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Hisop *, Barcelona

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  • Hisop *, Barcelona

    An guten Restaurant-Adressen mangelt es in Barcelona nicht. In der Tat gibt es durchaus viele gehypte Häuser, die mit innovativen Konzepten auch überregionales Interesse wecken. Das ist gut und schlecht gleichermaßen, denn Reservierungen werden damit naturgemäß erheblich schwieriger. Für den dritten Abend verzichten wir also auf die ganz großen, bekannten Namen und entscheiden uns etwas aus dem Bauch heraus für ein Restaurant in fußläufiger Entfernung unseres Hotels, das aber durchaus auch gute Bewertungen im Netz hat.

    Das „Hisop“ liegt in einer kleinen Seitenstraße der Avinguda Diagonal und ist von außen eher unauffällig und auch innen herrscht in dem langgezogenen, gar nicht allzu großen Raum eine moderne Sachlichkeit vor, die auch seit der Eröffnung des Restaurants im Jahr 2001 nichts von der zeitlosen Eleganz verloren hat.

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    Außenansicht & Interieur

    Oriol Ivern Bondia hält seit 2010 einen Michelinstern. Parallel betrieb er auch in Stockholm mit seinem ehemaligen Sous-Chef in Stockholm ein Tapas-Restaurant, das er jedoch im Dezember 2018 schloss. Offenkundig soll es aber in diesem Jahr an anderer Stelle dort ein neues Lokal geben.
    Aus seinem schwedischen Engagement nun allerdings eine Affinität zur nordischen Küche abzuleiten, wäre zu kurz gegriffen. Oriol Ivern geht es um die katalanische Küche in einer zeitgemäßen, modernisierten Form.

    Neben einem interessanten à la Carte-Angebot aus jeweils 5 Vorspeisen, Fisch- und Fleischgerichten und Desserts gibt es auch ein Menü in 9 Gängen, wobei da allerdings auch Amuses und Pré-Dessert mit augeführt werden, zu trotzdem charmanten 65 Euro, das sich überwiegend aus den à la Carte-Gerichten zusammensetzt. Und dies soll auch unsere Wahl sein.

    Beim ersten Gruß befindet sich unter einem Apfelschaum ein Blumenkohlpüree mit Herzmuscheln, das mit Senf dezent abgeschmeckt ist. Vorherrschend ist ein cremig, weiches Texturspiel mit einem harmonischen Grundakkord.

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    Herzmuschel mit Apfel und Senf

    Deutlich herzhafter und würziger geht es weiter mit der Suppe von Calçots, einer Art Frühlingszwiebeln. Dazu gibt es leicht angerösteten Kohl und Baby-Tintenfische. Erneut eine stimmige Kombination, die leicht zugänglich ist.

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    Geröstete Suppe von Calçots mit Sepiolen

    Die Kombination Aal und Seeigel ist für mich neu, aber sie funktioniert recht gut. Sehr schön dazu der super-fluffige Blini und auch die süßliche Sauce fügt sich passend ein. Es ist an dieser Stelle spätestens klar, dass Oriol Ivern nicht mit Kontrasten irritieren will, sondern immer ein rundes Geschmacksbild anstrebt. Die über das Gericht gehobelte Bergamotte liefert daher auch nur einen homöopathischen Zitruseffekt.

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    Blini mit Aal, Seeigel und Bergamotte

    Dass nicht unbedingt immer das Vordergründige auf einem Teller die Hauptrolle spielen muss, zeigt der nächste Teller. Nicht das gut gebratene Kalbsbries auf Zwiebeln oder die cremige Sauce aus Walnüssen und Sherryessig oder der ohnehin wenig intensive katalanische Trüffel hinterlassen bei mir den stärksten Eindruck, sondern die super frischen Erbsen, die hier schön in Szene gesetzt werden. Insgesamt ein süffiger und überzeugender Gang.

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    Erbsen mit Kalbsbries und Trüffel

    Der Fischgang kommt sehr konzentriert und ohne überflüssigen Ballast. Das Knurrhahnfilet wird in einem ganz leichten Tempurateig punktgenau frittiert und ist nur von ein paar hellen Möhrenstreifen und einer verhältnismäßig milden Jalapeno-Sauce begleitet. Die Pfefferminzstreifen bleiben eher schmückendes Beiwerk, das aber nicht viel zum Gesamtbild beiträgt. Das ist nicht besonders aufregend, stellt aber ein schönes Produkt in den Mittelpunkt.

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    Frittierter Knurrhahn mit Jalapenos und Pfefferminze

    Blanquette vom Kalb, also eine Art Frikassee, mit einer Bechamelsauce ist herrlich altmodisch. Mit Forellenkaviar und einigen Zwiebelsegmenten setzt Ivern ganz moderate Akzente. Die Karotten sind für meinen Geschmack etwas zu bissfest, aber trotzdem eine passende Beilage.

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    Kalbsfrikassee mit Forellenrogen

    Im „Hisop“ gehört eine klassische Käseauswahl erfreulicherweise zum Standardprogramm und die beschränkt sich auch nicht auf rein lokale Sorten. Für uns gibt es französische, englische und spanische Sorten, allesamt gut gereift.

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    Käse

    Sehr überraschend und originell präsentiert sich das Pré-Dessert. Mango-Chutney und Lychee-Sorbet gehen ja noch recht klassisch zusammen. Aber schon mit dem Vanille-Granité kommt eine Komponente dazu, die ich in dieser Form auch noch nicht hatte und wirklich toll finde. Am Tisch wird mit einem Zerstäuber Wodka mit Thai-Chili über das Gericht gesprüht. Der Wodka selbst ist nicht schmeckbar, aber eine prägnante Schärfe legt sich über das Dessert. Einfach klasse!

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    Lychees mit Vodka und Mango-Chutney

    Wie eine Kindheitserinnerung wirkt das folgende Schälchen. Ein warmer Schokoladenpudding kündigt sich an – denke ich zumindest. Tatsächlich ist es ein warmes Schoko-Espuma, unter dem sich ein Hefeeis und Haselnüsse verbergen. Das ist ganz direkt zugänglich, unkompliziert, bedient Textur- und Temperaturkontraste und ist einfach nur lecker.

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    Heiße Schokolade mit Haselnüssen und Hefe

    Die Petits Fours schließen nahtlos an das gute Niveau der vorherigen Desserts an. Eine erfrischend säuerliche Hibiskus-Mandarinen-Granatapfelinfusion, kandierte Oliven und Schokotrüffel sind allesamt köstlich.

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    Petits Fours

    Das „Hisop“ bietet sicherlich keine experimentelle Avantgarde-Küche, wie man es vielleicht am ehesten in dieser Stadt erwarten würde. Statt dessen liefert Oriol Ivern eine leicht zugängliche Küche, die ganz auf harmonischen Geschmack setzt. Die Zubereitungen sind handwerklich akkurat, auf klug und überschaubar komponierte Gerichte konzentriert. Das trifft offenbar den Geschmack vieler Gäste. An diesem Dienstag Abend ist das Restaurant ausgebucht.
    Zum Erfolg trägt sicherlich auch die moderate, fast schon günstige Preisgestaltung bei, die sich auch auf der mehr als gästefreundlich bepreisten Weinkarte fortsetzt.
    Der Service ist professionell und gut auf das zahlreiche internationale Publikum eingestellt. Allzu ausgiebige Small Talks sollte man aber, vor allem bei Hochbetrieb, nicht erwarten.

    Die Taktung zwischen den Gängen war für meinen Geschmack zwar etwas zu zügig, aber das ist auch eigentlich schon das Einzige, das ich auszusetzen hätte. Das „Hisop“ ist ein durch und durch sympathisches Restaurant.



    Bericht wie immer auch auf meinem Blog: tischnotizen.de/hisop-barcelona/
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