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Madrid, unter den Sternen

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  • Madrid, unter den Sternen

    Wenn New York die Stadt ist, die niemals schläft, dann ist Madrid die Stadt, die stets ißt ... oder trinkt ... oder, meistens, ißt und trinkt. Nach einem kurzen Frühstück beginnt die einzige Durststrecke des Tages, die sich die Einheimischen mit irgendwann noch einem Kaffee, mit vielleicht etwas im Fett ausgebackenen Süßen, am späteren Vormittag einem ersten Glas Wein, vielleicht mit etwas Salzigem, dann eventuell nochmals Kaffee und nochmals Wein, verkürzen. Der eigentliche Tag beginnt gegen 14 Uhr mit dem Mittagessen, das sich durchaus zweieinhalb Stunden hinziehen kann, wobei es vollkommen normal ist, einer Flasche Wein den Garaus zu machen.
    Für uns Touristen ist das ja wie gemacht, denn wenn man um diese Zeit erschöpft und etwas unterzuckert aus einem Museum - und von denen gibt es überaus spektakuläre in Madrid - wankt, wird man von allen Seiten her eingeladen, sich etwas zu stärken und zu laben (im Gegensatz zu den meisten europäischen Hauptstädten, wo einem um diese Zeit überwiegend Schnellfutter versucht wird anzudrehen, auch, und gerade, in Paris beginnt man da in den Bistrots aufzustuhlen).
    Da gibt es zum Beispiel das

    Lavinia
    eine Weinhandlung von erheblicher Größe; allein die hinter (Panzer?)Glas liegende Schatzkammer mißt gewiß 70 Quadratmeter. Im ersten Stock sind dann einige Tische eingedeckt, weißes Tuch, hübsche dünnwandige Gläser. Wir lassen uns ein T-Bone braten, das, ungefragt, mehr rot als rosa serviert wird, sehr gute Fleischqualität. Die Weine werden offen ausgeschenkt, eher im 0,15 er Bereich. Mich begeistert zunächst ein Rioja, Valdeginés von Artadi, 2012, 9€. Nein, der Wein ist nicht viel zu jung, er läßt sich schon sehr gut trinken. Die Zeit, in der die Weine aus dem Ebrotal noch holzige Holzburschen waren, ist längst vorbei. (Ich empfehle diesen Wein, bei Lobenberg 43€/Flasche (http://www.gute-weine.de/) zum Osterlamm.) Nun fällt die Entscheidung für einen Mittagsschlaf nich schwer, zumal wir es uns nicht entgehen lassen wollten, noch zwei "große" Weine zu probieren, die man in Deutschland kaum offen angeboten bekommt, schon gar nicht zu diesem Preis. Telmo Rodriguez Matallana 2007, das Glas 16€, ein dichter Duero mit wunderbar harmonischem Säurespiel, noch dichter und noch vielschichtiger dann die 2010 Valbuena Reserva (18€)

    Es ist 18 Uhr und eine leicht fiebrig-flimmernde Nervosität legt sich über die Stadt. Bis zum kulinarischen Höhepunkt, dem Abendessen, müssen noch drei/vier Stunden überbrückt werden. Dies ist die große Zeit der Tapakneipen und der Cervecerias. Ein kleines Bier kostet 90 Cent, in der Cerveceria Alemana am Plaza Santa Ana, wo, trotz kalten Windes (Heizsonnen und eine Art Flammenwerfer halten jedoch dagegen) , die Stimmung allmählich hochköchelt, müssen wir für ein Glas Champagner (Brut Abelé) 3,20€ abdrücken. Die Oliven sind sehr intensiv im Geschmack, wie ich sie vor vierzig Jahren bei meiner ersten Spanienquerung so gar nicht gemocht hatte - und wie sie heute nur selten zu erhalten sind.
    Man kann schließlich dort auch nahtlos zum Nachtmahl übergehen, der eingelegte Pulpo ist leicht scharf, erstaunlich zart, die lilane Peripherie mit den Saugnäpfen ist mir allerdings ein wenig zu schlabberig, mit einem äußerst angenehmen Albarino von Martin Códax läßt sich das bequem zurechtrücken. Auch die frittierten Tintenfische überzeugen durch Zartheit, da ist nichts gummiartiges, allein die Panade könntesolltemüßte knuspriger sein. Aber das wird durch die unvergleichliche Stimmung im Lokal wettgemacht; der Geräuschpegel ist enorm, lediglich die Pubs von Dublin können da mithalten.
    Da gibt es in den kleinen Gäßchen von Huertas aber auch kleine, charmante Lokale wie z.B. das

    Bistronomika
    in der Calle Santa Maria, das erst vor kurzem aufgemacht hat. Uns hat das Konzept gut gefallen. Von einer Küche kann man kaum sprechen, es gibt eher eine Art Bar, in der gekocht wird. Da steht ein Topf mit siedendem Fett, um die kunstvoll hergestellten Bällchen zu frittieren, in deren Inneren allerlei Gemüse, Kräuter, vielleicht auch etwas Mozzarella-artiges sich befinden. Das Prunkstück dieser "Küche" ist jedoch ein duerorot-emaillierter Grill, mit großer Haube, zur einen Hälfte mit glühender Holzkohle gefüllt. Wir essen Tintenfische, im Ganzen gegrillt, an einigen Stellen fast schon dunkelbraun, tolle Röstaromen bei umwerfender Zartheit. Auch eine entbeinte Taube schmeckt betörend, die Haut knusprig gegrillt, die Garzeit bei indirekter Hitze nur kurz gewählt, so daß man von rosa gebraten nun wirklich nicht sprechen kann, nein, das ist riojarot. Die begleitenden Gemüse sind wunderbar aromatisch und nicht nur Mitläufer.
    Die Weinkarte ist klein, aber, so weit ich das beurteilen kann, pfiffig ausgewählt. Diesem Lokal wünsche ich viel Erfolg.

  • #2
    Vielen Dank für den schönen Madridausflug und weiter viel Genuß !

    Saludos cordiales a Castilla,
    S.

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