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inVINcible, Antwerpen

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  • inVINcible, Antwerpen

    Man sagt ja oft, dass der schönste Platz immer in der Küche ist. Nicht ohne Grund sind Tresenrestaurants derzeit der große Renner. Ob es Kevin Fehlings „The Table“ in Hamburg, der „Chef's Table at Brooklyn Fare“ von César Ramirez in New York oder seit neuestem das „212“ von Richard van Oostenbrugge in Amsterdam ist – an der Theke scheint der Erfolg zu liegen.

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    Außenansicht

    Im „inVINcible“ ist es genauso und doch ganz anders. Dieses sympathische kleine Restaurant in der Altstadt von Antwerpen ist zweigeteilt und man muss sich bei der Reservierung bereits entscheiden, in welchem Bereich man sitzen möchte. Am Eingang rechter Hand gibt es klassische Tische, linker Hand in der Küche einen Tresen. Eng ist es überall. Wir sitzen am Tresen und können Kenny Burssens, der das Restaurant mit seiner Frau Wendy betreibt, buchstäblich auf die Finger schauen. Ein weiterer Koch steht ihm noch zur Seite. Für mehr Personal ist auch kein Platz, denn der Service muss hier auch noch ab und zu Getränke nachschenken.

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    Küchentresen

    Das „inVINcible“ betont nicht nur im Namen, dass es hier auch und vor allem um Wein geht. Eine Weinkarte wird man aber vergeblich erfragen, sie ist ein Regal mit Flaschen, auf denen die Preise angebracht sind. Nicht immer günstig, aber in jedem Fall originell zusammen gestellt und, wie es oft in Belgien oder den Niederlanden üblich ist, mit einem breit gefächerten Spektrum aus aller Herren Länder. Es scheint auch eine Reihe von Natural Wines zu geben, wir entscheiden uns aber ganz klassisch für einen Chardonnay von Jean Marc Boillot, zwar der einfachste aus dem bekannten Haus, aber bereits mit genug Kraft, dass er uns gut durch den Abend bringen wird. Der Service bringt von sich aus auch größere Gläser – vorbildlich.

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    Weinkarte“
    Domaine J.M.Boillot / Bourgogne

    Das mit einem Bib Gourmand ausgezeichnete Restaurant bietet nur ein Menü zu schlanken 37 Euro für drei Gänge, bei dem man aus jeweils 4 Vorspeisen und Hauptgängen sowie 5 Desserts wählen kann. Einige Gerichte sind mit einem Aufschlag versehen, wobei bei den Hauptgängen zwei Alternativen, ein Fisch im Salzmantel und ein gegrilltes Côte de Boeuf für zwei Personen geplant sind und einen deutlichen Mehrpreis ausweisen.

    Für Wasser wird eine Pauschale von 4 Euro pro Person berechnet.

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    Menükarte

    Wir starten zum einen mit Muscheln in Zitronen-Avocado-Butter. Das ist einfach, aber gut gemacht. Der Sud, in dem die Muscheln garen, ist würzig aromatisiert und wird anschließend mit der Butter intensiv abgeschmeckt und gebunden.

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    Herzmuscheln & Avocado-Zitronen-Butter

    Ich entscheide mich für die Rehpastete, die einen Hauch Lakritz abbekommen hat. Dazu gibt es ein Chutney aus Birnen und „Boerenjongens“, einem in den Niederlanden bekannten Getränk, das im wesentlichen wohl aus in Weinbrand eingelegten Rosinen besteht. Die Pastete ist herzhaft und köstlich.

    Etwas später setzt sich zu meiner Linken ein offensichtlicher Stammgast, wie sich herausstellt ein Gastronom aus Antwerpen, der die Pastete ebenfalls bestellt und dem Koch überschwängliche Komplimente dafür macht. Darauf angesprochen, erzählt er, dass er die Pastete schon sehr oft dort gegessen habe, jedoch noch nie so gut. Ich fühle mich in meinem eigenen Urteil bestätigt.

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    Rehpastete, "Boerenjongens" & Birnen

    Im Hauptgang bestellt mein Mann Rotbarsch auf Wirsingpüree in einer Sauce auf Garnelenbasis. Ich probiere nur eine Gabel und kann nichts negatives feststellen. Die Sauce ist nicht so prägnant, wie erwartet, aber insgesamt ist das ein stimmiges Gericht.

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    Rotbarsch, Wirsingpüree & Garnelen-Tee

    Mich erwartet ein Cassoulet aus verschiedenen Bohnensorten, das für sich genommen schon sehr schmackhaft aussieht. Laut Karte soll dieses von Rehwurst begleitet sein, aber direkt vor mir dreht sich am eindrucksvollen Moltenigrill von Zeit zu Zeit ein in Speck eingewickelter Rollbraten, der auch am ein oder anderen Platz serviert wird und auf den ich schon den ganzen Abend ein Auge geworfen habe. Aber er steht halt nicht auf der Karte und so kann ich noch nicht ganz nachvollziehen, nach welchen Kriterien er den Gast erreicht. Vor mir richtet Kenny Burssens mehrere Teller mit Cassoulet an und ich erkenne schnell, dass hierunter auch meiner sein soll – allerdings mit Wurst. Bis, ja bis er feststellt, dass er sich verzählt hat und es ein Teller zu wenig ist. Da mein Mann seinen bereits seit ein paar Minuten hat, bittet er noch um ein paar Minuten. Ich ergreife die Gelegenheit und frage ihn nach dem Rollbraten. Ja, der sei fertig, aber den gäbe es nur auf Vorbestellung. Ich frage, ob ich ihn trotzdem haben könne und schwupps ist auch mein Teller fertig. Der Mehrpreis geht wegen des Faux Pas aufs Haus und so freue ich mich über einen sehr saftigen und perfekt gegrillten Braten. Ich erfahre nur, dass es Wild ist und tippe zunächst auf Wildschwein. Da hier im Haus aber grundsätzlich Tiere im Ganzen verarbeitet werden, würde mich auch nicht wundern, wenn es ein Stück vom Reh war.

    Zusammen mit den Senfkörnern, Bohnen, Kürbisstücken und Trompettinudeln ist das wunderbar herbstlich, füllig und gleichzeitig fein.

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    Moltenigrill
    Cassoulet, Wildrollbraten, Kürbis & Trompettes

    Die Desserts fallen insgesamt etwas einfacher aus, sind aber auch sorgfältig zubereitet. Ein Moelleux von der Schokolade, also ein kleines Küchlein mit weichem Kern, dazu etwas Vanilleeis und ein Karamell, der mit salziger Erdnuss aufgepeppt ist.

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    Moelleux von Schokolade, Karamell von salziger Erdnuss, Vanilleeis

    Mein geeister Kaffee, der mit 5 Euro Zuschlag zu Buche schlägt, ist in Ordnung, aber tatsächlich auch nicht mehr als geeister Kaffee. In der Konsistenz schön cremig, aber eben doch auf Dauer auch etwas eindimensional und von der Menge sehr großzügig bemessen. Das mag den Mehrpreis erklären. Umhauen tut es mich indes nicht besonders.

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    Café glacé
    Petits Fours


    Ein guter Kaffee, ein paar Marshmellows und ein Digestif beschließen einen sehr unterhaltsamen Abend. Bei anderen Küchentischen oder Tresenrestaurants sitzt man doch häufig mit etwas gebührendem Abstand zum eigentlichen Geschehen am Herd. Nicht so hier. Hier kann man wirklich jeden Handgriff beobachten und gut sehen, wie wichtig ein Mis en place ist und wie eingespielt und ohne viele Worte so eine Küche im besten Fall funktioniert. Vor unserer Nase baumeln die Bons und auch zu einer Zeit, als diese Überhand zu nehmen scheinen, bleiben Kenny Burssens und sein Team völlig unaufgeregt. Von jeher fand ich die logistischen Abläufe in einer Küche fast am spannendsten und auch, wenn es hier nur um wenige Gänge und wenige Gerichte geht, ist auch das bereits sehr faszinierend.

    Ob man mit seinen Nachbarn ins Gespräch kommen möchte oder nicht, bleibt hier jedem selbst überlassen. Die räumlichen Gegebenheiten und der Körperkontakt wären allemal dazu da. Aber so oder so kann man hier einen vergnüglichen und geschmackvollen Abend verbringen. Und wer sich nichts zu sagen hat, hat ja immer noch das Schauspiel in der Küche.


    Bericht auch unter http://tischnotizen.de/invincible-antwerpen/

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