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Florenz

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  • #16
    Ich war erst vor ca. zwei Monaten in der Toskana und habe mit meiner Frau eine ziemlich straffe Tour gefahren. Wir waren nur einen verregneten Tag in Florenz, also kann ich leider nicht sehr viele Empfehlungen aussprechen, aber "Il Latini", was hier schon zur eher flüchtigen Ansprache kam, verdient etwas mehr Lob. Es hat keine Sterne und verdient auch keine, aber das Gesamtbild stimmt einfach.

    Zum einen ist die Lage und das Gebäude an sich klasse. Wir waren bestimmt eine halbe Stunde am herumirren, denn diese Gassen in Flussnähe bei der Ponte Vecchio sind nicht besonders übersichtlich. Irgendwann standen wir per Zufall davor. Zum Thema Schlange: Wir wurden in der Hauptsaison sofort zu einem Sitzplatz geführt. Der Laden an sich ist verschachtelt und gemütlich. Die gesamte Decke ist mit Schinken behangen, was man auch riechen kann. Fatal, wenn man solchen Hunger hat, wie wie wir. Das ganze Restaurant kann man sich auch auf deren Seite angucken, wie mir soeben auffiel. Sehr lustige Option. Da bekommt man wirklich ein gutes Bild von der Atmosphäre dort.

    Der Service ist herrlich. Nicht vornehm, sondern sehr bodenständig und persönlich. Unser Kellner hat uns zunächst die gesamt Karte runtergerattert und dann ausgiebig beraten. Die Primieri waren recht herkömmlich, aber gut. Ich hatte Penne Bolognese, meine Frau Schinken und Melone. Der Schinken ist ein Highlight und sollte unbedingt probiert werden. Ich habe extra nachgefragt, woher sie den beziehen und offenbar ist der Schinken von der Decke direkt vom Mercato Centrale, den man sich unbedingt ansehen sollte, wenn man vor 14 Uhr in der Stadt ist. Nur den Namen des Standes wollte er mir nicht verraten.

    Der Hauswein, den wir dazu getrunken haben, war zwar ein Chianti, aber dennoch nichtssagend. Wir hatten nicht mehr erwartet und haben uns gegen eine bessere Flasche entschieden, weil wir den Tag über schon genug Geld in der Stadt gelassen hatten. Das geht in Florenz bekanntlich recht schnell.

    Wie man durch die Schinkendecke vermuten kann, sind sie auf Fleisch spezialisiert. Auch ich hatte vor mir mit meiner Frau ein Bistecca Fiorentina zu teilen, aber ich habe es auf der Karte nicht entdeckt, weshalb ich mich für den Schweinebraten entschied, der auch die Indexseite der Website ziert, meine Frau nahm das Huhn. Als weitere Beilagen nahmen wir die Fagiolini in Tomatensauce und Rosmarinkartoffeln. Zugegeben war das Schwein etwas trocken, doch die Kruste, die auf den Punkt perfekt war, und der perfekte Jus, die Essenz des Schweins plus Thymian und Majoran, zogen den Karren weit aus dem Dreck. Interessanterweise war dies beim Huhn ganz ähnlich.
    Die Beilagen waren schlicht, aber hervorragend. Die Kartoffeln waren optimal angebräunt in großartigem Olivenöl, wovon es in der Gegend ja mehr als genug gibt. Mit dem Rosmarin haben sie sich zum Glück im Zaum gehalten. Damit kann man ja schnell über das Ziel hinausschießen. Ein wirklicher Genuss. In den Bohnen in der Tomatensauce hätte ich baden können. Diese Sauce verfolgt mich im Schlaf. Ausgerechnet die Beilage hat es mir am meisten angetan. Nennt mich verrückt, aber allein dafür und für die Atmosphäre der Trattoria würde ich zurückkehren.

    Wir haben uns gegen eine Nachspeise entschieden, da wir am selben aber wieder in Richtung Siena mussten, wo unsere Ferienwohnung auf einem Weingut lag (Angebot von Belvilla), und es schon spät wurde. Im Endeffekt war es gut, dass wir kein Dessert genommen haben, da man ohnehin ein Glas unheimlich süßen Spumante, einen Vin Santo und ein paar Cantuccini zur Rechnung bekommt. Aufgrund des unerwarteten Alkohols mussten wir noch einen längeren Spaziergang durch die Stadt machen, bevor wir wieder zrückfahren konnten und das Fazit: Florenz ist auch bei Nacht unheimlich schön. Fazit zum Il Latini: Angemessene Preise, guter wenn auch unkonventioneller Service, begabter Entremetier und Saucier, großartiges Ambiente

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    • #17
      Ora d'Aria* - Florenz

      Wir wollten einen schönen Mittag in Florenz verbringen und haben uns in der Klasse der besternten Lokalitäten für das Ora d'Aria mit einem Michelin-Stern entschieden.
      Im Gegensatz zu einigen sehr kritischen Anmerkungen zum Service an anderer Stelle im Internet sind wir zuvorkommend und von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch in englischer Sprache (die immer besser war als unser Italienisch ) bedient worden.

      Als Aperitiv wählten wir ein Glas Franciacorta, ein - frag Wikipedia oder den Kellner - “im Stil eines Champagner hergestellter Spumante“. Der wird abends mit Fingerfood (in D „Apero“) serviert, kostet ohne dafür mittags nur die Hälfte (sechs Euro). Die Weinpreiskalkulation macht ohnehin Spaß in Italien (da wo wir es testen konnten), aber dazu unten mehr.

      Wer in der Toskana Essen geht, muss sich bei den Menüs entscheiden, ob er Fisch oder Fleisch will, das wird hier nach unserer Erfahrung strikt getrennt. Wir haben uns für das Fisch-Menü in sechs Gängen für 75 Euro entschieden:

      Als Gruß aus der Küche kam ein sämiges Gemüsesüppchen (grüner Spargel?) mit Olivenöl und Lakritzpulver. Wir fanden es nicht so harmonisch.

      Crudo Equilibrio: palamita, gamberi rossi, melone bianco
      („Rohes Gleichgewicht“ von Bonito, kleinen Gambas und Honigmelone). Der thunfischähnliche Bonito und die Gambas sind roh mariniert, dazu gibt es einen Melonen-Sud und ein Stück Melone. Sehr ausgewogen, hervorragende Qualität der rohen Meeresfrüchte.

      Capesante marinate con crema di carote, croccante al lime e caviale
      (Marinierte Jakobsmuscheln mit zweierlei Karotten-Püree, Limetten-Kokant und Caviar) Die Jakobsmuscheln sind sensationell, mit Limette mariniert und roh wirklich köstlich. Der „Limetten-Krokant“ ist leicht süßlich aber deutlich limetten-säuerlich, dass passt ebenfalls hervorragend zu den marinierten Jakobsmuscheln. Die Karotten-Pürres sind eher nichtssagend, wir halten sie von den köstlichen Jakobsmuscheln fern.

      Fagioli zolfini in acqua di nasturzio, calamaretti affumicati
      (Toskanische Bohnen in einem Kräutersud mit geräucherten Calamaretti und geröstetem Weißbrot. ) Das könnte ein leicht modernisiertes toskanisches Gericht sein, der Sud recht kräftig, interessant.

      Pappardelle di farina Senatore Cappelli con il baccalà e caviale di tartufo nero
      Parpadelle aus/mit “Senatore Capelli”-Mehl mit einer Art Stockfisch und Kaviar aus schwarzem Trüffel. Ein schöner Pasta-Gang, die molekularen Trüffel-Kügelchen erzeugten ein tolles Aroma.

      Ho dimenticato il pesce in forno…guancia di rana pescatrice, manioca, piccoli germogli e verdure, con carbone vegetale.
      (Ich habe den Fisch im Ofen vergessen… Seeteufel-Bäckchen, Maniok, Gemüse und kleine Knospen, mit Holzkohle) Dieses Gericht war etwas zwiespältig. Auf dem Teller liegen vor allem etwas, das aussieht wie eine stark überdimensionierte Linse (das umhüllte Bäckchen) und etwas, das aussieht, wie ein Stück verkohltes Holz (Maniok). Das Seeteufelbäckchen in seiner Panade ist wunderbar, die schwarz überzogene Maniok-Zubereitung klebt etwas am Gaumen. Wie die in Krümeln beigegebene „Holzkohle“ (sah tatsächlich so aus) entstanden ist, weiß ich nicht, aber sie war sehr aromatisch. Mir etwas zu viel Kunst auf dem Teller.

      Das Dessert durfte frei aus der Karte gewählt werden, wir entschieden uns einmal für eine intensive Schokladen-Mousse und ein sehr eindrucksvoll in einer riesigen Glasschüssel präsentiertes Dreierlei von Limetteneis, Kaffeegranitee und Walnussschaum. Beide Desserts gut, das Dreierlei wirklich sternewürdig.

      Wirklich hervorragend fanden wir den empfohlenen Wein, ein 90% Chardonnay & 10% Pinot Noir aus der Umgebung von Florenz, im Restaurant die Flasche zu 36 Euro, im italienischen Weinversand 26 Euro – so eine Weinkalkulation erfreut.

      Schade war, dass die gesamte Mahlzeit in einem Tempo von weniger als 1,5 Stunden serviert wurde, der Folgegang wurde oft schon beim Abräumen des letzten annonciert. Die mittägliche Auslastung war auch nicht so, dass wir die Eile hätten nachvollziehen können.

      Zwei schöne Details: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Küche (auch der Chef) bringen die einzelnen Gänge. V.a. der Patissier hatte sichtlich Spaß, sein Werk vorzustellen. Das Restaurant ist so gestaltet, dass man in die Küche sehen kann.

      Insgesamt haben wir ca. 200 Euro bezahlt und blieben mit dem Eindruck zurück, in Deutschland dafür etwas mehr (Gesamterlebnis, nicht Gänge) bekommen zu haben. Wahrscheinlich läuft das ganze abends etwas ruhiger und gediegener ab und macht dann noch mehr Spaß. Ein Tipp für Florenz-Reisende, die einfach mal ‘reinschauen wollen: Es gibt eine Mittagskarte (nicht im Internet) mit einzelnen einfachen Gerichten (ca. 16 Euro ?), die es sogar auch in halben Portionen gibt, den netten Service und die guten Weinpreise gibt es auch dazu.
      Zuletzt geändert von bernard; 21.01.2014, 16:06. Grund: dem Deutsch

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      • #18
        Neben dem "Il Luogo di Aimo e Nadia" in Mailand (siehe Lombardei-Thread) habe ich in Italien noch in Florenz das mit einem Stern bedachte La Bottega Del Buon Caffè besucht. Das Restaurant liegt dirket am Arno und ist mit seinen großen grauen Sesseln sehr stilvoll und gemütlich eingerichtet. Aus den drei angebotenen Menüs (inkl. einer vegetarischen Variante) habe ich das von Zeit zu Zeit wechselnde Insights-Menü mit moderner italienischer Küche gewählt.

        Besonders gut gefallen haben mir der Salat aus Wurzeln, Kräutern, Karotten und Chikoree, die Pasta mit Pulled-Pork-Ragout, das mit Parmasan und Radischen verfeinerte Risotto, die Bernsteinmakrele und das Dessert bestehend aus verschiedenen Apfelkreationen. Insgesamt fand ich, dass dieses Restaurant eigentlich dem Il Luogo di Aimo e Nadia in nichts nach steht. Bis auf den zweiten Gang "Seezunge", der für mich zu viel mit Cremes und Gel gearbeitet hat, war das ebefalls ein sehr tolles und abwechslungsreiches Menü. Außerdem waren die Gerichte optisch teils sehr schön präsentiert.

        Die drei Bilder zeigen den "Salat", das Risotto und die Bernsteinmakrele.

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