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Auberge de Vieux Puits, Fontjoncouse

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  • Auberge de Vieux Puits, Fontjoncouse

    Fontjoncouse liegt im Departement Aude, etwas im Hinterland zwischen Perpignan und Narbonne. Das 173-Einwohner-Dorf verdankt seine Existenz einer Quelle, die unter dem Friedhof entspringt, das ermöglicht etwas Gemüsebau, in dieser trockenen Landschaft eine Seltenheit. Sicherheitshalber habe ich das Trinkwasser im Hotel probiert, erstklassig, es gibt keinen Anlass zu weiteren Bedenken.

    Das Restaurant hat *** im Michelin. Gilles Goujon pflegt dort eine verfeinerte Regionalküche und hat uns auf „Quelques pas dans la Garrigue“ eingeladen, um 115 € haben wir das gern angenommen.

    Zum Champagner 5 hochklassige Bouches, dann noch eine Kürbissuppe, im Kürbis serviert, mit Kastanien, Schinken, in Konsistenz und Geschmack perfekt.

    Dann erster Gang, ein mit Perigord-Trüffel „verfaultes“ (pourri) Hühnerei, nach dem Aufschneiden gab der Kellner ein Puree aus Pilzen und Sommertrüffeln darüber, als Begleitung gab es eine lauwarme kleine Brioche und ein Capuccino aus Pilzen.

    Als zweiter Gang kam ein auf einer Seite erhöhter Teller, dort hängte ein Schöpflöffel mit Safran-Rouille. Auf dem Teller eine mit Brandade gefüllte Gemüsescheibe, darauf das Rotbarbenfilet. Der Kellner schüttete dann eine Fischsuppe über die Rouille, erinnert mich stark an eine veredelte Bouillabaisse.

    Als Hauptgang gab es Kampfstier, das musste es sein! Dreierlei Rüben als Beilage, aber die Rindfleischqualität, es war Karree, katastrophal. Jemand, der eine Küche auf so hohem Niveau betreibt, kann doch nicht so etwas servieren, ich hatte echte Sorgen um meine teuren Zahn-Ersatzteile.

    Als Alternative gab es Ringeltaube, die entsprach wieder unseren hohen Erwartungen.

    Ein Riesen-Käsewagen, alte Käse hauptsächlich aus der Corbieres, himmlisch.

    Auch der Dessert, eine Himbeer-Schoko-Variation, wieder auf dem gewohnten ***-Niveau, ebenso perfekte Mignardises zum Espresso.

    Schöne Weinkarte, wir wollen meistens etwas aus der Gegend, es sollte groß und schon etwas reifer sein, die Sommeliers wollen uns dann meist die Weinbegleitung aufreden, wird von uns aber beinahe immer abgelehnt. Als Weißwein hat es einen Les Mille Vignes 2000, einen Vin de Pays de l’Aude gegeben, 100 Punkte für den Sommelier. Zum Fleisch mangels vernünftiger Halbflaschen ein Glas aus dem Offenausschank, ein Ärgernis, welche oberflächlichen Weinchen serviert werden, aber die Mehrheit der Gäste ist damit wohl zufrieden. Und zum Stier hat es keine Rolle gespielt.

    Das Restaurant ist recht groß, die 173 Einwohner werden sich wohl wundern, wie viel Leben in ihre Heimatgemeinde gekommen ist.

    Der Service entspricht den Erwartungen an ein derart dekoriertes Haus, die Franzosen können das einfach immer noch am besten.

    Insgesamt ein großartiges Haus mit einer sensationellen, aroma-intensiven Küche, in Zukunft nehme ich eben nur noch EU-konform geschlachtete Rindviecher.

  • #2
    Danke für den tollen Bericht!

    Zitat von Taillevent Beitrag anzeigen
    Das Restaurant hat *** im Michelin. Gilles Goujon pflegt dort eine verfeinerte Regionalküche und hat uns auf „Quelques pas dans la Garrigue“ eingeladen, um 115 € haben wir das gern angenommen.
    kommt man in dieses Restaurant auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

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    • #3
      Danke für den interessanten Bericht über ein Restaurant von dem ich irgendwann einmal gelesen habe, das aber längst aus meinem Gedächtnis entschwunden ist.

      Darf sich ein 3* eigentlich so einen Lapsus leisten wie bei Ihnen mit dem Rind?
      Erinnert mich an einem Besuch bei Michel Bras, da war das Rind wohl ähnlich. Liegt wohl auch daran, dass die Franzosen Rindfleisch anders lieben wie wir.

      Zitat von Taillevent Beitrag anzeigen
      Der Service entspricht den Erwartungen an ein derart dekoriertes Haus, die Franzosen können das einfach immer noch am besten.
      Ist das so?
      Kann ich aus meiner Erfahrung ehr nicht bestätigen.
      Franz. Service ist zwar oft vielköpfig, aber auch irgendwie unkordiniert und ziellos. Zumindest habe ich das im 2* und 3* Bereich oft so erlebt.


      Gruß!
      Zuletzt geändert von fragolini; 02.11.2010, 11:37.

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      • #4
        Zitat von Zeitblom Beitrag anzeigen
        Danke für den tollen Bericht!



        kommt man in dieses Restaurant auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln?
        Ich habe in Restaurantnähe eine ziemlich vergammelte Busstation in Erinnerung, Bus habe ich jedoch keinen gesehen. Schnellrecherche bei SNCF: Fontjoncouse scheint keine Anbindung an den öffentlichen Verkehr zu haben. Das Dörfchen ist ziemlich abgeschieden, was seinen eigenen Reiz hat. Für Öffi-Nutzer ist es vermutlich weniger geeignet.

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        • #5
          Zitat von fragolini Beitrag anzeigen
          Danke für den Bericht über ein Restaurant von dem ich irgndwann einmal gelesen habe, das aber längst aus meinem Gedächtnis entschwunden ist.

          Darf sich ein 3* eigentlich so einen Lapsus leisten wie bei Ihnen mit dem Rind?
          Erinnert mich an einem Besuch bei Michel Bras, da war das Rind wohl ähnlich. Liegt wohl auch daran, dass die Franzosen Rindfleisch anders lieben wie wir.


          Ist das so?
          Kann ich aus meiner Erfahrung ehr nicht bestätigen.
          Franz. Service ist zwar oft vielköpfig, aber auch irgndwie unkordiniert und ziellos. Zumindest habe ich das im 2* und 3* Bereich so erlebt.


          Gruß!
          Die Gesamtleistung durchgängig auf ***-Niveau und ein Rind, das auch in einem *er nicht akzeptabel ist, hat mich auch überrascht. Tatsächlich bekommt man in einfachen französischen Lokalen halbrohes Rindfleisch, das die Kauwerkzeuge an die Grenzen der Belastbarkeit bringt, in der Sternegastronomie ist mir das erstmalig passiert. Wir haben das einfach als Fehler akzeptiert. Die Schlachtmethode ist vermutlich auch nicht sehr qualitätsfördernd. Im Standardmenu (Homepage und Aushang vor dem Restaurant) wird an dieser Stelle übrigens Lamm angeboten.
          Service: Die Mischung von Lässigkeit und Ernsthaftigkeit finde ich sehr angenehm, bin aber etwas frankophil veranlagt. Die Organisation funktioniert in der Regel in deutschen Spitzenrestaurants besser, da bin ich ganz bei Ihnen. Die Aussage von mir resultiert auf einem subjektiven Wohlfühlfaktor.

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          • #6
            Eine Verständnisfrage: Haben Sie das Rind denn reklamiert? Wie war die Reaktion? Und gab es dann die Ringeltaube als Ersatz?

            Grüße
            b.

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            • #7
              Wir haben das Rind nicht reklamiert. Ich reklamiere grundsätzlich nicht, weil das meiner Gattin und mir eine schönere Fortsetzung des Abends erlaubt.
              Bei jedem Gang hat es zwei Auswahlmöglichkeiten gegeben, bei der Hauptspeise habe ich mich für den Kampfstier und meine Gattin für die Ringeltaube entschieden. Wir haben uns sehr gefreut, dass innerhalb eines Menus derart Seltenes angeboten wird.
              Das Restaurant würde ich aber trotz des fragwürdigen Rinds weiterempfehlen, das PLV ist für einen ***er auch ausgezeichnet.

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              • #8
                Zitat von Taillevent Beitrag anzeigen
                Das Dörfchen ist ziemlich abgeschieden, was seinen eigenen Reiz hat. Für Öffi-Nutzer ist es vermutlich weniger geeignet.
                Schade.

                Was den Kampfstier betrifft: dass man Fleisch dieser Qualität in einem ***-Restaurant bekommen kann, ist traurig. Trotzdem: solange Stierkampf nicht verboten ist, wäre ich dafür das Fleisch auch zu essen. Mein bisher einziges Gericht mit Kampfstier war ein Tartar im Gaig in Barcelona, der ausgezeichnet geschmeckt hat und durchaus *-würdig war. Was Ihren Reinfall natürlich in keiner Weise abmindern kann ...

                Zitat von Taillevent Beitrag anzeigen
                Insgesamt ein großartiges Haus mit einer sensationellen, aroma-intensiven Küche, in Zukunft nehme ich eben nur noch EU-konform geschlachtete Rindviecher.

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                • #9
                  Zitat von Zeitblom Beitrag anzeigen
                  Schade.

                  Was den Kampfstier betrifft: dass man Fleisch dieser Qualität in einem ***-Restaurant bekommen kann, ist traurig. Trotzdem: solange Stierkampf nicht verboten ist, wäre ich dafür das Fleisch auch zu essen. Mein bisher einziges Gericht mit Kampfstier war ein Tartar im Gaig in Barcelona, der ausgezeichnet geschmeckt hat und durchaus *-würdig war. Was Ihren Reinfall natürlich in keiner Weise abmindern kann ...
                  Vielleicht liegt hier auch ein Missverstaendnis vor und der Stier war nicht aus der Arena, sondern der "Kampf" bezog sich auf die Muehen beim Essen.

                  Auf jeden Fall freut es mich sehr, ueber dieses Haus zu hoeren. Fliegt immer unter dem Radar und die wenigen Berichte, die ich gesehen habe klangen lange nicht so spannend wie der Bericht von T. Danke.

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                  • #10
                    Oder sie glauben an irgendwelche übernatürlichen Auswirkungen, die den Verzehr des zähen Viehs rational erscheinen lässt
                    War übrigens auch bei Passedat, wenn ich meine Faulheit überwinde, schreibe ich noch ein paar Zeilen.

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                    • #11
                      Zitat von Taillevent Beitrag anzeigen
                      War übrigens auch bei Passedat, wenn ich meine Faulheit überwinde, schreibe ich noch ein paar Zeilen.
                      Bitte unbedingt. Ein anderer ***, uber den man wenig hoert. Und wie ich berichtete, war unser Besuch ja unter keinem guten Stern. Hoffe, sie hatten mehr Glueck.

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                      • #12
                        Wir hatten einen Besuch in Fontjoncouse im September fest eingeplant, aber, zwischen Lipp' und Tellersrand schwebt der dunklen Mächte Band; um so mehr hat es mich gefreut, Ihren interessanten Bericht zu lesen.
                        Freunde von uns waren dort im Mai eingekehrt und es gab so ziemlich das gleiche Menü, das Sie beschreiben, allerdings war das Hauptgericht Lamm gewesen und nicht der Kampfstier . (Wer bekam eigentlich die rognons blancs zugeteilt?)
                        Diese Sache mit dem schiefen Teller und der Rotbarbe - bringt das auch geschmacklich etwas oder ist das eher ein optisches Vergnügen?
                        Und wissen Sie noch etwas genaueres den Weisswein betreffend?
                        MkG
                        s.
                        PS: die "Schwachstelle", die unsere Freunde erlebt hatten, war erst am nächsten Tag ein niveauarmes Frühstück.

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                        • #13
                          Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                          Wir hatten einen Besuch in Fontjoncouse im September fest eingeplant, aber, zwischen Lipp' und Tellersrand schwebt der dunklen Mächte Band; um so mehr hat es mich gefreut, Ihren interessanten Bericht zu lesen.
                          Freunde von uns waren dort im Mai eingekehrt und es gab so ziemlich das gleiche Menü, das Sie beschreiben, allerdings war das Hauptgericht Lamm gewesen und nicht der Kampfstier . (Wer bekam eigentlich die rognons blancs zugeteilt?)
                          Diese Sache mit dem schiefen Teller und der Rotbarbe - bringt das auch geschmacklich etwas oder ist das eher ein optisches Vergnügen?
                          Und wissen Sie noch etwas genaueres den Weisswein betreffend?
                          MkG
                          s.
                          PS: die "Schwachstelle", die unsere Freunde erlebt hatten, war erst am nächsten Tag ein niveauarmes Frühstück.
                          Leider gab es nur Karree vom Stier Der Standard wäre auch Lamm gewesen, Das Stierfleisch war wohl nur eine kurzfristige Angelegenheit.
                          Die Rotbarbe liegt auf einem mit der Brandade gefüllten Zylinder, daher kommt sie nicht mit der heißen Fischsuppe in Berührung, was eine Nachgarung des Fisches verhindert. Die Idee finde ich gut.
                          Ich habe den Weißwein auch nicht gekannt, ich wollte einfach weg von den Blue Chips. Dafür wäre ein Sommelier aus meiner Sicht eigentlich da. Der Wein kostete 110 €, im Einkauf jüngere Jahrgange etwa 35 €. Ohne Barrique ausgebaut, etwa 10 verschiedene Traubensorten, eben alles, was dort unten üblich ist, sind enthalten. Die folgenden Jahrgänge heißen "Pied des Nymphettes", dies sei der gleiche Wein, aber die sinnliche Bezeichnung ist dem Ehepaar Guerin, denen das Weingut gehört, damals noch nicht eingefallen. Farblich noch jung bietet der Wein überraschend viele Grüntöne Richtung Grapefruit, Avocado usw. Überraschend komplex und tief mit anhaltendem Abgang, großer Wein. Wenn jemand Genaueres über Wein und/oder Weingut weiß, ich wäre auch interessiert.
                          Frühstück: Es gibt frische Brötchen und kleine Schoko-Croissants und noch anderes süßes Kleingebäck, dazu ausgezeichnete Marmeladen und ebensolche Butter. Getränke nach Bestellung, Service im Poolhouse oder im Zimmer. Ich finde es einfach aber gut, es kostet 20 €.
                          Zuletzt geändert von Taillevent; 02.11.2010, 22:07.

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