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Le Pristine *, Antwerpen

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  • Le Pristine *, Antwerpen

    Sergio Herman ist in Belgien und den Niederlanden unbestrittener Gastro-Mastermind und Superstar. Seit er 2013 sein mit 3 Michelin-Sternen und der Idealnote von 20 Gault Millau-Punkten – die vom Guide in der gesamten Geschichte bisher nur zweimal vergeben wurde – ausgezeichnetes „Oud Sluis“ geschlossen hatte, widmet er sich vor allem der Konzeption und Umsetzung spannender Restaurantprojekte. Ob das „The Jane“ in Antwerpen, das mittlerweile von Nick Bril alleine geführt wird oder die Gastronomie im Strandhotel in Cadzand mit dem zweifach Michelin-besternten „Pure C“, dem „AIRrepublic“ und dem „Blueness“ (von dem es seit einigen Tagen ebenfalls einen Ableger in Antwerpen gibt), alles ist von Erfolg gekrönt. Dass er auch bei einem Fastfood-Thema wie den in Belgien heiligen Pommes Frites noch einen neuen Standard mit seinen „Frites Ateliers“ setzen kann, verwundert da schon nicht mehr.

    Mit der Ankündigung, im Sommer 2020 in Antwerpen das „Le Pristine“ zu eröffnen, das als reines À la Carte-Restaurant eine Mischung aus italienischer Küche mit den Produkten Zeelands versprach, wurde die Aufregung noch etwas größer, weil es hieß, dass Herman selbst auch wieder am Herd stehen würde. Vielleicht tut er das auch ab und zu, das können wir nicht beurteilen, aber alleine das kosmopolitische Flair in dem langgezogenen Raum, der im hinteren Teil das Restaurant mit offener Küche und im vorderen einen Café- und Barbereich ohne Reservierungsmöglichkeit beherbergt, sorgt für eine anhaltend ausgebuchte Reservierungslage.


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    Interieur

    Wir sind eigentlich für einige Tage in Brüssel. Aber angesichts der sich plötzlich ergebenden Möglichkeit, hier einen Tisch zu erwischen, entscheiden wir uns für einen Abstecher zum Mittagessen nach Antwerpen.
    Das Wetter ist herrlich, das Restaurant hoch und licht, wie in allen Herman-Restaurants spielt Musik auch hier eine markante Rolle. So lässt es sich aushalten.
    Und so wählen wir beschwingt aus der Aperitif-Karte einige der dazu angebotenen Gerichte.

    Die bereits vorgeschnittenen Irish Mór-Austern (17,50 Euro / 2 Stück) sind begleitet von einem Limoncello-Granité und im Gegensatz zur Ankündigung nur minimal scharfen Birne, die cremig angemacht ist. Hier dominiert eindeutig eine klare Zitrusfrische, die sehr gut zu den sehr fleischigen Exemplaren passt.


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    Irish Mór Auster, spicy Birne, Limoncello granité

    Auch der mit Parmesancreme angemachte Salat vom Taschenkrebs auf marinierten Kohlrabischeiben (16 Euro) ist unkompliziert, aber mit sehr typischem und süffigen Geschmack.


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    Nordsee Taschenkrebs, Parmesancrème, Salzkräuter

    Den Abschluss unserer Snacks bildet eine Pizzette, also quasi eine Kleinpizza, opulent bestückt mit Hummerstücken, Radicchio, Estragon und kleinen Kapern-ähnlichen Beeren (29 Euro). Ist dieser Belag nicht schon opulent genug, sorgt eine nicht zu verbergende Fettigkeit für zusätzlich luxuriösen Fingerfood-Spaß.


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    Pizzette mit Hummer, Radicchio, Estragon, Bärlauchkapern

    Auch wenn es nicht so wirkt, beschleicht uns bereits jetzt das Gefühl, dass wir uns mit unserer Bestellung mengenmäßig vielleicht übernommen haben könnten. Das gute Focaccia und kleine Baguette, serviert mit ausgezeichneter Butter und Olivenöl, probieren wir natürlich, halten uns damit aber dennoch etwas zurück.


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    Foccacia & Ficelle

    Die eigentliche Speisekarte ist mit vier Vorspeisen, zwei Pastagerichten und vier Hauptgerichten sehr übersichtlich gestaltet. Für meinen Mann geht es los mit einem fein gewürfelten Crudo von Jakobsmuscheln (42 Euro) im Kürbismantel. Crème fraîche mit hauchdünn gehobeltem Trüffel fügt eine füllig-erdige, die angegossene Sauce auf Basis von Buttermilch und Alge eine säuerliche Komponente bei. Dieses Spiel aus Süße und Säure ist ausgesprochen ausgewogen und sehr fein austariert. Ausgezeichnet.


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    Crudo von Jakobsmuschel, schwarzer Trüffel, Haselnuss

    Ich starte ebenfalls mit einem Crudo, hier mit einem dünn aufgeschnittenen Carpaccio vom Gambero Rosso (45 Euro). Das ist mit Fingerlimes und Amalfi-Zitrone mariniert, getoppt von Tatar aus rohem Gemüse mit sehr nussiger Note. Sour Cream und gut bemessener Kaviar sorgen auch hier für einen luxuriösen Touch. Erneut sehr elegant, frisch und gekonnt abgeschmeckt.


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    Crudo von Gambero Rosso, Sour Cream, Kaffirlimette, Kaviar

    Als der Service uns die Karte erläuterte, empfahl man uns, den Pastagang als Zwischengericht zu teilen. Wie sich herausstellt, war dies eine sehr kluge Empfehlung, denn die Portion Garganelli mit Entenconfit (33 Euro) ist mehr als reichlich bemessen. Pilze, darunter Pfifferlinge und Morcheln, Bärlauch, auch als Öl und vor allem ‘Nduja-Wurst unterstützen den sehr kräftigen, leicht scharfen Charakter. Trotzdem ist das nicht überwürzt, sondern einfach super lecker.


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    Garganelli, Entenconfit, Nduja, Pilze, Bärlauch

    Von den vier Hauptgängen ist die Hälfte für zwei Personen gedacht. Und so fällt dann unsere Wahl erneut auf ein Pastagericht, das aber gleichzeitig auch einer der Signature Dishes ist, die „Orecchiette Zeelandaise“ (43 Euro p.P.), ein überbordendes Potpourri aus Meeresfrüchten. Hummer, Kaisergranat, Venus- und Pfahlmuscheln, Tintenfisch, handgepulte Nordseekrabben thronen auf einer tomatisierten Sauce auf Krustentierbasis mit diversen Kräutern. Das verbindet das Mediterrane und die Nordsee gleichermaßen und auf tolle Weise. Wer an solch einem süffig, opulenten Vergnügen keinen Spaß hat, dem ist mutmaßlich nicht zu helfen.


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    Orecchiette Zeelandaise

    Der Sättigungsgrad ist an dieser Stelle längst erreicht und eigentlich geht jetzt nichts mehr. Allerdings lachte mich am Nebentisch ein Nachtisch an, der so verführerisch aussah, dass ein Verzicht nicht wirklich infrage kam. Problematisch war nur, dass es sich um frisch hergestelltes Eis handelt, dass es nur für 2 Personen gibt. Mit zartem, subtilen Druck kann ich meine bessere Hälfte doch noch zum Dessert überreden und dass Willem van den Broeck, der Restaurantleiter, uns eine kleine Portion anbietet, damit wir doch in den Genuss kommen, wenigstens etwas probieren zu können, erleichtert die Entscheidung kolossal.

    Was indes an unseren Tisch kommt, nimmt sich kaum wie die Portion für eine Person aus, denn der Trumm von Pistazien-Eiscreme (18 Euro), unter dem sich Passionsfruchtsorbet befindet, ist immer noch so reichlich, dass wir beide zu kämpfen haben. Am Geschmack liegt das allerdings nicht, denn sowohl Eiscreme als auch Sorbet sind ausgezeichnet. Dazu gibt es eine etwas ölige Vinaigrette auf Basis von Passionsfrucht und Basilikum, die Fülle und einen ganz dezent kräutrigen Ton liefert. Wir kämpfen zwar, aber mit großem Genuss.


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    Passionsfruchtsorbet, Pistazieneis, Fingerlime, Karamellisierte Pistazien, Basilikum

    Man hätte es ahnen können, dass es das dann auch noch nicht war. Denn zum Kaffee, der wie immer in Benelux im exorbitanten Preis auch die süßen Kleinigkeiten berücksichtigt, gibt es noch einen mit Ricotta-Eiscreme gefüllten Cannolo, ein Törtchen mit Amalfi-Zitrone und eine Schoko-Praline. Alles zeugt vom Können der Patisserie und findet dann doch noch irgendwie seinen Platz.


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    Petit Fours

    Nach mehr als drei Stunden verlassen wir diesen sehr relaxten Ort außerordentlich zufrieden und machen uns auf den Weg zurück nach Brüssel. Dass wir an diesem Tag noch eine Mahlzeit brauchen, ist bereits jetzt ausgeschlossen und wird sich auch bewahrheiten.

    Mit „Le Pristine“ hat Sergio Herman ein weiteres Erfolgskonzept kreiert. Es verbindet die fabelhaften Produkte seiner Heimat mit der hemmungslosen und unkomplizierten Genussfreude italienischer Küche. Auch wenn es das ein oder andere fleischige Gericht gibt, spielen Meeresfrüchte dabei die eindeutige Hauptrolle. Das alles wird so lässig in urbanem, designten Rahmen serviert, dass natürlich Parallelen zum „The Jane“ aufkommen, zumindest was die Location angeht. Herman hat einfach ein Händchen für stimmige Gesamtkonzepte, die alle Sinne ansprechen.

    Deshalb gibt es für mich auch nicht viele Zweifel, dass der „Blueness“-Ableger sein Publikum finden wird. In Cadzand präsentiert er japanisch inspirierte Gerichte in pulsierender Bar-Atmosphäre. Wo, wenn nicht in einer so mode-geprägten, internationalen Stadt wie Antwerpen sollte das funktionieren?

    Für heute aber haben wir ein wenig Dolce Vita mit Nordseeflair genossen. War schön.



    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/le-pristine-antwerpen/
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