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Paris, dies und das

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  • merlan
    antwortet
    Drei Abende in Paris, drei Abende mit Entscheidungen, wie man den erlebnisreichen Tag kulinarisch ausklingen lassen möchte. Zugegeben, ich war vorbereitet und hatte schon von zu Hause aus recherchiert und reserviert. Es ist mir ein Gräuel, am Abend kreuz und quer durch eine Stadt zu laufen und dem bloßen Anschein nach das passende Resto zu finden. In Paris ist an mehr als jeder Ecke eins und im Zweifel lande ich doch im falschen Lokal, obwohl ich mich von Äußerlichkeiten eigentlich weniger verführen lassen.

    Diesmal haben wir eher einfache Restaurants ausgesucht, uns aber an die bewährten Empfehlungen des Guide Michelin gehalten und jeweils eins mit „L´Assiette Michelin“, eines mit „Bib Gourmand“ und eines mit Stern ausgewählt. Und um es vorweg zu nehmen, es waren alle drei empfehlenswerte Adressen.

    Claude Coillot (L´Assiette Michelin)
    In der Nähe des Centre Pompidou gelegen serviert Monsieur Coillot eine saisonale Küche, in der das Gemüse eine besondere Rolle spielt und für Vegetarier auch ein entsprechendes Menü angeboten wird. Vier Vorspeisen, vier Hauptgerichte und zwei Desserts, das muss genügen, um stets frische und sorgfältig zubereitete Speisen zu präsentieren. Durchaus kreativ zum Beispiel eine blütenartig aufgeschnittene Rote Bete mit Walnüssen, Frühlingszwiebeln, Cassis, Petersilienpesto und Meerrettich. Ebenso die gebratenen Lauchstücke mit geräucherter Makrele, Pistazien und Vinaigrette, wobei die geräucherten Fischstücke nicht warm gereicht wurden und insofern schon zum Lauch einen überraschenden Kontrast bildeten. Insgesamt eine solide Küchenleistung in einem geschmackvoll gestalteten, vielleicht aber etwas unpersönlichen Restaurant, was die Wahrnehmung unbekannter Gäste anbetrifft.

    Le Timbre (Bib Gourmand)
    Eine deutliche Steigerung bringt der nächste Abend in einem unspektakulären, winzigen Bistrot, in dem alles improvisiert erscheint, außer der Küchenleistung. Die Mäntel müssen mangels Garderobe am Platz bleiben, die Holztische müssen vorgezogen werden, um auf der Sitzbank Platz zu nehmen, auf dem Tisch herrscht drangvolle Enge und 22 Gäste sorgen im stets ausgebuchten Bistro für einen entsprechenden Geräuschpegel. Und das alles hat durchaus seinen Charme, zumal es der Partnerin des Kochs gelingt, den Überblick und die Ruhe zu bewahren.

    In der winzigen, einsehbaren Küche werkelt der junge Koch alleine vor sich hin und lässt zu keinem Zeitpunkt Hektik aufkommen, um in guter Taktung seine Kreationen an die Tische bringen zu lassen. Wir haben uns für das aus der kleinen Karte zusammengestellte Vier-Gang-Menü entschieden:
    • Marinierte Sardinen mit Petersiliencreme
    • Jakobsmuscheln mit Lauch auf Selleriepürée und luftgetrocknetem Schinken
    • Seehecht mit Fenchel, Rettich und Kartoffeltarte
    • Gebratene Ananas mit Vanilleeis und Zitronencreme

    Und das war alles wunderbar schmackhaft, auf den Punkt gebracht und inspiriert gekocht, so dass man den Eindruck bekam, hier könnte das Potential für mehr stecken, wenn man nur aus den Zwängen der beengten Verhältnisse herauskäme. Und siehe da, zum Abschied erklärt uns die Patronne, dass man an diesem Ort nicht mehr lange sein werde. Man müsse sich unbedingt vergrößern, um sich weiter zu entwickeln zu können, sowohl in der Küche als auch im Service. Das neue Restaurant werde in den nächsten Wochen eröffnet.

    So groß der Charme dieses kulinarischen Kleinodes auch ist, ich bin mir sicher, dass es sich lohnt, die Entwicklung dieses Restaurants an anderer Stelle weiter zu verfolgen. Dann wird man sicherlich auch die Garderobe aufhängen können und beim Weg zum sanitären Bereich nicht die halbe Gästeschar von den Sitzbänken aufscheuchen müssen. Aber sei´s drum, wir haben diesen geselligen Abend unter lauter französisch sprechenden Gäste ausgesprochen genossen.

    Baieta*
    Höhepunkt unserer kulinarischen Erlebnisse in Paris war diesmal das in der Nähe von Notre Dame gelegene Restaurant „Baieta“, was im Nizzaer Dialekt „Küsschen“ heißt. Nun gut!
    Der Michelin schreibt dazu: „Die junge Küchenchefin Julia Sedefdjian (früher im Sternerestaurant Les Fables de la fontaine) hat nun ihr eigenes Lokal, in dem sie voll und ganz aufgeht. Ihre farbenfrohe, duftende Küche ist geprägt vom Mittelmeer und von den erstklassigen Produkten, die sie sorgfältig auswählt und mit viel Kreativität verarbeitet, ohne dabei ihre Nizzaer Wurzeln zu vergessen.“ So ist es, besser kann man es nicht sagen!

    Unser Menü:
    • Marinierte Meeräsche, Taboulé, Humus & Falafel, Sumac
    • Eigelb-Croustillant, Schellfisch, Lauch, Algenvinaigrette
    • La Bouillabaieta, Rouille & Croutons
    • Rinderbäckchen in Rotwein, Variation von der Karotte, geräucherter Speck
    • Fenchel-Biscuit, Zitronencreme, Mascarpone, Zitronensorbet mit Pastis

    Ein ausgezeichnetes Menü in einem jungen, lockeren Restaurant, in dem eine engagierte Köchin höchst konzentriert am Pass steht und die letzten Handgriffe vollzieht. Besonders herauszuheben ist die „Knusperkugel“ mit flüssigem Eigelb, das sich schlotzig über Gemüse und Fisch verteilt, sowie die Baieta-Variante einer Bouillabaisse; die köstliche Fischsuppe wird in den mit perfekt gegarten Fischstücken, Pulpo und Gemüse servierten Tellern am Tisch angegossen; und dann diese Rouille…!

    Ich kann dieses ambitionierte Restaurant im Herzen von Paris mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis uneingeschränkt empfehlen.


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  • QWERTZ
    antwortet
    Danke auch für die Bilder, die Qualität der Produkte wird sehr gut sichtbar.

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  • Frab
    antwortet
    Die hatte ich leider nicht, die Vorgeschichte war mir nicht bekannt. Aber Paris ist ja zum Glück nicht weit ...

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  • glauer
    antwortet
    Zitat von Frab Beitrag anzeigen
    Bei unserem Paris-Besuch hatte ich diesmal bewusst nicht auf das klassische Fine Dining gezielt wobei man sich beim Fischrestaurant Le Duc am Boulevard Raspail sicherlich darüber streiten könnte – seit mehr als 50 Jahre wird hier alles aus dem Meer meisterlich zubereitet. Ein spanischer Freund von uns ist durch einen Streik heute in Paris gestrandet und schließt sich uns an, eine telefonische Nachfrage beim Restaurant wird eine Minute später per Rückruf positiv beantwortet.

    Die Produktqualität ist hervorragend was mir persönlich aber ebenso gefällt ist, dass viele Produkte durch die Küche noch einmal gezielt unterstützt werden. „Escalope de Saint-Pierre“ profitieren ungemein durch eine „Vodka-Butter“. In der Pfanne gebratener Kaisergranat mit Ingwer trumpft durch Butter und den Ingwer nochmal ätherisch auf. Butter ist hier sowieso fast immer zugegen ....
    Hatten Sie denn auch die eine oder andere der rohen Fisch/Meeresfrüchtevorspeisen? Bei aller Liebe zur Butter, der Ruhm des Hauses in den 80ern gründete auf der damals in Europa recht revolutionären Idee bestes Meeresgetier fast naturbelassen zu servieren. Viele der Crudos und Fischcarpaccios, die heute ganz selbstverständlich sind, haben dort ihre kulinarische Heimat. Wunderschön die ersten Fotostrecken dazu im damaligen Wilsberger Gourmet. Bizarrerweise habe ich es nie dorthin geschafft, aber es ist ja noch nicht zu spät. Schön dass Sie da waren.

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  • Frab
    antwortet
    Bei unserem Paris-Besuch hatte ich diesmal bewusst nicht auf das klassische Fine Dining gezielt wobei man sich beim Fischrestaurant Le Duc am Boulevard Raspail sicherlich darüber streiten könnte – seit mehr als 50 Jahre wird hier alles aus dem Meer meisterlich zubereitet. Ein spanischer Freund von uns ist durch einen Streik heute in Paris gestrandet und schließt sich uns an, eine telefonische Nachfrage beim Restaurant wird eine Minute später per Rückruf positiv beantwortet.

    Die Produktqualität ist hervorragend was mir persönlich aber ebenso gefällt ist, dass viele Produkte durch die Küche noch einmal gezielt unterstützt werden. „Escalope de Saint-Pierre“ profitieren ungemein durch eine „Vodka-Butter“. In der Pfanne gebratener Kaisergranat mit Ingwer trumpft durch Butter und den Ingwer nochmal ätherisch auf. Butter ist hier sowieso fast immer zugegen auch bei (wir sind in Paris) separat servierter gesalzener Butter mit knusprigem Baguette. Sehr gut sind ebenfalls „Saumon au naturel“, große Abschnitte leuchtenden gepökelten Lachses mit simpel gekochten ganzen Kartoffeln.

    Für das Dessert kann man von einem Dessertwagen wählen, u.a. so Köstlichkeiten wie Baba au Rum oder ein Millefeuile. Für das Gebotene wäre ein Michelinstern meines Erachtens angemessen.

    Escalope de Saint-Pierre au beurre vodka (€55):



    Aiguillettes de Bar au citron vert (€50):



    Langoustines rôties au gingembre (€60):


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  • Frab
    antwortet
    Fans der „Bistronomy“-Bewegung in Paris ist das Abri bei der Metro-Station Poissonière sicherlich ein Begriff wurde es doch mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und macht mit einem günstigen Mittagsmenü für €30 für 4 Gänge dem Dinnermenü für nicht minder günstige €60 für 6 Gänge auf sich aufmerksam.

    Bei einem Paris-Aufenthalt im vergangenen Oktober interessiert mich aber etwas anderes ganz spezifisch und zwar wird hier Samstagmittags für €14 (inkl. Getränk! Bei uns eine Bionade) ein Katsu Sando angeboten, ein vor allem natürlich in Japan sehr beliebtes Toast-Sandwich mit Schweineschnitzel. Reservieren kann man hier Samstagmittags meines Wissens nicht aber wir lungern kurz vor Eröffnung an einem verregneten Samstag vor der Tür, einen Tisch zu bekommen ist dann gar kein Problem.

    Das Restaurant an sich wird online mit einem „Hole in the Wall“ verglichen was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Der Guide Michelin weist eine Gabel für "simplen Komfort" auf. In der Küche bereiten die japanischen Köche mit hoher Konzentration bereits die Toasts zu. Es dauert eine Weile aber dann werden uns die Sandwiches serviert – aus knusprigem Toastbrot, darauf Rotkohl, körniger Senf, Mayonnaise, Omelette, eine dünne Scheibe Käse und natürlich das Schweineschnitzel. Jeder Biss ist saftig, knusprig durch Toast und Panade, süß durch den Rotkohl, leicht sauer durch den Senf, cremig durch die Mayonnaise. Ich frage mich ob der Stern dieses Sandwich mit einschließt, ich finde jedenfalls keinen Argument dagegen.

    Eine sehr, sehr gelungene Alternative wenn man Samstagmittags einmal nicht das klassische Dining in Paris erleben möchte.




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  • merlan
    antwortet
    Besonders für den Les-Ombres-Tipp ein ganz herzliches Dankeschön!
    Zuletzt geändert von merlan; 20.07.2019, 08:56.

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  • Frab
    antwortet
    Bei meinem letzten Parisbesuch haben wir neben einem Eiffelturm-Besuch (ich hätte nie gedacht, dass ich ihn machen würde kann aber im Nachhinein nur jedem dazu raten) natürlich auch etwas Essen müssen.

    Bei der Recherche nach „Restaurants mit Aussicht auf den Eiffelturm“ ist mir das Restaurant Les Ombres in Laufdistanz zum Eiffelturm innerhalb des Musée du quai Branly.

    Mittags wird hier ein Mittagsmenü serviert bei denen man aus verschiedenen Möglichkeiten je Gang wählen kann, 2 Gänge kosten €32 und 3 Gänge €42. Man kann auch à la Carte bestellen oder das größere Abendmenü, das wären dann 3 Gänge zu €71.



    Vom smarten Service wird man dann bei gutem Wetter direkt auf die Terasse geführt – bei der Aussicht kein Wunder, wenngleich das Restaurant bei unserem Besuch nur zur Hälfte voll ist. Als Einstimmung wird je Person ein luftiger und mit Kräuterfrischkäse gefüllter Gourgère serviert.



    Bei der Vorspeise entscheide ich mich für Poulpe laqué miel/soja , riz vénéré aux herbes, mayonnaise wasabi et réductions au vin rouge. Das ist ein sehr gut gemachter Gang, deutlich besser als ich bei Oktopus erwartet hätte, da der Oktopus selbst schön zart ist. Die Soja/Honig-Mischung, der Sesam und der schwarze Reis (der ein wenig an Linsen erinnert) sind sehr angenehme Begleiter und versetzen das ganze in die asiatische Geschmackswelt.



    Der Hauptgang Poitrine de cochon confite au miel/soja, jeunes légumes au wok kann das Niveau nicht ganz halten (leider kein Foto), dafür ist der Schweinebauch zu simpel und schlicht zu mächtig und eintönig. Die bewährte Soja/Honig-Mischung ist hier etwas zu salzig in Verbindung mit dem Schweinebauch, aber ein veritabler Sattmacher ist dieser Gang definitiv.

    Von der – mittlerweile einer meiner Lieblings- – Nachspeise Notre baba, agrumes et crème moelleuse habe ich bedauerlicherweise auch kein Foto aber das war eine sehr gelungene Version des berühmten Baba au Rhums mit einer lockeren Schlagsahne, Zitronengeschmack und einem luftigen Kuchen. Der braucht sich definitiv in Paris nicht zu verstecken.

    Fazit: In Summe war das ein sehr entspannter und sehr schöner Mittag, der uns große Freude bereitet hat. Die Küche arbeitet ambitioniert und unterstreicht das hohe Niveau, das man in Paris anfinden kann. Dazu bereitet die Aussicht auf Paris wichtigstes und schönstes Wahrzeichen (man darf auch auf das Dach des Nachbargebäudes gehen um näher dran zu sein) zusätzliche Freude. Ich könnte mir aber vorstellen, dass dieses Restaurant abends andere Gästetypen anzieht (Afterwork? Verliebte Pärchen?).

    +++

    Circa 7,5 Stunden später, zum Abendessen, besuchen wir das Bistrot Paul Bert, da ich eine traditionelle Erfahrung gesucht hatte. Das Restaurant liegt an der namensgebenden Rue Paul Bert im 11.Arrondissement und ist nach meinem Empfinden durchaus bekannter und wird zudem im Guide Michelin empfohlen. Bei unserem Besuch ist es gerammelt voll, der Großteil bestehend aus englischsprachigen Gästen, ein Amerikaner im Nachbarzimmer ist besonders schwer zu überhören. Dazu hetzt der Service durch die Räume, als Menükarte wird einem eine schwarze Schieferntafel aufgestellt aus der man seine Gerichte aussuchen kann. 3 Gänge kosten €41. Für Fleischliebhaber gibt es zudem eine Spezialkarte, z.B. Filet de Boeuf mit Pomme Frittes für €40 p.P. Auch hier werden vorneweg Gourgères serviert. Der Fokus des Restaurants ist auf „französische Hausmannsküche“, ich würde es für Paris auch mit „rustikale Küche“ betiteln.



    Ich entscheide mich vorneweg für das Lachstatar mit Zucchini, Avocado und Johannisbeeren. Das ist gut gemacht, insbesondere die Johannisbeeren fügen gut passende Säureakzente hinzu. Lachs- oder Thunfischtatar mit Avocado sind aber natürlich heutzutage auch in Deutschland eine gern gewählte Vorspeise und für meine Begriffe eher als international zu sehen. Die Portion ist dazu ziemlich ordentlich.



    Beim Hauptgang entscheide ich mich für Roasted Pork Chops, Unpeeled Garlic, Small Potatoes. Es ist abermals ein mächtiger Gang, das Schweinekotelett ohne Knochen bestimmt über 250 Gramm und dazu mit fingerdickem Fettrand, der sich aber hervorragend schneiden und zum Fleisch hinzuportionieren lässt. Dazu gibt es ungeschälten mitgekochten Knoblauch und eben die Kartoffeln sowie einen Bratenjus. Definitiv alles gut gemacht, aber doch sehr mächtig und würde viele Wünsche nach Hausmannskost glücklich machen. Ich glaube der Gang alleine hätte schon gereicht.



    Aber … wenn ich schon mal die Gelegenheit habe und in Paris bin, dann will ich mir natürlich nicht das Soufflé (mit Grand Marnier) entgehen. Luftig und süffig, sehr sehr heiß und abermals sehr mächtig. Also hungrig geht man hier definitiv nicht raus.



    Fazit: Unter dem Strich ist es bodenständige Küche mit großen Portionen und somit eine gute Alternative für jeden, der so etwas abwechslungsweise mal in Paris sucht und in Deutschland sonst keine Schnitzel- und Wirtshäuser. Dazu war der Service bemüht aber ziemlich zerstreut, „Well Done“-Taube wurde rot serviert, Brot und Wasser oft vergessen und hin und wieder auch mal untereinander etwas deutlicher („IL MANQUE DU PAIN LÀ“) – aber das ist wahrscheinlich der normale Freitagabend-Wahnsinn in der Gastronomie.

    In Summe hat mir das Mittagserlebnis im Les Ombres etwas besser gefallen aber in beide Lokale würde ich wiederkommen.

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  • Frab
    antwortet
    Zeit 2 Wochen später ein Fazit zu ziehen: In Paris kann man nach wie vor konsistent hervorragend essen - was für einen Stolz und Anspruch Restaurants für die französische Küche auch unter der Sternegrenze vorzeigen ist unvergleichlich. Auffällig ist, dass nahezu alle unserer Besuche auf das lange Genießen ausgelegt waren - 3 Stunden Aufnehtlant waren unser Durchschnitt (!). Fokus waren diesmal ja eher die Bistros, die Warteliste des Epicure rief Sonntagvormittags tatsächlich noch für den selben Mittag an aber dank einer leichten Erkältung wollte ich nicht das zweite Mal in Folge mit Erkältung und leicht eingeschränktem Geschmack dort einkehren. Nächstes Mal!

    - Virtus hat uns unter dem Strich fast am Besten gefallen - es gab ein hervorragendes 5-Gänge-Menü à €64,50 (in Summe mit 4 Gläsern Wein bei €175 für 2). Vorneweg wird außerhalb des Menüs eine Art Neuinterpretation und Kreuzung zwischen Brioche und Croissant serviert, fettig und salzig, warm und unverschämt gut. Amuses gibt es auch aber die habe ich nicht mehr im Kopf. Es folgt roh marinierter roter Thunfischer mit angegossenem "Tomatenwasser", kannte ich persönlich noch nicht aber fängt das Umami der Tomate absolut vorzüglich ein. Danach besonders interessant ein "deklinierter Mais" von "A. Bertin" (Maischips auf einer Maiscreme mit ausgelösten Maiskörnern, daneben mit einer leichten und schaumigen Sauce Bernaise ein gegrillter Maiskolben) - eine ganz intensive Art dieses Produkt zu erleben und bei weitem nicht so verkopft wie ich anfangs befürchtet hatte. Absolut erstklassig danach ein schönes Fischfilet auf Venusmuscheln ("Lieu jaune de ligne, émoulsion de coquillages"), besonders die Venusmuscheln gefallen mir - an diesem Produkt finde ich nur in bester Qualität wirklich gefallen und das ist hier ohne wenn und aber gegeben. Danach dann "Carré de veau, potiron confit" - wenn ich richtig übersetze Kalbscarré, perfekt rosa gegart, das Produkt im Fokus, mit einzelnen gegrillten Gemüsen und einem klebrigen und schmackhaften Kalbsfonds - das macht glückselig! Danach wird es etwas kreativer: Es folgt eine mit Lavendel aromatisierte Creme die eher den Charakter eines Pre-Desserts hat und angenehm erfrischt. "Coco, café, pistache" ist der Titel des Desserts die dann aussieht als wäre sie Christian Hümbs in seinen Anfangstagen entsprungen - Caféwürfel und eine Kokoscreme verbergen sich unter einen Chip, darum grüne Blätter und zerbröselte Pistazie. Schmecken tut das aber hervorragend, Kokos und Café ist eine passende Kombination und die Pistazie fügt sich gut ein. Zum Café gibt es Matcha-Macarons und ganz zum Schluss dann noch "warme" sehr gut gelungene Madeleines. Gerade zu zweit ist dies eine tolle Adresse - von der Küche sehe ich hier und dort schon Ambitionen auf einen Stern, in Summe würde ich 15/20 unterschreiben aber es ist eher das Gesamterlebnis hier welches mich überzeugt hat. Man fühlt sich als würde man in einem großzügigen Wohnzimmer sitzen. Ein Punkt noch: Das Restaurant fühlt sich mit Französisch schon deutlich besser als Englisch - beim Wunsch nach einem englischen Menü für meine Freundin ist die Antwort lapidar "ich habe nur Französisch da, sagen Sie mir wo Sie Fragen habe und ich übersetze".

    - Le Clarence war von Essen und Anspruch her natürlich eine ganz andere Adresse als die anderen Läden und uneingeschränkt empfehlenswert, mehr dazu separat. 18/20 oder 2 Sterne finde ich angemessen. Für mehr fehlen noch die ganz großen Momente. Interessant auch, dass hier vorab ebenfalls wieder so ein Croissant-Brioche-Zwitter serviert wurde, vielleicht ein neuer Trend in Paris?

    - Unser Besuch im Porte 12 stand zu Anfang direkt nicht unter einem guten Stern. Sobald wir uns hingesetzt hatten zog uns ein strenger Geruch wie nach abgestandem Urin in die Nase. Nun gut, wie auf Französisch sich erklären ohne den Service direkt zu pikieren (besonders in Frankreich kein einfaches Unterfangen). Der Service setzt uns mit Unverständnis um aber immerhin wird unserem Wunsch stattgegeben - dafür sitzen wir nun neben der offen gelassenen Eingangstür in einem Durchzug aber diese wird später dann doch noch geschlossen. Das Porte 12 ist etwas enger und abgeschnittener bestuhlt als das Virtus (die Decke ist verspiegelt und lässt Hinterhof-Licht in das Restaurant) und serviert ein Carte Blanche-Menü für in Summe meine ich €80 pP - wir zahlen am Ende mit einer Flasche Poiré Authentique von Eric Bordelet €235 für zwei. Das Menü habe ich als etwas unfokussiert im Kopf und irgendwie hat man vieles schon gesehen - ein bisschen wie ein kreatives Berliner Restaurant das sich noch nicht ganz gefunden hat. Vorneweg ein abgeschnittenes Ei mit Eigelb, Balsamicocreme für süße Säure und Kartoffel für Biss - süß und gehaltvoll, kalt und warm. An Abschnitte von eher unbeeindruckendem Gemüse zu gutem Sashimi wird wieder Tomatenwasser mit einem Spritzer Essig angegossen - in Summe ein sehr frischer und guter Gang. Ein Teigkreis mit Tatar und viel Parmesan bricht beim Reinbeißen auseinander und es ist mehr Sauerei als Geschmack. An den Rest habe ich gar nicht mehr so viel Erinnerung außer an einen Spieß mit gebratenem Kalbsbries bei dem der Geschmack schon eher in die unangenehme Innereien-Richtung abrutscht. Es ist ohne Zweifel alles gut gemacht und interessant aber der rote Faden hat sich nicht so durchgezogen, es wirkt wie eine zusammengewürfelte Aneinenanderreihung von Ideen. Wer sich einen Eindruck verschaffen will sollte, wie ich davor, bei den Sternefressern vorbeischauen. In Summe 13-14/20.

    - Sonntagmittag schauen wir im Bistrotters vorbei - das Lokal liegt etwas abseits (ich habe nicht weit von hier eine Weile gewohnt) im 14.Arondissement an der Metro Plaisance. Auffällig ist, dass das Lokal von jungen Gastronomen geführt wird und nach einem sehr frischen Wind wirkt. Ausgezeichnet ist es mit einem Guide Michelin auf genau welchen auch das Pricing ausgerichtet ist - 2 Gerichte €33 und 3 Gerichte €37, wobei manche Gerichte Aufpreise kosten. Ich nehme als Vorspeise ein Arrangement aus frischem Gemüse (insbesondere verschiedenfarbige Möhren) geschichtet auf einer kalten Art Lasagne mit grünem Pesto, eine neue Art Gemüse wahrzunehmen welches ich zuhause auch gerne esse und zubereite aber viel mehr auch nicht. Danach nehme ich Onglet in einer Pfeffersauce mit Kartoffelgratin. Dieses kommt in der sehr schönen Sauce, die auch leichte Minzakzente hat - stellenweise ist das Fleisch einen Tick übergart. Die Schnitte machen es aber auch nicht einfach. Sehr gut (aber schwierig zu essen) sind dazu Abschnitte von sehr gut gegarten Maiskolben. Irgendwo befriedigend einfach und gut. Erstklassig und ein Traum für Dessertliebhaber ist das Pain Perdu, zwei saftige Abschnitte Toast die in einer Karamellsauce fast ertrinken. Darüber eine dicke Scheibe sehr guter dunkler Schokolade, die auf dem warmen Toast abschmilzt und sich damit nach und nach zu einer Mischung aus warmem Karamell / Schokolade / Toast vermengt. Sehr gut aber auch sehr mächtig. Meine Freundin nimmt einen Art Chocolate Dome - gibt es oft und der Mangel ist auch hier wie fast überall sonst: Zu viel Schokolade und zu eintönig. Sehr gut passt zu diesem Lunch eine halbe Flasche Sancerre. In Summe ein gut gemachtes, eher "einfach" orientiertes Essen was für einen Sonntagmittag genau richtig ist. In Summe landen wir glaube ich bei ~€120. Im Quervergleich hat mir das Virtus dann doch etwas besser gefallen - also hier etwa bei 14/20.

    - Montagabend besuchen wir noch das von Alain Ducasse ausgerichtete Champeaux, welches wir vom Winter letzten Jahres noch in guter Erinnerung haben. Als Vorspeise nehme ich Saumon oignon rouge / maïs / citron confit, welches bereits von der Anrichtung aus der Spitzenküche zu sein scheint. Leuchtender Lachs mit Popcorn und leicht bitter-saurer Zitrone. Sehr gut aber auf Dauer durch die Bittertöne irgendwo auch in die falsche Richtung eintönig. Danach muss es ein Steak frites (mit Entrecôte), einer Sauce Bearnaise und Salat sein, für meine Freundin Tartar. Macht man nichts falsch mit, aber auch keine großen Überraschungen. Das Dessert ist "Savarin au rhum, Chantilly" welcher sehr stark an eine abgespeckte Version von Ducasses Klassiker baba au rhum erinnert. In Summe (mit einer halben Flasche Wein) landen wir bei €130. Das Essen ist gefühlt für ein französisches Bistro teuer, das könnte man woanders auch günstiger bekommen, aber ich mage die kosmopolitische Atmosphäre und das mich hier auf der Karte fast alles anspricht. In Summe 13/20. Weniger schön ist, dass hier etwas am Essen nicht gestimmt haben kann (oder war es der Wein?), da wir beide die Tage danach eine Magen-Darm-Krankheit davontragen.

    Uneingeschränkt empfehlen kann ich also Virtus für einen ausgedehnten Freitagabend und in seiner Klasse natürlich zu jeder Tageszeit das Clarence.

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  • Frab
    antwortet
    Vielen Dank für alle Ihre Tipps - es ist wahrlich nicht einfach. Aktuell steht auf dem Plan:
    - Freitagabend: Virtus
    - Samstagmittag: Le Clarence - welches übrigens sehr einfach (ungewöhnlich) einfach über La Fourchette reservierbar ist. Ich frage mich noch wann der Anruf / Mail wegen der verbindlichen Bestätigung kommt. Die durchgehend sehr positiven Berichte stimmen mich schon positiv (und meine Freundin mag alles was nach Großbritannien aussieht).
    - Samstagabend: Porte 12
    - Sonntagmittag: Bistrotters - @glauer: Ich hatte mich an Parisbymouth orientiert, aber im direkten Vergleich spricht mich das Bistrotters dann doch deutlich mehr an.

    Ich freue mich schon lediglich den Freitagabend muss ich noch irgendwie lösen. Ich schiele auf das Neige d'Ete aber das steht bei meiner Freundin leider in keinem guten Ruf nachdem bei unserem letzten Besuch alle außer mir Magenkrämpfe hatten (nachdem alle außer mir den Käsegang genommen haben).

    Nachtrag: Ich habe mich nochmal durch das Forum hier gewühlt und bin jetzt für Freitagabend doch fündig geworden und zwar beim Virtus. Auf der eigenen Seite eigentlich nicht mehr zu reservieren aber über die Website des Michelins dann doch.
    Zuletzt geändert von Frab; 13.09.2018, 15:18. Grund: Nachtrag

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  • SirToby
    antwortet
    Werter Frab,

    ich war vorige Woche in Paris und bin im Grand Vefour sehr glücklich geworden. Auch wenn es sich um das älteste Gourmetlokal von Paris handelt, empfinde ich die Küche von Guy Martin als sehr zeitgemäß, leicht und modern (wenn man mal von Klassikern wie Ravioli mit Foie Gras oder Pigeon Rainier III absieht).
    Die Bewertung mit 2 Sternen halte ich für angemessen, die Preise sind jedoch zugegebenermaßen im 3 Sternebereich. Mittags gibt es ein günstiges 4-Gang Menü. Die Weinpreise wiederum sind für ein Restaurant dieser Kategorie in Paris moderat.

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  • glauer
    antwortet
    Septime regelmaessig online checken, vor allem auch so gegen 11. Und anrufen. Da geht oft noch was. Allerdings nur ab 2. Für einen alleine ruecken sie so einen Tisch nicht raus.
    Und warum gerade Benoit?

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  • rocco
    antwortet
    Zitat von Frab Beitrag anzeigen
    War jemand von Ihnen zuletzt in Paris und fühlt sich berufen eine Empfehlung auszusprechen?
    Restaurant Sylvestre im 7. Arrondissement oder Le Clarence im 8. Arrondissement. Beide klassisch, aber nicht zu klassisch, individuell und mit wirklich inspirierten Köchen in der Küche.
    Zuletzt geändert von rocco; 10.09.2018, 15:52. Grund: Ergänzung

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  • Frab
    antwortet
    Bei mir steht am Wochenende kurzfristig eine Paris-Reise an und da will ich natürlich wieder ausgiebig schlemmen, nur die Auswahl ist so schwierig bei der ungeheuren Vielfalt ... Champeaux, Porte 12, Boutary, Benoit, Bistrotters habe ich auf der Liste und zudem bei Verjus auf der Warteliste (Septime ist so kurzfristig wahrscheinlich nicht zu bekommen).

    Ich würde neben den ganzen Bistrots gerne etwas auf 1-3 Sterne-Level probieren. Epicure (Warteliste) und Histoires (reizt mich persönlich sehr) sind so kurzfristig leider nicht mehr zu organisieren, Ambroisie wäre eigentlich mein Fall aber irgendwie zögere ich noch, ob man hier ein Mittagessen auch in 2 Stunden genießen kann oder klassisch 4-5 Stunden im Sessel versackt. Ich habe nämlich den Samstag sonst noch Pläne in Paris!

    War jemand von Ihnen zuletzt in Paris und fühlt sich berufen eine Empfehlung auszusprechen?

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  • Frab
    antwortet
    Werter glauer, die ersten beiden habe ich ja bewusst nicht "objektiv" eingewertet sondern lediglich meine persönliche Meinung abgegeben im Sinne von "hat mir der Abend gefallen". In Restaurant #1 hat es mir das, in Restaurant #2 nur bedingt. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Es wird aber natürlich eine andere Kochkunst im Bourse et la Vie geboten als im l'Entrecote - das kann ich schon attestieren -, mich hat sie beim Besuch aber jetzt nicht begeistern können. Wahrscheinlich waren auch schlicht die immensen Vorschlusslorbeeren und die damit verbundene Erwartungshaltung an das "beste klassische Bistro Paris" irreführend.

    Wenn ich es objektivieren müsste: Der frz. Gault Millau wertet das Bourse et la Vie bei 13/20. Dem würde ich mich bedingt anschließen bzw. es im Bereich 12-13/20 sehen. Champeaux ebenfalls.

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