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    _ L'Ourcine im 13e, jahrelang vom GoMi mit dem roten Herzen bedacht: Einfache Einrichtung, Holztische, sehr freundliche junge Leute, in der Getränkeberatung unbedarft, gute boudin blanc, man ist in Paris angekommen.

    _ Gallopin, neben der Börse - wir hatten eigentlich, einem Forumstip folgend das Racine gesucht, auch gefunden, aber es war zu - sehr schöne Einrichtung, ja, das war's; deutlich besser im

    - Julien, allein die rue du Fg.Saint-Denis im 10e ist schon besuchenswert, unzählige Obsthändler, Fische, Austern, eine Epicerie mt zB.riesiger fleurs de sel Auswahl, indische und pakistanische Lädchen und dazwischen eben dieses Julien, an dessen Dekor, wie es heißt, nichts geändert wurde seit Sarah Bernardt das letzte mal dort vorbeigekommen war, dazu eine tadellose Brasserieküche, ausgezeichnete Matjes, wie sie in Deutschland selten zu bekommen sind (allein schon deshalb, weil Fische in D nur ausgenommen gehandelt werden, was wohl der Qualität des Matjes enorm schadet). Die Steuersenkungen wurden im J. an den Kunden weitergegeben.

    - La Muse Vin, 11e: hat man sich in der rue de Charonne erst mal vom Bastille-Viertel entfernt, wird man durch diese Weinkneipe belohnt. Es geht sehr einfach zu, der Wirt, ein stämmiger, selbstbewußter Mann, trägt eine abgewetzte Jeans, sein Shirt ist dazu gut abgestimmt. Der Weg zur Toilette würde bei unseren Brüsseler Bürokraten massenhysterische Anfälle hervorrufen. Gute charcuterie, liebevoll zusammengestellte Weinkarte, wir trinken einen weißen Sang de Cailloux und sind glücklich.

    und neues?

    - MBC im 17e: Gilles Choukroun, der ja schon im Café des Délices als besonders kreativ galt, kocht nun an der Porte Maillot in supermodernen Räumen. Die Karte http://www.gilleschoukroun.com/pages/mbc/carte.php erscheint interessant und das Essen schmeckt gut. Rote Rüben kommen als Salat in unterschiedlichen Farben und Zubereitungsarten, eine feine Creme am Tellerrand, Stifte etc, alles unterlegt durch das kräftige Aroma von eingestreuten Teilchen eines Salzherings, riskant gewürzt, aber in der Balance ( dazu auch noch kaviar-ähnliche Kügelchen; auf unsere Frage, was das sei, bekommen wir keine eindeutige Antwort) Zum Nachtisch gibt es maghrebinisch interpretiertes Tirami, wunderbar locker, viel leichter als das Original und getrocknete bzw kandierte Fruchtstückchen werden daruntergemischt, schmeckt toll.

    - Thoumieux Jean-Francois Piège hat das Crillon, das wahrscheinlich Ende März wieder öffnet, verlassen um ein neues Konzept zu erarbeiten. Das Thoumieux wurde aufwändig und sensibel renoviert, weiterhin gibt es natürlich die verspiegelten Wände, alles erscheint jedoch entmuffter, es ist gelungen. Auch die Speisekarte hat sich gewandelt, wobei es einem vorkommt, als wolle Piège althergebrachtes auf pfiffige Art erneuern. Aus dem schweren hartgekochten Ei mit Majo wird nun ein überaus gut angemachter Salat mit pochiertem Ei, wobei der Boden des Tellers hauchfein mit etwas geräuchert/fischigem bepinselt ist. Nochmals gibt es Ei, diesmal auf einer Spinarcreme aufgeschlagen und überbacken. Ein unfassbarer Wohlgeschmack, im Crillon wären jetzt noch Trüffel dabei gewesen. Die Vorspeisen liegen bei 10 €, die Musik ist laut, der Service jung und hübsch und cool. Die Seezunge kommt als frittierte Stäbchen mit einer fluffigen Remoulade, der Schweinebauch ist fett wie die Sau, maximal ein Zehntel besteht aus Muskulatur, schmeckt saugut.
    Ob Piège nun nwirklich selber in der Küche steht, weiß ich nicht, ist auch egal. In jedem Falle ist es gelungen, überzeugende Kochkunst auf ein deutlich niedereres Preisniveau zu überführen.

    - Yam T'cha: nein, es war uns nicht gelungen, telefonisch einen Tisch zu bestelle, auch nicht mittags, obwohl wir Wochen vorher angerufen hatten. Warum wir dann dennoch dort unser Silvestermenü erleben durften, darüber berichte ich später
    Gruß s.

  • #2
    Und wieder Paris, Freitagabend, das Wetter ist nass-kalt, und wir haben keine Lust wegen des Abendessens eine lange Reise zu unternehmen. Aber der Herr an meiner Seite hat sich für heute Abend Austern und Fisch gewünscht. Kurzerhand entscheiden wir uns für Goumard, obwohl wir von verschiedenen Seiten dies und jenes, eher negatives, über dieses Restaurant gehört haben. Die Bedienung sei arrogant, Weinliste überteuert, und das Essen… na ja. Aber bis zu Goumard ist es nur ein kurzes Spaziergang, also gehen wir dahin.

    Wir sind gleich angenehm überrascht, wir werden sehr herzlich empfangen, bekommen einen schönen Tisch und schauen uns um. Das Restaurant ist zu ein Drittel gefühlt (das sollte sich später ändern, zum Schluss gab es keinen freien Platz mehr), die Atmosphäre entspannt. Die Speisekarte ist sehr klein, Schwerpunkt natürlich Austern und Krustentiere, die Preise für Speisen und Weine auf normalen Pariser Niveau. Die Austern sind vorzüglich, mein Saint Pierre auf Gemüsebett ohne jeglicher Schnörkel, aber perfekt zubereitet. Der Herr scheint mit seinem Hummer auch zufrieden zu sein. Service ist aufmerksam, der Wein schmeckt. Was will man mehr?!

    Nächster Tag, Samstag, das Wetter ist schön, kalt und sonnig. Wir gehen wie viele Pariser bummeln und finden uns so um die Mittagszeit in der Nähe von Yam’tscha. Mein Mann besteht darauf, dass wir rein gehen und nach dem freien Tisch fragen. Ich weiß, dass es sinnlos ist, aber fragen kostet ja nichts. Yam’tcha ist ausgebucht…
    Jetzt bekommt der Herr eine fixe Idee, ein Steak Tartar zu Mittagessen zu verspeisen. Also schleppen wir uns weiter bis zu Place des Vosges. Ma Bourgogne ist gerammelt voll, obwohl die Mittagszeit eigentlich bereits vorbei ist. Die Bedienung ist nur zweckmäßig freundlich, es ist eng und laut. Zwischen den Tischen läuft eine Taube, die scheint zu Hausinventar zu gehören, auf jeden Fall versteht sie sich prompt den Gefahren auszuweichen. Steak Tartar ist genau so gut wie früher, alles andere absolut nicht die Rede wert.

    Spät am Abend sind wir auf Ile Saint Louis, in Mon Vieil Ami, das Lokal ist von Antoine Westermann geführt, der Koch heißt Frederic Crochet . Es gibt ein langen Tisch für ca. 20 Gäste, dort ist heute eine Geburtstaggesellschaft zu Gast, und noch 10 kleine Tische auf anderen Seite für jeweils 2 Personen. Alles ist voll, keine Touristen, man sitzt sehr eng. Es gibt ein Menu für 42 EUR, oder a la Carte. Die Karte ist klein, die Portionen groß. Wir fangen mit einem Salat aus diversen Rüben, sehr schön anzuschauen, da diverse Farben, alles hübsch um einen Wachtelsalat garniert. Danach kommt für mich eine gefüllte Hänchenkeule auf Gemüseauflauf, für den Herrn Jakobsmuscheln in Maronensoße und frische Champignons dazu. Alles schmeckt fantastisch. Die letzte Gäste kommen, es ist kurz vor 11.00.Wir trinken ein herrliches Puligny Montrachet von Olivier Leflaive. Dessert schaffen wir nicht mehr. Es ist Mitternacht. Der junge Herr rechts von uns hat Geburtstag, er bekommt ein Geschenk von seiner Freundin, dass sind die Mangetenknöpfe von Hermes. Das ganze Lokal bewundert das Geschenk, der Herr ist gerührt. Die alte Dame links von uns zankt mit Ihrem Ehemann, da er noch unbedingt eine Rom Baba essen muss, denke an dein Zucker… Wir lächeln.
    Wir gehen nach draußen, wollen uns von Restaurant kein Taxi bestellen lassen, da neben der Brücke stehen doch Taxis. Draußen ist bitter kalt und klar. Weit und breit kein Taxi zu sehen. Wir frieren, wir sind glücklich, wir sind in Paris…

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    • #3
      noch altes... und neues

      in den zwei sehr stressigen Wochen in Paris blieb uns leider nicht allzu viel Zeit und Kraft groß auszugehen. Hier nur ganz kurz über einige doch sehr, und manche so-la-la, kulinarisch erfreuliche Abende.

      - Yamt'cha. Es wurde bereits einiges zu diesem Restaurant in Forum geschrieben.Für mich war es ein 2.Mal, für mein Mann eine Premiere. Es war zu 99% ein fantastisches Menu. ( 1% ziehe ich für unserer Meinung 1 mußlungener Gang ab). Was in Yamt'cha so beeindruckt, ist die Stimmung in der Küche und Restaurant, die Spontanität in Speisenzubereitung, und die Tatsache, dass es meist ganz einfache Zutaten zu einem hervorragendem Ergebnis / Erlebnis verarbeitet werden.

      - Eine sehr schöne und überraschende Entdeckung, die uns gleichzeitig sehr traurig gemacht hat. Ein Restaurant Le p'tit Cailou in 8.Arondissement. Ein sehr gemütlicher und kleiner Lokal ist auf Fleischgerichte spezialisiert, die Karte ist klein und nicht sehr teuer: Vorspeisen zu 11, Hauptgerichte 20, Grillfleischgerichte 30 EUR. Wir hatten eine sehr schöne Variation mit Foie Gras mit Apfel und einen Wurstsalat mit Blauschimmelkäse und Kürbisschaum ( hervorragend), danach ein Entrecote und Bavette de Boef. So ein gutes ( und riesiges) Stück Fleisch habe ich seit Jahren nicht mehr gegessen.
      Traurige Tatsache war, dass wir abends nur zurzweit (!) in Restaurant waren. (OK, die Lage des Lokals läßt zu wünschen übrig, drum rum nur Firmen). Deswegen hat uns der Besitzer mitgeteilt, dass er ab 1.April nur noch Mittags offen haben wird. So Schade, wir hatten sicherlich öfter da gewesen, es liegt nicht weit von unserem Domizil in Paris. Auf jeden Fall, vielleicht ein Tipp für's Lunch.

      - Dominique Bouchet, auch 8 Arr. Ein Star Michelin, Service für Pariser Verhältnisse hervorragend und sehr nett, Essen handwerklich ohne Mängel aber nicht wirklich errinnerungswürdig. Ich habe nur 1 wirklich starker Gang in Gedächtnis: Lamm.

      - Brasserie Mollard. Es war ein Geschäftsessen, und dafür war es gut genug. Ich fand das Essen grausam, überraschende Weise war die Brasserie sehr gut besucht. War das Lage? Oder die Geschichteder Brasserie? Ich jedenfalls kann in Zukunft darauf verzichten und gehe dafür in benachbartes Garnier. Der ist um einiges teurer, hat aber hervorragende Meeresfruchte.

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      • #4
        Zen

        In der Rue Sainte Anne im 1.Arr. hat sich ein kleines Asia-Viertel etabliert, enge, gutbesuchte Restaurants, ein Supermarkt, anders als in der Av. d'Ivry dominiert hier eher Japanisches; nach Süden hin ändert sich der Name der Straße in Rue de l'Échelle und dort findet man das Zen, eine Art japanisches Bistrot.
        Der Michelin gibt einen Bib, man sollte reservieren. Auf der Karte, fast etwas enttäuschend, the usual suspects, aber da ist noch eine kleine Karte mit den Tagesempfehlungen, frittierte Auster, mariniertes Rinderfilet, eine Gericht heißt nur "drei amuse-gueules" und wird interessanterweise erst nach der Vorspeise serviert.
        Sicher nicht erste Wahl für erste Paris-Besuche; für Japanophile jedoch ein solider Bib.

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        • #5
          Am Wochenende von der Durchreise von der Bretagne in Paris. Drei Restaurantbesuche:
          1) Le Gaigne (http://restaurantlegaigne.fr). Winziger Raum, viele Tische, extrem eng. Kleine Karte, klassisch-neu interpretiert: die beste Terrine de volaille meines Lebens! Für Paris sehr günstige Preise.
          2) Mittags im "Thoumieux" (http://www.thoumieux.fr). Leider war abends eine Reservierung im Restaurant von Jean-Francois Piège in der ersten Etage nicht möglich. Reservierungen werden grundsätzlich nur 14 Tage vorher angenommen. Bei nur zehn Tischen kann es dann vorkommen - wie man uns sagte - , dass alle Tische binnen fünf Minuten vergeben sind. Das ist so etwa wie bei eBay zehn Minuten vor Bieteschluss. Nun zum Thoumieux: Der Bistrostil ist aufgefrischt - na ja, über Geschmack kann man streiten! Dieselbe Küche wie in der ersten Etage. Sehr günstige Preise, 160 € für zwei Personen mit einer Flasche Wein usw. Hingehen!
          3) Claude Colliot (http://www.claudecolliot.com). Wer auf rohe Selleriescheiben, rohes Wurzelgemüse usw. steht, sollte hingehen. Wir nicht noch einmal!

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          • #6
            Wir waren wieder einige Tage in Paris, und möchten hiermit unsere neuesten kulinarische Eindrucke teilen:

            L’Hedoniste. Der kleine Lokal unweit von Les Halles ist eine Art „schickere Bistro“ Die Karte ist klein, Weinliste gut bepreist. Wir waren am Samstagabend da, das Wetter war schön, man konnte draußen sitzen, rue Leopold Bellan ist nicht zu stark befahren, so dass wir wirklich unser Essen in Ruhe genießen konnten.
            Es gab für Vorspeise, Hauptgang und Dessert jeweils 3 Gänge zum Auswahl. Wir hatten:

            Als Amuse eine selbstgebackene Salzmakrone, die noch warm war

            Als Vorspeise: Ananas-Gaspacho, Schrimp, Zitronengraß
            Spargelsalat, Zitronenconfit, Tomaten-Oliventapenade

            Als Hauptgang: Risotto, Spargel, Lollo Rosso, schwarze Oliven, Schinken
            Lotte, Packchoi, Shi Taki, Lauch, Chicoree, Äpfel

            Als Nachtisch: Käse
            Milchreis aus Wildreis, Erdbeeren, Minze

            Zu trinken gab es einen schönen Chinon blanc.

            Unser Fazit: alle Gerichte durchaus interessant. Mein Risotto, und der Milchreis als Nachtisch, waren perfekt. Ich muss zugeben, dass ich ein sehr großer Risotto-Fan bin, und daher sehr kritisch, was Risotto betrifft. Milchreis mit wildem Reis ergab eine sehr interessante Konsistenz und Farbe, schmeckte sehr leicht und sommerlich. Eine schöne Adresse, besonders, wenn das Wetter mitspielt, und man draußen sitzen kann.

            Akrame. Gagnaire- und Adria-Schuler Akrame Benallal ist der neue Liebling der Pariser-Gastroszene. Der ist nur 27 Jahre alt, kam mit 13 aus Algerien nach Tours, wo er auch sein erstes Restaurant führte. Der junge Mann ist nicht nur talentiert, er sieht genauso gut aus, wie er kocht, und sagt solche Sachen wie: „ Ich bin geboren, um zu kochen. Wenn alle meine Freunde diskutierten, ob wir Fussball spielen, oder ins Kino gehen sollten, dachte ich darüber nach, wie ich nach Straßburg komme, um einen 3 Sterne Restaurant zu sehen.“ Oder „ Mein Essen soll so sein, wie ich: modern und nett“. Mit einer gewissen Naivität erzählte er uns, wie überrascht er war, zu erfahren, wie viele gute Köche es in Deutschland gibt, und was für tolle Ideen diese entwickeln.

            Jetzt zum Essen. Wir waren mit 2 französischen Freunden da, die sehr angetan waren. Wir waren jedenfalls durch und durch glücklich. Es gibt nur 2 Menus, 4 Gänge für 45 EUR und 6 für 65 EUR. Wir haben 4 Gänge ausgewählt. Es wird geklärt, ob irgendwelche Unverträglichkeiten/Allergien vorliegen, dann geht es los. Ein schönes Baguette darf natürlich nicht fehlen. Dazu bekommen wir Tonkabohnen-Limetten-Butter.

            Zum Apero bekommen wir einen Käseschaum-Hering-Törtchen und einen Sesam-Parmesan-Keks. Das Törtchen ist ein Traum, zartschmelzend und sanft.

            -Wilder Reis, Garnele, Garnelensud. Für mich ein Gericht des Abends. Wilder Reis wurde wahrscheinlich gebacken, so dass dieser knusprig war, dazu eine rohe Garnele. Alles wird am Tisch mit einem unglaublich intensiven und konzentrierten Garnelensud übergossen, so dass die Garnele durchzieht. Eine sehr interessante Komposition und viel Geschmack!
            -
            -Grüne Spargel, Pomeloschaum, Ei. Ein eigentlich sehr einfaches Gericht, der durch die Qualität der Produkte lebt, und durch feinen Zitrusgeschmack von Pomelo enorm aufgewertet wird. Wunderbar!

            -wilder Wolfsbarsch, grüne Erbsen, Artischocken-Erbsen-Püree, Zitronenconfit. Wunderschön präsentiert und sehr leicht und rund im Geschmack.

            -Schokoladentarte, Nuss, Kaffeeschnee, Puffreis. Ich bin kein Fan von Schokodesserts, aber das hier war genau nach meinem Geschmack. Erstmals, genau richtige Portion, um alles noch genießen zu können. Dann, ich liebe dieses Spiel mit den verschiedenen Konsistenzen und Temperaturen. Das Deckelchen von Tarte war aus fester Schokolade mit knusprigen Puffreis und gemahlenen Nüssen. Darauf lag ein herber Kaffeeschnee. Drunter war eine warme, schmelzende Schokolade. Sehr schön.

            Der Service war sehr nett, zum Schluss etwas überfordert, da das Lokal auch am Montagabend total ausgebucht war, mit etwa 25 Plätzen ist es auch nicht besonders groß.

            Was uns noch sehr gut gefallen hat: man sitzt nicht sehr eng, kann sich daher sich ungestört unterhalten. Ambiente sehr geschmackvoll (über die Fotos an der Wand kann man natürlich streiten), die ganze Atmosphäre sehr entspannt. Eine kleine offene Küche, wo außer Akrame noch 2 Personen hantieren, alles sehr ruhig und gelassen. Akrame hat ständig seine Gäste beobachtet, später dann sich mit jedem Tisch ausgiebig unterhalten.

            Momentan ist der Akrame noch wirklich sehr nett und bescheiden, was wahrscheinlich bei den ganzen Hip nicht lange anhalten wird. Jedenfalls ist dieser Restaurant einen Besuch wert (dann sagen, dass der Tipp von mir kommt ), und wir werden wahrscheinlich von dem jungen Mann noch viel hören.

            Spring. Spring ist so etwas wie Mekka für amerikanische Touristen in Paris. Der Chef Daniel Rose kommt aus Chicago, die Geschichte sagt, er kam vor einigen Jahren nach Paris, um Philosophie zu studieren, verliebte sich in eine Französin und französische Küche, hat in sich ein Talent zum kochen entdeckt und eröffnete vor ein paar Jahren ein winziges Bistro namens Spring, welches innerhalb kurze Zeit für Furore sorgte. Letztes Jahr hat er ein neuer, größeren Spring eröffnet, seitdem, munkelt man, kocht er nicht mehr so inspiriert. Die Reservierung ist trotzdem nur Monate im Voraus zu bekommen.

            Wir haben vieles über Spring gehört, und wollten es genau wissen. Irgendwie haben wir eine Enttäuschung erwartet, wahrscheinlich deswegen waren wir zum Schluss weniger enttäuscht. Die Nachteile des Restaurants sind trotzdem so offensichtlich, dass wir bei den wenigen Vorteilen Spring nicht weiter empfehlen werden, es sei denn, Sie stehen auf American way of Life.
            Wir waren die einzige Europäer im Lokal, der sehr klein und eng ist, so dass man sich zwischen ein Ehepaar aus Ohio und einer Gesellschaft aus Texas etwas deplaziert fühlte. Die Küche ist groß, offen, erstaunlich gut besetzt (wir haben 6 Leute in der Küche und 4 in Service gezählt, wenn man es mit Yamtcha, Akrame oder Bigarrade vergleicht, richtig überfüllt!). Daniel Rose hat wenig Zeit in der Küche, sondern mehr beim plaudern mit der Gästen verbracht, was wahrscheinlich auch der Grund für sinkende Qualität seiner Speisen ist. Fairerweise muss ich sagen, er hat es nicht nötig, sich zu überanstrengen, das Restaurant hat viele Stammkunden und ist immer mindestens 2 Monate im Voraus ausgebucht.
            Es gibt nur ein Menu für 64 EUR, fair bepreist. Die Weinkarte fanden wir etwas überteuert, besonders angesichts der Tatsache, dass Spring noch eine Weinboutique führt, wo man die angebotenen Weine auch kaufen kann.

            Als Amuse bekamen wir Schwertmuschel mit Koriander und Knoblauch. Sehr schmackhaft, aber auch nichts besonders.

            Dann folgten:

            - kalte Salatsuppe, Schrimp, Pfifferlinge, Zitronengras. Salatsuppe war aus Rukola, Spinat und Kopfsalat. Wir hatten mal in Yamtcha auch eine Salatsuppe, fairerweise muss ich sagen, dass diese hier geschmacklich besser war. Allerdings der Rest… Pfifferlingen schmeckten mir zu sehr nach Essig, so dass ich einen Verdacht hatte, es waren keine frische Pilze, außerdem beißte sich der Essiggeschmack mit dem von Zitronengrass.

            - Kalbsbries mit grüner Tomate. Kalbsbries war ein Tick zu trocken, der grüne Tomate, eine spezielle Sorte, welche süß schmeckte, passte eigentlich sehr gut dazu, nur wurde diese überflüssigerweise frittiert. Ich hatte mir diese lieber gegrillt gewünscht, ich glaube, es hatte optisch auch besser gepasst.

            -- Taube, Mandelpüree, Kirsche. Dieser Hauptgang hat mich mit Daniel Rose versöhnt, es hat gezeigt, dass er tatsächlich kochen kann. Es war einfach wunderbar, die Taube rosa und sehr zart, Mandelpüree und dazu frische Mandeln, sowie aromatische frische Kirschen. Ein sehr harmonischer und subtiler Hautgang.

            - Himbeerensahne und bretonischer Keks

            - Joghurt-Limetten-Sorbet, Schokolade.

            Beide Desserts waren richtig enttäuschend, definitiv einen Schwachpunkt.

            Wir hatten die Empfehlung von unserer lieben Cynara gefolgt, und waren einen Mittag in le Cremerie, was uns sehr gut gefallen hat (eine wunderbare Burrata mit Olivenöl und Tomaten angemacht, sowie eine iberische Schinkenplatte) und abends in Carte Blanche.

            Carte Blanche erinnerte mich sehr an MBC, allerdings fand ich die Küche sehr eklektisch. Wir hatten beide Carte Blanche Menu für 49 EUR. Interessant war, dass jeder, der Carte Blanche Menu bestellt, unterschiedliche Gerichte bekommt. So war es bei uns, und auch am Nachbartisch, 4 Personen insgesamt, es wurden 4 verschiedene Menus serviert. Wir hatten:

            - als Amuse Pulpo, Mayonnaise, Koriander
            - Carpaccio, asiatische Kräuter und Krabbe mit Papayasalat
            - Kabeljau-Seviche, Toast mit Kabeljau-Kaviar
            - Adlerfisch, Sommergemüse, Kartoffelpüree und Kalbsnieren, japanische Soße, japanische Pilze
            - Munster und Camembert
            - Karamelleis und Apfelsorbet

            Wie gesagt, es hat alles gut geschmeckt, mir fehlte allerdings eine Linie. Mal waren arabische Einflüsse drin, mal japanische oder thailändische. Die Portionen waren groß, und der Service sehr aufmerksam. Viele Gäste scheinen aus der Nachbarschaft zu kommen, es waren offensichtlich viele Stammgäste da.

            Der Höhepunkt diesmal war natürlich le Bigarrade, dazu kommt in den nächsten Tagen ein Extrabericht.

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            • #7
              Vielen Dank für den interessanten Bericht. Wenn Sie zwei Tage früher geschrieben hätten, wäre unsere Wahl sicher auf Akrame gefallen. Ich habe gerade für unsere Parisreise im Juli alles gebucht und weil ich Reservierungen nur im Notfall absage, wird es Oktober werden, bis wir dorthin kommen. Die Tippgeberin werde ich dann gerne nennen. LG Cynara.

              PS: Ich freue mich schon auf Ihre Essgeschichte aus der Bigarrade.

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              • #8
                Zitat von cynara Beitrag anzeigen
                ...
                PS: Ich freue mich schon auf Ihre Essgeschichte aus der Bigarrade.
                Ich mich auch :hungry:
                by the way, toller Bericht, hoffentlich komme ich auch bald nach Paris...

                bar

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                • #9
                  Zitat von cynara Beitrag anzeigen
                  Wenn Sie zwei Tage früher geschrieben hätten, wäre unsere Wahl sicher auf Akrame gefallen.

                  PS: Ich freue mich schon auf Ihre Essgeschichte aus der Bigarrade.
                  Ich hoffe, dass Akrame bis Oktober noch nicht von seiner Frische und Nettigkeit angebüst hat.

                  Viel Spaß im Juli!

                  LG
                  wi

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                  • #10
                    War jemand schon im Restaurant von Jean Francois Piege (nicht dem Bistro)?
                    Bin neulich dort vorbei gelaufen. Das Konzept sieht mehr als interessant aus: man sucht sich einen, zwei oder drei Gaenge aus und dann kommt irgendwas was gerade eingekauft wurde (letzte Woche waren es Langustine, Spargel, Morchel, Huhn...). Die Preise schauen recht freundlich aus, von €70-€115.

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                    • #11
                      Kennt zufällig jemand das "Kei" aus eigener Erfahrung? Ein japanischer Koch, langjähriger Ducasse-Mitarbeiter...
                      restaurant-kei.fr (mit www. vornedran bitte).

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                      • #12
                        Freunde von mir waren vor kurzem dort; und wenn wir hier auch, ganz im Sinne des BVG, den Beweiswert dieser Zeugen vom Hörensagen besonders kritisch betrachten wollen, so traue ich deren Beurteilung durchaus (immerhin fanden sie den Maître P. in der Mainzerstraße einfach nur "süß"). Es hat ihnen dort insgesamt gut gefallen, obwohl sie zunächst vom Getränkekellner etwas vernachlässigt wurden. Die Küchenleistung exakt, filigran, gut. Die Preisgestaltung, gerade auch bei den Weinen, nicht zu günstig. Es würde jedoch eindeutig Richtung Stern gearbeitet.
                        Gruß
                        s.

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                        • #13
                          Erst einmal besten Dank für die vielen guten Tipps, die ich hier bekommen und gefunden habe!
                          Es werden in den kommenden Wochen detailierte Berichte zu einer Reihe von Restos folgen, aber einen ganz besonderen Tipp muss ich einfach schonmal in Kurzform loswerden: das "Agapé Substance". Ich glaube cynara hat es bereits empfohlen und auch wir können jedem nur anraten, dort hinzugehen. Das Konzept, dass alle Gäste auf Barhockern an einer langen Tafel sitzen, welche direkt in den offenen Küchenbreich übergeht, ist großartig. Die Atmosphäre ist sehr entspannt und vor allem: das Essen ist sensationell gut. Wir hatten insgesamt 25 kleine und größere Gerichte, von denen bis auf 1 Dessert jedes toll war - für 100 Euro ein Schnäppchen, finde ich.
                          Man merkt deutlich die Prägung des jungen Chefs durch die Gemüse- und Kräuterküchen seiner Lehrmeister Passard und Veyrat, mind. die Hälfte unserer Gerichte bestanden nur aus Gemüse/Kräutern.

                          Ach ja: am besten den Chefs Table buchen, da sitzt man zu 2 direkt in der Küche am Pass und und kann wunderbar beobachten... das steigert das Gesamterlebnis nochmals erheblich.
                          Insbesondere dort empfehle ich allerdings sehr leichte Kleidung (Hemd oder T-Shirt), da es durch die offene Küche sehr warm ist. (Im Rest des äußerst kleinen Gastraumes aber auch).


                          Grüße
                          b.
                          Zuletzt geändert von brigante; 19.11.2011, 13:57.

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                          • #14
                            Kann mich hier brigante nur anschliessen:
                            War selbst am Mittwoch Abend dort und "sensationell gut" trifft den Nagel auf den Kopf.
                            Wir hatten (für uns ausnahmsweise) eine Weinreise dazu - auch sehr empfehlenswert.
                            Allerdings nichts für empfindliche Gemüter: bei uns war der Geräuschpegel sehr hoch (das Restaurant ist momentan eigentlich jeden Tag bis zum Anschlag voll!)
                            Uns hats nicht gestört - die Stimmung im Lokal ist extrem gut.
                            Habe selten so entspanntes Personal erlebt.
                            Fazit: Sollte man sich nicht entgehen lassen.
                            Gruss
                            richy

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                            • #15
                              Auch der GaultMillau findet für dieses Lokal lobende Worte und gibt zwei Tocken. Zu dem von b. empfohlenen Tisch heißt es: Animation garantie
                              s.

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