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  • QWERTZ
    antwortet
    Vielen Dank für diese Eindrücke, die mein Interesse, an der Gourmet-Club-Reise in die dänische Hauptstadt gesteigert haben.

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  • quartalsesser
    antwortet
    Unsere letzte kulinarische Station war das Kokkeriet. Ein wiederum ebenso stilvoll wie gemütlich (ja, die dänische Hyggeligkeit – jeder Ferienhauskatalogleser kennt diese Vokabel und hat dann auch irgendwann verstanden, dass die Übersetzung nicht nur einfach vergessen wurde) eingerichtetes Restaurant. Sehr freundlicher Service, wobei die Köche immer wieder mit eingebunden werden. Interessant auch, dass eine der Kellnerinnen fließend Deutsch sprach, uns aber dennoch nicht fest zugeteilt wurde, ohne dass man das an irgendeiner Stelle als dienstleisterische Nachlässigkeit hätte empfinden können.

    Eine Reihe von Snacks wird in schneller Folge (aber immer nacheinander) auf- und abgetragen, wobei Rote Bete mit Entenleber und Schokolade herausragen, aber auch die ein Fleischbällchen begleitende Barbecuesauce setzt einen ersten Akzent mit sehr guter Balance und Akzentuierung der Aromen.

    Es ist eine ungewöhnliche und zunächst leicht verunsichernde Abfolge, dass erst nach dieser Snackparade die Bestellung aufgenommen wird. Es wird dann zwei Mal das kleine Menü, ein Mal die Weinbegleitung, ein Mal die Saftbegleitung (beide Begleitungen jeweils mit einem Getränk für zwei Gänge). Letztere ist durchaus eine Alternative, hat dann aber in punkto Mehrdimensionalität doch Schwierigkeiten, Schritt zu halten. Die Säfte werden übrigens zwar nicht IM, wohl aber FÜR das Restaurant frisch erstellt und halten sich nur wenige Tage. Man sei aber grundsätzlich schon recht zufrieden mit der Akzeptanz.

    Insgesamt wird viel auf Inszenierung gesetzt, Zutaten überraschend kombiniert oder verfremdet (Shrimpgel). Doch die Aromen werden trotzdem präzise herausgearbeitet und ein besonderes Händchen hat man (oder ein besonderes Faible habe ich) für Schmorsaucen. Chicken Wing mit Rhabarber und Gurkenpickles gerät diesbezüglich herausragend, dazu ein kräftiger 2007 Chardonnay En Chalasse von der Domaine Labet/Jura. Exzellent zuvor auch die Gangfolge mit Frühlingszwiebeln, Jakobsmuschel, Venusmuschelsaft und Buttermilch. Hier ging es nicht um Süß/Sauer oder Süß/Salzig oder Sauer/Scharf, sondern um ein Spiel von herber Würzigkeit und Cremigkeit. Im Gang danach dann Karotten, Traube und Forellenkaviar. Hier war es dann tatsächlich ein Süße-Säure-Spiel, aber mit einer Rollenbesetzung, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Beide Gänge wurden kongenial begleitet von einem Elsässer Riesling, nämlich 2009 Schlossberg Grand Cru von Paul Blanck.

    Bei den Desserts geht man auch hier einen zunehmend un-süßen Weg und setzt auf ausgeprägte Würzaromen von Anis oder Eisenkraut, auch Rote Bete kommen hier nochmals vor.

    Ja, hier wird mit einiger Ambition gekocht und serviert. Und man hat als Gast neben allem Genuss auch Chancen, seine kulinarische Aufmerksamkeit zu schärfen, ohne sich gleich in einem gastronomischen Think Tank zu wähnen. Kleinere Fehler fallen auf (Getränk zu spät gebracht – immer tückisch bei diesen Begleitungen und dazu eng getakteten Gängen; mehrmalige Abfrage von Allergien etc., obwohl bereits in Vorfeld klar kommuniziert), ohne gleich zum Ärgernis zu werden.
    Es ist schon alles sehr gut. Der letzte Schritt zum „Wow“, der fehlt.

    Viele Grüße
    Q.

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  • quartalsesser
    antwortet
    Zitat von rocco Beitrag anzeigen
    Am nächsten Tag sind wir mittags zufällig genau zur Mittagszeit beim Nyhavn gewesen und am The Standard vorbeigelaufen, einem Jazz Club von Claus Meyer, in dem er auch drei Restaurants betreibt, u.a. das Almanak, einen Smørrebroød Laden, in dem man sehr schön draußen am Wasser sitzen kann.
    Auch hier waren wir, jedoch weder mittags noch im Almanak, sondern gleich nebenan im zugehörigen indischen Restaurant Verandah. Bei dem ganzen Gebäude handelt es sich um ein ehemaliges Fährterminal, und mit welchem Geschmack und Stilbewusstsein man dort umgebaut hat, ist schon sehr beachtlich. Stilbewusst auch das indische Menü, jedoch am Ende - wie auch die Weinbegleitung - doch etwas zu sehr auf der sicheren Seite und zu kalkuliert, um die kulinarische Seele zu (be)rühren. Aber an diesem Tag konnte die großartige Abendstimmung direkt am Wasser - und das uns als Normalerweise-immer-drinnen-Esser - mehr als ... nun hätte ich beinahe "versöhnen" geschrieben, doch das wäre weit übertrieben, eine Versöhnung war nicht wirklich nötig. Während ich allerdings beim "Ködbyens" durchaus bedaure, über keine detallierteren Erinnerungen oder Aufzeichnungen mehr zu verfügen, ist dies beim Verandah ein jederzeit zu verschmerzender Umstand.

    Eine schöne Begebenheit am Rande: Drei Personen begehrten spontan einen Tisch, draußen (ob zum Dinner oder nur zum Drink, blieb unklar). Doch ohne Reservierung keine Chance an diesem Abend. Aber es gab ja noch eine große Bank, quer vor den Tischen. Diese Option charmant offerierend, konnte der Kellner immerhin noch ein paar kalte Getränke servieren und ein halbes Stündchen später drei Personen von dannen ziehen sehen, die nicht mit dem unschönen Gefühl einer sozialen Niederlage den Rest des Wochenendes bestreiten mussten.

    Viele Grüße
    Q.

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  • quartalsesser
    antwortet
    In diesem Sommer, der das Wetter in Deutschland geographisch so ganz anders verteilte als gewohnt, konnte Kopenhagen während unseres kurzen Aufenthalts gegenüber dem deutschen Norden noch eins draufsetzen. Aus irgendeinem Grunde war ich der festen Meinung, Kopenhagen sei eine sehr viel größere Metropole als sie es tatsächlich ist und dazu beigetragen haben könnten die Massen an Menschen auf den Straßen und Plätzen, wie auch die sicht- und hörbar vielfältige Herkunft ihrer Besucher. Der Empfehlung von Signore rocco folgend, stürzten wir uns in Kødbyens Fiskebaeren, gleichwohl - und notwendigerweise - abgesichert durch eine Reservierung.

    Zitat von rocco Beitrag anzeigen
    Man kann hier letztlich alles machen: einfach nur ein Bier, einen Cocktail oder ein Glas Wein trinken und einen Snack dazu essen oder aber sich aus der tollen Karte ein Menu mit einer beliebigen Anzahl von Gängen zusammenstellen und sich mit der schönen Weinkarte vergnügen. Viele Leute bestellen sich auch erstmal nur einen oder zwei Gänge und schauen dann weiter. Alles ist möglich.
    Genau so ist es und genau so fühlt man sich. Absolut entspannt, aber auch absolut ... wenn Sie das Wort hier gestatten mögen: elektrisch. Es ist diese Atmosphäre von Urbanität, die beim Wunsch nach größtmöglicher Entspannung im Sinne der berühmt-berüchtigten Wellness-Oasen sicherlich nicht das Richtige wäre, uns aber an diesem Abend einen Energieschub gab, der das Erlebte mit einer Art von Adrenalinnebel umflorte, der einen im sicheren Gefühl bestätigt, jetzt und hier im Hotspot der Welt zu sein. Gar nicht so leicht für ein Essen, dort noch um seiner selbst Willen wahrgenommen zu werden, doch mit bloßem Event-Catering wäre auch jener fiebrige Effekt nicht erzielbar, ebensowenig mit gelangweilt-schnepfigem Service. Doch solches trifft man hier ja auch nicht an; das Essen ist konzentriert und fokussiert, bedient sich hervorragender Zutaten (auch in der Bretagne aß ich keine besseren Austern) in orignellem, doch nicht bemühtem Arrangement und wird so kompetent wie nonchalant serviert.

    Fragen Sie sich nun mit allem Recht, wo denn die Details zum Essen blieben, dann muss ich allerdings - der Sommer war groß, doch nun ist er vorbei - freundlich, doch bestimmt, nun ja: passen. Nein, es gibt keine Aufzeichnungen, das Detailgedächtnis ruft nichts ab, doch das schiere Vergnügen, es ist noch präsent. Euphorisiert griff ich seinerzeit noch auf dem Rückweg ins Hotel zum Mobiltelefon, um Herrn rocco meine Dankbarkeit und Wertschätzung für diese vortreffliche Empfehlung auszudrücken und realisierte erst im Moment der Mailbox-Besprechung, dass derlei Grußbotschaften durchaus auch noch einen Kalendertag später und dann womöglich adäquater hätten überbracht werden können.

    An Sie nun lediglich noch dieses: Gehen Sie hin!

    Beste Grüße
    Q.

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  • kuechenreise
    antwortet
    Danke, werter rocco, für die interessanten Berichte, welche das Wasser im Munde zusammelaufen lassen... Auch wenn ohne eine nicht ewig lange Vorausplanung (bzw. viele Versuche) eine Reservierung im Noma wohl eher schwierig scheint, eine Reise scheint sich ja auch so zu lohnen!

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  • rocco
    antwortet
    Letzte Station in Kopenhagen war das Restaurant Radio nahe der Messe. Hier ist auch ein ehemaliger Noma-Mitarbeiter Koch, nämlich Jesper Kirketerp. Außerdem - oh Wunder - hat auch hier Claus Meyer seine Finger im Spiel und ist Mitgründer des Restaurants. Es ist eher klein, die Wände sind teils holzvertäfelt, es gibt natürlich keine Tischdecken und das Ganze hat einen eher schlichten Charme. Im Radio wird so ähnlich wie bei Michael Hoffmann in Berlin "farm to table" gekocht, d.h. das Restaurant bezieht einen Großteil seiner Produkte aus ihrem eigenen Garten. Man kann im Radio nur Menu essen, drei (ca. 40 Euro) oder fünf (ca. 55 Euro) Gänge. Das Menu wechselt monatlich. Für jeweils 10 Euro pro Gang kann man sich noch Tagesgerichte dazubestellen. Dazu wird eine Wein- oder Saftbegleitung empfohlen, eine kleine Auswahl an Flaschenweinen gibt es auch noch. Frau rocco wagte mal die Saftbegleitung, ich blieb bei der Weinbegleitung.

    Als Amuse Gueule wurde Kopfsalat mit einem Senf-Joghurt-Dressing und - wie überall in Kopenhagen - extrem saftiges und gehaltvolles Brot mit einer Art Buttermilchbutter serviert. Dann ging das Menu los:

    Kaisergranat, Möhren, Dill: Der Kaisergranat war roh mariniert und mit einer Art Mayonaise angemacht, dazu gab es ganz leicht angegarte Mohrrübenstreifen und Dill. Das war simpel, aber exzellent. Als Wein gab es dazu ein Glas 2013 Rivaner vom Weingut Peter Mentges von der Mosel, der für sich etwas schlicht war, zum Essen aber ganz gut. Der Saft war ein Gurken-Dill-Anis-Saft, der aber zusätzlich noch gesüßt war, was eher weniger zum Essen passte.
    Tintenfisch, Spargel, luftgetrocknetes Rind: Auch der Spargel kam - fast roh - in hauchdünnen Streifen, dazu gab es ein paar ebenfalls hauchdünne Scheiben eines luftgetrockneten Rinderschinkens und kleine Endstücke vom Tintenfischtentakel sowie diverse Cremes. Auch dieser Gang konnte auf ganzer Linie überzeugen. Auch der Wein passte, ein 2010 Saar Spätburgunder "Orange" vom Weingut Orea Wines.
    Kohl, Kerne, Heukäse: Der Kohl war eine Art Spitzkohl, der kurz gegrillt war, so Röstaromen hatte, aber immer noch knackig war. Dazu gab es Sonnenblumenkerne und zerschmolzenen høost, was nach meinem Verständnis ein Käse ist, dessen Kühe nur mit Heu gefüttert werden. Drei Zutaten, viel Geschmack, ein schönes Esserlebnis. Der Wein dazu war ein 2012 Weißburgunder von Christmann, der mit seiner cremigen Note gut passte. Der Saft war ein Holunderblütensirup, der mit Mineralwasser aufgefüllt wurde, der auch recht süß war und deshalb nicht so gut zu dem Gericht passte.
    Schwein, Bärlauch, Aroniabeeren: Das freilaufende Schwein war kurz angegrillt worden und lag dann über Nacht bei niedriger Temperatur im Ofen, so dass es zerfiel. Es hatte einen wunderbaren Eigengeschmack. Dazu wurden Aronia-Beeren serviert und kleine, eingelegte Spitzen vom Bärlauch, die aussahen, wie Schnittlauch, aber nach Knoblauch rochen. Der Wein dazu war leider viel zu warm, ein 2010 Vin de France der Domaine Ocre Rouge aus dem Languedoc.
    Rote Bete, Malz und Milcheis: Die Rote Bete war dehydriert und dann noch weiter behandelt worden. Sie wurde serviert mit einem Eis aus kondensierter Milch und Malz-Meringues. Das Dessert war nicht schlecht, für meinen Geschmack aber im Juni etwas zu winterlich. Erdbeeren, Rhabarber oder auch die ersten Stachelbeeren wären mir als saisonal vorzugswürdige Zutaten für ein Juni-Dessert eingefallen. Auf der anderen Seite sagte der Kellner, dass dieses Dessert für den Koch so etwas wie ein Signature-Dish sei und dass alle Gäste es lieben. Nun gut. Als Wein gab es dazu sehr passend eine 2011 Spätburgunder Weißherbst Auslese vom Weingut Krone aus Assmannshausen. Der Saft passte auch hier nur mittelmäßig, es war ein Rhabarbersaft, der wiederum sehr süß war.

    Im Fazit waren wir beide recht begeistert von dem Essen und der Atmosphäre. Man bekommt hier eine sehr moderne, typisch "New Nordic Cuisine" artige Küche, unprätentiös serviert, mit einer ordentlichen Weinbegleitung (die Saftbegleitung ist weniger empfehlenswert) zum wirklich korrekten bis günstigen Preis. Auch hier gilt wieder: ich würde mir so sehr wünschen, dass es ähnliche Konzepte mit einer so guten Küche auch in Deutschland mehr gäbe. Was ist daran eigentlich so schwer?

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  • rocco
    antwortet
    Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
    Irgendwie trifft Frau Rocco häufig die bessere Wahl...
    Aber auch nicht immer. Das Verhältnis ist in etwa 50/50 .

    Einen Tag später waren wir am Abend im Kødbyens Fiskebaeren im Meatpacking District, der für mich eher wie ein Fishpacking District aussah. Der Meatpacking District hat irgendwie Charme, sowie die Fischbar, die von einem Ex-Sommelier des Noma betrieben wird. Man sitzt - wenn man draußen sitzen möchte - auf Bierbänken an Biertischen und genießt die Abendsonne. Drinnen ist alles sehr weiträumig eingerichtet, schlicht und mit Dansk Design. Man kann hier letztlich alles machen: einfach nur ein Bier, einen Cocktail oder ein Glas Wein trinken und einen Snack dazu essen oder aber sich aus der tollen Karte ein Menu mit einer beliebigen Anzahl von Gängen zusammenstellen und sich mit der schönen Weinkarte vergnügen. Viele Leute bestellen sich auch erstmal nur einen oder zwei Gänge und schauen dann weiter. Alles ist möglich.

    Zu trinken hatten wir bei wirklich warmem Wetter eine Flasche 2010 Bourgogne Aligoté von Jean-Claude Bachelet, ein anspruchsvoller Durstlöscher. Viele Leute nahmen Austern (es gibt vier verschiedene Sorten) und fast alle nahmen Muscheln. Das wäre auch beides verlockend gewesen, aber wir haben gegessen:

    Vorspeise 1: Königskrabbe (Frau rocco) ausgelöst mit Gurke, Dill und Austernschaum (hab ich nur kurz probiert, ausgezeichnet)
    Vorspeise 2: Fischrogen (ich) mit Ei und Brunnenkresse (ich weiß nicht genau, von welchem Fisch der Rogen stammte, auf Schwedisch heißt er Sikrom, jedenfalls schmeckte er sehr gut, insbesondere in Kombination mit dem wachsweichen Eigelb)
    Hauptspeise 1: Schwedischer Glattbutt (Frau rocco) mit Sellerie, Liebstöckel, Zitronenthymian, Zitronenmelisse und Eisenkraut. Ich habe schon lange nicht mehr so ein gutes Stück Fisch gegessen, so zart, so schön im Eigengeschmack, einfach wunderbar.
    Hauptspeise 2: Norwegische Königskrabbe (ich) mit Zitrone, gegrilltem Salat und noch diversen anderen Elementen. Dies war das erste Mal, dass ich Königskrabbe nicht aus dem Korpus, sondern aus der Schere (am Stück) gegessen habe. Mir war nicht klar, dass das Königskrabbenfleisch so schmackhaft ist. Unglaublich gut.
    Käse: Vier Käse aus Dänemark und Schweden, alle gut, keiner so gut, dass ich ihn nochmal suchen würde. Bei Käse bin ich einfach französisch sozialisiert.
    Dessert
    Dessert 1: Erbeeren (Frau rocco) mit Liebstöckel, Lakritze und noch anderen Elementen. Ein sehr modernes und kreatives Dessert, das gleichwohl Vergnügen bereitete und nicht verkopft war.
    Dessert 2: Rhabarber (ich) mit Fencheleis und noch diversen anderen Elementen. Hierfür gilt dasselbe, wie für das Erdbeerdessert. In beiden Desserts waren noch so viele Kräuter, Tupfer und anderen Dinge versteckt, dass es schwer zu beschreiben ist. Beide Desserts waren aber nicht nur frühlingshaft, sondern auch sehr komplex.

    Im Fazit hat es uns ganz ausgezeichnet gefallen. Die Produktqualität ist erstklassig, die Zubereitung ebenso, die Anrichtung ist modern, die Portionen sind klein, man geht aber trotzdem mit drei Gängen und Käse nicht hungrig nach Hause. Wie sehr würde ich mir in Deutschland mehr Restaurants dieser Art wünschen, die unkompliziert sind, Essen nahe Michelin-Stern-Niveau servieren und nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten und einen auf (Supermarktverkäufer)Punk machen. Beim nächsten Kopenhagen Besuch ist die Fischbar wieder fest eingeplant.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Irgendwie trifft Frau Rocco häufig die bessere Wahl...

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  • rocco
    antwortet
    Gerne. Am nächsten Tag sind wir mittags zufällig genau zur Mittagszeit beim Nyhavn gewesen und am The Standard vorbeigelaufen, einem Jazz Club von Claus Meyer, in dem er auch drei Restaurants betreibt, u.a. das Almanak, einen Smørrebroød Laden, in dem man sehr schön draußen am Wasser sitzen kann. Die Smørrebroøds sind nicht billig (ab ca. 10 Euro / Stück), aber eindeutig ihr Geld wert. Ich hatte eins mit Roastbeef, Meerrettich, eingelegtem Gemüse und Essigpuder und eins mit neuen Kartoffeln (sehr al dente), Liebstöckelmayonaise, Malz und zerstoßenen Wacholderbeeren. Letzteres war etwas außergewöhnlicher als das erstgenannte und sehr gut. Insbesondere das saftige Schwarzbrot war ausgezeichnet. Frau rocco hatte die deutlich bessere Wahl mit einem Smørrebroød mit geräucherter Makrele, warmem Kartoffelsalat, Senf und Bärlauch und einem mit Erbsen, gegrilltem Römersalat, Petersilie und Minze. Gerade das zweite was super, sehr frühlingshaft mit ganz vielen tollen Aromen. Aber auch das Makrelenbrot war einfach herrlich, sowohl optisch als auch geschmacklich. Dazu gab es einen Apfelmost aus zwei Apfelsorten. Man sitzt im Almanak sehr entspannt, der Service ist wie überall in Dänemark sehr gut aussehend und freundlich. Für mittags ist das eine unbedingte Empfehlung.

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  • Hochemer
    antwortet
    Auch ein Danke von mir für den Eindruck.

    Ich war auch gerade in Kopenhagen, Warteliste bei Noma die nicht bestätigt wurde. Meine Alternative, das Restaurant "Spiseloppen", laut meinem Reiseführer ein "Spitzenrestaurant" ist hier nicht erwähnenswert und hat mit feiner Küche nichts zu tun.

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  • QWERTZ
    antwortet
    Lieber Rocco, vielen Dank für den ersten Eindruck aus Kopenhagen. Ich freue mich auf mehr...

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  • rocco
    antwortet
    Restaurant Rebel

    Das noma ist ja jetzt wieder das beste Pellegrino-Restaurant der Welt. Ich würde auch gerne mal hingehen, hatte Frau rocco und mich auch kurzfristig auf die Warteliste für einen Tisch mittags setzen lassen. Leider ist nicht kurzfristig ein Tisch freigeworden. Das machte jedenfalls mir aber gar nichts. Denn die Auswahl an spannenden Restaurants in Copenhagen, insbesondere von noma-Alumni oder Leuten, die etwas ähnliches machen wollen, ist immens. Zur Inspiration haben wir dieses Mal einfach die offizielle Touri-Seite der Stadt Kopenhagen konsultiert (www.visitcopenhagen.com): da sind schon so viele interessante Restaurants gelistet, dass man kaum tiefer suchen muss. In vielen Restaurants, die mich sehr interessierten (Relæ, Brør, Geranium), gab es zwei Wochen vor unserem Besuch nur noch mittags einen Tisch oder abends zu ungünstigen Zeiten.

    Am ersten Abend sind wir gegangen ins Rebel in der Store Kongensgade. Das Lokal hieß früher Oubæk und hatte einen Michelin-Stern. Nachdem Rasmus Oubæk aufgab, änderten die neuen Besitzer den Namen und das Konzept. Das Restaurant ist eher klein und sehr verwinkelt. Wie häufig in Kopenhagens Restaurants sitzt man recht eng an den Nachbarn dran, kann sich aber trotzdem ungestört unterhalten. Es gibt ca. 10 kleine Gerichte, aus denen man 2 oder mehr auswählen kann. Die Weinkarte ist ausgezeichnet und für Dänemark normal bepreist, absolut gesehen aber dann doch recht hochpreisig. Wir hatten eine Weinbegleitung, die sehr gut war und auch überwiegend gut zum Essen passte.

    Ich legte los mit Jakobsmuschel, Topinambur & Apfel. Die Jakobsmuschel war roh mariniert und mit irgendeinem Puder bepudert, dazu gab es sehr säuerlich angemachte Granny-Smith-Kugeln und Topinambur als Chips. Recht großzügig war auch noch aufgepuffter Amaranth über dem Teller verteilt. Das Gericht war sehr modern, mir persönlich aber zu konstruiert und zu gewollt (crunchy mit dem Amaranth, sauer mit dem Apfel), keinswegs schlecht, aber auch nicht wirklich in Balance. Dazu gab es einen gut passenden 2012 Vouvray Sec "La Dilettante" von Cathérine & Pierre Breton.

    Der zweite Gang war: Schnecken, Bärlauch & Brioche und um Längen besser als der erste Gang. Die fetten Schnecken (so eine Art Gros Gris Sorte) schwammen in einem Sud auf Buttermilch- und Bärlauch-Basis, dazu gab es eingelegte Silberzwiebeln und ein paar getrocknete und geröstete Brioche-Würfel. Letztere hatten die Konsistenz wie die "Everything Pretzel" Snacks von Utz of Hanover und waren ok, aber bei diesem Gang ging es um die Schnecken. Bei Frau rocco konnte ich noch kurz ihr Beef Tatar mit roten Johannisbeeren und Kräutermayonaise probieren, das grob geschnitten und ausgezeichnet war. Der Wein zu diesem Gang war ein 2007 Côtes du Jura Savagnin Ouillé "Les Chassagnes" von Philippe Bornard, der dadurch bekannt geworden ist, dass er in der französischen Version von "Bauer sucht Frau" teilnahm.

    Jetzt ging es schon zum Hauptgang über, nämlich Lamm & Zwiebeln. Das war genau so ein Soul Food Gang wie der Schnecken Gang. Das Lamm kam als innen rosa bis blau, außen knusprig gebratenes Filet und als gebackene Lammhackpraline. Dazu gab es Zwiebeln in verschiedenen Variationen, wieder die Silberzwiebeln, eine angeröstete halbe Zwiebel, Zwiebelmus, usw. Einfach toll. Auch sehr gut dazu war der sehr moderne 2006 Rioja Reserva der Bodegas Baigorri aus der Rioja Alavesa.

    An Desserts gab es zwei zur Auswahl, und wir mussten natürlich beide probieren. Das von Frau rocco war besser, es war fast roher Rhabarber mit einem spannenden Kerbeleis und noch ein paar weiteren Beigaben. Mein Dessert war Bier-Porridge, Pflaume & Feige. Mein Verständnis ist, dass dieses Gericht dem traditionellen dänischen Gericht Øllebrød (zerkrümeltes Schwarzbrot mit Malzbier) nachgebildet war, das man normalerweise als Beilage ist. Auch hier war das Porridge eher salzig als süß, ein Milcheis gab ein bisschen Frische und eingelegte Pflaumen und Feigen etwas Süße. Das war schon ein spannendes Dessert, das dazu auch noch sehr gut schmeckte. Hervorragend dazu passte auch der 2009 Blaufränkisch Eiswein von Horst & Georg Schmelzer.

    Uns hat es sehr gut gefallen, aber die Tage danach waren wir von unserem Essen doch noch einen Tick mehr begeistert. Schön ist auf der anderen Seite, dass das Restaurant weniger die manchmal auch etwas unterkühlt wirkende "New Nordic Cuisine" betont, sondern auf mich - auch bezüglich des Ambiente - eher wie eine vornehme Version einer Kneipe mit herzhaften Gerichten wirkte. Preislich liegt ein 4-Gang-Menu bei ca. 60 Euro, die Weinbegleitung kostet das Gleiche, Wasser und Café sind mit 5 Euro pro Person etwas teurer als in vergleichbaren Restaurants. Beim nächsten Besuch würde ich wohl erst einmal nicht wiederkommen, aber das liegt nur an der Konkurrenz. Denn wären wir nach diesem Restaurantbesuch wieder nach Hause gefahren, wäre es trotzdem ein schöneres Erlebnis gewesen als in zahlreichen deutschen Sternerestaurants, in denen ich war.

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  • patrick.janoud
    antwortet
    Zitat von brigante Beitrag anzeigen
    "Told & Snaps" werden wir sicher mal ausprobieren... Danke für den Tipp!

    Tisch im noma haben wir nun auch ergattert, wenn auch "nur" zum lunch. :cheers: (Und bei soviel Negativem, das ich in letzter Zeit darüber lese und höre, kann es eigentlich nur großartig werden)

    Auf der shortlist sind nun noch Geranium (Warteliste), AOC und KiinKiin - wenngleich ich bei beiden etwas skeptisch bin.

    Dennoch bin ich weiterhin für Tipps und Erfahrungen jeder Art dankbar - auch was gute Bars und Kneipen für den (späteren) Abend betrifft.

    Dank und Grüße
    b.
    was gab es denn negatives über das noma zu lesen?

    ps. wenn in kopenhagen auch unbedingt relae aufsuchen...

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  • brigante
    antwortet
    "Told & Snaps" werden wir sicher mal ausprobieren... Danke für den Tipp!

    Tisch im noma haben wir nun auch ergattert, wenn auch "nur" zum lunch. :cheers: (Und bei soviel Negativem, das ich in letzter Zeit darüber lese und höre, kann es eigentlich nur großartig werden)

    Auf der shortlist sind nun noch Geranium (Warteliste), AOC und KiinKiin - wenngleich ich bei beiden etwas skeptisch bin.

    Dennoch bin ich weiterhin für Tipps und Erfahrungen jeder Art dankbar - auch was gute Bars und Kneipen für den (späteren) Abend betrifft.

    Dank und Grüße
    b.

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  • WiLa
    antwortet
    Auch mir ging es vor meinem Kopenhagen-Besuch im Nov 2010 so, dass mich die doch so unterschiedlichen Erfahrungsberichte bzgl. der *-Restaurants etwas verwirrt haben. Die Erlebnisse sind halt doch sehr unterschiedlich, bzw. werden völlig verschieden bewertet. Wir selbst waren schlussendlich im "The Paul" und zusammenfassend kann ich sagen, dass es gut, aber nicht überragend war. Preis-/Leistungsmäßig erschien es mir/uns im Vergleich mit anderen Restaurants dieser Klasse als zu hoch, was aber auch an den generell hohen Preisen in Kopenhagen liegen kann.
    Als generell Besonders ist beim "The Paul" natürlich die Lage zu bezeichen, da es mitten im Tivoli liegt, was insbesondere im Winter mit all den Lichtern etc. atmosphärisch beeindruckend war. Auch empfanden wir Service und Atmosphäre im Restaurant selbst als sehr angenehm, zuvorkommend und entspannt. Das Essen/Menü selbst hingegen hat uns nicht überzeugt. Handwerklich gut, aber wie gesagt nichts wirklich Besonderes.

    Für einen Mittagsimbiss oder für was Zwischendurch kann ich allerdings uneingeschränkt "Told & Snaps" am Nyhavn (Toldbodgade 2) empfehlen. Für mich die besten Smörrebröds der Stadt!!! Dazu selbstgemachte Schnäpse/ Liköre etc. und sehr nettes Personal!!! Ist natürlich ne andere Liga als *-Küche aber war für mich (bös gesagt) fast besser und authentischer!!!

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