Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Dublin

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Dublin

    Seit diesem Jahr hat Dublin nun ein weiteres Sternerestaurant, Locks Brasserie. Ein Bericht folgt, sobald mein Kleinhirn wieder auf Betriebstemperatur arbeitet. Nicht, daß es hier deutlich unter Null Grad hätte, aber ein widerwärtiger, über das Meer ziehender Ostwind gibt einem ein 7,3 Sibirien-Feeling, auf anderer Skala 4,9 Kachelmann, wobei 1 Kach schon ungut genug ist.
    Allein Joyce und Guinness sorgen für wohlige Wärme.
    S.
    Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 26.03.2013, 01:52. Grund: Guinness natürlich mit zwei n, da sieht man mal, wie kalts is

  • #2
    "Hoch hockend auf hohen Hockern an der Bar, die Hüte zurückgeschoben, an den Tischen nach Brot rufend, mehr Brot, das es gratis gab, saufend voll Gier, schlagweise den Drecksfraß verschlingend, mit quellenden Augen, benäßte Schnurrbärte wischend. Ein bleicher talggesichtiger junger Mann polierte sich Glas, Messer Gabel und Löffel mit seiner Serviette. Ein neuer Schwall von Mikroben*. Ein Mann mit einem soßenbekleckerten Kinderlätzchen um den Hals schaufelte sich gurgelnde Suppe in den Schlund. Ein anderer Mann spuckte wieder aus auf seinen Teller: halbzerkleinerte Knorpel: keine Zähne mehr, sie zu kaukaukauen."
    ______________
    * Höhö

    Eigentlich waren wir nicht des Essens wegen nach Dublin gekommen. Hier dennoch einige kulinarische Eindrücke:
    Der Michelin verteilt über die Küchen der Stadt einmal zwei Sterne (an einen Franzosen), viermal einen Stern und drei Bib Gourmand. Zunächst einige generelle Anmerkungen. Auch wenn einige Lokale Menüs anbieten, wird üblicherweise à la carte gegessen, es gibt Brot und Butter, Amuse Gueules sind nicht üblich. Da die Vorspeisen meist kalt sind, beginnt das Essen rasch nach Aufgabe der Bestellung. Auch die Pausen zum Hauptgericht bzw zum Dessert sind eher knapp, was bedeutet, daß man nach etwa eineinhalb Stunden bezahlt und geht. Das Dinner ist also, anders als hierzulande oftmals, nicht abendfüllend, was wir als nicht unangenehm empfanden.
    Es fiel auch auf, daß der Umgang zwischen Service und Gästen ganz unkompliziert schien, nichts Gestelztes seitens der Bedienung, klares Vortragen der Wünsche durch die Gäste, no Verkrampfung at all. Das Wasser meist aus Tipperary, wie das schon so rein klingt!. Aber auch die Weinkarten ähnelten sich; Loire, Sancerre, Burgund, etwas Rhône, merkwürdigerweise Picpoul, etwas Spanien und Italien, grüner Veltliner ebenso obligat wie Sauvignon Blanc aus Neuseeland.
    Auch bei den Speisen einige Verdächtige wie Entenbrust, natürlich Rind, überhaupt mehr Fleisch als Fisch, da dann Kabeljau und Merlan, kaum Krustentiere, Rote Rüben und Jerusalem Artischocke sind schwer angesagt, bei den Saucen, egal ob zu Fisch oder Fleisch, säuerlich/fruchtige Komponenten, mit klitzeklein geschnittenem Obst und zum Abpuffern kleingehackte, möglichst karamelisierte, Nüsse.

    Pig's Ear (Bib G): man sitzt sehr schön in einem georgianischen Haus, Service freundlich, gutbürgerich-saugut, zart-saftiges Schweinernes, black pudding, schöne Bib-Empfehlung.

    Locks Brasserie *: das waren die, die auch am Telefon schon so freundlich waren. Liegt etwas außerhalb des Zentrums, am grand canal, es ist voll, laut, eng, lockerer Jeans-Service. Als Vorspeise ein leichtes und dennoch cremiges Ziegenkäseparfait, geräucherte Makrele mit Gurkensauce, dazu eine Makrelen Velouté, dann ein wunderbarer Fischgang, Langustine und in Bacon eingewickelter Rochen, leicht angebraten, ohne daß aggressive Röstaromen gestört hätten, der Rochen hatte in dieser Rolle seine manchmal so faserige Struktur verloren, ein großartiges Bistrogericht. Der Wein ein Chenin blanc von F.Chidaine aus Vouvray, sehr angenehm. Allein der Stimmung wegen ist dieses Lokal unbedingt zu empfehlen.

    Downstairs (Bib G): das liegt schon etwas am Rande von Dublin. In Erinnerung sind Ham Hock and Porc Pressed Terrine sowie eine pochierte Birne mit blauem Käse und kandierten Walnüssen geblieben. Ich hatte zu diesem Gang einen süßen Jurancon bestellt; der Kellner brachte noch eine zweite Flasche mit, eine Kracherauslese, die dann tatsächlich auch besser passte.

    Thornton's *: elegantes Lokal in einem Hotel, wiederum ausgesprochen freundlicher Service, der unsere heillose Underdressedheit nicht nur souverän ignorierte, vielmehr häufig an unserem Tisch zu einem kleinen Schwätzchen verweilte. Hier bekamen wir das einzige Amuse Gueule, etwas geräucherten Fisch, der Rauch saß noch im Glas fest und durfte erst am Tisch entweichen. Hier hatte das Essen klares Sterneniveau, wunderbarer Braised Pig's Head, der Kabeljau ein dicker Schlappen, der sich glasig entblättern ließ. Der Vortrunk ein Crémant von Muré, ein gehaltvoller Bursche. Hier kann man übrigens ein Mid-Week Dining Experience erleben, drei Gänge + Bubbles für 50 €.

    L'Ecrivain *: Sehr gute Jakobsmuscheln, Karnickelrücken und Haxenterrine mit wildem Knoblauch, irisches Lamm, zart, saftig, klarer Stern, dringend zu empfehlen. Service ganz freundlich, Süßwein Brauneberger Juffer von M.F.Richter bzw Grüner Veltliner Eiswein vom Schloß Gobelsburg.

    Und dann gab's noch in einem bezaubernden Hotel, dem Schoolhouse, klassische Tradition, einen Burger vom irischen Rind, bzw Fish'n Chips wie's besser kaum geht.

    Kommentar


    • #3
      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      Aber auch die Weinkarten ähnelten sich; Loire, Sancerre, Burgund, etwas Rhône, merkwürdigerweise Picpoul, etwas Spanien und Italien, grüner Veltliner ebenso obligat wie Sauvignon Blanc aus Neuseeland.
      Die besseren Restaurants in Dublin haben vermutlich alle denselben Lieferanten. Ist ja ein recht überschaubarer Markt.

      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      Eigentlich waren wir nicht des Essens wegen nach Dublin gekommen.
      Na klar, werter Schlaraffe. Danke jedenfalls für den hochinteressanten Bericht. Die Iren sind im bodenständigen Segment sicherlich besser als in hochfeiner Küche, eben Joyce statt Proust.

      Grüße, mk

      Kommentar


      • #4
        Wenn man in Dublins Citycentre unterwegs ist kann ich Avoca als Adresse für sein Mittagessen nur empfehlen. Auch für Kaffee und Kuchen super. Es gibt auch einen Shop in demman Kleidung kaufen kann, aber dadurch nicht abschrecken lassen. Zu verschiedenen Quiches und Pies gibt es immer eine super Auswahl an Salaten. Un der Kuchen ist auch ein Traum. Habe dort die beste Pavlova in meinem Leben gegessen.
        Die Küche in Irland ist würd ich sagen allgmein etwas deftiger. Man erwartet ja von einem bayrischen Restaurant auch nichts supre außergewöhnliches, sonder eben nen guten Schweinsbraten.
        Wenn man Essen geht, wirkt es am Anfang ein bisschen befremdlich das man immer ein kleines Schälchen Chips dazubekommt, aber man muss diese ja nicht essen. Habe schon oft sehr gut dort gegessen, besonders wenn man mit einem Burger zufrieden ist. Die sind in besseren Resaturants unschlagbar lecker und die Pommes dazu auch.

        Auch wenn die ausländische Küche (Italienisch, spanisch, etc.) in Irland sehr gewöhnungsbdürftig ist, kann man dort gut essen. Der Geschmack ist dort zu sehr an die Irischen bedürfnisse angepasst. Aber man fährt ja auch nicht nach Irland um das gute italienische Essen zu bekommen.

        Liebe Grüße :-)

        Kommentar


        • #5
          Tach,

          Na dann schreibe ich doch direkt auch nochmal.

          Durch:
          https://www.restaurant-ranglisten.de...nd-bestaetigt/

          bin ich zufällig mal auf die Liste gegangen, und war doch sehr überrascht von dem Ergebnis, insbesondere da ich hier lesen muss, dass
          Schlaraffenland auch recht begeistert vom Thornton's war. Ist zwar schon ein wenig her, aber wenn ich sehe, dass das Chapter One mit dem einen Stern auf 7 liegt, wundere ich mich doch, dass das für mich deutlich bessere (schon fast 2 Sterne) Thornton's dieses Jahr nicht mal einen bekommen hat.
          Da es 2014 auch keinen hatte, scheint es entweder massive Schwankungen zu haben, oder der Bewerter im Guide scheint leicht verwirrt zu sein.

          Also von mir auf jedenfall auch das Thornton's eine Empfehlung, falls Ihr mal da seid. (Das Chapter One war auch nett, aber eindeutig schwächer als das Thornton's

          Nur mal so als Meinung zwischendurch ;-)

          Gruß Volker

          Kommentar


          • #6
            Danke für die Einschätzung, gerade in Ländern, in denen es nicht allzu viele Guides gibt, haben einzelne Wertungen natürlich eine größere Auswirkung auf die Platzierung als in den kulinarischen "Kernländern", umso wichtiger sind die Hinweise hier im Forum...

            Kommentar

            Lädt...
            X