantonesische Küche angeht, aber im Vergleich zu dem, was wir aus Deutschland kennen, war dies in der Tat deutlich entfernt. Und damit auch absolut sternewürdig. Wäre auch für mich schön, wenn ich dafür nicht so weit fahren müsste...

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      • #4
        Wie war denn das Publikum zusammengesetzt? Hier erkennt man authentische chinesische Restaurants daran das meist mehr als 75 % des Publikums chinesisch sind. Aber das garantiert noch kein authentisches Essen, einige Restaurants haben zwei Karten, eine für Chinesen und eine für Deutsche.
        Ich denke mit dem Michelinstern richtet sich das Angebot des Bij Lam en Yin an eine breitere Zielgruppe.

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        • #5
          Das Publikum war ausschließlich europäisch, soweit ich das sehen konnte und vom Gefühl her (und vielleicht bedingt durch die sehr reduzierte Speisekarte, die Weinauswahl und das Preisniveau) scheint es mir auch so, als wäre das die vorwiegende Zielgruppe.

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