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Bistrot, Bistrot

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  • Bistrot, Bistrot

    Von den Fooding-Leuten gibt es jetzt an den Kiosken eine 2013 Ausgabe Guide Paris, Guide France zu kaufen; auf der Suche nach guten Bistros hat man, neben den MichBibs und den GoMiCoupdeCœurs eine weitere - und obendrein noch sehr zuverlässige - Quelle zur Hand.
    Vielleicht darf ich an dieser Stelle meinen Wunsch für das Jahr 2013 einfügen: wie schön wäre es, wenn in unseren Ranglisten diese oben genannten Wertungen wieder Beachtung fänden.
    Das "Afaria", mit den Coups de C. vom Gault und den Foodings bedacht, liegt etwas abseits im 15.Arr. Der Koch ein "ancien" vom Carré des Feuillants, die Küche ebenfalls südwestlich/baskisch inspiriert.
    Wir wählen ein Menü, bei dem die drei Gänge jeweils für zwei Personen gedacht sind. Allerdings ist das auf baskische Art stark untertrieben, allein die Vorspeise hätte genügt, um eine Familie mit vier Söhnen im pubertierenden Alter quasi lebenslänglich zu sättigen. Es handelt sich um eine Blätterteigtorte, gefüllt mit einem Ragout vom Wildgeflügel, die Sauce Cumberland-artig, allerdings auf Feigenbasis. Der Blätterteig, wirklich gelungen. Die halbe Ente danach ist zart, das Schokosouflée fluffig, der Côtes du Rh. ist besser, als man erwartete (Domaine Les Aphillanthes)
    Voll gute Wirtschaft.

  • #2
    Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
    ...neben den MichBibs und den GoMiCoupdeCœurs eine weitere - und obendrein noch sehr zuverlässige - Quelle zur Hand.
    Vielleicht darf ich an dieser Stelle meinen Wunsch für das Jahr 2013 einfügen: wie schön wäre es, wenn in unseren Ranglisten diese oben genannten Wertungen wieder Beachtung fänden...
    Bib-Restos werden ja berücksichtigt, CoupdeCoeurs schau ich mir dieses Jahr mal genauer an.
    mfg Hannes Buchner

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    • #3
      La Régalade, 14.arr
      In einem gar nicht mal so großen Raum finden nahezu fünfzig Personen kaum Platz, es geht eng zu und es gilt tapfer, den ein oder anderen Körperkontakt mit dem Service zu ertragen. Dann das a gueule, eine - und ich zitiere hier gerne Frau wi - "wunderbare Porkterrine" wird gereicht, gar nicht mal so unfett, eine beeindruckende Ouvertüre, ein Prolog, der einem ankündigt, was man in der nächsten guten Stunde erwarten darf: gute Produkte, liebevoll zubereitet, wer ist Camdeborde?
      Vor allem ein Stück aus der Kalbshüfte wäre in seiner Geschmacksintensität und seiner saftigen Zartheit würdig gewesen, in übereinsternigen Lokalen serviert zu werden; auch der Fisch, ein Bar, war von sehr guter Qualität, der Gargrad pariserisch korrekt, für uns germanische Neo-Gourmets eine Idee zu weit (wir erinnern uns an Zeitbloms Hermès-Erfahrungen).
      Der Wein von der Rhône, ein Cairanne, Clairette und Rou- oder Mar-sanne, der erst etwas olwer daherkam, sich dann aber im Glas und zu den Speisen schön entwickelte.
      Es gibt genau einen Käse; und der ist wiederum wunderbar, eine intensive Ziege. (welche Wirtschaft bei uns hätte den Mut ...?)
      Der 2013 GoMi greift hoch, drei Tocken, wird glatt unterschrieben.
      Gruß s.

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      • #4
        Meine letzten Zeilen, die Bistrot-Rubrik betreffend, gelten weniger dem Lokal; vielmehr sollen nochmals die Internet-Seiten von le fooding - an dieser Stelle ein merci an Herrn rocco, durch den ich erst auf diese Vereinigung aufmerksam wurde - erwähnt werden. Im 14. arr liegt auch das L'Ordonnance, ebenso wie das Régalade mit einem bib versehen; auch die foodings nennen dies Lokal, als eine Art 60gerJahre-Retroerlebnis (Perlhuhn mit Morcheln auf Sauerkraut, das Kraut bräunlich/schmatzig, wie es der Schwabe liebt, der Perlhuhnschenkel dunkelfleischig, allerdings nicht nach ganz frisch zubereitet schmeckend, womöglich sogar eine Idee, eine deutliche Idee trocken)*, unterscheiden jedoch, eben anders als der Michelin, die Küchenleistung.
        Gruß s.
        * um Mißverständnissen vorzubeugen: die Perlhuhn-Beschreibung ist nicht von den foodings

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        • #5
          Liebes Forum,

          einige müßige Minuten am heutigen Feiertag erlauben es mir, Ihnen kurz von unserem schönsten Essenserlebnis in Paris zu berichten. Seit einigen Monaten betreibt der Patron des Le Paul Bert neben diesem und dem L'Ecailler ein drittes Restaurant in der Rue Paul Bert, das Le 6 Paul Bert.

          Wir waren sehr angetan von dem, was Küche und Service hier leisten, von der Stimmung ganz zu schweigen.

          Das Bistrot - ein nicht allzu großer, im modernen Stil gemütlich eingerichteter Raum, an dessen Ende ein junger Kanadier gemeinsam mit zwei Helfern in einer offenen Küche werkelt. Die Tische bistrottypisch klein und in einer engen Reihe gestellt. An der Decke Messer, Löffel und Gabeln. Dazwischen Glühbirnen. Dazu eine Aperobar und eine herrliche Schinken- und Wurstauslage in Glasvitrinen. Ein Ort voller kulinarischer Sinnlichkeit - und auch an diesem Abend der weißbärtige Patron für einige Zeit mit einem Glas hinter der Bar.

          Der Service jung, leger, sehr freundlich und kundig. Auch mit Gästen, deren Französisch zwischenzeitlich ein wenig eingerostet ist, wird hier sehr geduldig umgegangen.

          Los geht's mit gutem Brot. Drei Sorten, alle herrlich resch und aromatisch kommen in einer kleinen Papiertüte. Butter gab es keine, wurde aber auch nicht vermisst. Wir bestellten mehrmals nach.

          Dann die Speisekarte, die täglich wechselt und ca 10 bis 15 kleine Gerichte umfasst. Gekocht wird, was der Markt tagesaktuell zu bieten hat. Und das war bei unserem Besuch derart charmant, dass wir von 21 Uhr ad ultimo blieben. Das Konzept: 3 Gänge + Dessert oder Käse für 38 Euro oder alc.

          Wir wählten

          Carpaccio du mulet, Chou-fleur, Huile de noisette, Coriandre
          Ein zarter Start in den Abend: ein herrlich festfeischiger weißer Fisch, nicht zu dünn geschnitten, dessen Frische und leichte Jodigkeit durch die Wohligkeit des Nussöls kontrastiert wurde, frischer Koriander als gekonnte geschmackliche Brücke dezent eingesetzt. Lauwarme Haselnüsse on top als willkommener Crunch. Auch optisch ein großes Vergnügen.

          Morilles de Jura, Oeuf vapeur, Consoude
          Mein Coup der Coeur des Abends, ein einfaches Gericht, das Geist, Seele und Magen zugleich verzückt. Die frischen Morcheln ganz nature, leicht sautiert schon alleine eine große Freude. Zusammen mit dem pochierten Eigelb eine schlotzig erdige Nussigkeit, in der wir hätten den ganzen Abend baden wollen. Überhaupt, dieses Ei, hach....... Dazu Bitterkraut, das ich nicht näher identifizieren konnte, aber eine weitere Idee von Erdigkeit und Wald beisteuerte, die uns ob des geschmacklich eher sinnlich-wohligen Tellers schon fast zu komplex erschien. Im Nachhinein betrachtet aber eine schöne Idee, den Teller nicht ins allzu Triviale verfallen zu lassen. Die Optik erneut eine ganz große Freude.

          1/2 Pigeonneau, Saint-Georges rotis, Lamier pourpre
          Herrlich, dass hier auch die Innereien zu einer Art Frikassee verarbeitet, mit dunkelrauchigen, bittersüßen Schmoraromen gereicht wurden. Das Brüstchen, tiefdunkel und blutig gebraten, für uns schon beinahe eine Nebensache. Den Rest konnte ich nicht wirklich erkennen, versuchte es aber ob des Genusses auch gar nicht wirklich, verschmauste ihn ergo ebenso wie den Rest des Tellers. Und als Schwabe wurde natürlich auch der letzte Tropfen der feinen Jus aufgetunkt.

          Schöner kann's nicht werden, dachten wir, doch kamen als Desserts

          Cannoli citron, Sorbet frommage blanc
          sowie
          Ganache chocolat amer, Sorbet fevres de cacao et huile d'olive

          Für uns in beiden Fällen ein eindrucksvoller Spagat zwischen trivialen Glückspendern und elaborierter Patissierkunst. Unsere Löffel und Gabeln flogen beherzt über die Teller und freuten sich, unsere Mäuler derart differenziert zu füllen. Der Geschmack und die seidige Textur der Zitronencreme begleiteten mich in den Rest der Nacht.

          Der empfohlene Viognier ein Volltreffer. Ebenso der Espresso. Ich versprech's ihnen, lieber Rocco.

          Wir kommen wieder und danken dem Patron, dass er sich auf die Suche nach solch talentierten jungen Chefs macht und gemeinsam mit diesen derartige gastronomische Glückseligkeit bereitet, die - ganz unkompliziert - den Gourmand ebenso befriedigt wie sie den Gourmet entzückt.

          KG
          Besseresser

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          • #6
            Ich habe schon lange nichts mehr beigetragen. Dafür nun aber mehr als eine, hoffentlich auch neue, Empfehlung. Ich bin nicht sicher, ob es übersichtlicher wäre, jedem Resto / Bistrot eine eigene Überschrift zu geben, lasse es aber mal so.

            Le Cornichon, rue de Gassendi, 75014:

            Eng. Die Stühle könnten bequemer sein. Werden aber auch einem einem Montagabend mehrmals besetzt. Kein Stern, "nur" ein Bib.

            Als Amuse wird eine frittierte Krokette aus Stockfischpüree mit ordentlich Knoblauch gereicht.

            Der erste Gang ist eine Coquillage: in einem angenehm mit Zitrone versetztem Fischsud findet sich eine reichliche Einlage an Tintenfisch, Stabmuscheln, Bouchotmuscheln, Spinat und Nudeln.

            Die Entenbrust, die mein Mann gewählt hatte, war punktgenau gegart und wohlschmeckend. Dazu wurde eine wirklich ordentliche Jus, ein cremiges, mit Olivenöl aufgeschlagenes, Kartoffelpüree und eine in der Schale gegarte Knoblauchzehe serviert.

            Ich freute mich über ein Filet vom lieu jaune in sehr guter Qualität mit einer Gremolata und wildem grünem Spargel

            Als Dessert schmeckte eine Pistaziencreme mit Mara des Bois-Erdbeeren und gebrannten Pistazienkernen. Es gibt als Zusatzbestellung jeweils ein gut affiniertes Stück Käse mit Bordier Butter aus der Normandie, prima Brot. Zum Kaffee ein Financier mit eingebackener Himbeere. Es bleiben keine Wünsche offen.

            Mit zwei Gläsern Saumur zum Aperitif und einer Flasche L'Original von clos de l'origine beträgt die Rechnung 137,- EUR.

            Insgesamt eine ausgezeichnete Produktqualität und eine gute Küchenleistung. Den Service fanden wir sehr angenehm. Obwohl die drei Herren wirklich ausgelastet waren, saßen wir nie vor einem leeren Glas, nichts wurde vergessen oder verwechselt und es gab immer ein freundliches Wort. Es war bestimmt nicht unser letzter Besuch.

            PS: das Fleisch wird, zumindest teilweise, von Hugo Desnoyer, rue Boulard , 75014, bezogen und wenn Sie eine Kochmöglichkeit in Paris haben oder eine Kühltasche, lohnt es sich unbedingt dort einzukaufen.

            Restaurant Auguste, rue de Bourgogne, 75007:

            Ich glaube Frau Wi war schon mal da; ich habe den Bericht aber leider nicht gefunden. Elegante angenehme Atmosphäre, viel Platz, schöne Tischeindeckung.

            Das dejeuner startete mit einem Gougere zum Aperitif.

            Als erster Gang wurde eine Spargelcremesuppe mit Einlage von grünem Spargel und pochiertem Ei aufgetragen. War wohlschmeckend. Mein Mann hatte mit einer,leider etwas zu kalten, Scheibe Gänseleber, einem Confit von grünen Tomaten und süß-sauer eingelegten Zwiebeln aber auch keine schlechte Wahl getroffen.

            Der Hauptgang wurde von einem sous vide gegarten Spanferkel, einer sehr guten Meerretich-Senf-Sabayon, Tomatenconcasse und Pellkartoffeln bestritten. Ein sehr harmonisches Geschmacksbild, auch wenn ich das Fleisch mit einer krossen Schwarte bevorzugt hätte. Das Dessert war einfach und recht fein: ein Boden aus breton sable mit Creme Patissiere und Erdbeeren belegt, dazu Kokoseis und Basilikumpesto. Ein Montlouis Singulier von Jousset mundete. 161,00 EUR standen auf der Rechnung. Es ist einfach himmlisch, in Paris sein zu dürfen. Die nette Servicedame findet das wohl auch und hat ihren deutschen Wohnsitz seit einiger Zeit aufgegeben.

            Restaurant l'office, 3 rue Richer, 75009

            Im Moment ziemlich angesagtes Bistro und wie wir finden, auch nicht zu Unrecht. Sehr sehr eng. Der 2-er Tisch an der Wendeltreppe zu Küche und WC ist eine bessere Wahl als die hinten an der Wand. Das Mittagsmenü ist mit 31,- EUR sehr preiswert. Cheverny blanc von Tessier mit 38,- EUR oder Champagner für 12,- EUR sind dafür aber nicht zu sparsam kalkuliert. Insgesamt ein sehr schöner Mittag, ausgesprochen freundlicher Service. Die anfänglich ziemlich laute Jazz-Musik wird bald von der angenehmen Geräuschkulisse, die tafelnde und genießende Menschen erzeugen, überlagert. Und diese Köstlichkeiten durften wir probieren:

            Eine milde Gazpacho mit einer Nocke Avocadocreme und Stücken von Makrele. Die Alternative, ein Risotto von roter Beete mit Burrata, sah nicht nur schön aus, sondern schmeckte auch sehr gut.

            Mein Hauptgang war ein Merlan auf Tintenfisch-Miso-Sauce mit grünem Spargel, Avocadoscheiben und Tomatenhälften, war fein und von guter Qualität, aber leider auf der Hautseite etwas angebrannt. Mein Gegenüber hatte in Cornflakes paniertes butterzartes Hühnchen gewählt. Die Begleitung bestand aus einem Curry mit Erbsen, Karotten, frischen Mandeln, Artischocken und Radieschen. Gut.

            Zum Dessert wurde Verveine-panna-cotta mit Himbeermark serviert und ein Erdbeertörtchen mit erfrischendem Basilikumeis.

            Zu Comte und Fourme d'Ambert gab es kleine geniale Geleewürfel aus Quitte, Vanille und Kräutern.

            Um die Ecke tobt der Burger/Hot Dog-Wahn. Lange Schlangen stehen bei Big Fernand an, um sich ein Teil aus Premium-Produkten einzuverleiben. Ich ziehe nach wie vor ein Menü im Restaurant vor, aber einmalig macht das Spaß. Genauso wie die Camions. Sehr bekannt ist le camion qui fume (Burger). Viel interessanter finde ich deux filles un camion. Standorte gibt es über Facebook.

            Saturne, 17 rue Notre Dame des Victoires, 75002

            Chic, sowohl Gäste als auch Ambiente. Eigentlich eine Vinothek. Wir hatten einen Tisch ziemlich direkt vor der offenen Küche. Als Chefstable war er dennoch nicht zu bezeichnen, weil einer mit dem Rücken zum Geschehen zu sitzen hatte. Schade, so mussten wir Alten uns selbst bespaßen :-). Mit Hilfe des Or Norm 08 von Courtois gelang das aber ganz gut. Das komplette Menü (37,-EUR) war wunderbar.

            Die Vorspeise wurde von bissfestem grünen Spargel, moussierten Ziegenkäse, aromatischem Kräutersalat und einer Spargelsauce/Püree bestritten. Meine Alternative bestand aus drei Würfeln Makrele und Tuna, nur kurz scharf angebraten und auf einer Seite mit Misopaste bestrichen. Dazu erhielt ich einen betörenden Kräutersalat aus Farn, wilden Schwarzwurzeln, Passepierres, Feves, Fenchel und diversen gezupften Kräutern.

            Das folgende Stück Lotte schmeckte großartig, eine herausragende Qualität und eine beeindruckende Portionsgröße. Die Gemüsebegleitung aus Erbsen, Streifen von Zuckerschoten, Artischocken und Lauchzwiebeln begleitete würdig. Ein ziemlich bleu serviertes Stück vom Waldschweinrücken wurde erst confiert und dann scharf angebraten. es brachte ein Stück krossen Schweinebauch mit, herrliche sautierte Waldpilze, Mini-Chioggia und eine Creme aus Zucchini. Köstlich.

            Zum Abschluß war mein Mann recht glücklich mit würziger Ziegenkäse-Mousse, Joghurteis und Gariguette Erdbeeren. Ich schwärme noch immer von einem herben Rharbarberragout als Bett für hocharomatischen Ziegenkäse. Das ganze begleitet von einem Eis aus roter Beete und Hibiskus-Kirsch-Sauce.

            Zu erwähnen wäre noch das sehr gute Stück dunklen Brotes und die beiden Madelaines aus Financierteig zum Café. Für so ein Mahl eine Rechnung von 126,-EUR zu erhalten, kann man als Geschenk betrachten.

            Ein paar Schritte weiter ist das Le Moderne, in dem sich ein Besuch ebenfalls lohnt.

            Pavillon Montsouris, 20 rue Gazan, 75014

            Von unserer Wohnung aus konnten wir das Treiben in diesem Restaurant direkt am hübschen Parc Montsouris einige Tage beobachten. Wir hatten zwar zu Beginn mal die Karte studiert, die a la Carte-Gerichte aber als recht teuer eingestuft und wollten für das Geld kein Risiko eingehen. Dann haben wir aber beobachtet, dass jede Menge Menschen täglich das Resto füllten und die Einblicke, die wir durch das Buntglas eines kleinen Erkers in die Küche erhielten, machten uns neugierig. Vorweg: wir fanden eine Küche mit sehr guten Produkten und handwerklich einwandfreier Arbeit vor. Vielleicht ein ganz kleines bißchen altmodisch, aber in einem sehr positiven Sinne. Bezahlt haben wir für das Abendmenü, das von einer Flasche Pouilly-Fume Domaines des Berthiers begleitet wurde, insgesamt 181,-EUR. Bestimmt nicht zuviel für einen Platz im reizenden Wintergarten, der schon im Parc selbst liegt und ein gutes Essen.

            Ein währschaftes Stück Gänseleber stand für meinen Mann am Beginn. Dazu Pate von Quitte und Apfel, Mangopüree, Apfelkompott und Brioche. Ich habe roh marinierten Lachs gegessen, der von eingelegten Radieschen, einer Terrine aus Frischkäse mit Esplettes und Poivrons und einem kleinen Salat serviert wurde. Liest sich vielleicht ein wenig üppig und durcheinander, schmeckte aber gut.

            Als Hauptgericht hatte ich ein wunderbar kross gebratenes Kabeljaufilet, das auf den Punkt getroffen war. Dass es dazu Artischocken-Risotto gab, machte mich wirklich nicht unglücklich. Der leicht bittere Kräutersalat aus Fenchelgrün, Kerbel, Dill usw. passte perfekt.

            Das zweite Hauptgericht war ein großes Stück Quasi de veau, auch perfekt im Garpunkt. Darauf machte sich ein feines Parmesanplätzchen breit. Ein richtiger Schmackofatz war ein Rechteck aus Makkaroni mit Gänselebercreme und das ganze mit Parmesan überbacken. Eine intensive Kalbsjus war das I-Tüpfelchen.

            Zum Dessert zierte ein riesiger Ring Fruchtsalat aus exotischen Früchten den Teller, dazu eine in rotem Sirup eingelegte Ananasscheibe und ein Mangosorbet auf einem Sockel von Vanille-Panna-Cotta. Das zweite Dessert bestand aus Erdbeeren auf Vanille-Panna-Cotta, Erdbeermark und einem Cassissorbet.

            Dass ich das Essen als ein wenig altmodisch in Erinnerung habe, hat sicher auch an den recht großen Portionen gelegen. Ich war deshalb nicht mehr in der Lage einen zusätzlichen Käsegang zu ordern. Mein Mann schon. Auch dieser war comme il faut. Eine schöne Adresse.
            Zuletzt geändert von QWERTZ; 18.08.2013, 15:13.

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            • #7
              Vielen Dank für die Berichte, liebe Cynara. Ich habe mir erlaubt, die einzelnen Adressen der Übersicht wegen in Fett Schrift umzuwandeln.

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              • #8
                Vielen Dank.

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                • #9
                  Sehr schöner Bericht, liebe cynara.
                  Das mit dem sous-vide Spanferkel habe ich an anderer Stelle auch mal bekommen, allerdings nochmals gründlich gesalamandert, was es dann natürlich schön knusprig gemacht hat.
                  Von den beschriebenen Lokalen kenne ich kein einziges, es besteht Reisebedarf.

                  " Ich glaube Frau Wi war schon mal da; ich habe den Bericht aber leider nicht gefunden."
                  War im alten Forum unter Yam'tcha versteckt:
                  " Zum Schluss möchte ich noch ein sehr sympathisches und junges Restaurant in Paris ans Herz legen: Restaurant Auguste in Rue de la Bourgogne, 1 Stern Michelin. Ein relativ kleines Lokal, etwa 30 Plätze, junges Team, dennoch sehr professionell. Wir hatten ursprünglich eine Reservierung für ein Geschäftsessen für 5 Personen gemacht, ein Tag vorher musste ich jedoch die Reservierung auf 3 Personen umändern. Wenn wir bereits im Restaurant saßen, rief mich mein Mann an, dass er doch noch kommen kann. Wir haben gebeten, uns noch ein viertes Gedeck zu bringen, was prompt geschah. Mein Mann kam dann und sagte, er hat noch 2 Kollegen in dem Auto, die er gerne dazu einladen wurde. Das Restaurant war zu diesem Zeitpunkt bereits vollkommen ausgebucht, so dass wir nicht zu einem größeren Tisch wechseln konnten. Nach einer kurzen Unterredung haben die Managerin und Kellner noch einen kleinen Tisch dazugezaubert, so dass wir dann zu 6 ohne Probleme speisen konnten. Ich habe selten erlebt in einem Restaurant, dass derartige Probleme so souverän und ohne großes Tamtam gelöst wurden. Und das Essen war wunderbar: ich hatte Schweinebauch auf Lauch-Musche-Sud und Taube in Maltwhisky mit Selleriekompott. Absolut perfekt beides. Unsere Gäste waren auch ziemlich begeistert. Wir haben uns vorgenommen, bei dem nächsten Parisbesuch das Restaurant Auguste nur zur zweit zu besuchen, um das Essen in einer entspannten Atmosphäre genießen zu können"

                  Nochmals vielen Dank für die Arbeit, alles so treffsicher zu beschreiben.
                  Und bitte -und da bin ich mir sicher, für viele Mitforisten zu sprechen - nicht wieder so lange aussetzen.

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                  • #10
                    Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                    Und bitte -und da bin ich mir sicher, für viele Mitforisten zu sprechen - nicht wieder so lange aussetzen.
                    Ich weiss nicht ob ich dem so zustimmen will.

                    Der Bericht hat mich sofort die Flugsituation gen Paris checken lassen und ich hab eigentlich schon das komplette Budget der nächsten Zeit verfressen und versoffen....

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                    • #11
                      Zitat von glauer Beitrag anzeigen
                      Ich weiss nicht ob ich dem so zustimmen will.
                      ???

                      Ihren Wunsch nach weiterem Schweigen meinerseits kann ich mir nur erklären, weil Sie Ihren Garten auf meinen Elsass-Tipp hin doch sehr individuell gestaltet haben. Das lässt sich auch mit Volltrunkenheit nicht komplett erklären.

                      Die Bilder aus dem Beauville-Shop sehen ja wirklich schrecklich aus. Sorry. Es gibt dort auch in Wirklichkeit gewöhnungsbedürftige Muster. Aber auch schöne einfache Stoffe, z.B. für Servietten.

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                      • #12
                        Zitat von cynara Beitrag anzeigen
                        ???

                        Ihren Wunsch nach weiterem Schweigen meinerseits kann ich mir nur erklären, weil Sie Ihren Garten auf meinen Elsass-Tipp hin doch sehr individuell gestaltet haben. Das lässt sich auch mit Volltrunkenheit nicht komplett erklären.

                        Die Bilder aus dem Beauville-Shop sehen ja wirklich schrecklich aus. Sorry. Es gibt dort auch in Wirklichkeit gewöhnungsbedürftige Muster. Aber auch schöne einfache Stoffe, z.B. für Servietten.
                        Liebe Cynara

                        das Gegenteil war doch gemeint (wie ich dachte ganz offensichtlich durch den darunter stehenden Kommentar). Ihre Berichte sind zu verlockend und verleiten mich zu Dummheiten finanzieller Art. Am liebsten wäre ich noch heute nach Paris gedüst....

                        Und was Beauville angeht. Die klassisch-schlichten Designs sind in der Tat sehr schön. Aber das Elsass Muster (mit auf dem Foto nicht ersichtlichen Storchennest in der Mitte) hatte es mir noch mehr angetan. Es ist bei mir im Garten ein echter Hit, vor allem wenn ich noch die geerbten Weingläser mit dem grünen Stil auspacke (und das ist jetzt absolut nicht ironisch gemeint).

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                        • #13
                          Wow, jetzt hab ich aber kein Fettnäpfchen ausgelassen. Ich teile zur Wiedergutmachung virtuell meinen Sonntagswein mit Ihnen. Noch ein Mitbringsel aus dem vin ein tete: Cashmere la nouvelle don(n)e. Und wenn Sie in Paris alles verpulvert haben, dürfen Sie sich gerne bei uns für die Heimreise verproviantieren.

                          Kommentar


                          • #14
                            Liebe cynara,

                            mir geht es genauso, wie glauer: Ihr Bericht macht die Sehnsucht wach...

                            Haben Sie nicht die Gelegenheit genutzt, Christophe Pele zu besuchen?

                            Ich habe auch gehört, dass David Toutain zurück in Paris ist, und eröffnet ( oder hat sogar bereits) im Kürze ein eigenes Restaurant.

                            Vielen dank und schöne Grüße
                            wi

                            Kommentar


                            • #15
                              Liebe cynara,

                              GROßARTIG !
                              Auch ich wälze schon die Dienstpläne der nächsten 2 Monate, ein Schlupfloch suchend für die zweieinhalb Stunden ICE-Fahrt an die Seine...
                              :cheers:
                              MkG, S.

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