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Sizilien, der Süden

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  • Sizilien, der Süden

    Ragusa, Modica, Noto, Siracusa, was für ein Ballungszentrum bezauberndster Ortschaften. Wir hatten uns zwischen Syrakus und Noto niedergelassen, wenige Autominuten entfernt von Cassibile, einem Ort des Grauens. (allein in einer Pizzeria namens Blume wird eine ordentliche Margherita gebacken) Ansonsten würde sich, sollte sich ein Bekloppter finden, der Lohn der Angst nochmals verfilmen wollte - außer vielleicht Quentin, mit Brad Pitt als Peter van Eyck - dieses Gebilde hervorragend eignen als Ort, von dem jeder Weg will. Nahe bei Cassibile liegt also der Agriturismo

    La Casa di Melo
    aber mit Agriturismo ist wiederum wenig gesagt, in keinem Falle ist es mit einem Bauernhof in herkömmlichem Sinne zu vergleichen. Eingebettet in Zitrushaine liegt diese Oase der Stille.Alles ist hier in äußerstem Masse beschaulich, auch die Verrichtungen, die notwendig sind, das Anwesen gepflegt zu halten, werden von den Mitarbeitern in einer gelassenen Gewissenhaftigkeit vorgenommen, als gelte es, mit den Mönchen vom Koyasan in Konkurrenz zu treten, wenn nicht das Konkurrenzdenken hier schon wieder als vollkommen unangebracht empfunden würde.
    In einem wunderbaren Garten liegt ein von Palmen gegen die selbst im September oft noch übermächtige Sonne geschützter Pool, dessen auf die Felder weisende Seite nicht vollkommen eingefasst wurde, das Wasser also hier überlaufen kann, was den Schwimmenden bisweilen in eine -zugegebenerweise etwas naiv-sentimentale - Stimmung versetzen kann und ihm das Gefühl gibt, er bewege sich ins Unendliche ...
    Das Abendessen, zu dessen Teilnahme keinerlei Verpflichtung besteht, wird auf einer Terrasse eingenommen; Sophia, die in der Küche regiert, verwendet dabei fast nur Zutaten aus den eigenen Gärten. Bis auf kleine Ausnahmen wird vegetarisch gekocht. Da gibt es eingelegtes Gemüse als Vorspeise, natürlich wundervolle Pasta, und auch das Hauptgericht fällt phantasievoll aus und ist natürlich sehr gut gekocht.
    Die begleitenden Weine kommen von einem befreundeten Winzer, sind biologisch ausgebaut und eng an den Lauf der Natur angepasst. " ... Sie hatten die Trauben gepflückt unter Gesängen und sie nackend mit Füßen getreten in der Felsenkelter, dass die Beine purpurn wurden bis zu den Hüften und das süße Blut durch die Rinne hin in die Kufe floss, wo sie knieten und es lachend in Krüge und Balgschläuche füllten, auf dass es gäre" ( Man kann aber auch eine mitgebrachte Flasche zum Essen trinken)
    Das Tollste aber ist hier das Frühstück.Doch, da liegen auch einige wenige Salamischeiben für die eigensinnigsten Carnivoren bereit.; aber Sophia backt jeden Morgen drei verschiedene Kuchen, Pistazien, Karotten, Haselnuss, Pfirsich, Zitrusfrüchte ... und dazu gibt es hausgemachte Marmeladen, wie ich sie in dieser Güte kaum bekommen habe. Allein die mit den Mandarinen kann man wohl kaum übertreffen.
    Zusammenfassend also: Empfehlung mit Sternchen
    Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 13.09.2014, 21:56.

  • #2
    Auch hier Danke!

    Wohin könnte man denn zu Essen ausweichen?


    Gruß!

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    • #3
      Der osteriaführer hatte in dieser Ecke eher sehr ordentliche Ergebnisse, der Michelin gute bis sehr gute Ergebnisse ergeben, aber das ist auch vier Jahre her.

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      • #4
        Der Osterieführer zählt auch heute noch mehrere Lokale auf, von zwei oder drei werde ich auch noch berichten

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        • #5
          - Syrakus, Taverna Sveva, einfache Adresse, schöner Platz, freundlicher Service, man parkt etwa ein km entfernt, oder kriminell (wir hatten uns für die zweite Variante entschieden)

          - Noto, I Sapori del Val di Noto, rohes Meeresgetier, chambriert, also nicht knallkalt, serviert, gute Weinkarte, gutes Lokal
          - Noto, Trattoria del Crocifisso, empfehlenswerte, ordentliche Küche; junger Service, freundlich zugewandt und dennoch in der Beratung ein wenig hinkend. Ausgerechnet der Marsala von Bartoli, der zu einem noch bezahlbaren Preis angeboten wurde, war aus. An dieser Stelle mein Dank an brigante, der mir diese umwerfende Adresse (Bartoli) zugespielt hat. (Und an dem Tag, lieber brigante, an dem Sie mir diesen Tip gaben, genau an diesem Tag hab ich diesen grandiosen Stoff via J.Leone zum ersten mal getrunken)

          - Ragusa (jaja, da gibt's'n Zweisterner, der jedoch irgendwie außerhalb unseres Biorhythmusses lag)
          Cucina e Vino, etwas spröder patron, der für sein Lokal auch kaum wirbt, am selben charmanten Plätzchen gibt es noch andere, gut besuchte, Lokale, wir müssen erst hineingehen und fragen, ob geöffnet sei, erst dann werden für uns Geschirr und Gläser aufgelegt. Authentische Küche, ohne genau zu wissen, was das ist, hier kann man sie finden. Meine Pasta gibt es mit einem Ragout vom asino, und um sicher zu gehen, daß ich mir des Bestellten bewußt bin, legt der Wirt die Hände wedelnd an seine Ohren und blökt dazu iiiiah. Interessante Weinkarte, allein mindestens fünfzehn verschiedene Süßweine!

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          • #6
            PS: zum Fleisch wurde im Cucina e Vino eine Marmelade gereicht, die wir sehr gerne mochten, deren Hauptinhaltsstoff zu identifizieren uns jedoch nicht gelang.
            Tja, da wurd' ich mal wieder vorgeführt. Aubergine, ein Gemüse, das ich eigentlich nicht dringend brauche.

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            • #7
              Schön, ihre Berichte und Notizen zu lesen, lieber Schlaraffenland, da bekomme ich richtig "Heimweh"...
              Lustig, in der Taverna Sveva sind wir einmal, vor 3 Jahren glaube ich, auch zufällig gelandet. Aber das Essen war schon sehr, sehr "einfach". Hätte ich gewusst, dass Sie in Syracusa sind, hätte ich das Gazza Ladra in einer Gasse unterhalb des Domplatzes empfohlen (nicht zu verwechseln mit dem sehr guten 1* in Modica).

              Das I Sapori del Val di Noto war für uns eine große Enttäuschung. Der affektierte, lustlose Service mag an unserer bodenlosen Unverschämtheit gelegen haben, ein schlafendes Kleinkind im Buggy an den Tisch zu schieben. Das Essen war jedenfalls pseudo-modern (Ricotta-Espuma im Schnapsglas, hört-hört...), teils fad, teils überfettig und für das Gebotene zu teuer. Insgesamt wenig "authentisch". Ich hätte das SlowFood-Schild als Warnung verstehen sollen.

              Die Trattoria del Crocifisso (zugegebenermaßen ebenfalls SlowFood) fanden wir immer toll, auch wenn der in Mannheim aufgewachsene Chef oft etwas mürrisch wirkt, oder? Und die Luft im Lokal könnte auch etwas besser sein.

              Ich hoffe, Sie waren im Caffé Sicilia!
              Welchen Bartoli Marsala haben sie probiert? Mir schmeckt ja der einfachste (5 Jahre) am besten, der 86er/87er ist mir etwas zu oxidativ. Neu war für mich, Marsala gekühlt serviert zu bekommen. Schmeckt noch besser so. Und teuer ist der doch, glasweise, eigentlich nirgends? Oder wollten Sie gleich eine ganze Flasche leeren?

              Grüße
              b.

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              • #8
                Nein, wir wollten keine ganze Flasche leeren, aber irgendwie, siehe Crocifisso, hat man es uns während unserer Tage in Sizilien nicht leicht gemacht, einen offene Bartoli zu verkosten. Den fünfjährigen gab's nirgends, vom zehnjährigen hab' ich mir eine Flasche gegönnt, die liegt inzwischen deutlich über 30€. Für den von Ihnen erwähnten '87er muss man schon sehr tief in den Geldbeutel greifen.
                Im übrigen wollen ja auch noch andere Süße verkostet werden, Donnafugata ...
                Sehr gut hat uns ein Moscato di Noto von Paternò (2008) geschmeckt; dort wird noch ein roter Süßer (Nero d'Avola) angeboten, allein der Moscato ist ein wunderbar-fruchtiger Engelszibebentrunk.
                Den hatten wir in dem von Ihnen so missempfundenen Sapori bekommen. Bei uns war der Service, dem ich es ob meines landstreicherhaften Outfits eigentlich nicht leicht gemacht hatte, alles andere als affektiert und lustlos. Das Essen hatte auch nichts von Pseudomodern (da sollten wir später in Kalabrien noch ganz andere Erlebnisse machen bzw erdulden), der Weiße ein Marzaiolo, frisch, überhaupt nicht schwer, elegant (worüber ich mich auch schon bei den sardischen Weißen so gewundert hatte); kurz, ich hatte mich dort wohler gefühlt als im Crocifisso, wo ich ständig das Gefühl hatte, mich zu erkälten. (und wie Sie diese Anmerkung auch interpretieren wollen, es wird immer richtig sein).
                Dass man mir dort zum mir etwas zu durchen roten Fleisch kommunikationslos einen dürftigen Roten serviert und anschließend den Bartoli auf der Karte, nicht aber in der Flasche hat ...
                Aber sind, lieber brigante, unsere unterschiedlichen Notoer Erlebnisse nicht ein eindrucksvolles Indiz dafür, dass subjektives Wohlempfinden ( um das Wort Placebo zu vermeiden) niemals und nichtmal garnicht unterschätzt werden darf?

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                • #9
                  Ich weiß genau, was Sie mit der Mehrdeutigkeit über das Crossifisso meinen... vielleicht waren wir deshalb die letzten Jahre nicht mehr dort (vielleicht aber auch, weil meine liebste Sizilianerin dort tatsächlich zweimal ob der eigentümlichen Luft einen massiven Schwächeanfall erlitt). Das Essen fanden wir aber immer sehr gut (der Bruder betreibt übrigens ein Lokal, mit fast identischer Karte, in einer Seitenstraße des Corso).

                  Jedenfalls: den 87er Bartoli kaufte ich nach langer Suche in Turin (!) für rund 50,- die Flasche. Für 0,5 Liter sicher kein Schnäppchen, aber ich wusste einfach nicht mehr, welcher uns im Caffé Sicilia immer so köstlich schmeckte. Also hab ich notgedrungen alle Sorten gekauft. Die Verkostung ergab dann: der 5-jährige zu 18,- wars.
                  Herausragend ist aber der Passito Bukkuram, der aus angetrockneten Trauben gewonnen wird. Nicht "günstig", aber sein Geld (rund 50,- der 1/2) wert.

                  Viel wichtiger aber: waren Sie Caffé Sicilia?

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                  • #10
                    Zitat von brigante Beitrag anzeigen
                    Viel wichtiger aber: waren Sie Caffé Sicilia?
                    Eben. Dieses konsequente Ignorieren der Gretchenfrage lässt auch mich dramatisches befürchten. Aus Noto zurückgekehrt und nicht 2 mal täglich Cassatina, Granita und Likör verzehrt? Als wäre man nie dort gewesen.

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                    • #11
                      Genau darauf hab' ich gewartet; es reicht nicht, dass ich meine Brille schon auf den Boden geworfen und die Gläser zertrampelt habe, nein, ich muss mir noch diese Philippika: was, nicht im Caffé gewesen, wer nicht im Sicilia war, der war nicht in Noto, nicht mal in Sizilien, ach was, der hat noch nie die Luft des Mittelmeeres geschnuppert, der ist nicht würdig, jemals wieder ein Caffä zu betreten ...
                      Nein, Crocifisso, ich war nicht im Sicilia, und selbst wenn ich gewusst hätte, dass dies das einzige Caffä auf der ganzen Welt wäre, wäre ich nicht hingegangen, schon deshalb nicht, damit ihr Zwei noch nach Jahren die Hosenträger schnalzen lassen könnt um grimassenschneidend zu perpetuieren, dass der nicht im Caffä war ...
                      Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 28.09.2014, 15:00.

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                      • #12
                        Vor meinem Urlaub in Sizilien, genauer in Siracusa, habe ich aus verschiedensten Quellen mitgenommen, dass das Essen in Sizilien herausragend ist. Ich habe mir natürlich nicht nehmen lassen die Aussagen genauer unter die Lupe zu nehmen.

                        Unser erster Abend führt uns nach Catania (Ryanair-Flug landet leider erst um Mitternacht) und von dort direkt ins Hotel. Ich würde gerne noch das Hotel auf der Suche nach einem Abendessen verlassen, aber die Gegend sieht nicht vertrauenswürdig aus und wir haben vorher mehrere Schreckensstories über die Kriminalität in Catania gelesen und wir belassen es daher dabei. Auf der gesamten Reise geschieht uns übrigens überhaupt nichts, wir beobachten auch keinen einzigen kriminellen Akt oder überhaupt Versuch. Eine Taxifahrt durch Catania bei Tageslicht am Folgetag offenbart allerdings, dass die Stadt durchaus etwas heruntergekommen aussieht (wir fahren durch das Zentrum) und in weniger zentralen Lagen kann ich mir durchaus Nährböden vorstellen.

                        Mit der Fahrt nach Siracusa lassen wir dies allerdings schnell hinter uns (und passieren dabei auch die Schwerindustrieanlagen von Augusta). Bzgl. dem Essen muss ich konstatieren: Es gibt durchaus einige qualitative Highlights aber ein durchgehend höheres Niveau als bei uns kann ich nicht beobachten - auch hier muss man durchaus darauf achten wo man hingeht. Auch Tripadvisor und der Guide Michelin sind nicht immer eine Hilfe, beide haben uns auch Enttäuschungen beschert.

                        Wer gerne authentisch italienisch isst wird hier aber glücklich. Man denkt dass es fast keine andere Küche hier geben kann. Wer aus Berlin kommt und Indisch, Vietnamesisch, Syrisch, Thai, Italienisch, Deutsch, Türkisch, etc. gewohnt ist - diese Vielfalt gibt es hier nicht. Für den Urlaub empfinde ich das aber auch als sehr erfrischend, als eine Rückkehr zu einer Identität. Was es in Sizilien allerdings exzellent gibt ist Eiscreme und Süßspeisen bis spät in die Nacht, Pizza und Pasta (keine Überraschung) und Antipasti-Platten.

                        In Siracusa rate ich persönlich ab vom Al Mazari (hervorgehoben im Guide Michelin; wir erlebten wässrige Pasta als Vorspeise, "vom Grill" labbrigen Tintenfisch und Hähnchenfilet mit Rußgeschmack - fast als hätten wir unabsichtlich das Touristenmenü bestellt?) und von Angelinas Bakery (hoch gerated in Trip Advisor, uns wurden Gerichte ohne Avocado serviert obwohl es im Menü anders stand, der Service reagierte nur mit "haben wir nicht, sorry" und die Qualität war auch nicht preisverdächtig).

                        Für Sizilien empfehle ich Civico25 (Siracusa, Pizza), Voglia Matta (Siracusa, Eiscreme und Süßspeisen), Fratelli Burgio (Siracusa / Ortigia, Antipasti-Platten und Feinkost von sensationeller Qualität), Caseificio Borderi (Siracusa / Ortigia, tolle sehr üppig beladene Sandwiches für €5). Die letzteren beiden sind passenderweise direkt nebeneinander. Auch gut gefallen hat uns Arancina Planet in Noto, wenn man die typischen Arancina (gefüllte frittierte Reisbällchen) in Sizilien für €2 probieren möchte. Abgesehen von Fratelli Burgio und Caseificio Borderi sind alle anderen Orte auch ausschließlich von Italienern belegt, man kommt hier mit Händen und Füßen sowie Italienisch besser vorwärts. Alles lässt sich für maximal €40 für 2 Personen machen, ich habe Sizilien als sehr günstig erlebt.

                        Für die Feinschmecker empfiehlt sich eine Reise in den Süden nach Ragusa - das sizilianische Baiersbronn. Hier finden sich in einer Bergstadt zwei 2-Sterner sowie ein 1-Sterner. Beide 2-Sterner bieten sehr günstige Lunch-Menüs an. Wir besuchten hier das alt eingesessene Ristorante Duomo, für welches ich separat noch einen Bericht verfassen werde. Wenn man einmal probieren möchte wie Sizilien in Fine Dining-Fassung schmeckt, erteile ich ausdrücklich eine Empfehlung für das Mittagessen.

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                        • #13
                          Bericht zum Ristorante Duomo** in Ragusa:

                          Noch aus Deutschland heraus hatte ich das Lunch-Menü online reserviert - dies kostet lediglich €45 für 3 Gänge inkl. Wasser und Kaffee oder alternativ €60 für 3 Gänge inkl. 3 Gläser begleitende Weine. Das Lunch-Menü wird von der Küche zusammengestellt und man erfährt erst was man isst wenn es auf dem Tisch serviert wird. Sehr interessant finde ich, dass vegetarisch oder vegan auf Sizilien kaum Bedeutung zu haben scheint, sehr wohl aber glutenfreies Essen - fasst immer werde ich gefragt, ob ich Bedenken gegen Gluten habe und es gibt fast immer alternative Optionen. Das Menü besteht wohl üblicherweise aus einer Vorspeise / primi piatti (oft ein Pastagang), dem Hauptgang sowie Dessert. Zusätzlich, und das erfahre ich erst vor Ort, lässt sich für zusätzliche €30 völlig frei ein zusätzlicher Gang à la Carte bestellen, fast wie im Paradies und optimal für jeden der sich fragt wie denn "dies oder jenes eigentlich schmecken mag". Anekdote: Der zusätzliche Gang heißt "Signature Dish of the Chef", laut dem Service ist die ganze Karte eine Sammlung an Signature Dishes und daher darf man völlig frei wählen. Zumindest Selbstbewusstsein haben sie hier :-) Wie wir später erfahren, gilt das Duomo als Alteingesessen und wohl Siziliens bekanntestes Sternerestaurant (auch Italienweit bekannt).

                          In der sehr malerischen Stadt befindet sich das Restaurant direkt im Schatten des Doms, das Restaurant unterteilt sich auf 4 Räume und ist nach unserer Beobachtung bis auf den letzten Platz besetzt. Durch die Unterteilung in verschiedene Räume hat man fast das Gefühl bei jemandem zuhause zu essen. Interessante Beobachtung: An den Tisch neben uns soll sich eine junge Familie mit 3 sehr jungen (und lauten) Kindern setzen. Bevor diese sich setzen können wird diesen vom Service das Speisen in einem separaten, und verschließbaren, Raum angeboten. Die Familie nimmt an und fortan hören wir das Geschrei der Kinder nur noch stumpf durch verschlossene Türen.

                          Zum Aperitif wird eine separate Cocktail-Karte gereicht mit vielen sehr spannenden und wohlschmeckenden Cocktails. Dazu wird als erstes Amuse ein Löffel mit Lachs serviert sowie eine gefüllte Olive. Der Lachs ist eher unspektakulär, die Olive schon spannender durch eine süßliche Füllung die die pikante Olive mit einer Art Marzipan-Geschmack kontrastiert.

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                          Danach wird uns Sfincione serviert, eine lokale Spezialität und laut Wikipedia "Variation der Pizza in der Region Sizilien". Viel mehr habe ich nicht hinzuzufügen, sehr schön. Dazu serviert der Service sichtlich stolz selbstgebackenes Brot mit sehr gutem Olivenöl. Sehr gut.



                          Als ersten Gang erhalten wir Gnocchi in einer Carbonara-Sauce, dazu zwei sehr gute Fleischbälle in Tomatensauce. Obenauf Venusmuscheln. Das weckt Assoziationen an einen Kinderteller, schmeckt aber erstklassig. Die auf dem ersten Blick banalen Produkte, z.B. die Fleischbällchen, sind sehr fein gearbeitet. Besonders begeistert die Frische und Qualität der Venusmuscheln, die ich vorher nur mit mittelmäßiger Pasta in ominösen "Italiener-Restaurants" verbunden hatte. Das ist ein "Feelgood-Gericht". Für höhere Weihen fehlen uns Gewürz-Akzente und zudem ein bisschen Salz.



                          Hiernach hatte ich mir als "Signature Dish" nach kurzer anregender Diskussion mit dem Service das Gericht "Thin spaghetti with Langoustine and their sauce, Matarocco and Truffle" gewünscht. Ich hatte überhört, dass der Service untereinander auf Italienisch bei diesem Gericht über "Scampi" sprach. (korrigierter Text: Es wurde Kaisergranat in Pasta serviert statt Garnelen mit Pasta) Dieser Kaisergranat ist handwerklich hervorragend gegart und lässt sich mühelos mit der Zunge (!) zerdrücken und steuert gleichzeitig leichte Süße bei. Referenz! Die Pasta ist perfekt al dente gegart. Die Sauce ist eine Tomaten-Kaisergranat-Sauce. Italienische Sommertrüffel steuern leichte Erdigkeit bei, die das Gericht aber nicht nennenswert beeinflussen. Sehr gut, der Star sind eindeutig der Kaisergranat und das Handwerk der Küche. Auch dieser Teller kommt ohne nennenswerte Gewürze oder Salz aus.



                          Meine Begleitung entscheidet sich als Signature für den "Catch of the Day", heute Steinbutt. Dieser ist gut gegart mit gegartem Gemüse aber verhältnismäßig arm an Spannungspunkten. Beim probieren ziehe ich zudem kleine Gräten aus dem Filet, das sollte vielleich nicht unbedingt passieren. Spannender als der gute Fisch ist das sehr gut gegarte Gemüse.



                          Hiernach kommt eine "Erfrischung für zwischendurch", ein Trüffeleis zwischen zwei Scheiben getrocknetes Brot. Eine nette, herzhaftere Erfrischung.



                          Für den Hauptgang wird uns Filet und Keule vom Wildschwein serviert. Dazu ein Kartoffel-Linsen-Türmchen. Das Wildschwein ist fabelhaft würzig und Star des Gerichts. Dieser Teller schmeckt hervorraged und trifft 2-Sterne-Weihen. Ein Gang von dem man auch die doppelte Portion nehmen würde.



                          Ein Pre-Dessert bestehend aus einem Tomateneis auf Olivenöl und einem Basilikum-Blatt bietet Erfrischung mit einem sehr bekannten Geschmacksbild.



                          Das Dessert ist ein weiteres Highlight auf hohen Weihen. Die Details habe ich nicht mehr im Kopf aber es handelt sich um ein exzellentes Törtchen mit kandierten Früchten und Pistazien-Eis. Angegossen wird ein betörender Sud aus Dunkelschokolade, der sich in das Törtchen saugt und dieses sehr saftig macht. Hervorragend!



                          Zum sehr guten Espresso beenden wir das Menü mit einer Auswahl leider nicht so besonderen Petit Fours (teilweise sehr trocken und muffig schmeckend). Das Menü ist mit €216 für 2 mein bislang günstigstes Menü auf diesem Niveau.



                          Den Service erlebe ich als professionell. Eine persönliche Note fügt ein sehr freundlicher Mitarbeiter aus dem Service hinzu, der zuerst Englisch mit uns spricht und anfängt immer mehr Erklärungswörter auf Deutsch einfließen zu lassen, bis er uns eröffnet zuvor im Tantris und bei Winkler gearbeitet zu haben und daher völlig fließend Deutsch zu sprechen. Er legt uns seine Sicht dar, dass man Deutsch für eine gehobene Karriere in der Spitzengastronomie einfach sprechen müsse.

                          Fazit: Es ist natürlich fraglich inwiefern solch ein Lunch-Menü schon ein finales Fazit auf die Küche zulässt, für uns war es ein Lunch auf gutem Niveau aber nicht notwendigerweise durchgehend auf 2-Sterne-Niveau, dafür waren die Glanzmomente nicht ausgeprägt genug. Es ist mir aber auch wichtig zu betonen, dass wir bis evtl. auf die Petit Fours in keinem Gang eine Enttäuschung hinnehmen mussten (eine Konstanz die ich in mehreren 2- und 3-Sternern schon anders erlebt habe). Gleichzeitig ist diese Küche deutlich weniger verkopft als bei uns in Deutschland. Kaum "Tupfer von xyz", kaum "Essenzen", kaum "spannende Gegenpole", kein Sanddorn, keine rote Beete und keine Schäume sondern einfach zugängliches "Wohlfühl-Essen".

                          Wer auf Sizilien ist und entweder (a) die lokalen Küche auf qualitativ durchgehend hochwertigem Niveau kennenlernen möchte oder (b) im Urlaub ohne Fine Dining nicht auskommt, wofür ich sehr großes Verständnis besitze, der sollte hier ohne Wenn und Aber reservieren. Im internationalen Vergleich ist Preis-Leistung auf diesem Niveau kaum zu schlagen und man kann hier einen erstklassigen Mittag verbringen und frisch gestärkt das UNESCO-Weltkulturerbe weiter inspizieren, die für uns mit Noto schönste Stadt Siziliens.
                          Angehängte Dateien
                          Zuletzt geändert von Frab; 11.06.2017, 20:15.

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                          • #14
                            Zitat von Frab Beitrag anzeigen
                            Hiernach hatte ich mir als "Signature Dish" nach kurzer anregender Diskussion mit dem Service das Gericht "Thin spaghetti with Langoustine and their sauce, Matarocco and Truffle" gewünscht. Ich hatte überhört, dass der Service untereinander auf Italienisch bei diesem Gericht über "Scampi" sprach und in der Tat wird dieser Gang mit Garnelen statt mit Kaisergranat (meine ursprüngliche Interpretation von "Langoustine") serviert.
                            Also Scampi sind schon Kaisergranat bzw Langoustinen. Und so weit ich das auf dem Foto beurteilen kann war das auch auf dem Teller. Garnelen sind flacher vom Körper.

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                            • #15
                              Werter Frab,
                              auch wenn meine Einlassung oberlehrerhaft aussehen mag, möchte ich zur Aufklärung folgendes beitragen.

                              Gerne werden "Langoustinen" serviert, manchmal auch "Kaisergranat".
                              Der Name Langoustine kommt aus Frankreich. Für den unkundigen Esser wird das Tierchen somit sprachlich den Langusten zugeordnet.
                              Tatsächlich handelt es sich aber nicht um eine Languste sondern um Kaisergranat, der auch schon mal Norwegischer Hummer oder Kaiserhummer genannt wird. Die italienische Bezeichnung dafür ist Scampo oder Scampi.

                              Beim Unterschied zur Garnele bin ich im Bedarfsfalle gerne behilflich.

                              MkG
                              bst

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