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The Jane **, Antwerpen

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  • #16
    Ja, will ja nur sagen: auch ohne laute Musik wäre dies Akustik sicher nicht unanstrengend.

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    • #17
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      Es geht zum Gottesdienst, für die orthodoxen Juden am Straßenrand und als unser Taxi ein paar Straßen weiter gekurvt ist, auch für uns. Also na ja, wir gehen in ein Gotteshaus, ein ehemaliges jedenfalls. So passt die die eigentlich überholte Bezeichnung Gourmettempel bestens für die hippe Location des The Jane. Um das Restaurant herum, auf den Wiesen spielen Kinder. Der Stadtteil, auf dem Gelände eines ehemaligen Militärkrankenhauses, scheint sich gerade zu entwickeln.
      Nach einigen Minuten Wartezeit auf der Terrasse, weil die letzten Mittagsgäste erst das Restaurant verlassen haben, dürfen wir den frisch wieder hergerichteten Gastraum betreten. Die Bässe der elektronischen Musik wummern. Dadurch ist von den anderen Gästen nur noch ein Gemurmel zu hören und alles hallige, dass ein Kirchenschiff mit sich bringt, wird weggebügelt- so oder so, laut ist es im The Jane auf jeden Fall und der Fluss der Musik erzeugt auch beim Essen einen gewissen Fluss des Genusses.

      Bereits zu Beginn gibt es einen „Fahrplan“ durch das Menü. Die Gerichte werden als „Flavours“ bezeichnet. Davon gibt es derer zehn, die noch um Käse und ein Signature Dish, nämlich Steinbutt mit Hummer, ergänzt werden kann. Aufgrund unserer Gruppengröße verzichten wir auf Extratouren und schon kann das Menü beginnen:

      we got burnt heißt es zu Beginn und der erste Snack soll an das Feuer im The Jane kurz vor Ostern erinnern, infolge dessen das Restaurant seine ohne anstehende die Urlaubspause etwas verlängern musste. Dieses Gericht wird als einziges mit einer „Zusatzkarte“ auch schriftlich genauer erklärt. Letztendlich ist es geflämmter und marinierter Seebarsch, der mit Zwiebelasche bestäubt wird. Dazu kommt ein frisch-säuerliches Gel auf gegrillten Zwiebeln und Zitronen, ein Dashi aus gerösteten Kombu-Algen und geräucherten Bonito-Flocken, Öl aus verbrannten Zwiebeln sowie Kugeln aus geräucherter Creme fraîche – das klingt alles sehr nach Raucharomen, aber ähnlich wie ich es im Ekstedt erlebt haben, nehmen Säure und Fett dem Rauchgeschmack dir Wirkung und so ergibt sich ein er erfrischender Einstieg.
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      blue fin, rührei, spaghetti con pulpo ist auf kleinem Raum ein eigentlich zweiteiliges Gericht, auch weil es mit Stäbchen zu essen ist. In einer Schüssel wird sehr schönes Thunfischtatar gereicht. Das Rührei ist eher mit Chawanmushi vergleichbar und hier als kleine Portion auf das Tatar gegeben, so dass dieses der bestimmende geschmackliche und texturelle Faktor ist. Das zweite Schüsselchen beinhaltet sehr al dente gekochten Spaghetti. Die Nudeln sind die letzten Minuten in Jasmin-Tee gekocht worden, was man auch schmeckt. Das erhöht den Umami-Effekt. Darauf liegt ein Scheibchen Pulpo und etwas Forellenkaviar. Die Verbindung zwischen den Komponenten erschließt sich mir nicht so richtig. Aber da ich es mit Stäbechn esse, vermischen sie die Aromen nicht allzu sehr und so spielt die Interaktion der Komponenten keine wesentliche Rolle. Einzeln überzeugen vor allem die Spaghetti.

      Zu den Einstimmungen gibt es, neben einem Champagner den wir als Flasche aus der Karte wählen, den I wish I was a Ninja von Testalonga, ein einfach strukturiert Colombard, der Aperitif in Ordnung geht, aber ohne das Etikett sicher keine besondere Beachtung finden würde.

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      Carabinero, quinoa, karotte, vadovan besteht ebenfalls aus zwei Teilen. Ganz hervorragend fein gestaltet ist das Tatar des Carabinero. Frisch und fein ist es gewürzt, aber es steht der Fleischgeschmack im Vordergrund. Dazu gibt es pro Person einen halben gegrillten Carabinero in einer schönen Sauce bzw. den Innereien des Tiers. Dieser ist wunderbar saftig gegrillt und wird am Tisch mit einem Bunsenbrenner nochmal bearbeitet – der Geschmack ist einfach, aber herausragend. Ein Gericht das den Lustfaktor mit der Feinheit des Tatars wunderbar verbindet.

      Der 2017er Feldmarschall von Fenner von Tiefenbrunner aus Südtirol ist ein bemerkenswerter Müller-Thurgau. Südtirol-typisch ist er sehr rund und kompakt, hat aber auch eine gute Tiefe, die beiden Tellern des Gangs gerecht wird.
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      foie gras, rhabarber, haselnuss, nanko-hoshiko ist an sich keine hochaufregende Gänselebervariation. Interessant ist hier das Spiel aus der Säure vom Rhabarber und die feine Bitterkeit durch die Haselnuss, die ein fein austariertes Geschmacksbild zeigen. So richtig komplett wird das Gericht erst mit dem außergewöhnlichen Wein:
      Der Rosé auf dem Burgund hat ein regelrechtes Haselnuss Aroma und eine feine Säure, er wirkt wie die kulinarische Verlängerung der Aromatik des Gerichts. Extrem spannend, eine absolut perfekte Kombination. Erst durch den Wein wird das Gericht interessant.
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      weisser spargel, geräucherter aal, erbsen verbindet einen gut gegrillten und weich gegarten Spargel mit der Frische der Erbsen und der Üppigkeit, sowie den rauchigen Aromen des Räucheraals. Dieser ist in sehr kleine Stücke geschnitten, so dass dieser Effekt nur punktuell auftritt. Ohne den Aal wirkt die Kombination stimmig, aber eher puristisch.

      Der Les Onglés ist ein Chenin Blanc von der Loire von Stéphane Bernardeau – natürlich ein Vin naturelle, aber das kehrt er weniger nach außen. Die Frische des Weins passt gut zur Sauce und auch zu den übrigen Komponenten.
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      perle blanche von bourcefrance-le-chapuss, plankton, kaffir kombiniert eine ziemlich fleischige Auster mit frischen Aromen und einer feinen Säure. Es ist vor allem die Auster, die mir in Erinnerung geblieben ist, die Aromen waren eher dezent.

      Dazu der Manzanilla Velo Flor, der uns als „only for the oyster“ präsentiert wird und in der Tat sehr gut passt.
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      flachs wittling, graue nordseegarnele, château chalon – auch wenn es wie eine Jakobsmuschel aussieht, ist es ein sehr, sehr gut gegartes Stück vom Wittling. Die Aromen sind fein, vor allem durch die Vin jaune-Sauce, die klar erkennbar und schön süffig ist. Die übrigen begleitenden Aromen bleiben auch hier etwas zurückhaltender.

      Dazu gibt es einen 2015er Les Cailloux du Paradis Racines.
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      lamm aus lozère, zucchini, nordafrikanische aromen besteht aus wunderbarem Lammfleisch. Dieses schmeckt gut nach Lamm. Die Aromen mischen frische, vegetabile Anteile und orientalische Anklänge gut miteinander.

      Zum Hauptgang gibt es einen 2015er Les Hauts de Carol’s La Terrasse d‘Elise
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      Burrata, mara de bois, celina di naidó, mélange d’hiver wirkt wie eine süße Caprese-Abwandlung. Die milchigen Bestandteile mit kräutrigen Aromen und der dezent fruchtigen Erdbeere wirken entsprechend zusammen.

      Der 2017er Felseneck Kabinett von Schäfer-Fröhlich ist sehr gut, mir eine Spur zu säurebetont für das Gericht (bzw. zu jung)
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      Malz, guanaja, pastinake ist das etwas interessantere Dessert. Es schmeckt süßlich, getreidig und röstig.
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      Das The Jane lebt ein Stück weit von seiner quirligen Atmosphäre. Der Raum der Kirche, der Blick in die verglaste Küche und der Service führen dazu, dass ich viel hin und her schaue – und bei unserem Menü spielt die interessante Weinbegleitung auch eine wichtige Rolle. Sie setzt doch dem ein oder andere Gericht ein Krönchen auf, dass die Gerichte spannender macht. All das ergibt einen gewissen Sog, dass mich gar nicht so intensiv über die Qualität der Gerichte nachdenken lässt, wie in einer gesetzteren Umgebung. Dabei sind einige Gerichte richtig interessant und die übrigen sind makellos und entsprechen der Zwei-Sterne-Bewertung des Restaurants. Ein sehr gutes Menü ist die Grundlage, warum das The Jane offensichtlich so anziehend ist, aber das Essen allein würde ich nicht als so „outstanding“ bezeichnen, dass es den Zuspruch allein erklären würde. Es ist vielmehr das funktionierende Mosaik aus einer stimmigen, interessanten Küche, einer lebendigen Atmosphäre, einer einmaligen Location und einem professionellen, angenehmen und gut eingespielten Service, der den Besuch des The Jane zu einem Erlebnis macht.



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