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Venetien

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    Da das Lokal an einer Art Stadion liegt, heißt es All'Arena und es liegt im überaus charmanten Chioggia, genauergesagt in Sottomarina, dem uncharmanten Küstenableger.
    Ob wir die übliche Speisenfolge durchbrechen dürften und drei Antipasti wählen könnten? Certo; und der Wirt schlägt vor: roh, im Dampf gegart, gebraten.
    Ordentlicher Prosecco, der Wein, zum Crudo etwas heftig, dann aber sehr passend ein Ca' Rugate, Studio (Trebbiano di Soave 60%, Garganega 40%).

    Crudo: feine Tintenfischstreifen, hauchdünne Dorade, Scampi, Austern und noch ein weißfleischiger Fisch, obszön frisch und ( bis auf die Austern ) alles aus den umliegenden Gewässern.

    Chioggia beherbergt den größten Fischereihafen der nördlichen Adria. Jeder Wirt, der guten Willens ist, kann hier in einem riesigen Angebot aasen. Der Arena-Wirt nutzt dies ausgiebig, was ihm auch das verdiente Lob der Slow-Food-Gemeinde einbringt.

    Al Vapore: und nun wird's richtig gut, alles wird lauwarm und in einem optimalen Gargrad geliefert. Sarde in saor, subtil, Heuschreckenkrebse, zart und saftig, ebenso einige große Garnelen, Meerschnecken, zart, gibsdochnich, gibt's doch, Krakenteile, mit allen zugehörigen Saugnäpfchen, teilweise mit Krakeninnereien gefüllt, Seeteufelleber auf gegrilltem Brot und schließlich noch eine kleine Portion Seespinnenfleisch.

    Gebraten: Jakobsmuschel, mit ihren Miniaturvarianten, den Canestrelli.

    Ich hab' den aktuellen Italia-Mich nicht präsent, aber wenn hier kein Bib, wann dann?

    Gruß
    s.
    PS: die Preise? Das Rohe 18, das Gedämpfte 15, die Canestrelli 12, der Wein 26, Prosecco 3, Caffe 1,5, Coperto 2,5

  • #2
    Diesen Tipp, lieber Schlaraffe, hätten wir exakt vor einem Jahr gut brauchen können. Auch wir finden das Städtchen Chioggia sehr charmant, nur haben wir leider nicht "lecker" gegessen; die zu unserer Studienreise gehörige Halbpension im dortigen Hotel "Grande Italia" war leider unsäglich. Da aber die Gruppe nett war, haben wir die Runde auch nicht sprengen wollen.

    Gruß, Garnelchen

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    • #3
      Geehrter Herr Schlaraffe,

      wie liebe ich es, wenn Sie auf Reisen gehen und dann darüber berichten. Wie tun Sie eigentlich die wunderbaren Gasthäuser auf? Orientieren Sie sich auch am Osterie d'Italia? Wenn ja, würde ich mir ein aktuelleres Exemplar zulegen. Unser festes Vorhaben besteht im Oktober darin, es bis nach Italien, vorzugsweise die Adria, zu schaffen. Ich hoffe, es funktioniert. Wir sind eher so Reisezockler und bis wir durch vorliegende Gebiete durch sind, war bisher meistens entweder Geld oder Zeit oder beides alle. Aber was Sie und die Herren Fragolini, Soriso usw. so erzählen, ist der Vorsatz eisern. Ganz liebe Grüße.

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      • #4
        Dafür, liebes Garnelchen, hat man aber vom Italia einen wunderschönen Blick; und das Beobachten des An- und Ablegens der Vaporetti zählt ohnehin zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

        Genau, liebe Cynara, wir haben den Osterie-Führer immer dabei. Allmählich haben wir auch gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen, so daß die negativen Ausrutscher, die man mit diesem Führer tatsächlich auch erleben kann, immer seltener werden. Dann lassen sich übrigens auch einzelne Regionen Italiens aus dem Gambero Rosso für ca einen Euro als App aufs Mobiltelefon laden. Damit - und dann natürlich mit unseren Ranglisten - ist man dann gut versorgt.

        Mit ebenfalls herzlichen Grüßen aus nix-bella - Tiefdruck- Italia

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        • #5
          Da Conte, Mira Marano

          Im Da Conte in Mira-Marano war ich vor einigen Jahren schon einmal gewesen; und auf Anhieb war es dieser Osteria gelungen, unter Lieblingslokale abgespeichert zu werden.
          Von außen ist immer noch alles gleich, etwas eingegrünt liegt dieses Lokal kurz vor einer Eisenbahnunterführung, und im Zehn-Minuten-Takt, es handelt sich schließlich um die viergleisig ausgebaute Strecke von Venedig nach Padua, donnern Vorort- und Schnellzüge über die Brücke. Sowohl Geräusch als auch Gerumpel teilen sich den Wirtsstuben mit, allerdings nicht ganz so ausgeprägt wie bei Mrs.Wimmerforce zu Hause. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt, gewiß zweihundert Meter lang, ein aufgelassenes, halb verfallenes Fabrikgelände, alle Scheiben eingeworfen, zersplittert; und es würde einen nicht wundern, wenn im Innenhof aus alten quäkenden Lautsprechern Charles Trenets Boum zu hören wäre.
          https://www.youtube.com/watch?v=p0KWyWwVp0E

          Gott sei Dank hatten wir reserviert, denn die Unangemeldeten hatten einiges an Wartezeit am Tresen oder in dem kleinen Gärtchen vor dem Lokal zu verbringen, nicht ohne dabei vom Wirt ständig mit Wein, der ausführlich erklärt wurde, versorgt zu werden.
          Auf der Karte überwiegt Fisch und Gemüse. Im Glas schäumt ein Terra di Alessio von Col San Giacomo. Ohnehin spielen die Weine hier eine große Rolle. Man sitzt neben Regalen, die bis zur Decke mit Flaschen gefüllt sind. Die Weinberatung ist klasse, es gibt kaum etwas, das einem auf irgendeine Art bekannt erschiene. Wir bekommen Pasta mit allerlei Meerestierchen, schmatziger Sugo; dann rohe Scampi, ohne alles, und schließlich ein fritto misto di mare, gutes Öl, die Panade nicht zu dick, ich mag das.
          Die Dolci dort sollte man nicht verpassen, natürlich gibt es einen Zibibbo aus Marsala glasweise.

          Es war also alles wie damals, das heißt, fast. Das letzte mal war die Köchin immer wieder mit an den Tisch gekommen, mit einem weißen Schiffchen auf dem Kopf, und da sie mal für kurze Zeit in Deutschland gearbeitet hatte, konnten wir uns, sie auf deutsch und ich auf franko-italienisch radebrechend, gut unterhalten. Nun war es der Wirt, der, neben den freundlichen Bedienungen, immer wieder an den Tischen etwas servierte. Er war von unfaßbarer Leibesfülle; und wenn ich jetzt beschreibend einsfünfzig mal einsfünfzig sage, trifft das deshalb nicht ganz zu, weil er eher etwas kleiner war. Als ich ihn nach der Köchin frage, sieht er mich kurz an und sagt, das war meine Frau, die ist inzwischen gestorben. Und als er das nächste mal an unserem Tisch vorbeikommt und meine etwas melancholisch gewordene Stimmung spürt, drückt er mir fest den Arm, als sei es an ihm, Trost zu spenden.

          Sowohl im Slowfoodführer als auch im Gambero Rosso wird dieses Lokal empfohlen. Zu Recht.
          Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 05.11.2015, 22:08.

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          • #6
            San Martino, Scorzè

            September '15, eigentlich schon verjährt, einiges an Erinnerungen auch schon verblaßt, aber allein der Weinkarte wegen will ich dieses Restaurant noch beschreiben.
            Slow-Food Lokal mit Michelin Stern, so häufig ist das nicht. Der Wirt/Koch ist ursprünglich Schweizer, und als wir bei der Bestellung etwas 'rumstottern, wird er aus der Küche geholt, um uns ausführlich zu beraten. Es gibt einiges an rohem Meeresgetier, ein Risotto mit Jakobsmuscheln und richtig guten Fisch, alles auf einem Niveau, das fast alle unseren "guten Italiener" nicht erreichen, nicht erreichen können und auch niczht erreichen wollen, wozu auch, wer gewinnt, hat Recht.
            Wir sollen einen Orto di Venetia trinken, die Reben von Sant'Erasmo, ein Wein mit erstaunlichem Alterungspotential, Unser 2010er zeigt sich tatsächlich frisch, und je mehr ich an die Lagune denke, desto besser will er mir, in seiner an sich bescheidenen Art, schmecken.
            Aber was für eine Weinkarte; etwa vierzig Champagner, dann eine kluge und erstaunlich preiswerte Auswahl von Weinen aus Venetien, den angrenzenden Regionen, dem restlichen Italien, Frankreich und schließlich der ganzen Welt. Die Krönung allerdings: die Süßweine; sechzig, siebzig verschiedene Flaschen. Vergleiche zu unseren besternten Lokalen ersparen wir uns. Bestimmt zehn Süße gibt es offen, nicht jedoch Marsala von de Bartoli. Aber genau sowas wollen wir, zu Schokolade und Gebäck, trinken. Ich erzähle dies allein deshalb so ausführlich, weil ich mir diesen souveränen Umgang mit dem Gast auch hierzulande wünschen würde. Der zehn Jahre alte Marsala wird an unseren Tisch gebracht, man wäre also bereit gewesen, uns davon ein Glas zu servieren. Zu gerne jedoch wollte ich den 86ger probieren, den könne sie aber nicht glasweise anbieten, wir wollten ohnehin die ganze Flasche haben. Wir bekommen zwei Gläser, die Flasche wird uns später wohlverkorkt und hübsch eingepackt mitgegeben. Aber jetzt aufgemerkt, ich hatte mir etwas mehr von diesem Wein versprochen. Wahrscheinlich muß man diese Bartolis doch in Noto und dort in dem berühmten Caffäh, dem Zweitwohnsitz der Herren brigante und glauer, verkosten.
            Hier nun ein Blick in die Weinkarte:
            http://www.ristorantesanmartino.info...%20%202015.pdf
            Gruß
            s,
            PS: Montrose, 2001, hatten Sie, lieber rocco, diesen Wein nicht kürzlich erwähnt? Hier für 89 € (also noch unter der O-Grenze, nein, das war jetzt gemein, ich nehm's zurück) zu haben.

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            • #7
              W-O-W. Was für eine Weinkarte, insbesondere die Champagnersektion. Das klingt nach einem unglaublich tollen Restaurant in einer Gegend, in der ich noch nie war, nicht einmal in der Nähe. Was ich mich immer frage, ist, warum z.B. die Italiener (aber auch Spanier und Portugiesen) Küche und Wein auf sehr hohem Niveau zu so günstigen Preisen anbieten können? Die deutschen Weine sind in dem Restaurant günstiger als in deutschen Restaurants. Es bringt im Zweifel nichts, darüber zu lamentieren. Aber bei solchen Preisen so gut zu essen und zu trinken, bringt jedenfalls mir immer doppelt Spaß und man bestellt eher noch einmal eine Pulle 1986er Marsala, als wenn dieser mit 200 Euro auf der Karte steht.

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              • #8
                Zitat von rocco Beitrag anzeigen
                man bestellt eher noch einmal eine Pulle 1986er Marsala, als wenn dieser mit 200 Euro auf der Karte steht.
                Wobei man schon ein Grüppchen sein muss, um eine ganze Pulle Marsala oder gar derer 2 wegzusüffeln... Aber da besagter Stoff sogar in einigen italienischen Weinläden (etwas) teurer ist, lohnt sich die Bestellung sogar für eine Mitnahme...

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