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The Ledbury, London

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  • #16
    @Schnecke: Wollte mal nachfragen, wie es Ihnen bei Ihrem Besuch zu Pfingsten im Ledbury ergangen ist. Ich hoffe natürlich, dass Sie einen ähnlich netten und genussfreudigen Abend wie wir damals dort verleben durften!

    Gruß, El Grande Gourmet!

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    • #17
      Vielen dank der Nachfrage, leider war der Abend eher auf einem gutem ein Sterne Niveau, bei einem Gericht sahen wir den Anflug eines zweiten, der Abend war trotzdem nett.
      Der Abend im Haarwood Arms gefiel uns aber durch den Bistro Charakter, was sowohl das Essen als auch das Lokal betraf besser.

      Schnecke

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      • #18


        Der dritte Restaurant-Besuch während meiner London-Reise, aber der erste, der zu unserem Club-Programm gehörte, ging in The Ledbury. Das Restaurant ist in einer Reihe von Wohnhäusern versteckt. Entsprechend ist der Platz im Restaurant relativ knapp. Die Tische stehen ziemlich eng, gerade mal so, dass Mitarbeiter und Gäste sich einigermaßen zwischen den Tischen bewegen können.

        Das Tasting-Menü beginnt mit drei relativ üppigen Snacks. Cremig, Käsig und brotig geht es zu – und das schmeckt schon mal recht gut.


        Mit Chantilly of Oyster wird es dann wesentlich leichter. Aber hier fehlt die Auster als pures Produkt, stattdessen ist Jakobmuschel-Tatar in der Austernschale. Aber die helle Creme vermittelt schon einen Austerngeschmack. So sind Meer und die Frische aromatisch präsent. Das schmeckt schon gut, bleibt aber vielleicht etwas brav, obwohl mit Wasabi auch etwas Schärfe zu schmecken ist.


        White Beetroot, Baked in Clay, Caviar Salt and Smoked Eel hat hingegen sehr viel kulinarische Substanz. Das Kaviar-Salz wird aus getrockneten Kaviarkugeln hergestellt werden, die in der Produktion geplatzt sind. Es hat eine etwas andere Salzigkeit als gewöhnliches Salz. Der Aal gibt Fetttextur und Salzigkeit in die Kombination. Die weißen Rübchen zeigen entsprechenden Biss und Frische. Das Spiel aus Salzigkeit, und Texturen gelingt im Prinzip hervorragend und ist spannend. Leider ist das Kaviar-Salz jedoch im Grunde nur obenauf gestreut und liegt de facto nur auf einer Scheibe der Rübchen. Ist die aufgegessen, wird das Gericht deutlich eindimensionaler, was etwas schade ist, denn perfekt konstruiert hätte es Highlight-Potenzial.


        Warm Pheasnt’s Egg, Arbois, New Season’s Morels, Dried Ham and Wild Garlic ist ein vollaromatischer, richtig schön fülliger Ei-Gang der den Eigengeschmack der verschiedenen Produkte gut kombiniert. Die Säure, die fettige Textur und das feine Morchelaroma greifen perfekt ineinander. Einfach zum Zurücklehnen.


        Cornish Cod, Caramelised in Richmond Park Honey and Turnip ist ein feiner, filigraner Gang. Der Fisch ist sehr gut gegart und ist das dominierende Element des Tellers. Eine feine Süße spielt mit, der aber durch die Rübchen und Bonito-Gelee gut aufgefangen wird.


        Hen of the Woods, Potato Emulsion and Rosemary ist ein Pilzgericht der Extraklasse. Das Gericht schmeckt so intensiv und fokussiert nach dem Pilz, den Google mit „Gemeiner Klapperschwamm“ übersetzt, dass es für mich eines der besten Gerichte der Reise ist. Obwohl nicht viele Elemente auf dem Teller sind, fehlt nichts. Der Geschmack ist komplex und intensiv, da auch die Kräuter und der Kartoffelschaum wahrnehmbar sind, aber ihr Aroma voll in den Dienst des Pilzes stellen.


        Berkshire Muntjac, Smoked Bone Marrow, Rhubarb, Red Leaves and Vegetables ist ein spannendes WIldgericht, den es knüpft nur bedingt an die typischen Aromaten dieses Genres an. Hier sind eine leichte Süße durch die Zwiebel und vor allem Säure aufgrund des Rhabarbers die wichtigen Faktoren. Dazu kommen bittere Aromen durch die Red Leaves, die ich Radicchio identifizieren würde, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob Zuordnung richtig ist. Es fehlt vielleicht etwas die Fokussierung der vorherigen beiden Gänge, aber nicht die Spannung. Dazu kommt noch ein kleines, fülligeres Sidedish, das aber die grundsätzliche Wirkung des Teller nur wenig beeinflusst.


        Passionfruit Curd, Sauternes and Olive Oil ist ein sehr schönes, frischen Predessert mit einem Schuß Komplexität durch die Kombination, wobei ich weder Olivenöl noch Sauternes als einzelne Aromen identifizieren kann.


        Brown Sugar Tart, Stem Ginger Ice Cream begeistert vor allem mit der intensiven, milchigen Eiscreme, die den üppigen Kuchen kontrastiert. Spannung, Modernität und Komplexität sind was anderes, aber es schmeckt gut.


        Das Menü im The Lebury war sehr überzeugend - vor allem dann, wenn die Gerichte stark auf das Hauptprodukt fokussiert waren. Alle Gerichte waren harmonisch konstruiert und haben sehr gut geschmeckt, insofern war es ganz einfach, den Abend wirklich zu genießen.
        Was ich aber schon etwas auffällig fand: es gab für mich keine wirkliche kulinarische Linie im Menü. Der erste Gang wirkte ein wenig molekular inspiriert, dann gab einige sehr produktfokussierte und puristischere Gänge und das Ei und der Hauptgang waren üppiger. Mein Eindruck ist, dass die Gerichte nicht so als Menü entwickelt wurden, sondern im Ledbury Gerichte einzeln entstehen und die Menüs dann je nach Jahreszeit, Produktverfügbarkeit oder welchen Kriterien auch immer zusammengestellt werden. Dadurch fällt es mir schwer, das Restaurant in eine Schublade zu stecken, bzw. den Stil zu benennen, Aber das tut ja dem Genuss keinen Abbruch..
        Zuletzt geändert von QWERTZ; 14.07.2018, 14:35.

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