Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Pure C, Cadzand-Bad *

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Pure C, Cadzand-Bad *

    Cadzand ist die südlichste Gemeinde der Niederlande und ein typischer Ferienort mit langem Sandstrand, wenigen Geschäften, umso mehr Restaurants und ebenso vielen Hotels und Ferienwohnungen. Der Architektur wegen kommt man nicht hierher. Sie vereint die üblichen Bausünden der Siebziger und Achtziger Jahre. Auch das zentral gelegene Strandhotel macht da keine Ausnahme. Schön geht anders. Und doch ist es Ziel für viele internationale Gourmets. Der Grund hat einen Namen: Sergio Herman.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_1_Außenansicht.JPG Ansichten: 1 Größe: 76,6 KB ID: 60626
    Außenansicht

    Schon zu Zeiten, als er noch das legendäre „Oud Sluis“ im benachbarten Sluis bespielte, hatte er hier 2010 ein Zweitrestaurant eröffnet und es in die Hände von Syrco Bakker gegeben, der viele Jahre an seiner Seite kochte und zudem über Stationen bei Jean-Georges Klein, Jonnie Boer und Gordon Ramsey verfügt. Offenbar hatte Herman aber bereits zu dem Zeitpunkt viel langfristigere Pläne, an der Weiterentwicklung von Cadzand mitzugestalten. Von einem Um- und Neubau des Strandhotels mit Hermans Haus- und Hofarchitekten Piet Boon war bereits vor vielen Jahren die Rede. In diesem Sommer nun ist der Neubau tatsächlich fertig. In der Zwischenzeit hat die Gemeinde eine Marina angelegt, die von einem ins Meer hineinragenden Restaurant flankiert ist, das ebenfalls von Sergio Herman konzipiert wurde und dessen Küche von einem seiner früheren Köche geleitet wird. Auch das „AIRrepublic“ hat mittlerweile, wie das „Pure C“ seinerzeit bereits im ersten Jahr einen Michelin-Stern erkocht.

    Wir sind an diesem Ostersonntag Mittag zum dritten Mal im „Pure C“, wobei der letzte Besuch nun auch schon wieder drei Jahre her ist. Das Ambiente im Wintergarten-ähnlichen Anbau ist in der Zwischenzeit noch ein wenig luftiger gestaltet worden. Geblieben ist die Aussicht auf die Dünen und das Meer. Musik, Atmosphäre, Einrichtung – alles wirkt modern, hip, loungig und steht in krassem Gegensatz zu dem biederen äußeren Anblick. Wir fühlen uns sofort wieder wie zuhause und rundum wohl. Woran auch der wie immer super freundliche Service unter der Leitung von Maarten Buysse seinen Anteil hat, der uns, als er an unseren Tisch kommt, nach minimalem Überlegen, wieder erkennt und sich sichtlich freut. Reife Leistung dafür, dass unser letzter Besuch so lange her ist und das Restaurant mittags wie abends mit rund 70 Plätzen durchgehend ausgebucht ist.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_2_Interieur.JPG Ansichten: 1 Größe: 70,2 KB ID: 60623
    Innenansicht

    Im „Pure C“ wird ein 7 Gang-Menü angeboten (109€), das außer am Samstag Abend auf 5 Gänge reduziert werden kann. Einige wenige Upgrade-Optionen und à la Carte Gerichte sind möglich, aber auch mit dem regulären Menü bekommt man einen guten Einblick in Syrco Bakkers Aromenwelt. Die Weinbegleitung für das große Menü wird mit moderaten 72€ berechnet. Ich opfere mich als Chauffeur für die Heimfahrt nach Deutschland und halte mich an vorzügliche alkoholfreie Cocktails, die hier mit ebenso viel Aufwand und originell kreiert werden wie die alkoholhaltigen.

    Als ersten Gruß öffnet Maarten Buysse eine Konservendose, die marinierten Steinköhler mit Algen enthält und daneben einen Steam Bun mit Spirulina und Kimchi. Alleine diese Kleinigkeiten markieren in ihrer Essenz das, worum es im „Pure C“ geht. Fisch, Seafood, alles was das Meer zwischen Ooster- und Westerschelde so hergibt sowie Pflanzen, Kräuter und Gemüse, die ebenfalls quasi vor der Haustüre, manchmal sogar in den Dünen wachsen, die man von seinem Platz aus sehen kann. Es geht um Geschmack – und um Spaß!

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_3_Steinköhler, Kimchi.JPG Ansichten: 1 Größe: 80,1 KB ID: 60624
    Steinköhler, Alge & Steam Bun, Spirulina, Kimchi

    Ein weiterer Snack aus Rote Bete, Walnuss und Kaffee ist sehr zurückhaltend, aber auch sehr harmonisch.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_4_Rote Bete_Walnuss.JPG Ansichten: 1 Größe: 88,6 KB ID: 60628
    Rote Bete, Walnuss, Kaffee

    Dass man auch für ein Brötchen eine Show inszenieren kann, wird beim abschließenden Gruß, der mittlerweile zum Klassiker geworden ist, deutlich. Das noch warme „Pure C“-Brot wird am Tisch von einem Koch in Scheiben geschnitten, die mit einer üppigen Creme aus schwarzen Oliven und einer Art Salsa von grünen Oliven und Anchovis belegt werden. Klar ist dies „nur“ ein Schnittchen, aber was für eins! Das Brot ist von ausgezeichneterer Qualität als man beim bloßen Anblick des schlicht wirkenden Brötchens denken mag. Der Belag ist fettig, salzig, intensiv. Einfach wunderbar!

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_5_Pure C Brot.JPG Ansichten: 1 Größe: 63,5 KB ID: 60630Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_6_Olivencreme_Anchovis.JPG Ansichten: 1 Größe: 87,8 KB ID: 60625
    Pure C Brot
    ...angemacht mit schwarzer Olivencreme & grünen Oliven und Anchovis


    Das sehr gute Brot, Salz- sowie eine Algenbutter werden mit ebensolcher Sorgfalt am Tisch in Szene gesetzt wie alles hier.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_7_Brot_Butter.JPG Ansichten: 1 Größe: 83,9 KB ID: 60627
    Brot, Algen- und Salzbutter

    Der erste Gang präsentiert Kingfish in zwei Versionen. Auf einem Teller eine kalt marinierte Variante mit Apfel, Lardo und etwas undefinierbar gefrorenem. Das ist vor allem etwas scharf und frisch, während der Fisch auf dem zweiten Teller als Tataki, also kurz und scharf angebraten und dann lauwarm serviert wird. Der Ponzu-Sumach-Sud gibt dem so unscheinbar wirkenden Stück Tiefe, so dass mir diese Variante besser gefällt.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_8_Kingfish_Apfel.JPG Ansichten: 1 Größe: 74,4 KB ID: 60629Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_9_Tataki_Ponzu.JPG Ansichten: 1 Größe: 75,0 KB ID: 60631
    Kingfish, Apfel, Hierbas de las Dunas, Ingwer, Avocado
    ...à part Tataki vom Kingfish, Ponzu, Sumach-Sud


    In Punkto Komplexität und Fülligkeit legt die Küche einen Gang zu. Die Streifenbarbe ist mit Haselnuss knusprig ummantelt. Fregolas und Kohlrabi sorgen für weitere texturelle Abwechslung. Basilikum findet sich als Öl im Dressing wieder, das alles zusammenhält.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_10_Streifenbarbe_Fregola.JPG Ansichten: 1 Größe: 78,8 KB ID: 60632
    Streifenbarbe, Fregola, Rübe, Basilikum

    Aus der Abteilung Wohlfühlgericht stammt der folgende Teller, bei dem es, wie so oft bei Sergio Herman-Schülern, um unkompliziertes Löffeln geht. Salat vom Taschenkrebs und Topinambur sind cremig angelegt. Die angekündigte Mandarine ist nicht spürbar. Aber alle Komponenten, inklusive der Cremes und Öle schmiegen sich harmonisch aneinander. Und trotzdem ist genug Abwechslung, dass es nicht eintönig wirkt.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_11_Taschenkrebs_Topinambur.JPG Ansichten: 1 Größe: 74,7 KB ID: 60633
    Taschenkrebs, Mandarine, Topinambur, Kerbel

    Aromatisch komplexer wird es mit Hummer und grünem Spargel, der vielleicht etwas grenzwertig bissfest war. Dafür steuert der Bottarga intensive Würze bei und erneut fängt ein süffiger Sud alles wieder sehr harmonisch ein.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_12_Hummer_Spargel.JPG Ansichten: 1 Größe: 99,6 KB ID: 60634
    Hummer, grüner Spargel, Verbene, Weißkäse

    Als Auftakt zum Fischhauptgang serviert die Küche einen Cracker, der mit einer Seeteufellebercreme gefüllt und mit Parmesan, Tomatenpuder und einem Pulver aus Seekräutern bestreut ist. Was soll ich sagen? Dieser Happen ist sensationell! Alles hieran ist perfekt: die Textur, die Cremigkeit, die Aromen aller Komponenten, die wunderbar ineinander greifen und im Mund ein Feuerwerk veranstalten, wie ich es lange nicht erlebt habe. Es kommt nicht oft vor, dass ich vor Begeisterung auf den Tisch schlage. Hier passiert es.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_13_Seeteufelleber_Tomate.JPG Ansichten: 1 Größe: 77,5 KB ID: 60635
    Seeteufelleber, Tomate, Parmesan, Seekräuter

    Da kann dann der zuvor am Tisch präsentierte Seeteufel nicht mithalten. Das Gericht ist mit Auberginencreme und einem gefüllten Canneloni zwar ohne Zweifel sehr füllig und der Fisch von makelloser Qualität, aber nach der großartigen Einstimmung springt einfach nicht vollends der Funke über. Das ist allerdings Jammern auf ziemlich hohem Niveau.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_14_Seeteufel im Ganzen.JPG Ansichten: 1 Größe: 68,2 KB ID: 60637
    Seeteufel im Ganzen

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_15_Seeteufel_Artischocke.JPG Ansichten: 1 Größe: 76,6 KB ID: 60636
    Seeteufel, Zitronenthymian, Artischocke

    Mittlerweile sind bereits gut drei Stunden vergangen und keine Minute davon kam uns langatmig vor. Alles hier ist in einem sehr relaxten Flow und in dem steuern wir nun auf den Hauptgang zu, dem einzigen Fleischgericht.

    Ein gegrilltes Stück Rücken vom Duroc Schwein mit respektablem Fettanteil und sehr markanter Holznote sowie ein geschmortes Stück vom Kinn mit einer köstlichen Gewürzkruste sind für sich alleine schon sehr gut. Ein geschmeidiges Selleriepüree, getrocknete Kohlblätter und Senfblätter flankieren das Fleisch, eine Morcheljus und ein knuspriger Selleriewürfel in mehreren Schichten zeugen ebenfalls vom hervorragenden Handwerk.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_16_Duroc Schwein_Morchel.JPG Ansichten: 1 Größe: 79,0 KB ID: 60640
    Duroc Schwein, Morchel, Estragon, Knollensellerie

    Das Dessert dekliniert das Thema Ananas auf fantasievolle Weise durch. Separat findet sich ein herb würzig mariniertes Stück auf einem Spieß.

    Der eigentliche Teller ist bildschön arrangiert und präsentiert einen mit Estragon aromatisierten Salat sowie ein Sorbet mit Estragonstaub. In beiden Fällen unterstreicht der Estragon den säuerlichen Charakter auf ganz feine Weise. Reis findet sich in Form von Milchreis und in gepuffter Form, weiße Schokolade sorgt für weitere Cremigkeit. Den angekündigten Mais kann ich nicht ausmachen, aber auch so ist dies ein wunderbar abwechslungsreiches und vielschichtiges Dessert.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_17_Ananas mariniert.JPG Ansichten: 1 Größe: 86,1 KB ID: 60641Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_18_Ananas_Estragon.JPG Ansichten: 2 Größe: 66,3 KB ID: 60642
    Ananas mariniert
    Ananas, Kräuter, Reis, Mais

    Mit den originell inszenierten Petits Fours schlägt die Küche wieder den Bogen zum Beginn des Menüs, denn in den Petitessen sind erneut viele lokale Zutaten aus Meeresnähe verarbeitet und alleine die Präsentation macht noch einmal deutlich, wo wir hier sind.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pure C_19_Petits Fours.JPG Ansichten: 1 Größe: 91,1 KB ID: 60639
    Petits Fours

    Als wir um halb fünf die Rechnung begleichen, ist das Restaurant noch gut halb gefüllt. Von der Zeit kommen wir zwar nicht an unseren Lunch im „The Jane“ in Antwerpen heran, als wir noch eine Stunde später das Haus verlassen. Aber das Gefühl ist sehr ähnlich. Wir sind ungeheuer beschwingt, nahezu euphorisiert. Ich weiß nicht, wie Sergio Herman es schafft, all seinen Restaurants diese besondere Stimmung zu verpassen, die den Gast mit einem Mix aus fabelhaftem Essen, einzigartigem Ambiente, der passenden Musik und einem Service, der Charme im Blut hat, vollends einnimmt.

    Natürlich ist das Essen auch hier das Wichtigste und Syrco Bakker schafft es, ähnlich wie Nick Bril, einen eigenen Stil zu entwickeln, der trotzdem – auch wenn wir nie bei ihm selbst gegessen haben - ganz viel von Sergio Herman zu atmen scheint. Bakkers Küche nutzt die Möglichkeiten der Region komplett aus und bei aller Internationalität, die er seinen Gerichten durch den gelegentlichen, pointierten Einsatz von asiatischen Komponenten gibt, ist sie doch ganz ein Spiegel dieses Streifens der Nordsee.

    Warum die Leistung im „Pure C“ nach wie vor nur mit einem Stern vom Michelin ausgezeichnet wird, ist nicht wirklich verständlich. Die Küche ist für mich so klug und durchdacht, so stimmig, leicht zugänglich und doch mit Tiefgang, dass für mich längst eine Aufwertung fällig ist.

    Syrco Bakker erzählt, dass man mit Eröffnung des Neubaus die Platzzahl im Restaurant etwas reduzieren will, um unter anderem auch mehr direkt am Gast agieren zu können. Ich bin mir sicher, dass das den ohnehin schon hohen Entertainment-Charakter noch einmal deutlich steigern kann. Bräuchte es aber gar nicht, denn auch so spielt das „Pure C“ für mich schon in der ersten Liga der Restaurants, die höchsten Spaßfaktor versprechen.


    Bericht auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/pure-c-cadzand-2/
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von thomashaj; 30.05.2018, 20:53.

  • #2
    Im Kosmos der Restaurants von Sergio Herman nimmt das „Pure C“ im Strandhotel in Cadzand-Bad, direkt an der holländisch-belgischen Grenze gelegen, seit jeher eine besondere Stellung ein.
    Schon zu Zeiten, als er noch das berühmte „Oud Sluis“ im nur etwa 10 km entfernten Heimartort Sluis zu allerhöchsten Weihen mit 3 Michelin-Sternen und 20 Gault Millau-Punkten an die Weltspitze kochte, konzipierte er das Restaurant und ließ es von einem seiner damaligen Schüler, Syrco Bakker, parallel betreiben.

    Der Wintergarten-ähnliche Pavillon als Anbau des schon damals in die Jahre gekommenen Hotelbaus, dafür aber quasi direkt in den Dünen gelegen, übte schon bald eine überregionale Faszination aus, denn hier paarte sich extravagantes Design mit relaxter Atmosphäre und einer Küche, die nahezu fühlbar mit den Produkten der Region arbeitete, ihnen gleichzeitig aber auch einen exotischen Touch gab, indem Bakker die Wurzeln seiner indonesischen Heimat mit einfließen ließ.

    Heute ist der Anbau von außen zwar immer noch nicht schön anzusehen, aber sitzt man innen, ist davon nichts mehr zu spüren und das Restaurant fühlt sich im Rahmen des Hotelbaus nun auch besser integriert. Zudem ist es noch etwas lichter und entschlackter geworden.

    Dies ist mittlerweile unser fünfter Besuch, so dass man mit Fug und Recht sagen kann, dass wir diesen Ort einfach mögen. Seit unserem letzten Besuch vor etwa einem Jahr hat der Michelin endlich den unserer Meinung nach längst überfälligen zweiten Stern ausgepackt. Erfreulicherweise hat sich das nicht in einer massiven Preissteigerung niedergeschlagen. Nach wie vor gibt es ein Menü zu 5 Gängen (110€) und zu 7 Gängen (130€) sowie einige à la Carte Optionen. Am Wochenende indes wird nur das 7 Gang-Menü serviert.
    Auch die Weinbegleitung ist mit knapp 70€ für das große Menü sehr moderat kalkuliert.

    Als erster Happen zum Aperitif wird eine würzige und fettige Scheibe Coppa serviert. Der ist mit Kräutern aus dem vor dem Haus liegenden Garten selbst gebeizt worden.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_3_Coppa.jpg
Ansichten: 172
Größe: 82,7 KB
ID: 64149
    Coppa, Kräuter aus den Dünen

    Im Anschluss widmet sich die Küche als weiteren Gruß einem Dreierlei rund um verschiedene Muscheln. Kräutrig frisch präsentiert sich ein Granité als Hierbas Margarita. Im nächsten Schälchen wird es mit Miso und Mikan, also japanischer Mandarine und Rettich recht mild, während die Interpretation rund um die Herzmuschel mit seinem öligen Sud eine füllige Umami-Note in das Gericht bringt.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_4_Hierbas Margarita_Queller.jpg
Ansichten: 173
Größe: 84,0 KB
ID: 64148Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_5_Vergessene Muscheln_Mikan.jpg
Ansichten: 170
Größe: 40,0 KB
ID: 64145Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_6_Herzmuschel_Kohlrabi.jpg
Ansichten: 170
Größe: 52,5 KB
ID: 64146
    Mandelschale, Queller, Hierbas Margarita
    Vergessene Muscheln, Miso, Mikan
    Herzmuschel, Kohlrabi, Fenchel, Sauerrahm

    Auch beim Brot und der Butter ist die Nähe zum Meer deutlich spürbar. In ein Brötchen sind Algen eingearbeitet, zur Salzbutter gesellen sich ebenfalls Algenbutter und -chips.

    Das eigentliche Menü startet mit einem zu einem Bündel gebundenen Salat, der am Tisch von einem Koch vollendet wird. Je nachdem, was der Garten hergibt, variiert das schon mal, weshalb die Menükarte auch nur die Kalenderwoche als Bezeichnung verwendet. Zu einem Sashimi von der Meeräsche gesellt sich eine fabelhafte, asiatisch anmutende Vinaigrette, die mit Pistazien und gehackten Nüssen zudem einen schönen Crunch erhält. Final wird dann noch selbst hergestellter Bottarga von der Jakobsmuschel über den Salat gegeben. Das ist frisch und vielschichtig gleichermaßen. Einfach wunderbar.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_8_Meeräsche_Salat.jpg
Ansichten: 173
Größe: 93,5 KB
ID: 64153
    Pure C Salat der Woche, Meeräsche

    Etwas weniger präsent gestaltet sich der folgende Gang um Taschenkrebs und Erbsen, die das cremige Krebsfleisch roh begleiten, was auch für die zarten Schalen gilt. Rettich und Wasserminze komplettieren das Ensemble. Das ist nett und stimmig, prägt sich aber nicht besonders ein.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_9_Taschenkrebs_Sanddorn.jpg
Ansichten: 170
Größe: 110,7 KB
ID: 64159
    Taschenkrebs, Erbse, Sanddorn, Wasserminze

    Deutlich spannender wird es dafür mit einem Prachtprodukt der Region. Die Seeland-Auster der Größe 6 gehört zu den größten erhältlichen und tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, jemals eine derart fleischige und riesige Auster gegessen zu haben. Obwohl Austern nicht zu meinen allerliebsten Meerestieren gehören, habe ich an dieser Version viel Spaß. Die begleitende Beurre Blanc erhält durch Lauchöl eine zusätzliche Reichhaltigkeit, die von der Plankton-Mayonnaise noch unterstützt wird. Diverse Kräuter und Buchweizencrunch komplettieren ein wunderbar intensives Meeresaroma. Große Klasse!

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_10_Auster_Lardo.jpg
Ansichten: 172
Größe: 105,7 KB
ID: 64152
    Seeland Auster, Lardo, Plankton, Lauch

    Der Service erklärt uns , dass es Syrco und Sergio ein Anliegen ist, auch unbekannteren und vielleicht weniger beliebten Nordseefischen eine Bühne zu geben und so ist der folgende Fischgang auch für uns eine Premiere. Katzenhai ist vielleicht am ehesten in der Struktur mit Aal zu vergleichen und die Küche nimmt das Thema auch auf mit einer Interpretation von grüner Sauce, die es ja auch zum Aal oft gibt.
    Hier findet sie sich in Form einer tollen Kräutersauce, in der Dill die Hauptrolle spielt. Spargel, Gurke und Kräuterchips vollenden das Spiel in Grün und dem Gatten rutscht dazu nur ein schlichtes „Grandios!“ raus. Recht hat er!

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_11_Katzenhai in grün.jpg
Ansichten: 170
Größe: 94,8 KB
ID: 64150
    Katzenhai in grün

    Etwas klassischer im Geschmacksbild, aber nicht weniger großartig wird es mit der an der Gräte gebratenen Rotzunge. Messermuscheln, Fenchel und Beurre Blanc spielen mit, was per se noch nicht so aufregend klingt. Aber vor allem die Beurre Blanc hat es in sich, denn sie ist mit geräuchertem Aal gekocht, was ihr eine unerwartete Tiefe gibt, bei der sich der Räucherton aber nicht aufdringlich in den Vordergrund spielt. Das ist sehr fein aufeinander abgestimmt und verträgt sich hervorragend zu dem dazu servierten Spätburgunder.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_12_Rotzunge_Fenchel.jpg
Ansichten: 175
Größe: 84,6 KB
ID: 64156
    Rotzunge, Messermuschel, Fenchel, Holunderblüten

    Bereits einige Minuten vorher hat man uns am Tisch ein beeindruckendes Stück Fleisch präsentiert, von dem man allerdings nicht mehr gesehen hat als den Fettmantel, in dem es für einige Wochen reifen konnte. Das Fleisch ist von einer alten Kuh aus der Region, daher auch der örtliche Name „Oedslach“. Das Fleisch ist in Rinderfett gepackt, das wiederum mit Kräutern aus den Dünen gewürzt ist.

    Am Tisch wird das Tier dann in zwei Teilen serviert. Das Hauptstück ist gerade knapp über rare gegart. Auf einer Scheibe Kohlrabi ist im besagten Fett gegartes Confit mit Variationen von Rettich, darunter auch Daikon, der in Dashi gegart wurde. An der Seite noch eine intensive Mousseline, ebenfalls aus dem Rinderfett. Dies alleine ist schon hervorragend, aber auch der kleine Teller à part steht dem nicht nach. Short Rib, oh Wunder, ebenfalls im Rinderfett gegart, hat eine eigenwillige Zitrusnote, die sich später als Bergamotte herausstellt. Zusammen mit Frühlingszwiebeln und Knoblauch sowie einem knusprigen Rösti ergibt dies tatsächlich einen wunderbaren Komplementärteller, so das man zwangsläufig kaum weiß, was einem besser schmeckt. In der Tat kann man häufig beobachten, dass die Hauptgänge in ihrer Kreativität gegenüber den vorherigen Gerichten abfallen. Nicht so hier. Das ist großes Kuh-Kino!

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_14_Oedslach_Bete.jpg
Ansichten: 168
Größe: 80,1 KB
ID: 64151Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_15_Short Rib_Rösti.jpg
Ansichten: 170
Größe: 86,1 KB
ID: 64147
    "Oedslach", Meerrettich, Pfifferling, Zwiebel
    ...à part Short Rib, Rösti

    Auch das Dessert kommt in zwei Teilen, wobei das Hauptstück eine weiße Kugel aus Schokolade ist, die mit Rhabarbereis und -ragout gefüllt ist. Ingwer, wie angekündigt, mache ich nicht wirklich aus. Sehr schön gefällt mir das teilende Knusperplättchen aus Sonnenblumen- und Kürbiskernen. Separat nimmt auch das Biskuit-Sandwich das Rhabarber-Thema auf. Zusammengehalten werden die Keksplatten von Buttermilcheis, die ebenfalls mit fruchtigen Elementen getoppt sind.
    Das Dessert erreicht nicht ganz die Komplexität der vorherigen Gänge, was aber dem unkomplizierten Genuss keinen Abbruch tut.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_16_Rhabarber_Weiße Schokolade.jpg
Ansichten: 171
Größe: 68,2 KB
ID: 64158Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_17_Biscuit_Buttermilcheis.jpg
Ansichten: 171
Größe: 89,6 KB
ID: 64157
    Rhabarber, Ingwer, weiße Schokolade...
    ...Biscuit, Rhabarber, Buttermilcheis

    Zum Kaffee gibt es einige gute Mignardises, darunter ein Chou mit Tonkabohne, ein Biskuit mit Rosenblättern und ein Macaron, der nicht wie üblich mit einer Creme, sondern einem kräutrigen Granité gefüllt ist.

    Damit ist es jedoch noch nicht genug. Es folgen noch ein Törtchen mit Erdbeeren und Fenchelkrokant sowie eine Schokoladenmousse mit Himbeersorbet und einer Sauce aus Roter Bete.
    Auch diese beiden, nahezu ausgewachsenen Desserts, können überzeugen.

    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_20_Erdbeere_Fenchelkrokant.jpg
Ansichten: 171
Größe: 63,5 KB
ID: 64154Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Pure C_21_Schokomousse_Himbeersorbet.jpg
Ansichten: 171
Größe: 56,7 KB
ID: 64155
    Törtchen mit Erdbeere & Fenchelkrokant
    Schokoladenmousse, Himbeersorbet

    Syrco Bakker hat das ausgezeichnete Niveau der früheren Besuche locker bestätigt. Seine Küche ist von großer Raffinesse und Originalität. Und vielleicht mehr als anderswo gehen hier Lage des Restaurants, Küchenstil und Zutaten eine harmonische Einheit ein. Das „Pure C“ feiert die Zutaten des Meeres und der Küstenregion. Fleisch spielt daher nur eine untergeordnete Rolle, aber wenn wie im heutigen Fall, auf großartige Weise.

    Der Service ist wie immer von natürlicher Herzlichkeit, die Weinbegleitung spannend und verglichen mit den übrigen Preisen der Weinkarte ein veritables Schnäppchen.
    In jedem Fall bleibt das „Pure C“ von den drei Sergio Herman-Restaurants in Cadzand der uneingeschränkte Star.


    Bericht und sämtliche Bilder wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/pure-c-cadzand-bad/

    Kommentar


    • #3
      Siehst Du größere Unterschiede im Stil zwischen dem The Jane und dem Pure C? Optisch und in der Grundstruktur scheint mir die Verwandtschaft gut erkennbar zu sein...

      Kommentar


      • #4
        Nein, mir geht es auch so. Stilistisch sind da schon eine Menge Ähnlichkeiten.

        Kommentar

        Lädt...
        X