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El Celler de Can Roca, Girona

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  • QWERTZ
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    puh - da hatte ich etwas mit den Bildformaten zu kämpfen, auch ich muss mich noch auf die neue Forumssoftware einstellen. Nun ist der Bericht aber komplett...

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  • QWERTZ
    antwortet
    Unsere Barcelona/Griona-Reise beginnt mit etwas Verzögerung. Am Frankfurter Flughafen bewegt sich am Abreisetag wenig, Generalstreik in Frankreich – will man im Gourmet-Mutterland verhindern, dass wir nach unserer Paris-Reise genau prüfen können, ob Spanien Frankreich auf den Fersen ist?
    Wir überlegen bereits, ob wir, für den Fall der Ausgabe von Hotelgutscheinen, schon mal die Verfügbarkeit von Tischen im Lafleur prüfen sollen, oder ob eine Bahnverbindung eine Anreise für den Lunch am Folgetag möglich macht - geht in der Tat: mit einem Umstieg in Avignon (acht Stunden Aufenthalt). Da wir dann genau 30 Minuten vor dem geplanten Beginn des Lunchs im El Celler de can Roca ankommen würden, merken die Damen der Gruppe an, dass es doch etwas knapp wäre, sich frisch zu machen. Die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen, da lässt der Pilot schon mal auf Verdacht einsteigen, damit er den nächsten freien Slot über Frankreich bekommt, was ihm dann auch gelingt.
    Die Maschine hebt mit gut zwei Stunden Verspätung am. Dann wird es am Flughafen nochmal spannend: die Koffer wollen zunächst nicht kommen, aber nachdem sich ca. 20 Minuten nichts tut, setzt sich das Band doch wieder in Bewegung und auch unsere Koffer sind vefügbar. Dann werden wir von einem bereits angereiten Teil der Gruppe und Hannes Buchner empfangen. Mit dem Gourmet-Club-Mobil und einem weiteren Mietwagen geht es dann nach Girona.

    Am Abend erleben wir eine Unabhängigkeitsdemo in der wunderbaren Altstadt – immerhin war der Puigdemont dort mal Bürgermeister. Entsprechend enttäuscht reagiert die Masse, als er in seiner Rede die Unabhängigkeit nicht ausruft. Wir haben uns vorher Plätze in einer Studentenkneipe mit baskisch geprägtem Angebot gesichert. Die Pintxos sind gut, aber die Miesmuscheln haben Ausnahmequalität. Seidig und aromatisch schmecken sie.


    So viel zur Einstimmung – der Höhepunkt der Reise sollte schon das erste Dinner sein – jedenfalls war es im El Celler de Can Roca am schwierigsten, den Tisch zu bekommen. Als diese Reservierung stand, hat Hannes Buchner die übrigen Termine für die Reise geplant. Uns sollte es ja schließlich nicht so gehen wie zwei Asiaten, die mit uns im Garten vor dem El Celler warten. Während wir zu unserem Tisch gehen konnten, verblieben sie dort, in der Hoffnung, das irgendwelche Gäste nicht erscheinen. Leider hatten die Herren kein Glück… Wir werden zunächst in die Küche geführt, bevor wir dann an einer Tafel Platz nehmen dürfen, die gerade so für die gesamte Gruppe reicht
    .

    Das Celler de Can Roca ist ein interessant gestaltetes Anwesen. In einem älteren Gebäudeteil ist die Küche untergebracht. Daran schließt sich ein in Dreiecksform gestaltetes Restaurant an. Im Innenhof und rundherum stehen Bäume. Durch die Glaswände entsteht der Eindruck, als säße man in einem Park oder gar Wald – gerade zur Mittagsstunde ist das ein gemütliches, lichtes Ambiente.



    Das Menü beginnt mit einem kleinen Spiel: Für The World wird für jeden von uns ein Globus serviert, unter dem dünne Metallärmchen angebracht sind, die sich bewegen lassen, was noch eine besondere Rolle spielen wird. An deren Ende befinden sich kleine Schalen, in denen die ersten Amuse Gueules liegen, die wie Monde um die Erde kreisen. Die Amuses sollen vier typische Gerichte aus vier Ländern repräsentieren. Am Ende gilt es zu erraten, welcher der kleinen Happen für die japanische Küche stehen soll.



    Lamb, Yourt, Cucumber, onions with mint schmeckt wie hochwertigster Döner und ist die für meinen Geschmack typischste Darstellung einer Landesküche in dem Reigen. Von der peruanischen Küche inspiriert ist „Causa limena“, das schön nach Kartoffel schmeckt und eine leichte Schärfe hat. Korea ist auch mi dabei und zwar mit pano fried bread, bacon with soya sauce, kimchi and sesame oil. Es ist aber nur dezent vom Kimichi-Kohl geprägt und auch lecker. Am wenigsten typisch empfinde ich beiden letzten Happen, von denen es zu erraten gilt, welcher Japan repräsentiert. Thailand: thai chicken, coriander coconut, curry and lime und Japan: miso cream with nyinyonyaki.

    Wenn die Entscheidung getroffen ist, soll man den Draht der das japanische Amuse gehalten hat in eine bestimmte Stellung schieben. In dem Moment springt der Globus mit einem Klack auf. Im „Erdinneren“ befindet sich eine aus Meerwasser (bzw. Austernwasse) gelierte Kugel mit etwas Forellenkaviar, die aber geschmacklich kein Highlight ist.



    Als nächstes wird eine, zwei Drittel der Platzteller einnehmende Pappe auf diesen gelegt und aufgeklappt. Es erscheint eine Illustration, die die alte Bar der Roca-Familie darstellen soll und mit Jugendfotos der drei Brüder ergänzt ist. Nach der großen Welt geht es nun also um das Zu Hause und die Küche Kataloniens. Ein Campari Bonbon als Erinnerung an die Bar in den Vororten von Giorna, Montse’s Meat Cannellono, ein intensives Pigeon Bonbon, Breaded Squid (besonders lecker), Kidney with Sherry – alle diese Kleinigkeiten sind sehr geschmackvoll, um nicht zu sagen deutlich besser als die vorherige Weltreise - und witzig ist die Präsentation obendrein.



    Die verspielten Variationen sind die einzigen „Zirkuseinlagen“ des Lunchs, die folgenden Kreationen sind alle ernsthaft, teilweise sogar fordernd, zeigen aber gleich, wie diese Küche angelegt ist: weltoffen und der spanischen Heimatküche verbunden.

    Starfish, also ein Seestern, ist ein feines, würziges Gebäck zu der dazu gereichten „Installation“ – Coral: escabeche mussels, Pesto razor Clam – sensationelle Textur und tollerer mediterraner, typischer Pestogeschmack kennzeichnen die beiden Löffel.


    Green Olive’s ice cream ist eine nicht allzu kalte Creme aus Olive(nöl), die von einer festen „Schale“umgeben ist. Es schmeckt intensiver als eine normale Olive und eher nach Olivenöl. Sehr gelungen.



    Truffeld bonbon und truffeld Brioche werden gemeinsam serviert. Das Bonbon hat einen sehr intensiven Trüffelgeschmack – in etwa so intensiv, wie dieses scheußliche Trüffelöl, nur dass es hier eben wirklich nach gutem Trüffel schmeckt. Die Brioche wir mit einer Mayonnaise neutralisiert.


    Consommé gelée of red mullet ist eine marinierte Rotbarbe, die mit Kombu, Safran, gegrilltem schwarzen Knoblauch, Tomaten und Fenchel aromatisiert ist. Die gelierte Consomée schmeckt sehr intensiv und leicht bitter. Die weiteren Aromen sind eher Randerscheinungen, nur der Knoblauch setzt noch mal weitere Akzente.



    Eine bittere Note wird sich nun durch die weiteren Fischgänge ziehen. Das macht sie durchaus etwas fordernder und führt auch dazu, dass nicht bei jedem bei uns die volle Begeisterung über die einzelnen Gänge ausbricht. Aber es ist ein roter Faden, der darüber hinaus dazu beiträgt, dass bei einem überaus umfangreichen Menü (Beginn 12.30 Uhr, Ende 17 Uhr, ohne größere Wartezeiten), zumindest bei mir nie die Lust am Essen aufhört. Aber es nimmt vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle manchem Produkt die Brillanz…

    Oyster, fennel sauce, black garlic, apple, seaweed, mushrooms, distilled erth and sea anemone zeigt eine in fünf Teile geschnittene Auster mit fünf Aromen, die von vorn nach hinten immer kräftiger werden. Die Fenchel-Sauce und der Knoblauch (Bitterelement) geben dem Ganzen einen gelungenen Rahmen – auch wenn ich es bevorzugt hätte, das der pure Austerngeschmack stärker wahrnehmbar wäre.



    Langoustine with , vanilla oil and toasted butter – ist fein konstruiert, aber nicht besonders ungewöhnlich. Die Langoustine ist mariniert und von guter Qualität. Lecker, man erinnert sich nicht ewig daran.


    Mackerel with tempeh of „gaxnet“ beans ist deutlich fordernder bzw. ungewöhnlicher. Die fermentierte Bohne (nach Art der Sojabohne) ist in vier verschiedenen Reifestadien auf dem Teller. Die wirklich kleinen Makrelen-Stücke verhindern, dass das Fisch im Vordergrund steht. Es geht in dem Gericht eher um die fermentierten Bohnen. Aromatisch interessant, aber schon etwas speziell – muss man mögen (oder auch nicht), aber interessant ist der Gang auf jeden Fall.


    Prawn marinated with a rice vinegar – Prawn’s head sauce, crispy prawn legs an seaweed veloute zeigt wie geschmacksintensiv selbst die Antennen der Garnele sein können. Sie sind knusprig und haben ebenso wie die Sauce einen starken Garnelengeschmack. Auch hier ist wieder ein Tick Bitterkeit dabei. Insgesamt hat mir das Gericht sehr gut gefallen, auch wenn das Garnelenfleisch ruhig ein bischen wärmer hätte sein können. Aber es zeigt, wie viel Geschmack in einer Garnele steckt und, dass der Genuss keinesfalls nur auf den Schwanz begrenzt werden sollte.


    Cuttlefish with sake lees and black rice sauce. Der Tintenfisch ist von sehr guter Qualität und hat einen schönen Geschmack. Hier hat die Sauce ein volles, aber wieder mit leichten Bitterstoffen „abgerundetes“ Aroma. Leider ist sie von diesem Teller nicht so einfach abzukratzen


    Turbot with vegetables fermented in brine. Bei diesem Gang geht für mich das Fermentieren. Er nimmt die damit einhergehenden “strengen” Aromen bislang am stimmigsten auf. Der Steinbutt ist sehr gut, die Sauce vollmundig und cremig, ohne die kleinen sehr sauren Gemüse wäre das eine klassische Kombination. Mit dem Gemüse bekommt es den Twist, den es auf die Linie der vorherigen Gerichte bringt, gleichzeitig aber einen schönen Genussmoment ermöglicht und weniger verkopft wirkt, als etwa die Makrele.


    Duck with corn and figs ist der erste, allerdings kalte, Fleischgang. Der Mais, die Feige und die Sauce passen gut zusammen.


    Iberian suckling pig with salad of green papaya, Thai grapefruit, apple, coriander, chilli-peper, lime and cashew gefällt mir ausnehmend gut. Das Stück Schweinebauch könnte gut und gerne etwas größer sein. auch im Verhältnis zur Kruste. Es ist ehr aromatisch und hat eine schöne Fetttextur und eine extrem leckere, knusprige Kruste. Die frischen Aromen dazu sind puristisch und passend und sind somit ein optimales Gegenstück zum Fett. Die Brücke bildete die Nusscreme mit etwas Süße und Schärfe. Es ergibt sich so ein komplettes und hochklassiges puristisches Gericht.


    Charcoal-grilled lamb consommé, lambs tongue, vinaigrette and lamb scratching with lamb brain und tripe knüpft qualitativ nahtlos an. Die Deklinationen der Innereien und verschiedenen Lamm-Teile sind– etwas nachteilig für das Foto – in einzelnen Schalen auf einem welligen Teller angerichtet. Alle Zubereitungen sind so aromatisiert, dass der pure Fleisch- bzw Lammgeschmack voll zur Geltung kommt.


    Squab civet and its parfait kommt bei uns mit eher lauer Temperatur auf den Tisch. Sicher ist es gewünscht, dass der Gang nicht richtig heißt ist, aber so kühl hätte meines Erachtens vor allem die Brust nicht sein sollen – auch die Teller sind kühl, so dass mir nicht klar war, ob das seitens der Küche so gewünscht ist, oder ein Fehler vorliegt. Das Fleisch schmeckt gut und mit dem Parfait kommt auch hier wieder ein klarer Fleischgeschmack dazu. Aber wenn das so gewollt ist, ist dies doch ein zwar eher schmackhafter, aber auch etwas simpler Gang.


    The plant, from roots to flowers distilate of sand, tomato leaf, cucumber, chartreuse, red fruit, melon orange, blossom and violett ist eine schöne Deklination von kühlen Zubereitungen, die der Erfrischung dienen soll. Vor allem das florale Aroma bleibt lange im Mund stehen. Die Idee dahinter ist es, mit allen Aromen eines Baums von den Wurzeln bis zur Blüte zu arbeiten. Das ist durchaus geschmacklich erkennbar. Auf dem Bild ist der Baum - der besseren Optik wegen - aber von der Blüte zur Wurzel zu sehen.


    Pine wood, ice cream of pine honey, thyme, rosemary and oregano ist klar vom Pinienaroma geprägt und hat eine angenehme, dezente Honig-Süße, aber auch ein deutliches Bitteraroma. Für mich ein gutes, eher ungewöhnliches Dessert.


    Old book, puffed pastry of butter cookies, cream and darjeeling soll tatsächlich so was wie Staub und altes Papier in Dessertform bringen. Durch das Teearoma, gelingt diese Assoziation auch auf der Zunge. Optisch wird sie mit Esspapierseiten 'rübergebracht. Auch hier ist die Süße nicht allzu groß, das Aroma aber durchaus vollmundig.


    Zum Schluss gab es noch eine Auswahl vom reichlich bestückten Petit Four-Wagen im Kirmes Design.



    Die Fisch- und Seafood-Gerichte fand ich insgesamt gut, aber ein echtes Highlight fehlte für mich. Zu sehr zog sich Linie der Bitter- und Säuretöne infolge von Fermentierung durch die Gänge. Die Fleisch-Sektion des Menüs hat mir wesentlich besser gefallen, teilweise sogar begeistert, auch wenn vielleicht wir bei der Taube und der Ente nicht die meiner Meinung nach notwendige Temperierung auf dem Teller bekommen hatten. Die Desserts sind ungewöhnlich im Geschmack, aber nicht hyperkomplex in den Aromenkombinationen und machen somit Spaß. Aber man muss eines im Auge behalten: das Menü ist äußerst lang. Wir saßen von 12.30 Uhr bis gegen 17 Uhr im Restaurant, aber durch diese Aromen verspürte ich nur ein leichtes, angenehmes Sättigungsgefühl. So ist für mich die Menügestaltung der beste Teil des Menüs.

    Perfekt war die Dramaturgie und der Spannungsbogen über die vielen Menüpositionen. Viele Gänge waren – durchaus überraschend für die spanische Küche – recht ernsthaft. Vieles war sehr gut, aber fehlte das absolute Highlight, dass ein großartiges Menü unvergesslich macht.

    Wir wählten einige Flaschen aus der sehr umfangreichen Weinkarte – tranken einige Flaschen Belondrade & Lurton 2015, sowie zwei Clos Modador (2010 sehr gut, 2012 etwas unreif). Alle Flaschen der Weinkarte schienen uns günstig kalkuliert. Bemerkenswert ist übrigens die Rieslingauswahl namhafter Erzeuger und teilweise auch nicht nur junge Jahrgänge zu Preisen, die deutlich unter denen in deutschen Top-Restaurants liegen.

    Am Abend war ich ich nochmal in der wunderbaren Altstadt unterwegs, samt sehr schönem Sonnenlicht bzw. Untergang.
    Zuletzt geändert von QWERTZ; 08.11.2017, 11:31.

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  • merlan
    antwortet
    Danke, ich habe nur Bericht #10 gesehen, wo der Link nicht erscheint.

    Das sind die blöden Dopplungen der Postings seit einiger Zeit. Kann man denn da nichts machen?

    Schönen Gruß, Merlan

    PS: Jetzt ist die Dopplung gelöscht. Danke!
    Zuletzt geändert von merlan; 05.05.2016, 15:52.

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  • thomashaj
    antwortet
    Im Bericht #9 ist zu Beginn ein Link zu den Fotos.

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  • merlan
    antwortet
    Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
    Auch nach den Bildern zu urteilen sieht das Menü großartig aus.
    Wo sehen Sie Bilder?

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  • TaxAs
    antwortet
    Hallo Merlan,

    nach den Häppchen kamen die Happen. Insoweit war das von der Menge her durchaus zu bewältigen. Ich war satt aber ohne ein Völlegefühl.

    Viele Grüße,

    TaxAs

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  • thomashaj
    antwortet
    Danke für den Bericht. Auch nach den Bildern zu urteilen sieht das Menü großartig aus.
    Meine Lust, das Restaurant zu besuchen (oder zumindest zu versuchen, einen Tisch zu bekommen), ist wieder gestiegen!

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  • merlan
    antwortet
    13 Grüße und 14 Gänge, alle Achtung! Davon abgesen, dass ich das niemals schaffen würde, wie haben Sie sich, werter TaxAs, nach diesem Mammutprogramm gefühlt?

    Danke für diesen ausführlichen Bericht.

    Schönen Gruß, Merlan

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  • TaxAs
    antwortet
    „¡Hola!“

    nachdem wir 11 Monate im Voraus einen Tisch bei den Gastgebern J. & J. & J. Roca i Fontané gebucht hatten war die Vorfreude natürlich groß. Das Ambiente mit dem kleinen Wäldchen inmitten des eleganten Lokals ist sehenswert und das man über einen deutschsprachigen Servicemitarbeiter verfügt half ab und an natürlich sehr bei dem Übersetzen der Zutaten.
    Als Begleitung zu den kleinen Einstimmungen wurden wir vom Haus auf eine Flasche

    Albet i Noya „Classic“ El Celler Brut Rva D. O. Penedès

    eingeladen.

    Hier der Link zu den Fotos:

    https://www.pixum.de/meine-fotos/album/7275838

    Die Einstimmungen begannen mit einer Appetithäppchen-Weltreise nach

    Thailand: Huhn, Koriander, Kokosnuss, Curry und Limette
    Japan: Miso-Crème mit Niyinyonyaki
    China: eingelegtes Gemüse mit Pflaumensauce
    Peru: Causa limena (gefülltes Kartoffelbällchen)
    Korea: Panko, Bacon, Soyasauce, Kimchi, Sesamöl

    welches jedes für sich einen intensiven und runden Geschmack hatte.

    Danach nahmen wir an den Erinnerungen an eine kleine Tapas-Bar am Stadtrand von Girona teil. Dort gab es

    Campari Bon Bon
    Ein kleines Brot aus Calamari
    Bohnen mit Sherry
    Stockfischmus mit Spinat und Pinienkernen
    Muschel-Escabeche

    Genau wie die Weltreise sehr ausgewogen und geschmacksintensiv.

    Weiter ging es mit dem

    Bäumchen und seinen gefrorenen Oliven,

    die, auch wenn ich mich wiederhole, das Prädikat Rund & Intensiv verdient hatten. Es fehlten gänzlich die Säure und Bitterstoffe, welche mir den Genuss von Oliven regelmäßig verleiden. Dazu gab es die erste und einzige Schwäche des Abends: Einen merkwürdigen nach Pappe schmeckenden Steifen, der 3 Saucen tragen sollte.

    Als nächstes wurde nun je eine

    Auster mit fermentiertem Knoblauch und eine
    mit einem Ceviche von der Goldbrasse

    zum Tisch gebracht.

    Während die erstgenannte sehr cremig und vollmundig war fiel die zweite durch die betonte Säure auf. Beiden Kombinationen gelang es trotzdem, den feinen Geschmack der Auster mit einzubinden.

    Bevor das eigentliche Menü begann wurde noch ein

    Bon Bon und ein
    Brioche von St. Georgs Pilzen

    serviert. Sehr vollmundig und gehaltvoll…ein gelungener Abschluss der Grüße aus der Küche.


    Das von uns gewählte Degustations-Menü bestand aus 14 Gängen und begann mit

    1. St. Georgs-Pilz-Consommé mit Miso und Gnocchi vom Eigelb

    Die Consommé war sehr aromatisch, brauchte aber die Säure und Frucht der Misocreme und die Mineralien des

    Fontanasanta 12 Magnum IGT Vigneti delle Dolomiti

    Im Zusammenspiel wurde daraus ein perfekt ausbalancierter Gang.

    2. Rotbarbe mit Kombu
    Schaum von der Kaktusfeige, Seeanemone, Salicorn, Katsuobushi-Vinaigrette & charcoal-grilled red pine mushroom

    Die Rotbarbe war für sich allein schon so aromatisch dass sie die Aromen drumherum nicht gebraucht hätte. Allerdings war es schon beeindruckend, wie die Bestandteile eines Kombo zerlegt und mit anderen Produkten wieder zusammengesetzt wurden. Auch hier entstand am Ende ein perfektes Zusammenspiel der verschiedenen Aromen. Dazu wurde mit dem

    -SO2 13 D.O. Costers del Segre

    der erste von mehreren regionalen Weinen serviert.

    Als nächstes kam, formvollendet in einer großen Kakao-Bohne serviert,

    3. Langustino mit Kakao-Bohnen & Steinpilz Sauce mit Creme vom Fangschreckenkrebs

    Die leichte Würze des Steinpilzes bildete die Grundlage auf der die feine Süße des Langustino sowohl von den milden Bitterstoffen des Kakao als auch durch die Creme betont wurde Eine gewagte, aber für mich sehr gelungene Kombination. Dazu wurde ein

    Sarin Berrux 14 A.O.C. Meursault

    gereicht.

    4. Erbsen mit Lakritze, Limonen und Iberico-Schwein

    Pures Erbsenaroma. Die Lakritze war mir nicht aufgefallen. Leider konnte der deutschsprachige Kellner sich natürlich nicht nur um uns kümmern. Zum besseren Verständnis würde ich wohl bei einem nächsten Besuch die Menükarte am Tisch behalten. Ich denke, es macht es etwas leichter wenn man weiß worauf man achten sollte.

    Als Wein wurde ein

    Espenyalluchs 14 D. O. Penedès

    eingeschenkt.

    5. Taube mit fermentiertem Reis und Koij-Sauce, Reis-Plätzchen mit Taubenparfait

    Die Taube war unglaublich zart, wurde aber von der Sauce leicht überdeckt. Die Sauce hatte einen tiefen und aromatischen Geschmack, der sich vom süßlichen in einen ganz leicht herben Ton wandelte welcher seinerseits wiederum durch den Reis aufgefangen wurde.

    Verbunden wurde dieser Gang mit einem

    Loxarel 109 Xarel-lo 04 D. O. Penedès.


    6. Garnelen mit Reis-Essig mariniert mit einer Sauce von Garnelenköpfen
    Backwerk aus Algen und Plankton

    Dieser Gang war eine Demonstration, wie intensiv man den Eigengeschmack einer Garnele herausarbeiten kann. Schon allein die frittierten Fühler hatten so viel Geschmack, dass wir uns gefragt haben, wieso wir das bislang noch nirgendwo sonst bekommen haben.

    Die Sauce aus den Garnelenköpfen war dick, voller Geschmack und fand in dem

    Heymann-Löwenstein Uhlen B 10 VDP Mosel

    einen genialen Partner. Pur getrunken war er eigentlich zu warm und arm an Säure aber sobald man von der Sauce gegessen hatte wurde diese durch den Wein nochmal so angehoben, als hätte ihn die Garnele persönlich ausgesucht.

    7. confierter Rochen mit Rhabarber und
    8. Rote Fleckenbrasse mit Samfiana

    Ich weiß noch, dass ich von beiden Gängen sehr angetan war, weil ich besonders den Rochen so gerne mochte. Aber mehr kann ich dazu nicht mehr sagen. Als Getränke wurde ein

    Cosmic Vinyarters Confainca 14 D. O. Empordà und ein
    Carles Andreu 13 Trepat D. O. Bonca die Barberà

    eingeschenkt.

    Den Abschluss der warmen Speisen bildeten Fleischgerichte. Den Anfang machte

    9. Iberico Spanferkel mit Salat von der Papaya, Thai-Grapefruit, Apfel
    Chili-Pfeffer, Koriander, Limette und Schaum von Cashew-Nüssen

    Die knusprige Haut war so dünn wie Papier und das Fleisch hocharomatisch. Der knackige Salat und der Schaum rundeten mit den süßen und nussigen Noten den Geschmack ab. Der Koriander brachte dazu eine sehr schöne Frische in das Gericht.

    Als Getränk hatte man dazu einen

    Finca Peruco Goyo Garcia Viadero 10 D. O. Ribera de Duero

    für uns ausgesucht.

    10. Lamm mit Auberginen- und Kichererbsenpüree & Lammfüsse mit Spice-Tomaten

    Als „Best of“ vom Lamm könnte man diesen Gang bezeichnen. Wir glaubten, Filet, Schulter und Nacken zu erkennen sowie eine vierte Komponente. Das könnte der Fuß gewesen sein. Jedes Stück für sich konnte sich mit einem gewissen Eigengeschmack von den anderen abheben und fand in dem milden, cremigen Püree und den würzigen Tomaten eine perfekte Bühne.

    Dazu wurde ein

    Jean Michel Stephan Coteaux de Bassenon 13 A. O. C. Cote Rotie

    angeboten.

    11. Kalbs-Schulter (Oyster Blade), Mark, Sehnen und Avocados

    welches erst gar nicht mit einem Messer sondern nur mit einem Löffel und einer Gabel an den Tisch gebracht wurde. In Erinnerung habe ich noch, wie zart das Fleisch war aber die Zeit war mittlerweile doch schon sehr voran geschritten. Einen Fehl oder Tadel hätte ich mir aber wohl bestimmt gemerkt.

    Der Wein zu diesem Gang war ein

    Negre dels Aspres 01 D. O. Empordà

    Schon mal vor Ort hatten wird uns aus dem “Klassiker-Menü” noch den Gang

    Goose a la Royal

    bestellt.

    Das kleine Medaillon aus Gänseklein wurde von einer sehr würzigen, dunklen Sauce, einem milden, süßlichen Gegenpart sowie einer Foie Gras-Creme begleitet. In sich war es sehr herzhaft, was aber durch den

    Rebholz Ahrweiler Latt 05 Auslese VDP Pfalz

    wieder gekonnt kaschiert wurde. Berechnet wurde dieser Gang nicht. Übrigens ebenso wenig wie das Mineralwasser, das wir über den Abend verzehrten.


    Nach einer kleinen Pause und der Besichtigung der Küche wurde als erstes Dessert ein Hütchen mit einem Parfüm an den Tisch gebracht, dessen Geruch dann mit dem

    12. Türkisch Parfum
    Roseneis, Safran, Kreuzkümmel, Zimt, Pistazien

    nachempfunden wurde.

    Das zweite Dessert

    13. Orange Colourology

    war eine Perle aus Karamellzucker, welche unter ihrer zarten Haut ein Bouquet aus Blumen, geeisten Orangenkügelchen und einer Creme verbarg. Die Handwerkskunst und das Orangenaroma waren äußert bemerkenswert. Die Kugel selbst war auf geraspelten Möhren gebettet.

    Den Abschluss bildete eine Schokoladen-Mousse mit einem Tabakblatt, dunklem Kakao, Vanille und getrockneten Pflaumen. Der Tabak ging leider etwas unter, die Süße war angenehm. Der Name war

    14. Kubanische Zigarren Box

    Als Weine zum Dessert wurden ein

    Mathias i Torres Mavasia 12 D. O. La Palma und ein
    Henriques & Henriques Malvasia 20 anys Madeira

    serviert.

    Zu Letzt wurden zu einem Cortado noch ein paar Petit Fours genascht.

    Der Menü-Preis lag bei 198,00 €, die Weinbegleitung bei 90,00 €. Fairerweise muss man sagen, dass die Weine alle vortrefflich ausgesucht waren aber doch nicht ganz an die Auswahl eines Marcel Runge oder David Eitel heran kamen.

    War bisher der Jahresrückblick 2013 im Aqua die Referenz meiner bisherigen kulinarischen Erfahrungen so wandert dieser Titel nun nach Girona zu den Roca-Brüdern.

    Es war eine Kombination aus verspielten Geschmackskompositionen auf der einen Seite während an anderer Stelle wieder der Eigengeschmack des Produkts im Vordergrund stand. Das Menü war ohne echte Schwächen und durchweg auf allerhöchstem Niveau.
    Zuletzt geändert von TaxAs; 03.05.2016, 18:21.

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  • highendFood
    antwortet
    Ein Interview mit Joan Roca , der No.1 der World's 50 Best

    Wir haben Joan Roca in Girona besucht und mit ihm über den katalanischen Eintopf seiner Mutter gesprochen, weshalb es bei ihm zur Hause immer Reis gibt und warum er derzeit einen Traum lebt (mit deutschen Untertiteln).

    Interview Joan Roca - El Celler de Can Roca, Girona ES

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  • Max.Vanderveer
    antwortet
    Aus gegebenem Anlass haben wir schon mal ein paar Impressionen von unserem Besuch vor 2 Wochen in Netz gestellt. Interview und Bericht sind in Arbeit. Ich bin eigentlich kein besonderer Austern-Fan, aber die Auster in der Hollandaise war nicht nur eine der besten meines Lebens sondern hatte auch einen hohen Suchtfaktor. Mehr dann im ausführlichen Bericht.

    Es war so großartig wie es aussieht. Überraschend, beeindruckend aber trotzdem nie überfordernd. Küche muss eben nicht unbedingt extrem technisch oder komplex sein, wenn die Perfektion vorhanden ist.

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  • Sphérico
    antwortet
    Lieber Taillevent,

    vielen Dank für den wunderbaren Bericht, der auch meine Ikaruserfahrung bestätigt und mich darin bestärkt, die Küche im originalen Umfeld zu genießen. Siehe auch die Auster als Austern-Nichtesser. Laut Feinschmecker mit Costa Brava Spezial kann man ja auch vor Ort schön absteigen. Für mich neben Hermann eines der beiden interessantesten Ziele überhaupt, gefolgt von (ohne Reihenfolge) Großraum San Sebastian, Perl, Langen und Wolfsburg.
    :cheers::hungry:

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  • EssenUndTrinken
    antwortet
    Zitat von Trüffelchen Beitrag anzeigen
    Wie weit ist es von Barcelona nach Girona mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
    Wielange ist man unterwegs ?
    Kosten der Fahrt ?
    Denke Taxi kommt nicht in Betracht,
    aber weiß jemand nur so den Preis für die Rückfahrt...
    Danke
    MkG
    Die Züge brauchen von Barcelona nach Girona zwischen 1:20 und 1:40; für Hin- und Rückfahrt sind unter 20 EUR zu zahlen (eine 1. Klasse gibt es nicht). Die Züge fahren in der Hauptverkehrszeit alle 30 Minuten sonst stündlich. Vom Bahnhof in Girona bis zum Restaurant kostet es mit dem Taxi um die 15 EUR (bei Kenntnis des kürzesten Weges sicher weniger ...). Für einen Besuch zum Mittagessen ideal.

    Es lohnt sich!
    In kulinarischer Verbundenheit

    EuT

    Hier der Link zur Fahrplanauskunft; wichtig beim Fahrtenkauf in Barcelona ist, zu wissen, dass es sich um eine "Media Dictancia" handelt: Die Fahrkartenschalter sind für die drei Entfernungsbereiche strikt getrennt.
    http://www.renfe.com/EN/viajeros/index.html

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  • Taillevent
    antwortet
    Girona ist der Barcelona-Flughafen für Billigflieger, wäre sicher auch eine Überlegung wert. Selbst war ich mit dem PKW dort, müsste also die Daten selbst auch im Internet suchen.
    @schlaraffenland, danke für das Angebot, fahre selbst noch recht gerne Auto, vielleicht später, wenn ich nicht mehr fahrtüchtig bin

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  • Trüffelchen
    antwortet
    Wie weit ist es von Barcelona nach Girona mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
    Wielange ist man unterwegs ?
    Kosten der Fahrt ?
    Denke Taxi kommt nicht in Betracht,
    aber weiß jemand nur so den Preis für die Rückfahrt...
    Danke
    MkG

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