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Bar Bulot, Antwerpen

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    War Antwerpen ohnehin schon immer ein mehr als lohnendes Ziel für Foodies, hat die Attraktivität in letzter Zeit noch einmal dramatisch zugenommen.
    Gab es mit „The Jane“ und dem mittlerweile auf drei Michelinsterne aufgewerteten „Zilte“ ohnehin schon zwei herausragende Restaurants, ist mit der Rückkehr von Sergio Herman an den Herd im „Le Pristine“ in zentraler Innenstadtlage ein weiterer Hotspot für Gourmets dazugekommen.
    Dass aber mit Gert De Mangeleer und Jacob Jan Boerma gleich zwei weitere Dreisterne-Köche neue Restaurants in die Stadt bringen, dürfte Antwerpen endgültig als das kulinarische Zentrum Belgiens zementieren. Da sich das alles auch noch in der gleichen Straße abspielt, in der auch das „Le Pristine“ beheimatet ist, wird sich die Lange Gasthuisstraat vermutlich bald mit dem Titel der höchsten Sternedichte auf weniger als einem Kilometer auszeichnen dürfen.

    Verantwortlich für diese Anhäufung ist die bevorstehende Neueröffnung des „Botanic Sanctuary“ Hotels in einer alten Klosteranlage. Es wird das erste Fünfsterne-Superior Haus der Stadt werden und bereits jetzt wird es, Marketing muss ja sein, als spektakulärste Hoteleröffnung des Jahrzehnts angekündigt. Dem angestrebten Luxussegment angemessen, greift man auch mit der Gastronomie gleich in die oberste Liga. Jacob Jan Boerma, dessen niederländisches Restaurant „De Leest“ bis zur Schließung drei Sterne vorweisen konnte, hat mit dem „Fine Fleur“ wieder ein Fine Dining-Konzept am Start. Noch unruhiger dürften Fans geworden sein, als sie von der Wiederbelebung des „Hertog Jan“ von Gert De Mangeleer und Joachim Boudens hörten. Bis Ende 2018, als man sich entschloss, es zugunsten anderer Projekte zu schließen, gehörte das Restaurant zu den Top-Destinationen für Foodies weltweit. Seitdem widmeten sich beide dem in Brügge sehr erfolgreichen Brasseriekonzept „Bar Bulot“, das ebenfalls im „Botanic Sanctuary“ einen zweiten Ableger mit Küchenchef Koen Gussenhoven gefunden hat.

    Alle Restaurants sind bereits, anders als das Hotel, in Betrieb, das „Hertog Jan“ allerdings nur an zwei Wochen im Monat. Die Reservierungslisten dürften also, trotz atemberaubender Preise, überquellen.

    Uns zieht es heute jedoch in die „Bar Bulot“. Mit über 80 Plätzen, darunter auch einigen am Küchentresen, ist es nicht gerade klein angelegt, aber geschmackvoll und gemütlich eingerichtet. An diesem Samstagabend bleiben nur wenige Tische frei. Die aktuellen Regeln sehen vor, dass die Gastronomie um 23 Uhr schließen muss. Das mag einige Gäste noch abhalten.


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    Außenansicht / Interieur / Kitchen Counter

    Der Empfang ist von der Begrüßung an unglaublich herzlich und aufmerksam. Etwas, das sich den weiteren Abend fortsetzen wird und zusätzlich zum Wohlfühlcharakter beiträgt.

    Die Karte listet zahlreiche Klassiker der französisch-belgischen Bistroküche auf. Dass dabei auch Kroketten und anderes Frittiertes nicht fehlen dürfen, versteht sich in Belgien fast von selbst.
    Zum Apéritif bieten sich zum Teilen aufgeschnittener Ibérico-Schinken, diverse Fischkonserven von „La Brúluja“ oder eben Tintenfischringe und Iberico-Kroketten an. Für die beiden letzteren entscheiden wir uns.

    Wie kaum anders zu erwarten, sind die Tintenfischringe perfekt knusprig ausgebacken, die Aioli dazu eher mild, aber mit Pimenton und Schnittlauch versehen, was das aromatische Spektrum noch mal etwas erweitert.

    Die Kroketten sind ebenfalls knusprig, aber mit einer recht weichen Füllung, so dass sie sich kaum unfallfrei mit der Hand essen oder auf einen anderen Teller befördern lassen. Wie so oft, ist die Füllung bei derlei Kroketten etwas undefinierbar, aber den Schinken kann man schon gut herausschmecken. Und ansonsten sind beide Snacks einfach nette, gut gemachte Apéritif-Happen. Und mehr wollen und sollen sie auch gar nicht sein.


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    Ibérico Kroketten
    Tintenfischringe mit Aioli und Pimenton

    Mein Mann ist ein großer Austernfan, ein deutlich größerer als ich es bin. Aber bevor wir richtig mit den Vorspeisen einsteigen, muss es also noch eine Platte mit 6 irischen Mór Austern sein. Ich darf zwei probieren und muss gestehen, dass sie für mich zu den besten gehören, die ich bisher probieren konnte. Durch ein ausgewogenes Verhältnis von Frisch- und Atlantikwasser sind sie relativ mild, etwas cremig und mit sehr hohem Fleischanteil. Ganz pur, nur mit etwas Pfeffer und ein paar Tropfen Zitronensaft, begeistern sie auch mich.


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    Irische Mór Austern

    Bei den eigentlichen Vorspeisen entscheiden wir uns zum einen für den Presskopf, der hier als recht feste Terrine kommt. Eine Senf-Vinaigrette, gepuffte Schweinehaut und üppig Zitronenkresse bedecken die Scheibe. Etwas Pimenton liefert präzise, unaufdringliche Schärfeakzente. Durch die kompakte Anrichteweise hat man immer einen vollen Geschmacksakkord im Mund, der Crunch, Säure, Fett und kräutrige, frische Noten sehr harmonisch verbindet. Das ist Brasseriefood deluxe.


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    Schweinskopf „Seigneur de Vidaigne“ mit Senf-Vinaigrette

    Ich bin nicht weniger angetan von meiner Vorspeise. Auf einem Bett von zerdrückter Kartoffel mit Buttermilch finden sich ein perfekt pochiertes Ei, handgepulte Nordseekrabben und warme Sauerteigbrösel. Braune Butter dürfte hier nicht nur bei den Bröseln im Spiel gewesen sein, denn der Geschmack zieht sich quasi durch jeden Löffel, egal, ob man nur von oben oder einmal querdurch geht. Das ist alles natürlich ungemein süffig, von nahezu dekadenter Schlotzigkeit und einfach saulecker.


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    Kartoffel, Buttermilch, pochiertes Ei, Krabben und braune Butter

    Ohne Schnickschnack präsentiert sich das erste Hauptgericht. Ein Stück Onglet ist in Scheiben geschnitten und dick mit Schalotten-Rotweinsauce bedeckt. An den freien Stellen kann man gut erkennen, dass das Fleisch auf den Punkt zubereitet wurde und das bestätigt sich auch beim ersten Bissen. Die Sauce dazu dicht und kräftig.
    Klassischerweise bestellt man sich zu den Hauptgerichten Beilagen aus einer Auswahl von Salaten, Gemüsen oder Frittiertem. Hier soll es Tomatensalat sein, etwas überflüssig als Carpaccio angekündigt, aber nun gut. Aufgeschnitten sind die Tomaten ja, wenngleich auch nicht mehr von überragend intensivem Geschmack, was zu dieser Jahreszeit wenig verwunderlich ist. Dafür ist die Vinaigrette aus Schnittlauch und Zwiebeln erneut sehr aromatisch und gleicht das aus.


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    Onglet mit Schalottensauce / Tomatensalat

    Ich liebe Tatar, vor allem wenn es handgeschnitten ist. Und auch die Version in der „Bar Bulot“ vom flämischen Roten Rind enttäuscht nicht. Das Tatar ist bereits fertig angemacht, gut abgeschmeckt und bekommt vor allem mit Kapern eine fein-säuerliche Note.
    Dazu müssen es für mich Fritten sein, erst recht, wenn man schon in Belgien ist. Wenn es etwas auszusetzen gäbe, dann vielleicht lediglich, dass ich mir die Kartoffelstäbchen einen Hauch krosser gewünscht hätte. Farblich und optisch passt das zwar schon, aber viele sind doch tendenziell etwas zu weich. Aber das betrachte ich nur als Petitesse. Die Mayonnaise dazu ist erneut ausgezeichnet.


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    Handgeschnittenes Tatar vom Flämischen Roten Rind / Belgische Fritten

    Eine Käseauswahl könnte man sich jetzt noch gönnen, aber da wir bereits gut gesättigt sind, schlagen wir das aus, bedienen uns aber bei den Desserts, die allesamt typische Klassiker listet, Crème Brûlée und Tiramisú inklusive. Für uns sollen es der geeiste Café und ein Baba au Rhum sein.
    Der Café glacé zeigt einen schönen ausgeprägten Kaffeegeschmack und eine ausgezeichnete cremige Konsistenz. In Summe sehr erfrischend.
    Der Baba wird mit acht Jahre altem Rum getränkt und dann mit einer fluffigen Creme aus Vanille und Orangenblüten nappiert. Der Teig ist auch ohne die zusätzliche Rumdosis bereits sehr saftig, die Creme ebenfalls köstlich.
    Beides sind sehr traditionelle Nachspeisen, die nicht komplex oder verspielt sein wollen. Aber gerade dann, wenn es darum geht, vermeintlich Einfaches perfekt zu präsentieren, kommt es auf makelloses Handwerk an. Und genau das kann man hier erleben.


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    Café glacé

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    Baba au Rhum

    Mit Madeleines zum Kaffee geht ein Essen zu Ende, das uns von Anfang bis Ende Spaß gemacht hat. Bistro- und Brasserieklassiker werden in der „Bar Bulot“ so präsentiert, wie sie sein sollten. Hier gibt es keine modernistischen Neuinterpretationen, sondern Traditionsgerichte in ausgezeichneter Ausführung. Dass es neben den bereits erwähnten Gängen auch Innereien wie knusprig gebackenes Kalbshirn oder Kalbsnieren gibt, dazu auch üppige Gerichte für zwei Personen, passt ins Programm.


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    Madeleines

    Die Weinkarte ist gut sortiert, wenngleich dem ohnehin schon gehobenen Preisniveau angemessen, auch entsprechend kalkuliert.
    Ein besonderes Lob verdient noch einmal der Service unter Leitung von Elske Mostert, der alles gut im Blick hat, hilfsbereit zur Seite steht und von alleine kommt, wenn die Pause zwischen Hauptgang und Dessert geringfügig länger ausfällt und sich dafür entschuldigt. Wäre nicht unbedingt nötig gewesen, bleibt aber positiv in Erinnerung.

    Auch wenn die „Bar Bulot“ von den erwähnten Neueröffnungen im Hotelkomplex das vermeintlich einfachste sein mag, setzt es den Standard bereits sehr hoch. Es bleibt spannend zu sehen, was die übrigen Restaurants hier einlösen. Antwerpen wird also auch in Zukunft ein festes Ziel auf unserer jährlichen kulinarischen Landkarte bleiben.



    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/bar-bulot-antwerpen/
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